Tag 797: Wir müssen mehr miteinander reden

Pandemie als Entwicklung einer alternativen Realität – wie kommunizieren wir wieder miteinander?

Vor ein paar Monaten gab es eine eher verunglückte Rotes-Kreuz-Kampagne zum Aufeinanderzugehen der polarisierten Bevölkerungsgruppen – verunglückt, weil es der falsche Zeitpunkt war. BA.1 stand in den Startlöchern, BA.2 sollte folgen – in dieser Zeit wurde Public Health für tot erklärt und das Weihnachtsgeschenk OMICRON als Rechtfertigung für eine Durchseuchung der Bevölkerung genutzt. Aufeinanderzugehen, um die Durchseuchung über sich ergehen zu lassen? Das funktioniert nicht. Ebenso wenig, wie man Verständnis für einen Impfgegner haben wird, der von Bill-Gates-Verschwörung redet oder auf sein starkes Immunsystem schwört, und mit dieser Haltung andere gefährdet, die beim Russisch Roulette mit LongCOVID oder durch ein geschwächtes Immunsystem den Kürzeren ziehen. Zugespitzt – man wird mit Covidleugner oder Impfgegnern direkt selten reden können. Sie akzeptieren die Gegenargumente nicht, weil sie die Grundlage bereits abstreiten. An der Grundlage hapert es oft, auch im Gespräch mit Politikern, Journalisten und Experten. Mein Zugang sind daher weniger die Verharmloser als die Verantwortungsträger, die die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung mit ihrer Reichweite und ihrem Handeln beeinflussen. Sie müssen wir erreichen, die Politiker, die Journalisten, aber auch – soweit das wegen ihrer Interessenskonflikte möglich ist – auch die Regierungsberater.

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Pandemieversagen in Österreich: False Balance in den Medien (Teil 4)

2 Jahre Pandemie, keine Lernfähigkeit der Medien (rot: Scheinexperten, grün: Experten)

In den ersten drei Teilen bin ich auf weltweite Einflüsse, nationales Versagen in der Risikokommunikation und politisches Versagen eingegangen. Grundlage meiner zahlreichen Faktenchecks ist die Sammlung von dutzenden Zitaten von PolitikerInnen und ExpertInnen (Stand: 14.04.22).

Wer die Regierung berät, und nicht unabhängig seine ehrliche, unverblümte Meinung sagen kann, weil es Interessenskonflikte gibt, der wird Teil der politischen Entscheidungen. Hier sollten Journalisten ansetzen, diese Interessenskonflikte aufzuzeigen. Das Problem liegt allerdings darin, dass etliche Journalisten in Österreich selbst Interessenskonflikte aufweisen. Österreich ist bei der Pressefreiheit nicht aus Jux und Tollerei um 14 Plätze abgestürzt.

Im Mittelpunkt dieser Analyse steht der ORF, ich könnte *jede* andere Zeitung nennen, die mit False Balance aufgefallen ist, möchte mich aber dennoch schwerpunktmäßig mit dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk befassen, der von den Bürgern gebührenfinanziert ist, also einen Bildungsauftrag hat. Wer meine Zitatsammlung so durchliest, wird feststellen, dass über die vergangenen zwei Jahre immer wieder dieselben „ExpertInnen“ eingeladen werden, obwohl sie zwischendrin immer wieder haarsträubende Fehleinschätzungen von sich gegeben haben. Wer seit zwei Jahren nach jeder Welle behauptet, dass die Pandemie vorbei sein würde, hat an Glaubwürdigkeit verloren und sollte nicht mehr befragt werden, auch wenn er sich aus Geltungsdrang immer wieder anbietet.

Journalisten stehen unter hohem Zeitdruck und sind chronisch unterbezahlt, das ist nachvollziehbar. Doch haben sie in ihrem Job auch eine hohe Verantwortung für ihre Leserschaft. Fehlinformationen, etwa die derzeit verbreitete Charité-Studie, wonach die Zahl die Impfschäden 40 Mal höher sein soll als angegeben, sind ein schwerer kommunikativer Fehler, der Menschen vom Impfen abhält und Leben kosten wird. Die Studie weist schwere methodische Mängel auf, eine wissenschaftliche Einordnung fehlt.

