Das Schweigen

Die Lebensspanne reicht von der Geburt bis zum Tod. Die Lebenserwartung hängt von vielen Faktoren ab. Kein Unfall, keine Naturkatastrophe, keine lebensbedrohliche Krankheit, kein Mord oder Anschlag. Die Lebensqualität hängt noch viel mehr davon, dass all diese Faktoren nie schlagend werden, und eben auch davon, wie gut man verdient und ob man sich eine gute Gesundheit leisten kann. Chronische Erkrankungen oder Behinderungen beeinträchtigen die Lebensqualität, aber bedeuten nicht, dass man kein erfülltes Leben mit Behinderung führen kann. Viele Behindernisse und Hürden sind nämlich behördlicher und gesellschaftlicher Natur. Barrierefreiheit, niederschwellige Hilfsangebote und wohlwollendes Entgegenkommen sind der Grundstein dafür, trotz schwerem Rucksack im Leben gut zu leben. Ein erfülltes Leben führen wollen. Darunter versteht jeder etwas anderes. Ein Leben, das nur aus Verbitterung und Hass besteht, ist kein erfülltes Leben, ebenso wenig, wenn es ein ewiger Kampf gegen soziale und gesundheitliche Ungerechtigkeit ist. Dieses allgemeine Blabla hier ist in den Grund- und Menschenrechten verankert. Keine Benachteiligung aufgrund einer Behinderung und Recht auf Gesundheit. Selbstverständlichkeit, in der Theorie zumindest.

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Ausgebrannt

Wipfelbrand nach Blitzschlag

Ich weiß nicht, wie das hier weitergehen soll und wird. Die letzten drei Jahre habe ich viel Herzblut in die Aufklärung über die Pandemie und die Folgen der Infektion hineingesteckt. In den letzten Wochen und Monaten wurde in einem atemberaubenden Tempo versucht, die Pandemie von der Landkarte zu tilgen, obwohl die Infektionszahlen, Sterblichkeit und Übersterblichkeit dagegen sprechen. Auch im näheren Umfeld habe ich erlebt, dass vier Mal geimpft nicht vor langwierigen Krankheitsverläufen schützt. SARS-CoV2 ist offensichtlich nicht das harmlose Erkältungsvirus seit “OMICRON”, wie man uns versucht seit Jahresbeginn 2022 einzureden, als man unverhohlen auf die Strategie Durchseuchung umgestiegen ist. Wenn man mir nur zuhören würde, wenn man meinen aktuellen Wissensstand zu den Folgen von SARS-CoV2 hätte, dann würde man mich nicht als übertrieben ängstlich framen, sondern als völlig berechtigt vorsichtig. Gegen die Übermacht an Desinformation bin ich chancenlos und einem “Kassandra”-Boten wie mir glaubt man eben nicht, denn wenn das stimmen würde, was ich sage und schreibe, warum liest man davon dann kaum etwas in den Zeitungen, geschweige denn spiegelt es sich nicht in den politischen Maßnahmen wieder?

Jetzt hab ich jedenfalls den Punkt erreicht, wo ich nicht mehr kann. Bei mir läuft seit drei Jahren nur das Pflichtprogramm weiter, unbeschwerte Freizeit war einmal, gibt es kaum noch. Ich mache bei sozialen Indoor-Aktivitäten nicht mehr mit, aber nicht weil, ich darauf keine Lust mehr hätte – oh, wie sehr ich das alles vermisse, – sondern weil es nicht sicher genug ist, und ein bierseliger Lokalabend es nicht Wert ist, sich dadurch LongCOVID aufzureißen, für das es bisher zu wenig anerkannte ursächliche Behandlungen gibt, und falls die Infektion Autoimmunerkrankungen auslöst, kann man das nicht mehr rückgängig machen. Und es besteht nun mal ein himmelweiter Unterschied zwischen Influenza, das wenige Monate im Winter grassiert, und einem ganzjährig aktiven und viel ansteckenderem Virus wie SARS-CoV2. Während ich also den Job weitergemacht habe, war für viele wieder alles wie früher. Die Mehrheit hat sich dann auch im Jahr 2022 angesteckt, viele unfreiwillig über ihre Kinder, andere im Urlaub und in der Freizeit. Die meisten haben die Infektion unbeschadet überstanden, aber nicht alle. Unabhängig von Vorerkrankungen. Und jetzt kommt es: Es gibt keine dauerhafte Immunität. Der kürzeste Zeitraum einer erneuten Infektion ist etwa drei Wochen, beobachtet bei einem Patienten, der sich kurz nach BA.5 mit BQ.1.1 infiziert hat. Zu hoffen, dass die Pandemie vorbei ist, sobald man die Infektion durchgemacht hat, ist ein Trugschluss. Das zeigt auch die aktuelle Welle.

