Tag 988: Warum verfolgt China weiterhin Zero-Covid?

Links: akkumulierte Covid19-Fälle in absoluten Zahlen und Übersterblichkeit in Prozent in Österreich, rechts akkumulierte Todesfälle (absolut).

Obwohl wir eine Demokratie sind und laut Auskunft der Regierung “alle, die das wollen”, Zugang zu einer aktuellen Auffrischimpfung haben, und sich “Vulnerable schützen können”, steigt die Zahl der Todesfälle wöchentlich im zweistelligen Bereich weiter an. Seit der DELTA-Welle im Herbst 2021 hat Österreich eine konstant hohe Übersterblichkeit um 8%. Die meisten Toten gab es mit der zweiten Welle, denn der zweite Lockdown kam zu spät, aber auch mit den OMICRON-Subvarianten kamen mehrere tausend Tote hinzu, obwohl OMICRON doch viel milder sei, sagte man. China hatte seit dem ersten Ausbruch zu Pandemiebeginn erst einen weiteren Ausbruch knapp einer Million Neuinfizierten, mutmaßlich durch BA.2 im März 2022. Der aktuelle Ausbruch geht vermutlich auf die neuen Varianten zurück, genau wissen wir das nicht.

„Ein “Lockdown” dient dazu, die Kapazitäten in den Spitälern nicht zu sprengen. Aber er dient natürlich nicht dazu, die Ansteckungen komplett zu verhindern. Das wäre komplett totalitäres Denken. Es gibt schon auch noch andere
Interessen in einer Gesellschaft .“

Chefredakteur vom FALTER, 21. April 2021 auf Twitter (inzwischen gelöschte Tweets)

Diese Meinung teilte auch die “vorsichtigere” Wiener Stadtregierung (SPÖ):

“Da haben wir noch nie darüber geredet, aber in einer Pandemie geht es ja nicht darum zu verhindern, dass Pandemie ist.
Nein, Pandemie ist. Die entscheidende Frage in der Strategie ist daher nicht, wird es zu Ansteckungen kommen, die entscheidende Frage ist, wie viele gleichzeitig? So viele gleichzeitig, dass es systembelastend wird oder schaffen wir es, nach unten zu bringen? Das ist einer der wichtigen Benchmarks.”

Gesundheitsstadtrat Hacker im Ö1-Klartext vom 30. März 2022

Was sind diese Interessen? Wir sind den “schwedischen” Weg gegangen und alle haben mitgemacht: Regierung, Opposition, Sozialpartner, Gewerkschaften und die Bevölkerung. Auch die Wiener Stadtregierung war nur deshalb vermeintlich vernünftiger, weil die Wiener Spitäler durch die hohen Infektionszahlen unter Druck kamen. Daher muss Wien hier frühzeitig gegensteuern, um einen Kollaps zu vermeiden – nicht mehr und nicht weniger. Als die Maskenpflicht in den Supermärkten fiel, hat Wien mitgemacht – mit der Begründung, dass es dort kaum zu Ansteckungen kommen würde. Es blieb aber nicht einmal die Maskenpflicht für Kunden erhalten – dabei hätte schon das ein deutlich verbessertes Sicherheitsgefühl bei “Vulnerablen” erzeugt, die eine Infektion nun mal um jeden Preis vermeiden müssen, darunter auch immungeschwächte Personen, bei denen die Impfung nicht so gut wirkt.

Ich hab das lang und breit erläutert – und zwar mehrfach – was der Vorteil einer Niedriginzidenzstrategie gewesen wäre, egal ob man dafür das Label ZeroCovid, NoCovid, LowCovid oder Niedriginzidenzstrategie verwendet. Die Folgen unserer “wir müssen mit Covid leben” – Strategie sind u.a.

  • Massive Engpässe in den Spitälern durch Personalmangel: 800 Spitalsbetten sind alleine in Wien gesperrt. Betten ohne Personal sind nicht mehr als Möbel. Lungenfacharzt Valipour, Klinik Floridsdorf: “Man braucht sich nach den letzten 3 Jahren nicht wundern, wenn jetzt einige dem Spital den Rücken zukehren. Jeder Motor der zu lange im roten Bereich fährt hat irgendwann ein Problem. Wir betreuen nach wie vor COVID-19 Patient*innen und Influenza steht vor der Tür! Gehts impfen!” (24.11.22, Tweet)
  • Seit Monaten überlastete Kinderkliniken, dramatischer Mangel an Medikamenten auch für Infekte, was die teils schwereren Verläufe bei Kindern miterklären kann
  • Über 20000 Tote in 3 Jahren, die kommen nicht mehr zurück.
  • Mehrere hunderttausend LongCOVID-Kranke, die vom “Versorgungspfad” und Krankenkasse/Pensionsversicherung im Stich gelassen und ihr Recht vielfach erstreiten müssen – was ihre Erkrankung meistens verschlechtert durch den Stress
  • Kürzere Lebenserwartung, und viele Arbeitsunfähige durch LongCOVID (Trujillo et al. 2022)
  • Rückschritt bei Impfkampagnen gegen andere Infektionskrankheiten wie Masern, Polio und Influenza. Die wachsende Zahl der Impfgegner bringt weitere Kollateralschäden.

