Tag 997: Es gibt keine Immunschuld! [B]

Diese Abbildung zeigt die Gesamtzahl der Spitalseinweisungen wegen RSV bei Kindern der Altersgruppen 0-12, 12-24, 24-36 und 36-48 Monate. Jede Linie steht für eine Altersgruppe, nicht für eine RSV-Saison. In der unteren Grafik ist erklärt, wie man sie zu interpretieren hat: Säuglinge, die im Lockdownjahr 2020/2021 geboren wurden, waren wegen RSV nie im Krankenhaus, auch in späteren Jahren in viel geringerem Ausmaß als vor und nach den Lockdowns. Sie haben also davon profitiert, als Neugeborene nicht infiziert zu werden. Später geborene Kinder haben schon als Säuglinge in hoher Zahl RSV durchgemacht, in den letzten Jahren nur von der RSV-Saison 2015/2016 übertroffen. Die Statistik zeigt also, dass das Auslassen von Infektionen im Säuglingsalter nicht dazu führt, dass die Kinder später häufiger oder schwerer erkranken.

“Es gibt kein “Infektionskonto”, das man abarbeiten muss, damit man am Ende des Jahres bei Null ist. Wenn man sich weniger ansteckt als der Durchschnitt, dann muss man das nicht später nachholen. Man ist dann einfach weniger krank und fehlt weniger (z.B. Schule)”

Virologin Isabella Eckerle, 23. November 2022

“Wer glaubt, durch eine Infektion sein Immunsytem zu trainieren, muss konseqeunterweise auch glauben, durch ein Steak seine Verdauung zu trainieren.”

Virologe Christian Drosten, 29. Dezember 2021

In diesen Wochen und Monaten wird eine Sau durchs Dorf getrieben – von der Politik, von den Medien, von Ärzten, darunter auch viele Kinderärzte. Sie reden von Immunschuld. Durch die vielen Lockdowns und ständiges Maske tragen wären die Kinder mit weniger Keimen in Berührung gekommen und ihr Immunsystem wäre nun untrainiert. Damit erklärt man die vielen, auch schweren Infektionen. Was in gewisser Weise paradox ist, denn dieselben Leute haben vorher monatelang behauptet, dass Maske und Lockdowns Ansteckungen nicht verhindern hätte können.

Immunschuld – woher kommt dieser Begriff überhaupt? Aus einem Wall Street Journal Article im Juni 2021. Davor hat den Begriff niemand in der medizinischen Community benutzt.

In diesem Beitrag möchte ich kurz erklären, wie das Immunsystem funktioniert, warum es kein Training braucht und warum man sein Immunsystem nicht stärken, aber sehr wohl schwächen kann.

Wie funktioniert das Immunsystem?

Vorwort: Bitte schlagt mich nicht. Ich hab das selbst nicht gewusst und es hat mich auch nie interessiert. Viele chronisch immunkranke Menschen müssen sich damit notgedrungen auseinandersetzen, ihr Leben hängt davon ab. Wenn man hingegen Infekte bisher gut weggesteckt hat oder einfach selten krank ist, denkt man darüber nicht weiter nach. Die Pandemie hat das geändert – spätestens dann, als erste Berichte und persönliche Anekdoten kamen, dass auch gesunde, sportliche junge Menschen schwer erkranken können und einfach nicht mehr gesund werden. Da fiel mein Wunschdenkenkartenhaus in sich zusammen, dass ich nur viel an der frischen Luft sein muss, in den Wald gehen, Terpene einatmen, die die T-Zellen-Produkt steigern sollen, ein bisschen Vitamin D extra und Vitamin C, Zink – und dann kann mich Covid mal, dachte ich anfangs. Eine sehr vereinfachte und leider esoterisch angehauchte, falsche Sicht auf das Erkrankungsrisiko, bzw. auf die Funktionsweise des Immunsystems.

