Mythen

Die Aufzählung ist längst nicht vollständig. Vorgestellt werden typische PLURV-Aussagen, die das Risiko einer COVID-Infektion verharmlosen sollen.

Fakt: Betten, die für COVID-19-Patienten geschaffen werden müssen, gehen zulasten der Regelversorgung.

Mythos: „Bei Bedarf zusätzlich verfügbare Normal/Intensiv-Betten für Covid19“

Seit es das AGES-Dashboard gibt, wo die Bettenkapazität der Bundesländer eingemeldet werden, herrscht diese irreführende Darstellung (garbage in – garbage out):

Laut AGES verfügbare Betten für COVID-19-Patienten – „inklusive erweiterbarer Kapazität“

Im Kleingedruckten steht aber folgender Absatz:

„Die Notkapazität ermöglicht im Ausnahmefall, dass mehr Patient:innen intensivmedizinisch betreut werden können, als im Normalfall (z.B. ohne saisonalen Ereignissen wie Grippe- oder COVID-19-Wellen) möglich wäre. Die Bereitstellung einer Notkapazität führt zu einer Verschlechterung der gewohnten Spitalsversorgung.“

Bei einer Auslastung mit Covid19-Patienten von 10% müssen bereits OPs verschoben werden, zwischen 20 und 30% kommt es zu Triage-Situationen und auch Notfälle können nicht mehr bestmöglich versorgt werden.

Eine realistischere Darstellung ist die von Alex Brosch:

Belegung mit COVID-Patienten: dunkelblau, mit Nicht-COVID-Patienten: hellblau (inklusive 7-Tages-Schnitt)

Hier wird klar gezeigt, dass die die Erweiterung der Kapazitäten (die blaue Linie) immer mit der Zahl der COVID-19-Patienten steigt und fällt. Die hellblaue Fläche – das sind die Kapazitäten für Nicht-COVID-Patienten – wird immer kleiner, wenn es mehr COVID-19-Patienten gibt. Das weiße Band sind die angeblichen freien Betten. Das weiße Band bleibt immer gleich – das sind u.a. die Betten, die mangels Personal nicht mit Patienten belegt werden können.

Die OMICRON-Welle hat die Situation verschärft, obwohl BA.1 in Summe zu weniger Intensivbettenbelegungen geführt hat. Über die Durchseuchung der ungeimpften Kinder haben sich aber zahlreiche Ärzte und Pfleger angesteckt, was die ohnehin vorhandene Personalnot noch verschärft hat. Physische Betten würde es genug geben, aber das Personal fehlt: Krank, Quarantäne, Pflege für erkrankte Kinder und sehr viele Kündigungen.

Die Mär der freien Betten suggeriert, dass eh ein Platzerl frei wäre – kein Grund also, die Maßnahmen zu verschärfen, die Kontakte einzuschränken oder überall FFP2-Masken tragen zu müssen. Tatsächlich … wer wegen COVID-19 auf die Intensivstation muss, sollte vorher eine Patientenverfügung unterschreiben. Man kann zwar Platz schaffen, in dem man Nicht-COVID-Patienten nicht mehr adäquat behandelt (Operationen verschiebt), aber das verschlechtert eben auch die Lebensqualität dieser Patienten und kann zu Kollateraltoten führen (ist schon mehrfach passiert), die außer in der Übersterblichkeit in keiner Statistik mehr auftauchen.

Im Klartext: Bei mehr als 10% Covid-19-Patienten wird die Regelversorgung im Spital eingeschränkt. Das kann aber noch früher geschehen, wenn auch viel Personal erkrankt.

Fakt: Ob wegen oder mit COVID-19 lässt sich weder gut auseinander halten noch macht es einen signifikanten Unterschied

Mythos: „Das Virus ist weniger gefährlich, die meisten Patienten werden nur zufällig auf COVID-19 getestet“.

