Tag 601: Update – Wien erlaubt Kinderimpfung

Spitzenreiter sind Waidhofen an der Ybbs (Stadt) mit 1383, Melk 1107, Lilienfeld 1075, Braunau am Inn 1016

Jetzt, wo der Hut brennt, werden die PCR-Tests ausgeweitet. In den Wiener Spitälern wurde die 3G-Regel außer Kraft gesetzt – jeder Besucher braucht einen höchstens 48 Stunden alten PCR-Test (Stand, 03. November 2021). In den Bundesländern abseits von Wien werden die Gurgeltests in SPAR-Filialen und Apotheken angeboten.

  • Im Burgenland gibt es seit 1. Oktober PCR-Gurgeltests in SPAR-Märkten, seit 02. November auch in Apotheken und Krankenhäusern.
  • In Niederösterreich werden die 23 PCR-Testautomaten bei den Tankstellen wieder abgebaut, ab Mitte November soll es in jeder Bezirkshauptstadt Gurgeltests in SPAR-Filialen geben, zudem in 180 Apotheken, künftig auch samstags.
  • In Kärnten gibt es ab 8. November Gurgeltests an 204 Standorten
  • In der Steiermark gibt es seit 2. November Gurgeltests mit 211 Ausgabestellen und 460 Abgabestationen.
  • In Oberösterreich werden bisher nur PCR-Abstriche in Apotheken angeboten, Gurgeltests gibt es nur in Linz-Stadt, Vöcklabruck und Gmunden nach Online-Anmeldung.
  • In Salzburg gibt es seit 27. Oktober Gurgeltests in 54 Supermärkten – dabei filmen muss man sich aber nicht.
  • In Tirol wird es 200 PCR-Selbsttestboxen geben, die in den ersten zwei Novemberwochen flächendeckend kommen sollen
  • In Vorarlberg gibt es seit 2.11. Gurgeltests in Apotheken.

Quelle: Alle aktuellen ORF-Text-Meldungen dazu

Und warum gurgeln jetzt alle so vorbildlich? Wegen der 3G-Regel am Arbeitsplatz, die noch nicht einmal fix ist und Mitte November – viel zu spät – durch 2,5G (also nur noch PCR gültig statt Antigen) ersetzt werden soll. Pferdefuß: Mit 3G fällt die FFP2-Maske weg!!! Das führt zu der absurden Situation, dass Supermarkt-Angestellte, generell der Handel oder auch Service-Stellen-Mitarbeiter keine FFP2-Maske mehr tragen, die Kunden aber schon.

Laut EMS hat Österreich heute 7733 Neuinfektionen innerhalb von 24 Std., vor einer Woche waren es 4152, vor einem Jahr 4445. Damals galt zu diesem Zeitpunkt aber schon ein Lockdown light. Symptomatisch auch, dass wir immer noch unterschiedliche Datenquellen haben, laut ORF/AGES sind es 6305 neu und laut BMI 6506.

Update, 04. November 2021:

Bürgermeister Ludwig hat in einer Pressekonferenz bekanntgegeben, dass Wien nicht auf die EMA wartet – es wird eine Off-Label-Impfstraße mit KinderärztInnen geben und erweitertem Beratungsangebot. Zudem gilt ab Mitte November 2G in der Gastronomie, körpernahe Dienstleister, Veranstaltungen ab 25 Personen. Es soll auch eine Informationskampagne für den 3. Stich geben.

Das reicht natürlich nicht. Es braucht dringend Maßnahmen für Schulen und Kindergärten: Distance Learning, bis die Kinder geimpft worden sind. Und Maskenpflicht auch im Unterricht. Und die üblichen Lüftungsmaßnahmen.

Raus aus dem Bequemlichkeitsmodus

Die klügsten Worte zuletzt kamen ausgerechnet vom ÖVP-Landeshauptmann der Steiermark:

„Der Stufenplan ist nämlich ein Reaktionsplan, man braucht aber einen Aktionsplan. Wir wollen verschärfen, damit es nicht schlechter wird.“

Mikrobiologe Michael Wagner hat letztes Jahr im Herbst, während des zweiten Lockdowns, einmal gesagt, dass wir auch verzichten müssen, dass Erwachsene verzichten müssen, um die Kinder zu schützen. Das mit dem Verzicht ist so eine Sache. Man kann nicht eine Sicherheitskäsescheibe durch eine andere ersetzen und glauben, das wäre jetzt die Problemlösung schlechthin.

Kultureinrichtungen wie Theater oder Kinos wollen auf 2G umstellen, „um die Maskenpflicht loszuwerden.“ 3G wird, wie oben geschrieben, benutzt, um ebenfalls die Maskenpflicht zu umgehen. Für Geimpfte und Genesene entfallen die Tests, weil extrem lästig.

Der Pressesprecher von Gesundheitsstadtrat Hacker sagt in einem Tweet:

Liftfilter sind eh süß, aber de facto wirkungslos. Die Kinder haben sich innerhalb von 10min angesteckt und eh lieb, dass 50min später die Lift ausgetauscht ist. Bis dahin haben sich die Kinder hundert Mal angesteckt. Natürlich ist Testen das beste, wo es keine Impfung gibt.“

Luftfilter sind NICHT wirkungslos. Conway-Morris et al. (22.09.21) konnten zeigen, dass Luftfilter im Krankenhaus effektiv infektiöse Aerosole entfernen. Was in Patientenzimmern funktioniert, kann genauso in Klassenräumen helfen. Tests verzögern nur die Sekundäransteckungen, solange alle Kinder ungeimpft sind. Tests sind kein Ersatz für andere Maßnahmen, wie z.B. Impfpflicht für PädagogInnen, Off-Label-Impfungen für U12, Maskenpflicht im Unterricht, Unterricht im Freien oder in großen Hallen, wann immer möglich, CO2-Monitore, um Luftqualität zu überwachen.

