Verlauf

Stand, 28.03.22

Disclaimer: Ich bin kein Mediziner und werde daher nichts empfehlen, was schadet oder von dem ich nicht weiß, ob es schadet. Alle hier dargestellten Informationen und Empfehlungen stammen aus erster Hand von Medizinern.

Ich hatte Kontakt zu einem Infizierten. Wann muss ich mit ersten Symptomen rechnen?

Serienintervall und Generationszeit bei OMICRON

Die Inkubationszeit beträgt bei BA.2 (aktuell, Stand, 27.03.22) gegenwärtig 2-4 Tage.

Ich bin geimpft, wann bin ich ansteckend?

aus der Seuchenkolumne von Epidemiologe Zangerle

Bei geimpften Personen mit Covid19-Infektion kennt das Immunsystem durch die Impfung den Erreger schon und fährt die Immunabwehr hoch, bevor die Viruslast ansteigt. Daher zeigen sich oft erst Symptome, bevor Tests das Virus nachweisen können. Negative Antigentests bei Symptomen sind daher kein Ausschluss einer Infektion. Zahlreiche Beobachtungen zeigen, dass Tests sogar erst mit dem Abklingen der Symptome mehrere Tage nach Symptombeginn anschlagen.

Wie lange bin ich infektiös?

Garcia-Knight et al. (19.05.22), gültig für DELTA – unabhängig vom Impfstatus ist man auch nach dem fünften Tag noch infektiös. Die Impfung reduziert die Viruslast über den gesamten Zeitraum.

Unabhängig derzeit geltender Verordnungen weist ein beträchtlicher Teil der Infizierten länger als 5 Tage eine Viruslast auf, die typisch für Infektiöse ist. (Landon et al., 02.02.22, Hay et al., 14.01.22, Bericht aus Japan, 05.01.22). Laut medizinischem Krisenstab der Stadt Wien können sich am fünften Tag nur 10% der Personen freitesten, am Tag 6-9 sind es 20%, die Mehrheit (70%), erst ab Tag 10; nur die Hälfte hat so geringe Symptome, dass sie überhaupt einen Freitestversuch (nach 48h Symptomfreiheit) wagen.

Wer infektiös ist, verbreitet das Virus auch ohne Symptome. Darum haben wir eine Pandemie. Wenn wir nur Personen absondern müssten, die Symptome aufweisen, wäre die Pandemie schon lange zu Ende.

Was sind derzeit Symptome?

Die Leitsymptome einer Covid19-Infektion sind gleich geblieben: Hohes Fieber, trockener Reizhusten, starke Halsschmerzen, Fatique, Muskelschmerzen, Schnupfen.

Bei der aktuellen BA.2-Variante kommen außerdem folgende Symptome gehäuft vor: Magendarmbeschwerden einschließlich Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Sodbrennen und Blähbauch. Vorherige Varianten haben vor allem Lunge und Rachen anvisiert, BA.2 eher den Magen.

Der Verlust von Geruch- und Geschmackssinn kommt seltener vor als bei früheren Varianten.

Bei Kindern kommt es gehäuft zu Pseudokrupp-Symptomen, die aber nicht schwerer verlaufen als durch andere Viren ausgelöst, sowie allgemein mit OMICRON Atemnot, Dehydrierung, anhaltende Schmerzen oder Druck auf der Brust, manchmal auch Magen-Darm-Symptome.

Vergleich OMICRON und frühere Varianten

Brandal et al., 16.12.21 (n = 110)
Rabady et al., 26.04.21, Preprint, n = 295 Patienten

Symptome vor Aufkommen der Varianten

Karl Lauterbach, Epidemiologe: „Niemand verlässt die Intensivstation so, wie er reingekommen ist.“

Ablauf einer Infektion und Selbstüberwachung

Gao et al., The Short- and Long-Term Clinical, Radiological and Functional Consequences of COVID-19 (13.04.22, Text ins Deutsche übersetzt)

Diese Übersicht ist eine Zusammenfassung des Stadt-Wien-Podcasts mit Infektiologe Wenisch (18.03.21), sowie von weiteren Hausärzten

Covid-Infektion zuhause auskurieren

(„symptomfreier/milder Verlauf“ – Zu „milden“ Verläufen zählt in Österreich je nach Definition alles, was ohne Krankenhausaufnahme kuriert werden kann. Laut WHO zählt auch Sauerstoffzufuhr im Krankenhaus noch zu mild bzw. moderatem Verlauf)