  • Inzidenzen, Hospitalisierung und Todesfälle sind selbst dann gekoppelt, wenn das Virus bedingt durch die hohen Durchimpfungsraten weniger schwere Verläufe macht. Wenn die Inzidenzen hoch gehen, steigen Hospitalisierung und Todesfälle an.
  • Mehr positiv getestete Patienten, egal ob mit oder wegen COVID19, erfordern Isolierungsmaßnahmen, die wieder Bettenkapazitäten für Nichtcovid-Patienten in Beschlag nehmen. Denn man möchte natürlich verhindern, dass sich Risikogruppen, die wegen einer Grunderkrankung oder auch einem banalen Knochenbruch im Krankenhaus befinden, anstecken und sich ihr Zustand rapide verschlechtert.
  • Wenn die Inzidenzen so hoch sind, dass immer mehr Patienten „zufällig“ auf COVID19 getestet werden, nimmt auch die Zahl der erkrankten Mitarbeiter zu: Weniger Personal, weniger Betten, die benutzt werden können. Selbst bei reduzierter Krankheitslast müssen also OPs verschoben werden. Das schafft wenig Puffer, sollte eine neue Virusvariante wieder schwerere Verläufe machen oder sich der Altersdurchschnitt der Patienten erhöhen, was ebenfalls mit mehr Hospitalisierungen einhergeht.
  • Mitte April 2020 wurden in der ZiB 15% der Todesfälle als „mit Corona“ ausgewiesen, zu diesem Zeitpunkt sind aber Menschen AN Corona gestorben, ohne jemals getestet worden zu sein. Covid19 kann bestehende Grunderkrankungen verschlechtern und auch nachträglich noch Probleme machen (LongCOVID).
  • Stillfried et al., (17.02.22) stellen im ersten Bericht des deutschen Autopsieregisters fest, dass 86% aller Todesfälle direkt auf COVID-19 zurückzuführen sind und nur 14% auf COVID-19 als Begleiterkrankung.. Die häufigste Ursache war eine Schädigung der Lungenbläschen, gefolgt von Multiorganversagen.

Fakt: SARS-CoV2 zeigt nur eine geringe Affinität zu saisonalen Verläufen.

Mythos: Die Fallzahlen gehen von alleine zurück, wenn es wärmer wird und steigen erst im Herbst und Winter wieder deutlich an.

SARS-CoV2-Inzidenzverlauf seit Pandemiebeginn, typische Influenzasaison (qualitativ)

In der ersten Welle gingen die Fallzahlen stark nach dem harten Lockdown zurück, bei dem auch die Schulen ins Distance Learning gewechselt sind, Großveranstaltungen abgesagt wurden und die Gastronomie geschlossen blieb. Wesentlich mehr Menschen gingen ins Homeoffice und die Ausgangsbeschränkungen wurden weitgehend eingehalten. Ab 1. Juli wurden die Schutzmaßnahmen weitgehend aufgehoben, die Fallzahlen stiegen bereits über den Sommer wieder an.

Nach der dritten Welle gingen die Fallzahlen ebenfalls stark zurück, blieben aber auf einem höheren Ausgangsniveau als nach der ersten Welle. Hier zeichnete einerseits der Lockdown in Niederösterreich, Wien und im Burgenland verantwortlich, wo ein Drittel der Bevölkerung lebt, psychologische Effekte, die auch ohne Lockdown zu zurückhaltenderem Verhalten in den anderen Bundesländern führte, als auch die sogenannte „Schonfristperiode“ nach Infektion und Impfung:

Wenn die Bevölkerungsimmunität steigt, nimmt R ab. Sobald R unter 1 fällt, erreicht die Epidemie ihren Höhepunkt und beginnt zu fallen. Unter 1 endet die Pandemie aber nicht, sondern infiziert laufend weitere Menschen, sodass die Immunität auch beim Abflachen weiter zunimmt. Wenn R deutlich unter 1 abgesunken ist, dauert es einige Zeit, bis wieder so viele empfängliche Wirte (nachlassende Immunität) zur Verfügung stehen, dass es zu Wiederanstiegen kommt.

Quelle: Adam Kucharski, Mathematiker und Epidemiologe an der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM)

Diese Schonfrostperioden treten auch nach der Einführung der Impfung auf. Der Begriff „honeymoon period“ wurde erstmals im Zusammenhang mit Masern geprägt, hier allerdings vor allem wegen neu empfänglichen Personengruppen durch Geburten und weniger durch nachlassende Immunität.

Mehrere europäische Länder hatten diese Schonfrist nach der Impfkampagne im Frühsommer 2021 gegen ALPHA, als die Bevölkerungsimmunität durch Infektion und die ersten Impfungen R sinken ließen.

Anfang Juli 2021 wurden erneut von der Bundesregierung die Schutzmaßnahmen weitgehend aufgehoben. Zudem wurde über Monate hinweg das Narrativ verbreitet, dass die Pandemie für geimpfte Personen vorbei wäre. Eine Impfpflicht war zu diesem Zeitpunkt noch kein Thema. Die Fallzahlen stiegen im Sommer 2021 trotz 60% Impfquote stärker an als im Sommer 2020. Der Grund war DELTA, welches viel infektiöser ist als der Wildtyp im Vorjahr. Ein weiterer Grund waren auch hier psychologische Effekte (siehe Hoehl et al., 2021), so dass sich zweifach geimpfte Personen sicherlich sorgloser verhielten als vor der Impfung. DELTA führte nach zwei Impfungen zu signifikant zunehmenden Durchbruchsinfektionen.

