Tag 625: Kinder können „doch“ schwer erkranken

Credits: Steve Daugherty (@stepd0c), „Es ist Zeit, dass die Kinder zurück ins Wasser gehen. Nur 1% von ihnen werden gefressen.“

Der Donnerstag, 25. November, war ein Grund zur Freude: Die EMA hat endlich die Impfung für die 5-11jährigen offiziell zugelassen – das NIG hat umgehend reagiert und eine erste Empfehlung für diese Altersgruppe ausgegeben, während sich die deutsche STIKO noch bis Weihnachten Zeit lassen will.

Ganz grundsätzlich einmal eine Frage, die sich alle PolitikerInnen, JournalistInnen und sonstige Verfechter von offenen Schulen bei Inzidenzen weit über 2000 in der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen stellen sollten: Warum wurde ein Impfstoff für Kinder und Jugendliche entwickelt? Die Antwort liegt auf der Hand: Weil Kinder und Jugendliche zwar seltener als Erwachsene schwer erkranken, aber bei sehr vielen Infektionen immer noch signifikante Zahlen an Erkrankten zusammenkommen. Mikrobiologe Michael Wagner, selbst Vater von vier Kindern, nennt Zahlen:

  • Das Multientzündungssyndrom MIS-C kommt mit einer Häufigkeit von 1:1000 bis 1:3000 vor (Quelle)
  • Eine Studie der AGES, MedUni Graz und ÖGKJ zeigt 11% LongCOVID bei erkrankten Kindern (Quelle)
  • Die gleiche Studie berichtet von 2,4% Hospitalisierungsrate bei Kindern (Quelle), wobei bis 31. März 2021 noch der Unterschied Haupt- und Nebendiagnose zu berücksichtigen ist. Bis 31.03.21 waren 838 Kinder und Jugendliche (0-19) mit Covid19 in stationärer Behandlung, bei 455 wurde Covid19 als Hauptdiagnose angeführt (Aufnahme wegen Covid19) – Wagner ging daher von 1% Hospitalisierungsrate wegen Covid19 aus

Bei der Pressekonferenz vom 25. November 2021 mit Gesundheitsminister Mückstein sprach der Wiener Kinderarzt Peter Voitl von 6-10% LongCOVID-Betroffenen. In Summe wissen wir schon länger, dass Kinder schwer erkranken können, dass einzelne Kinder auf die Intensivstation müssen, dass es gefährliche Doppelinfektionen mit RSV gibt, die dazu geführt haben, dass in Oberösterreich ein 15 Monate altes Baby an der ECMO behandelt werden musste. Dennoch hat die Regierung viel zu wenig getan, um Kinder und Jugendliche vor einer Covid19-Infektion zu schützen – eine Kollektivschuld von Bildungs- und Gesundheitsminister gemeinsam.

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Tag 620: Wo bleibt die Perspektive?

Laut AGES-Dashboard (Stand, 23.11.21) gibt es in den Bundesländern, wo laut Intensivmedizinern alle Intensivbetten belegt sind, noch ein Drittel freie Betten. Was sie nicht dazu schreiben, ist, dass es dafür kein Personal mehr gibt.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich war nicht von meinem bisherigen Leben her darauf vorbereitet, eine Zeit zu erleben, wo die Bevölkerung von der eigenen Regierung aufgegeben wurde. Das kolossale Fehlverhalten der Verantwortlichen hat nun etwas zur Folge, was es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr gegeben hat: Triage wie zu Kriegszeiten. Das Durchschnittsalter der triagierten Patienten, sprich, jener COVID und nicht COVID-Patienten, die zugunsten eines Patienten mit höheren Überlebensschancen nur noch palliativ versorgt werden (= sterben, obwohl sie bei Regelversorgung behandelt hätten werden können), sinkt kontinuierlich. Mit 572 belegten Intensivbetten durch COVID liegt Österreich nur noch knapp unter den 600 Intensivpatienten, ab dem Stufe 5 – der Lockdown für Ungeimpfte – ausgerufen worden wäre; wie wir heute wissen, sind schwerwiegende Fehler beim Stufenplan passiert. Wer gedacht hat, dass die letzten Wochen bereits schlimm waren, wird die nächsten Wochen bis über Weihnachten hinaus eines Besseren belehrt werden.

Über Twitter berichten jetzt immer mehr Intensivärzte von den Zuständen an ihren Spitälern. Von 60jährigen Patienten, die sterben, weil gleichzeitig ein Covid-Patient intubiert werden muss. Davon, dass die Kinderintensivstationen voll sind, nicht nur wegen COVID, sondern auch der RSV-Welle geschuldet. Beides könnte man übrigens deutlich reduzieren mit echten Schutzmaßnahmen, Maskenpflicht auch für die Kleinsten, was in anderen Ländern auch funktioniert, Homeoffice-Pflicht, Distance Learning, Sonderbetreuungszeit für Eltern, die kein Homeoffice machen können.

7-Tages-Inzidenz und Intensivfälle seit Pandemiebeginn, Quelle: Erich Neuwirth

Wir haben längst den Super-GAU:

1. Intensivärzte berichten wiederholt davon, dass die meisten Intensivpatienten mit COVID ungeimpft sind. Bei ihnen hat sich im Vergleich zu den vorherigen Wellen nichts verbessert, was die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs betrifft. Im Gegenteil, die Ärzte berichten von deutlich schwereren Verläufen auch bei jüngeren Menschen. Sie werden schneller sauerstoffpflichtig. DELTA ist nicht nur deutlich infektiöser, sondern überfordert den Körper auch schneller durch die inhalierte hohe Viruslast.
2. Aufgrund der vorherigen Wellen im Herbst und Spätwinter sind viele elektive Eingriffe liegen geblieben, die bis zum Herbst nachgeholt wurden. Gleichzeitig hat sich der Alltag vieler Menschen normalisiert und auch Freizeitunfälle sind wieder häufiger geworden. In Summe lagen vor Beginn der vierten Welle wesentlich mehr Non-COVID-Patienten im Spital als noch vor einem Jahr. Obwohl die Zahl der COVID-Patienten lange Zeit unter den Spitzen vom vorherigen Herbst blieb, wurde die Überlastung rascher erreicht. Im Regelbetrieb sind 85-90% der Spitalsbetten durch Non-COVID-Patienten belegt.
3. Noch schlimmer wird es, wenn man hört, wie häufig sich Non-COVID-Patienten in den Spitälern anstecken, sei es durch ungeimpfte Ärzte und Pfleger, durch Besucher, ambulante Patienten oder weil die Testfrequenz für stationäre Patienten (2x wöchentlich) zu gering ist.

