OMICRON/BA.1

Mit bürgerlichem Namen B.1.1.529 – ging aus der ALPHA-Linie (B.1.1.7) hervor, wahrscheinlich wurde ein immungeschwächter chronisch kranker Mensch (z.B. HIV) mit der ALPHA-Variante infiziert und das Virus ist dann über Wochen und Monate im Körper mutiert (siehe Riddell et al, 15.01.22, preprint).

Als Südafrika die neue Variante entdeckte, ist sie längst in Europa zirkuliert. Die Reisebeschränkungen trafen Südafrika schwer, denn mit dem Passagiermaschinen kam auch viel dringend benötigte Fracht u.a. für die PCR-Laborkapazitäten.

Eigenschaften

OMICRON ist ähnlich infektiös wie DELTA, zeigt aber einen deutlich größeren Immun Escape. Eine Studie von Shalamova et al. (20.01.22) weist erstmals einen Interferon (IFN)-Escape nach, der sich gegenüber dem Wildtyp und DELTA noch einmal vergrößert hat:

  • IFN-Produktion in infizierten Zellen wird unterdrückt
  • Interferon sendet noch vor den B- und T-Zellen ein „SOS-Signal“, das Nachbarzellen vor Infektion warnt – ist dieses gestört, kann sich das Virus besser vermehren. In den oberen Atemwegen ist die Interferonantwort normalerweise stärker, das erklärt auch die vermehrte Infektion der oberen Atemwege und höhere Infektiösität.

Erklärung der neuesten Erkenntnisse von Molekularbiologe Ulrich Elling.

Übersichtsartikel

Mutationen und Subvarianten

Spike-Protein und Mutationen bei DELTA (links) und OMICRON (rechts)

34 Spike Mutationen von OMICRON (B.1.1.529): A67V, H69del, V70del, T95I, G142D, V143del, Y144del, Y145del, N211del, L212I, ins214EPE, G339D, S371L, S373P, K417N, N440K, G446S, S477N, T478K, E484A, Q493R, Q498R, G496S, T547K, D614G, H655Y, N679K, P681H, N764K, D796Y, N856K, Q954H, N969K, L981F

  • mehrere RBD/NTD-Mutationen verbunden mit Widerstand gegen neutralisierende Antikörper (und therapeutische monoklonale Antikörper)
  • Mutationscluster (H655Y, N679K,P681H) mit effektiverem Zelleintritt (erhöhte Übertragbarkeit)
  • nsp6 deletion (Delta 105-107) ähnlich wie ALPHA, BETA, GAMMA, LAMBDA – könnte der innaten Immunität entkommen (ebenfalls erhöhte Übertragbarkeit)
  • R203K+G204R Mutationen im Nukleokapsid – gesehen bei ALPHA, GAMMA und LAMBDA (erhöhte Infektiösität)

„Omicronviren können in zwei große Gruppen eingeteilt werden, die man als PANGO Lineage BA.1 und BA.2 oder Nextstrain-Kladen 21K und 21L genannt. (Eine Klade, auch Monophylum, monophyletische Gruppe oder geschlossene Abstammungsgemeinschaft, ist in der Biologie eine systematische Einheit, die einen gemeinsamen Vorfahren und alle seine Nachfahren enthält.)

Die Mehrzahl der global sequenzierten Omicronfälle waren bisher 21K (rund 630000), eine kleine Minderheit 21L (rund 18000), doch nimmt 21L rasch zu. 21K und 21L unterscheiden sich bei rund 40 Aminosäurestellen, was eine Menge im Kontext der SARS-CoV2-Entwicklung ist – vergleichbar zu den Unterschieden von ALPHA, BETA und GAMMA. 21K und 21L teilen den stark mutierten RBD des Spike-Proteins, unterscheiden sich aber in der NTD.“ (Trevor Beford)

Subvariante BA.2

BA.2 hat 32 Mutationen mit BA.1 gemeinsam, dafür 28 einzigartige Mutationen – das ist mehr als bei allen früheren Varianten vor OMICRON.

