Tag 411: Blindflug

Aktuelle Daten, Quelle: Erich Neuwirth

Die Inzidenzkurven lügen nicht: Seit dem Lockdown gehen die Infektionszahlen in Wien, Niederösterreich und Burgenland deutlich zurück, von über 300 auf inzwischen 100 bis 125. Saisonaler Effekt, werden Lockdownkritiker einwerfen, doch der April war alles andere als ein durchgehend milder Frühlingsmonat seit Ostern. In Wien, St. Pölten und Eisenstadt wurden mit 6-7 Frostnächsten so viele wie seit über 20 Jahren nicht mehr gezählt, österreichweit gab es einige Kälterekorde (Tiefstwerte). Ich zweifle generell daran, dass die saisonale Virusstabilität einen so großen Einfluss hat, sonst würden wir in wärmeren Ländern keine massiven Ausbrüche sehen. Eher ist der Effekt indirekt durch geändertes Freizeitverhalten zu sehen.

In Vorarlberg ist es umgekehrt – dort hat sich die Inzidenz seit den Öffnungen fast verdreifacht. AGES-Public-Health-Leiter Allerberger traute sich nach dem Abgang von Anschober wieder in die Öffentlichkeit und gab Puls24 ein Interview. Dort behauptet er, die (Schul- und Gastro-)Öffnungen wären nicht schuld an dem Anstieg, sondern es würde eine „wellenförmige Auf- und Abbewegung“ beobachtet wie in den anderen Bundesländern, und das würde am wachsenden Anteil von B.1.1.7 liegen. Das ist ungefähr so, wie wenn man behauptet, es wäre heute wärmer als gestern, weil das Thermometer höhere Werte anzeigt, und nicht, weil wärmere Luftmassen zugeführt worden sind.

(Update, impfbereinigte Inzidenzkarte aus Österreich eingefügt, 02.05.21)

Kontakte bestimmten das Infektionsgeschehen, nicht B.1.1.7 alleine

Leute, es ist nicht zu leugnen: Das Virus wird von Mensch zu Mensch übertragen! Es sind keine Zombiemutanten, die sich nachts heimlich in die Häuser schleichen und die Bewohner infizieren. Damit ist sonnenklar: Wenn man Kontakte reduziert, wird das Virus weniger übertragen, egal ob es die Pest, die Masern oder SARS-CoV2 ist. Null Kontakte heißt Null Neuinfektionen. Es ist komplett blunzn, ob das B.1.1.7 ist oder der Wildtyp. Zielgerichtete Maßnahmen sorgen für eine Reduktion des Infektionsgeschehens – das Ansteigen oder Fallen der Infektionszahlen ist nicht unabhängig von den Maßnahmen, wie Allerberger hier andeuten möchte. Gastronomie, Schulen, Arbeitsplätze, Kirchen – das sind alles Orte, wo viele unterschiedliche Haushalte zusammenkommen. Infektionskontrolle sagen die einen, Virendrehkreuz sagen die anderen. Aber worum geht’s uns? Die Pandemie nur zu dokumentieren, aber damit zuzulassen, dass viele schwer und lange erkranken oder versterben, oder geht’s darum, die Zahlen zu drücken, Fälle zu vermeiden – nachdem jetzt im Mai wahrscheinlich mehr Impfstoff da ist als verimpft werden kann?

Regierung, AGES und Scheinexperten wollen durchseuchen. Kanzler Kurz hat das mit seiner Aussage klar zugegeben:

Dass die Infektionen steigen, wenn wir öffnen, das wird absolut stattfinden“, so der Kanzler. Aber es werde sich vor allem um Infektionen bei Kindern handeln. (25. April 2021, Puls24)

Gleichzeitig nimmt er bewusst auch jeden Menschen zusätzlich durch die Öffnungen in Kauf, der schwer erkrankt, verstirbt oder andere gefährdet, die noch nicht geimpft sind.

Etliche Aussagen von Kanzler, AGES (Schmid und Allerberger), aber auch von vielen „Experten“ seit Dezember gehen in Richtung „wenn die Risikogruppen geimpft sind, können wir uns höhere Infektionszahlen erlauben“. Die Realität zeigt leider, dass diese Rechnung nicht aufgeht:

Wenn ich plötzlich gleichaltrige oder sogar jüngere Menschen betreue, die um jeden Atemzug ringen, kann ich gar nicht in Worte fassen, wie hilflos ich mich fühle. Mit Tränen in den Augen versuche ich dennoch stark für die Erkrankten zu bleiben und mein Bestes zu geben.