Ernsthaft, welchem Zuständigen fällt es ein, für Spitäler derart niedrige Standards in einer beispiellosen Hochinzidenzwelle wie derzeit einzuführen? (Quelle: Wiener Gesundheitsverbund, 23.11.21)

DELTA ist so rasch infektiös, dass man 24 Stunden nach einem negativen PCR-Ergebnis bereits infektiös sein kann. Ein Antigentest ist zu wenig sensitiv und weist leidlich nach, wie infektiös man ist. Ein negativer Antigentest heißt keinesfalls, dass man 48 Stunden später nicht hochinfektiös ist. Für den PCR-Test gilt auch bei Kindern, dass 72 Std. zu lang sind. Bei Inzidenzen von über 2000 bei Kindern kann man davon ausgehen, dass infizierte Kinder durchrutschen. Geimpfte Patienten müssen nicht getestet sind, also besteht eine hohe Gefahr, dass sie mit Impfdurchbrüchen durchrutschen, gleiches gilt für vor allem für Genesene, die sehr milde oder gar keine Symptome gehabt haben, und kaum Antikörper aufgebaut haben. Es gilt auch für „Genesene“ mit Long COVID, bei denen durch einen zellulären Defekt der Immunabwehr Reinfektionen auftreten können. Kinder unter 6 Jahren werden völlig ausgenommen.

Ein Blick auf die Inzidenzen vom 22. November 2021 zeigt, dass selbst bei Kleinkindern hohe Inzidenzen auftreten – und hier kann man wohl von hohen Dunkelziffern ausgehen. Die 5-6jährigen gehen in den horrenden Inzidenzen der 5-14jährigen auf. Die „niedrigsten“ Inzidenzen bei den älteren Menschen sind ebenfalls zu hoch, von den Schülern und Erwachsenen im „besten Alter“ red ich gar nicht erst.

Wer zweifach geimpft ist, aber ein alter Mensch ist oder eine Immunschwäche hat (angeboren, erworben, medikamentös bedingt), der hat ein erhöhtes Risiko, sich im Spital anzustecken und je nach Viruslast auch einen schweren Verlauf zu erleiden. Das gilt auch für Erstgeimpfte und mit Janssen einfach Geimpfte, die sich ihren zweiten Stich noch nicht geholt haben. Wenn man es irgendwie einrichten kann, sollte man nur dreifach geimpft ins Spital gehen. Den besten Schutz haben noch zweifach Moderna-geimpfte.

Eine Katastrophe mit Ansage, das ist längst klar. Im Gegensatz zum letzten Blogposting hab ich die Verursacher der vierten Welle etwas anders gewichtet. Das NIG steht dort mit Fragezeichen, die Booster-Empfehlung kam zu spät. Ich kann an diesem Punkt nur wohlwollend spekulieren, dass auch das NIG nicht damit gerechnet hatte, dass die Regierung die Situation so eskalieren lässt.

Ich erinnere an meine Analyse vom 8. Mai 2021 (Tag 418), bei der ich mich bereits skeptisch über den Positivtrend der Inzidenzen geäußert hatte.

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht angesprochen hatte, war die nachlassende Immunität bei älteren Menschen, das war 3-4 Monate nach den Zweitstichen noch nicht absehbar (Virologen und Epidemiologen hatten aber damit gerechnet).

Ich seh momentan nicht, wie wir aus der verfahrenen Situation herauskommen. Der Lockdown ist keiner, es hat defakto nichts geschlossen. Der Handel kann click & collect anbieten, dadurch sind die Angestellten doch in der Arbeit. Die Gastronomie kann Liefer- und Abholservice anbieten. Reisen ins Ausland sind möglich, die Skigebiete haben offen wie letztes Jahr, das Unfallrisiko verschlimmert die Gesamtlage. Die Schulen haben offen. Die Eltern haben die Wahl zwischen zuhause lassen oder Präsenzunterricht, die meisten entschieden sich notgedrungen für Präsenzunterricht. Der Offene Brief von Mati Randow wurde in der gestrigen ZiB2 nur kurz thematisiert, kurz darauf kamen zwei Wortmeldungen pro Präsenzunterricht und im Anschluss machte die NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger jegliche Hoffnungen zunichte, das Thema offene Schulen aus Sicht der erkrankten und verängstigten Kinder zu betrachten. Es zählt anscheinend immer nur die psychische Gesundheit, wenn sie unter Schulschließungen leidet. Ein Twitter-User meinte sarkastisch: „Wir kennen ja alle diese schwer traumatisierten Kinder nach den Osterferien, den Semesterferien, den Herbstferien, den Sommerferien.“ Handwerker kommen ins Büro und tragen keine Masken, bzw. setzen sie ab, sobald sie sich unbeobachtet fühlen. Die Mobilität ist genauso hoch wie vorher. Ein Lockdown, der keiner ist. Wie geht das jetzt weiter? Das PCR-Testsystem ist zusammengebrochen, das Meldesystem ist zusammengebrochen, das Contact Tracing funktioniert nicht mehr, Kontaktpersonen werden nicht mehr getestet, Quarantäne endet automatisch, in Schulen wird der Cut-Off, ab dem ein Test als positiv gewertet wird, stillschweigend gesenkt.

