Tag 110: Wanderurlaub wird schwierig

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Endlich wieder Bergluft schnuppern

Ich war das Wochenende über das erste Mal seit vor Corona auswärts übernachten, in einem Gasthof, der auf Wanderer spezialisiert ist. Dort hab ich schon öfter übernachtet, wenn ich Wanderungen unternommen habe. Die KellnerInnen haben löblicherweise Masken getragen. Als eine von ihnen gerade wieder den Mundschutz aufsetzte, bevor sie zu den Tischen bedienen ging, meinte ein älterer Gast (Einheimischer): „Na wegen mir brauchst Du die Maske nicht aufsetzen!“ Sie entgegnete schlagfertig: „Aber wegen mir vielleicht?!“ Das Verständnis für die Tröpfcheninfektion ist angekommen, das für die Aerosolinfektion leider nicht. Weiterlesen

Tag 107: Und nun …?

Während immer weniger Menschen Masken tragen, bestellte ich mir neue Masken (hier: von stoffguru.at, Wien 1150)

Vor kurzem sagte jemand: „Im Supermarkt brauchst Du keine Maske mehr.“ – Das sagt der Gesetzgeber, aber was sagt die Vernunft? Deswegen ist für mich vollkommen irrelevant, wo man Masken braucht und wo nicht, jedenfalls dort, wo bis vor kurzem noch die Maskenpflicht galt. Ich trage sie dann, wenn es eng mit vielen anderen Menschen wird.
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Tag 103: Das Virus geht nicht mehr weg!

Nach allem, was ich bisher von meiner kundigen Timeline voller FachexpertInnen an Informationen aufgesaugt habe, ist das Virus gekommen, um zu bleiben. Mit über 180 000 Neuinfektionen am Tag weltweit gibt es aktuell soviele wie nie zuvor.

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Täglich neu bestätigte Covid19-Fälle pro Million Einwohner in ausgewählten europäischen Ländern, Quelle: https://ourworldindata.org/coronavirus-data-explorer?

Die Entwicklung in Österreichs Nachbarländern und anderen Ländern der EU zeigt bereits wieder einen leichten Trend nach oben. Selbst dort, wo die Anzahl nach unten geht, ist sie nie Null. Was geschieht hier? Meine Interpretation als interessierter Laie:

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Tag 102: Was wäre, wenn nicht Kurz regiert hätte …?

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Wien-Massentourismus vor Corona – Das kommt so schnell nicht wieder

Der Wintersportort Ischgl ist nach heutigem Stand das größte Superspreading Event von Europa, Ausgangspunkt für Infektionen in zahlreichen Ländern, deren Bewohner zur Skigaudi nach Westösterreich fuhren (flogen). Die Pandemie wird von Superspreading Events angetrieben, kleinere Ausbrüche waren und sind leichter unter Kontrolle zu bringen, weil viele Infektionsketten für das Virus in einer Sackgasse enden. In einem parallelen Universum wäre Ischgl gar nicht erst passiert. Nun ist es passiert. Wir könnten heute an einem anderen Punkt der Pandemie stehen und aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Weiterlesen

Tag 100: Kein Abgang mit Stil

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Flucht in die Berge ist meine einzige Strategie, um nicht den Lebensmut zu verlieren 

Zur Erinnerung – Tag 0 war für mich der 11. März, ironischerweise der 9. Jahrestag der Fukushima-Reaktorkatastrophe. In meinem allerersten Beitrag über Corona am 26. Februar (!)  schrieb ich diesen Satz:

Wenn das Coronadingsbums jetzt schrittweise die Infrastruktur weltweit lahmlegt, könnte man ja mal grundsätzlich hinterfragen, ob man weiter sehenden Auges mit Vollgas in den Untergang reiten will oder ob man – fünf vor zwölf – zu nachdenken anfängt, ob das klug ist, was wir gerade machen.