“We’ve tried “learning to live with the virus” for 1 year. We are now living with many viruses, kids & adults are getting sick en masse, & we have no functioning healthcare. The only “learning” has been that politicians (& many people) really don’t care about any of the above.”

Epidemiologin Olga Basso (Italien, 26.11.22)

Das sind nur ein paar der Folgen, wenn man “andere Interessen” höher gewichtet als den Gesundheitsschutz der Bevölkerung, unter Public Health zusammengefasst.

“Niemals in der Geschichte der Öffentlichen Gesundheit hat irgendwer vorgeschlagen, dass wir die gesamte Bevölkerung mit einem Krankheitserreger infizieren, mit dem wir keine Langzeiterfahrung haben, als eine Strategie zur Pandemiebewältigung” (Epidemiologe und Arzt Robert Morris)

In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen, warum China die “anderen Interessen” immer noch geringer gewichtet als das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

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Tag 979: Ursachensuche für die schweren Verläufe bei RSV 2022/2023

Starke RSV-Welle auch in Österreich 2022

Auch darum braucht es Social-Media-Plattformen wie Twitter: Ohne sie wüssten wir kaum, wie es in anderen Erdteilen aussieht – nicht nur bei Kriegen, in Diktaturen, bei Naturkatastrophen oder den Midterms in den USA. Wir kämen auch nur schwer an Infos wie, dass derzeit in Ländern mit (ehemals) hohem Covid19-Infektionsgeschehen weltweit die Spitäler unter Druck sind, nicht nur wegen Ärzte- und PflegerInnenmangel, sondern auch in Kinderspitälern durch eine außergewöhnlich hohe Belastung mit Infektionskrankheiten – neben Covid19 vor allem RSV und Influenza. In den USA spricht man daher inzwischen von einer “Tripledemie”.

In diesem Beitrag soll es um mögliche Ursachen für die starken Anstiege gehen und außerdem wird die häufig zitierte Immune-Debt-Theorie genauer beleuchtet. Kurze Antwort: Ein untrainiertes Immunsystem durch ausgebliebene Infektionen während der Lockdowns ist nicht verantwortlich für die beobachtete Zunahme an schweren Verläufen bei (Klein-) Kindern.

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Tag 977: Faktencheck ORF-Report “Die Schulschließungen waren ein Fehler”

Tyler Black ist Notfallpsychiater, Pharmakologe und Experte für Suizide. Derzeit ist der klinische Leiter von CAPE (Child and Adolescent Psychiatric Emergency) in British Columbia. Seine Auswertungen zeigen: Die Wahrscheinlichkeit für Suizide unter Kinder und Jugendlichen ist während der Schulmonate höher als in der schulfreien Zeitmehr dazu hier (22.08.22)

Am 15. November 2022 gab es im ORF-Report einen Beitrag (abrufbar noch bis 20.11.22) über die psychische Gesundheit junger Menschen. Darin fiel die irreführende Aussage von Gesundheitsminister Rauch, dass Schulschließungen aufgrund der Kollateralschäden ein Fehler gewesen wären. Die Aussage blieb ohne Nachfrage oder differenzierte Einordnung durch ExpertInnen stehen. Wann gab es Schulschließungen in Österreich? Wie lange haben sie gedauert? Welche Altersgruppen waren betroffen? Gibt es belastbare Daten zu Suizidversuchen in Österreich? Wie sah die Situation in jenen Ländern aus, wo es nie einen Lockdown gegeben hat, etwa in Schweden? Wie sah es in Ländern aus, wo es sehr lange und harte Lockdowns gegeben hat, wie in Neuseeland, Australien, aber auch Italien oder Spanien? Die Aussage ist daher nicht trivial, und eine kurze Einspielung dieser Art schlicht ungenügend, um daraus ein Fazit ziehen zu können.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Covidleugner, Gegner von Schulmaßnahmen und glühende Verfechter des “Schwedischen Weges” sahen sich bestätigt in ihrer verquerten Ansicht. Jetzt folgte die Bestätigung auch aus dem Gesundheitsministerium, aus der Regierung, also ganz offiziell. Und täglich grüßt das Murmeltier. Wenige Wochen vorher zitierte Lauterbach auf Twitter einen Zeitungsartikel der WELT, die aus dem Abschlussbericht der KITA-Studie das verkürzte Fazit zog, dass Kindergärten nie geschlossen hätten werden müssen. In meinem letzten Blogeintrag hab ich diese Aussage zerlegt – sinnerfassend lesen will gelernt sein.

