Tag 688: Teil 2- “Mach Dich nicht verrückt.”

Im ersten Teil hab ich die Beweggründe nachvollzogen, weswegen ich die Pandemiepolitik der Lockerungen und halbherzigen Maßnahmen für einen Fehler halte. Schwerpunkt wird im Teil 2 der Umgang von den Mitmenschen mit Menschen sein, die das Virus ernstnehmen und sich und andere weiterhin nicht anstecken wollen, und dafür seit bald Jahren herben Gegenwind ernten. Ihre Sorgen und Ängste werden heruntergespielt, mit Strohmann-Argumenten (“Willst Du uns ewig einsperren?”, “Die Kinder haben schon genug gelitten”) auf eine unsachliche Ebene überführt, auf deren Basis kein Austausch auf Augenhöhe mehr möglich ist. Ich habe es so satt – und mit den neuen Lockerungsverkündigungen wird es immer schwieriger.

Ich bin kein Psychologe oder Soziologe, kann daher nur schildern, wie ich das hier erlebe, und finde womöglich nicht den passenden Begriff dafür. Aber es nagt schon sehr lange in mir.

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Tag 688: Teil 1 – Wie die Regierung Leerdenker und Verharmloser bestätigt

Die Mehrheit hält sich zwar an die Regeln, ist aber nicht Willens oder ausreichend informiert genug, das zu tun, was vernünftig ist. Eine Minderheit will gar keine Maßnahmen und findet sich bis auf einen extremen Rand in der Pandemiepolitik der Regierung wieder. Eine Minderheit will die Pandemie ernsthaft eindämmen, bringt konstruktive Lösungsvorschläge und wird ignoriert.

Ich weiß nicht, wie ich die aktuellen Geschehnisse noch kommentieren soll, ohne ausfällig zu werden. Da kommt man gerade von einem schönen Ausflug (Schneeschuhwanderung) zurück und muss in den Nachrichten lesen, dass die Regierung im Februar den britischen/dänischen Kurs einschlägt. Nicht perfekte, aber noch wirksame Maßnahmen werden pünktlich mit Semesterbeginn fallen gelassen, obwohl der Höhepunkt der OMICRON-Welle (BA.1) noch nicht absehbar ist und selbst Mitglieder GECKO-Taskforce (Niki Popper) zugeben, dass durch die zunehmend dominante BA.2-Variante sich der Peak in ein Plateau oder eine weitere Welle verwandeln könnte.

In diesem Beitrag möchte ich zunächst in Teil 1 auf den Wahnsinn der Regierung eingehen – Schwerpunkt wird im Teil 2 der Umgang von den Mitmenschen mit Menschen sein, die das Virus ernstnehmen und sich und andere weiterhin nicht anstecken wollen, und dafür seit bald Jahren herben Gegenwind ernten. Ihre Sorgen und Ängste werden heruntergespielt, mit Strohmann-Argumenten (“Willst Du uns ewig einsperren?”, “Die Kinder haben schon genug gelitten”) auf eine unsachliche Ebene überführt, auf deren Basis kein Austausch auf Augenhöhe mehr möglich ist. Ich habe es so satt – und mit den neuen Lockerungsverkündigungen wird es immer schwieriger.

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Tag 686: Lasst uns reden – über Herdenimmunität!

Dieser Text ist eine Übersetzung von Epidemiologe David Steadson (26.01.22) – angepasst auf Österreich [Bilder von mir]

Doch lasst uns zuerst über Herden reden. Hier ist eine Kuhherde.

Schneealpenhaus auf der Schneealpe, Alpenostrand – Sommer 2015,
als uns bis auf Adorno die Welt noch in Ordnung schien.

Doch, wenn man genau hinschaut, ist es nicht eine Kuhherde. Es sind mindestens zwei Kuhherden:

Was führt dazu, dass wir es mit unterschiedlichen Herden zu tun haben? Dieses Ding da: ein Zaun.

Herden sind eine Gruppe von Tieren, die zusammenbleiben. Die Kühe auf einer Weide vermischen sich nicht mit den Kühen auf der anderen Weide. Der Zaun hält sie getrennt. Es sind verschiedene Herden.

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Tag 685: Endemie, aber zu welchem Preis?

Nachwehen pandemischer Wellen (Grafik vom Beginn der Pandemie) – inzwischen sind wir in der fünften Covid19-Welle. Was hier gänzlich fehlt, ist LongCOVID.
Wovor hat man als Geimpfter derzeit Angst? Valide Gründe, weiterhin vorsichtig zu sein.

