Tag 537: Denn sie wissen es nicht …

Wenn 70% einen Anzug tragen, der gegen Haiattacken schützt, öffne ich den gesamten Pool. Quelle: M David

Am Land ist nicht alles schlecht. An einem kleinen Kärntner Campingplatz wurde vergangene Woche streng der Impfpass kontrolliert, im Gasthof wollte die Wirtin die Impfpässe sehen. Als sie sich mit Bekannten unterhielt, beklagten sie sich gemeinsam über Impfgegner und deren abstrusen Argumente. Ein paar Kilometer weiter an einem größeren See mit riesigem Campingplatz wollte der Kellner im griechischen Lokal hingegen nichts sehen, weder Registrierung noch 3-G. Ja, outdoor, aber trotzdem. Letzendlich lässt es sich nicht an Nationalitäten festmachen, wer genau hinschaut und wer nicht. Es liegt eher daran, wer an eine Faktenvielfalt glaubt und nicht weiter darüber nachdenken möchte, sowie an persönlicher Betroffenheit und Betroffenheit von Dritten.

Dennoch ist das Thema Impfung nichts für die Eigenverantwortung. Das war es auch nicht bei Polio, Masern und anderen grindigen Krankheiten. Bei FMSE oder Borreliose (noch kein Impfschutz vorhanden) ist die Eigenverantwortung deutlicher, weil die Krankheiten nicht von Mensch zu Mensch übertragbar sind. Sobald eine Krankheit (leicht) übertragbar und potentiell tödlich ist, handelt es sich um eine gesellschaftliche Verantwortung. Anders formuliert – und das gilt für alle Aspekte in der Pandemie: Nur wer seriös und umfassend informiert wurde, kann eine eigen- und fremdverantwortliche Entscheidung treffen.

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Tag 523: Soll ich meinen Antikörpertiter bestimmen lassen?

Geimpfte infizieren sich seltener als Ungeimpfte (San Diego, Kalifornien)

Die Fragen aller Fragen. Ich bin geimpft, bin ich nun geschützt? Kurze Antwort: Es bedarf einer längeren Antwort. Es fängt nämlich schon damit an, dass erst einmal definiert werden muss, was Impfschutz bedeutet:

  1. Bin ich vor einer Infektion geschützt? – kann der Erreger in den Körper eindringen und sich vermehren, sodass ich einen positiven PCR-Befund aufweisen kann?

2. Bin ich vor symptomatischer Infektion geschützt? – also können sich trotz Impfung Krankheitssymptome entwickeln?

3. Bin ich vor Long COVID geschützt? – Kann ich unabhängig von Symptomen trotz Impfung Langzeitfolgen entwickeln?

4. Bin ich vor schweren Verläufen und Tod geschützt? Können die Viren die unteren Atemwege angreifen und die Organe durch Gerinnungsstörungen beschädigen?

5. Kann ich das Virus weiter übertragen? – Wenn ja, wie hoch ist die „Second Attack Rate“ – was ja eine wesentliche Voraussetzung für eine Eindämmung der Pandemie ist, wenn sie ausschließlich über die Impfung erfolgen soll?

Vorab:

Wer sich hier fachlich kundig informieren will, dem empfehle ich folgende deutsch/mehrsprachige Twitter-Accounts: @florian_krammer, @JohannHolzmann, @docmarton (Marton Széll, sitzt auch im NIG), @pelagicbird (Jan Hartmann), Robert Zangerle (@unfertig) und @gebirgsziege (Sigrid Neuhauser). Sie alle haben oder hatten beruflich mit dem Thema zu tun und schreiben öfter gut verständliche Erklärthreads zu den Impfstoffen und dem neuesten wissenschaftlichen Stand.

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Tag 521: NoCovid oder Flatten the curve?

ZeroCovid-Land Australien und Great-Barrington-Staaten UK, Israel und USA

Objektiv haben *wir* NoCovid-Befürworter den Kampf verloren. Seit der zweiten Welle weisen wir auf die schwerwiegenden Fehler in der Pandemiepolitik hin. Wir kritisieren die Umsetzung der Schutzmaßnahmen, die Teststrategie und vor allem den mangelnden Schutz der Kinder.

Wer die Gesundheit aufgibt, um Wirtschaft zu schützen, der wird am Ende beides verlieren.“

Wir kritisieren die falsche Abwägung von Interessen, denn wer sich für einen ZeroCovid-Weg entscheidet, rettet die Gesundheit und die Wirtschaft (Oliu-Barton et al., 2021). ZeroCovid kam in der österreichischen Berichterstattung so gut wie nie vor. Selbst im FALTER gilt die Lebensretter-Strategie als totalitäre Phantasie, die maximal verächtlich gemacht statt differenziert beleuchtet wird. Wenn selbst seriöse Wochenzeitungen sich auf KRONE-Niveau begeben, haben ZeroCovid-Argumente keine Chance in einer ohnehin polarisierten Gesellschaft.