PS: Es ist nicht zu verhindern, dass das Leute lesen, die sich jetzt freuen, dass alle Schutzmaßnahmen Geschichte sind, und sie jedem straffrei ins Gesicht husten können, wenn Corona keine meldepflichtige Krankheit mehr ist. Lasst Euch bitte nicht von diesen Leuten einreden, ihr seid angstgestört. Es ist weiterhin vollkommen berechtigt, vorsichtig zu bleiben, das wird Euch jeder Arzt bestätigen, der mit LongCOVID-Patienten zu tun hat, ebenso werden es die Versicherungen bestätigen, die die Auswirkungen der vielen Langzeitkrankenstände sehen. Diese “Freiheitsliebenden” werden ihren eigenen Dreck noch fressen, den sie jetzt hämisch über andere ergießen.

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Eugenische Pandemiepolitik am Holocaustgedenktag

Übersetzung eines Twitterthreads von Nikkole Hughes:

“Als eine behinderte Jüdin bin ich an diesem Holocaust-Gedenktag wütend. Wütend, dass Eugenik weiterhin gesund und munter ist, dass Antisemitismus weiterhin gesund und munter ist. Letzte Woche las und hörte ich entsetzliche eugenische und behindertenfeindliche Kommentare, die direkt aus dem Nazi-Drehbuch stammen:

Am 14. Juli 1933 beschloss die Nazi-Regierung das “Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses”.

“Dieses Gesetz, einer der ersten Schritte der Nazis für ihr Ziel, eine Arische “Herrenrasse” zu schaffen, sah die Sterilisierung aller Personen vor, die an Krankheiten litten, die als erblich angesehen wurden, wie Geisteskrankheiten, Lernschwächen, körperliche Missbildungen und Epilepsie, Blindheit, Taubheit und schwerer Alkoholismus. Mit der Verabschiedung des Gesetzes verstärkte das Dritte Reich auch seine Propaganda gegen Menschen mit Behinderungen, indem es sie regelmäßig als “lebensunwertes Leben” oder “nutzlose Esser” bezeichnete und ihre Belastung für die Gesellschaft hervorhob.

Nur wenige Jahre später eskalierte die Verfolgung von Menschen mit Behinderungen noch weiter. Im Herbst 1939 genehmigte Adolf Hitler heimlich ein medizinisch verwaltes Programm des “Gnadentodes” – mit dem Codenamen “Operation T4”, in Anspielung auf die Adresse des Programms in Berlins, Hauptquartier in der Tiergartenstraße 4. Zwischen 1940 und 1941 wurden im Rahmen des T4-Programms etwa 70000 österreichische und deutsche Behinderte getötet, die meisten durch groß angelegte Tötungsaktionen mit Giftgas. (Diese Methode diente als Vorläufer der rationalisierten Vernichtungsmethoden der “Endlösung”.)

Obwohl Hitler Ende August 1941 offiziell die Einstellung des Programms anordnete, wurden die Tötungen im Geheimen bis zum Kriegsende fortgesetzt, sodass schätzungsweise 275 000 Menschen mit Behinderungen ermordet wurden.”

