Weitere BA.-Varianten

OMICRON ist keine singuläre Variante, sondern seit Beginn instabil mit unterschiedlichen Mutationen (BA.1-3), inzwischen sind durch Rekombinationen und Kreuzkombinationen mit DELTA weitere Varianten hinzugekommen.

Subvariante BA.1.1 (BA.1 + S:R346K)

Sie zeigt die Mutation S:R346K, die bereits bei Mu und B.1.640 gesehen wurde. Sie scheint einen Fitnessvorteil gegenüber BA.1 zu haben (Quelle) – in San Diego wächst BA.1.1 rasch auf Kosten von BA.1 (Tweet). Weitere Berichte aus anderen Ländern.

Hybrid-Variante BA.1x AY.4 („Deltakron“)

Rekombinationsvariante XE (BA.1+BA.2)

Größter Teil des Genoms gehört zu BA.2, erstmals am 19.01.22 in England entdeckt, Wachstumsrate ca. 12% über BA.2 bis 30.03.22.

Angeblich länger anhaltend hohe Viruslast (länger infektiös?)

Subvariante BA.2+ H78Y-Mutation bei ORF3a

Dänemark identifiziert neue Subsubvariante (11.02.22) – ORF3a-Mutation steht im Verdacht, schwerere Verläufe zu erzeugen (Majumdar and Niyogi, 26.10.20).

Subvariante BA.2 + R346K

Wachstumsvorteil gegenüber BA.2 – vermutlich durch Immun Escape

BA.2.2

Mesfin et al., Epidemiology of infections with SARS-CoV-2 Omicron BA.2 variant in Hong Kong, January-March 2022 (14.04.22 – ungeimpft ähnlich hohe Todesrate wie beim Wildtyp)

BA-Sublinien mit RIRI-Mutation

Kurz, nachdem sich zwei Hauptlinien (BA.1 und BA.2) von OMICRON ausgebildet haben, hat sich bei BA.1 in der N-terminal domain eine spezielle Mutation (RIRI-Mutation) ausgebildet, die mehrere andere Sublinien unabhängig voneinander auch ausgebildet haben, und gelegentlich für bedeutende Übertragungsraten sorgen. Anfang April 2022 sorgte so eine Sublinie für über 2% aller SARS-CoV2-Fälle in Dänemark, sie könnte einen langsamen, aber stetigen Wachstumsvorteil gegenüber BA.2 bedeuten.

BA.2.12.1 (in NYC dominant)

BA.4 und BA.5

In Südafrika und einzelnen anderen Ländern wurden die Subvarianten BA.4 und BA.5 als Erstes gefunden, die zumindest in Südafrika BA.2 zu verdrängen scheinen. Über Infektiösität, Symptomveränderungen und Schwere der Verläufe ist noch nichts bekannt, aber sie haben zumindest zwei Mutationen, die Immun Escape verstärken können (L452R und F486V).

„The simplest interpretation of the origin of BA.4 is a recombination event between BA.1 and BA.3. It is likely that BA.3 contributes the portion of the genome extending from the 5’ end halfway through the NSP3 gene of the replication complex (about 2,000 amino acids). The remainder is plausibly contributed by BA.1. The anomaly is a single mutation in NSP6 found in BA.1, but not BA.3 or BA.4. This could also be coincidental, as many SARS-CoV-2 viruses are mutated in NSP6 from 105-108, though we cannot be certain.“ (Mehr zu BA.4, 16.03.22)

BA.4 und BA.5 werden durch die Immun Escape-Mutationen eine Reinfektionswelle erzeugen.

Wichtigste Ergebnisse (Erläuterungen von Ulrich Elling und Jan Hartmann zusammengefasst):

  • Sublinie BA.2.12.1 (USA) ist infektiöser (höhere Bindung an ACE2-Rezeptor)
  • BA.4 ist weniger infektiös, produziert dafür mehr Immun Escape (verringerte Neutralisierung des Virus)
  • Nach BA.1-Infektion ist Immunschutz noch besser gegen BA.4, aber BA.2 wurde deutlich besser neutralisiert als BA.4
  • Für 3x Geimpfte ohne BA.1-Infektion ist der Abfall des Schutzes gegen BA.4/BA.5 etwas geringer als befürchtet.
  • Eine Impfung gegen BA.1-Spike (aktueller Variantenbooster) wird vermutlich genauso kurz vor Ansteckung mit BA.4 schützen wie die Genesung von BA.1
  • Impfung + Genesung von SARS-1 schützt nicht gegen BA.4, ein Impfstoff gegen alle Sarbecoviren erscheint damit unwahrscheinlich

Fazit:

(Zitat @pelagicbird):

„Omicron (in dem Fall BA.1) hat offensichtlich die Fähigkeit in kurzer Zeit Mutationskombinationen zu produzieren, die durch sich selbst erzeugte Immunität unterlaufen. Das stellt Problem für alle Konzepte die auf Herdenimmunität durch Infektion setzen und zu enge Impfstoff-Updates dar.“

Schon kleine Mutationsveränderungen bei OMICRON bewirken größerer Immunflucht. Reinfektionswellen sind vorprogrammiert. Die Anpassung der Impfstoffe geschieht zu langsam.

Solange also keine fundamentale Strategieänderung der Politik erfolgt, läuft es auf alle 5-6 Monate Impfen mit nicht optimal passenden Impfstoffen heraus. Das senkt zwar das Damoklesschwert LongCOVID etwas, aber nicht genug, um „so zu leben wie vorher.“

(Zitat Pathologe Sebastian Leibl, @DrLeibl):

„BA.1-Infektion schützt nur schlecht vor BA.4 und BA.2-Subvarianten (wegen Mutation D405N und F486V), eine auf BA.1 abgestimmte Boosterimpfung schützt vermutlich nur kurzzeitig vor Infektion.“

Unklar ist der Schutz durch eine BA.2-Infektion (plus Impfung).