An dieser Stelle möchte ich wieder einmal betonen, dass ich weder Arzt noch Sozialwissenschaftler bin. Ich bezeichne mich als Citizen Journalist, betreibe Recherchen und versuche Anreize zu geben, ebenfalls nachzubohren, gängige Narrative zu hinterfragen. In meiner naiven Vorstellung im ersten Pandemiejahr dachte ich, dass Journalisten meinen Blog als Ausgangsquelle für tiefgründigere Recherchen verwenden könnten, bzw. letztendlich selbst von der erdrückenden Beweislage internationaler Forschung überzeugt werden. Das ist leider nicht passiert. Daher bin ich immer noch aktiv.

Weil es hier um das Thema Depressionen und Suizidversuche geht und das Thema sehr belastend sein kann, wenn man sich selbst in einer emotional und psychisch instabilen Lebenssituation befindet, nachfolgend noch einmal die Kontaktdaten für Krisensituationen:

Wenn es Dir nicht gut geht und Du Suizid-Gedanken hast, rufe hier an:

  • 142 (Österreich, Erwachsene)
  • 147 (Österreich, Kinder und Jugendliche)
  • 143 (Schweiz, Erwachsene)
  • 147 (Schweiz, Kinder und Jugendliche)
  • 116 123 (Deutschland, Erwachsene)
  • 116 111 (Deutschland, Kinder und Jugendliche)
  • bzw. wende Dich an das Kriseninterventionszentrum Österreich bzw. Diakonie (beide auch Fremdsprachen)
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Tag 973: Die Grundsatzfrage: Warum sollen wir uns vor einer Infektion schützen?

Wenn Dein Körper eine Stadt ist, dann ist Covid19 eine Krankheit, die all den Beton und Asphalt in der Stadt angreift. Abbildung aus Salamanna et al. (2020).

Ich versuche hier *noch immer* aufzuklären. Was soll ich auch sonst tun? Fünf Bergwanderungen seit Novemberbeginn. Es ist nicht so, dass ich Tag und Nacht über Covid recherchiere und schreibe und keine *andere* Interessen hätte, wie ich gelegentlich aus dem Umfeld zu hören kriege, als implizite Aufforderung, die Pandemie so zu verdrängen wie man selbst.

Wir müssen reden. Zuvor möchte ich etwas klarstellen: Ich bezeichne mich auf Twitter weiterhin als ZeroCovid-Anhänger im wortwörtlichen Sinn: Es ist auf Dauer besser, keine Infektion zu bekommen als sich zu infizieren und am Langzeitfolgenroulette teilzunehmen – was man selbst nur noch bedingt beeinflussen kann. Der Grundkonsens in der Wissenschaft [und Regierung] sollte lauten: Wir müssen Infektionen verhindern, um Langzeitfolgen zu vermeiden – nicht nur bei Individuen, sondern auch gesamtgesellschaftliche Nachteile wie ein prekäres Gesundheits- und Bildungssystem. Die Zukunft eines funktionierenden Staats hängt von der Gesundheit seiner Kinder ab mit Bildungs- und Chancengerechtigkeit.

Unabhängig von der Pandemie haben wir die Pensionierungswelle der Babyboomergeneration und die “Great Resignation” – vor allem jüngere Arbeitnehmer, die sich nicht mehr ausbeuten lassen wollen, weil sie mit ihrem Verdienst ohnehin nicht mehr den Wohlstand erreichen können, den sie sich erträumt haben. Schwerwiegende Folgen der Pandemie wie die Longcovid-Welle, die zur dauerhaften Invalidität und Absturz in die Armut führen kann, bedrohen eine gesicherte Zukunft zusätzlich. Es ist also zweitrangig, ob man LongCOVID nun aus der schmerzlich vermissten individuellen Perspektive betrachtet, denn über Einzelschicksale ging es in der Pandemiepolitik und Medienberichterstattung in Österreich noch nie, oder aus einer gesamtgesellschaftlichen bzw. wirtschaftlichen Perspektive – Infektionsreduktion bringt uns dem Ziel wesentlicher näher, die vielen gleichzeitigen Krisen besser zu bewältigen.

“Either you set the goal [for ZEROCOVID]… even if you don’t achieve it, you’ve reduced the lifes lost…the alternative is a lesser goal and you still misfire.” (Premierministerin von Neuseeland, Jacinda Arden)

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Tag 966: Hier könnte DEINE Lehre stehen, die Du aus der Pandemie für die Zukunft mitgenommen hast

Datenmanipulation nach schwedischem Vorbild: Seit 02. November 2022 werden sogenannte “Post-Covid”-Patienten, die auch nach 14 Tagen immer noch im Spital liegen, aus der Covid19-Hospitalisierungsstatistik getrstrichen. Die Fallzahlen haben sich dadurch in Wien halbiert. Begründet wurde das laut Pressesprecher von Gesundheitsstadtrat Hacker, Mario Dujakovic, von der Ampelkommission damit, dass “die meisten Bundesländer Post-Covid-Patienten ohnehin gar nicht oder nur unvollständig eingemeldet haben.” Post-COVID-Patienten würden jetzt gar nicht mehr in der Statistik aufscheinen. Egal, ob positiv oder wieder negativ, Covid-Patienten binden Personal.

