Tag 774: Schwere Hepatitisfälle bei Kindern – Folge von Covid19?

Folgen des Multientzündungssyndrom bei Kindern (MIS-C)

Unabhängig davon, welche Erklärung für die aktuelle Häufung von „schweren Hepatitisfällen unbekannter Ursache“ bei Kindern derzeit gefunden wird, läuft die Diskussion schon wieder sehr tendenziös ab. Der Elefant im Raum ist wieder einmal die Covid19-Infektion von Kindern. Nachdem in jenen Ländern, wo derzeit die meisten Hepatitisfälle auftreten, die wenigsten nichtpharmazeutischen Maßnahmen (Masken, Impfungen) für (Klein-) Kinder in Kraft waren, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine akute oder langfristige Covid-Folge handelt. Stattdessen wird von zahlreichen Medien spekuliert, es läge an der verringerten Exposition gegenüber anderen Erregern durch die vielen Lockdowns.

Die erste Frage müsste aber lauten: Kann das eine direkte Covid19-Folge sein? Doch was würde das bedeuten, wenn diese Frage bejaht werden müsste? Dann stünden die Regierungen und die Gesundheitsbehörden in der Verantwortung, warum sie die Durchseuchung der Kinder zugelassen haben. Auffallend ist bisher nämlich auch, dass die betroffenen Kinder nicht geimpft waren.

Ich argumentiere hier jetzt nicht pro Covid19-Folge, weil das Spekulation ist. Ich argumentiere aber auch nicht contra Covid19-Folge, weil das ebenfalls Spekulation ist. Ich argumentiere überhaupt nicht, weil ich kein Arzt bin und kein Virologe. Mein Beitrag hier ist eine Zusammenfassung dessen, was Virologen, Kliniker und andere Experten bisher wissen und zusammengetragen haben. Mein Appell ist nur, wachsam zu bleiben und sich nicht ablenken zu lassen, wenn die naheliegendste Frage ist: Ist es eine Folge von Covid19, was spricht dafür, was spricht dagegen?

Weiterlesen

Tag 770: Die vergessenen Toten

Am 20. April 2022 nachgemeldete Todesfälle aus den Pandemiejahren 2020 und 2021, Grafikquelle: @zeitferne (Twitter)

Ich schreibe hier oft über die Lebenden und Überlebenden, aber selten über die Toten. Colette M. Schmidt hat kürzlich erneut die vulnerablen Menschen in Österreich thematisiert, die von der aktuellen Pandemiepolitik ausgegrenzt werden. LongCOVID wird nach weltweit übereinstimmenden Erkenntnissen die neue Volkskrankheit, als Berufskrankheit gleichermaßen für Erwachsene und Schüler, aber auch für die Kleinsten, die sich mangels Schutzmaßnahmen im Kindergarten infizieren. Leider sind unter LongCOVID-Betroffene auch Geimpfte. Die weltweit, bis auf wenige Ausnahmen, zugelassenen hohen Fallzahlen sorgen für die Entwicklung weiterer Fluchtvarianten, aktuell BA.4/BA.5 in Südafrika, die Zukunft ist ungewiss, die Schwere künftiger Varianten bleibt unberechenbar. Covid19-Infektionen bei Kindern können Folgeuntersuchungen beim Kardiologen nach sich ziehen, etwas, das nach regelmäßigen Erkältungen normal nicht der Fall ist. Veränderte QT-Intervalle kennt man sonst vor allem nach der Einnahme von Psychopharmaka, sie können gefährliche Herzrhythmusstörungen und plötzliches Herzversagen verursachen. Eine andere Folgeerscheinung, bei der ein Zusammenhang mit Covid19 naheliegend ist, ist die aktuelle Häufung von Hepatitisfällen bei Kindern. Und so weiter und so fort. Die Liste der möglichen Spätfolgen bei den Covid19-Überlebenden ist lang und schauderhaft. Doch was ist mit den Toten? Und wie vertrauenswürdig ist eigentlich die Statistik in Österreich?