Grundlage für die nachfolgenden Zeilen ist der sehr gut gemachte Beitrag von Quark hier: Alle krank: Ist unser Immunsystem im Arsch? vom 3. Dezember 2022. Ich bin allerdings kein Fan von Erklärvideos, deswegen hab ich mitgeschrieben und versuch die wichtigsten Punkte nachfolgend aufzudröseln:

Die wichtigste Aufgabe des Immunsystems ist es, zwischen Eindringlingen und den eigenen Zellen zu unterscheiden. Neben den Viren, die in der Pandemie weniger zirkuliert sind, gibt es auch noch Bakterien, Pilze, Parasiten, Zellreste, Fremdkörper. Das Immunsystem eliminiert im Körper alte abgestorbene Zellen, es greift sofort bei Schnittwunden ein und es kontrolliert auch, ob Zellen sich verändern, und verhindert damit tagtäglich die Entstehung von Tumoren. Das Immunsystem hat also immer etwas zu tun. Das Immunsystem braucht kein Training, sondern Updates. Das erworbene Immunsystem produziert spezifische Antikörper, während das angeborene Immunsystem breite Antikörper für alle Erreger produziert. Dazu kommen Gedächtniszellen (B-Zellen), die sich die Information über das Virus merken. Je stärker die Immunreaktion ausfällt, desto länger ist man gegen erneute Erkrankung geschützt. Je nach Virus Monate, Jahre oder lebenslang.

Der Umstand, dass die Viren mutieren, beeinträchtigt die Bekämpfung durch unser Immunsystem. Wenn unser Immunsystem nun längere Zeit nicht mit dem Erreger in Kontakt kommt, lässt der Schutz vor Ansteckung nach, nicht aber der Schutz vor schwerer Erkrankung dank der Gedächtniszellen. Influenza- und SARS-CoV2 vermehren sich allerdings meist schneller als das Immunsystem mit passenden Antikörpern nachkommt, daher bekommen wir schon vorher Symptome.

Man braucht also nicht, weil man sonst fünf Erkältungen im Jahr hat und jetzt zwei Jahre ausgesetzt hat, 15 Erkältungen dieses Jahr, um wieder am aktuellen Stand zu sein. Die bessere Form eines Updates ist die Impfung. Die Infektion als Update birgt auch immer Risiken – die infektionsbedingte Immunschwäche durch verminderte Anzahl an T-Zellen.

  • HIV: Viren befallen T-Zellen selbst
  • Influenza: Superinfektion (Lungenentzündung mit Streptokokken-Bakterien)
  • Epstein-Barr-Virus: Multiple Sklerose
  • Covid19: Mikrogerinnsel, Entzündungen

Warum gibt es jetzt mehr Kranke als vorher?

Das Update ist derzeit bei vielen Menschen länger her. Es werden aber nicht mehr Menschen schwerer krank, außer bei Kleinkindern. Dort entzünden sich bei RSV die Bronchien oder Lungenentzündungen. Gerade Frühgeborene und Säuglinge sind am stärksten gefährdet, weil ihre Atemwege noch sehr eng sind und ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist.

Aus der oben verlinkten Quarksendung – Daten bezogen auf Deutschland. Dargestellt ist die Anzahl der Infektionen, nicht die Schwere! Im Winter 2021/2022 gab es weniger Maßnahmen und höhere Zirkulation als im ersten Pandemiejahr, im Winter 2022/2023 deutlich mehr Viruszirkulation als vor der Pandemie.
70% der zirkulierenden Viren sind die gefährlicheren Covid, Influenza, RSV und Rhino-Viren, die je nach Altersgruppe überproportional schwere Akutverläufe machen können, bei Influenza und vor allem SARS-CoV2 sind Spätfolgen bekannt. Die anderen Viren produzieren häufiger die klassischen Erkältungssymptome. Das hMPV ist allerdings mit RSV genetisch verwandt und kann bei Säuglingen, älteren und immungeschwächten Personen ebenfalls schwere Verläufe verursachen.

Das Problem jetzt ist die Gleichzeitigkeit der Wellen: RSV, Influenza, SARS-CoV2. Die Kinderkliniken waren auch vor der Pandemie schon am Limit.

