Tag 445: Späte Erkenntnis

Geruchstest für Covid19-Infizierte: Die Purpur-Schwarzwurzel (Scorzonera purpurea) riecht nach Kakao (daher auch Kakaoblume genannt) –Im Gegensatz zur Grippe ist bei Covid19 oft keine Wahrnehmung von süß und bitter möglich

Michel Reimon, einer der prominentesten grünen Politiker, hat sich gestern als LongCOVID-Betroffener geoutet und damit die immune Grundnaivität der grünen Abgeordneten entlarvt. Die burgenländische Landtagsabgeordnete Regina Petrik: „Wir müssen dieses Virus noch viel ernster nehmen, als wir dachten.“ und Stefan Wallner, Kabinettschef von Vizekanzler Kogler: „Viele von uns unterschätzen das.“ Aussagen, die man als symptomatisch für das grandiose Fehlversagen im Gesundheitsministerium betrachten kann.

Gewissermaßen das I-Tüpfelchen ein (nach massiver Kritik gelöschter) Tweet der ehemaligen Pressesprecherin vom Gesundheitsministerium Margit Draxl, die in ihrem Abschiedsthread viele Betroffene und Angehörige vor den Kopf stieß mit ihrer Aussage: „Wer nicht die letzten eineinhalb Jahre im Gesundheitsministerium gearbeitet hat, hat Corona nicht erlebt.“

Wir – das sind NoCovid-Anhänger, Mediziner, Wissenschaftler und Citizen Journalists – haben vor den Spätfolgen von Corona nicht gewarnt, um Panik zu verbreiten oder das Standing der Grünen gegenüber dem türkisen Koalitionspartner zu schwächen. Wir schauten einfach über den Tellerrand: Die erste Welle hat Länder wie UK oder USA hart getroffen – gleichzeitig gibt es dort eine hohe Datentransparenz und viel wissenschaftliche Forschung. Daher wussten wir schon frühzeitig, was sich auch bei uns unter dem Radar abgespielt hat und noch auf uns zukommen sollte.

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Tag 442: Österreich macht alles auf.

Erklärung von John-Burn-Murdoch, Financial Times

Ich komme mir langsam vor wie ein Teilnehmer in einem großen Satireprojekt. Groundhog day. Hier laufen ja mehrere Dinge gleichzeitig ab und es ist durchaus Absicht, die Menschen laufend im Empörungs- und Ungewissheitszustand zu halten. Solange die Erregtheit hoch ist, hat man keine Zeit zu durchschauen, was im Hintergrund eigentlich abläuft. Da wäre zum einen die Pandemie, die immer noch nicht vorbei ist. Ich hab die Pressekonferenz heute gehört, ich hab die Reaktionen darauf gesehen. Viele freuen sich auf einen ruhigen Sommer. Dann hab ich auf die bisherigen Impfstatistiken geschaut: Knapp 40% sind teilimmunisiert, aber erst 15% vollimmunisiert. Unter 16 Jahren ist mit ein paar off-label-Ausnahmen noch niemand geimpft.

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Erratum

Mir unterlaufen selbstverständlich auch immer wieder Irrtümer. Folgende Liste (nicht chronologisch) klärt über meine größten Irrtümer und Fehler auf mit beigefügter Richtigstellung. Die Liste wird laufend aktualisiert.

Stand 03.05.22

1. Impfreaktion nach den Teilimpfungen ist nicht erwünscht und korreliert nicht zwingend zum Aufbau von Antikörpern.

Irrtum: Je stärker die Impfreaktion, desto mehr Antikörper. Keine Impfreaktion weniger Antikörper.

Wahrheit: Korrelation nicht zwingend vorhanden. Jemand kann bei beiden Teilimpfungen kaum Impfreaktionen verspüren und trotzdem hohen Antikörpertiter entwickeln. Umgekehrt kann jemand trotz starker Reaktion (hohes Fieber) auf die Impfung keine Antikörper entwickeln (z.B. wegen Immunsuppression).

Lars Fischer: Bedeutet eine starke Impfreaktion auch besseren Impfschutz? (04.05.)