100 bzw. 114 Tage später stelle ich fest, nachdenken ist weiterhin nicht en vogue. Weiterlesen

Tag 98: Die alte Normalität kehrt zurück

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Nach drei Monaten Durststrecke gönnte ich mir gestern wieder mein geliebtes „Halloumi-Frühstück“ mit Qualitätszeitung SZ dazu

Seit Montag müssen mit wenigen Ausnahmen keine Masken mehr getragen werden. Die Wissenschaft ist sich inzwischen einig, dass Masken nicht nur als Fremdschutz, sondern auch als Eigenschutz sinnvoll sind. Ein hundertprozentiger Schutz ist natürlich wegen der mangelnden Filtereigenschaften einfacher Mund-Nasen-Schutzmasken nicht möglich, aber wer eine Maske trägt, verringert zumindest die Virenlast, der er durch eine infizierte Person in der Nähe ausgesetzt ist. Und je weniger Virusdosis in den Körper eindringt, desto geringer i) die Gefahr sich zu infizieren und ii) die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs. Aus dem vorletzten Drosten-Podcast wurde deutlich, dass die Nasenatmung eine größere Rolle bei der Infektionsgefahr spielt als ursprünglich angenommen. Ein Grund mehr, die Maske auch wirklich über die Nase zu ziehen und nicht nur darunter!

„Unsere Studienergebnisse legen somit nahe, dass ein Aufrechterhalten der Maskenpflicht ein kosteneffektiver, wenig ökonomieschädlicher und demokratieverträglicher Baustein auch für die weitere Eindämmung von Covid19 ist.“

Quelle: Mitze et al. (03.06.20), Maskenpflicht und ihre Wirkung auf die Corona-Pandemie: Was die Welt von Jena lernen kann

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Tag 95: Leben auf einer Insel

Die gute Nachricht zuerst:

Aufgrund der Superspreader-Eigenschaft kann das Virus schneller aussterben als befürchtet, weil viele potentielle Infektionsketten Sackgassen für die Virusübertragung sind. Warum? Aktueller Kenntnisstand ist, dass rund 10-20% aller Infizierten für 80-90% aller Übertragungen verantwortlich sind. Die meisten Übertragungen entstehen durch Cluster-Ereignisse, etwa Großveranstaltungen oder bestimmte prädestinierte Situationen wie Chorproben, Verteilerzentren beim Paketdienst oder Schlachtbetrieben. Wenn man diese vulnerablen Situationen unterbindet, kann sich das Virus nur noch durch einzelne Übertragungen verbreiten, was aber weitaus weniger effektiv ist. Dass dies tatsächlich so stattfindet, sieht man anhand der aktuellen Fallzahlen in vielen Ländern, wo es nur noch niedrige zweistellige Zuwächse pro Tag gibt. Die meisten Übertragungen finden dabei in bestehenden Clustern statt, also innerhalb der Familien und unter Arbeitskollegen. Es gibt aber kaum noch Übertragungen in Situationen, wo einander vollkommenn fremde Menschen begegnen. Weder in den dichten Sitzreihen entlang des berüchtigten Donaukanals noch aller Voraussicht nach bei der Großdemonstration in Wien vor einer Woche. Etwa die Hälfte hat Abstand gehalten, die Hälfte hat Maske getragen. Manche haben beides gemacht, manche nichts davon. Dazu war es windig und die Menschenansammlungen im Freien. Die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln bleibt bestehen, sonst wird sie leider abgeschafft, obwohl alle wissenschaftlichen Studien bestätigen, dass sie sinnvoll ist und 40-60% aller Übertragungen verhindern kann. In den USA waren zwei zwei Friseure infiziert, wussten es aber nicht. Beide trugen Masken, ebenso die Kunden. Im infizierten Zustand hatten sie insgesamt 140 Kunden und kein einziger hat sich infiziert!

Ob der Optimismus in Österreich bleibt, wenn die Maskenpflicht ab morgen fällt, sei dahingestellt:

  1. Wo bleibt die Maskenpflicht? Für Personal in der Gastronomie, bei Betreten von Veranstaltungen, von Apotheken, Taxifahrten, Autofahrten mit haushaltsfremden Personen, Öffentliche Verkehrsmittel
  2. Wo fällt sie? In geschlossenen öffentlichen Räumen, in Geschäften, Hotels, Sportstätten, Museen, Fahrgemeinschaften, Seilbahnen, Reisebussen, Ausflugsschiffen und Privatjets.

