Verhaltensempfehlungen

„Wann immer jemand fragt, ob wir jetzt für immer Maske im Gesundheitswesen tragen sollen, denkt an Semmelweis. Dieser Mann entdeckte, dass die dreckigen Hände von Ärzten und Pflegern bei Patienten Fieber und Tod verursachten. Das Ergebnis dieser Entdeckung war allerdings nicht die flächendeckende Umsetzung der Handhygiene, sondern er wurde gemieden, verlor seine Arbeit und wurde schließlich institutionalisiert. Es dauerte rund 50 Jahre, bevor der lebensrettende Wert von Hände waschen vollständig im Gesundheitswesen anerkannt wurde. 50 Jahre. Es stellte sich heraus, dass sich die Ärzte nicht für die Idee erwärmen konnten, dass ihre eigenen Hände unhygienisch und die Quelle für Krankheit und Tod für einige ihrer Patienten waren. Trotz der Beweislage war die Verleugnung zügellos und stark. Der Mehrheitskonsens war, dass Semmelweis ein Spinner war.

Der Widerstand zu dieser Idee, dass die Luft, die wir ausatmen, während für Patienten pflegen, unhygienisch und eine Quelle für Krankheit und Tod für Einzelne sein kann, fühlt sich genau gleich für mich an. Trotz der Beweislage ist das Leugnen stark. Viele bevorzugen es, sich am status quo vor der Pandemie festzuklammern. Doch dieser status quo war, als wir es nicht besser wussten, und als wir nicht so ein virulentes, gefährliches, neues über die Luft übertragenes Pathogen im permanten Umlauf hatten. Nun, da wir es besser wissen, sollten wir auch besser damit umgehen. Wenn die Luft, die wir atmen, unhygienisch und krankmachend sein kann und wir wissen, dass es eine einfache, wirksame Lösung dafür gibt, indem wir sie durch eine Maske filtern, dann scheint es logisch, dass das unser neuer Standard im Gesundheitswesen wird. Dauerhaft. Doch mit der Erfahrung von Semmelweis erwarte ich, dass dieser Vorschlag eine Menge Ablehnung erfahren wird, und dass es sehr lange Zeit dauern wird, bis das medizinische Umfeld akzeptiert, dass der alte status quo Vergangenheit ist und Masken im Gesundheitswesen die neue Normalität sind. Ich hoffe nur, es dauert nicht weitere 50 Jahre.“ (frei übersetzt nach Dr. Lisa Iannattone, Professorin für Dermatologie, Montreal)

Und was im Gesundheitswesen gilt, sollte auch im Alltag gelten: Wenn jemand Maske trägt, sollte ich respektieren, dass dieser einen Grund hat, die Infektion zu vermeiden, und verdammt nochmal selbst eine Maske aufsetzen, egal, wie die gesetzlichen Regeln gerade sind

Schutz vor Infektion je nach Art des Maske tragens bzw. keiner Maske, links die infizierte Person, oben die empfängliche Person, Quelle: CDC

Wenn beide Maske tragen, verringert sich das Risiko deutlicher als bei One-Way-Masking und verzeiht gerade bei Männern auch eher, wenn man sich vor dem Maske aufsetzen nicht gründlich rasiert hat. Das verzeiht auch leichter Fehler wie eine feuchte oder verrutschte Maske bei jenem, der sich schützen will.

Hinweis: CO2-Messungen in den Abbildungen alle mit dem Aranet4

Was macht man gegen COVID, wenn ein Haushaltsmitglied infiziert wurde?