Die Normalisierung der kategorischen Auslöschung von Personen mit hohem Risiko eines schweren Covid19-Verlaufs steht in Einklang mit der Nazi-Ideologie. Daher nennen wir die Pandemieverleugnung “eugenisch”, daher nennen wir es eugenisch, wenn der Direktor des Zentrums für Infektionskontrolle in den USA (CDC) Erleichterung bekundet, “dass nur ältere und immungeschwächte an Covid sterben”, deshalb nennen wir es eugenisch, wenn Zeke Emmanuel, ein politischer Berater der Covid-Maßnahmen unter der Biden-Regierung uns sagt, dass ein Leben ab dem 75. Lebensalter nicht lebenswert ist, dass das Leben der “Schwachen und Untauglichen” nicht lebenswert ist.

Wir haben versucht nett zu fragen, wir haben gebettelt, wir haben versucht an Empathie und Vernunft zu appellieren, wir haben versucht, die Stimmen der Geschichte zu Gehör zu bringen, um aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen – ohne Erfolg.

Sie wollen, dass wir tot sind oder schweigen.

Und ich weigere mich, offen gesagt, dem zu fügen.”

*

Jeder Schritt war so winzig, so belanglos, so plausibel gerechtfertigt, dass auf täglicher Basis niemand verstand, was das Ganze im Prinzip bedeuten sollte und wohin all diese ,winzigen Maßnahmen’ eines Tages führen würden. […] Auf täglicher Basis verstand es keiner, genau so wenig wie ein Bauer in seinem Feld sein Getreide von einem Tag auf den nächsten wachsen sieht. Jede Handlung ist aber schlimmer als die letzte, doch nur ein wenig schlimmer.”

(Milton Mayer, “They Thought They Were Free: The Germans, 1933-45”, 2013)

Willkommen in der Realität!

Die Tarnung ist aufgeflogen. Wer nicht aufpasst, wird erwischt. Verdrängen zwecklos.

Im Juli 2020 nach dem Cluster am Wolfgangsee: “Die Pandemie ist doch vorbei?”

Im Juli 2021: Trotz zweifacher Impfung infiziert: “Dabei war die Pandemie doch für Geimpfte vorbei!”

Im Jahr 2022: Nach dreifacher Impfung ordentlich krank: “Ich dachte, OMICRON wäre ein Schnupfen.”

Im Jänner 2023: Cluster an Tiroler Schule, für die meisten Lehrer die zweite Infektion: “Die Pandemie ist doch vorbei?”

Vier Tage nach Ende des Weltwirtschaftsforums in Davos. Wie erwartet hat der “Davos Standard” keinen Einfluss gehabt auf die Berichterstattung. Es hat fast niemand mitbekommen, und die, die es mitbekommen haben, sagten nichts. Na gut. Ich hab lange gewarnt. Im Dezember 2020/2021 machte ich mit einer Kalenderaktion auf MECFS aufmerksam. Im April 2021 schickte ich der Belegschaft unaufgefordert ein Infomail mit meinem aktuellen Kenntnisstand zu Covid19, im Dezember 2021 ein Infomail zu OMICRON und im September 2022 zur angepassten Boosterimpfung. Seitdem hab ich es aufgegeben und bin nur noch proaktiv, wenn jemand eine langwierige Genesung hat, um vor PEM zu warnen, auf Puls zu schauen und ggf. Diagnostik zu machen, bevor man wieder voll durchstartet.

Es ist mir an dieser Stelle wichtig zu sagen, dass ich keine ärztlichen Empfehlungen abgebe, sondern auf Ärzte verweise, die Empfehlungen abgeben.

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Wie COVID trotz steigender Kosten normalisert wurde

Österreich (braun) und Australien (blau) im Vergleich: Links Übersterblichkeit, Mitte kumulierte Fälle, rechts Gesamttodesfälle