  • Viel trinken (Tee, Wasser, Suppe)
  • Pulsoxymeter (> 95% ok), Atemfrequenz messen
  • Thrombose-Vorbeugung sinnvoll, wenn man die meiste Zeit schläft/liegt: wenn möglich, aufstehen und im Zimmer bewegen, mehrmals täglich, Medikamente nur nach Absprache mit dem Arzt! (Kein ASS, Thrombo-Ass)
  • Elektrolyte zuführen
  • Nasenspray (coldamaris plus – Nutzen nicht belegt, schadet nicht)
  • bei Halsschmerzen: Chlorhexamed, Hexoral, Tantum Verde, Salzwasser inhalieren (ohne ätherische Öle), Ibuprofen (wird über Niere abgebaut), Paracetamol (wird über Leber abgebaut)
  • bei weiß-gelblichen Belegen auf den Mandeln Hausarzt/Notdienst kontaktieren
  • bei unzureichender Flüssigkeitaufnahme ärztliche Hilfe
  • auf Atemprobleme/Kurzatmigkeit bei geringer Belastung achten, ggf. ärztliche Hilfe rufen
  • Die erhöhte Temperatur (bis 38,5°) muss nicht gesenkt werden – das ist die Betriebstemperatur der Enzyme der Körperabwehr.
  • Vorsicht bei fiebersenkenden Mitteln (Nebenwirkungen, Abwehrleistung beeinträchtigt, schlagen auf Leber und Niere)
  • kein bewiesener Nutzen bei Vit C/D/Zink
  • bei Vorerkrankungen nach Absprache mit dem Hausarzt: Monoklonale Antikörper, Paxlovid (siehe unten)

Ab ins Spital, wenn …

  • die Sättigung unter 92% sinkt oder um mehr als 4% fällt nach körperlicher Anstrengung (bei regelmäßiger Messung, unbedingt warten beim Messen, kalte Finger verfälschen die Messgenauigkeit)
  • das Fieber plötzlich steigt
  • schwere Atemnot hinzukommt

Wichtig: Nicht zögern, ins Spital zu gehen, nicht zu lange zuhause auskurieren, sonst droht schwerer Verlauf auch ohne Vorerkrankung

Normalstation: Blutbefund, Vitalzeichen, Blutverdünnung Standardtherapie, im frühen Stadium antivirale Therapie (5 Tage), später antientzündliche Therapie (8-10. Krankheitstag) mit Cortison.

Weitere Möglichkeiten:

  • monoklonale Antikörpertherapie gegen Zytokine (Infusion)
  • Sauerstofftherapie
  • Bauchlage, um Blutversorgung der Lunge zu verbessern

Intensivstation: Intubation, ECMO

Risikofaktoren:

  • männlich
  • über 70
  • Trisomie 21
  • Übergewicht
  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Blutgruppe A/B
  • Schwangerschaft

Wie soll ich mich nach der Infektion verhalten?

Dass LongCOVID auch nach symptomfreien und leichten Verläufen vorkommt, ist bekannt. Da BA.1/BA.2 auch bei Dreifachgeimpften vermehrt zu leichten bis mittelschweren Verläufen führt, gilt das – wenn auch in leicht verringertem Ausmaß – auch für Geimpfte (Ayoubkhani et al., 26.01.22).

Die meisten nehmen an, dass die Kurzatmigkeit am Resthusten/Schnupfen und dem Fitnessverlust durch die Infektion liegt, und fangen zu früh wieder an zu arbeiten bzw. Sport zu treiben.

Um einen langwierigen Heilungsverlauf bzw. Rückfälle (LongCOVID) zu vermeiden, sollte man sich nach einem symptomfreien Verlauf wenigstens zwei Wochen lang schonen. Nach leichten bis mittelschweren Symptomen mindestens sechs Wochen Schonung! Bei Ungeimpften spricht man sogar von drei bis sechs Monaten Pause bzw. unter der Belastungsgrenze bleiben. Wer zu früh beginnt, riskiert anhaltende Lungen- und Herzprobleme. Unabhängig von Beschwerden schadet ein Gesundheitscheck nicht (großes Blutbild, Check von Lunge und Herz), denn auch nach milden Verläufen steigt gegenüber gesunden Menschen das Risiko für Folgeerkrankungen an (Xiang et al., 23.03.22), u.a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Tereschenko et al., 29.12.21), Diabetes (Xie et al., 21.03.22) und periphere Nervenschäden (Odozor et al., 24.03.22).