Jetzt stecken sich alle Kinder auf einmal an, und auch Erwachsene infizieren sich mit verschiedenen Erregern. Sie könnten aber auch das Update überspringen. Man braucht nicht jedes Jahr alle Infektionskrankheiten oder alle Varianten von Covid19. Ich kann natürlich nur von anekdotischer Evidenz reden. Mein letzter Atemwegsinfekt war im März 2016 mit einer Woche Fieber und drei Wochen langsamer Erholung. Von 2017 bis 2019 hatte ich weniger soziale Aktivitäten und selten öffentliche Verkehrsmittel benutzt, im Jahr vor der Pandemie wieder mehr soziale Aktivitäten und ständige Öffibenutzung. Ein Atemwegsinfekt müsste jetzt bei mir überfällig sind. Allerdings hab ich im ersten Pandemiejahr erstmals die kostenlose Influenzaimpfung in Anspruch genommen und gehe nun regelmäßig impfen. Gegen Covid19 bin ich schon fünf Mal geimpft – die letzte Impfung bivalent gegen Wildtyp und BA.1.

Habe ich es bereut, die letzten Jahre immer Maske getragen zu haben? Nein. Ich hatte andere gesundheitliche Probleme und brauchte zusätzliche Infektionen wirklich nicht oben drauf. Ich treibe viel Sport, der neben der körperlichen Ertüchtigung auch gegen seelische Belastungen hilft, wohingegen eine Covid19-Infektion eine längere Sportpause erzwingen kann. Speziell der gelegentlich mit Covid19 auftretende Geruchs- und Geschmacksverlust wäre eine enorme Beeinträchtigung meiner Lebensqualität.

Das Immunsystem muss man nicht stärken. Vitaminpillen verhindern keine Covid-Infektion. Vitamin D substituieren wird nur Menschen mit extremen Vitamin-D-Mangel empfohlen. Bei mir ist er genetisch bedingt. Ich kann das Immunsystem aber sehr wohl schwächen mit einseitiger Ernährung, mit Bewegungsmangel und vor allem durch Stress. Und Stress haben weite Teile der Bevölkerung seit Pandemiebeginn noch mehr als vorher in der neoliberalen Leistungsgesellschaft. Dauerstress macht krank. Auch Schlafstörungen oder gestörte Schlafrhythmen machen anfälliger für Infekte, das wissen alle, die im Schichtdienst arbeiten (Prather and Leung 2016).

RSV ist ein Beispiel für den Rückgang spezifischer Immunität. Das geschieht aber auch dann, wenn man eine Saison verschont bleibt. Influenza ist jedes Jahr für viele neu. Deshalb wird auch jährlich mit Impfungen neu aufgefrischt. Derzeit ist auch die Hintergrund-Immunität durch Infektion niedriger.

Sammlung von Artikeln zur Demontage der Immune-Debt-Theorie

Wir leben in keiner keimfreien Umgebung

“Es gibt ja auch Leute, die längere Zeit in Isolation sind, beispielsweise Astronauten, die monatelang auf der ISS sind – so gesehen im luftgefilterten keimfreien Raum. Die kommen ja auch nicht zurück zur Erde und haben kein Immunsystem mehr. Und das trifft auch für andere Berufe zu, wo Leute jeden Tag 8–9 Stunden in Reinsträumen arbeiten, um z. B. Computerchips herzustellen.“

Prof. Roland Jacobs, Klinik für Rheumatologie und Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover, 05.11.22

Ich möchte darauf hinaus, dass es bei uns keine monatelangen Ausgangssperren gegeben hat. Es gab Ausgangsregeln, das ist schon ein gewichtiger Unterschied. Ebenso waren die Schulen und Kindergärten nicht monatelang geschlossen. Wir hatten also definitiv immer wieder Kontakt mit dem, was andere Menschen so absondern – ob im Büro, in der Schule oder in der Freizeit. Die wenigsten haben es so konsequent wie ich durchgezogen, sind in der Wintersaion nie indoor eingekehrt, waren immer draußen, haben auf den jährlichen Winterurlaub verzichtet und immer darauf bestanden, sich vor den Treffen zu testen.

Die Gewerkschaft der Krankenschwestern in den USA (“National Nurses United, über 175 000 Mitglieder) sagt:

Viele Kinder waren die ganzen Pandemie über RSV ausgesetzt, trotz Masken und Kontaktbeschränkungen, 2021 waren die Positivraten höher als jetzt. RSV gibt jedoch nur teilweise Immunität, Reinfektionen sind häufig. Jetzt gibt es keine Maßnahmen mehr, die uns vor Covid/RSV schützen.