Von diesem Zeitpunkt an würde nur ein harter Lockdown wie im März 2020 helfen, und so bitter das für mich selbst wäre, inklusive Öffibenutzungsverbot – um die Mobilität wirklich deutlich zu senken. Die Lernbereitschaft ist zu zögerlich: Distance Learning soll jetzt ab zwei Coronafällen in der Klasse angeboten werden. Mückstein verteidigte auch neulich wieder in der ZiB2 die Intensivkapazitäten als Ziel- und Steuerungsgröße. Das müsste er nicht, selbst wenn es Koalitionsbeschluss wäre. Er muss etwas nicht verteidigen, was nachweislich dazu geführt hat, dass er sein Versprechen nicht einhalten konnte:

„Ich habe von Anfang an gesagt, dass es meine wesentliche Aufgabe ist als Gesundheitsminister, unsere Intensivstationen zu schützen und dieses Versprechen werde ich einhalten“ (5.11.21, Pressekonferenz)

Ich bin es leid, wieder und wieder darauf hinzuweisen, was für ein Bullshit in den Medien verzapft wird. Vorgestern nahm ich eine Auszeit und ging wandern. Und das werd ich wohl auch in den nächsten Tagen tun, in der schwindenden Hoffnung, dass die Öffis nicht mehr so voll sind wie vor dem Lockdownchen. Zudem muss ich irgendwie mit dieser bizarren Realität fertig werden, dass so viele Menschen sterben, die unter normalen Umständen die bestmögliche Behandlung bekommen hätten. Das kann ich am besten in der Natur, wenn ich keine Menschen sehe, und nicht in der Stadt, wo man ihnen kaum ausweichen kann.

Tag 617: Wer trägt Schuld am 4. Lockdown?

Der ehemalige Kanzler und seine Minister haben das Ende der Pandemie zu früh ausgerufen, und wollten nicht von ihrem Narrativ abweichen: Narzissten können keine Fehler zugeben.

Ab Montag, 22. November 2021, kommt also der erwartete, aber viel zu spät ausgerufene Lockdown „light“ nach Vorbild des „erfolgreichen“ Lockdowns im Herbst 2020, der mit Unterbrechung durch das Weihnachtsgeschäft dann bis 8. Februar 2021 andauerte. Fakt ist: Wir HABEN bereits Triage, und die Not ist so groß, dass das nicht mehr verschleiert wird, sondern offen zugegeben wird. Es häufen sich Berichte mit älteren Menschen, die von Intensivstationen auf Palliativstationen (zum Sterben!) verlegt werden. Die Not ist also noch viel höher als im Vorjahr VOR dem Lockdown. Ebenso sind die Inzidenzen bei den Kindern am höchsten, dazu kommen etliche Impfdurchbrüche, auch bei Lehrern mit zweifacher AZ-Impfung. Und drittens – öffentlich weiterhin kein Thema – die Zahl der LongCOVID-Patienten steigt rasant.

„Es geht jetzt darum morgen und übermorgen das Richtige zu tun! Dinge die jemand in der Vergangenheit gesagt, falsch oder nicht getan hat, werden wir evaluieren und aufklären müssen – nur nicht heute: wir brauchen Vernunft und viel Energie um jetzt keine Fehler mehr zu machen.“ (Hans Arsenovic, Grüne, 18.11.21, Tweet)

Offensichtlich werden dabei die selben Fehler wie bei allen anderen Lockdowns gemacht, manches sogar verschlimmert!

„Kommunikativ und strategisch Prävention als Strafe zu framen, gehört echt zu den dümmsten Geschehnissen der letzten knapp 2 Jahre“ (@Kathrypsilon, Public Health, 18.11.21)

  • kein Lockdown für Schulen, sondern „Risikostufe 3“
  • Plexiglas als Alternative zur Maskenpflicht
  • keine Homeoffice-Pflicht
  • Ausgangsbeschränkungen, wodurch Treffen im Freien, die epidemiologisch eine geringere Gefahr darstellen als Hausparties wieder kriminalisiert werden
  • allgemein zu viele Ausnahmen, die polizeilich nicht kontrolliert werden können
  • fixes Enddatum des Lockdowns, egal wie die Inzidenz dann sein wird
  • Doppeltgeimpfte und Dreifachgeimpfte werden gleichgestellt (Incentive für Booster?)
  • => was wieder einmal fehlt: Aerosole, Masken, Kinder, Long COVID, was wichtig ist: Weihnachtsgeschäft, Wintersaison retten, Wirtschaftsaufschwung nicht zu lange abwürgen

Gefühlsmäßig wird der Lockdown noch weit ins nächste Jahr dauern, wenn man diese Fehler nicht beseitigt und endlich damit aufhört, wirksame Maßnahmen kategorisch auszuschließen und wissenschaftliche Erkenntnisse (Aerosol-Übertragung, Anteil LongCOVID, nachlassender Impfschutz) berücksichtigt.

Worin besteht die Hoffnung? Der psychologische Effekt durch die Bilder und Appelle aus den Spitälern, dass inzwischen viele in der Familie und Verwandtschaft betroffen sind, entweder durch COVID oder verschobene OPs. Alleine die Absage von Großveranstaltungen, Vereins- und Feuerwehrfestln, aber auch die geschlossene Gastronomie. Die „Community Transmission“ geht zurück. Maskenpflicht im Unterricht sollte ebenfalls einen nennenswerten Effekt haben, wie man es im Ost-Lockdown bereits gesehen hat. Weiters kommt die dritte Impfung allmählich zum Tragen und zu Jahresbeginn auch zunehmend die jetzigen Erstimpfungen bzw. der Effekt der Zweitimpfung dann.