Worin besteht also der saisonale Effekt?

Vor der Corona-Pandemie und der Einführung von Schutzmaßnahmen und Kontaktbeschränkungen nahmen bei Influenza die Infektionen ab Spätherbst deutlich zu, erreichten im Spätwinter ihren Höhepunkt und flauten bis April meist deutlich ab. Ein Grundrauschen mit grippalen Infekten („influenza-like illness“) blieb (bleibt) ganzjährig erhalten. Influenza wird über den Reiseverkehr nach Europa eingeschleppt, dazu kommt das veränderte Freizeit- und Lüftungsverhalten im Winterhalbjahr. Mit dem weitgehenden Erliegen des Reiseverkehrs im Frühjahr 2020, der auch danach längst nicht das ursprüngliche Niveau erreichte, und den nichtpharmazeutischen Maßnahmen konnten zwei von vier Grippestämmen ausgerottet werden, die Influenzawelle blieb im ersten Pandemiewinter aus und erreichte auch im zweiten Pandemiewinter nur sporadische Verbreitung. Im Gegensatz zu Covid19 gibt es bei Influenza eine höhere Grundimmunisierung in der Bevölkerung.

Wie über zahlreiche Studien bewiesen wurde, sind Kindergärten und Schulen wesentliche Kontaktnetzpunkte der Covid19-Pandemie. Jedes Elternteil kann das von früheren Infektionskrankheiten bestätigen: Die Kinder schnappen was in der Schule oder im Kindergärten auf, und die Eltern werden ebenfalls krank, meist sogar heftiger als die Kinder. Die Schulferien fallen mit der Sommerzeit zusammen – in Österreich gehen die Ferien von Anfang Juli bis Anfang September (2 Monate). Danach kommen die Faktoren Reiserückkehrer und Schulanfang zusammen, also sowohl das Netzwerk Schule als auch Büroarbeitsplätze.

These: Es wäre ein unethisches Experiment, würde man die Schulferien im Sommer absagen und die Kinder durchgehend unterrichten. Doch würde sich dann möglicherweise zeigen, dass die Infektionen im Hochsommer noch stärker steigen würden als sie das die letzten beiden Sommer getan haben. Saisonale Minima – das bestimmen wir durch unser Verhalten: Wir lüften häufiger, wir sind generell mehr im Freien, treffen uns draußen, machen mehr Sport, fahren mehr mit dem Rad als mit öffentlichen Verkehrsmitteln, auch Konzerte und Kulturveranstaltungen finden im Freien statt, nicht in stickigen Kellern oder schlecht belüfteten alten Gebäuden.

Im Winter ist alles umgekehrt, wir halten uns häufiger in Innenräumen auf. Meist sind sie zu stark geheizt, die Luft zu trocken, was die Bildung von langlebigen Aerosolen fördert. In den Öffis wird es eng, private Treffen finden in den Wohnungen statt, nicht im Park oder am Grillplatz.

Das bedeutet nicht, dass die Außentemperaturen keinen Einfluss hätten. Bei feuchtkaltem Wetter ist unsere Immunabwehr geschwächt. Die Aktivierung der zelleigenen Immunantwort ist bei 28°C deutlich verzögert. Die Verzögerung der Abwehrmechanismen kann entscheidende Rolle spielen (Viren vermehren sich schnell). Das Interferon-System spielt eine wichtige Rolle bei der Kontrolle der SARS-CoV2-Infektion und Verlauf von COVID-19, genetische Defekte in der Interferon-Antwort erhöhen das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe stark, ebenso Autoimmun-Antikörper gegen Interferon. Atemwege werden selbst gereinigt durch „mukociliäre Clearance“ (Partikel in der Atemluft werden mit Hilfe des Schleims aus der Lunge befördert). Bei trockener Luft stark beeinträchtigt. Ohne gute Selbstreinigung steigt Gefahr, dass ein Virus auf eine Zelle trifft und sie infiziert.

Doch, um sich zu infizieren, muss man Kontakt mit infizierten Menschen haben, und das geschieht in geschlossenen Räumen nun einmal häufiger und wahrscheinlicher als im Freien.