Dann gibt es auch noch die sogenannten Schattenfamilien mit einem oder mehreren Mitgliedern der Risikogruppe, die auch vor der Pandemie schon aufpassen mussten, sich keinen Infekt einzufangen. Für die war es schon vor der Pandemie in jeder RSV/Influenza-Saison Russisch Roulette, nur hat sich damals für sie nie jemand interessiert – sonst hätte man viel mehr getan, um etwa die Durchimpfungsrate bei Influenza zu steigern und die Luftqualität in Kindergärten und Schulen zu verbessern.

Was Kleinkinder betrifft, gab es nie eine Maskenpflicht. Umgekehrt sollte man sich fragen, ob in asiatischen Ländern Kleinkinder besonders darunter leiden, dass dort schon ab dem Alter von zwei Jahren Stoff- oder OP-Masken getragen werden müssen. Ist das aber wirklich so?

Ganz grundsätzlich leben immer mehr Menschen auf engstem Raum auf diesem Planeten. Das begünstigt Epidemien und Pandemien. Solang die Weltbevölkerung weiter zulegt, ist die Maske noch das gelindeste Mittel, diese Infektionswellen zu verhindern oder zumindest flach zu halten. Denn weder das individuelle Immunsystem noch das bevölkerungsweite Gesundheitssystem ist darauf ausgerichtet, regelmäßig mit verschiedenen Erregern konfrontiert zu sein, die ständig mutieren und den Immunschutz durch Impfung/Infektion zu umgehen.

Covid19 verursacht eine Schwächung des Immunsystems

Wir reden hier nicht von einem lokalen Phänomen, sondern nahezu weltweit kommt es diese Virussaison zu hohen Hospitalisierungszahlen bei RSV, Influenza und etwa auch zunehmender Zahl von Todesfällen durch bakterielle Infektionen (z.b. Strep A) und Pilzen (Candida albicans, auris…). Die Bekämpfung erfolgt teilweise mit Antibiotika, wo aber teilweise ein Versorgungsmangel herrscht – was zum Teil die Zunahme der schweren Verläufe/Todesfälle erklären kann.

Durchseuchung nach Altersgruppen in Österreich bis 10.11.2022, Quelle: AGES/Alex Brosch (IGÖ)

Seroprävalenzstudien in Kanada zeigen, dass bis August 2022 mehr als 76% aller Kinder mindestens einmal eine Covid19-Infektion durchgemacht haben. (Danuta et al. 2022).

Selbst symptomfreie Covid19-Verläufe bei Kindern beeinträchtigten ihre Mandeln (Miura et al. 2022), was sie anfälliger für Strep A machen kann (Dan et al. 2019).

Update, 17.12.22

„Zunächst spekulierte Katrin Adrian, dass es um Kinder ginge, die letztes Jahr nicht krank geworden sind – nun kommt es aber vor, dass es dieses Jahr dieselben Kinder trifft wie letztes Jahr.“

Quelle: Rekordmånga sjuka barn – rummen med syrgas räcker inte på barnakuten, 16.12.22

Auch schwere Grippefälle bei Kleinkindern unter 4 Jahren treten in Schweden gehäuft auf.

Covid19 in der Schwangerschaft

Plazentagewebezerstörung (Schwartz et al. 2022) und beeinträchtigtes Lungenwachstum (Stoecklein et al. 2022) beim Fötus wurden bereits nachgewiesen. Zudem steigt mit einer Covid19-Infektion das Risiko für Frühgeburten (McClymont et al. 2022). Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für schwere RSV-Verläufe, speziell wenn sie zu Beginn der RSV-Saison 6 Monate und jünger sind.

Weiterer Faktor: Der sogenannte Nestschutz (“maternal passive immunity”), wenn die Mutter durch Viruserkrankungen Antikörper hat und diese über Nabelschnur/Mutttermilch an den Fötus/Neugeborenes weitergibt, kann eine Rolle bei Säuglingen spielen, deren Mütter infolge der Schutzmaßnahmen eine geringere Exposition mit RSV hatten. (Buchwald et al. 2021).