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Tag 613: Harte Triage und Kinder auf der Intensiv

NebelstimmungGeistige Auszeit am Sonntag in den Gutensteiner Alpen

In den vergangenen Tagen überschlagen sich die Ereignisse. Eine grobe Übersicht über die Ereignisse liefert weiterhin meine Zitatsammlung.

Für jede sinnvolle Maßnahme der letzten Tage wird ein Hintertürl eingebaut, sodass sie abgeschwächt wirkt. Erst kam die FFP2-Maskenpflicht in der Schule, wurde dann aber zur einfachen Maskenpflicht abgeschwächt, weil Kinder-FFP2-Masken nicht so rasch verfügbar waren (hätte man sich im Sommer drum kümmern müssen). Dann gilt zwar eine Maskenpflicht im gesamten Schulgebäude, bis zur achten Stufe aber nicht im Unterricht, also da, wo alle über Stunden zusammensitzen und durch Sprechen Aerosole generieren, die sich im ganzen Raum verteilen.Tirol führt eine FFP2-Maskenpflicht ein, mit Ausnahme von Situationen, wo es Plexiglaswände gibt und nimmt Musiker von der Maskenpflicht aus, wobei doch seit dem Cluster in Perg/Oberösterreich in der ersten Welle erwiesen ist, dass Chorveranstaltungen ideale Superspreadingorte sind – selbst dann, wenn alle doppelt geimpft sind und Infizierte dabei sind.

Die Salzburger Landeskliniken haben eine Überlastungsanzeige an die „Salzburger Nachrichten“ übermittelt:

Es herrscht jeden Tag ein menschenunwürdiger Streit, wessen Patient zuerst operiert werden könne. Der mit dem Tumor oder der mit dem kaputten Herz.“

Ein Spitalsarzt gegenüber den Salzburger Nachrichten, 16.11.21 (Bericht von Puls24)

Viele handwerkliche Fehler über 20 Monate nach Pandemiebeginn: Plexiglasscheiben als Infektionsschutz in Tirol als Zeichen dafür, dass man Aerosol-Übertragung immer noch nicht verstanden hat. Long COVID spielt aktuell überhaupt keine Rolle mehr, dabei kommen täglich 1000 Betroffene hinzu.

LongCOVID/MECFS-Spezialist Michael Stingl: „Man hat wohl wie bei Long COVID gehofft, dass die „überraschende Dynamik“ der vierten Welle durch Ignorieren verschwindet. Jetzt soll ein zermürbtes Gesundheitswesen eine Flut an chronisch-komplex Erkrankten schupfen. Ohne Struktur und Erfahrung, weil MECFS negiert wurde. […] Sitz grad bei den Arztbriefen von heute. Dokumentation von potentiell zerstörten Existenzen.“

Es fehlt auch eine Berichterstattung über die Zustände auf den Normalstationen, wo jetzt vermehrt gestorben wird, weil die Intensivbetten voll sind. Und worunter auch in großem Ausmaß Nicht-COVID-Patienten leiden. Ein COVID-Patient in einem leeren Vierbettzimmer blockiert drei Betten für Nicht-COVID-Patienten.

Es fehlen Berichte über die vollen Kinderspitäler, die zusätzlich unter einer schweren RSV-Welle leiden, die ebenso wie COVID gemildert werden könnte, wenn man die Maskenpflicht auf Volksschule und Kindergarten ausweiten würde.

Es fehlt aber auch so etwas einfaches wie wichtiges, wie man Masken korrekt trägt. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung trägt sie nicht so, dass sie dicht setzen. Sie sind zu groß, zu lang getragen, haben Löcher, sitzen unter der Nase…..

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Tag 610: Kontaktreduktion für ALLE einziger Ausweg

Pandemieverlauf in einigen ausgewählten Staaten, Stand 12. November 2021

Ausgangslage:

In der aktuellen Situation haben wir eine hochansteckende Virusvariante, welche wie bereits der Urtyp über die Luft übertragen wird und den Immunschutz teilweise umgeht. Nichts davon wurde bisher so deutlich kommuniziert, dass es eine Verhaltensänderung in der Bevölkerung bewirken würde, die sich nachhaltig auf geringere Infektionsraten auswirken würde.

Die Bevölkerung wurde belogen:

Die Pandemie ist für Geimpfte nicht vorbei.

Erstens, weil der Impfschutz nicht perfekt ist, und zweitens weil jeder zusätzliche COVID-Kranke in den Spitälern die Behandlung eines nicht COVID-Kranken verhindert oder zumindest qualitativ schlechter macht als notwendig wäre. Für sich unverwundbar fühlende Geimpfte, also Narzissten wie Kurz, war die Pandemie vorbei. Wir wussten, dass der Impfschutz bei älteren Menschen rascher nachlässt. Wir wussten früh, dass Astra Zeneca schlechter wirkt und Johnson & Johnson mit einmaliger Dosis wie die erste Dosis von mRNA oder Astra Zeneca wirkt – zu schwach, um sich geschützt zu fühlen. Wir wussten, dass chronisch Kranke mit Immunsuppression, wie Krebskranke oder Organtransplantierte, einen schlechteren oder gar keinen Immunschutz aufbauen. Wir wussten, dass es Primäre Immundefekte gibt ebenso wie einige unerkannte Low-Responder auf Impfungen in der Allgemeinbevölkerung (die man ohne Antikörpertest nicht findet *duck*) und es gibt Hinweise darauf, dass auch der langlebige Schutz bei COVID-19-Überlebenden mit mildem Verlauf (ich vermeide bewusst das Wort genesen, weil viele darunter Long COVID haben könnten) nicht so gut sein könnte wie erhofft (siehe z.B. Garcia-Valtanen et al., 11.11.21, preprint) – was ich hier als Hypothese stehen lassen muss, weil ich mich zu wenig auskenne.