“Massentierhaltung und Klimakrise haben enorme Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen. Auch die Corona-Pandemie ist ein Resultat der Übertragung eines Virus von Tier zu Mensch. Wir müssen weg von der Reparaturpolitik – hin zu einem nachhaltigen, umfassenden Ansatz, der alle Bereiche miteinschließt und diese Wechselwirkungen zwischen Mensch, Tier und Umwelt versteht.” (Gesundheitsminister Rauch, 03.11.22)

Wenn uns die Pandemie eines gelehrt haben sollte: Prävention ist nachhaltiger als Reparaturmedizin. Ein Mensch, der Covid19 erkrankt, dessen Nerven, Gefäße und Gehirn irreparabel geschädigt werden, wird nicht mehr die gleiche Lebensqualität und -erwartung wie vor der Infektion erlangen. Jede verhinderte Infektion verhindert auch langwierige Verläufe und notwendige Reparaturmedizin, die nurmehr selten 100% wiederherstellen kann.

Meine Lehren aus der Pandemie:

  • Wenn ich schon vor Jahren gewusst hätte, wie gut FFP2-Masken vor Infektionen schützen, hätte ich in Öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Arzt im Wartezimmer immer eine getragen, jedenfalls zur klassischen Erkältungszeit. Das hätte mir wochenlange Krankenstände bzw. verringerte Leistungsfähigkeit erspart. Ich werde Masken jedenfalls weiter tragen, bis auf weiteres ganzjährig.
  • Ich habe zu wenig auf meine Gesundheit geachtet, und gleichzeitig nie darüber nachgedacht, dass mein grippaler Infekt und die Viren, die ich aushuste, Menschen mit Immunschwäche gefährden könnten. Vielen sieht man ihnen ihre Immunschwäche ja nicht an. Zwar war ich auch schon vor der Pandemie nie derjenige, der unbedingt krank arbeiten gehen musste, was mir nicht nur Vorteile eingebracht hat, aber jetzt sehe ich es noch weniger ein, mich (und andere) zu gefährden, sondern ich schätze die Lebensqualität noch mehr als vorher.
  • Vor der Pandemie war ich nie Grippe impfen, jetzt bin ich auch durch die MECFS/LongCOVID-Berichte wesentlich demütiger und vorsichtiger geworden. Ich gehe jährlich Grippe impfen und würde nicht mehr so töricht mit nicht auskurierter Infektion wieder Sport treiben wie früher. Schonung für den Körper ist wichtig.
  • Viele Menschen hatten schon vor der Pandemie eine sozialdarwinistische Einstellung, stark beeinflusst von Esoterik und Neoliberalismus. Starkes Immunsystem schützt. Ich hatte diese Ansicht am Anfang der Pandemie auch, musste mich aber von dieser Vorstellung verabschieden, als die ersten Longcovid-Berichte eintrudelten von fitten Leistungssportlern. Vielleicht bin ich im Denken flexibler, wobei das höchst ironisch ist, weil ich normalerweise recht lange als Autist brauche, Veränderungen anzunehmen. Bei wissenschaftlichen Fakten geht es aber meistens schneller als bei persönlichen Veränderungen.
  • Der sogenannte Qualitätsjournalismus hat bei wissenschaftlichen Fakten vollkommen versagt. Vor der Pandemie war ich regelmäßiger Ö1-Hörer, FALTER-Leser und kaufte auch regelmäßig STANDARD und PRESSE. Mittlerweile les ich nur noch ausgewählte Zeitschriften wie DATUM, DOSSIER oder einzelne ausgewählte Artikel. Nachrichten sind unerträglich geworden.
  • Alle Parteien kann man auf den Mond schießen. Die Grünen haben sich 2022 entzaubert durch ein Gespräch mit einem Mitarbeiter aus dem Kabinett Kogler. Esoterischer Flügel, aber im Kern neoliberal wie ihr Koalitionspartner ÖVP. Wirtschaft über Gesundheit. Sie wussten sehr wohl Bescheid über LongCOVID, sind selbst vorsichtig, aber informieren die Bevölkerung falsch, sahen Kinder stärker durch Maßnahmen belastet als durch Krankheit und Verlust von Angehörigen.
  • Besonders enttäuscht bin ich von den (roten) Gewerkschaften, die seit Ende des ersten Lockdowns schwurbeln, sich gegen Impf-, Test- und Maskenpflicht werten, und selbst bei Betriebsversammlungen nach Schlupflöchern suchten, keine Maßnahmen anwenden zu müssen. Das ist exkludierend. Mit “Sozialpartnerschaft” hat das nichts mehr zu tun.
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Tag 960: Ohne Aufklärung keine demokratischen Entscheidungen

Techniken der Wissenschaftsleugnung (PLURV), Quelle: Skeptical Science

“Die Entscheidung für den Umgang mit Covid trifft niemand einzeln, sondern die Gesellschaft demokratisch. Ob es uns passt oder nicht. In diesem Kontext wirken viele Massnahmen nur noch wenig, man hat sich für die regelmässige Durchseuchung entschieden.”