Wenn ein Politiker oder Wissenschaftler im Inland etwas sagt, was diametral zu den Beobachtungen Erkenntnissen im Ausland steht, ist es die Pflicht des bezahlten Journalisten, die Hintergründe zu recherchieren und kritisch zu hinterfragen, woher die Unterschiede kommen.

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Tag 785: Pläne ohne Prävention?

Im Vergleich zu den Vorjahren wird die Talsohle der 7-Tages-Inzidenz immer höher,
Grafikquelle: Erich Neuwirth, 07.05.22

Aus aktuellem Anlass – das ZiB2-Interview mit Gesundheitsminister Rauch am 06.05.22 – wird es einmal Zeit in das FutureOperations-Arbeitspapier (Version 1.0) zu schauen, auf das sich Rauch bezogen hat. Ich hab es vorsichtshalber selbst gespeichert, weil die Ministerien dazu neigen, immer nur die aktuellste Version verfügbar zu machen: D

Darin tauchen ein paar bekannte Namen auf, z.B. Bergthaler, Czypionka, Elling, Foitik, Klimek & Popper und Michael Wagner. Inhalt sind Szenarien für den Herbst/Winter 2022, worauf sich alle seit Monaten vorbereiten und die laufende OMICRON-Welle und ihre Subvarianten geflissentlich ignorieren. Die Bevölkerung hat ihr Schicksal, durchseucht zu werden, großteils akzeptiert und erträgt die paar Wochen bis Monate Krankheit stoisch und ohne große Protestschreie, könnte man meinen.

Eine weitere Stellungnahme neben meiner findet man in diesem GoogleDoc-Dokument, das von Betroffenen verfasst wurde.

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Das Pandemieversagen in Österreich: Versuch einer Erklärung (Teil 3: Politisches Versagen)

„Nachgemeldete“ Covid19-Tote aus dem Jahr 2020, am 20. April 22 wurden 3412 Todesfälle nachgemeldet, ein Fünftel aller Todesfälle der Pandemie (Analyse von mir und von Epidemiologe Zangerle)

Im ersten Teil bin ich auf globale Einflüsse, vor allem WHO und GreatBarringtonDeclaration-Vertreter, eingegangen und auf Versagen der Regierung selbst, im zweiten Teil ging es vor allem um die fatale Risikokommunikation, die sich auf alle Ebenen der Pandemiebekämpfung erstreckt. Im dritten Teil möchte ich speziell auf das Verhalten der Parteien eingehen.

Strategien in Österreich, ohne sie so zu nennen 2020 bis heute

  • Flatten the curve (03/20-05/20): Das gelang ein bisschen zu gut, der Lockdown war streng genug, um die Fallzahlen deutlich zu senken – aus Sicht vieler war der Lockdown zu streng, böser Fehler, auf keinen Fall wiederholen, würde das Virus ja auslöschen!
  • Massentests statt Lockdowns (12/20-04/21): Massen-Antigentests für die Bevölkerung und Antigentests als Eintrittstests in den Schulen und als Zugang zu Dienstleistungen statt als Rausfischtests (positiver AG erkennt Infektion, negativer AG schließt Infektion nicht zwingend aus), senkte die Zahlen vor dem Osterlockdown nicht weit genug
  • Ab Impfquote X fallen Maßnahmen (04/21-11/21): Ab 40% sollte erst die Maskenpflicht fallen (prä DELTA), dann waren Doppeltgeimpfte vom Testen und/oder Maskentragen befreit.
  • Für Doppelt Geimpfte ist die Pandemie vorbei (06/21-11/21): Staat hat seine Aufgabe erfüllt, wenn jeder, der das möchte (und Zugang zu seriösen wissenschaftlichen Informationen hatte), die doppelte Impfung genommen hat. Kinder, Immunsupprimierte sind egal. Genießt den Sommer!
  • Lockdown für Ungeimpfte (11/21-03/21): Lockdown solange, bis Spitäler wieder unter der Belastungsgrenze sind. Mit OMICRON Fall von Impfpflicht und 2G-Regel.
  • Lockdown für Geimpfte (11/21-12/21): Immer kategorisch ausgeschlossen, weil Pandemie für Geimpfte vorbei.
  • OMICRON als vermeintliches Ticket in die Endemie (01/21- heute): Durchseuchung, fallende Maßnahmen, keine Impflicht, Testrationierung seitens des Bundes, keine Impfkampagne
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Tag 781: Über Irrtümer auf den wissenschaftlichen Pfad gelangt