Es fehlen aber Beobachtungsdaten, wie hoch der RSV-Antikörperspiegel bei späteren Müttern war, ob die Mutter von Säuglingen mit schweren Verläufen RSV-Antikörper und Covid19 hatten, oder nur Covid. Der erste Lockdown fiel ins Ende der RSV-Welle. Bereits in der zweiten Wintersaison gab es wieder eine starke RSV-Welle und damit exponierte Mütter. Allerdings infizieren sich nicht alle Empfänglichen in einer RSV-Saison. Ein messbarer Nestschutz besteht aber beim Großteil der Säuglinge.

Covid19 bei Kindern und Jugendlichen

Heiss et al. 2022 haben gezeigt, dass auch genesene Kinder schlechtere Lungenfunktionswerte aufweisen als nie infizierte Kinder. Eine schwere Atemwegserkrankung wie RSV könnte so eher zu schweren Verläufen führen als ohne kürzliche Covid-Vorgeschichte. Die meisten Kinder und Jugendlichen haben sich 2022 in den OMICRON-Wellen infiziert oder erneut infiziert, sind also erst wenige Monate her.

Alle Altersgruppen:

Für vorübergehende Immunschwäche gibt es mehrere Studien, u.a. Winheim et al. (2021), Chang et al. (2022), Jing et al. (2021), Phetsouphanh et al. (2022), Govender et al. (2022) und Shen et al. (2022).

Hoffmann et al. (2014), ein deutsches Pädiatrielehrbuch, schreibt zur Wirkung von Viren auf das Immunsystem ebenfalls von vorübergehender Schwäche der Immunabwehr nach bestimmten Viruserkrankungen wie Masern oder Epstein-Barr-Virus (siehe Nadal D., Seite 721).

“Das Immunsystem ist kein Muskel, den man trainieren muss, sondern eher wie eine Fotosammlung. Die wird nicht blass, nur weil wir sie nicht anschauen. Das Immunsystem benutzt “Bilder”, um Pathogene zu erkennen, denen wir vorher begegnet sind. Im Alter werden die Bilder zerknittert wie der Rest unseres Körpers. Aber nicht bei Kindern. Was verursacht dann derzeit schwere Nichtcovid-Verläufe bei Kindern? Manche Viruserkrankungen sind dafür bekannt, dass sie die Fotosammlung zerstören.

Dann erkennt das Immunsystem den Erreger nicht mehr, z.B. bei Masern. Das wurde 2015 entdeckt: Nachdem sich Leute von Masern erholt hatten, bekamen sie all die Krankheiten, die sie nicht kriegen sollten. Seit 2020 wissen wir, dass Covid die Interferonproduktion beeinträchtigt, ein Protein, das Deine Zellen freisetzen, um das Immunsystem um Hilfe zu bitten, wenn sie attackiert werden. Wenn Covid auf einem Deiner Zellen explodiert, kann es das Immunsystem so austricksen, dass es die eigenen Trümmer attackiert und nicht Covid. Das ist die Autoimmunerkrankung. Bei manchen Leuten löst das massive Entzündungsherde aus, die das Immunsystem erschöpfen. Dann hört es auf, genug T-Zellen und Antikörper zu produzieren, die Covid abwehren.”

Colin Furness, Epidemiologe, Universität von Toronto, 6.11.22 Twitter, übersetzt ins Deutsche

“Wir mussten in der Notfallsprechstunde schon im Treppenhaus triagieren. (…) Zudem kann Corona das Immunsystem der Kinder schwächen. Die Folge: Sie sind anfälliger für Infekte.”

NRW, Aktuelle Stunde, WDR (26.11.22)

Versorgungsnotlage mit Medikamenten?

Mit Stand 30.11.22 waren 516 Medikamente in Österreich nicht oder nur eingeschränkt lieferbar, das sind 89 mehr als am 17.09.22 (Quelle). Inwiefern der massive Mangel an Medikamenten dazu führt, dass Kinder häufiger so starke Symptome/hohes Fieber entwickeln, dass sie rascher ins Spital eingeliefert werden, oder schwere Lungenverläufe häufiger auftreten (Verweildauer im Spital müsste dann zunehmen), bleibt unklar. Diesen Faktor kann man je nach Region mit Mangellage nicht ausschließen.