Molekularbiologe Ulrich Elling, 31.10.22 (Twitter)

Österreich ist im Pressefreiheitsindex 2022 um 14 Plätze abgestürzt und liegt nun auf Platz 31. Seit Pandemiebeginn habe ich durch unzählige Faktenchecks und meine Zitatsammlung ausreichend dokumentiert, dass in Österreich wesentliche Informationen zu Übertragungsrisiko, Erkrankungsrisiko, Zugehörigkeit zur Risikogruppe, LongCOVID und Impfwirksamkeit unzureichend oder falsch an die Bevölkerung kommuniziert wurden. Wie erklärt sich sonst, dass bei Behörden, in Hotels, in der Kirche und sonstigen öffentlichen Gebäuden meist ein obligatorischer Desinfektionsspender steht, aber keine Empfehlung oder Pflicht zum Maske tragen? In steirischen Verkehrsbetrieben wird durchgesagt, sich ausreichend die Hände zu desinfizieren, weil das Virus über “Tröpfchen” übertragen werde.

Seit Welle zwei höre ich die Frage, warum man nicht einfach mehr Spitalspersonal ausgebildet hat, wenn es so viele Engpässe gibt? Das hat natürlich mit den Arbeitsbedingungen zu tun, mit fehlender Worklife-Balance, Gehältern, aber auch neoliberalen Management, wo es um Wirtschaftlichkeit und Prozessoptimierung geht, und übersehen wird, wie wichtig das persönliche Gespräch zwischen Arzt, Pflegekraft und Patient für den Genesungsverlauf ist. Zudem herrscht die irrige Annahme, dass man die Infektionswellen mit größeren Kapazitäten besser bewältigt hätte. Ich nenne dann als Beispiel oft das Gesundheits- und Tourismusministerium, die im Sommer 2021 der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) den Auftrag gaben, zu modellieren, wie viele Infektionen man zulassen könne, bis die Intensivstationen kollabieren. Selbst wenn man aus Osteuropa oder Asien quasi über Nacht hunderte Pflegekräfte eingeschifft hätte, um die Kapazitäten zu erweitern, hätte man höchstens eine noch höhere Welle toleriert, damit die Wirtschaft ungestört brummen kann, und hätte dann genauso in den Lockdown gehen müssen.

In Summe fehlt es in Österreich an Medienkompetenz, wissenschaftlichem Verständnis (v.a. Statistik, relative und absolute Zahlen) und Fehlerkultur, (selbst)kritischem Hinterfragen von gemachten Aussagen und Einschätzungen. Wer auf Basis von Desinformation Entscheidungen trifft, die das Gemeinwohl ignorieren, der handelt nicht demokratisch.

In der schweizerischen Bundesverfassung steht in der Präambel “Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen”. Gesundheitsminister Rauch und das Kabinett Kogler haben wiederholt die Schweiz als Vorbild für die österreichische Pandemiepolitik herangezogen.

Der Leitsatz in der Präambel wird in der Schweiz mit Füßen getreten, wie Michael Wiesmann hier ausführt. In Österreich gibt Rauch nicht einmal vor, sich an diesen zu halten, sondern legitimiert die menschenverachtende Geisteshaltung der Maßnahmengegner, Maskenverweigerer und Verschwörungsideologen:

“Trotzdem kann ich die Maßnahmenplanung nicht ausschließlich daran ausrichten, was für die am meisten gefährdete Gruppe gerade notwendig ist” (Minister Rauch im Standard-Interview, 10.03.22)

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Tag 957: Health Supremacy, Twitter und Endemie

Oberer Klaftersee in den Schladminger Tauern, 23. Oktober 2022, deutliche Plusgrade selbst auf 2600m Höhe

Der Arsch hat also Twitter gekauft. Für 44 Milliarden Euro. Dem reichsten Mensch der Welt gehört nun Twitter, dem zweitreichsten die Washington Post, dem fünftreichsten Facebook, Instagram und Whatsapp. Rechte nutzen besonders gerne Telegram und Tiktok gehört China. In Österreich stellt die ÖVP im ORF-Stiftungsrat die Mehrheit. ORF-Landesstudios sind genauso wie Lokalzeitungen meistens schwarz gefärbt. Missliebige Chefredakteure wurden mit der zwielichten Machtergreifung von Kurz ausgetauscht und durch konservativ-libertäre ersetzt. Egal, wie man es betrachtet – die Entwicklung der freien Medien sieht eher düster aus, wenn Parteien und Oligarchen bestimmen, was geschrieben werden darf.