  1. Covid wird übertragen, wenn eine infizierte und eine empfängliche Person die gleiche Luft einatmen. Es gibt drei Szenarien: 1. Übertragung im Nahbereich – höchstes Risiko, 2. In einem Raum reichern sich Viruspartikel an. Wenn man eine höhere Dosis einatmet (Konzentration, Dauer, Atmungsrate), steigt das Infektionsrisiko. Das Virus kann über Lüftung (Fenster) oder Luftfilter (HEPA/CR-Box) entfernt werden, 3. Übertragung im Fernbereich – mit einer geringeren Dosis und generell weiter weg. Geschieht seltener, aber im gemeinsamen Haushalt immer noch möglich.
  2. Bevor COVID im Haushalt auftritt: Luft sauber halten! Viel lüften, Entfeuchter laufen lassen. Wenn jemand infiziert ist, atmet man eine geringere Dosis ein. Feuchtigkeit: Ideal zwischen 40 und 60%, dann verdunsten die Tröpfchen rasch und fällt zu Boden. Zu feuchte Luft fördert Schimmelbildung, zu trockene Luft reizt die Atemwege. Wenn es draußen kalt ist, sollte man Befeuchter laufen lassen, vor allem im Schlafzimmer.
  3. Wenn man anfängt, sich krank zu fühlen: Wenn man sich im gemeinsamen Haushalt nicht isolieren kann, sollte man noch mehr auf Filter, Lüftung und Masken tragen achten. Sonst Isolationsraum einrichten, Filter laufen lassen. Negativen Druck im Raum erzeugen! Ventilator im benachbarten Badezimmer oder in Richtung offenes Fenster aufstellen. Dadurch gelangt Luft vom Gang in den Raum und nicht umgekehrt. Lüftungsschächte abkleben.
  4. Bei geteiltem Badezimmer: In der Zeit zwischen der Benützung einen Ventilator laufen lassen und das Fenster offen halten (falls vorhanden), 25 Minuten sind ok, wenn der Ventilator läuft. Je länger, desto besser. WC-Deckel schließen vor dem Spülen. Inhalierte Aerosole von Stuhlausscheidungen sind nicht gut, zumal sie Virus enthalten (siehe Abwassermonitoring). Danach Hände waschen.
  5. Bei anderen Räumen ähnlich: Wenn die andere Person keine Maske trägt, Fenster öffnen, Luftfilter und warten.
  6. Wenn man nur einen Luftfilter hat, am besten bei der infizierten Person im Raum platzieren – dann kann sich keine Viruskonzentration aufbauen. Bei zwei Filtern einen weiteren im Raum der Person, die noch empfänglich ist, um das abzufangen, was über Lüftungsschächte oder unter der Tür durch in den Raum gelangt.

Quelle und Original: Filterexperte Joey Fox, Toronto, Kanada

Sicheres Reisen während der Pandemie

Autofahrten: FFP2-Masken und Fenster einen Spalt öffnen, Unterdruck sorgt für effektive Frischluftzufuhr (siehe oben)

Flugreisen: FFP2-Masken, nicht dann essen, wenn alle anderen essen (Bordservice), sondern idealerweise vorher, zum Trinken Trinkflasche/blase mit Schlauch, den man unter der Maske einführen kann.

Zugfahrten: FFP2-Masken, neue Garnituren mit Klimaanlage wählen, Fenster öffnen in älteren Garnituren scheitert oft am Widerstand von anderen Fahrgästen. Maske zwischen den Verzehrpausen wieder aufsetzen, auch im Speisewagen (bei der Deutschen Bahn vorgeschrieben). Bei modernen Zügen mit Klimaanlage ist mehr Frischluft vorhanden, solange der Zug fährt. Bei längeren Stehzeiten akkumuliert sich rasch die CO2/Kohlendioxid-Konzentration, also besser die Maske auflassen.

Auf der Hinfahrt anfangs voll besetzt, später leerte sich der Zug und die CO2-Konzentration ging auf normale Werte zurück. Am Rückweg anfangs spärlich besitzt, erst ab Wien-Stammstrecke über 1000ppm steigend. In der U-Bahn bzw. Bus unter 700ppm.

U-Bahn-Fahrten

U-Bahnen in Wien, Einkaufszentrum (Lugner City) – die Frischluftzufuhr in den (klimatisierten) U-Bahnen funktioniert sehr gut angesichts der zeitweise höheren Belegung, aber meist kurzen Aufenthalten und häufigen Öffnen der Türen.

Empfehlung: Rush Hour meiden, überfüllte Garnituren ziehen lassen

Konferenzen, Tagungen, berufliche Treffen

Als Veranstalter:

  • leichter Zugang zu Masken und Schnelltests – das gehört bei der Budgetplanung berücksichtigt
  • Überlege eine klare Linie mit Zutritt nur für Geimpfte bzw. Getestete.
  • Berücksichtige die Lüftung beim Empfang. Besprich Dich mit Experten, wenn es nötig ist.
  • Gemeinsame Essen möglichst draußen abhalten
  • Überlege, die Registrierungsgebühr vollständig zurückzuerstatten, wenn Leute wegen einer Covid19-Erkrankung absagen müssen. Mach es ihnen leichter fernzubleiben, wenn sie krank sind!
  • Es muss das Masken tragen in Innenräumen verpflichtend sein, unabhängig vom Impfstatus oder wie gut die Durchlüftung ist.
  • Bleibe freundlich, aber standhaft, wenn es keine gesetzliche Maskenpflicht gibt- sage „Masken tragen wird empfohlen/erbeten/bevorzugt“ statt „sind erforderlich“.
  • Viele Infizierte sind ansteckend, bevor sie wissen, dass sie krank sind, daher ist es besser, alle darum zu bitten, Maske zu tragen. Vorausgesetzt, man möchte eine Superspreading Konferenz vermeiden.