F.A.Q.

Frage: Jeder wird sich irgendwann infizieren, warum sollte ich Infektionen durch Maske tragen verzögern?

Antwort: Bei all jenen Viruserkrankungen, wo es eine angepasste Impfung gibt, sollte man die Impfung vorziehen, bevor es zu einer Ansteckung kommt – um im Fall einer Ansteckung ein geringeres Risiko für schwere Verläufe und Langzeitfolgen zu haben.

Bei Viruserkrankungen, die vor allem Kinder schwer betreffen wie RSV, ist eine Erkrankung im Säuglings- und Kleinkindalter häufiger mit Komplikationen verbunden, weil das Immunsystem und die Atemwege schlechter mit dem Erreger umgehen können. Es gibt derzeit noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen RSV, sondern nur zwei passive Immunisierungen mit monoklonalen Antikörpern (Palivizumab und Nirsevimab), die meist aber mit hohen Kosten verbunden sind und nur Kindern mit hohem Erkrankungsrisiko gegeben werden.

Bei SARS-CoV2 müssen die Impfstoffe wegen den Mutationen wiederholt angepasst werden. Je besser man mit angepassten Impfstoffen geimpft ist, desto geringer die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion, LongCOVID und schweren Verlauf. Je weiter man auch auf Bevölkerungsebene Infektionen hinauszögern kann, desto mehr Gelegenheit haben gerade Exponierte und Risikogruppen, aber auch alle, die über LongCOVID Bescheid wissen, sich vor der nächsten Welle impfen zu lassen.

Frage: Warum soll ich gerade jetzt wieder verstärkt Maske tragen? Das verschiebt die Infektionen doch nur erneut in die Zukunft?

Antwort:

“Wir hatten eine Maskenpflicht für Kinder, weil sonst die Intensivstationen für Erwachsene zu knapp geworden wären. Jetzt werden die Stationen für Kinder knapp und ich vermisse auch nur den Hauch einer Debatte, was Erwachsene beitragen können, um das zu lösen.”

Erik Flügge, Kolumnist für den Kölner Stadtanzeiger, 03.12.2022

In Kanada werden Kinderhospize entleert, damit das dortige Pflegepersonal in Kinderspitälern einspringen kann – siehe das Interview dazu.

Frage: Muss ich jetzt für immer Maske tragen?

Um Infektionswellen einzudämmen, ja.

Denn was ist die Folge? Selbst wenn Du oder Dein Kind gerade keine Infektionskrankheiten haben, aber wegen einem anderen Notfall ins Krankenhaus müssen, wie würde es Euch damit gehen, wenn der Rettungswägen erst sieben Stunden später kommt? Wenn kein Bett frei ist und irreparable Schäden entstehen oder sogar jemand stirbt, weil er nicht rechtzeitig behandelt werden konnte. Wenn man zwar ein Bett bekommt, sich dann aber beim Nachbarn im Zimmer ansteckt, und aufgrund der Infektion Komplikationen oder Spätfolgen entwickelt.

Frage: Das sind doch alles Nachholeffekte von den Lockdowns?

Nein.

RSV-Inzidenzen bei den 0-4jährigen in Deutschland: Vor der Pandemie beginn die RSV-Saison typischerweise zwischen Ende Oktober und Ende November, erreichte um Weihnachten seinen Höhepunkt und fiel im April, spätestens bis Anfang Juni deutlich ab. In Deutschland fiel der erste Lockdown auf das Ende der RSV-Saison. Die Wintersaison 2020/2021 fiel aus, die Wintersaison 2021/2022 begann bereits im August.(Cai et al. 29.04.22).

Säuglinge unter eine Jahr waren zur Zeit der harten Lockdowns noch gar nicht auf der Welt. Kleinkinder haben nie Maske getragen. Kindergärten waren immer zur Notbetreuung offen. Ältere Kinder und die Gesamtbevölkerung haben seit Aufhebung der Maßnahmen eine höhere Expositionswahrscheinlichkeit. Das kann zwar erklären, weshalb es mehr Fälle gibt, aber nicht die Zahl der steigenden Hospitalisierungen.