Mein einziger Kommentar dazu: Jene, die sich oder Angehörige nicht gefährden und kein Risiko eingehen wollen, müssen ab jetzt eben FFP2-Masken tragen. Ein – bei den aktuellen Fallzahlen – geringes Risiko bleibt, ist aber viel geringer als die langfristige Gefährdung durch andere Todesursachen. Der Individualverkehr ist fast wieder auf Ausgangsniveau, die Feinstaubbelastung steigt, ebenso die Unfallgefahr. Über Prävention wird leider überhaupt nicht geredet, wie man einige der Risikofaktoren, die viele Gefährdete erst anfällig für einen schweren Verlauf macht (z.b. Übergewicht, Rauchen, Feinstaubbelastung, chronischer Stress), bekämpfen könnte.

Zur schlechten Nachricht Nr.1 : Im Vergleich zu Tag 56 (06. Mai) ergibt sich eine wesentliche Änderung meiner damaligen Zusammenfassung: Die Übertragung über die Nase scheint eine größere Rolle zu spielen als angenommen (noch ein Grund mehr, weshalb vor allem Männer ihren Nasenpenis unter die Maske ziehen sollten statt ihn darüber baumeln zu lassen).

Zur schlechten Nachricht Nr.2: Das Virus mutiert und es können zwei verschiedene Varianten gleichzeitig eine Person infizieren. Aber: Drosten führt auch aus, dass das Virus durch die Mutation vermehrt in der Nase repliziert, wovon wir aber nicht sehr krank werden. Es würde langfristig eher zu einem Schnupfen werden. Genauso könnte passieren, dass es allgemein stärker repliziert, auch in der Lunge, dann würden wir uns schneller krank fühlen und eher zu Hause bleiben, sodass die Übertragungsrate sinkt. Das Virus könnte dann rascher eingedämmt werden.

Sonstige Nachrichten:

  • Der Anteil der asymptomatischen Übertragung wird jetzt übrigens auf einen niedrigen einstelligen Prozentanteil geschätzt, während 40-60% aller Übertragungen präsymptomatisch stattfinden.
  • Mehrere europäische Länder sichern sich einen höchst fragwürdigen Impfstoffaus Großbritannien – fragwürdig deswegen, weil eine seriöse Impfstoffentwicklung frühestens im Sommer 2021 abgeschlossen sein wird. Ob es tatsächlich schon Ende 2020 der Fall ist, sei dahingestellt. Vielleicht sollte man hier ein wenig auf die Bremse steigen.
  • Es laufen aber auch noch andere Impfstoffversuche von insgesamt über 100 Kandidaten, von denen aber nur rund 10% wirklich aussichtsreich sind.

Ansonsten: Ich hab 17 Urlaubstage durch den Lockdown und die geschlossene Gastronomie und Unterkünfte verloren. Die ersetzt mir niemand mehr. Wer seinen Urlaub später im Jahr gebucht hat, hat Glück und mehr davon. Je später es wird, desto mehr wird wieder gelockert und desto unkomplizierter und bequemer ist der eigene Freiheitsgrad. Das Verhalten der österreichischen Regierung macht mir Angst. Sie unternimmt keinerlei Anstalten, etwa das Arbeitslosengeld wenigstens befristet von 55% auf mindestens 70% zu erhöhen. Stattdessen gibt es 450 Euro Einmalzahlung. Das ist so wenig wie die lächerlichen Beträge für EPUs, Gastwirte und sonstige Unternehmen, die davon nicht mal Miete und Umsatzverluste ersetzen können. Das Geld wäre vorhanden, nur ein Bruchteil der versprochenen Hilfsgelder wurden bisher ausgezahlt, und das Wording ist auch vollkommen falsch, denn in Wahrheit stehen alle Entschädigungen zu, denen auf behördliche Anweisung das Geschäft geschlossen wurde. Dafür gabs ein Epidemiegesetz. Das wurde gekübelt. Die systemrelevante Arbeit wurde bereits wieder vergessen.