Als Teilnehmer:

  • Trage in Innenräumen immer eine dicht sitzende (Bartträger bitte rasieren) FFP2-oder FFP3-Maske, unabhängig von der Anzahl der Personen im Raum oder dem Testergebnis. Schnelltests sind nicht immer zuverlässig, PCR-Tests sind meistens nicht zeitnah und variieren von der Qualität je nach Labor (Bundesland)
  • Öffne ein Fenster und sorge für Durchzug mit offenen Türen, so oft möglich
  • Essen und Trinken draußen, wenn möglich, sonst nur kurz die Maske abnehmen und gleich wieder aufsetzen. Wenn alle anderen Maske tragen, kann man azyklisch essen/trinken, wenn man der Einzige ist, besser aufpassen.

In Anlehnung an ein Textscreenshot, das derzeit auf Twitter kursiert

Meine Empfehlungen, eine Ansteckung zu vermeiden

Draußen

bei niedrigen Inzidenzen

…in Einkaufstraßen mit Menschenmengen besser Maske tragen, ebenso bei längeren Schlangen, ebenso beim Anstehen am Kiosk, an der Ampel

bei hohen Inzidenzen

… generell draußen, sobald man anderen Menschen begegnet und nicht ausweichen kann. In der BA.5-Sommerwelle nehmen berichtete Übertragungen im Freien allgemein zu, weil die Inzidenz viel höher ist als in den letzten Sommern. Die vermeintlich gefahrlosenen Begegnungen, kurze Gespräche, Niesanfälle/Huster von hinten sind damit ein erhöhtes Ansteckungsrisiko.

Drinnen

… immer mit Maske. Menschenmengen dennoch meiden, besonders über längere Zeit (ich steige auch mal vorzeitig aus der U-Bahn aus oder nehme die übernächste). Mit dabei ist immer mein Aranet4 (CO2-Messgerät), um die Ventilation abzuschätzen. Niedrige CO2-Werte heißen nicht zwingend gute Durchlüftung, es können auch einfach nur wenig Menschen im Raum sein (erkennbar oft daran, dass bei zunehmender Zahl an Fahrgästen im Zug und mit zunehmender Fahrtdauer die CO2-Werte deutlich ansteigen).

Grundsätzlich

… regelmäßig Testen. Schnelltests nur zeitnah, keineswegs Gültigkeit von 24 Stunden oder mehr ausreizen. PCR-Tests, solang nur eingeschränkt verfügbar, zumindest regelmäßig (1x die Woche), bei Verdacht auf Kontakt mit einer infizierten Person auch häufiger.

…regelmäßig Maske wechseln, wenn sie durchfeuchtet wird oder nicht mehr dicht sitzt. Das geht leider ins Geld, wenn man eine dicht sitzende Maske will (Kopfband, nicht Ohrenschlaufen). Und ganz wichtig: Regelmäßig rasieren, damit die Maske eng an der Haut anliegt.

…beim Impfen nicht zu lange zögern, sofern man vorherige Impfungen gut vertragen hat Der Impfschutz nimmt sowieso ab und mit jeder neuen Variante ist der Impfschutz noch etwas schlechter. Hier geht es auch um LongCOVID, nicht nur schwere Akutverläufe. Die Impfung schützt zwar nicht 100%, aber sie verringert das Risiko.

Supermärkte

In Österreich dürfen positiv getestete Mitarbeiter mit FFP2-Masken arbeiten, nicht nur symptomfreie, sondern generell arbeitsfähige, die sich selbst nicht krankmelden.

Das Ansteckungsrisiko als Kunde steht und fällt mit a) Frischluftzufuhr (CO2-Messungen) und b) dichte (gut sitzende) und intakte (trockene, nicht verschmutzte und verfusselte) Masken.

Beim Aufsperren in der Früh haben vorher Mitarbeiter Ware geschlichtet und dabei mehr Aerosole exhaliert, jedoch nicht für Stunden, sondern meist deutlich kürzer, abhängig von der Zahl der Helfer. Als Kunde ist es nicht nachprüfbar, wie viele der unmaskierten Mitarbeiter unbemerkt infiziert sind und ob die maskierten Mitarbeiter die Maske richtig getragen haben. Im Tagesverlauf schlichten immer wieder einzelne Mitarbeiter Regale, dazu kommen lange Schichten der definitiv infizierten Mitarbeiter mit womöglich schlecht sitzender Maske. Die Aufenthaltsdauer ist hier entscheidend.

Dazu kommen kurzzeitig exhalierte Aerosole von maskenlosen Kunden (klare Mehrzahl) und Übertragung auf kurzer Distanz im Gedränge bzw. bei Mitarbeiterkontakt.