2. Vitamin C/D/Zink als Hausmittel bei Heimpflege haben keinen Einfluss auf die Schwere des Verlaufs.

Irrtum: Wenn man positiv getestet wird und zunächst zuhause auskuriert, kann man mit hochdosiertem Vit C/D/Zink den Verlauf beeinflussen (vgl. Tag 242)

Wahrheit: Ein Nutzen ist nicht belegt, weder bei Vitamin C noch Zink. Bei Vitamin D ist er unklar. Der empfohlene Einsatz kommt aus der orthomolekularen Medizin, einer alternativmedizinischen Behandlungsmethode, für die es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt.

Nobelpreisträger Linus Pauling war überzeugt, dass hochdosiertes Vitamin C nicht nur vor Erkältungen, sondern auch vor Krebs schützt. Nguyen-Kim klärt auf: Vitamin C verringert das Erkältungsrisiko im Schnitt um 3%, verkürzt aber die Erkrankungsdauer bei Erwachsenen um 8%, bei Kindern um 14%. Ob das bei Covid19 den schlagenden Erfolg hat, sei dahingestellt.

Von der dauerhaften Einnahme von hochdosierten VitC/D-Präparaten ist jedenfalls abzuraten, weil man damit u.a. die Bildung von Nierensteinen fördert.

3. Der Aufenthalt im Wald steigert wahrscheinlich nur kurzzeitig die T-Zellen-Aktivität.

Irrtum: Clemens Arvays Buch „Biophilia-Effekt“ versprach, dass man mit langen Waldspaziergängen seine Immunabwehr steigern könnte. Ich klammerte mich bei Beginn der Pandemie daran (hatte das Buch erst wenige Wochen vorher gekauft).

Wahrheit: Zu Arvay hab ich bereits ein Erratum verbloggt (Tag 47). Für die heilsame Wirkung von „Waldbädern“ nannte er vor allem japanische Studienautoren (vgl. hier bzw. Tsao et al. 2018 ). Es geht vor allem um die Terpene in Nadelwäldern. Diese sorgen aber nur für temporär für gesteigerte Killerzellenaktivität. Leider kann ich die entsprechende Studie gerade nicht nachliefern. Zumindest war zweifelhaft, ob der Effekt von Waldspaziergängen über Tage hinaus gehen würde. Man sollte sich jedenfalls nicht darauf verlassen, denn es sind auch viele gut trainierte Sportler und Bergsteiger schwer erkrankt bzw. leiden unter Long COVID.

4. Nasensprays mit Carragelose haben keinen nachgewiesenen vorbeugenden Schutz vor Covid19-Infektion/COVID-Erkrankung

Irrtum: Seit letztem Sommer hab ich auch das Coldamaris-Nasenspray beworben, dessen Rotalgenextrakt Carragelose (Carrageenan) das Virus angeblich neutralisiert und die Zellen vor einer Infektion schützen soll (siehe Aussendung von Hersteller Marinomed).

Wahrheit: Generell sollen Gurgellösungen, Nasensprays und Lutschtabletten helfen, die Schleimhäute feucht zu halten, damit Viren schlechter anhaften können (Quelle). Zumindest für die Rotalgen-Nasensprays wie das oft beworbene Coldamaris Plus ist ein Nutzen aber nicht belegt (Quelle: medizin-transparent). Die öfter angesprochene klinische Studie fand unter Leitung von Christoph Wenisch im SMZ-Süd beim Spitalspersonal statt. Davon hat man allerdings seit dem Jahreswechsel nichts mehr gehört, und mit der Durchimpfung des Spitalspersonals hätte die Studie enden oder angepasst werden müssen.

5. Ein starkes Immunsystem schützt nicht vor schwerer Erkrankung und Tod

Irrtum: Mitte März 2020 ging ich – wohl wie die meisten – noch davon aus, dass vorwiegend Ältere und chronisch Kranke mit schwachem Immunsystem einen schweren Verlauf bekommen könnten.

Wahrheit: Vorerkrankungen und zunehmendes Alter erhöhen zwar das Risiko für einen schweren Verlauf, doch können auch vorher kerngesunde, sportliche und junge Menschen schwer erkranken oder versterben. Bei einer internationalen Studie fand man bei 100 von 1000 Covid-Patienten mit lebensbedrohlichen Lungenentzündung Antikörper, die zentrale Immunsystemproteine (Interferone) blockieren. Diese Autoantikörper wurden nicht bei 663 Leuten mit milden oder symptomfreien COVID-Infektionen gefunden. Nur 4 von 1227 gesunden Individuen hatte Autoantikörper.