Als Mitte März der Flugverkehr rapide zurückging, waren viele in der Luftfahrtbranche noch zweckoptimistisch, dass die Talsohle im Mai erreicht würde und ab dem Sommer wieder Vollbetrieb angesteuert würde. Das Argument war: Die Leute wollen unbedingt wieder fliegen, es würde einen regelrechten Run auf Flugtickets geben. Jetzt ist Juni, ab morgen läuft der Flugbetrieb bei zahlreichen Airlines wieder an, nachdem die Reisebeschränkungen zunehmend fallen. Vorerst nur kontinental, denn in Ländern wie Russland, China, USA, aber auch Schweden und Großbritannien sind die Fallzahlen immer noch hoch oder steigen schon wieder.. Südamerika hat es besonders schlimm erwischt. Aber im Spätsommer werden wir höchstens 25% vom Vorkrisenniveau erreichen und inzwischen rechnet niemand mehr damit, dass vor dem Jahr 2023 wieder das Vorkrisenniveau erreicht wird. Der FRAPORT-Chef rechnet sogar damit, dass selbst nach 2023 höchstens 90% erreicht werden. Das alles unter der Prämisse übrigens, dass wir keine zweite Welle und keinen erneuten Lockdown bzw. erneute Reisebeschränkungen erleben werden. Für die Branche selbst und auch meinen Arbeitsplatz sieht es langfristig düster aus. Die vermeintlich sichere Zukunft ist plötzlich keine mehr. Und das alles wegen drei Monate Stillstand und drei Jahren mageren Wachstums. Das ging halt viel zu schnell, um sich darauf einzustellen oder nach Alternativen zu suchen. Wenn dann coronabedingt alle Branchen leiden und die Zeichen eher auf Personalabbau stehen, dann ists vielleicht ein wenig verständlich, dass man in den Jubel über den geringen Flugverkehr nicht einstimmen kann – fürs Klima macht es ohnehin nicht so viel aus, dass das alleine reicht.

Tag 90: Solidarität? Not in my backyard!

Es tut sich gerade eine Menge, wenn auch nicht überall dort, wo Handlungsbedarf besteht.

Universitäten sind immer noch geschlossen

Die Universitäten dürfen immer noch nicht betreten werden. Reich waren Studenten noch nie, zu studieren und nebenher das Studium durch Nebenjobs zu finanzieren immer eine schmale Gratwanderung, die meist darin gipfelt, einige Semester dranhängen zu müssen. Die Verschulung der Studien durch die missglückte Bolognareform führte zu mehr Anwesenheitspflichten, was die Situation für prekär lebende Studierende noch schwieriger gemacht hat. Über StudentInnen hört man seit Monaten allerdings reichlich wenig. Die Wiener Linien haben das Semesterticket verlängert. Was wurde sonst als Entlastung beschlossen? Die Aussetzung der Studiengebühren wurde abgelehnt. Gerade die typischen Studentenjobs – kellnern in der Gastronomie – sind zu nahezu 100% weggefallen. Selbst jetzt, wo die Gastwirte wieder aufsperren durften, ist der Umsatz eingebrochen und ohne Trinkgelder fallen die Löhne sehr mager aus. Eine Sackgasse auf unabsehbare Zeit.

Demonstrationen: Segen oder Fluch?

Es gab beeindruckend viele Teilnehmer bei den Demonstrationen, teilweise leider ohne Abstand halten und ohne Masken tragen. Auch wenn es nur wenige Ansteckungen im Freien gibt, ignorieren kann man die Gefahr von Menschenansammlungen im Freien nicht, wie ein historisches Beispiel einer Parade in Philadelphia während der Spanischen Grippe zeigt – damals wurden allerdings keine Masken getragen. Zuletzt mehrten sich die Anzeichen, dass während Großdemonstrationen künftig Maskenpflicht herrscht. Es wäre nur allzu tragisch, wenn der berechtigte Protest gegen Rassismus zu einem Wiederanstieg an Infektionen führt und Menschen das Leben kostet, die aus welchen Gründen auch immer den Kampf gegen das Virus verlieren.