Prater im ersten Lockdown, 19. März 2020 – mein erster Ausflug seit Lockdownbeginn

Es gibt so prägende Ereignisse im Leben, an die man sich immer zurückerinnern wird. Als ich mich in meinem Zimmer aufhielt, wo ich ein großes Wandposter mit dem World Trade Center hatte, und die Nachricht vom Terroranschlag kam. Mein Bruder deutete auf die beiden Türme und sagte trocken „Die beiden gibt es nicht mehr.“ Als Donald Trump Präsident wurde, am Vorabend hielt ich noch einen Vortrag über Autismus für den Verein Specialisterne, die Nacht blieb ich wach und bekam unter zunehmender Beunruhigung mit, wie Trump immer mehr aufholte. Ich ging vor dem Ergebnis schlafen. Als Putin seine furchtbare Rede hielt, in der er das Existenzrecht der Ukraine(r) in Frage stellte, kam ich gerade von einem anstrengenden Dienst nach Hause und mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. „Das war eine Kriegserklärung“, sagten die Historiker grimmig. Und auch, wenn der erste Lockdown vor dem 19. März 2020 begann, ist mir der Tag noch in Erinnerung, als ich mit dem Rad in den Prater fuhr. Jede Menge Polizeiautos auf der Praterallee, die penibel die Abstände der Menschengruppen überwachten, die Hubschrauber, die über dem Prater kreisten. Ich radelte den Weg weiter, der für Reiter gedacht war, eine Frau rief mir hinterher, dass Radfahren dort verboten wäre, aber wer reitete schon im Lockdown? Ich fuhr weiter, bis ich im hintersten Eck wenigstens für ein paar Minuten keine Menschen mehr sah. Für einige Minuten klemmte ich mich zwischen zwei Buchen, ganz in Strolzscher „Ich umarme meine Lieblingsföhre“ Manier. Dort atmete ich tief durch und hoffte, dass ich aus diesem Alptraum wieder erwachte. Natürlich drehte sich das Rad weiter und auch wenn anfangs die Tage und Wochen zäh wie Kaugummi verliefen, lernte ich mit der neuen Situation zu leben, auch ohne in eine Steiner-Rechtsesoterik-Ideologie abzugleiten.

Obwohl ich nun seit über zwei Jahren regelmäßig zur Pandemie blogge, tat ich mir die ersten Monate schwer, wissenschaftlich seriöse Quellen zu finden. Besser gesagt: Mir ging es wie dem Gesundheitsminister, ich hatte die falschen Berater und konnte sie zunächst nicht von den richtigen unterscheiden. Das änderte sich erst im Frühjahr 2020, ab da bemerkte ich eine zunehmende Dissonanz zwischen Drosten, Krammer & CO und Scheinexperten wie Martin Sprenger, Franz Allerberger, Clemens Arvay und Dr. John Campbell bemerkte. Ohne meine Twittertimeline hätte ich die Kurve nicht so schnell gekratzt – D – A – N – K E !

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Tag 780: BA.4 im Lande, Neues zu LongCOVID und zu Hepatitisfällen bei Kindern

Abseits von Südafrika (35%) werden derzeit die meisten BA.4-Fälle in Europa festgestellt, dabei vor allem in Österreich, wo der Anteil rasch die 4%-Marke übersprungen hat (36 Proben, alle aus Wien), Einschränkung: keine Qualitätskontrolle der Daten, die von einem umstrittenen Wiener Labor kommen, noch nicht bestätigt durch Bergthaler/Elling

Man kann es ruhig aussprechen: Die Pandemie ist in den Köpfen längst vorbei. Durch den Abbau der freiwilligen Testmöglichkeiten, der Testpflicht in Schulen und am Arbeitsplatz, ohne Zutrittstests in der Gastronomie, ohne Impfpflicht und Impfnachweis, und weitgehend ohne Maskenpflicht gibt es kaum noch sichtbare Maßnahmen, die an die Pandemie erinnern. Gleichzeitig hat der Reiseverkehr das höchste Niveau seit Pandemiebeginn erreicht, rund 83% Starts und Landungen am Flughafen Wien im Vergleich zu den Flugbewegungen vor dem ersten Lockdown. Das Resultat ist in der Wiener Innenstadt sichtbar.