In einer anderen Studie waren 94% der Patienten mit Autoantikörpern Männer, ein unerwartetes Ergebnis, weil Autoimmunerkrankungen für Frauen typischer sind. (Quelle). In Summe hängt es also nicht nur davon ob, wie viel Sport man treibt, sich gesund ernährt oder Vorerkrankungen hat, sondern ob man diese Autoantikörper besitzt – die lange stumm bleiben können.

Nicht zufällig kommt der Spin, ein starkes Immunsystem würde vor Erkrankung schützen, tendenziell aus dem rechten Eck.

Hier treffen sich auch rechte Ideologie und Esoterik : An Krankheit und Schwäche ist man selbst schuld. Feindbilder und Sündenböcke (Ausländer bzw. Andersdenkende, Pharmaindustrie, Schulmedizin), dazu Wissenschaftsfeindlichkeit. Nicht zufällig befinden sich auf der „Animap“ der Coronagegner zahlreiche „alternativmedizinische“ Unternehmen wie Ganzkörpertherapie, Massage-Praxen, Esoterikläden, alternative Psychotherapeut*innen, etc.

6. Herdenimmunität war nie über Durchseuchung erreichbar

Irrtum: Jeder muss die Infektion durchmachen, aber wir müssen die Kurve flach halten, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird, bis sich genug infiziert haben, damit die Pandemie zum Stillstand kommt.

Wahrheit: Bis zu den ersten Berichten von chronifizierten Symptomen (LongCOVID) nach durchgemachter, selbst milder Infektion Ende April bzw. Ende Mai glaubte ich selbst lange Zeit, es würde nur diesen Ausweg geben. In Österreich war NoCovid nie Teil einer grundsätzlichen, offen geführten Debatte, welche Strategie wir einschlagen sollten. Tatsächlich kann und konnte Herdenimmunität nie durch das alleinige Durchlaufenlassen der Infektion in der Bevölkerung erreicht werden, wie uns die Great-Barrington-Sympathisanten Allerberger, Schmid, Weiss, Apfalter und alle anderen Pseudo-Experten und Politiker mit dem Motto „Wir müssen mit dem Virus leben“ weismachen wollten.

Saisonale Coronaviren zirkulieren jedoch dauerhaft in der Bevölkerung, obwohl es nur vier davon gibt. Reinfektionen können im jährlichen Abstand auftreten. Auch nach milden COVID19-Infektionen wurden Reinfektionen beobachtet. Dazu kommt die Entstehung von Virusvarianten mit Fluchtmutationen (Schwächung der Immunantwort nach Impfung oder durchgemachter Infektion, aber auch bei Therapie mit monoklonalen Antikörpern). Im Laufe der nächsten Jahre wird jeder Mensch mit dem Virus in Kontakt kommen, doch wird man sich je nach Impfstoffverfügbarkeit aussuchen können, ob das vor oder nach der Impfung geschieht. Ein weiteres Thema ist, dass die Impfstoffe und durchgemachte Infektion keinen dauerhaft sterilen Impfschutz erzeugen, d.h., die IgG/IgA-Antikörper auf der Schleimhaut schwinden mit der Zeit. Der Schutz vor schweren Verläufen (und LongCOVID) bleibt wahrscheinlich länger erhalten, doch kann die Infektiösität zunehmen – damit können auch Geimpfte nach gewisser Zeit wieder ansteckend werden.

Mathematische Modelle bestätigen diese Schlussfolgerungen. Ohne nonpharmazeutische Interventionen (Masken, Kontaktbeschränkungen) würden selbst 85% steriler Impfschutz nicht ausreichen, um die Reproduktionszahl R unter 1 zu halten.

7. Saisonale Effekte gibt es weniger auf die Übertragung als auf die Empfänglichkeit potentieller Wirte

Irrtum: Das Wetter [draußen] hat höchstens indirekte Effekte auf das Infektionsgeschehen wie geändertes Lüftungs- und Freizeitverhalten, nachdem es draußen höchstens und nur in seltenen Fällen zu einzelnen Übertragungen kommt.

Wahrheit: Marco Binder, molekularer Virologe, klärt über die saisonalen Eigenschaften von (Erkältungs-) Viren auf:

Hauptfaktoren sind Wetter, Raumklima und unser Sozialverhalten, welche die Virusausbreitung beeinflussen – und zwar die Überlebensfähigkeit/Übertragbarkeit von Viren, unsere Rate an sozialen Kontakten und die Immunantwort.

bekannt: größere physische Nähe im Winter in öffentlichen Verkehrsmitteln und Innenräumen.