(Intensivkrankenpflegerin im Standard, 12. April 2021)

Mit B.1.1.7 ist das Alter der Intensivpatienten jünger geworden. Das musste zuletzt sogar Virologe Nowotny bei Armin Wolf zugeben, der noch am 19. Februar im Studio-2-Interview (ORFII) mit herzhaftem Lachen den Schwellenwert für einen Lockdown angehoben hat:

„Wenn wir diese Risikogruppen (75+) geimpft haben, dann können wir uns auch eine höhere Fallzahl erlauben.“

Und für ihn ist jünger anscheinend alles unter 75.

Solange man also Virendrehkreuze öffnet, wird man steigende Infektionszahlen ernten. Dank Virologe Drosten, aber auch schon vorher durch die unveröffentlichte Studie der AGES (die „Presse“ hat berichtet) wurde deutlich, dass Antigentests erst nach Symptombeginn zuverlässig eine Infektion anzeigen, bei Symptomfreiheit und beginnenden Symptomen nur in wenigen Fällen. Jetzt kommt die ansteckendere Virusvariante B.1.1.7 hinzu, künftig vielleicht noch P.1 (in Belgien schon über 10% Anteil und weiter wachsend) und B.1.617 (Indische Variante) klopft auch schon an die Haustür. In Israel wurde sie bereits bei Kindern ohne Reisegeschichte gefunden. Dann reicht es, wenn an den Virendrehkreuzen ein paar getestete, aber positive Passagiere (Kunden/Schüler….) unerkannt durchrutschen und sich im Glauben, sie wären tatsächlich negativ, risikofreudiger verhalten, also laut reden, singen, lachen und das über Stunden hinweg. Jeder Ungeimpfte in dessen Nähe und bei schlechter Durchlüftung auch ein paar Meter entfernt ist dann durch Aerosolakkumulation mit Ansteckung gefährdet. So kommt das Virus dann in Haushalte, die sich bisher erfolgreich und vorbildlich verhalten haben. Und springt dann von einem Haushalt in den nächsten über die anderen Virusdrehkreuze. Je mehr Virendrehkreuze ich öffne, desto wahrscheinlicher ist das „virus hopping“.

Allerberger will uns dagegen ernsthaft weiß machen, dass dies nicht die Ursache für den Anstieg wäre, sondern eine „natürliche Wellenbewegung“, höhere Gewalt also, auf die weder die Regierung, die Gesundheitsbehörde noch die renommierten Experten der AGES Einfluss hätten.

Inzidenz mit und ohne Impfung

In den anderen Bundesländern bleibt die Zahl der Neuinfektionen annähernd konstant. Das hat wahrscheinlich mehrere Gründe. Einer könnte sein, dass in den Bundesländern abseits von Wien weniger PCR getestet wird:

Wien profitiert von den kostenlosen „allesgurgelt“-Tests, den die Firma LeadHorizon (von Virologe Steininger) der Stadt Wien anbietet und auswertet. Die Wiener Ärztekammer vertritt die niedergelassenen Labore, die bis zu 150 Euro pro Test verlangen, wenn man keinen Anlass (Symptome oder K1) bietet, und klagt die kostenlosen Gurgeltests. Sollte die Klage erfolgreich sein, kann man die Gratis-Aktion vergessen. Eine der wenigen sinnstiftenden Maßnahmen, hier durch die Wiener Landesregierung angestoßen, würde damit akut gefährdet sein.

In den anderen Ländern wird deutlich weniger getestet. Die Dunkelziffer könnte ansteigen. Mit wachsender Zahl an Impfungen ist eine vermeintlich niedrige Inzidenz aber auch zunehmend trügerisch.