Wie tun wir jetzt mit Twitter weiter? Aus Protest Twitter verlassen, aber wohin? Ein Teil wandert zum dezentralen und nicht ganz so leicht verständlichen Mastodon-Netzwerk ab, aber eben nur ein Teil. Muss man jetzt immer beide Plattformen bespielen, wenn man seine “Herde behalten will? So einfach ist das nicht, zeitaufwändiger wird es jedenfalls.

Ich bleibe aus zwei gewichtigen Gründen: Ein riesiges Problem in den letzten Jahren ist, dass rechte Populisten wesentlich geschlossener auftreten und das Internet besser zu nutzen wissen als die “Linken”. Die Vernunftbegabten teilen sich oft in viele Gruppen auf und reiben sich an Differenzen, obwohl sie im großen und ganzen einen ethischen Grundkonsens teilen. Die Demokratiezerstörer sind lachende Dritte und gewinnen Wahlen um Wahlen bzw. sorgen mit Drohkulisse dafür, dass ihre Inhalte zunehmend übernommen werden (siehe MFG, Grüne gegen Impfpflicht, Afd). Wenn jetzt die vernünftigen und gemäßigten alle gehen, aber nicht geschlossen zur nächsten Plattform, sondern sich zerstreuen, haben die Bösen praktisch kampflos ein mächtiges Kommunikationstool erobert, wo sie unter sich sind und sich weiter radikalisieren können. Das dürfen wir nicht zulassen, uns selbst weiterzuschwachen. Ich sage also, standhaft bleiben, solang die Vernunft, Demokraten, Antifaschisten, etc. die Mehrheit bilden.

Der zweite Grund ist der Wissensschatz der anderen User auf Twitter. Nirgendwo werde ich so gut und seriös informiert wie hier. Twitter ist nicht per se schlecht, man braucht eine gewisse Medienkompetenz für die Inhalte wie für jedes Medium. Voraussetzung für meinen Blog sind Informationen direkt von der Quelle, also von Forschern und wissenschaftlichen Autoren, die man direkt anschreiben kann. Sie alle übernehmen für einen Laien wie mich den “Peer Review”, d.h., sie sichten neue Veröffentlichungen, Preprint oder offiziell peer-reviewed, und interpretieren die Ergebnisse, hinterfragen Methoden und stellen Kontext her. Ohne deren Vorarbeit und ständigen Austausch hätte ich den Blog niemals in der bestehenden Tiefe betreiben können.

Natürlich gibt es auch noch eine persönliche Note, denn der Austausch mit Gleichgesinnten tut gerade in diesen Zeiten seelisch enorm gut. Es ist wichtig, sich zu klarzumachen, dass es immer richtig sein wird, sich nicht mit einer potentiell schweren Infektionskrankheit zu infizieren, und den Kontakt mit dem Antigen durch wiederholte Impfungen vorzuziehen. Eine Followerin brachte es mit einem treffenden Vergleich aus dem Star Trek Universum auf den Punkt:

“Die Schiffsärztin Crusher bemerkt, dass dauernd Menschen vom Schiff verschwinden, bis sie letztlich alleine ist. Sehr weird! Sie stellt dem Schiffscomputer viele Fragen, nix Vernünftiges, vielleicht ist sie verrückt geworden.. bis sie sich fragt: Was ist, wenn mit mir alles in Ordnung ist und mit dem Universum stimmt etwas nicht?! Bingo!

Sie befiehlt dem Schiffscomputer: Beschreibe das Universum!

‘Das Universum ist ein Sphäroid mit 500 km Durchmesser und ist dabei zu kollabieren.

– Sie war in einem Minischwarzloch gefangen, das bei einem Experiment entstand – und natürlich findet sie den Weg zurück auf die echte Enterprise.

Fazit: Nicht immer hat die Mehrheit Recht.. Selbst wenn man sich zunehmend einsamer fühlt, könnte man auf dem richtigen (ja, das ist auch ein Defintionsfrage) Weg sein.”

Ich werde also (vorerst) bleiben und weiter meinen Weg gehen – aufklären, andere warnen, und (nicht nur) über Pandemie und Klimanotstand twittern und bloggen, egal welcher Vollkoffer gerade am Ruder steht.