Im Bekannten- und Kollegenkreis häufen sich die positiven Fälle, jetzt erwischt es auch jene, die sich zwei Jahre lang davor schützen konnten. Manche Kinder erwischt es das zweite Mal, manche bereits das vierte Mal. Zuvor gesunde Bekannte, die die Gefahr durch das Virus lange Zeit heruntergespielt haben, sind seit ihrer Infektion leiser und vorsichtiger geworden, sie haben jetzt Respekt davor, nachdem sie seit zwei Monaten und länger von ihrer früheren Fitness entfernt sind. „Ich hätte darauf verzichten können“, sagen sie jetzt. Die Mehrheit der BA.1/BA.2-Infizierten hat sich bei ihren Kindern angesteckt.

Vor einem Jahr hatten wir eine ähnliche Situation wie jetzt: Die Infektionszahlen gingen deutlich zurück, geholfen haben neben dem Lockdown wahrscheinlich die Impfungen, denn die Zahlen sanken auch weiter, als die Maßnahmen längst gelockert wurden. Ich warnte schon früh davor, dass wir uns „im Blindflug“ (Tag 411) befanden und zweifelte daran, dass der „positive Trend“ (Tag 418) anhalten würde. Grund für meine Skepsis war vor allem DELTA sowie die mangelhafte Risikokommunikation der Regierung.

Ein Jahr später sind es BA.4/BA.5 und die mangelhafte Risikokommunikation der Regierung.

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Tag 777: Staatlich gefördertes Gaslighting

Übersterblichkeit seit Jahresbeginn in Österreich, Südafrika, UK und Dänemark, Stand 29.04.22 – seit dem Ausrufen diverser „Freedom Days“ sterben jede Woche dutzende bis hunderte Menschen in Ländern, wo es kaum noch Schutzmaßnahmen, aber hohe Infektionswellen mit OMICRON-Subvarianten gibt.

Über Wunschdenken (Tag 683) und Gaslighting (Tag 688) habe ich bereits geschrieben. Ich glaube, die grundsätzliche Frage, die sich derzeit viele vernunftgesteuerte Menschen stellen ist, seit wann zur Hölle es für selbstverständlich erklärt wurde, dass „jeder die Infektion kriegen werde.“ und sich „jeder das Infektionsrisiko als Lebensrisiko akzeptieren sollte„, um wieder „zur Herde dazuzugehören„?

Im ersten Pandemiejahr teilten wir unsere Angst vor einer Ansteckung, im zweiten Pandemiejahr teilten wir unser Bedürfnis, sich impfen zu lassen. Doch seit der Impfung haben viele Menschen nicht mitbekommen, dass die neuen Virusvarianten die durch die Impfung (und Infektion) erworbene Immunität unterlaufen, sie leben seitdem ihr Leben als wäre die Pandemie vorbei. Solange es noch keine Impfung gab, galt der Schutz der Älteren und Vulnerablen als gesellschaftliches Ziel. Viele Menschen ist nicht von der Regierung nicht kommuniziert worden, dass die Impfung grundsätzlich bei immungeschwächten Menschen nicht so gut wirken könnte wie bei gesunden Menschen. Das wäre der Sinn der Herdenimmunität gewesen. Die Kinder zu impfen ist der Schlüssel zur Beendigung der Pandemie – das weiß man seit spätestens Mai 2020. Übrigens soll jetzt eine Impfung der unter Säuglinge (ab 6 Monate) und Kleinkinder (bis 4 Jahre) zugelassen werden. Dabei handelt es sich um Menschen, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, viele hoffentlich gesunde Jahrzehnte. Ich hätte, obwohl ich keine Kinder habe, mich weiter so lange eingeschränkt, bis bei Kindern eine hohe Durchimpfungsrate erzielt worden wäre. Stattdessen entschied man sich, die Kinder zu durchseuchen und auf diesem Weg eine Herdenimmunität zu erreichen, die schon zum Zeitpunkt der Durchseuchung zweifelhaft und moralisch falsch war. LongCOVID, unbekannte Spätfolgen wie jetzt das verdächtigte Hepatitis, erneute Infektionen mit Gefahr schwerer Akutverläufe, aber auch Eltern, die sich bei ihren Kindern anstecken und nachfolgend schwer oder chronisch erkranken. Die absurde Debatte darüber, dass Lockdowns Hepatitisfälle auslösen würden (in Melbourne, das monatelang im Lockdown war, ist keine Hepatitis-Häufung bei Kindern bekannt), aber eine Masseninfektion keinerlei Folgen erwarten ließe, setzt die Krone auf die aktuelle Verleugnung auf.