Der Impfeffekt – Annahme: Nach 21 Tagen beträgt die sterile Immunität 80%. Wie sieht die Inzidenz dann in der „ungeschützten“ Bevölkerung jeder Altersgruppe (österreichweit) aus? Vernachlässigt ist Immunisierung durch Infektion (Quelle: Martin Polak)

Um die 7-Tage-Inzidenz zu berechnen, wird die Anzahl der Infizierten der letzten sieben Tage in einem Gebiet zusammengezählt, durch die Anzahl der Einwohner dividiert und dann mit 100.000 multipliziert. Vor den Impfungen konnte man aber davon ausgehen, dass nahezu alle Einwohner das Virus bekommen und weitergeben können. Mit zunehmenden Impffortschritt sind aber immer weniger Einwohner für das Virus empfänglich. Die Impfstoffe reduzieren die infektiösen Fälle (Ct < 30) um 88% – oder mit anderen Worten: Nur 12% der Geimpften können das Virus weitergeben (Pritchard et al., 23.04.21). Daraus ergibt sich aber eine wesentlich höhere Inzidenz – impfbereinigt – und damit ein höheres Infektionsrisiko für die Ungeimpften.

Oder anders gesagt: Wenn ich mich in einem Umfeld mit vielen Geimpften aufhalte, wird mein Risiko jetzt kleiner sein als vorher. In einem Umfeld mit keinen oder wenig Geimpften, ist das Risiko aber gestiegen. Ein weiterer Grund, eher eine Niedriginzidenz-Strategie zu fahren.

Blindflug

Wir haben zu wenig Daten über das Infektionsgeschehen, um aus Fehlern zu lernen und Maßnahmen gezielt zu setzen. Die NEOS forderten eine Registerforschungsdatenbank, um anonymisierte Patientendaten mit Merkmalen mit Bildung, Beruf, Einkommen, etc. verknüpfen zu können. Die „Modellregion“ Vorarlberg wurde durch die AGES „wissenschaftlich“ begleitet (es gab ein paar Anrufe), aber nicht in professioneller Form wie eine Case-Control-Studie, wie sie Epidemiologe Gartlehner angeboten hatte.

Nach dem ersten Lockdown hatte man noch schrittweise alle zwei Wochen gelockert, um zu sehen, ob die Lockerungen einen Effekt auf die Infektionszahlen hatten. Schon damals haben aber die entsprechenden Daten gefehlt und aufgrund des erfolgreichen Lockdowns konnte schwer festgestellt werden, was den Unterschied gemacht hat. Studien aus vielen Ländern zeigten aber, dass z.B. Schulschließungen effektiv wären. Was wir aber nicht wissen – wie hoch ist das Infektionsrisiko beim Friseur, beim Einzelhandel, in Einkaufszentren, im Blumenladen, im Baumarkt, im Freien in Gastgärten? Wie viele Mitarbeiter infizieren sich dort? Vieles wissen wir nicht oder wird nicht veröffentlicht. Die AGES erhebt auch nur die Staatsbürgerschaft, die aber nicht gleichzusetzen ist mit dem Migrationshintergrund, welcher sozioökonomisch eine Rolle spielt. Das Datenchaos bei der Datenerhebung ist ein weiteres Problem.

Allgemeinmediziner Alfred Doblinger hat das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) per Mail angefragt, wie sich die bisher in Österreich aufgetretenen Thrombopenien aufgrund der Verimpfung nach Geschlecht aufteilen. As Antwort kam, dass aus Datenschutzgründen keine Auskunft möglich sei. Einzige Auskunft war, dass „auch Männer“ betroffen wären.

Ich will die Wichtigkeit dieser Daten noch mit einem Vergleich veranschaulichen:

Aus Fehlern lernen

Das ist jetzt etwas peinlich, aber ich bestand Anfang August erfolgreich meine Diplomprüfung in der Meteorologie. Knappe zehn Tage später war ich mit Freunden unterwegs wandern. Nach ein paar Tagen in den Hohen Tauern fuhren wir in die Haller Mauern. Ich hatte damals noch kein Smartphone. Wir stiegen am Nachmittag zum Admonter Haus auf, nachts wehte der Südföhn durch. Am nächsten Tag wollten wir auf den Hexenturm steigen. Daraus wurde nichts. Wegen des Norovirus, das in einer Hütte in den Hohen Tauern umging und mich abgeschwächt erwischte, drehte ich bald um, die anderen gingen weiter. Bald fiel aber Nebel ein. Vorher wehte noch Hangaufwind. Wir trafen uns später vor der Hütte. Der Nebel wurde dichter. Zwei Mal waren wir uns nicht sicher, ob wir einen Donner gehört hatten. Der Wind drehte auf Nord und frischte stark auf. Wir stiegen ab, nach zehn Minuten begann es kräftiger zu donnern und kamen auf halber Strecke zur nächsten Alm in ein schweres Gewitter. Hagelschlag, stürmische Böen, Naheinschläge. Vor uns lag eine freie Weide mit Kühen, keine Chance, sich unterstellen. Schutz gab uns eine kleine Baumgruppe am Waldrand. Besser als der höchste Punkt auf der Weide – ein Blitzeinschlag war trotzdem ziemlich nah.