Wettereinfluss viel komplexer: Temperatur und (oft unterschätzt) Luftfeuchtigkeit.

  • trockene Luft im Winter lässt Tröpfchen schneller verdunsten und stabile, schwebende Aerosolkerne bilden
  • Viren sind bei kühler Luft häufig deutlich stabiler
  • mittlere Luftfeuchtigkeit am ungünstigen für Viren
  • Atemwege werden selbst gereinigt durch „mukociliäre Clearance“ (Partikel in der Atemluft werden mit Hilfe des Schleims aus der Lunge befördert) – bei trockener Luft stark beeinträchtigt. Ohne gute Selbstreinigung steigt Gefahr, dass ein Virus auf eine Zelle trifft und sie infiziert.

==> selbst in diesem Fall gibt es noch die zelleigene Immunantwort mit Interferon als Hauptakteur. Bei 37°C ist diese biochemische Reaktion optimiert.

Problem: Oberfläche der Atemwege ist der Atemluft ausgesetzt, und damit immer etwas (im Winter deutlich) kühler als die Körperkerntemperatur. Die Aktivierung der zelleigenen Immunantwort ist bei 28°C deutlich verzögert. Die Verzögerung der Abwehrmechanismen kann entscheidende Rolle spielen (Viren vermehren sich schnell).

Das Interferon-System spielt eine wichtige Rolle bei der Kontrolle der SARS-CoV2-Infektion und Verlauf von COVID-19, genetische Defekte in der Interferon-Antwort erhöhen das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe stark, ebenso Autoimmun-Antikörper gegen Interferon.

Einfluss saisonaler Klima-/Wetter-Effekte höchstens moderat: siehe starke Anstiege bei uns im September und schleichender Anstieg ab Mitte Juni auf niedrigem Niveau.

Eigene Überlegungen dazu: Kulturelle Unterschiede in Ländern mit hoher Klimaanlagen-Dichte, z.B. USA, wo Innenräume im Sommer stark heruntergekühlt und häufig auch zu trocken werden, kann mitverantwortlich für die zweite Welle im Sommer 2020 dort sein.

8. Aus dem Virus wird (vorerst) kein Schnupfen

Strenggenommen ist das nicht mein Erratum, sondern das von Virologe Drosten am 09. Juni 2020 (Folge 47)

„Und dieses Anpassen, das kann eben durch zueinander Zufügen von unterschiedlichen Mutationen in unterschiedlichen Populationsabteilungen passieren. Und die phänotypischen Veränderungen, die dabei entstehen können, wären zum Beispiel, dass das Virus noch besser in der Nase repliziert und besser übertragen wird. Aber in der Nase werden wir nicht allzu krank davon. Das heißt, das Ganze wird auf lange Sicht zu einem Schnupfen, der sich für die Lunge gar nicht mehr interessiert. So etwas könnte passieren.“

Das hat man sich zwar gemerkt, aber nicht den zweiten Teil der Aussage danach:

„Wir können uns natürlich auch sagen: Na ja, das Virus ist ja offenbar schon auf die Nase optimiert. Das heißt, was es jetzt noch machen könnte, wäre allgemein sein Replikationsniveau steigern in allen Schleimhäuten, und das würde dann auch wieder die Lunge mitbetreffen. Und dann würde es eine schwerere Erkrankung werden. Und wie das dann am Ende wirklich kommt, da ist der Evolutionsbiologe erstmal vollkommen unemotional und betrachtet das einfach und stellt dann auch vielleicht Zusatzüberlegungen an. Wenn so ein Virus sich noch besser auf die Nase fokussiert und uns noch weniger in der Lunge krank macht, dann laufen wir vielleicht noch längere Zeit mit einer laufenden Nase durch die Gegend und fühlen uns überhaupt nicht krank. Und dann wird das Virus noch besser übertragen. Und auf Populationsebene hätte es dadurch eindeutig ein Selektionsvorteil. Wenn wir jetzt überlegen: Das Virus optimiert sich auf die Nase und sagen wir mal, lässt die Lunge außer Acht, dann wird das ein Vorteil für das Virus sein.

