Hoffnung lässt mich die Pandemie durchstehen

Trällernde Goldammer im beginnenden Frühling auf der Perchtoldsdorfer Heide

Ich hab leicht reden. Drei Jahre Pandemie. Immer noch nicht infiziert. Wichtigstes Kriterium: Keine Klein- oder schulpflichtigen Kinder. Darüber hinaus habe ich auf vieles verzichtet, aber nicht auf alles und offenbar bisher Glück gehabt, denn ohne Glück geht es nicht. Ich bin an sich kein Freund des Begriffs Glücks oder Zufalls, aber zugespitzt ist es das wohl, wenn man in einem Risikosetting (z.B. während einer starken Infektionswelle in einem überfüllten Fernzug die Maske absetzt, um ein Bier zu trinken) keine Ansteckung davon trägt – dann waren gerade keine Infizierten anwesend, die Lüftung gut genug, die Viruslast bei Exposition gering, ich gerade frisch geimpft oder der Infizierte nicht mehr ansteckend, kein Superspreader, etc., etc. Es ist mein Wesen, dass ich meine Selbstbestimmtheit über möglichst viel Wissen erlangen will. Ich analysiere die Situation ständig und schätze das Risiko ab. Natürlich rechne auch ich damit, dass das irgendwann einmal schiefgehen wird. Doch bisher war ich erfolgreich und kann das Minimalziel “so wenig wie möglich infiziert” bis zur Entwicklung effektiverer Impfstoffe oder Nasensprays und effektiverer Medikamente, die für die Allgemeinheit zugänglich sind, anstreben.

Zu den Aktivitäten, die ich trotz Pandemie weiter sicher ausführen kann, zählt das Essen im Freien, also vor allem im Gastgarten. Schanigärten (für meine deutschen Follower:innen: Stühle und Tische am Gehsteig) sind wegen des Verkehrslärms oft nicht meine Präferenz und scheiden deswegen noch eher aus als nur wegen der häufigen Rauchbelästigung, weil Rauchen im Freien weiterhin erlaubt ist.In großen Gastgärten kann man sich die Plätze besser aussuchen, darüber hinaus esse ich auch gerne im Freien bei Berghütten (Schutzhütten). Ich esse gerne woanders, weil ich nicht so talentiert viel kochen kann. Take-Away war ja ab Lockdown zwei immer möglich und habe ich gerne genutzt. Mobilität ist natürlich auch wichtig, ohne FFP3-Maske könnte ich öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr benutzen. Überfüllte Verbindungen zu vermeiden ist wegen den gestreckten Intervallen durch Covid-Krankenstände allerdings nicht leichter geworden. Das schreckt mich derzeit davon ab, längere Strecken zu Rush Hour Zeiten zu führen und schränkt meine Reichweite momentan ein. Schwierig wird es dann, wenn ich an unvermeidbare Situationen denke, die wieder auf mich zukommen werden und wo ich dann “Glück” in Anspruch nehmen muss. Wer keinen Homeoffice-Job hat, kann sich dem einfach nicht entziehen.

Heute soll es aber einmal um das Thema Hoffnung gehen. Denn Hoffnung ist mein innerer Antreiber, der mich seit Jahren bloggen lässt. Wenn ich resigniert hätte, wäre der Blog längst stumm. Solange ich atme und esse und den nächsten Morgen erlebe, werde ich nicht aufhören.

SPÖ mit explosivem Zuwachs an Mitgliedern

Seit die ÖVP mit der FPÖ und dann den Grünen eine Koalition bildet, wartet man vergebens auf eine starke, kämpferische SPÖ, die sich der Regierungspolitik entgegensetzt. In den letzten sechs Jahren ist das Land im freien Fall. Verantwortungsvolle Positionen sind mit inkompetenten oder grundbösartigen Versorgungsposten versetzt – in einem nie gekannten Ausmaß der Zweiten Republik, und schlägt gewissermaßen noch die schwarzblaue Koalition unter Schüssel zu Beginn der Jahrtausendwende. Durch die Hereinnahme der willfähigen Grünen in die Regierung hat man die Opposition effektiv gekillt. Die NEOS schaffen es nicht, sich als bessere ÖVP zu etablieren, die SPÖ hat kein tragfähiges Konzept, weder inhaltlich, personell noch kommunikativ. Lachende Dritte sind immer die Rechten, die darauf hoffen können, dass die Bevölkerung dumm und vergesslich ist, und die Skandale der Vergangenheit nicht mehr präsent sind.

In Oberösterreich kam die coronaleugnende MFG im Herbst 2021 in den Landtag, schwarzblau regierte einfach weiter trotz der bekannten coronaleugnenden Rechten. In Niederösterreich koaliert die ÖVP jetzt ebenfalls mit den Blauen, die in Sachen radikaler Rechtsaußenpolitik Oberösterreich in nichts nachsteht. In Salzburg sind am 23. April 2023 Landtagswahlen, auch dort hätte schwarzblau eine satte Mehrheit, auch dort behaupten beide Spitzenkandidaten, dass sie nicht miteinander können, aber in Niederösterreich konnte man sich bekanntlich nicht auf entsprechende Wahlkampfansagen verlassen.