Weiterlesen

Tag 767: Neue Varianten und weshalb ZeroCOVID nicht gescheitert ist

„I do not comply!“

Es fällt mir schwer, mit der aktuellen Infektionslage so zu leben wie mit der Grippe. Die Grippe ist weit weniger ansteckend und verursacht weniger Langzeitfolgen als SARS-CoV2, zudem ist die Inkubationszeit deutlich kürzer – es fällt leichter, sich von infizierten Personen mit Symptomen fernzuhalten. Jemand mit hohem Fieber und Halsweh würde wahrscheinlich auch eher zuhause bleiben statt eine Feier zu besuchen. Bei SARS-CoV2 beträgt die Inkubationszeit aber weiterhin drei bis vier Tage und vor allem Ungeimpfte, das sind über ein Viertel der Gesamtbevölkerung und mehr Dreiviertel aller Kinder und Jugendlichen, sind ansteckend, bevor sie Symptome zeigen.

So nahm die Pandemie ihren Lauf und so köchelt sie weiter dahin. Jede Woche erwischt es wieder jemanden, jede Woche stecken sich Menschen im Krankenhaus an, wohin sie gingen, um gesund zu werden. So absurd scheint diese relativierende Argumentation, zu glauben, es wäre besser, zufällig positiv getestet werden als wegen Covid im Spital zu landen. Denn Covid19 kann bestehende Grunderkrankungen verschlechtern, zur Absage von Operationen führen. Besser gar nicht erst infizieren. Absurd ist zudem so zu tun, als ob die Pandemie gerade Pause machen würde und erst im Herbst wieder Thema sein würde. Trotz fallender Inzidenzen sind sie immer noch um ein Vielfaches höher als im Vorjahr, dazu kommt der angekurbelte Reiseverkehr. Umso genervter bin ich, wenn ich mich ständig rechtfertigen muss, nicht alle Lockerungen mitzumachen.

„Wenn Du vier Mal geimpft bist, brauchst keine Maske mehr tragen.“

„Warum kommst Du nicht auf die Feier? Willst Du jetzt zwei Jahre lang daheim bleiben?“

Ich hoffe immer noch auf einen angepassten Impfstoff und die neue Generation an Impfstoffen, die besseren Schleimhautschutz bietet, denn ich weiß genug über das Virus, um es trotz Impfung nicht zu unterschätzen. Da zählen auch die Folgen einer hohen Virusdosis in geschlossenen Räumen über mehrere Stunden mit vielen Personen und hoher Lautstärke. Das ist mir noch zu riskant unter den jetzigen Bedingungen. Lieber verzichte ich weiter – man kann übrigens im Sommer auch wunderbar Aktivitäten und Veranstaltungen ins Freie verlegen – und investiere zwei weitere Jahre in den Verzicht als mir durch eine unbemerkte Herzmuskelentzündung oder andere Sekundärerkrankungen eine chronische Verschlechterung der Lebensqualität über Jahrzehnte zuzuziehen. Ich begebe mich nicht absichtlich in ein erhöhtes Risiko, wenn es Alternativen gibt. Das betrifft nicht nur Covid. Die Maske stört mich übrigens nicht.

Weiterlesen

Tag 764: Faktencheck Epidemiologe Gartlehner, zib2 (14.04.22)

Quelle: Josh Trebach, @jtrebach (Notarzt)

Das ZiB2-Interview von Margit Laufer mit Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Uni Krems am 14. April 2022 (ORF-Transkript) markiert einen weiteren traurigen Höhepunkt in der Pandemieberichterstattung in Österreich. Ein Paradebeispiel für PLURV (Desinformation) und zudem ein weiterer Rückschritt in der Aufklärung über Grundlagen zu SARS-CoV2. Wie wird es übertragen, wie gefährlich ist es für Kinder, welche Langzeitfolgen drohen und wie geht es weiter? Gartlehner ist auch ein gutes Beispiel für „Mixed Messages“: Fakten werden gemischt mit Desinformation, sodass für Laien nicht mehr erkennbar ist, was Tatsachen sind und was Behauptungen. In meiner Zitatsammlung zieht sich diese Verwirrungsmethode durch die ganze Pandemie.