Derzeit mehren sich Expertenmeinungen, dass nach der OMICRON-Welle alles vorbei ist. OMICRON wird als Beweis für eine deutliche Abschwächung der Krankheitslast (“mild”) und den Übergang zu einem “harmlosen Schnupfen” angeführt, der in saisonalen Wellen wiederkehrt und aufgrund der breiten Bevölkerungsimmunität durch Impfung oder Infektion gut beherrschbar sein wird. Ich sehe eine gewisse Skepsis aber weiterhin angebracht, denn es gibt auch anderslautende Meinungen und vor allem Beobachtungsdaten, die Anlass zur Sorge geben. Es wird nämlich so getan, als ob die OMICRON-Durchseuchung alternativlos ist und man sich nur zurücklehnen müsste, und die Pandemie würde ganz von selbst zu Ende gehen. Es gibt neben vielen Zwischentönen wissenschaftlich begründete Skepsis und ideologisch bedingtem Fatalismus. Weiterhin ein harter Kampf zwischen John Snow-Anhängern und Great-Barrington-Ideologen. Wie könnten die kommenden Monate und Jahre aussehen? Wie geht es nach der OMICRON (BA.1)-Welle weiter?

Optimistisch gestimmt bin ich erst, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Globale Impfstoffgerechtigkeit: Verteilung und Wirksamkeit (vgl. Sputnik/Sinovac in Russland/China, Teilen Osteuropas, AZ/JJ-Restbestände für Afrika)
  • Long COVID als Grund für Strategiewechsel (Inzidenzen dauerhaft niedrig halten, reduziert nebenbei Potential und Ausbreitung von Varianten)
  • Aerosol-Übertragung als Grundlage für angepasste Maßnahmen (weg von der Eigenverantwortung)
  • Wirksame Medikamente im Frühstadium einer Infektion in großer Zahl vorhanden
  • Nasale Impfstoffe, die sterile Immunität erzeugen
  • Impfstoffe für jede Altersgruppe (auch unter 5 Jahren)
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Tag 683: Wir müssen der Wissenschaft folgen, nicht Hopium!

Beispiele für Wunschdenken seit Pandemiebeginn – leider nicht nur Aussagen, die man im Privatleben hört, sondern in aller Regelmäßigkeit von Politikern, Journalisten und ExpertInnen wiederholt werden.

Hopium fürs Volk – dann klappts auch mit der Hochinzidenzstrategie in der Pandemie, könnte man in diesen Wochen meinen, nachdem OMICRON zunehmend außer Kontrolle gerät. Oberösterreich stellt das Contact Tracing ein. Positiv getestete Personen sollen ihre Kontakte selbst informieren. Antigentests werden wieder zugelassen als Selbsttests, weil die PCR-Kapazitäten außerhalb von Wien an ihre Grenzen gekommen sind. Erst ab April soll es laut GECKO österreichweit ein PCR-Testnetz geben. Bis dahin haben sich hunderttausende weitere Menschen mit OMICRON infiziert. Der Schutz der Kinder steht weiterhin als letzter Stelle, ebenso kommen LongCOVID-Betroffene nicht vor oder werden wie im letzten GECKO-Bericht durch folgende Aussagen verhöhnt:

“Die Datenlage ist noch unsicher, wird aber aufgrund der Wichtigkeit von GECKO
laufend beobachtet. Es ist davon auszugehen, dass jüngere Kinder seltener an Long-COVID erkranken
als ältere.”

Die Datenlage ist ausreichend genug, um eine Niedriginzidenzstrategie bei Kindern zu fahren. Selbst bei 1-10% Betroffenen sind das bei den riesigen Inzidenzen bei Kindern viele, viele Betroffene.

Davon abgesehen sieht es nach einer Ablösung von BA.1 durch BA.2 mehr aus. Mehr zur Subvariante und weshalb die Hospitalisierungsrate in Österreich möglicherweise stärker steigen wird als der Blick nach Südafrika der Dänemark das glauben lassen mag, in diesem Blogartikel:

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Tag 678: Impfpflicht, GECKO-Report, Schulstreik

Teile von Australien haben die Zero-Covid-Strategie aufgegeben, Neuseeland setzt den Kurs erfolgreich fort. Österreich befindet sich in der fünften Welle. Das Gerede von einem vermeintlichen Plateau war unbegründet – nach über 30000 Neuinfektionen am 18. Jänner 2022 liegt die Ursache wohl eher in den beschränkten Testkapazitäten außerhalb von Wien und Testchaos in den Schulen.