„»I can‘t breathe« sind übrigens auch die letzten Worte, wenn man an Covid-19 grauenvoll erstickt. Denkt bei der nächste Demo bitte daran. Danke. “ (@gallenbitter, Twitter, 07.06., 11.52)

Das mag überspitzt klingen, aber es ist eben durchaus etwas dran, sich für etwas zu engagieren und gleichzeitig Risikogruppen wortwörtlich ins Gesicht zu spucken. Da geht es nicht einmal darum, dass Menschen mit Risikofaktoren daheim bleiben sollten, sondern dass sich Teilnehmer infizieren und in der symptomfreien Phase dann Menschen mit Risikofaktoren anstecken. Wie wichtig es ist, Cluster zuzuordnen, zeigt dieser Thread aus Deutschland. Es sind also nicht nur die letzten Kontakte wichtig, die der Infizierte gehabt hat, sondern zentral ist die Frage: „Warst Du zuletzt auf einer größeren Veranstaltung?“ Gerade solche Massenveranstaltungen wären also ein idealer Einsatzort für Contact Tracing Apps.

Trotz allen Befürchtungen, durch solche Veranstaltungen würde eine zweite Welle entstehen, muss man aber auch mal die Kirche im Dorf lassen. Bei den ersten Bildern aus dem Prater oder von der Donauinsel empörten sich viele, die seien Schuld, wenn der Lockdown länger dauert. Später dasselbe mit den geöffneten Baumärkten, dann die Gastronomie. Nichts ist passiert. Die Infektionen finden weiterhin hauptsächlich innerhalb bestehender Cluster statt, etwa um die Postzentren herum, sowie innerhalb Familienverbände und deren Verwandte. Lokale Anstiege gibt es hingegen durch die geöffneten Schulen und Kindergärten. Innenräume sind nun einmal gefährdeter, sogar viel eher als Massenveranstaltungen im Freien. Man sieht aber auch, dass viele Menschen die Zusammenhänge immer noch nicht begreifen. Konzerte im Freien ja, in der Stadthalle oder in Jazzkellern eher nein. Die Durchlüftung macht den Unterschied. Gerade Bars und Nachtclubs erscheinen als Orte mit der größten Ansteckungsgefahr. Abstand einhalten mit viel Alkohol intus? Lärmpegel, Schreien, feuchte Aussprache, Umarmungen, Tanzen, etc… Bis zur Impfstoffentwicklung ist das für mich nur vorstellbar, wenn es einen seriösen Schnelltest auf Antikörper oder virale RNA gibt.

Symptomfreie Ansteckung?

Apropos symptomfrei: Die Rolle der WHO ist mehr als unglücklich in dieser Pandemie. Erst wurde die Gefahr aus China heruntergespielt, dann hat man sich zu lange gegen den Maskeneinsatz gewehrt und jetzt sorgt eine irreführende Aussage zur Ansteckungsgefahr für Verwirrung:

„Corona patients without symptoms aren’t driving the spread of the virus.“

Was gemeint war:

Menschen, die im gesamten Verlauf der Infektion keine Symptome zeigen, sind kaum ansteckend.

Was ankommt:

Menschen ohne Symptome sind nicht ansteckend.

Hier fehlt die Unterscheidung zwischen präsymptomatisch (also ohne Symptome bis zum Ausbruch der Erkrankung) und asymptomatisch (durchwegs symptomfrei). Nur: Ohne follow-up-Studien weiß man nie, ob ein symptomfreier Infizierter später nicht doch noch Symptome entwickelt. In diesem Thread wurde die Problematik davon erläutert, hier auf Deutsch.

Ungeachtet dessen also, was die WHO sagt. Menschen sind unmittelbar vor den ersten Symptomen und am ersten Tag der Symptome am anstecksten. Darum tragen wir ja alle Masken, bzw. sollten sie tragen, in Österreich wurde die Maskenpflicht leider weitgehend abgeschafft. Und leider wurde die Teststrategie wieder geändert und geht wieder Richtung „nur mit Symptomen“ testen.