Die SPÖ verliert oder stagniert, die Tage der derzeitigen Vorsitzenden Rendi-Wagner sind angezählt, zerrieben durch die ständigen Seitenstiche aus dem Burgenland vom dortigen Landeshauptmann Doskozil, der mit der FPÖ bereits koaliert hat. Doskozil hat jetzt den Wettbewerb um den Parteivorsitz der SPÖ begonnen, der richtungsweisend ist. Daraufhin sind jetzt insgesamt 73 Kandidaten angetreten, darunter auch der Traiskirchner Bürgermeister Andi Babler, der sich in den dortigen Kindergärten und Schulen für Infektionsschutz stark gemacht hat, und bei den Landtagswahlen die absolute Mehrheit eingefahren hat. Über 9000 SPÖ-Mitglieder sind seit dem Wettbewerb hinzugekommen. Es ist vielleicht die letzte realistische Möglichkeit, der Orbanisierung durch die ÖVP (unter tatkräftiger Duldung der Grünen) etwas entgegenzusetzen.

Meine persönliche Meinung dazu: Rendi-Wagner ist einfach zu schwach für diesen Job, und das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern sie wirkt einfach nicht wie jemand von der Basis (Kern auch nicht, kann das aber rhetorisch ausgleichen), ihr Marketing ist unfassbar schlecht und in der Pandemie wirkte sie inkompetent. Eine Public-Health-Studierte mit Zusatzfach Epidemiologie, die im Herbst 2020 vehement abstritt, dass Kinder zum Infektionsgeschehen beitragen? Das geht einfach gar nicht. Eine Energetikerin und Frau Labor-Tsunami an die Spitze des Obersten Sanitätsrates setzen, als sie noch Gesundheitsministerin war? Auch das indiskutabel. Ich möchte aber auch nicht unfair sein, denn von den restlichen SPÖ-Politikern, Babler ausgenommen, kam hinsichtlich Pandemie auch nichts verwertbares. Ludwig hat den strengeren Weg gefahren, granted, aber die Maskenempfehlung nach Fall der Pflicht wurde unzureichend propagiert und der strengere Weg einzig (!) damit begründet, dass die heiligen Wiener Spitäler nicht überlastet werden dürften. Bei Kinder und Jugendlichen hat Wien außer dem gratis Testangebot (was aber keine Infektionen langfristig verhindert, sondern nur hinauszögert) nichts getan, weder Engagement für Luftfilter noch CO2-Monitoring. Die SPÖ sympathisiert nachweislich in weiten Teilen mit Sprenger und Allerberger, vor allem in Salzburg, Oberösterreich und im Burgenland.

Realistisch betrachtet ist die SPÖ aber auch die einzige Partei, die hier signalisieren könnte, zu einem Umdenken bereit zu sein, weil sie damit sozialdemokratische Werte vertreten würde – gesunde Arbeiter, gesunde Kinder – Infektionsschutz vor Wirtschaft und Kindergärten und Schulen als bloße Aufbewahrungsanstalten. Bei den esoterischen Grünen ist Hopfen und Malz verloren, zumal ihre Mitglieder und Wähler zutiefst überzeugt sind, dass sie das Richtige tun, bei den NEOS ist Wirtschaft vor Gesundheit die default-Einstellung. Vielleicht sind die Sozis auch die einzige Partei, wo man sich am ehesten vorstellen kann, in unendlich vielen, mühsamen Gesprächen zu überzeugen, dass der status quo eine Katastrophe für die Republik ist. Long COVID reißt ausgerechnet im produktivsten Lebensalter (35-50 Jahre) aus dem Erwerbsleben. Mehrfach infizierte Kinder drohen viele gesunde Lebensjahrzehnte zu verlieren und die Kernwählerschaft der SPÖ, die Pensionisten, sterben durch Covid19 aus. Personalmangel überall. Aber ich bin auch nicht naiv – denn Vernunft ist das eine, das billige Abgreifen von Wählerstimmen das andere. Die Mehrheit in Österreich tickt konservativ bis rechts. Doskozil hat wesentlich bessere Chancen als Babler, weil auch die SPÖ-Wähler selbst eher im rechten Lager zuhause sind. Alltagsrassismus ist üblich. Viele fürchten sich vor der angeblichen Islamisierung, Zuzug von Migranten wird eher negativ gesehen. Der sich abzeichende Kampf zwischen Babler und Doskozil erinnert mich stark an Biden versus Sanders in den USA. Der Ausgang ist bekannt. Aber ok, hoffen darf man, dass die SPÖ zumindest ein wenig aus dem Wachkoma gerissen wird.

Neue Impfstoffe und Medikamente?

In etlichen Ländern wird das Individuum im Stich gelassen, wir müssen uns selbst helfen, was wir je nach Ressourcen und Netzwerken nur begrenzt können. Allzu viel Möglichkeiten gibt es ja nicht, ich hab in meinem Survival Guide die gängigen Möglichkeiten mit Mundspülung und Nasensprays beschrieben, die freiverkäuflich sind. Nutzen unklar. Auch zu mobilen Luftfiltern und CO2-Messgeräten habe ich dort geschrieben.