Rein in den Durchseuchungsmodus

Epidemiologe Michael Mina: „Ich verabscheue den Begriff „Natürliche Immunität“. Es gibt nicht so etwas wie eine künstliche Immunität. Ein Impfstoff erzeugt eine natürliche Immunantwort. Die Frage ist lediglich: „Wie willst Du diese Immunität aufbauen? Über eine riskante Infektion oder einen sicheren Impfstoff?“ Ich wähle die Impfung.“

„Von daher ist das jetzt momentan eher die Strategie Durchseuchung, die wir hier praktizieren.“ (Komplexititätsforscher Peter Klimek, Ö1-Mittagjournal, 02. November 2021)

Im Fact Sheet der GÖG von Anfang Oktober 2021 wurde ausgerechnet, wie viel Neuinfektionen pro Tag man sich bei konstant niedriger Impfquote erlauben könnte, bis es zu einer Überlastung kommt. Das funktioniert so wunderbar, weil Long COVID in den Berechnungen nicht vorkommt und jüngere Menschen seltener ins Krankenhaus müssen.

DiePresse: „Da es im Kindergarten kein so dichtes Testsystem, dafür jedoch viel engen Kontakt gibt: Könnte man da von einer „kontrollierten Durchseuchung“ bei den Kindern reden?“

Peter Hacker: „Ja, aber das ist schon die ganze Zeit so.“ (09.September 2021, DiePresse)

In Österreich wurde am 15. September 2021 beschlossen, die Schutzmaßnahmen in den Schulen, von der Intensivauslastung für Erwachsene abhängig zu machen.

Simulationsforscher Popper:

„Die Hoffnung war, dass wenn die Grunddynamik stärker wird, wir das durch die Immunisierung ausgleichen können. Jetzt sehen wir, dass das nicht der Fall ist. Das prognostizieren wir aber seit Sommer.“

Gesamtgesellschaftlich habe sich Österreich für eine Strategie entschieden, bei der man die Pandemie in Teilbereichen auch durchlaufen lässt – mit all den Folgewirkungen.“

(04.11.21, APA Science)

Schon praktisch, wenn man die Intensivauslastung unendlich verschieben kann (Handbuch für PLURV: Torpfosten verschieben):

Grafik-Ersteller Alex Brosch: „OÖ hat seine gemeldete Intensivkapazität von 250 auf 333 erhöht, das verschiebt auch die 20%-Schwelle, an der die Maskenpflicht in der Schule hängt. Dass die reale Kapazität nicht mehr wurde, beweist der Rückgang an Non-COVID-Kapazität (ganz rechts).“ Die Prognose (grau) war offenbar zu optimistisch. NonCOVID ist hellblau, COVID blau, das weiße Band sind die ominösen freien Betten, die immer konstant bleiben.

Mehr von Alex auf seiner Webseite.

Vielleicht sollte das einen in einem wissenschaftsfeindlichen Land nicht verwundern, aber ich find es trotzdem ermüdend, alleine, wenn man an die Folgen denkt im Gesundheitswesen – wie viele Ärzte und Pfleger deswegen kündigen werden oder selbst krank wurden und werden. Die Regierungen sind auch so zynisch, weil sie auf das Helfersyndrom der Ärzte und Pfleger setzen, die nie streiken werden, die immer behandeln werden, egal wie fertig sie sind, bis sie nicht mehr können. Aber solange genug können, nimmt man ICU-Kapazität als Maßstab. Genauso niederträchtig ist es, mit LongCOVID oder gar MECFS-Patienten zu sprechen, und dann in öffentlichen Stellungnahmen wiederholt wieder nur die Intensivbettenkapazität als Richtwert herzunehmen, wie Mückstein es seit seinem Amtsamtritt tut. Niemand zwingt ihn dazu, auch nicht die ÖVP.

Lockdown unausweichlich

Infektiologe Greil ist der erste, der das L-Wort in den Mund nimmt und auch kritisiert, dass sich die Verschärfungen nur an der Intensivbettenbelegung orientieren.

„Die Bevölkerung muss wissen, dass die Grenzen der Behandelbarkeit gegeben sind. Und dass ein Kollateralschaden für andere Patienten ensteht.“

Die Leiterin des Krisenstäbchen in Oberösterreich, Carmen Breitwieser, von Stelzer und Haberlander in die zib2 bei Wolf zum Fraß vorgeworfen:

Natürlich muss die Maßnahme immer dann gesetzt werden, wenn wir merken, dass sie die Bevölkerung auch mitträgt.“

Ich lass das Interview mal so stehen, als Mahnmal (ORF-Transkript).

Man könnte sich aber auch fragen, warum wir unsere Einsatzkräfte gegen den Waldbrand in Hirschwang an der Rax ohne Not selbst dezimieren….

Quelle: KURIER, 02. November 2021 – welche Masken?!

Update, 4.11.21, die Knofelebenhütte dementiert den Zeitungsbericht. Niemand wäre Infiziert. Die Information über den Cluster kommt von der APA. Was stimmt nun?

Was man selbst machen kann?

Kontakte reduzieren, ohne auf Verordnung von oben zu warten

FFP2-Maske tragen, ohne auf Verordnung von oben zu warten.

Regelmäßig PCR testen, gratis-Angebote nutzen, mindestens 1x pro Woche, nach potentiellen Cluster-Situationen (Familienfeiern, usw.) und Kontakt mit Infizierten auch häufiger (Geimpfte gelten immer noch als K2).

usw, usw. Man kennt das ja.

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