Derzeit sieht es so aus, dass auf den Normalbetten mehrheitlich Impfdurchbrüche landen und auf den Intensivstationen vor allem Ungeimpfte. Die Geimpften auf Intensivstationen sind meist organtransplantiert oder anderweitig immunsupprimiert.

Dazu kommt Long COVID in allen Altersgruppen – das belastet auch die Fachärzte und Hausärzte, und damit ebenso alle Geimpften, die regelmäßige Kontrollen brauchen oder akute (milde) Erkrankungen haben.

Jeder Geimpfte oder Ungeimpfte, der einen Unfall hat oder akut krank ist, wird jetzt auf unabsehbare Zeit triagiert werden müssen, das heißt – er muss mitunter warten, bis wieder jemand stirbt, damit ein Bett frei ist, oder er wird priorisiert nach medizinischen Kriterien, was dann heißt, dass nachrangige Patienten das Nachsehen haben werden.

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I’m still fighting …though I don’t know for what ….

Prevention Paradox: © Martin Perscheid – a cartoonist who died a few months ago – I’ve known his cartoons since my childhood.

I’m getting somewhat more personal here and I prefer the english language in that case. Letting the world know what is happening here in Austria.

Last week I intendend to take part in an international conference of the World Health Network (WHN) whose basic statement on 30th October 2021 I signed as a private person. Main topic would have been No Covid Strategies in Germany but my intention was to add some facts about the dire situation in Austria. However, as the day came I didn’t feel like I could say something useful since the pandemic situation escalated quickly. I felt anger, frustration, depression. Austria is heading into the wrong direction for more than a year. We accidently act with the right decision during the first wave – with a hard lockdown, and got through with nearly Zero COVID. Even the former chancellor Kurz admitted the rightfulness and legitimacy of this strategy in an interview in June 2020.

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Tag 607: Rette sich, wer kann …!

Angesichts der derzeitigen Entwicklung …. denkt an Welle eins….

  • physische Kontakte vermeiden, wo es möglich ist
  • Einkäufe liefern lassen, aber unbedingt FFP2-Maske tragen, viele Post- und Lieferangestellte tragen keine Masken!
  • Auch im Stiegenhaus und Lift Masken tragen!
  • Arbeitgeber nerven wegen Homeoffice
  • unnötige Ausflüge und Veranstaltungen vermeiden, wo Menschenmengen indoor zusammenkommen, egal ob geimpft oder ungeimpft – sobald die FFP2-Masken fehlen oder nicht dicht sitzen, wirds problematisch.
  • defensiv beim Sport bleiben und beim Handwerken aufpassen.
  • Kinder, wo nur möglich, aus Kindergarten und Schule nehmen, sonst auf Masken bestehen und off-label impfen, wenn möglich
  • dritte Impfung holen, um das Risiko symptomatischer Verläufe zu reduzieren und den Übertragungsschutz zu erneuern
  • nicht schwer krank werden – nein, das kann man selbst kaum beeinflussen. Wer zu Gallensteinen neigt, sollte jetzt vielleicht sein Glück nicht herausfordern (Alkohol/Fettkonsum), und das für einige Monate.

Viel Glück!

COVID-19-Prognose und Kapazitätsvorschau, Prognose vom 09.11.2021
Inzidenzen nach Altersgruppe seit Pandemiebeginn, Quelle: Erich Neuwirth, 10.11.21
Altersgruppen-Inzidenzen nach Bundesländern, Quelle: Erich Neuwirth, 10.11.21

Bayern hat heute den Katastrophenfall ausgerufen, Drosten schlägt Alarm, Deutschland habe eine echte Notfallsituation und der österreichische Gesundheitsminister gibt Tipps beim Kauf der Martinigansl.

Für jene von Euch, die Ö24 nicht mit Klicks belohnen wollen, hab ich gemeinsam mit Martin Polak ein Transkript des enorm wichtigen und ebenso alarmierenden Interviews von Isabelle Daniel mit Infektiologe Richard Greil (Landesklinik Salzburg) angefertigt – danke an dieser Stelle an Isabelle, dass sie Greil einfach ausreden ließ.

Ich kann nachvollziehen, dass einzelne Absätze für den Leser überfordernd wirken können. Greil redet Klartext, drückt sich dabei aber phasenweise zu akademisch aus mit vielen Fachbegriffen. Die Kernaussagen daher vereinfacht zusammengefasst, durch sinngemäße und direkte Zitate:

1.Die Situation ist dramatisch. Durch den massiven Pflegemangel können alleine im Landeskrankenhaus Salzburg 148 Betten nicht belegt werden. Die zusätzliche Versorgung von COVID-Patienten stößt rasch an ihre Grenzen. Dafür stehen rund 30 Intensivbetten zur Verfügung, im November 2020 waren 32 belegt, aktuell sind es 25 und die Kurve steigt dramatisch an. Die dafür freigemachten Bettenstationen lösen schwere Kolleratalschäden aus. Laut Prognosen werden 15000 bis 20000 Neuinfektionen pro Tag erwartet und mit den jetzt gesetzten Maßnahmen wird sich der Ansturm Schwerstkranker nicht so schnell abschwächen.

„Es ist mit Sicherheit so, dass unsere jungen Ärzte nicht mehr wissen und Angst haben, was geschieht, wenn sie kein freies Bett mehr haben, in dem sie einen Patienten aufnehmen müssten. Ich mein, das ist einfach die Realität.“

2. Die Medizin kennt keine Schuld. Die ärztliche Versorgung muss völlig unabhängig davon sein, ob jemand zu seinem Krankheitszustand etwas beigetragen hat oder nicht. Die Unterscheidung zwischen COVID- und non COVID Patienten ist unangemessen. Jedes Bett, das man für einen COVID-Patienten braucht, muss jemand anderem „weggenommen“ werden. Beide haben die gleiche Versorgungsberechtigung.