  • Vor kurzem erschien eine Studie aus Finnland (Mäkelä et al. 2023), wo an einem weiteren Nasenspray gearbeitet wird, das die Infektion zumindest kurzlebig (wenige Stunden) blockieren soll und an Mäusen getestet offenbar funktioniert.
  • Xie et al. 2023 fand heraus, dass Paxlovid bei Risikopatienten das Post-COVID-Risiko reduziert – unabhängig vom Impfstatus oder Reinfektion
  • Auch das Diabetes-Medikament Metformin verringert das Long/Post-COVID-Risiko deutlich (Bramante et al. 2022), allerdings ist bei bestimmten Erkrankungen kontrainzidiert
  • Weiterhin geforscht wird an einem Medikament, das bei Lebererkrankungen eingesetzt wird und leicht zugänglich, weit verbreitet und patentfrei wäre (Brevini et al. 2022)
  • Der Wirkstoff ensitrelvir reduziert die Zeit, wo man ab Infektionszeitpunkt positv getestet ist (Lenharo et al. 2023)

Eine tolle Übersicht über die derzeit entwickelten Impfstoffe gibt es bei den vfa (Die forschenden Pharmaunternehmen).

  • Die bivalenten Impfstoffe (also Moderna BA.5 oder Pfizer BA.1) wirken weiterhin effektiv gegen schwere Akutverläufe (Andersson et al. 2023) – daran wird sich wahrscheinlich auch bei neueren Varianten wenig ändern.
  • Die Impfung reduziert das LongCOVID-Risiko (Byambasuren et al. 2023)
  • In Kanada wird ein inhalierbarer Impfstoff entwickelt (Stand, 20.01.23), auch in anderen Ländern wird an inhalierbaren oder nasalen Impfstoffen geforscht, die die Infektion selbst verhindern sollen, indem sie Schleimhautimmunität erzeugen – bis zur Produktionsfähigkeit wird es wohl noch 1-2 Jahre dauern – Operation Warpspeed ist leider vorbei, weil die meisten Regierungen glauben, mit epidemischem SARS-CoV2 gut leben zu können.

Behandlung von LongCOVID:

Kandidaten für Behandlungen von LongCOVID, aus Davis et al. (2023)

In Summe tut sich da also durchaus etwas, aber was es niemals geben wird, ist die “one-size-fits-all”-Wunderpille. Es werden immer mehrere Schienen gefahren werden müssen, was Behandlungen betrifft. Besonderes Augenmerk hier für immungeschwächte Personen, die keinen Impfschutz erzeugen können, die die Impfung nicht vertragen oder wo auch therapeutische und proplayktische Antikörper nicht mehr gegen die neuesten Varianten wirken. Problematisch ist es aber auch bei Kindern, wo weder Paxlovid noch Metformin gegeben werden können. Hier ist die “beste” Behandlung tatsächlich eine prophylaktische Impfung.

Lernen durch Schmerzen

Der dritte Punkt ist ein wenig Hopium, denn wie viele Infektionsrunden mit Covid und auch anderen schwerwiegenden Erkrankungen wie Influenza, Streptokokken oder RSV brauchen die Menschen noch, um aufzustehen und sich dagegen zu wehren, mehrere Wochen oder Monate im Jahr krank zu sein? Soll das jetzt immer so weitergehen?

Im letzten Beitrag hab ich schon zu XBB.1.16 geschrieben. Die Subsubvarianten XBB.1.5, XBB.1.9 und XBB.1.16 haben nur geringfügige Mutationen in der rezeptorbindenden Domain, wo die meisten neutralisierenden Antikörper ansetzen. Es ist also möglich, dass die große XBB.1.5-Welle in Österreich genug Kreuzimmunität verursacht, um eine große XBB.1.16-Welle zu verhindern. Es ist aber auch möglich, dass schlicht genug Wirte vorhanden sind, um uns auch in den nächsten Monaten nie in ein tiefes Wellental sinken zu lassen, sodass XBB.1.16 mehr oder weniger nahtlos an XBB.1.5 anschließt.

Das Wetter wird uns in den kommenden 1-2 Wochen jedenfalls nicht mehr helfen. Letzte Woche lagen die Temperaturwerte bis zu 10 Grad über dem Klimamittel für Mitte/Ende März. Ab morgen folgt eine unbeständige Wetterperiode, hoffentlich mit reichlich Niederschlag aufgrund der teilweise extremen Trockenheit, allerdings immer auch mit viel Wind und zeitweise spätwinterlich kalt verbunden. Typisches Aprilwetter eigentlich, aber kein Gastgartenwetter und sonst wenig zu Freizeitaktivitäten einladend (außer mich, der es liebt, wenn er mehr Ruhe in der Natur hat). Die nächsten 20 Grad sind derzeit nicht absehbar, möglicherweise nicht vor Mitte April.

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