Arbeitsplätze gegeneinander ausspielen

Letzter Punkt: Die Regierung hat sich gemeinsam mit der AUA und Mutterkonzern Lufthansa endlich auf ein Rettungspaket geeignet. 150 Mio schießt der österreichische Staat aus den Steuergeldern zu, der Rest kommt von der Lufthansa und von staatlich garantierten Bankgarantien. Einen gewichtigen Anteil liefert aber auch das AUA-Personal, das über Jahre hinweg schmerzhafte Einkommensverluste hinnimmt, um ihren Job zu behalten, mit Ausnahme der Pensionisten, die nicht auf ihre üppigen Pensionen verzichten wollen. Das Paket enthält einige ökologisch motivierte Auflagen, etwa Aufpreise für Kurzstrecken und ein Anti-Dumping-Gesetz, das alle Fluglinien (nicht nur die AUA) künftig daran hindern soll, die Preisspirale immer weiter nach unten zu drehen wie bisher. Die Kritiker stören sich vor allem daran, dass sich der Staat nicht am Unternehmen (und künftiger Gewinne) beteiligen will – erst bei einer Insolvenz geht die AUA in Staatsbesitz über.

Ungeachtet dessen sind die 7000 Mitarbeiter und deren Familien erleichtert. Es wird immer noch vergessen, dass nicht nur die AUA-Arbeitsplätze gerettet wurden, sondern auch viele von den Flughäfen in Österreich, der Flugsicherung, den Zulieferbetrieben bis hin zu den Wirtschaftszweigen, die vom Flugverkehr abhängig sind, Kongresstourismus, Urlaubstourismus in ganz Österreich, indirekt also auch Hotels und Gastronomie und deren Zulieferer. Man mag sich auch vorstellen, dass internationale Musiker und Künstler von globalem Tourismus abhängen, also in Punkto gar nicht mehr fliegen versus zumindest weniger fliegen.

Warum man die Kurzstreckenflüge nicht sofort auflässt, wird gefragt. Das hängt mit der Drehkreuzfunktion zusammen. Als Beispiel für einen unnötigen Flug bringen viele immer wieder Wien-Linz, dabei wurde diese Strecke bereits im Herbst 2018 aufgelassen. Wien-Graz dauert derzeit noch 2 Stunden 40min und wird wahrscheinlich aufgelassen, Wien-Salzburg sind von Flughafen zur Stadt ebenfalls 2h 40min und ist ebenso in Frage gestellt. Klagenfurt und Innsbruck hängen am Semmeringbasistunnel, am Koralmtunnel und am viergleisigen Ausbau der Westbahnstrecke westlich von Straßwalchen bzw. am Großen Deutschen Eck mit den kurvenreichen Langsamfahrstellen. Und da zeigt sich ein Kapazitätenproblem: Überall, wo es nur zweigleisige Strecken gibt, leidet entweder der Nahverkehr oder der Fernverkehr. Private Anbieter wie CAT oder Westbahn erschweren kürzere Intervalle für alle. Ohne CAT wäre ein 15min-Intervall der S-Bahn zum Flughafen möglich ohne Westbahn könnte der Nahverkehr zwischen Linz und Salzburg besser angebunden werden. Generell gibt es entlang der Westbahn das Problem extrem kurzer Umstiegszeiten vom Fernverkehr auf Nahverkehrszüge, die Verspätungen nicht abwarten können, weil sie das Hauptgleis blockieren (selbst schon oft zum eigenen Leidwesen miterlebt). Außerdem waren die Züge vor Corona zwischen Wien und Salzburg oft überfüllt. Etwas, was man sich derzeit nicht erlauben sollte.

Was heißt das? Bahnkapazitäten, sowohl Infrastruktur als auch Personal, fallen nicht vom Himmel, auch nicht während einer Existenzkrise der Luftfahrt. Das dauert Jahre bis Jahrzehnte, bis die Bahn so gut ausgebaut wurde, sowohl Kapazitäten als auch Geschwindigkeit, dass der steigende Bedarf gedeckt werden kann. Das ist die Realität. Mir wäre auch lieber, es wäre anders, nachdem ich kein Auto habe und die Bahn dem Flugzeug eher vorziehe.