Inzidenzen von Oktober 2020 bis Februar 2022: Iran, Südafrika, Neuseeland

Der Iran hatte Ende August einen Wellenpeak (DELTA), Südafrika Anfang Dezember (OMICRON), Neuseeland steigt derzeit im Sommer steil an (OMICRON).

Inzidenzen März 2020 bis Februar 2022: USA und UK

In den USA gab es eine frühe zweite Welle im Hochsommer 2020 mit einem langgestreckten Plateau, bis die dritte Welle begann. In UK gab es einen starken Anstieg im Hochsommer 2021, auch in den USA fand das vierte Maximum mit Herbstbeginn 2021 statt.

Zusammenfassung:

  • Die Außentemperatur steuert das Freizeit- und Lüftungsverhalten und hat Einfluss auf die Fähigkeit, der Immunabwehr Krankheitserreger abzuwehren
  • Die Umgebungstemperatur steuert die Stabilität der infektiösen Aerosole (Aerosoltröpfchen, Langlebigkeit)
  • Der Aufenthalt in Innenräumen erhöht die Wahrscheinlichkeit, auf infizierte Personen zu treffen, und die Häufigkeit von Übertragungen über short-range und long-range airborne transmission.
  • Überlagert sind großräumige saisonale Faktoren wie Schulferien und Reisezeit, sowie wiederkehrende Familientreffen (Ostern und Weihnachten)
  • Einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung und Höhe einer Infektionswelle haben aber nichtpharmazeutische Maßnahmen wie Masken tragen [Verringern Wahrscheinlichkeit der Übertragung], Quarantäne und Kontaktbeschränkungen [Verringern Aufeinandertreffen von infizierten Personen und empfänglicher Personengruppen].
Quelle: @zeitferne – kein saisonaler Effekt erkennbar, sondern starke Abhängigkeit von den jeweils gesetzten Maßnahmen

Fakt: Bei SARS-CoV2 ist man von Beginn an von einer niedrig einstelligen Sterblichkeitsrate ausgegangen.

Mythos: SARS-CoV2 wäre bei weitem harmloser als ursprünglich erwartet. Man hätte mit Sterblichkeitsraten wie bei MERS (30%) gerechnet.

Die Infektionssterblichkeitsrate (Infection Fatality Rate, IFR) gibt den Anteil der Todesfälle unter allen laborbestätigten Fällen an, einschließlich asymptomatischer Fälle. Am 21. Jänner 2020 gab es 220 Fälle und 4 Tote (IFR 1,8%), Virologe Drosten hätte es als sehr schlimm eingeschätzt, wenn die Mortalitätsrate gleich geblieben wäre. Infektiologe Allerberger nannte am 02. Februar 2020 in der „Neuen Vorarlberger Tageszeitung“ eine IFR von 2,2%. Nach aktuellem Stand beträgt die IFR unter einem 1%.

Im Gegensatz zur IFR bezieht sich bei der Fallsterblichkeitsrate (Case Fatality Rate, CFR (Letalität)) der Anteil der Todesfälle nur auf klinisch (symptomatisch) Erkrankte. Infektiologe Günter Weiss nannte am 24. Jänner 2020 in der Tiroler Tageszeitung eine Letalitätsrate von 1%. Bis 11. Februar 2020 wurden 44672 Fälle bestätigt, die CFR betrug 2,3%. Je nach Altersgruppe variiert die CFR stark.

Die Harmlosigkeit einer Erkrankung bemisst sich aber nicht aber alleine an der Sterblichkeit, sondern nach der Krankheitslast der Überlebenden (LongCOVID, Rekonvaleszenz).

Fakt: Das Immunsystem lässt sich nicht durch Infektionen trainieren.

Mythos: Je häufiger ich mich infiziere, desto besser wird meine Immunität.

Virologe Drosten, 29.12.21:

„Wer glaubt, durch eine Infektion sein Immunsystem zu trainieren, muss konsequenterweise auch glauben, durch ein Steak seine Verdauung zu trainieren.“

Wir sind durch die Interaktion mit unserer Umfeld (Bakterien, Keime, Viren) ohnehin ständig Krankheitserregern ausgesetzt. Das ist jedoch ein Unterschied zu einer bewusst herbeigeführten oder durch hohe Inzidenzen zugelassenen Infektion (vgl. Masernpartys).

