Tag 110: Wanderurlaub wird schwierig

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Endlich wieder Bergluft schnuppern

Ich war das Wochenende über das erste Mal seit vor Corona auswärts übernachten, in einem Gasthof, der auf Wanderer spezialisiert ist. Dort hab ich schon öfter übernachtet, wenn ich Wanderungen unternommen habe. Die KellnerInnen haben löblicherweise Masken getragen. Als eine von ihnen gerade wieder den Mundschutz aufsetzte, bevor sie zu den Tischen bedienen ging, meinte ein älterer Gast (Einheimischer): „Na wegen mir brauchst Du die Maske nicht aufsetzen!“ Sie entgegnete schlagfertig: „Aber wegen mir vielleicht?!“ Das Verständnis für die Tröpfcheninfektion ist angekommen, das für die Aerosolinfektion leider nicht.

Als wir die Zimmer bezogen, waren die Fenster geschlossen. Idealerweise sind sie zumindest gekippt, dass Frischluftzufuhr stattfinden kann. Abends saßen wir länger draußen, bis es richtig frisch wurde. Im Gastraum waren nur zwei Tische besetzt, wir saßen möglichst weit auseinander. Die Fenster waren auch hier alle geschlossen. Im Nebenraum (Tür offen) wurde lautstark gefeiert. Beim Frühstück hatte ich ebenfalls ein ungutes Gefühl. Alle Tische waren reserviert für die jeweiligen Gruppen, der Raum fühlte sich langsam. Keine Fenster offen. Der Hygienespender, der am Abend noch vor dem Frühstücksraum stand, wurde in der Früh in den Raum an die Seite befördert mit eher unauffälligem Hinweis, sich vor dem Bedienen am Buffet die Hände zu desinfizieren. Offenes Buffet mit gemeinsamen Geschirr für Käse, Wurst, Eierbecher, etc. Gemeinsame Salz- und Pfefferstreuer am Tisch. Besser wärs, jeder würde sein eigenes Geschirr verwenden, um sich zu bedienen. Je mehr Gäste den Frühstücksraum betraten, desto unwohler fühlte ich mich. Ich hätte natürlich was sagen können zum Gastwirt und aufklären über Kontakt- und Aerosolinfektion, aber ich weiß nicht, ob das so auf offene Ohren gestoßen wäre. Zumal ich kein Experte bin. Vielleicht schreib ich noch ein Mail. Ich denke mir nur, er sollte das von dieser Seite sehen: Er möchte sicherlich keine Negativwerbung für seine Unterkunft als einer der Gastgeber, wo ein Superspreadereignis stattgefunden hat. Das kann derzeit kein Hotelbetreiber brauchen. Es ist also im eigenen Interesse, es für den Gast etwas unbequemer und umständlicher zu machen (z.b., indem es morgens im Frühstücksraum mit geöffneten Fenstern relativ kühl ist und man halt ein Jackerl anziehen muss). Ich muss jetzt hoffen, dass unter den anderen Gästen keiner infiziert war und ich mich unbemerkt angesteckt habe. Bei der Hütteneinkehr am Berg sah ich ebenfalls das Problem: Draußen sitzen und Abstand zu anderen Gruppen halten ist meistens kein Problem, aber wehe es fängt an zu schütten bzw. zu gewittern. In der Hütte bekäme zwar jeder einen Platz, aber mit Abstand oder Frischluftzufuhr ist dann nichts mehr.

Für mich persönlich bedeutet das, nur am Berg zu gehen, wenn ich Gewitter ausschließen kann (falls Hütteneinkehr geplant), was ich ohnehin meist tue, da ich schon ein paar deftige Gewitter am Berg erlebt habe. Außerdem unter der Woche zu gehen und ausschließlich unter der Woche zu übernachten, um einen größeren Andrang zu vermeiden.

Mit den Unterkünften selbst muss man was tun, aber konstruktiv durch Aufklärung. Die Regierung hat das nie erklärt, wie das mit der Ansteckung genau funktioniert. In den kleinen Dörfern in den verwinkelten Tälern gibt es keinen „Standard“ oder „Presse“, dort hängt maximal ein Zeitungsständer mit der „Kronenzeitung“. Im Radio läuft der Bundeslandsender, auch keine Quelle für informative Berichterstattung zur Virusverbreitung. Woher soll man also wissen, wie ansteckend das Virus wirklich ist?