Im anderen Fall, wenn das Virus in seiner Evolution das allgemeine Replikationsniveau steigert, dann haut das überall so richtig rein – in der Nase, aber auch in der Lunge. Und wir fühlen uns dann schneller krank oder viel mehr von uns fühlen uns krank. Und unter dem Wissen, dass hier eine gefährliche Infektionskrankheit umgeht, werden wir dann ja auch eher zu Hause bleiben und weniger Patienten in der nächsten Generation infizieren. Und das wäre für das Virus ein Nachteil. Und jetzt werde ich wieder vom Evolutionsbiologen zum Menschen, der wieder vorsichtig optimistisch sagt, dass ich glaube, dass das einer der Treiber ist, der dazu führt, dass erfahrungsgemäß tatsächlich Virusepidemien über die Zeit [Anm.: gemeint sind 5-10 Jahre!] harmloser werden.“

9. Kreuzimpfungen sind nicht zwingend wirksamer bei der Booster-Impfung

Es geht um diese Grafik aus Atmar et al., „Heterologous SARS-CoV-2 Booster Vaccinations – Preliminary Report“ (15.10.21, preprint), die sich rasch über Twitter verbreitet hat. Auch Karl Lauterbach und Eric Feigl-Ding haben sie geteilt, wobei zumindest Feigl-Ding explizit darauf hingewiesen hat, dass in der Studie noch eine volle Moderna-Dosis für die dritte Impfung verwendet wird. In Europa hat die EMA seit ein paar Wochen aber nur noch eine halbe Dosis zugelassen.

Gemäß der Grafik würde die volle Dosis Moderna nach Pfizer, sowie Pfizer nach Moderna eine etwas höhere Antikörperbildung verursachen als homologe Impfschemata. Bei Janssen fällt der Unterschied am größten aus.

Aber: „Our study has limitations. It was not designed to directly compare responses between different booster regimens.“

Die Größe der Studienteilnehmer war mit 458 relativ klein, Freiwillige wurden nicht zufällig in die Gruppen ausgewählt. Heterologe Impfschema sind sicher und wirksam, Nebenwirkungen treten ähnlich wie bei homologem Impfschema auf.

Empfehlungen des NIG, Stand 04.11.21

Das NIG empfiehlt derzeit die dritte Impfung sowohl mit Pfizer (Corminaty) als auch mit Moderna (Spikevax), wobei Spikevax nur mit der halben Dosis verimpft wird. Manche Ärzte, z.B. in Wien, raten zu einem homologen Impfschema, manche machen es davon abhängig, wie man die vorherigen Impfungen vertragen hat.

Update, 29.03.22 – oder auch nicht, denn:

Kaplonek et al., mRNA-1273 and BNT162b2 COVID-19 vaccines elicit antibodies with differences in Fc-mediated effector functions (29.03.22 – heterogenes Impfschema sorgt für breitere Immunantwort, bei Booster anderen Impfstoff nehmen, nach Pfizer Moderna, nach Moderna Pfizer)

10. Die Entzauberung von Dr. John Campbell

In den ersten Wochen der Pandemie habe ich parallel zum NDR-Podcast mit Virologe Drosten täglich die Youtube-Erklärungen von Dr. Campbell, einem Krankenpfleger-Lehrer in Pension, verfolgt. Er informierte über die Situation in UK, weltweit und stellte meist ein oder mehrere Paper vor. Durch ihn hatte ich frühzeitig die Info, dass etwa Übergewicht (BMI) ein bedeutender Risikofaktor für einen schweren Verlauf ist.

Schon früh machte Campbell Vitamin D als mögliche präventative und akute Therapie für Covid19 zum Hauptthema. Aus dieser Zeit stammen auch meine Literaturhinweise auf Vitamin D. Meine Twitter-Timeline, darunter auch viele Ärzte, waren von Beginn an skeptisch bezüglich Nutzen von Vitamin D. Zugegeben, und das war meine Achillesferse in den ersten Monaten, hing ich da selbst Wunschdenken nach und sehnte mich wie so viele Menschen nach einer einfachen, praktikablen Lösung – als ob hochdosierte Vitamine und andere rezeptfreie Hausmittel das individuelle Risiko senken könnten. Doch ist dem nicht so. Ich hätte auf die Ärzte hören sollen, die genervt sofort abgewunken haben, sobald man Vitamin D erwähnt hat.