Der folgende Artikel von Blair Williams erschien am 07.01.23 in der australischen “The Canberra Times” . Er ist insbesondere auch deswegen bedeutsam, weil Australien bis Frühling 2022 eine ZeroCOVID-Strategie gefahren ist (klare Untersterblichkeit in diesem Zeitraum). Unter dem Druck von OMICRON wurde geöffnet, seitdem ist die Zahl der Fälle stark gestiegen, die Todesfälle blieben aber weit unter jenen von Österreich. Der Grund hierfür ist die erfolgreiche Impfkampagne der Australier, die vor den Öffnungsschritten rund 80% der Bevölkerung mindestens zweifach geimpft hatte, rund 50% hatten eine dritte Impfung erhalten. Bei der Übersterblichkeit holt Australien langsam auf, hier machen sich zunehmend die LongCOVID-Fälle bemerkbar. Was würde man rückblickend als erfolgreicher einstufen? Österreichs halbherzige Lockdowns bis zu den Impfungen, oder die Fälle niedrig halten, gleichzeitig möglichst viele durch die Impfung vor schweren Verläufen schützen? Die Statistik spricht für sich.

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In Davos ist die Pandemie noch nicht vorbei

Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos gibt es höchste Sicherheitsstandards, um eine Ansteckung und Verbreitung von SARS-CoV2 zu vermeiden (Quelle)
  • verpflichtende PCR-Tests vor dem Eintritt
  • Wer keinen Test macht oder später positiv testet, dessen Chip im Armband wird deaktiviert
  • zusätzlich verfügbare Schnelltests
  • FFP2-Masken werden zur Verfügung gestellt
  • alle Taxifahrer tragen immer Masken
  • Innenräume werden mehrmals am Tag gereinigt, desinfiziert und ventiliert
  • Moderne Lüftungsgeräte sind dort installiert, wo die Frischluftzufuhr begrenzt ist (HEPA-Luftfilter)
  • UVGI/Far-UVC-Luftdesinfektionsgeräte

Under the principle of the human right to health, everyone has the right to breathe healthy indoor air.” (WHO, 2000)

Die jetzt in Davos umgesetzten strengen Schutzmaßnahmen umfassen all das, was ich auf meinem Blog, das IGÖ und viele weitere engagierte Zivilpersonen seit Jahren (!) fordern, um das Infektionsrisiko in Kindergärten, Schulen, am Arbeitsplatz und in Alten- und Pflegeheimen einzudämmen. Die Kombination aus aufwärts gerichteter Ventilation und Schutzmaske verringert das Infektionsrisiko um fast 100% (Nie et al., 2022). In einem optimal gefilterten, gereinigten, ventilierten Raum kann man sich mit genügend Abstand sogar erlauben, die Maske abzusetzen. Selbst gebaute Luftfilter können 73% der infektiösen Aerosole herausfiltern (Derk et al. 2023), das in Davos eingesetzte Far-UVC kann innerhalb von Minuten 98% der Pathogene in der Luft reduzieren, das entspricht 184 Mal Luftaustausch pro Stunde eines HEPA-Filters (Eadie et al. 2022), mehrere Studien zeigen, dass UVGI effektiv hilft, die Luft zu desinfizieren (Public Health Agency of Canada, 18.03.22). In Italien zeigten Ricolfi et al. (2022), dass mechanische Belüftungssysteme das Infektionsrisiko im Klassenzimmer um 82% verringern konnten.

Nicht nur in Davos wird auf die Gesundheit der Teilnehmer geachtet. Die Houses of Parliament in London benutzen Luftreiniger. Die Sternsinger brauchten an Dreikönig einen negativen PCR-Test, um beim Bundespräsidenten zu singen. Im Bundeskanzleramt und im Gesundheitsministerum stehen in den Besprechungsräumen Luftfilter.

Warum so viel Aufwand, wenn die Pandemie doch vorbei ist? Dieselben Akteure, die beim Weltwirtschaftsforum im Wintermantel in den Besprechungsräumen sitzen, weil die Frischluftzufuhr offenbar zusätzlich zu den Luftfiltern für verstärktes Kälteempfinden sorgt, haben die letzten Monate darauf gedrängt, sämtliche Schutzmaßnahmen aufzuheben und die Pandemie zu beenden.

Die einzige etablierte Zeitung, die bisher darüber berichtet, ist das amerikanische Wirtschaftsmagazin FORBES:

Bruce Y. Lee: World Economic Forum: Here Are All The Covid-19 Precautions At Davos 2023 (20.01.23)

Zwei gute Blogtexte dazu:

Lars Wienand für T-online: Für die Mächtigen in Davos ist Corona nicht vorbei (20.01.23)

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Was hat sich geändert? Nicht genug.