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Tag 516: DELTA ist eine neue Pandemie

Graph: Erich Neuwirth, Beschriftung von mir, Quelle: 10. August, Just the Covid facts

Entgegen meiner Ankündigung vor drei Tagen schaffe ich es doch nicht, zwei Wochen Blogpause einzuhalten. Eher hat der richtige Zeitpunkt bisher gefehlt, um bloggen zu können. Zwischendrin erreichte mich noch ein nettes Mail, was mich bestärkte, weiterzumachen.

Es gibt da ein kleines Problem in der öffentlichen Kommunikation von Studienergebnissen: Wir haben es eigentlich mit drei Pandemien zu tun. Mit einer Wildtyp-Pandemie (wo ich jetzt einmal darüber hinwegsehe, dass in der europäische erste Welle bereits die D614G-Mutation stattgefunden hat), eine ALPHA (B.1.1.7)-Welle von Februar bis April und eine DELTA (B.1.167.2)-Welle ab Juli.

ALPHA hat sich zumindest auf der Nordhalbkugel verbreitet durchgesetzt, dann DELTA. ALPHA war weitaus ansteckender und führte auch zu schwereren Verläufen. DELTA ist noch viel ansteckender mit R(0) um 6, und damit so ansteckend wie Windpocken (Feuchtblatterln). Anekdotische Berichte sprechen ebenfalls von schwereren Verläufen, bereits nach wenigen Tagen besteht Sauerstoffbedarf und die Intensivstationen leeren sich früher, weil die (ungeimpften) Erkrankten früher den Kampf gegen Covid19 verlieren. Zudem trifft es Kinder und Jugendliche in viel größerer Zahl und es kommt auch hier viel häufiger zu schweren Verläufen. Selbst Säuglinge sind betroffen.

Selbst, wenn DELTA keine schwereren Verläufe machen würde, gilt das, was zu Beginn bei ALPHA auch gesagt wurde: Ein Virus, das mehr Menschen infiziert, ist sogar schlimmer als ein Virus, das nur kränker macht, denn die absoluten Zahlen an Schwerkranken steigen in größerem Ausmaß und dann kollabiert das Gesundheitswesen früher – etwa schlicht damit, dass Sauerstoffmasken und Sauerstoffmengen knapp werden, und banaler durch den Umstand, dass das Gesundheitspersonal weniger wurde seit der letzten Welle, weil immer mehr das Handtuch werfen angesichts der Arbeitsbedingungen.

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Tag 513: Medien- und Parteiversagen

Nur net hudeln…. in der Pandemie- und Klimakrise

Ich hätte so einige Ideen für weitere Blogtexte, z.B. über die Bedeutung der Aerosole, über fehlende Didaktik bei der Krisenkommunikation, über den Filz der Great-Barrington-Vertreter. Dann wird ausgerechnet die Chefepidemiologin der AGES, die die zweite Welle verharmloste, gegen Masken für Volksschüler war, die Rolle der Kinder im Infektionsgeschehen leugnete und forderte, mit dem Virus zu leben, als die dritte Welle gerade an Fahrt aufnahm, zur Leiterin des neuen Instituts for Infektionsepidemiologie befördert – von Geschäftsführer Kickinger, der – wie wir durch meine Recherche wissen – nicht nur FPÖ-Mitglied, sondern auch Mitglied der rechtsextremen Burschenschaft Oberösterreicher Germanen Wien ist, ein Umstand, der früher Initiativen wie STOPPTDIERECHTEN oder FPÖ FAILS immer sehr interessiert hat. Jetzt fällt die AGES allerdings ins Ressort der Grünen – und seitdem halten sie sich auffallend zurück mit Kritik an fragwürdigen Postenbesetzungen. Eine umfassende Übersicht zu den Verstrickungen völkisch-rechter Ideologien mit der „libertarian right“, zu denen Great-Barrington-Anhänger zählen, Sozialdarwinismus, Verharmlosung bis Leugnung von covidrelevanten Fakten bis hin zu den beteiligten Professoren hab ich im Menüpunkt Scheinberater aufgestellt. Das ist schon unübersichtlich langsam – aber ich schaff es nicht anders momentan, als weiter zu sammeln.

Und das ist auch grad der Punkt. Es ist Urlaubszeit, ich geh arbeiten, damit andere Urlaub machen können und der August ist entsprechend sehr dicht mit wenig Spielraum, um sich stundenlang vor den Computer zu sitzen, zu recherchieren und Beiträge zu schreiben. Ich mach das hier alles ehrenamtlich (für welches Ehrenamt auch immer ….), und meine verbleibenden freien Tage sind mir einfach zu schade dafür, um etwas zu schreiben, womit man in der politischen, gesellschaftlichen und auch journalistischen Realität Österreichs keinen Boden machen kann.

Denn es ist ein journalistisches Versagen auf ganzer Linie, dass dazu führt, dass der Bock zum Gärtner gemacht wird, statt Untersuchungsausschuss und Konsequenzen für fahrlässiges und vorsätzliches Verhalten. Nur als Kostprobe:

Der Policy Brief der AGES zum Thema Schulen am 20. Jänner 2021 wurde von Daniela Schmid mitverfasst – im Interview mit dem FALTER las sich das aber ganz anders. Kein Medium hat es für notwendig befunden, diesen Widerspruch aufzuklären.

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