Mehr zur Subvariante BA.2, die zunehmend dominant wird, im Menüpunkt BA.2.

Veränderungen bei Symptomen gegenüber früheren Varianten

Vergleich Symptome OMICRON (n = 175000) und DELTA (n = 88000), UK Technical briefing 34 (14.01.22)

Beobachtungsdaten mit großer Anzahl an Teilnehmern bestätigen anekdotische Berichte und kleinere Beobachtungsstudien (z.B. Brandal et al., 16.12.21), dass der Verlust von Geruch- und Geschmackssinn deutlich seltener auftritt als bei DELTA. Halsweh hingegen häufiger. Was sich nicht bestätigt hat, ist, dass Schnupfensymptome häufiger geworden sind.

Auch möglich: Doppelinfektion mit DELTA und Influenza:

Schwere der Verläufe

OMICRON ist zwar „milder“ als DELTA, aber 3x so schwer wie der Wildtyp
Quelle: @_b_meyer, Virologe, Infektiionsmedizin Uniklinik Magdeburg

Unklar: OMICRON und Long COVID

Wirksamkeit monoklonale Antikörper (Medikamente)

Immunität nach Impfung und Infektion

Carreno et al. (21.12.21, preprint) – Neutralisierung von OMICRON je nach Exposition durch Infektion, Impfung oder Infektion und Impfung.

OMICRON-spezifischer Booster oder 4. herkömmliche Impfung

Schutz der 3. Impfung vor Hospitalisierung

Der Schutz nimmt innerhalb weniger Monate ab von anfangs 90% auf rund 60%.

Hansen et al.,
Vaccine effectiveness against infection and COVID-19-associated hospitalisation with the Omicron (B.1.1.529) variant after vaccination with the BNT162b2 or mRNA-1273 vaccine: A nationwide Danish cohort study
(30.03.22 – 40-50% weiterhin gegen Infektion nach dem Booster )

Schutz vor symptomatischer Infektion

Diagnostik

Viruslast und Übertragung

Omicron ist derzeit die sich am schnellsten verbreitende Krankheit, die es je gegeben hat. Während die Viruslast und Infektiösität ähnlich zu DELTA sind („viel ansteckender als DELTA ist falsch“), hat sich die Generationszeit (Intervall zwischen Infektionszeitpunkt einer Person und Sekundärinfektion) deutlich verkürzt. Das Virus vermehrt sich schneller auf den Schleimhäuten und man ist früher ansteckend. Nach Kim et al. (25.12.21) liegt das serielle Intervall (Intervall zwischen Symptombeginn von Indexfall und Folgefall) bei nur 2,2 Tagen, bei Backer et al. (18.01.22) bei 3,4 Tagen (ebenfalls kürzer)

60 Tage nach einem Fall hat man bei Masern 50 600 Fälle (Generationszeit 15 Tage), bei OMICON bereits 244 000 000 Fälle (Generationszeit unter 5 Tage).

Wegen dem großen Immun Escape (verringerter Schutz vor Infektion bei Genesenen und Geimpften) steht OMICRON wieder dieselbe Wirtspopulation wie dem Wildtyp im März 2020 zur Verfügung. Ähnlich infektiös wie DELTA ist jedoch keine Entwarnung, da DELTA bereits hochansteckend war!

Mit OMICRON zur Herdenimmunität? Eher nicht…

Immunnaive (nicht Geimpfte) Menschen sind nach OMICRON nicht gegen DELTA geschützt, umgekehrt sind mit früheren Varianten infizierte (und noch nicht geimpfte) Menschen kaum vor OMICRON geschützt. Unklar ist außerdem, ob man mit OMICRON (BA.1) gegen die Subvariante BA.2 geschützt ist und umgekehrt – bzw. ob Reinfektionen möglich sind. Jede Reinfektion kann zur Belastung für den Körper werden und ggf. bestehende Folgeschäden verstärken oder neue „Vorerkrankungen“ auslösen.