Weiterlesen

Tag 760: Ausblick: Wie geht es weiter?

So wenig Flugverkehr wie im April 2020 wird es nie mehr geben. Vor wenigen Tagen wurde der höchste Wert an Flugbewegungen seit Beginn der Pandemie erreicht, etwa 80% des Vorkrisenniveaus.

Parallelen des Krieges zur Pandemie:

„Das ist nur eine Drohkulisse. Die werden nicht einmarschieren!“

„Das ist nur amerikanische Propaganda. Putin beginnt keinen Krieg.“

„Putin ist ja verrückt. Der hat sich zu lange isoliert und den Bezug zur Realität verloren!“

„Die Mehrheit der Russen ist gegen den Krieg.“

„Die Sanktionen werden rasch wirken, die Russen machen das nicht lange mit.“

„Ukraine kann gegen die Übermacht nichts ausrichten. Das ist in wenigen Tagen vorbei.“

„Putin wird von innen gestürzt.“

„China wird Russland kaum unterstützen, sie brauchen den Handel mit dem Westen.“

Pandemie im Schnelldurchlauf (viel Unsinn, wenig Substanz und ignorierte Substanz)

Putins Russland hat die Veränderung der Weltmachtsituation schon seit mindestens 20 Jahren geplant. Weder der Krieg in Tschetschenien, Georgien noch die Besetzung der Krim 2014, noch die Morde an Oppositionellen haben den Westen daran gehindert, mit Russland Geschäfte zu machen und die Öl- und Gasabhängigkeit auszubauen. „Don’t look up!“ Russland dachte langfristig und hat jahrelang rechte Parteien im Westen finanziell unterstützt. Die Wahlerfolge in Großbritannien mit BREXIT und in den USA mit Trump, wo die Beziehungen zu Russland kaum verborgen wurden, aber auch die Unterstützung der Rechten in Österreich oder Deutschland. Zuletzt die Rolle in der Pandemie, wo zufällig Great-Barrington-Vertreter auch Russlandversteher sind, etwa die mächtigen Koch Industries, die seit zwei Jahren die Pandemiefolgen verharmlosen und gegen die Impfung agitieren.

Weiterlesen

Tag 757: Wie groß ist der Einfluss von Rechts?

Franz Allerberger war von 2003 bis August 2021 Leiter der Öffentlichen Gesundheit der AGES

Aus aktuellem Anlass eine kleine Rückschau – wir wollen ja nicht die Verdienste längst pensionierter Persönlichkeiten der letzten zwei Pandemiejahre vergessen. Der Anlass ist ein Beitrag des ORF-Wirtschaftsmagazins ECO zu einer umstrittenen Personalentscheidung der AGES. Die AGES wollte nämlich eine Pharmalobbyistin zur Medizinmarktaufsicht machen. Neben dem offensichtlichen Interessenskonflikt hätte sie als Abgesandte in die EMA auch kein Stimmrecht gehabt, weil um dieses ausüben zu dürfen, darf man wenigstens drei Jahre lang nicht mehr in einem Pharmaunternehmen gearbeitet haben. Gesundheitsminister Rauch ist eingeschritten und hat zwei Tage vor ihrem Dienstantritt die Bestellung abgesagt.