3. Die vierte Welle war vorhersehbar. Im Frühsommer wurden die Kontaktbeschränkungen aufgehoben. Damals konnte man sich aufgrund der Impfrate von ungefähr 60% plus durchgemachte Infektionen plus nachlassendem Impfschutz ausrechnen, dass alleine in Salzburg etwa 300 000 Menschen „neu infiziert“ werden konnten. Das ergibt für ganz Österreich eine riesige Zahl an Menschen, die infiziert werden können, und zwar mindestens in der Größenordnung der zweiten Welle. Im Juni hat das ECDC festgestellt, dass eine vierte Welle sehr wahrscheinlich ist und das Gesundheitssystem überlasten kann. Auch die Direktoren des Britischen Gesundheitssystems (NHS) haben das festgestellt, obwohl UK damals die höchste Impfrate in Europa hatte. 100 Tage nach dem Freedom Day (alle Maßnahmen fallen lassen) kam es so in UK, und auch derzeit in Dänemark.

4. COVID-19 ist eine schwere Erkrankung der Gesamtgesellschaft, mit Auswirkungen auf soziale Aspekte, Polarisierung, wirtschaftliche Aspekte, etc. In der Medizin ist vollkommen klar, wenn die Ursache nicht behandelt wird, wird man auch alle anderen Aspekte nicht unter Kontrolle bekommen. Bei einer schweren Erkrankung beginnt man mit der effektivsten Maßnahme und nicht mit einer Aneinanderreihung von homöopathischen Dosen.

„Alleine deswegen, weil die Wartezeit darauf, ob die wirksamste Therapie überhaupt wirkt, schon dazu führen kann, dass Sie den richtigen Zeitpunkt übersehen, um eine alternative Maßnahme einzuführen.“

Durch die langsame Einführung von Maßnahmen in der zweiten Welle sind die Zahlen explodiert und die Bereitschaft der Bevölkerung war nicht mehr da, auch einen dritten Lockdown mitzutragen. Die Menschen wollen sehen, dass die Maßnahmen wirksam sind, nur so lässt sich die Polarisierung verhindern. Der Erfolg ist der größte Heilungsfaktor, und der muss sich möglichst schnell einstellen, dann sind auch alle Kollateralschäden am geringsten.

Die jetzt getroffenen Maßnahmen sind richtig, aber definitiv zu spät, denn die Durchimpfung entfaltet frühestens Ende Dezember ihre Wirkung.

5. Der Gesundheitsminister trägt die Endverantwortung. Wenn versucht wird, die Verantwortung auf viele Köpfe zu verteilen, dann ist nicht mehr feststellbar, an wen man sich eigentlich wenden soll. Mit regionaler Verantwortung kann man arbeiten, wenn die Pandemie bei kleinen Zahlen angelangt ist, wenn man mit Contact Tracing arbeiten muss und lokale Maßnahmen wirkungsvoll einsetzen kann. Jetzt hat die Pandemie das aber alles überschritten. Die Kontaktnachverfolgung funktioniert nicht mehr. Jetzt braucht man flächendeckende Maßnahmen. Die müssen sich am schwächsten Glied orientieren, also dort, wo das Problem am größten ist, und flächendeckend gelten. Es braucht jetzt massive Kontaktbeschränkungen und es müssen Kennzahlen genannt werden, die täglich überwacht werden.

„Es muss eine Vorstellung davon geben, wie der Pflegemangel und freie Betten sind, und ab welchem Zeitpunkt von Belastung durch COVID schwere kollaterale Schäden entstehen. Das sehen Sie nirgendwo dargestellt. Das ist für die Kommunikation der Bevölkerung gegenüber wichtig für ihr Verständnis, und es ist wichtig gegenüber Ärzten und Pflegern in den Krankenanstalten, weil die ja sehen müssen, wo und wann eine erfolgversprechende Maßnahme gesetzt wird, sonst macht sich überall Belanglosigkeit, Gleichgültigkeit und Frustration breit – das können wir nicht brauchen im Gesundheitssystem.“

6. Wir dürfen den Menschen nicht Dinge versprechen, die wir nicht einhalten können. Das ist bei schwerkranken Menschen so, wo es eine sehr hohe Aufklärungspflicht gibt, und gilt auch für die Pandemie. Man kann nicht die Beendigung einer Welle zu einem Zeitpunkt erklären, wo man weiß, dass diese Welle mit Sicherheit wieder kommt. Das ermüdet die Menschen und sorgt in einem hohen Ausmaß für Vertrauensverlust. In schwierigen Situationen muss man beständig bei der Wahrheit bleiben. Ebenso wie es unverständlich ist, dass man die FFP2-Maskenpflicht nicht beibehalten hat. Sie schränkt das öffentliche und wirtschaftliche Leben weniger ein als ein Lockdown. Untersuchungen aus den USA zeigen, dass der wirksamste Zeitpunkt für FFP2-Masken die Frühphase der Welle ist.

7. Wichtige Kennzahlen fehlen. Wir wissen nicht, wie der Pflegemangel in den anderen Bundesländern ist im Verhältnis zum Bettenbedarf. Das kann ganz unterschiedlich sein. Bei den aktuellen Inzidenzen befinden wir uns in einem Bereich, sowohl bei Durchbruchsinfektionen als auch bei Ungeimpften, dass eine Impfrate von einigen tausend Menschen pro Tag das nicht ausgleichen kann – sprich, es erkranken mehr Menschen schwer als man durch die Impfung aus der Pandemie herausnehmen kann.