Im Laufe des Sommers 2020 wurden mir die Podcasts zunehmend zu langwierig, denn ich hatte mittlerweile eine schlagkräftige, kompetente Timeline aus Expertinnen und Experten zusammengestellt. Zudem sah ich meinen Irrtum mit Vitamin D zunehmend ein und konnte die Fixierung darauf nicht mehr mitgehen. Seitdem hab ich nichts mehr verfolgt.

Dr. Rohin Francis (Kardiologe, @MedCrisis) stellte am 24.01.22 wegen eines YT-Beitrags von Campbell nüchtern fest:

„John Campbell has completed his inexorable and predictable journey from sensible health educator to full-on crank.“

In dem verlinkten Beitrag behauptet Campbell, dass nur 17371 der 137133 Toten bis September 2021 ohne Vorerkrankungen, also durch Covid selbst bedingt waren. Die Mehrheit wäre „mit“ und nicht „an“ Covid gestorben, was kompletter Bullshit ist. Insbesondere weil „Vorerkrankungen“ suggeriert, dass sie ohne Covid19 an was anderem gestorben wären – dabei hätten viele noch Jahrzehnte zu leben gehabt. Hier auf YT nehmen Ärzte Campbells Aussagen auseinander. Wer lieber einen Text leben mag, wird hier glücklich.

Crisis ergänzt, dass Campbell inzwischen 2,14 Millionen Zuseher hätte, 427 Millionen Klicks auf beinahe 2000 Videos. Durch Youtube-Werbeschaltung würde er monatlich zehntausende Pfund einnehmen. Eine Userin bezeichnet es so:

Audience capture is a worse disease than covid.“

Das trifft wohl auch auf viel Publikumslieblinge in Österreich zu, die immer wieder Falschaussagen treffen (Beispiele in meiner Zitatsammlung).

Tag 439: Kein Platz für eine Debatte

7-Tages-Inzidenz und Trend am 24. Mai 2021 in den Bundesländern und Gesamt-Österreich

Schlimm genug, dass NoCovid in Österreich nie mehrheitsfähig war – es wurde auch nie eine Debatte darüber zugelassen. Es ist eigentlich unfassbar: Die NoCovid-Befürworter sind doch keine Leerdenker, keine Spinner. Sie sind davon überzeugt und werden von der Wissenschaft (Alwan et al. 2020, Priesemann et al. 2020) gestützt, dass nur eine Eliminationsstrategie sowohl Gesundheit als auch Wirtschaft rettet (Oliu-Barton et al., April 2021). Virologin Brinkmann bringt es in 101 Sekunden auf den Punkt, weshalb es sinnvoll ist, die Inzidenzen so niedrig wie möglich zu halten. Ebenso wurde seit dem Herbst oft genug unisono deutlich kritisiert, dass es zu spät ist, wenn man strengere Maßnahmen wie Lockdowns erst setzt, wenn die Intensivkapazitäten erschöpft sind. Lockdowns sind ein Zeichen dafür, bei der Aufklärung und Information versagt zu haben.

„Wenn Sie sagen, ein Lockdown macht keinen Sinn, wenn die Bevölkerung nicht mitmacht, dann könnte man auch sagen, das ist das Eingeständnis eines politischen Scheiterns. Sie können die Menschen nicht mehr überzeugen, Sie haben kapituliert.“

(Sandra Maischberger zu Bundeskanzler Kurz, 24.02.21)
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Tag 429: Pandemie wurde politisch beendet

Heimat Mainfranken

Seit meinem letzten Blogeintrag habe ich eine schöpferische Auszeit genommen – ich war nämlich das erste Mal seit einem Jahr und 3 Monaten wieder in meiner unterfränkischen Heimat bei meinen Eltern. So eine lange Durststrecke gab es seit meiner Emigration nach Österreich noch nie. In den letzten Jahren war ich allerdings auch höchstens auf Kurzbesuch – mein Lebensmittelpunkt ist Wien. Ich hielt es nie lange aus, sondern sehnte mich nach Österreich. Das war dieses Mal anders. Ich freute mich richtig auf zuhause und blieb über eine Woche – so lang wie noch nie. Und ich fühlte mich befreit, auch das ein neues Gefühl. Das auch damit zusammenhing, dass mich zwei Tage vorher der „Standard“ (nachträglich) abgelehnt hatte, als es um ein Interview über „Citizen Journalists“ ging – in das ich mit Klarnamen (und Risiko) gegangen wäre, weil mir diese Aufklärungsarbeit so wichtig ist. Das hat gekränkt und meinen letzten Rest Hoffnung auf ehrliches Interesse an Aufklärung zur Pandemiebekämpfung genommen.

