Netzrippengewölbe

Wer wie ich eine Vorliebe für gotische und romanische Kirchen hat, wird in Salzburg und auch in der näheren Umgebung schnell fündig. In diesem Beitrag möchte ich fünf Kirchen vorstellen, die von außen unscheinbar wirken, dafür im Inneren überraschend (schlichte) Ästhetik bieten.

1. Franziskanerkirche, Salzburg

Die Franziskanerkirche besticht durch ihr wuchtiges romanisches Langhaus mit Kreuzrippengewölbe aus dem 12. Jahrhundert, wobei die Anfänge der Kirche bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen, mit mächtigen Würfelkapitellen und Rundbögen, sowie dem anschließenden spätgotischen Chor mit Sternrippengewölbe aus dem 15. Jahrhundert.

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2. Johanneskirche, Högl

Die Mauern sind romanisch, das Gewölbe ist spätgotisch und der Turm barock. Das Netzrippengewölbe ist ebenso eindrucksvoll wie die Fresken an der Wand. Für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind verborgene Fresken im Dachstuhl der Kirche, die auf das Jahr 1250 (Christophorus-Darstellung), um 1350 (im Stil der Südtiroler Runkelsteiner Fresken und damit nördlich der Alpen einzigartig) und um 1400 (Christophorus) geschätzt werden. Sie wurden nach Sturmschäden im Jahr 1967 entdeckt.

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3. Stiftskirche Nonnberg

Die Kirche gehört zum ältesten (715 gegründeten) Frauenkloster im deutschsprachigen Raum, das seit der Gründung besteht. In der jetzigen Form besteht die Kirche seit dem Jahr 1009, aus dieser Zeit sind der Kirchturm, Portalteile und unter dem Nonnenchor das „Paradies“ mit Fresken um 1140 erhalten.

1464-1509 wurde die Kirche nach einem Brand wiederaufgebaut und ab 1624 barockisiert, den Zwiebelhelm erhielt sie 1711. Ab 1853 wurde sie im Inneren regotisiert.

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4. Stiftskirche Berchtesgaden

Die erste Bauphase war um 1122, weitere folgten bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. Sie wurde ursprünglich als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika errichtet. Sehenswert sind neben dem Rippengewölbe auch das romanische Stufenportal.

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5. Ulrichskirche, Högl

Das Langhaus ist weitgehend romanischen Ursprungs, je nach Quelle wurde die Kirche 1030, 1070 oder 1170 geweiht. Vor 1470 wurde der Innenraum mit einem spätgotischen Netzrippengewölbe versehen. Bemerkenswert ist der Taufstein links vom Altar aus dem 11. Jahrhundert sowie das zweiteilige Maßwerk der „Nonnenköpfe“ (frühgotische Spitzbogenfenster).

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Von der ursprünglich romanischen Gestalt nichts mehr erhalten ist bei der Imbergkirche beim Kapuzinerberg (1319 erstmals erwähnt, 1681 barockisiert) und bei der Michaelskirche, der ältesten Kirche Salzburgs aus der Zeit der Karolinger (780), in die vollständig verbaute Nordseite sind fünf römische Reliefs eingebaut. Die Kirche besaß als Pfarrkirche der Bürgerschaft und kaiserliche Pfalzkapelle zwei getrennte Eingänge. Reste davon sind noch am Waagplatz 4 durch den Romanischen Saal aus dem 12. Jahrhundert erkennbar (übrigens einer der wenigen, wenn nicht das einzige romanische Profangebäude in Salzburg). Leider wurden beide Kirchen zu Tode barockisiert.

Steingasse und Bürglstein: Ruheoase der Stadt

Der kürzeste Weg zum kleinen Trabanten des Kapuzinerbergs führt über die Steingasse, die alleine schon ein Spaziergang wert ist. Touristen verirren sich dorthin weniger, obwohl sie vom Stil her der viel kürzeren Griechengasse in Wien ähnelt. Die Steingasse, schon Teil der Römerstraße, ist ein uralter Fahrweg, wovon die marmornen Fuhrwerkspoller beidseitig an den Häusern zeugen. Ohne Poller sieht eine Hauswand nämlich dann so aus:

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Touristenmagnet und Servicewüste

Salzburg mit Wien zu vergleichen wäre abstrus. Wien ist Millionenstadt, Kongressstadt, Touristenstadt, aber auch Handwerkerstadt, Gastronomiestadt und Studentenstadt. Salzburg könnte man aber auch mit Innsbruck vergleichen. Eine überschaubare Altstadt, die dennoch Millionen Touristen anzieht. Im Gegensatz zu Salzburg wurde Innsbruck aber nicht nur für Touristen gebaut, sondern es finden sich in unmittelbarer Altstadtnähe oder in derselben auch größere Geschäfte, die über den täglichen Gebrauch hinausgehen. Das ist für mich hier der größte Rückgang an Lebensqualität, den ich ohne Individualmotorisierung hinnehmen muss. Weiterlesen

In den „Katakomben“ von St. Peters

Ergänzung zum zweiten Beitrag in diesem Blog. Inzwischen habe ich den erwähnten in Handwerksarbeit gestalteten romanischen Löwe aus dem Jahr 1180 im Langenhof ausfindig gemacht, der aus der Zeit des ersten Doms stammen soll.

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Danach besuchte ich die zuletzt beschriebenen beiden Kapellen, die in den Mönchsberg hineingehauen wurden, für einen leistbaren Obulus von 2 €.

Der mittelalterliche Aufgang:

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Romanisches Fenster der 1178 erbauten Gertrautenkapelle:

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Die Rundbogennischen links wurden nach Entwürfen von Georg Pezolt im Jahr 1865 nachträglich eingehauen. Der romanisch-gotische Pfeiler in der Raummitte dient nur dekorativen Zwecken und wurde im 17. Jahrhundert eingefügt.

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Direkt über dem Eingang sind Reste von Fresken zu sehen, die das Martyrium des heiligen Thomas Becket (1118-1170) darstellen.

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Die noch schlichtere Maximuskapelle, urkundlich erwähnt erstmals im Jahre 1172.

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Frühe „Fake-News“: Die Inschrifttafel des Abtes Kilian stammt aus dem Jahr 1521. Die Kapelle ist dem heiligen Maximus aus dem Jahr 477 geweiht, der allerdings mit dem heiligen Maximianus von Ioviacum verwechselt wurde.

„Im Jahr 477 als Odoaker, König der Tuthenen, Geppiden, Goten, Ungarn und Heruler, wider die Kirche Gottes wütete, stürzten sich die seligen Maximus mit fünfzig Gefährten von dieser Höhle, wo sie verborgen waren, ob ihres Glaubens grausam in die Tiefe. Und sie zerstörten mit Feuer und Schwert die Provinz Noricum.“

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Drei Rundbogenfenster:

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Gertraudenkapelle. Der hölzerne Glockenturm zwischen beiden Kapellen erinnert an die ursprüngliche Nutzung der Anlage für die Einsiedler (daher auch Eremitorium genannt).

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Maximuskapelle, der ursprüngliche Eingang ist noch zu sehen, der nur über einen schmalen Felssteig erreichbar war.

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