Was mich jetzt aber am meisten stört, ist der Versuch, die krachenden Existenzen der Kleinunternehmer gegen die AUA-Mitarbeiter auszuspielen. Rechenspiele, wie viele EPUs mit dem Steuergeld für die AUA hätten gerettet werden können. Das Herunterbrechen der 150 Millionen pro AUA-Mitarbeiter, als ob die davon etwas sehen würden. Warum? Es ist unbestritten, dass die WKO versagt hat und die Unernsthaftigkeit, mit der die türkisen Minister nachbessern, zeigt, dass ein gewisser Prozentsatz an Pleiten gewollt sind. Das Epidemiegesetz wurde ausgehebelt, um diese Pleiten zu ermöglichen. Nur die Stärksten sollen überleben. Aber es liegt nicht am fehlenden Geld. Für PR-Budget-Erhöhung vom Bundeskanzleramt ist genug da, da sprudeln die Millionen. Vermögen- und Erbschaftsteuern sind Tabuthemen. Es fehlt nicht am Geld, sondern am politischen Wille. Der wäre auch nicht vorhanden, wenn die AUA in die Insolvenz geschickt worden wäre. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Kernappell: Schuld an der Misere der EPUs und aller, die von der WKO keine oder nur lächerlich geringe Hilfen erhalten, sind nicht die AUA und deren Mitarbeiter, bei denen sowieso der Sparstift angesetzt wurde, sondern alleine die türkisgrüne Bundesregierung mit Betonung auf türkis. Vielleicht wärs denkbar, harte Kritik zu üben, ohne andere Arbeitsplätze abzuwerten.

Tag 87: Einen zweiten Lockdown verhindern

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Ruine Landsee am Pfingstmontag, Blick in die Ungarische Tiefebene

Auch in den USA stellt man sich derzeit die Frage, wie man einen zweiten Lockdown verhindern kann. Wenn uns bereits ein einmaliger Lockdown von wenigen Wochen bzw. nicht einmal zwei Monate in eine tiefe Rezession schlittern lässt und uns Jahre zurückwirft in der wirtschaftlichen (und gesellschaftlichen) Entwicklung, was würde erst bei einer zweiten Welle passieren? Zwar mehren sich mittlerweile die Expertenstimmen (Drosten, Streeck, Penninger) , dass eine zweite Welle wahrscheinlich nicht stattfindet, weil sich das Virus hochgradig über Cluster-Ereignisse weiterverbreitet, also nur 10-20% der Infizierten 80-90% der Sekundärinfektionen verursachen und nicht, wie allgemein über Wochen verlautbar wurde, „jeder Infizierte zwei bis drei weitere Personen ansteckt.“ Vielmehr steckt die Mehrheit gar niemanden an. Das frühzeitige Unterbinden von Großveranstaltungen und das Schließen von Clubs und Bars hat einen Kollaps des Gesundheitssystems in den meisten Ländern verhindert, selbst in Italien war hauptsächlich die Lombardei betroffen, der Süden hingegen kaum. In den USA war die US-Ostküste viel stärker betroffen als die Westküste.

In diesem gewohnt qualitativ hochwertigen Artikel des Wissenschaftsjournals Statnews wurden 11 Experten der Virologie, Epidemologie, etc. gefragt, wie man einen zweiten Lockdown verhindern kann: Weiterlesen

Tag 85: Symptome im Blickfeld haben

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Die obige Tabelle habe ich einem Beitrag von Dr. John Campbell entnommen, die er (so ähnlich) als Beispiel für eine Selbstüberwachung bei möglichen Symptomen angeführt hat (was fehlt: Verlust des Geruchs/Geschmackssinns und Covid-Zehen). Einer meiner ersten verlinkten Beiträge hier war von einer Cardiopraxis hinsichtlich Indikatoren für eine (beginnende) Infektion. Unabhängig von den ganzen Messungen, die ich nur am Anfang, später dann nur noch lose durchgeführt habe (lediglich Puls und Sauerstoffsättigung (Ox) werden regelmäßig registriert) merkte ich mir die folgende Passage:

Um eine Störung der Lunge so gut es geht zu erfassen, müssen Sie sich deutlich über Ihre Alltagaktivität hinaus belasten. Sie können mehr auf Ihre Atemreserven achten, indem Sie sich täglich einer forcierten standardisierten körperlichen Belastung aussetzen. […]

Sollten Sie sich bei einem regelmäßigen standardisierten Training früher erschöpft fühlen und/ oder Luftnot verspüren, d.h. nach 10 Minuten anstatt der sonst üblichen 20 Minuten, dann ist das zu mindestens ein Hinweis darauf, dass etwas mit der Lunge nicht in Ordnung sein kann. Spätestens jetzt sollten Sie Ihre Körpertemperatur messen.

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