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Tag 418: Positiver Trend, bleibt es dabei?

7-Tages-Inzidenzen und Trend in den Bundesländern und Gesamt-Österreich, Stand 08. Mai 2021

In den Bundesländern mit vorherigem Lockdown sind die 7-Tages-Inzidenzen am niedrigsten. In Vorarlberg, das trotz B.1.1.7-Mutante öffnete, ist sie am höchsten. Derzeit zeigt der Trend aber überall nach unten, obwohl die Regierungen weitreichende Lockerungen ab 19. Mai ankündigte. In den vergangenen Monaten führte diese Ankündigungspolitik häufig zu vorzeitigen Anstiegen (genauso aber auch Absinken, wie vor dem Wien-Lockdown ab Ostern). Ich traue mir dazu keine klare Prognosen abzugeben. Die Pandemie hat mich grundsätzlich gelehrt, in Österreich eher vom Schlimmsten auszugehen. In diesem Beitrag möchte ich die pro und contras behandeln sowie die Probleme, die sich aus der Definition des Grünen Pass in Österreich ergeben.

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Tag 416: Was mache ich hier eigentlich?

„Die Neigung zur Aktivität und die Abneigung gegen jede Haltung des passiven Hinnehmens.“

Karl Popper definiert Aktivismus

Ja, ich bin recht aktiv hier in der Pandemie. Ich blogge seit über einem Jahr ziemlich regelmäßig und es sind häufig lange Texte, die mit viel Aufwand recherchiert sind. 170 Texte sind es bereits, um genau zu sein. Meine ursprüngliche Intention war, die Pandemie geistig zu verarbeiten, die ersten Wochen irgendwie zu bewältigen, denn es musste ja weitergehen. In die wissenschaftliche Recherche bin ich hineingewachsen. Meine Timeline auf Twitter angepasst, ausgewählte internationale Experten verschiedener Fachgebiete. Analysemethoden habe ich im Studium gelernt, bzw. habe ich für Selbsthilfeblogs bereits ähnlichen Aufwand bemüht, um Wissen zu ermitteln und vermitteln.

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Tag 411: Blindflug

Aktuelle Daten, Quelle: Erich Neuwirth

Die Inzidenzkurven lügen nicht: Seit dem Lockdown gehen die Infektionszahlen in Wien, Niederösterreich und Burgenland deutlich zurück, von über 300 auf inzwischen 100 bis 125. Saisonaler Effekt, werden Lockdownkritiker einwerfen, doch der April war alles andere als ein durchgehend milder Frühlingsmonat seit Ostern. In Wien, St. Pölten und Eisenstadt wurden mit 6-7 Frostnächsten so viele wie seit über 20 Jahren nicht mehr gezählt, österreichweit gab es einige Kälterekorde (Tiefstwerte). Ich zweifle generell daran, dass die saisonale Virusstabilität einen so großen Einfluss hat, sonst würden wir in wärmeren Ländern keine massiven Ausbrüche sehen. Eher ist der Effekt indirekt durch geändertes Freizeitverhalten zu sehen.

In Vorarlberg ist es umgekehrt – dort hat sich die Inzidenz seit den Öffnungen fast verdreifacht. AGES-Public-Health-Leiter Allerberger traute sich nach dem Abgang von Anschober wieder in die Öffentlichkeit und gab Puls24 ein Interview. Dort behauptet er, die (Schul- und Gastro-)Öffnungen wären nicht schuld an dem Anstieg, sondern es würde eine „wellenförmige Auf- und Abbewegung“ beobachtet wie in den anderen Bundesländern, und das würde am wachsenden Anteil von B.1.1.7 liegen. Das ist ungefähr so, wie wenn man behauptet, es wäre heute wärmer als gestern, weil das Thermometer höhere Werte anzeigt, und nicht, weil wärmere Luftmassen zugeführt worden sind.

(Update, impfbereinigte Inzidenzkarte aus Österreich eingefügt, 02.05.21)

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