Genom-Sequenzierung in Österreich von Molekularbiologe Ulrich Elling, 2. Kalenderwoche 2023.

Im Laufe der letzten drei Jahre habe ich zu allen möglichen Bereichen der Pandemie etwas dazu gelernt. Wenn man sich so intensiv mit einem Thema auseinandersetzt, ist es wichtig, sich von Zeit zu Zeit rückzuversichern, ob man noch am wissenschaftlichen Pfad orientiert oder irgendwann falsch abgebogen ist. Die grundsätzliche Frage, die sich derzeit viele stellen, die bis dahin durchgehalten haben, ohne sich zu infizieren oder kein zweites Mal infizieren wollen, ist, ob es Zeit ist, sich dem gesellschaftlichen Druck zu beugen und zur “Normalität vor 2020” zurückzukehren.

In diesem Beitrag möchte ich alle Leserinnen und Leser ermutigen, die immer noch aufpassen müssen oder wollen, um sich nicht zu infizieren. Ihr tut das nicht für den Herrn Bürgermeister, nicht für die “NoCovid”-Bewegung, nicht für eine Partei, sondern einzig und alleine für Eure Gesundheit und die Eurer Mitmenschen – also zumindest jene, die ihr nicht infizieren wollt.

Ich möchte begründen, warum Ihr guten Gewissens weiterhin Maske tragen könnt und auch gegen alle Widerstände aus der Mehrheitsgesellschaft, Politik und Medienlandschaft vorsichtig im Alltagsleben bleibt, denn die Alternative ist nicht so rosig. Das Durchhalten lohnt sich – bis es bessere Impfstoffe gibt, die auch die Infektion unterbinden können.

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The first frame wins.

Von der Langfassung des insgesamt informativen und durchaus alarmierenden Interviews mit Virologe Drosten brachte der Tagesspiegel am Vortag nur eine (frei zugängliche) Zusammenfassung und griff dabei die am wenigsten relevante Schlagzeile “Nach meiner Einschätzung ist die Pandemie vorbei.” heraus.

Drosten präzisierte vor ein paar Tagen seine Aussage, dass wir uns seiner Einschätzung jetzt in Richtung endemischer Zustand entwickeln, die Pandemie aber noch nicht vorbei wäre. Das würde man erst hinterher wissen. Die Richtigstellung kam zu spät. Sämtliche Politiker und Medien feierten rauf und runter, dass die Pandemie vorbei wäre, Endemie, alles gut. My ass.

Drostens Aussage im selben Interview zum geschwächten Immunsystem bei Kindern fand keine Beachtung:

“Derzeit bekommen Immunologen Befunde, die suggerieren, dass diese Alterung des Immunsystems bei Kindern nach Coronainfektion viel fortgeschrittener ist, als man es erwarten würde. Man kann sich nun zugespitzt fragen, ob ein ungeimpftes Kind nach Infektion vielleicht mit 30 das Immunsystem eines 80-Jährigen haben wird. Die Durchseuchung der Kinder wäre dann ein riesiger Fehler gewesen. Das wäre ein extremes Szenario, das man aber mit erwägen muss. Allerdings haben wir keine Infektionskrankheit so gut erforscht wie Sars-Cov-2. Gut möglich, dass es sich bei anderen Infektionen auch so verhält und das Phänomen nach zwei, drei Jahren verschwindet, weil gerade junge Kinder noch naive Immunzellen nachproduzieren können. Wir wissen all dies noch nicht. Ich hatte aus Vorsicht immer für die Impfung und den Infektionsschutz von Kindern plädiert.”