ECO-Recherchen sind ein Jahr nach mir darauf gekommen, dass der aktuelle Geschäftsführer der AGES, Thomas Kickinger, Mitglied der Burschenschaft „Oberösterreicher Germanen Wien“, Teil des WKR, angehört. Der Aufsichtsratschef, Kontrollorgan der Geschäftsführung, Arthur Kroismayr, ist zufällig in derselben Burschenschaft und FPÖ-Vizebürgermeister. Die AGES ist zu 100% Eigentum der Bundesregierung, die Geschäftsführer werden von den jeweiligen Regierungsparteien bestellt. Kickinger und Kroismayr kamen auf Bestellung von der damaligen FPÖ-Gesundheitsministerin Hartinger-Klein, der zweite Geschäftsführer kam durch die damalige und heute Landwirtschaftsministerin Köstinger (ÖVP).

Auch die beiden haben Interessenskonflikte vorzuweisen: Kickinger war vor seiner Bestellung als Geschäftsführer zwei Jahre bei Richter Pharma tätig, Kroismayr war jahrelang im Futtermittelgeschäft. Kickinger besitzt zudem eine fragwürdige Doppelfunktion, da er gleichzeitig Bundesamts-Direktor für Ernährungssicherheit ist.

Gelegenheit, ein wenig Revue passieren zu lassen, was die letzten zwei Jahre so geschehen ist:

Weiterlesen

Tag 750: Soll ich mich zum 4. Mal impfen lassen?

Eine süße Katze beruhigt mehr als ein Spritzenbild.

Eine klare Antwort würde klar meine Kompetenz hier überschreiten. Ich kann daher nur versuchen, den aktuellen Wissensstand zu präsentieren, die Faktoren zu nennen, die eine Entscheidung beeinflussen können und einen Ausblick zu geben, wie es weitergeht.

Zusammengefasst hängt es vom Alter, Vorerkrankungen, Infektionsstatus, Abstand zur dritten Impfung und individuellem Befinden ab, und wie man damit umgehen kann, wenn die nächsten Wochen und Monate weitgehend ohne Schutzmaßnahmen stattfinden.

Am Ende des Artikels werd ich meine Beweggründe nennen, weshalb ich mich zum vierten Mal habe impfen lassen, obwohl ich nicht der immunsupprimierten Risikogruppe angehöre.

Weiterlesen

Tag 747: LongCOVID – auch ein schwerer Verlauf

Absurdistan: Eine Selbstdiagnose ist erlaubt, um keine (oder abschwächende) Symptome festzustellen (rechts), eine Selbstdiagnose ist aber nicht erlaubt, um Symptome festzustellen, damit man einen PCR-Test zuhause machen kann. Das ist einfach nur irre!

Ungeachtet des Umstands, dass die Regierung alles falsch macht und die Pandemie für beendet erklärt hat, ist es weiterhin sinnvoll, sich regelmäßig zu testen. Ab 1. April darf man in Österreich nicht mehr als 5 PCR-Tests im Monat abgeben, also einen Test pro Woche pro Bundesland. Da es keinen Abgleich der persönlichen Daten gibt, kann man sich aber auch in einem anderen Bundesland gleichzeitig anmelden und nochmal 5 PCR-Tests abholen und abgeben. Hier kann man etwa die Adresse der Eltern oder des Dienstgebers angeben. Klingt wie Beschiss? Laut Gesetz ist es mit 3 Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen, wenn man infiziert zur Arbeit geht. Eine „Empfehlung“ des Gesundheitsministers kann nicht die StGB außer Kraft setzen. Das trifft auf die vorzeitige Beendigung der Isolation nach fünf Tagen zu, nach der man ohne Freitesten in die Arbeit gehen darf. Ebenso verstößt es gegen alle möglichen Rechte, wenn vulnerable Personen nicht wissen dürfen, ob ihr Umfeld infiziert ist, oder sie selbst infiziert sind, denn sie müssen das rechtzeitig wissen, damit antiviralen Medikamente am besten wirken. Mit 5 PCR-Tests im Monat lässt sich das weder für vulnerable Personen noch ihr Umfeld feststellen. Und auch asymptomatische Infektionen bleiben unter Umständen unentdeckt, wenn die PCR-Tests schon aufgebraucht wurden und Antigentests nicht anspringen. Das kann durchaus schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen, wenn eine Infektion übersehen wird und weiter seinen Alltagsaktivitäten nachgegangen wird. Das gilt auch für vermeintlichen Allergieschnupfen.