Epidemiologe Zangerle verneint die Frage, ob es jetzt egal sei, ob man Corona bekäme, in seiner neuesten Seuchenkolumne (19.01.22). Ich komme mir derzeit zunehmend verloren vor. Auch unter den Dreifachgeimpften hat sich der Spin der “milden OMICRON-Variante” erfolgreich festgesetzt. “Wir sind dreifach geimpft, was soll schon passieren?”, “Das Ansteckungsrisiko wird wohl deutlich geringer sein” – ein Blick in die Beobachtungsdaten bestätigt das nur teilweise. Ja, die dritte Impfung reduziert das Infektionsrisiko ein wenig, doch wurden auch schon Superspreaderereignisse unter Dreifachgeimpften beobachtet – insbesondere, wenn die letzte Impfung schon ein paar Monate her ist. Selbst Dreifachgeimpfte, die sich als sehr vorsichtig bezeichnen, sich ihre Lebensmittel liefern lassen, maximal mit FFP2 oder FFP3 einkaufen gehen und sonst niemanden treffen, haben sich angesteckt. Vielleicht über die Lüftungssysteme ihrer Wohnanlage, vielleicht durch den Luftzug unter der Wohnungstür durch, nachdem es allgemein üblich ist, im Stiegenhaus keine Maske zu tragen.

Was die milden OMICRON-Verläufe bei Dreifachgeimpften mit intaktem Immunsystem betrifft, wissen wir bei OMICRON leider noch zu wenig über mögliche Langzeitschäden. Wir wissen zwar durch zahlreiche Studien, dass nach milden Verläufen in Ungeimpften allerlei Spätfolgen auftreten können, von Herz- und Lungenproblemen, über Nieren, Diabetes, EBV-Reaktivierung, Mikrothromben, Gehirnschäden, usw. – in Summe nichts, was man anstreben sollte. Milde Durchbruchsinfektionen bei Geimpften führen seltener zu LongCOVID und die Symptome klingen großteils rascher ab als bei Ungeimpften (Kuodi et al., 2022) – das galt allerdings für alle Varianten bis DELTA. Jetzt haben wir eine veränderte Ausgangslage: Milde Verläufe bei OMICRON und Mehrfachgeimpften versus milde Verläufe bei DELTA und Ungeimpften. Vor allem wissen wir nicht, welche Rolle der Immun Escape bei OMICRON für LongCOVID spielt. ALPHA und DELTA waren virulenter, aber durch die Impfung beherrschbar. Gibt es Daten zu Long COVID zu Infizierten mit der bis dato stärksten Immunfluchtvariante BETA? Die Vergleichbarkeit leidet allgemein in dieser Pandemie.

Meiner Privatmeinung nach sollte man immer dann, wenn man etwas noch nicht weiß, Vorsicht walten lassen.

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Tag 674: Miteinander reden, aber worüber?

Das Rote Kreuz möchte mit einer Kampagne die “Spaltung” der Gesellschaft verhindern, während türkisgrün ganz offiziell die Bevölkerung durchseuchen will und daher über eine Rücknahme der Impfpflicht nachdenkt.

Das Rote Kreuz fährt eine Kampagne, um die Spaltung in der Gesellschaft zu überwinden, indem durch die Pandemie polarisierte Menschen (Freunde, Kollegen, Verwandte) wieder aufeinander zugehen und dabei am besten nicht über Corona reden, sondern Smalltalk führen (Gerry Foitik: Hobbys, Wetter, Kinder), um das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen, nicht das Trennende.

Ehrenwerte Ziele, nur zum völlig falschen Zeitpunkt und ohne Bedingungen, die den ersten Schritt aufeinander zu ermöglichen. Denn was sind die gegenwärtigen Voraussetzungen? Eine in allen Belangen versagende Pandemiepolitik der Regierung, aber auch der Opposition, die seit zwei Jahren die schwerste Gesundheitskrise seit mehr als 100 Jahren zu einer provinziellen, parteipolitischen Auseinandersetzung degradiert. Über 13000 Tote, geschätzte 200 000 LongCOVID-Betroffene und ein durch Korruption und Wirtschaftsinteressen geprägtes Grundmisstrauen in die politische Führung und deren abgelehnte Verantwortung für ihre Bevölkerung, die hingegen auf Eigenverantwortung abgewälzt wird.

Lösungsvorschläge gab es zuhauf, für bessere Schutzmaßnahmen, private Initiativen für Luftfilter zur Umsetzung von Niedrig-Inzidenz-Strategien, alles wissenschaftlich gut begründet – alles abgelehnt. Wir suchen nicht Schuldige, sondern wer die Verantwortung trägt für die deprimierende Situation, in der wir uns befinden.