Tagesspiegel, 27.12.22
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Wenn Titel mehr zählen als Fakten

Unsachliche Methoden, um auf Fakten zu reagieren

Sie müssen ihre Meinung nicht teilen, aber sie werden kaum eine berufenere Person zu dem Thema in Österreich finden als die Chefin der Epidemiologie an der größten medizinischen Universität des Landes.” (Martin Thür,29.12.22)

Sie sind ja ein lustiges Kerlchen. Aber bitte kein Comic Sans, da krieg ich Augenkrebs.” (Martin Thür, 06.05.22)

Ich glaube, dass „digitaler Heugabelmob“ eine abs. zutreffende Beschreibung für ein best. Diskursverhalten auf Twitter ist. Ich glaube nicht, dass man Menschen, die seriös über Strategien für sichere Schulen/Kinder diskutieren, bewusste „Durchseuchung“ unterstellen sollte.” (Armin Wolf, 01.12.21)

Aber die Idee, dass jemand wie Hamann [von den Grünen] in österreichischen Schulen die Agenda rechter US-Thinktanks durchprügeln will, ist dann doch ein wenig absurd, oder? Also könnte man ja vielleicht auf die argumentative Keule verzichten, wenn’s um eine ernsthafte Debatte in der Sache gehen sollte.” (Armin Wolf, 01.12.21)

“ich habe zur Kenntnis genommen, dass sich in der Schuldebatte Expert·innen ziemlich uneins sind. Und kein Debattenbeitrag in der Sache rechtfertigt etliche der Kommentare, die Klenk zitiert (Armin Wolf, 01.12.21)

“Wer sich an die Öffentlichkeit wendet, muss mit Repressionen rechnen. Wer gerechtfertigte Gefährdungsanzeigen schreibt, ist ein Nestbeschmutzer und wird mit Bürokratie eingedeckt. Die Gewerkschaft tut nichts” (DERSTANDARD, 08.01.23)

“Aus irgendeinem Grund bin ich bei der Weltgesundheitsorganisation als Experte gelistet, und deshalb darf ich da wahrscheinlich über ein neues Coronavirus reden, und um ganz klarzustellen: Wir haben in ganz Österreich keinen einzigen diagnostizierten Fall, das heißt, ich bin ein Schreibtischtäter, Coronaviren gibt es bei uns bei der AGES schon, aber nur im Veterinärbereich.
In ganz Österreich gibt es zwei Ärztegruppen, die schon einmal Coronavirus-Patienten gesehen haben, die schwerkrank waren. Wien, das Kaiser-Franz-Josef- Krankenhaus, und Professor Greil, in Salzburg, hat den zweiten Patienten gehabt, also ich bin der Schreibtischtäter, er ist der, der Ihnen dann erzählen wird, was wirklich ist, weil er einen Patienten gesehen hat, und das ist wahrscheinlich mit ein Problem, weil hunderte, tausende Leute jetzt Expertise meinen zu haben. Ich weiß, ich hab sie nicht. Und wenn Sie irgendwo googeln und schauen, wer über was publiziert, dann werden Sie sehen, Allerberger Coronaviren Null Result, also bitte ja nicht missverstehen, was ich Ihnen sage. Ganz sicher kein Experte.”
(Ex-Leiter Öffentliche Gesundheit, Franz Allerberger, 12. Februar 2020, Uni Salzburg)

Ich bin ja am Anfang der Pandemie selbst darauf reingefallen und habe mich auf Experten verlassen, die gar keine waren, etwa Franz Allerberger. Ich mach auch niemandem einen Vorwurf, der bis Herbst darauf reingefallen ist, als völlig überraschend eine riesige zweite Welle kam und erneut ein Lockdown verhängt werden musste.

Es hat natürlich Warnungen gegeben, von Virologe Krammer aus New York, von Virologe Drosten von der Charité Berlin, von Virologin von Laer aus Innsbruck, von Mikrobiologe Wagner aus Wien, von Infektiologe Greil aus Salzburg, von Infektiologe Burgmann aus Wien, vom pensionierten Epidemiologen Zangerle aus Innsbruck – sie alle haben explizit ab April 2020 vor der zweiten Welle gewarnt, denn nach dem Lockdown und Präventionsparadoxon war noch genug immunnaive Bevölkerung übrig. Ihnen wurde nicht geglaubt, weil Wunschdenken so viel angenehmer war.