Also testet bitte ruhig weiter, nutzt jedes Schlupfloch, das mehr Tests bringt. Die Regierung lügt uns seit zwei Jahren an, was das wahre Ausmaß der Pandemie betrifft, unterschlägt die Gefährdung durch LongCOVID und behauptet ohne Skrupel, dass vulnerable Personen nur im Alten- und Pflegeheim leben würden. Schlechtes Gewissen muss man da wahrlich keines haben, wenn man regelmäßig testet, Maske auch dann trägt, wenn nicht vorgeschrieben, und nicht alles ausnutzt, was erlaubt ist – speziell in Innenräumen.

Über LongCOVID wird immer noch zu wenig gesprochen. Die Studien, die auch nach milden Verläufen schwere Organschäden zeigen, finden kaum in den Medien Platz. Dort, wo sie besonders viele Menschen erreichen könnten, in den TV-Nachrichten, schon gar nicht. Aber auch sonst fehlt es an Informationsfluss, wie man LongCOVID vermeiden kann und was man checken sollte, wenn man eine Infektion überstanden hat. Generell zu kurz kommen die langfristigen Auswirkungen für die Wirtschaft und Gesellschaft, wenn 20% aller Infektionen zu Dauerleiden führen.

Charlie McCone: We need answers to these four long COVID questions (30.03.22)

Weiterlesen

Tag 744: Die Pandemie ist nicht vorbei die x.te

Hospitalisierung pro Million Einwohner in Österreich und Britische Inseln

In UK wurde der Immunisierungsgrad durch Infektion oder Impfung zuletzt mit über 99% angegeben. Die lang ersehnte Herdenimmunität wurde also erreicht, trotzdem beginnt mit BA.2 erneut eine Welle, auch die Hospitalisierung steigt. Wie kann das sein? Auch in Österreich wurde der Immunisierungsgrad neben 53% Boosterquote auf über 85% geschätzt. Nur Immunisierung gegen was? Gegen ALPHA? Gegen DELTA? Gegen BA.1? Wir haben jetzt BA.2 und in vielen Spitälern herrschen Höchststände seit Beginn der Pandemie. Im Gegensatz zur zweiten Welle haben *einige* vom Gesundheitspersonal gekündigt oder sind langzeiterkrankt (LongCOVID), von den verbleibenden Arbeitskräften sind viele in Krankenstand wegen COVID oder betreuen ihre kranken Kinder. Die Normalstationen sind besonders belastet (siehe Faktencheck zu Rauch).

Vergesst das mit der Herdenimmunität! Das war Wunschdenken, ebenso wie die Hoffnung, dass OMICRON nur ein Schnupfen für Geimpfte wäre. Viele Betroffene mit „milden“ Verläufen fragen sich zurecht, was daran mild sein soll, wenn man noch sechs Wochen nach der Infektion beim Stiegen steigen außer Atem ist. Reinfektionen treten bereits vier bis sechs Wochen nach der letzten Infektion aus, bei Ungeimpften sind sie wahrscheinlicher als bei Geimpften, aber die schiere Menge an Neuinfektionen derzeit sorgt dafür, dass es nennenswert viele sind, die das Märtyrium zum zweiten Mal durchmachen.

Ich sags frei heraus: Mich beunruhigt, wie viele in meinem Umfeld mit den „milden“ Verläufen zu kämpfen haben. Stacheldrahtzaun im Hals, Kurzatmigkeit und anhaltende Rückenschmerzen über viele Wochen. An Sport ist nicht zu denken. „Jeder wird es kriegen“ halte ich nicht für erstrebenswert. Man sollte vermeiden, dass man es bekommt – stattdessen gehen die aktuellen Verordnungen dahin, die Infektionsrate weiter zu erhöhen, wenn sich hochinfektiöse Personen ab Tag fünf frei bewegen können, weil sie angeblich oder vorgeblich abklingende Symptome haben. Nicht vergessen darf man, dass dreifach geimpfte Personen weiterhin nicht als Kontaktpersonen zählen, das Virus aber übertragen können. I wü aba ned! Warum werden Menschen angegangen, die sich nicht infizieren wollen oder dürfen?