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Tag 945: Gaslighting

Raman et al., Long COVID: post-acute sequelae of COVID-19 with a cardiovascular focus (18.02.22)

Da löst eine einflussreiche WELT-Journalistin einen Shitstorm gegen eine LongCOVID-Betroffene und Kollegin von einem anderen Blatt aus, die ihrer Meinung nach nicht krank genug ist, um glaubwürdig zu sein. Wie muss man sich denn verhalten, um glaubwürdig schwerkrank zu sein? Viele LongCOVID/MECFS-Betroffene sind ohnehin hausgebunden oder gar bettlägerig. Leichtere Verläufe können sich dahingehend äußern, dass noch Teilzeit- oder Homeoffice-Arbeit möglich sind. Dürfen sich Betroffene nicht hübsch machen? Sich nicht gutes kochen oder etwas gönnen? Jede “Belohnung” ist ein Lichtblick in einem Leben, das überwiegend von der chronischen Erkrankung bestimmt wird – nicht nur bei LongCOVID übrigens. Manchen Betroffenen sieht man auch gar nicht an, dass sie schwerkrank sind – etwa beim dauerhaften Verlust des Geruchs- und Geschmacksinns. Für einen Koch genauso existenzvernichtend wie für Flugbegleiter, die keinen Brandgeruch mehr in der Kabine wahrnehmen können. Dazu kommt ein erheblicher Verlust an Lebensqualität, speziell wenn noch eine Parosmie vorhanden ist, also Lebensmittel nach verfaultem oder verschimmeltem riechen bzw. schmecken.

Ich schrieb mal, dass die Regierung das große “Glück” habe, dass die Covid19-Pandemie nicht so entstellend wie Polio oder Affenpocken wären. Denn dann könnte man die schiere Menge an Betroffenen nicht mehr verleugnen. So arbeiten LongCOVID-Betroffene mit leichteren Verläufen vielfach weiter und reden nicht drüber, entweder weil sie ihre Einschränkungen nicht in Zusammenhang mit LongCOVID bringen, oder weil sie berechtigte Angst haben, den Job zu verlieren. Schwerer Betroffene sind hingegen meist nicht mehr im öffentlichen Raum anzutreffen und daher unsichtbar. Jene, die sich selbst oder ihr betroffenes Kind mit Rollstuhl in die Öffentlichkeit wagen, steht nicht LongCOVID auf die Stirn geschrieben. Dann wiederum sorgt oft mangelnde Barrierefreiheit im öffentlichen Raum dafür, dass sie kaum wahrgenommen werden. So oder so ist das wahre Ausmaß von LongCOVID in der Bevölkerung immer noch nicht angekommen.

„Obwohl wir die Tendenz vermutet hatten, waren wir doch sehr erstaunt, wie viele jüngere Personen mit zunächst unkomplizierter akuter SARS-CoV-2-Infektion ein Risiko für Long Covid haben.“ Studienleiter Prof. Dr. Winfried Kern, Klinik für Innere Medizin II der Uniklinik Freiburg

Peter et al., Post-acute sequelae of covid-19 six to 12 months after infection: population based study (13.10.22)

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Tag 942: Kampf gegen die Desinformation

Zahl der Patienten im Krankenhaus in Österreich seit Pandemiebeginn – mit der jeweiligen Virusvariante, Das sind nur Covid19-Patienten. Dazu kommt der massive Personalmangel durch covidkranke Mitarbeiter (oft 2 Wochen lang), Pflegefreistellung wegen kranker Kinder und andere Aufnahmegründe (“Kollateralschäden”). Quelle: Our World in Data, 12.10.22

Nur ein Beispiel für den aktuellen Zustand des österreichischen Journalismus. Der ORF schreibt über “Erkältungssaison trifft auf CoV-Herbstwelle” und bemüht dabei wissenschaftsfeindliche bzw. faktenwidrige Argumente, um offenbar mit Biegen und Brechen den “günstigsten Fall” des Variantenmanagementplans herbeizureden. Wir erinnern uns – die Expertinnen und Experten der Future Operations haben mit ihrem Arbeitspapier die Vorarbeit für die Verharmlosung der OMICRON-Varianten geleistet.

Im Originaltext um 08 Uhr MESZ standen diese beiden Sätze:

“Für Optimismus sorgt bei den Experten jedenfalls, dass neben der derzeit dominanten Omikron-Subvariante BA.5 kaum andere – und schon gar keine neuen – Varianten in Sicht sind.”

“Auch wird auf andere Länder verwiesen, die keine Maskenregelungen mehr haben, auch weil unklar sei, was die Maske in der Pandemiebekämpfung insgesamt bringt.”

Nach massiver Twitterkritik wurde der Text um 10:30 Uhr erstmals abgeändert:

Für Optimismus sorgt bei den Experten jedenfalls, dass neben der derzeit dominanten Omikron-Subvariante BA.5 kaum andere in Sicht sind. Unter Beobachtung steht die BA.5-Subvariante BQ.1.1.

“Auch wird auf andere Länder verwiesen, die keine Maskenregelungen mehr haben, auch weil unklar sei, was eine Maskenpflicht in punktuellen Settings in der Pandemiebekämpfung insgesamt bringt.”