Stattdessen hörte man lieber auf Infektiologe Weiss aus Innsbruck, auf Virologe Vander in der Steiermark, auf Public-Health-Experten Sprenger, auf Infektiologin Apfalter aus Linz, auf Infektiologe Allerberger der AGES, auf Epidemiologin Schmid der AGES, auf die Ärztekammer Oberösterreich, auf Veterinärvirologe Nowotny, der kein Interview ausließ.

Das Land hatte schon immer einen Fetisch, was Titel im Namen betrifft. “Ingenieur Dr … bitte zur Frau Doktor kommen!” ertönt es im Wartezimmer regelmäßig. Status ist wichtig, selbst wenn er unwichtig im Kontext einer medizinischen Behandlung ist. In einer Pandemie zählen aber nicht die Reputation, die Zahl der Titel, die Zahl der Publikationen oder die Dauer der Medienpräsenz, sondern die Fakten und ob die Einschätzungen der berufenen Person sich rückblickend als korrekt erwiesen haben.

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2023 – the challenge to stay cautious increases

The squirrel was cautious. I need to be cautious, too.

There are times when I prefer to express my thoughts in english. Year four of the pandemic has begun. I’m still free of covid19 infection. I got lucky, though. I visited my parents at home during Christmas and got infected with HCoV-OC43 (swab test examined at virology of Vienna). Two weeks off, one week with a nasty dry cough, one week feeling weak with a need for rest. With any luck, the OC43 infection has some cross-reactive effect on my vaccine-induced immunity against SARS-CoV2. However I do not have any intentions to test my newly-acquired cross-reactive immunity, if any, against the new variants currently circulating in Austria (BQ.1.1., XBB.1.5 and others).

Exactly three years ago, I started my first and probably last stay at a health resort in Bad Mitterndorf, Northern Alpine region. I tried to stay offline for quite some time and missed the first developments of the pandemic. When the situation got worse in March 2020 with following lockdown, my plans for the rest of the year got smashed. Nevertheless I managed to go hiking with overnight stay in the first year of the pandemic. In the second and third year I was still able to stay some nights elsewhere, despite decreasing mandatory protective measures and increasingly feeling uncomfortable. In 2023 there will be another change as most countries declared the pandemic as over. People like me who continue to wear masks have a hard time in a world full of reckless and disinformed people.

Yes, I miss my old life. I miss being spontaneous the most. I don’t have a car and I don’t want to have one. Besides of ecological reasons (climate emergency), I always felt uncomfortable with driving. I liked taking public transport. No need for looking for a parking lot, no stress driving the freeway or in a big city like Vienna, no risk of accident after a long mountain hike when I became tired. There are lots of places I can’t reach without a car, where public transport is not possible or too complicated. This is where group tours came in. I even planned my first long-distance travel shortly before the pandemic. Two weeks Cape Verde Islands.

I miss the inability to go on group tours again, maybe forever. The risk of infection is everywhere. It could happen during breakfest at the hotel, or in a restaurant. You can’t anticipate the weather, maybe there is no other way than to go inside. I know so many people who caught their infection this way. I don’t go in restaurants anymore for about three years. I went their very few times with my parents or with friends but I always felt this uneasiness to stay longer than necessary. I’m mostly so smart to bring my aranet4 CO2 measuring device with me, to assess the probability of infection depending on the amount of people, the duration of exposure and the background incidence if available.

2023 will likely be the most difficult year of the pandemic due to painful cognitive dissonance. I consider myself well-informed and many people in my environment who are less informed wonder why I’m still cautious. They confuse my precaution with anxiety or unsubstantiated panic. This is far from being true. I feel perfectly in control with respect to the ongoing risks of getting infected. I know how to protect myself – by avoiding indoor crowding, wearing FFP3 masks and measuring CO2 indoor. I do not fear the pandemic itself, I’m able to handle this because I understand the science behind it. I fear the people who do not understand the science or just don’t care. It makes me sick to have the same senseless discussions over and over again.