Warum gibt es derzeit keinen lauten Protest gegen die Pandemiepolitik? Die drohende Abschaffung regelmäßiger Gratis-PCR-Tests gefährdet vor allem immunschwache Personen, die rechtzeitig wissen müssen, ob sie Kontakt zu Infizierten hatten oder selbst infiziert sind. Monoklonale Antikörper wirken beugen nur dann effektiv vor schweren Verläufen, wenn sie frühzeitig verabreicht werden (Stadler et al., 22.03.22), ebenso Paxlovid (siehe Medikamentenbrief).

Weiterlesen

Tag 742: Faktencheck Gesundheitsminister Rauch im Ö1-Morgenjournal, 24.03.22

(Tiefes Seufzen)

Gesundheitsminister Anschober fiel in der ersten und zweiten Welle durch seinen berühmten Stehsatz „Die nächsten zwei Wochen werden entscheidend sein.“ auf. Er wurde in der Ära Allerberger und Schmid (beide AGES) falsch beraten und war dem stetigen Druck der ÖVP, aber auch dem esoterischen Flügel der Grünen ausgesetzt. Sein größter Fehler war, Sozial- und Gesundheitsministerium nicht zu trennen, und gleichzeitig personell deutlich aufzustocken. Der Oberste Sanitätsrat wurde erst ein Jahr nach Pandemiebeginn besetzt, bis dahin und darüber hinaus wurschtelt jedes Bundesland mit eigenen Expertenräten vor sich hin, ja sogar Bildungs- und Gesundheitsminister haben eigene Experten, obwohl das Virus ein- und dasselbe ist.

Gesundheitsminister Mückstein übernahm Anschobers Erbe in der dritten Welle (ALPHA), sein Stehzeit war „Meine Aufgabe als Gesundheitsminister ist es, erst dann einzugreifen, wenn die Intensivstationen überlastet sind.“ Von Beginn an trug er alle gemeinsam beschlossene Maßnahmen mit und ließ die Kinder außen vor. Für LongCOVID/MECFS hat er nichts mehr getan, erhöhten Forschungsbedarf abgelehnt. Zum Abschied unterzeichnete er die Verordnung für den „Freedoom Day“ und schied angeblich wegen den ununterbrochenen Bedrohungen durch militante Leerdenker aus. Tatsächlich wurde der interne ÖVP-Plan, Mückstein abzusägen, schon Wochen vorher durch einen FPÖ-Politiker geleakt.

Gesundheitsminister Rauch aus Vorarlberg übernahm inmitten hoher Fallzahlen und setzte gleich klare Akzente, dass er den Kuschelkurs mit der ÖVP fortsetzen würde. Er betonte die Wichtigkeit von Kompromissen, von den Landeshauptleuten mitgetragenen Entscheidungen und die Nachvollziehbarkeit gesetzter Maßnahmen. Kurzum – die Fortführung aller Fehler im Umgang mit der Pandemie, denn das mit BA.2 inzwischen hochansteckende und den Immunschutz umgehende Virus, das außerdem Kinder stärker betrifft als die vorherigen Varianten, verhandelt nicht und scheißt auf Kompromisse.

Nachfolgend ein Faktencheck von Rauch im Ö1-Morgenjournal. Normalerweise sollte ein Faktencheck als Truth Sandwich erfolgen. Da es sich aber um einen verantwortlichen Minister handelt, lasse ich die Aussagen in direkter Rede stehen – das wird später einmal die Gerichte beschäftigen.

Weiterlesen