Vor einem Jahr haben sich jene ausgegrenzt gefühlt, die „Recht am eigenen Körper“ über die Solidarität gegenüber Schwächeren gestellt haben. Jetzt werden die ausgegrenzt, die keine Infektion in Kauf nehmen wollen, „um dazu zu gehören“, während die „mit dem Virus leben“-Fraktion ungetestet und ohne Maske Schwächere gefährdet.

Absurd.

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Tag 774: Schwere Hepatitisfälle bei Kindern – Folge von Covid19?

Folgen des Multientzündungssyndrom bei Kindern (MIS-C)

Unabhängig davon, welche Erklärung für die aktuelle Häufung von „schweren Hepatitisfällen unbekannter Ursache“ bei Kindern derzeit gefunden wird, läuft die Diskussion schon wieder sehr tendenziös ab. Der Elefant im Raum ist wieder einmal die Covid19-Infektion von Kindern. Nachdem in jenen Ländern, wo derzeit die meisten Hepatitisfälle auftreten, die wenigsten nichtpharmazeutischen Maßnahmen (Masken, Impfungen) für (Klein-) Kinder in Kraft waren, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine akute oder langfristige Covid-Folge handelt. Stattdessen wird von zahlreichen Medien spekuliert, es läge an der verringerten Exposition gegenüber anderen Erregern durch die vielen Lockdowns.

Die erste Frage müsste aber lauten: Kann das eine direkte Covid19-Folge sein? Doch was würde das bedeuten, wenn diese Frage bejaht werden müsste? Dann stünden die Regierungen und die Gesundheitsbehörden in der Verantwortung, warum sie die Durchseuchung der Kinder zugelassen haben. Auffallend ist bisher nämlich auch, dass die betroffenen Kinder nicht geimpft waren.

Ich argumentiere hier jetzt nicht pro Covid19-Folge, weil das Spekulation ist. Ich argumentiere aber auch nicht contra Covid19-Folge, weil das ebenfalls Spekulation ist. Ich argumentiere überhaupt nicht, weil ich kein Arzt bin und kein Virologe. Mein Beitrag hier ist eine Zusammenfassung dessen, was Virologen, Kliniker und andere Experten bisher wissen und zusammengetragen haben. Mein Appell ist nur, wachsam zu bleiben und sich nicht ablenken zu lassen, wenn die naheliegendste Frage ist: Ist es eine Folge von Covid19, was spricht dafür, was spricht dagegen?

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Tag 770: Die vergessenen Toten

Am 20. April 2022 nachgemeldete Todesfälle aus den Pandemiejahren 2020 und 2021, Grafikquelle: @zeitferne (Twitter)