Um 11:55 Uhr wurde erneut nachgebessert:

“Auch wird von Kritikern auf andere Länder verwiesen, die keine Maskenregeln mehr haben. Während die Maske unbestritten individuellen Infektionsschutz bietet, sei – so die Kritik – nicht ganz klar, was eine Maskenpflicht in punktuellen Settings in der Pandemiebekämpfung insgesamt bringe.”

Wie sie es auch schreiben – es ist falsch. Ich teile die Ansichten von ORF-Politikchef Bürger vielfach nicht, aber hier sprach er viel aus, was man sich als Bürger lange dachte:

“Das war für mich sicherlich die schwierigste Zeit im Unternehmen. Der ORF hat irgendwann einmal klargemacht – nicht nur der ORF, auch die Opposition am Anfang –, dass wir die Gesundheitspolitik der Bundesregierung nicht ganz groß infrage stellen. (…)”

Das Interview vom 15.09.22 ist mir offenbar entgangen.

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Tag 935: Wahrnehmungsstörungen

Normalbettenkapazitäten, Stand 06.10.2022

Österreich führt derzeit nicht nur in Europa, sondern weltweit die Infektionszahlen an. Laut den Gensequenzen von Bergthaler und Elling wird die aktuelle Welle zu 95% von BA.5+R456T getrieben. R456T ist eine Spike-Mutation, die auch bei anderen Varianten (z.B. BA.4.6) auftritt und mit Immunflucht verbunden ist. Die ohnehin hochinfektiöse BA.5-Virusvariante, die auch zu einem gewissen Teil für Reinfektionen bei jenen sorgt, die im Frühjahr BA.1 oder BA.2 hatten, kann damit noch leichter den Antikörperschutz durch Infektion und/oder Impfung umgehen.

Warum gerade Österreich? Immerhin wird nicht nur viel getestet im Vergleich zu anderen Ländern, sondern auch die Positivraten schießen durch die Decke. Epidemiologe Zangerle hat sich dieser Frage bereits in seiner letzten Seuchenkolumne gewidmet. Mein Senf dazu wäre: Die verharmlosende Saat aller (!) Parteien in Österreich ist aufgegangen. Die weiterhin obrigkeitshörige Bevölkerung hinterfragt die Maßnahmenpolitik nicht. Wenn ab Wiener Stadtgrenze stadtauswärts keine Maskenpflicht mehr gilt, kann man sie auch im Wienerwaldtunnel schon abnehmen. Die roten Gewerkschaften schweigen, am Land hat die Pandemie nie existiert. Unverhältnismäßig viele Menschen sind trotz Symptomen ohne Maske unterwegs und gefährden andere. Davon sind wahrscheinlich viele ungetestet, auch mangels PCR-Testmöglichkeit abseits von Wien. Dass erneute Covid19-Infektionen auftreten können, ist ebenso unbekannt wie das LongCOVID-Risiko nach Impfung und Infektion. Meiner Beobachtung nach ignorieren auch viele ältere Menschen, die man zur vulnerablen Gruppe zählen würde, ihr eigenes Erkrankungsrisiko, leben und verhalten sich wie vor der Pandemie. Problematisch sind hier vor allem die mageren Impffortschritte bei der vierten Impfung. Viele Dreifachgeimpfte, die es bis hierher ohne Infektion geschafft haben, infizieren sich gerade kurz vor ihrem BA.5-Variantenboostertermin. Zudem ist auch bei Kindern und Jugendlichen die Durchimpfungsrate weiterhin gering – sie verharrt seit Monaten bei 22% für zwei Stiche und sogar nur bei 6,5% für drei Stiche. Ohne jegliche Schutzmaßnahmen wird sich ihre Impfrate auch kaum erhöhen, weil sie sich in kürzeren Intervallen erneut infizieren. Das treibende Bundesland in Österreich ist derzeit Oberösterreich, wo jeder zweite bis dritte PCR- und Antigentest positiv ausfällt. Dort ist das Schwurbeltum besonders ausgeprägt, Sprenger tourt mit rechtsextremen TV-Sendern, aber auch mit der SPÖ durchs Bundesland.

Obwohl nicht nur die Infektionszahlen rasch steigen, sondern auch die Spitalszahlen, kommen keine neuen Maßnahmen. Der Grund ist so banal wie opportunistisch: Am 9. Oktober ist die Wahl des neuen (alten) Bundespräsidenten. Nächstes Jahr finden außerdem in Niederösterreich Landtagswahlen statt, die ÖVP könnte die absolute Mehrheit verlieren und die Schwurbelpartei MFG einziehen. Polaschek und Rauch haben seit Amtsantritt offenbar beide beschlossen, die Pandemiewellen auszusitzen und machen einfach nichts. Zum Sinneswandel von Rauch vor und nach Amtsantritt habe ich am 21.06.22 gebloggt. Zum mangelnden Vertrauen in die Politik schrieb Jurist Nikolaus Forgó am 06.10.22 einen Gastbeitrag im STANDARD.

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