8. Man darf sich nicht immer nur an Zulassungsindikationen halten, siehe Israel, die schnell reagieren, unkonventionell und notwendige Entscheidungen treffen, unabhängig davon, was der Rest der Welt dazu sagt. Das ist auch eine Haftungsfrage, die Israel (und USA) anders lösen als Europa. In Österreich ist es sicherlich notwendig, den Grünen Pass für Geimpfte auf 6 Monate zu reduzieren. Das Nationale Impfgremium (NIG) war viel zu vorsichtig, jetzt hat man bei einigen Patienten auf 4 Monate reduziert für die Drittimpfung – wichtig ist der schnellstmögliche Zeitpunkt.

9. Fahrplan für die Ausrollung der Impfung fehlt. Das geht nicht nur durch das Abstellen von Impfbussen, sondern muss in militärischer Form geplant werden, wie durch das Militär oder das Rote Kreuz oder auch Krankenanstalten, die in „Friedenszeiten“ rasch umstellen können – jetzt geht das nicht mehr, weil das Personal dafür fehlt. Das kann man jedenfalls nicht dem Zufall überlassen, wer jetzt impfen geht. Es fehlt ein Plan der Regierung, in wie vielen Tagen wie viele Menschen geimpft werden sollen, und wie das erreicht werden soll – diesen Fahrplan kann dann jeder einfordern und kontrollieren, ob wir im Zeitplan liegen. Zudem muss klar sein, wie wirksam die einzelnen Maßnahmen sind, um Glaubwürdigkeit zu erreichen. Man lässt die behandelnde Ärzte und Pfleger in den Krankenanstalten in einer völligen „black box“ zurück.

10. Die Qualität der Versorgung leidet enorm. Der Erschöpfungsfaktor ist sehr hoch, es gibt viele Springer, die täglich auf drei verschiedenen Stationen in der Versorgung sein müssen, es leidet auch die Identifikation mit der Arbeit und das führt zu Reibungsverlusten innerhalb der Krankenanstalten. Das wird ein langfristiges Problem, denn es gibt viel zu wenige Pfleger und Ärzte über die nächsten 4-5 Jahre oder länger. Bei den Ärzten kommt der große Mangel wegen den langen Ausbildungszeiten erst. Das sind dramatische Veränderungen, die Vorstellung, dass wir am Ende der Krise sind, ist ein Irrtum.

Wir sind am Beginn der gesundheitspolitischen Krise und es ist daher extrem notwendig, die richtigen Maßnahmen zu setzen, und die liegen nicht in der Schaffung neuer Intensivbettenkapazitäten, die wir ohnehin nicht besetzen könnten.“

11. Ohne Impfung hätten wir jetzt Bergamo. Im März 2020 hat Greil grob ausgerechnet, was passieren würde, wenn sich 60% der Bevölkerung infiziert werden könnten. Er hat die Rechnung sofort aufgegeben, weil die Daten derart monströs waren, dass sie außerhalb jeder Vorstellungskraft waren. Er rechnete mit 10% Durchimpfungsrate und kam immer noch auf eine Größenordnung von Bergamo, und man hätte ein Behelfsspital mit fast 800 Betten gebraucht.

Die Impfung ist sehr wirksam, sie wirkt kürzer als gehofft und nicht bei allen gleich, aber das war von vorneherein zu erwarten – das hätte man so kommunizieren müssen. Es wird auch neue Medikamente geben, aber wann sie in Österreich zur Anwendung kommen, ist nicht absehbar. Israel kauft diese Medikamente sofort ein, man wird sich in Österreich überlegen müssen, „wie man Innovationen tatsächlich in der Geschwindigkeit schafft, die erforderlich sind.“

Tag 604: Die Durchseuchung geht weiter und das System wird kollabieren

Anteil der Vollgeimpften in der Bevölkerung (links) und tägliche Neuinfektionen pro Million Einwohner (rechts). Impfmüde Staaten haben deutlich höhere Infektionsraten als jene mit höherer Impfquote.

Gestern kündigten Kanzler „man müsse die Taliban an ihren Taten messen“-Schallenberg und Gesundheitsminister „Meine Aufgabe war es von Beginn an, die Intensivstationen zu schützen“ Mückstein an, österreichweit ab Montag, 08. November 2021, 2G einzuführen. Für eine Übergangszeit von 4 Wochen gilt die Erstimpfung in Verbindung mit einem PCR-Test wie ein 2G-Nachweis, um zur Impfung Anreize zu schaffen. Außerdem gilt der Grüne Pass nur noch 9 Monate, bis dahin sollte man sich spätestens seine dritte Teilimpfung abgeholt haben. Kein Wort wieder einmal zu den Schulen, aber Faßmann hatte ja wiederholt versprochen, dass die Schulen offen bleiben werden.

Es stellt sich heraus, die schiere Ankündigung von 3 G am Arbeitsplatz hatte bereits die Zahl der Erststiche gesteigert und mit 2G ab Montag bildeten sich heute lange Schlangen vor den Impfstellen. Auf der einen Seite find ich es gut und wichtig, dass jetzt wieder was weitergeht mit der Impfquote und welcher Anreiz sich als effektiv darstellt, ist letzendlich vom Ergebnis her egal. Auf der anderen Seite fällt es mir schwer, die Beweggründe dieser Menschen nachzuvollziehen, dass ihnen der Wirtshausbesuch wichtiger ist als krebskranke Patienten zu schützen, deren OPs wegen Ungeimpften verschoben werden müssen, oder ihre immunsupprimierten Nachbarn, oder die Hochrisikomutter, die täglich zittert, ob ihr Kind Covid von der Schule oder aus dem Kindergarten nach Hause bringt.