Ich schreibe hier oft über die Lebenden und Überlebenden, aber selten über die Toten. Colette M. Schmidt hat kürzlich erneut die vulnerablen Menschen in Österreich thematisiert, die von der aktuellen Pandemiepolitik ausgegrenzt werden. LongCOVID wird nach weltweit übereinstimmenden Erkenntnissen die neue Volkskrankheit, als Berufskrankheit gleichermaßen für Erwachsene und Schüler, aber auch für die Kleinsten, die sich mangels Schutzmaßnahmen im Kindergarten infizieren. Leider sind unter LongCOVID-Betroffene auch Geimpfte. Die weltweit, bis auf wenige Ausnahmen, zugelassenen hohen Fallzahlen sorgen für die Entwicklung weiterer Fluchtvarianten, aktuell BA.4/BA.5 in Südafrika, die Zukunft ist ungewiss, die Schwere künftiger Varianten bleibt unberechenbar. Covid19-Infektionen bei Kindern können Folgeuntersuchungen beim Kardiologen nach sich ziehen, etwas, das nach regelmäßigen Erkältungen normal nicht der Fall ist. Veränderte QT-Intervalle kennt man sonst vor allem nach der Einnahme von Psychopharmaka, sie können gefährliche Herzrhythmusstörungen und plötzliches Herzversagen verursachen. Eine andere Folgeerscheinung, bei der ein Zusammenhang mit Covid19 naheliegend ist, ist die aktuelle Häufung von Hepatitisfällen bei Kindern. Und so weiter und so fort. Die Liste der möglichen Spätfolgen bei den Covid19-Überlebenden ist lang und schauderhaft. Doch was ist mit den Toten? Und wie vertrauenswürdig ist eigentlich die Statistik in Österreich?

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Tag 767: Neue Varianten und weshalb ZeroCOVID nicht gescheitert ist

„I do not comply!“

Es fällt mir schwer, mit der aktuellen Infektionslage so zu leben wie mit der Grippe. Die Grippe ist weit weniger ansteckend und verursacht weniger Langzeitfolgen als SARS-CoV2, zudem ist die Inkubationszeit deutlich kürzer – es fällt leichter, sich von infizierten Personen mit Symptomen fernzuhalten. Jemand mit hohem Fieber und Halsweh würde wahrscheinlich auch eher zuhause bleiben statt eine Feier zu besuchen. Bei SARS-CoV2 beträgt die Inkubationszeit aber weiterhin drei bis vier Tage und vor allem Ungeimpfte, das sind über ein Viertel der Gesamtbevölkerung und mehr Dreiviertel aller Kinder und Jugendlichen, sind ansteckend, bevor sie Symptome zeigen.

So nahm die Pandemie ihren Lauf und so köchelt sie weiter dahin. Jede Woche erwischt es wieder jemanden, jede Woche stecken sich Menschen im Krankenhaus an, wohin sie gingen, um gesund zu werden. So absurd scheint diese relativierende Argumentation, zu glauben, es wäre besser, zufällig positiv getestet werden als wegen Covid im Spital zu landen. Denn Covid19 kann bestehende Grunderkrankungen verschlechtern, zur Absage von Operationen führen. Besser gar nicht erst infizieren. Absurd ist zudem so zu tun, als ob die Pandemie gerade Pause machen würde und erst im Herbst wieder Thema sein würde. Trotz fallender Inzidenzen sind sie immer noch um ein Vielfaches höher als im Vorjahr, dazu kommt der angekurbelte Reiseverkehr. Umso genervter bin ich, wenn ich mich ständig rechtfertigen muss, nicht alle Lockerungen mitzumachen.

„Wenn Du vier Mal geimpft bist, brauchst keine Maske mehr tragen.“

„Warum kommst Du nicht auf die Feier? Willst Du jetzt zwei Jahre lang daheim bleiben?“

Ich hoffe immer noch auf einen angepassten Impfstoff und die neue Generation an Impfstoffen, die besseren Schleimhautschutz bietet, denn ich weiß genug über das Virus, um es trotz Impfung nicht zu unterschätzen. Da zählen auch die Folgen einer hohen Virusdosis in geschlossenen Räumen über mehrere Stunden mit vielen Personen und hoher Lautstärke. Das ist mir noch zu riskant unter den jetzigen Bedingungen. Lieber verzichte ich weiter – man kann übrigens im Sommer auch wunderbar Aktivitäten und Veranstaltungen ins Freie verlegen – und investiere zwei weitere Jahre in den Verzicht als mir durch eine unbemerkte Herzmuskelentzündung oder andere Sekundärerkrankungen eine chronische Verschlechterung der Lebensqualität über Jahrzehnte zuzuziehen. Ich begebe mich nicht absichtlich in ein erhöhtes Risiko, wenn es Alternativen gibt. Das betrifft nicht nur Covid. Die Maske stört mich übrigens nicht.

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