Links: Altocumulus floccus (mittelhohe Bewölkung, Gewittervorboten), rechts oben: Winddrehung auf Nord bei der Hütte, lebhaft im Nebel, rechts unten: Das nahende Gewitter sorgte für Stratus, der über die Kämme floss.

Ein knappes Jahr später …. wolkenloser Morgen im Hochsommer. Aufstieg über den Fadensteig auf den Schneeberg. Unterwegs traf ich jemand zum Plaudern und achtete dadurch weniger auf die Umgebung. Bei der Rast am Gipfel türmten sich südlich von uns bereits die Quellwolken. Beim Abstieg zum Zahnradbahnweg erwischte mich erneut ein Gewitter. Ich suchte Schutz im Zahnradbahntunnel, dort konnte man auf halber Tunnelstrecke durch eine Öffnung hineingehen. Bei Verkehr musste ich aber wieder kurz nach draußen. Links und rechts schlugen Blitze ein, viele Berggeher stiegen aber sogar noch auf, als ich abstieg.

Links: Ausgedehnte Altocmulus-Wolken als Gewittervorboten, rechts oben: Beginnende Quellwolkenentwicklung über Mittag mit lenticularis-Bewölkung (Föhnfische), rechts unten: sich auflösender Gewitteramboss, links über dem Berg türmt sich die nächste Gewitterwolke.

Im Laufe der Jahre hatte ich nur noch einige Streifschüsse, aber keine Überraschungen mehr.

Im September 2014 am Wechsel, einer der gewitterreichsten Regionen von Österreich, erkannte ich die Anzeichen und wir stiegen rechtzeitig ab.

Links: Altocumulus als Gewittervorboten, rechts oben: sich türmende Quellwolken, rechts unten: Gewitterwolke im Reifestadium: Starke Aufwinde dort, wo die weiße Wolke tiefhängt.

Bei der Benefizwanderung für Nepal mit Gerlinde Kaltenbrunner und Hans Goger am 18. Juni 2016 war ich ebenfalls vorgewarnt und ich hatte das einmalige Erlebnis, mich mit Kaltenbrunner unter einem Garagentor unterzustellen und das Gewitter abzuwarten.

Links: Altocumulus als Gewittervorbote, rechts: Gewitter-Böenkragen (Cumulonimbus arcus) im Bernsteiner Hügelland.

Aus meinen Bildbeschreibungen wird klar: Ich hatte eine Wolkenart identifiziert, die recht zuverlässig anzeigt, ob Gewitter bevorstehen oder nicht. Unabhängig davon, wie gut Wettermodelle waren. Im Fall von 2011 und 2016 hatten sie keine Gewitter in dieser Region gezeigt. Ich erlebte manchmal auch Fehlalarme, aber ich war immer auf der sicheren Seite. Daher ist mir diese unfreiwillige Nahtoderfahrung die letzten Jahre einfach nicht mehr passiert. Ich fungierte als freiwilliger Berater für Wandergruppen und fand immer sichere Tourenziele selbst bei instabilen Wetterverhältnissen.

Die Gewitter-Erlebnisse haben mich natürlich gekränkt, speziell knappe zwei Wochen nach dem Universitätsabschluss, und fand keine Ruhe, denn ich wollte unbedingt wissen, woran ich auch ohne moderne Technik erkennen konnte, ob mir Gefahr droht in exponiertem Gelände, und wann es besser war, vorzeitig abzubrechen. Altocumusbewölkung in verschiedenen Varianten hat sich als zuverlässiger Indikator erwiesen, um erhöhtes Gewitterpotential abzuschätzen.