Besondere Vorsicht sollte man walten lassen, wenn elektive Eingriffe geplant sind. Nach einer Infektion sollte man mindestens zwei Monate warten, sonst besteht ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen.

Zu Medikamenten, die LongCOVID vorbeugen, wird noch geforscht. Zwei klinische Studien mit Paxlovid laufen derzeit (Ledford, 25.03.22). In einem Fallbericht hat Paxlovid geholfen, LongCOVID zu heilen. (Geng et al., 15.03.22).

Ausführlichere Infos zur Vorbeugung von LongCOVID in diesem Blogartikel.

Selbstüberwachung:

Hinweise für Risikopatienten und Immunsuppression mit Medikamenten

(Infos zusammengetragen aus Empfehlungen von Chemiker und Wissenschaftsjournalist Lars Fischer, selbst Risikopatient, und Internist, Haus- und Notarzt Dr. Christian Kröner, Stand 19.03.22)

Die meisten Immunschwachen können nach 3 Impfungen einen ordentlichen Schutz aufbauen, z.B. 60% Serokonversion nach 2 Impfungen bei Krebs. Weitere Impfungen steigern die Serokonversion – unbedingt 3. und 4. Impfdosis holen (Lee et al., 02.03.22).

Bei Organtransplantierten und Patienten, die Rituximab bekommen, wirken die Impfungen kaum. Mit gutem Erfolg werden monoklonale Antikörper eingesetzt, die aber zwei Nachteile haben:

  1. Sie können gegen neue Varianten ineffektiv werden. Gegen Omicron wirken zahlreiche Präparate nicht mehr (Iketani et al., 03.03.22). Mitte Februar wurde ein neuer Antikörper, Bebtelovimab, von der amerikanischen FDA zugelassen (Deutsches Ärzteblatt, 14.02.22).
  2. Die Präparate wirken nur sehr früh in der Erkrankung: Regelmäßige PCR- und Antigen-Tests nach Risikokontakten. Bei Omicron scheinen Rachenabstriche empfindlicher zu sein, außer man hat schon mehrere Tage lang Symptome (Emily Anthes, 20.01.22).

VORHER mit dem betreuenden Arzt/Zentrum absprechen, wie man im Ernstfall Zugang zur Antikörpertherapie hat, damit man bei einem positiven Test sofort weiß, was zu tun ist. Antikörpergabe ist auch möglich als passiver Schutz auf Verdacht oder nach Kontakt. Prophylaxe ist weniger verbreitet, funktioniert aber auch gut (O’Brien et al.,23.09.21)

Antivirale Medikamente werden derzeit bei Immunsupprimierten nicht umfassend eingesetzt, obwohl sie gegen alle Varianten wirken. Gründe:

  • Molnupiravir wirkt deutlich schlechter als monoklonale Antikörper
  • Paxlovid ist sehr effektiv und besteht aus zwei Wirkstoffen, einem neuen gegen Covid19 und einen Wirkverstärker. Dieser hemmt aber nicht nur den Abbau des ersten Medikaments, sondern auch von vielen Medikamenten, darunter Immunsuppressiva, von Risikopatienten. Das kann Wechselwirkungen verursachen. Liste der interagierenden Medikamente gibt es beim Robert-Koch-Institut. Positiver Schnelltest reicht [zumindest in Deutschland] für die Verordnung, PCR muss nicht abgewartet werden.
  • Probleme machen zum Beispiel Statine, viagraartige Potenzmittel, Blutverdünner oder Johanniskraut. Am besten die 5 Tage Paxlovid plus 2 Tage danach gar nichts extra einnehmen, was nicht essenziell lebensnotwendig ist. Statin kann man problemlos 7 Tage weglassen. Potenz auch.
  • Blutverdünner wirds komplizierter. Bei häufiger Indikation Vorhofflimmern muss man diskutieren, ob man es 7 Tage pausieren kann oder ein Heparinbridging erfolgen muss. Bei mechanischen Herzklappen ist das zwingend erforderlich. Bei frischen Stents sollte mindestens ASS bleiben.
  • Benzodiazepine Beruhigungsmittel auch nicht kompatibel.

Der Abbauhemmer ist in der HIV-Therapie lange bekannt und nicht neu.

Für Ungeimpfte mit Risikofaktoren oder für hochbetagte Geimpfte ist die Therapie lebensrettend und bei guter Durchführung kein Problem. Wie auch bei monoklonalen Antikörpern ist eine frühestmögliche Gabe entscheidend!

Übersicht aus der Fachinformation. und weitere Infos von der deutschen KBV.