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Tag 668: Durchseuchung ist ein Verbrechen

Tägliche Krankenhausaufnahmen bei Kinder und Jugendlichen in England seit Pandemiebeginn bei den vier dominanten Virusvarianten – mehr Kinder wurden in den vergangenen 3 Wochen aufgenommen als über die gesamte erste Welle.

06.01.22: Vertreter der Wirtschaftskammer Tirol, Christoph Walser (ZiB1):

“Das kann ja durchaus was Positives haben dass wir jetzt a Personen haben die sich anstecken, hoffen dass der Krankheitsverlauf sehr mild ist bei der Omicron Variante und dadurch einfach ja a Durchseuchung bei der Bevölkerung zammbringen”

05.01.22 Maria Van Kerhove, WHO (BBC Newscast):

„I think one of the things I really want to stress on your programme today, is that Omicron is certainly resulting in a lower hospitalisation rate, or risk of hospitalisation, but Omicron is not mild. Omicron is not the common cold, and that rhetoric that is out there, that narrative that is out there, is dangerous, and it is deadly. Omicron and Delta are infecting individuals, they’re putting people in hospital, and if you have huge numbers of cases, you will have increased hospitalisation. This virus, Omicron, will reach vulnerable populations. It will reach older populations, and we will see increasing deaths among those individuals. So to suggest that Omicron is just a mild infection, is really, really dangerous, and I think I just want to stress that, without scaring the public. But this virus is here with us right now, and it’s circulating.”

07.01.22 Katharina Reich, Leiterin GECKO, Ö1-Morgenjournal:

“Es wird zu einer Durchseuchung kommen. Aber Omikron ist so ansteckend, dass wir nicht daran vorbeikommen. Es sei denn, wir sind gut geschützt, und das ist die Impfung, vor allem die Dreifachimpfung. […] Durchseuchung ist ein negativ behaftetes Wording, ein Begriff, der Angst macht.“

09.01.22 Gesundheitsminister Mückstein (OÖ Nachrichten):

Ausweg aus der Krise sei nicht die Durchseuchung, sondern die Impfung.”

Die türkisgrüne Regierung setzt auch nach dem Abgang von Kanzler Kurz das türkise Narrativ von der Impfung als einziger Ausweg aus der Krise fort. Wir wissen seit Moore et al. (03/2021), dass Impfungen alleine die Pandemie nicht beenden oder ausschleichen werden. Von OMICRON wissen wir, dass es ähnlich ansteckend wie DELTA ist, aber durch den Immun Escape Geimpfte ähnlich häufig infiziert wie Ungeimpfte. Lediglich durch die kürzere Generationszeit als bei DELTA erscheint OMICRON ansteckender als DELTA. Menschen in Verantwortungspositionen hätten erkennen müssen, dass non-pharmazeutische Eingriffe wie Kontaktbeschränkungen wirksamer sind als bei den vorherigen Varianten.

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Tag 665: Abandon ship!

“Maßnahmen” nach dem heutigen GECKO-Gipfel, 06.01.22

“Erwarten Sie bitte nicht, dass wir nach Sitzungen in die Öffentlichkeit gehen und sagen, was wir beraten haben und zu welchen Schlussfolgerungen wir gekommen sind”

Generalmajor Rudolf Striedinger, Vorsitzender von GECKO

“Alle ziehen an einem Strang und arbeiten dafür, das Virus im Ausgleich zwischen Gesundheitsversorgung, Wirtschaft und Arbeitsplätzen in den Griff zu bekommen.”

ÖVP-Landeshauptfrau von NÖ, Mikl-Leitner gegenüber der Krone

Nach meinen vergangenen Übersichtsartikeln zu OMICRON am Tag 641, Tag 656 und Tag 660 ist klar, dass von den obigen Vorschlägen kein Einziger (!) OMICRON bremsen wird. Im Gegenteil – sobald Dreifachgeimpfte und zweifach geimpfte Kinder nicht mehr als Kontaktpersonen zählen, werden sie neben den Ungeimpften zu den Treibern der Pandemie. Sie verhalten sich regelkonform und tragen regelkonform aktiv zur Ausbreitung von OMICRON bei. 2G hilft Null gegen Ansteckung mit OMICRON, Maskenpflicht im Freien ist ungefähr so hilfreich wie Gehsteige medienwirksam desinfizieren. Wenn es auf Covidiotendemos gemünzt ist, dann werden sich gerade diejenigen nicht dranhalten – sie wissen ohnehin, dass sie dafür nicht bestraft werden. Es mag ein paar Infektionen auf einem Markt verhindern, aber die meisten Infektionen geschehen drinnen, nicht draußen, das gilt für alle Varianten.