Eines wird aber auch deutlich: Wenn man den Himmel nicht mehr sieht, erkennt man auch die Indikatoren nicht:

Links: Im Aufstieg zum Sadnig (Hohe Tauern, 2010), rechts: Im Abstieg vom Schmittenstein (Osterhorngruppe, 2017)

Der Besteigungsversuch am Sadnig war wenige Tage vor dem Gewittererlebnis in den Haller Mauern. Wir befanden uns vielleicht noch 150 Höhenmeter unter dem Gipfel, als man im Nebel nichts mehr sah. Die anderen stiegen weiter auf, ich wartete und stieg langsam ab, weil mir die Situation nicht geheuer war. Im Sommer 2017 war es ähnlich, wir wussten, dass eine Gewitterfront im Anmarsch war und hielten uns nur kurz am Gipfel auf. Ich beschleunigte den Abstieg, um auf der sicheren Seite zu sein, denn auch hier fühlte ich mich unwohl. Die beste Erfahrung in der Deutung von Wolken nutzt nichts, wenn man sich in der Wolke befindet und nicht sieht, was darüber ist. Im Nebel befindet man sich sprichwörtlich im Blindflug und sollte schleunigst raus, wenn Gefahr droht. Im Winter ist Nebel maximal lästig, aber im Sommer gefährlich, wenn man das sich nähernde Gewitter nicht sieht. Am Sadnig kam das Gewitter am Abend, am Schmittenstein im Abstieg, doch warteten wir es bei einer Hütte ab.

Warum man bei Gewitter besser nicht am Berg sein sollte, zeigt dieser Fall vom April 2021.

Wozu erzähl ich das grad? Wir sind hier in Österreich in der Pandemie großteils im Nebel unterwegs, weil der Föderalismus verhindert, dass man die Daten sinnvoll miteinander verknüpft und den Wissenschaftlern (und Bevölkerung) vollumfänglich zugänglich macht. In der Pandemie begeht Österreich immer wieder die gleichen Fehler, weil es nicht lernen will, weil es die Daten, die es in Hülle und Fülle gibt, nicht einmal anschauen (lassen) will. Das wäre so, wie wenn ich meine Wolkenfotos nach der Tour alle gelöscht hätte. Ich wäre gleich schlau wie vorher und wäre vielleicht schon längst tot, weil vom Blitz getroffen oder im Gewittersturm vom Grat geweht. Und so sterben auch viele Menschen, weil weder Wille noch Kompetenz gegeben ist, aus Fehlern zu lernen. Für die geplanten Öffnungsschritte ab 19. Mai soll die Indoor-Gastronomie die gleichen abstrusen Regeln wie im Vorjahr bekommen, nur statt ein Meter zwei Meter Abstand zwischen den Tischen. Das ist den Aerosolen leider wurscht.

Schlussfolgerung:

Daten, Daten, Daten – Transparenz und Aufklärung.

Das fehlt jetzt seit einem Jahr in allen zentralen Bereichen der Pandemie, angefangen von den Übertragungswegen über Kinder/Schulen und Long COVID bis hin zu den angeblichen „zusätzlich freien“ Betten in den Spitälern.

Bei Long COVID verhält es sich jetzt wie mit Lockdowns, die erst eingesetzt werden, wenn die Intensivstationen voll sind. Jetzt gibt es zunehmend Berichterstattung und Anlaufstellen werden eingerichtet, die dem Ansturm (über 50000 Betroffene und pro Tag kommen 100-200 hinzu) aber bei weitem nicht standhalten können. Eine genaue Statistik gibt es nicht. Dabei sollten Long COVID-Betroffene neben Normalpatienten, Intensivpatienten und Sterbefällen erfasst werden, damit sich vermeintliche Public-Health-Experten nicht nur auf die Mortaliätsraten beschränken, wenn sie soziale und gesundheitliche Folgen gegeneinander aufrechnen.

Zudem gibt es bereits ein ähnliches Krankheitsbild, das zu erforschen auch bei Long COVID geholfen hätte (und jetzt umgekehrt), nämlich MECFS (Chronisches Fatigue-Syndrom), das sind alleine in Österreich rund 20000 bis 30000 Patienten. Am 12. Mai ist internationaler MECFS-Tag. Die Krankheit wird oft fälschlicherweise als psychosomatisch abgestempelt (bei Long COVID sind ähnliche Versuche zu beobachten). Das passiert meistens dann, wenn Ärzte keine Ahnung haben und sich nicht näher auf etwas einlassen wollen, das nicht so leicht zu behandeln ist. MECFS ist häufiger als Multiple Sklerose, hat aber eine schlechtere Lebensqualität und keine Medikamente dagegen.

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