Empfehlungen:

  • Online bestellen, was möglich ist.
  • FFP3-Masken verwenden, oder FFP2-Masken + zusätzliche OP-Maske
  • CO2-Messgeräte in den regelmäßig besuchten Supermärkten einsetzen, um Frischluftzufuhr zu überprüfen.
  • Aufenthaltsdauer so kurz wie möglich halten (Einkaufszettel abarbeiten, kleinere Einkäufe)
  • Möglichst in der Früh einkaufen, wenn Aufenthaltsdauer von Mitarbeitern kurz ist und noch nicht viele Kunden im Geschäft waren – außer: CO2-Werte generell niedrig (unter 800ppm bei großen Geschäften)

Nach aktuellem Stand setzen alle Supermarktketten (REWE, SPAR, LIDL und HOFER) positiv getestetes Personal ein. Selbst wenn kein positiv getestetes Personal vorhanden wäre, bestünde Gefahr durch die überwiegende Zahl an maskenlosen Kunden.

Arztpraxis

Beispiel aus einer Hausarztpraxis mit geschlossenen Fenstern (Fassadenbaustelle, abgeklebte Fenster)

Hier hab ich bisherige Spitzenwerte gemessen. Glücklicherweise handelt es sich um eine vernünftige Ärztin und Ordinationshilfe, die sehr auf die Maskenpflicht achten. Was könnte Abhilfe schaffen? Z.B. Ventilator vor der der Eingangstür platzieren und diese einige Minuten offen lassen (Problem: Stiegenhaus, verlagert schlechte Luft ggf. zu den Patienten, die vor der Tür warten). Im Stiegenhaus Fenster öffnen, wenn möglich. Mobile Luftreiniger im Warte- und Arztzimmer. Als Patient: Besser FFP3 als FFP2, Termine abseits der Spitzenzeiten.

Laboruntersuchungen

Messungen in einer Diagnoseklinik (MRT/Röntgen/Ultraschall-Untersuchungen), großer Warteraum mit voller Belegung, wartende Patienten am Gang, Eingangstür geschlossen

Das war definitiv keine angenehme Erfahrung. Die erste Phase mit hohen Werten war nur die Wartezeit für die Anmeldung der Untersuchung. Danach bestand ich darauf, draußen (im Innenhof) zu warten. Vor dem Untersuchungszimmer befindet sich ein winziger Umkleideraum (max 2 Quadratmeter). Hier hatte ich das CO2-Messgerät leider vergessen (in der Hosentasche) und nicht im Untersuchungszimmer mit dabei.

Spital

Beispiel eines zweitätigen Aufenthalts in einer Privatklinik (!), aufgrund von covidbedingten Engpässen in der öffentlichen Klinik verlegt worden. Der Aufenthalt fand während einer Hitzewelle statt, daher auch in der Wohnung erhöhte CO2-Werte. Die CO2-Messungen im Spital zunächst im Warteraum vor der Anmeldung, dann durchgehend am Zimmer auf der Station.

Anders als beim OP-Vorgespräch im öffentlichen Spital (Werte durchgehend unter 600ppm) war die Luft bereits im Warteraum für die Größe des Raums (offener Warteraum im Foyer) eher schlecht mit Werten um 800ppm. Hier wurde man aber noch nicht auf einen negativen PCR-Tests als Zutrittsvoraussetzung kontrolliert – erst bei der Anmeldung!

Am Zweibettzimmer vormittags bereits Werte über 1000ppm. In der Zeit, wo beide Patienten gerade operiert wurden und dann im Aufwachraum lagen, sanken die Werte deutlich ab, eventuell unterstützt durch kurzzeitiges Lüften. Am Abend und in der Nacht bei geschlossenen Fenstern dann extrem hohe Werte, Spitzenwert bei 2100ppm.

Gefahrenstellen:

  • keine Maskenpflicht im Zimmer (Schutz bietet nur ein bis zu 48 Stunden alter PCR-Test bei Aufnahme)
  • Narkoseärztin mit Maske unter der Nase im Vorraum vom OP
  • keine Maskenpflicht für Patienten im Aufwachraum, Maske korrekt getragen wurde nur von Schwestern mit direktem Patientenkontakt
  • eigene Maske ging am Weg zum OP „verloren“, ohne zurück zum Zimmer geschoben worden
  • Aufforderung, Maske abzusetzen beim ersten Aufstehen nach der OP
  • OP-Assistentin abends am Zimmer mit Maske unterm Kinn beim Gespräch mit Patienten
  • Schwestern und Reinigungspersonal häufig mit Maske unter der Nase
  • Mit offener Tür zum Flur kam teilweise noch CO2-reichere Luft nach

Empfehlungen:

Auf Maskenpflicht hinweisen, selbst Maske tragen, auch wenn nicht vorgeschrieben, Fragen, ob man Fenster öffnen darf, Aufenthaltsdauer beschränken, auf Einbettzimmer bestehen (falls leistbar),