Gesundheitsminister Mückstein präzisiert den Unfug: Beim Contact Tracing gibt es sogenannte Hochrisikokontakte bei über 15min und Abstand 2m – Aerosole werden auch nach 2 Jahren Pandemie gegen jede wissenschaftliche Fakten ignoriert.

Apropos Unfug:

billiger“ ist nicht das problem, es geht ja nicht ums sparen, sondern um die
sinnhaftigkeit. CO2-Messgeräte ändern halt an den Viren in der Luft gar nix. Um
ans regelmäßige lüften zu erinnern erfüllt z.b. eine eieruhr denselben zweck.”

Bildungssprecherin Hamann, Grüne Nationalratsabgeordnete

Darüber hinaus bleiben also die größten Ansteckungsherde offen: Schulen, Gastronomie, Indoor-Veranstaltungen – alles, was uns geholfen hätte, die Welle abzuflachen und Zeit zu gewinnen, um die dritte Impfung zu bekommen, bzw. bei den Kindern die erste, zweite Impfung.

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Tag 660: Und jetzt geben wir auf …?

Blick am Silvestertag vom Lindkogel (872m) übers Piestingtal ins Wiener Becken und in die Ungarische Tiefebene.

Das neue Jahr beginnt mit dem gleichen Fatalismus, wie das alte Jahr aufgehört hat – mit dem Unterschied, dass nun auch jene ins gleiche Horn wie die GreatBarrington-“Wir müssen mit dem Virus leben”-Befürworter stoßen, die bisher berechtigt zur Vorsicht gemahnt haben. Was dabei immer wieder ignoriert wird, sind die gefährdeten Minderheiten – seien es Kleinkinder, die nicht geimpft werden können, deren Krankenhausaufenthalte durch OMICRON aber deutlich ansteigen (Prognose gut, aber es gibt nicht unbegrenzt Spitalspersonal), ältere Kinder, die geimpft werden könnten, aber noch nicht sind, weil es zu wenige Impftermine gibt, weil die Eltern von der Impfung nicht überzeugt wurden oder sie strikt ablehnen, seien es Erwachsene, die auch zwei Jahre nach Pandemiebeginn noch glauben, sie würde ein starkes Immunsystem oder ihr Alter schützen und in einer grauenhaften Desinformationsblase gefangen sind, seien es erwachsene Impfgegner- und -leugner, die uns nicht egal sein können, selbst wenn wir scheitern, sie zu überzeugen, weil auch sie kurz- und langfristig das Gesundheitssystem schwer belasten, seien es chronisch kranke Menschen, die trotz Impfung keinen ausreichenden Immunschutz aufbauen konnten, etwa nach einer Krebserkrankung oder Organtransplantion, oder auch angeborene Immundefekte – das sind in der Regel Menschen, die schon lange kämpfen und sich einschränken müssen, um zu überleben. Diesen nimmt man mit der Hochinzidenzstrategie die langfristige Perspektive, wieder etwas mehr aus der gesellschaftlichen Isolation zu kommen, und nicht Gefahr zu laufen, sich bei einem Krankenhausaufenthalt anzustecken und zu versterben. Und wir gefährden auch jene LongCOVID-Patienten, denen nach der ersten Impfung von weiteren Impfungen abgeraten wurde, weil sich ihr Zustand dadurch verschlechtert hat. Das mag ein kleiner Prozentsatz sein, aber wie überall in der Pandemie bedeutet das bei einer hohen Durchinfizierung eine große absolute Zahl an Betroffenen.

Ich plädiere daher weiterhin uneingeschränkt für eine Strategieänderung, die das erhöhte Risiko für die Schwächeren in der Gesellschaft berücksichtigt, und sich dabei unsere wirksamen Hilfsmittel – neben Impfungen “nichtpharmazeutische Maßnahmen” (kurz: NPI) – zunutze macht, um das Virus dauerhaft in die Schranken zu verweisen, und zwar so lange, ….

Wir wissen, dass eine vollständige Ausrottung des Virus nicht mehr möglich ist, da es bereits in der Tierwelt endemisch geworden ist und jederzeit ein erneutes Überspringen auf den Menschen möglich ist. Doch selbst in diesem Fall ist die langfristige Perspektive für alle Lebensbereiche zuversichtlicher, wenn man versucht Inzidenzen dauerhaft niedrig zu halten und sichere Freiräume zu schaffen für alle Teile der Gesellschaft, nicht nur für jene mit gutem Immunschutz.

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