Wie sich durch die Virusvarianten zeigt, schützt eine Immunität mit den Varianten vor OMICRON nicht gegen eine Infektion mit OMICRON, da OMICRON ein eigener Serotyp ist (streng genommen ein neues Virus, eine neue Pandemie). Wiederholte Infektionen können sogar das Immunsystem schwächen, was für COVID19 mehrfach nachgewiesen wurde (zuletzt Shen et al., 11.03.22). SARS-CoV2 infiziert die T-Zellen selbst und führt zum programmierten Zelltod (Apoptose). Die „zweite“ Verteidigungsreihe („B- und T-Zellen“) nach den Antikörpern sorgt damit nicht zwingend für leichtere Verläufe nach einem ersten schweren Verlauf. Zudem hängen mildere Folgeinfektionen auch davon ab, wie hoch die Virusdosis ist, der man sich bei erneuter Exposition aussetzt (geschlossene Räume, viele Menschen ohne Maske) – Paradebeispiel Disco. (Mohandas et al., 13.03.22).

Die harmloseste Form, sein Immunsystem zu trainieren, bleibt immer die Impfung. Zugelassene Impfstoffe haben die Kosten-Nutzen-Abwägung schon hinter sich, also schwächere Nebenwirkungen gegenüber Folgen einer Infektion.

Das gilt sowohl für SARS-CoV2 als auch für die Influenza.

Fakt: Nach fünf Tagen sind noch rund 50% der mit OMICRON infizierten Personen ansteckend.

Mythos: „Nach fünf Tagen ist das Virus bei geimpften Personen vollkommen von
Antikörpern ummantelt.“
(Zitat Katharina Reich, Sektionsleiterin für Public Health im Gesundheitsministerium, GECKO-Vorsitzende, PRESSE am 29.03.22)

Nach Auskunft des medizinischen Krisenstabs in Wien können sich nur 10% der erkrankten Personen am 5. Tag nach Absonderung freitesten, in den Tagen 6-9 sind es weitere 20%. Freitesten ist also bei 70% der erkrankten Personen erst ab dem 10. Tag möglich.

Hay et al.,14.01.22, Boucau et al. (02.03.22) und Luna-Muschi et al. (16.03.22) zeigen, dass rund 50% der infizierten Personen am fünften Tag nach Symptombeginn bzw. dem ersten positiven Test noch ansteckend sind. Die Studien mit Virusanzucht und PCR werden durch Studien mit Antigentests zum Freitesten bestätigt: Landon et al., (02.02.22), Nelson et al. (15.02.22), Lefferts et al. (25.02.22), Cosimi et al. (06.03.22), Earnest et al., (13.03.22), Raza et al., (17.03.22).

Laut RKI beginnt der Isolationszeitraum von Infizierten ab dem Tag des Symptombeginns, bei asymptomatischen Personen ab Tag der Abnahme des ersten positiven Tests. Problematisch werden die fünf Tage dann, wenn man ab Symptombeginn rechnet, weil dieser bei Geimpften früher beginnt:

Symptome sind oft Folge der Immunreaktion (nicht des Virus). Impfungen sorgen dafür, dass das Virus rasch erkannt wird, bevor das Virus anwachsen kann. Die rasche Immunantwort bewirkt die Unterdrückung des Virus für einen Tag oder länger, ehe es entweder eliminiert wird oder weiter anwachsen kann. Symptome treten also auf, bevor die infizierte Person ansteckend wird. Antigentests können daher in den ersten Tagen bei Symptomen negativ ausfallen.

Für das Ende der Isolation stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung, die aber beide eine gute Abnahme- und Auswertungsqualität voraussetzen, und da hapert es eben:

Entweder ein PCR-Test und anhand der Entwicklung des CT-Werts lässt sich ablesen, ob die Viruslast sinkt oder steigt, oder Antigentests, die zeigen, wie lange man noch infektiös ist. Bei Antigentests gibt es jedoch große Qualitätsunterschiede, gerade mit neueren Virusvarianten, es hängt vom Abnahmeort (Nase, Rachen) und von der korrekten Abnahme ab (Heimtest fehleranfälliger als Abnahme durch geschultes Personal). Bei PCR-Tests hängt es vom Laborstandard ab, und ob PCR-Tests gepoolt werden und schwach positive Tests aussortiert werden.

Ideal ist daher im Prinzip beides, wenn es wiederholt zu Qualitätsproblemen bei PCR-Auswertungen kommt: Zum Freitesten PCR-Tests und CT-Werte beachten, gleichzeitig Antigentests zur Bestätigung.

Fünf Tage Isolation sind also virologisch zu wenig, aber auch medizinisch das falsche Signal: Eine Covid19-Infektion ist eine potentiell schwere Erkrankung mit signifikanten Langzeitfolgen. Richtig auskurieren ist daher sehr wichtig.