Mobilität der österr. Bevölkerung 2020-2022, im Frühherbst 2021 zur RSV-Welle waren die Leute so viel unterwegs wie früher, im Winter wieder deutlich weniger.

Im späten Frühjahr 2020 klangen alle Infektionskrankheiten infolge der Lockdowns ab. Die RSV-Welle war zu dem Zeitpunkt schon durch. Im Herbst 2020 gab es kaum Maßnahmen bei Kindergartenkindern, die Disziplin der Bevölkerung war wesentlich höher und schwächte die RSV-Welle ab.

Influenza fiel erneut aus, auch aufgrund der geringen Reiseaktivität. Im August 2021 gab es eine heftige RSV-Welle mitten im Sommer, früher als normal. Die Maßnahmen waren im Sommer 2021 deutlich geringer als im Sommer 2020. Die Influenzawelle fiel erneut nahezu aus infolge der Maßnahmen aufgrund der DELTA/OMICRON-Welle. Im Frühjahr und Sommer nahm die Durchseuchung der Kinder dann Fahrt auf. Von den unter 5jährigen, die jedoch die geringste PCR-Testrate aufweisen, haben sich mindestens ein Viertel infiziert, bei den 5-14jährigen rund 80%.

Der Herbst 2022 beginnt mit einer nie dagewesenen Erkrankungswelle ohne schützende Maßnahmen. Bereits die RSV-Welle 21/22 wurde als Nachholwelle beschrieben. Wie kann die aktuelle Welle immer noch Folge von 2020 sein? Die 2022 geborenen Kleinkinder werden jetzt also häufiger krank, weil Kinder im Herbst 2020 nicht krank geworden sind?

2 thoughts on “Tag 997: Es gibt keine Immunschuld! [B]

