COVID19-Tests verstehen (Übersetzung)

Das Original stammt von Edsel Maurice Salvana, Mediziner für Infektionskrankheiten und Molekularbiologe auf den Philippinen.

Warnung: Dein Kopf wird davon rauchen, falls Du keinen wissenschaftlichen Hintergrund hast. Teufel noch mal, auch mein Kopf raucht davon, aber ich kann es nicht anders erklären.

1. Die Masse testen bedeutet nicht, jeden zu testen. Es handelt sich um “risikobasiertes” Testen. Grundsätzlich testet man Menschen mit zunehmendem Risikoradius: teste die Verdachtsperson (PUI, Person under investigation), die engen Kontakte, dann die Gemeinschaft. Es ist kein Schrotflintenprinzip, weil kein Land jeden einzelnen Bürger auf COVID-19 testen kann. Daher müssen wir unsere Prioritäten für Tests herausfinden und WELCHEN TEST wir verwenden. Du kannst nicht 100 Millionen Menschen testen, aber jene mit dem HÖCHSTEN RISIKO.

2. Verstehe die Grenzen vom Testen. KEIN TEST ist zu 100% genau. Es gibt Abstriche. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Test positiv ist, wenn die Erkrankung TATSÄCHLICH vorhanden ist, wird SENSITIVITÄT genannt. Die Wahrscheinlichkeit für ein negatives Testresultat, wenn KEINE ERKRANKUNG gegeben ist, wird SPEZIFIZITÄT genannt.

3. Gute Sensitivität bedeutet, dass es einen Test gibt, der großteils eine Erkrankung erkennen kann, falls sie beim Patienten auftritt. Ein negatives Testergebnis im Fall einer vorhandenen Erkrankung wird FALSCH-NEGATIV genannt. Mit anderen Worten: Der Test hat dabei versagt, eine kranke Person zu erkennen.

4. Gute Spezifizität bedeutet, dass ein Test großteils negativ ist, wenn beim Patienten keine Erkrankung vorhanden ist. Bei einem positiven Testergebnis trotz abwesender Erkrankung spricht man von FALSCH-POSITIV.

5. FALSCH-NEGATIVE Tests sind schädlich, weil Du sagst, dass jemand kein COVID-19 hat, obwohl er tatsächlich betroffen ist. Dieser Patient kann also ungehindert die Erkrankung verbreiten.

6. FALSCH-POSITIVE Tests sind schädlich, weil Du einen Patienten OHNE COVID19 ins Krankenhaus bringst, möglicherweise gemeinsam mit ECHTEN COVID-19-Patienten, sodass der Patient sich infizieren kann, oder unnötigerweise isoliert wird.

7. Wie gut sind die Tests jetzt? Es gibt zwei Tests, die wir für COVID-19 verwenden können: RT-PCR und Antikörpertests.

8. RT-PCR wird als der beste Test für die Diagnose LAUFENDER (AKUTER) Covid-19-Infektionen betrachtet. PCR selbst ist sehr sensitiv und spezifisch, über 90% für beide. Jedoch können ART der Probe und Stadium der Erkrankung (wie viele Tage mit Symptomen) beeinflussen, wie oft ein Test positiv ausfällt. Für RT-PCR werden Nasen-Rachen-Abstriche verwendet. Bei einem Patienten MIT Erkrankung beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen positiven Test nur 63%, verglichen mit einer Bronchoskopie (BAL-Proben, von bronchoalveoläre Lavage) bei 93%. Man verpasst also tatsächlich 37% aller positiven Fälle. Deshalb können wir den Test nach 48 Stunden WIEDERHOLEN, wenn ein zunächst NEGATIV getesteter Patient stärkere Symptome entwickelt, die wie COVID-19 ausschauen.Die GEFAHR eines RT-PCR ist ein FALSCH-NEGATIVER Test und Du schließt jemand aus, der tatsächlich infiziert ist. Das kann bei BIS ZU EINEM DRITTEL DER TATSÄCHLICH POSITIVEN PATIENTEN geschehen, daher ist es kein perfekter Test.

9. RT-PCR ist außerdem ein hochtechnischer Prozess, der nicht nur voraussetzt, die richtigen Maschinen und Testkits zu haben, aber auch geeignete SICHERHEITS-INFRASTRUKTUR wie ein BSL2-Labor. Viele Labore und Spitäler HABEN RT-PCR-Maschinen, aber keine Biosicherheitsinfrastruktur.

10. Antikörpertests beinhalten PRNT (Plaque-Reduktion-Neutralisations-Test, der Goldstandard), ELISA (enzym-gebundene immunosorbent Proben) und Teststäbchen (lateral flow) IgM/IgG. Bei den ersten beiden handelt es sich um Labor-basierte Proben, und beim letzten um patientennahe Schnelldiagnosetests (POC-RDT).

11. So sehr wir aus Bequemlichkeitsgründen Schnelltests (IgM/IgG) verwenden möchten, aber KEINER der Teststäbchenproben hat den Industriestandard PRNT als Goldstandard verwendet. Mit anderen Worten: Wir haben KEINE AHNUNG, wie gut sie trotz der behaupteten Sensitivität und Spezifizität sind. Die größte Gefahr besteht bei Patienten, die gerade erst Symptome entwickeln, weil es 5-10 Tage dauert, bis IgM-Antikörper entwickelt werden, was in einer hohen FALSCH-NEGATIV-Rate resultiert. Dadurch bekommst Du ein FALSCHES SICHERHEITSGEFÜHL und endest damit, das Virus an andere Leute oder Deine Familienmitglieder weiterzugeben.

12. Das andere Problem mit lateral-flow IgM/IgG besteht darin, dass es weitere MENSCHLICHE CORONAVIREN gibt, die die gewöhnliche Erkältung verursachen, und manche Antikörper gegen diese Viren können mit dem Test kreuz-reagieren, was zu einem FALSCH-POSITIVEN Ergebnis führt, was ebenfalls schlecht ist aus den bekannten Gründen.

Die Quintessenz ist: KEINER DIESER TESTS IST PERFEKT. Im Gegenteil, sie sind WEIT davon entfernt. Tests INFORMIEREN darüber, wie Du reagierst, aber sie müssen im richtigen Kontext INTERPRETIERT werden.

Laien gehen davon aus, dass positiv positiv bedeutet und negativ negativ. Für uns Ärzte und Wissenschaftler bedeuten sie GROSSE Vorsichtsmaßnahmen in der Behandlungsplanung. Es gibt Situationen, wo wir einem Testergebnis NICHT glauben werden, weil es NICHT mit dem klinischen Bild des Patienten übereinstimmt. Wenn wir uns selbst durch Testergebnisse in die Irre führen lassen, ohne UNSER GEHIRN ZU VERWENDEN, werden Menschen STERBEN. Das gilt gleichermaßen für öffentliche Gesundheitsstrategien und Massentests.

Ich hoffe, dies gibt der Öffentlichkeit einen Einblick darüber, wie komplex diese Entscheidungen sind. Wie sehr die Öffentlichkeit auch nach etwas rufen mag, es ist nicht immer in ihrem besten Interesse mehr als das umzusetzen, was wissenschaftlich haltbar ist.