Es scheint so, als ob das erzeugte Gefühl, dass einem etwas (z.B. Wirtshausbesuch) weggenommen wird, erfolgreicher ist als an Nächstenliebe und Solidarität zu appellieren. Das ist eigentlich ziemlich traurig. Aber ich möchte nicht unfair sein – aufgrund des bisherigen Pandemieverlaufs und persönlicher Erfahrungen glaube ich, dass darunter eine Menge einfach uninformiert oder desinformiert ist, sich ihres eigenen Risikos nicht bewusst waren und sind, und zumindest nicht so radikal ablehnend waren, dass man sie nicht mehr erreichen konnte. Es reicht nämlich nicht, über die Sicherheit eines Impfstoffs aufzuklären, ohne über das Risiko einer Infektion aufzuklären, z.B. Long COVID/MECFS – was in der öffentlichen Risikokommunikation großteils fehlt, wie auch in der gestrigen Pressekonferenz. Die mangelnde Solidarität gegenüber der Gesellschaft als Ganzes – das bleibt aber hängen, und das kann ich nicht so schnell vergessen und verzeihen.

Sei es wie sei, wir steigern jetzt also die Impfquote wieder, aber das wird uns nicht vor dem Zusammenbruch des Gesundheitswesens in Österreich in den nächsten Wochen und Monaten retten. Dafür bräuchte es echte Kontaktreduktionen, wie Veranstaltungen absagen, Schulen im Distance Learning, Gastro auf Take-Away und dadurch gleichzeitig die Mobilität zu reduzieren. Private Coronapartys gefährden dann wenigstens den öffentlichen Raum nicht mehr. Außerdem (allgemeine) Impfpflicht bzw. 2G am Arbeitsplatz. Gleichzeitig sollten sich auch Geimpfte und Genesene wieder regelmäßig testen, auch am Arbeitsplatz und überall dort, wo sie in geschlossenen Räumen ohne Maske mit anderen Menschen zusammenkommen – jedenfalls bis zur dritten Impfung.

Wenn es vernünftige Maßnahmen bei Schulen geben würde oder auch Geimpfte getestet würden, könnte das vielleicht funktionieren. So werden sich wahrscheinlich viele Erstimpflinge vor oder nach ihrem Erststich anstecken, und schieben im schlimmsten Fall vermeintliche Nebenwirkungen auf die Impfung, wenn es sich tatsächlich um eine COVID-Infektion handelt.

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Tag 601: Update – Wien erlaubt Kinderimpfung

Spitzenreiter sind Waidhofen an der Ybbs (Stadt) mit 1383, Melk 1107, Lilienfeld 1075, Braunau am Inn 1016

Jetzt, wo der Hut brennt, werden die PCR-Tests ausgeweitet. In den Wiener Spitälern wurde die 3G-Regel außer Kraft gesetzt – jeder Besucher braucht einen höchstens 48 Stunden alten PCR-Test (Stand, 03. November 2021). In den Bundesländern abseits von Wien werden die Gurgeltests in SPAR-Filialen und Apotheken angeboten.

  • Im Burgenland gibt es seit 1. Oktober PCR-Gurgeltests in SPAR-Märkten, seit 02. November auch in Apotheken und Krankenhäusern.
  • In Niederösterreich werden die 23 PCR-Testautomaten bei den Tankstellen wieder abgebaut, ab Mitte November soll es in jeder Bezirkshauptstadt Gurgeltests in SPAR-Filialen geben, zudem in 180 Apotheken, künftig auch samstags.
  • In Kärnten gibt es ab 8. November Gurgeltests an 204 Standorten
  • In der Steiermark gibt es seit 2. November Gurgeltests mit 211 Ausgabestellen und 460 Abgabestationen.
  • In Oberösterreich werden bisher nur PCR-Abstriche in Apotheken angeboten, Gurgeltests gibt es nur in Linz-Stadt, Vöcklabruck und Gmunden nach Online-Anmeldung.
  • In Salzburg gibt es seit 27. Oktober Gurgeltests in 54 Supermärkten – dabei filmen muss man sich aber nicht.
  • In Tirol wird es 200 PCR-Selbsttestboxen geben, die in den ersten zwei Novemberwochen flächendeckend kommen sollen
  • In Vorarlberg gibt es seit 2.11. Gurgeltests in Apotheken.

Quelle: Alle aktuellen ORF-Text-Meldungen dazu

Und warum gurgeln jetzt alle so vorbildlich? Wegen der 3G-Regel am Arbeitsplatz, die noch nicht einmal fix ist und Mitte November – viel zu spät – durch 2,5G (also nur noch PCR gültig statt Antigen) ersetzt werden soll. Pferdefuß: Mit 3G fällt die FFP2-Maske weg!!! Das führt zu der absurden Situation, dass Supermarkt-Angestellte, generell der Handel oder auch Service-Stellen-Mitarbeiter keine FFP2-Maske mehr tragen, die Kunden aber schon.

Laut EMS hat Österreich heute 7733 Neuinfektionen innerhalb von 24 Std., vor einer Woche waren es 4152, vor einem Jahr 4445. Damals galt zu diesem Zeitpunkt aber schon ein Lockdown light. Symptomatisch auch, dass wir immer noch unterschiedliche Datenquellen haben, laut ORF/AGES sind es 6305 neu und laut BMI 6506.

Update, 04. November 2021:

Bürgermeister Ludwig hat in einer Pressekonferenz bekanntgegeben, dass Wien nicht auf die EMA wartet – es wird eine Off-Label-Impfstraße mit KinderärztInnen geben und erweitertem Beratungsangebot. Zudem gilt ab Mitte November 2G in der Gastronomie, körpernahe Dienstleister, Veranstaltungen ab 25 Personen. Es soll auch eine Informationskampagne für den 3. Stich geben.

Das reicht natürlich nicht. Es braucht dringend Maßnahmen für Schulen und Kindergärten: Distance Learning, bis die Kinder geimpft worden sind. Und Maskenpflicht auch im Unterricht. Und die üblichen Lüftungsmaßnahmen.

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