I get especially mad when people insinuate I would be too concerned with the pandemic. What I do normally for distraction, doesn’t work anymore like before. I can’t stay overnight a few days anywhere because I need to be cautious. When I go hiking I need to choose the train or bus very carefully. Rush hour times could get really stuffy and in an ill-ventilated bus like the Mariazellerbus, driving for three hours with lots of unmasked people could actually pose an enhanced infection risk despite wearing a tight mask. I still go hiking with public transport, I actually do, but it needs good planning ahead, which is somewhat exhausting, too.

I’m very busy collecting information and doing citizen journalism here. This is besides all other reasons quite typical for autistic people like me. We tend to have special interests and when we are really really interested in a certain subject, we’re able to become a specialist for it. We feel the “flow” and are able to focus ourselves for hours or days doing research and writing stuff together. This is what I’ve done before with self-support blogs, with my hobby weather before I studied it and became a professional meteorologist. Covid, the pandemic, all the political connections around it, it is just another special interest for me. So it’s mainly astonishing for neurotypical people who do not know me or do not know anything about autistic people at all. I need this occupation as long as the pandemic continues to endanger my life. I’m not a fearmonger, I have sentinel intelligence (“Some of us are cursed to hear the future.”, Jessica Wildfire 19.12.22). Getting information actually calms me down. Uncertainty increases uneasiness. The majority of people who appears to be satisfied by the misinformation they get during the pandemic, escapes into denial, which could be called immature copying strategies. Children behave in such a manner. Before the pandemic I never expected that entire governments would behave childish.

At some point in 2021 I recall that I said to my psychologist “Times will never be like before.” She was sursprised why I’ve been so sure about that we wouldn’t go back to “normality” that there won’t be a certain date later when it could be said the pandemic is over. I couldn’t really say why but I had this deep feeling of finality, of a turning point in history. Despite all claims in 2022 and at the beginning of 2023, that the pandemic would be over and we’re back normal, I think most of us, even those in denial, know for sure this isn’t true. Society has broken into pieces. The burden of disease has grown. Most of us have lost a loved one, a friend, a relative. Lost due to death or longterm disease. If you lose somebody, it makes no difference whether he or she had an underlying condition. So many people have underlying conditions, including myself. To think their life is less worthy than the life of healthy people is eugenic thinking. It’s disgusting.

Work and life lost their balance last year when life normalized for most people in my environment. At least they thought it would be normal now. Sick leave days markedly increased. Some got long covid symptoms. Most of them recovered but it lasted months for complete recovery. I don’t feel the pressure the have the same experience. The burden of expectations lies heavy on mind. People expect me to function 100% again, as if there were not any infection risk anymore. I can’t pretend that I don’t care anymore because I know that it IS wrong. A good friend of mine suffers from a mild covid infection eight weeks ago, far from reaching his health status before the infection. He’s unable to go on hiking tours at the moment and I don’t know when and if his recovery is complete again. It is impossible that people expect me to ignore this. It’s a sad fact that regardless of vaccination status and variant, you still need to be careful with ANY breakthrough infection. I feel powerless against the degree of disinformation by false experts, denying journalists and politicians. People are under bad influence, brainwashed to think infection is good for your health and it’s ok to mock people who still want to be cautious – for reasons but they won’t listen anymore.

I want people to listen. Shut up for ten minutes when I try to tell the facts about the pandemic. Do not annoy me with killer argument. No China, no lockdown, no poor children due to school closures, no wearing masks forever. Just listen what I tell you about the longterm risk of covid and how the treatments are if you get long covid. At first, you need a positive pcr-test to get an appointment. Then you only get two appointments which is utmost sufficient for diagnosis and some preliminary therapy recommendations. That’s it. Quite unsatisfying for patient AND longcovid specialist in charge. Don’t rely on your GP. You have to be lucky he’s actually familiar with the latest guidelines of diagnostics and treatment.

I wish I had the power and rhetoric ability to convince other people “offline” to listen. In a verbal discussion I can’t quickly search a paper to back up my arguments, which is a great advantage when searching my blog or referring to my epic scientific literature collection. I wish I could lead these discussions because they are still necessary. Giving up is no alternative.