  1. Der Artikel ist halt veraltet bzw. nicht korrekt! Wäre ich Lehrer, würde ich dem eine 5,0 geben! Durchgefallen!
    Thema verfehlt! Bitte noch einmal!
    Man kann einem Anfänger bzw. einem Amateur nicht solch eine lächerliche Erklärung zumuten! Es spielt überhaupt keine Rolle zu wissen wie die ganzen Dinge und Prozesse, die im Körper genau ablaufen, heißen! Es zählt nur, zu verstehen, was da passiert!
    Wenn man nur Namen nennt, ist das nur Gerede um den heißen Brei!
    So einfach ist das. Die Erklärung des Immunsystems ist (verzeiht, Leute, aber das kommt von einem Autisten, mit einem 999er-IQ der alle hier wie Kinder aussehen lässt. Selbst 20-Jahre einstudierte Ärzte!) oben ist leider FALSCH bzw. ungenau. Ich kann sogar genaustens erklären wie ein Gehirn funktioniert. Ich weiß, warum Alzheimer entsteht (Es gibt 2 Möglichkeiten wie Alzheimer entstehen kann) usw. Ich kann einfach alles erklären.
    Ein Arzt kann davon höchstens träumen. Ein Arzt lernt nur das, was er in seiner Uni gelernt hat. Ein Arzt lernt nur aus Büchern. Ich nicht. Das ist der Unterschied zwischen Super-Intelligenz und Idiot (= Arzt).
    Und genau darum gehts. Ungenaue Erklärungen. Ein Immunsystem würde ich z.b. mit freien Radikalen erklären!
    Na wie wärs? So erklärt man nämlich eine GENAUE Funktion eines Immunsystems!
    DAS ist nämlich die Aufgabe des Immunsystems. Ein Immunsystem muss seinen Körper gegen sogenannte “Freie Radikale” schützen. Was das ist, lernt man in Chemie in der Schule! Ein freies Radikal ist ein Molekül dem ein Teilchen fehlt!
    Nun versucht es ständig anderen Stoffen (und dass kann z.b. eine Blutzelle, eine Körperzelle oder sonstige Stoffe sein) ein Teilchen zu entreißen! Was passiert also mit einer Blutzelle, die gerade von einem freien Radikal angegriffen wird? Sie geht kaputt!
    Und wie funktioniert jetzt ein Immunsystem mit freien Radikalen? Ganz einfach: Es verwendet körpereigen-produzierte andere freide Radikale dazu!
    Und wie funktioniert das nun genau?
    Ganz einfach: Diese körpereigenen-Freien Radikale werden in einer Art “Blase” festgehalten, um so die gefährlichen freien Radikale unter Kontrolle zu haben. Das ist, was man das Immunsystem nennt. Es ist eine Kontrolle des Körpers über gefährliche Dinge, die im Körper unter Kontrolle sind. Unser eigenen Körperzellen benutzen solche freien Radikale sogar um bestimmte Viren und ähnliche Fremdstoffe zu bekämpfen!
    Gerät die Kontrolle des Körpers über diese Schutz-Blase teilweise oder ganz verloren (= Immunsystem kaputt!), können diese freien Radikale nun den Körper selbst angreifen. Dasselbe passiert, wenn ein Kind kein entwickeltes Immunsystem hat. Im Grunde ist es dann wie im Film in “Ghost Busters”, wo ein Schwarm Geister auf die Menschheit losgelassen wird die nun allesamt verschiedene Schäden an verschiedenen Stellen der Stadt verursachen. Auch wenn man “Immunsupprisiva” (also Immunsystem-Unterbrecher-Tabletten) schluckt, macht man mit der Zeit sein Immunsystem kaputt!
    Wenn die Kontrolle über diese Blase der eingeschlossenen freien (Körpereigens produzierten) Radikale nun verloren geht oder wenn die Blase platzt… entstehen ALLE Arten von Auto-Immunkrankheiten oder auch andere Dinge (wie z.b. KREBS) von denen man sonst nur selten hört. Da der Körper von freien Radikalen jetzt geflutet wird! Die freien Radikale durchfließen den gesamten Körper und niemand kann sagen welches Organ oder welche Zelle als nächstes vom freien Radikal angegriffen wird.
    Dabei kann z.b. auch ein sehr schneller Krebs entstehen. Das bedeutet, die freien Radikale fluten den Körper, greifen dabei wahllos alle Körperzellen an und bringen diese dazu zu mutieren!
    Im Grunde kann man so einen Sturm freier Radikale im Körper NICHT lange überleben!
    Ob dabei Krebs, oder Alzheimer oder andere schlimme Krankheiten entstehen (Aids, Morbus Crohn und viele mehr, von denen jeder schon einmal gehört hat, es handelt sich hauptsächlich um unheilbare schwere Krankeiten) spielt fast keine Rolle. Fakt ist, wer ein komplett kaputtes Immunsystem hat, kann nur noch max. 5 Jahre überleben.
    Danach stirbt er dann z.b. durch eine Grippe. Oder eine simple Erkältung. Oder einfach, indem er sich in den Finger schneidet, und er plötzlich eine Bluterkrankheit bekommen hat und daran verstirbt, weil es nicht erkannt wurde.
    Bestimmt habt ihr hier schonmal von AIDS gehört.
    AIDS ist eine Krankheit, die eine tödliche Immunschwäche nach sich zieht.
    Genau aus dem Grund ist AIDS so gefährlich!
    Weil AIDS auch eine Form von Immunschwäche ist!
    Bei AIDS wird das Immunsystem vollständig zerstört, sodass der Körper sich nicht mehr gegen die Folgen (freie Radikale fluten den Körper und zerstören nach und nach die Organe) wehren kann!
    Aus diesem Grund ist AIDS auch nicht heilbar! Genausowenig wie Alzheimer heilbar ist!
    Im Grunde ist jegliche Form von Krankheiten, die das Immunsystem angreifen bzw. unterdrücken auf Dauer tödlich! Dazu zählen auch harmloserere Auto-Immunsystem-Krankheiten, von denen man gar nicht denkt, dass sie tödlich enden können.
    Auch die vielgefürchtete “Schläfer-Krankheit” oder das “LongCovid”-Syndrom, bei dem man nur noch einen Bruchteil seiner Körperleistung hat, gehört zu solch schweren Auto-Immunsystem-Krankheiten.

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