Tag 324: Kinder gegen Kinder ausspielen?

Zuerst die Fakten:

  1. Kinder infizieren sich nicht seltener als Erwachsene – und nachdem die neue Mutation dem Virus erleichtert, sich an die ACE2-Rezeptoren zu binden, von denen das Kind weniger hat, würde dieser Schutz, selbst wenn er bisher eine Rolle gespielt hätte, nun zunichte gemacht.
  2. Kinder infizieren andere Kinder und tragen das Virus in die Familien. Das wissen wir von den meisten Atemwegsinfekten, das ist bei der Influenza so, bei gewöhnlichen Erkältungscoronaviren, warum hätte es bei SARS-CoV-2 anders sein sollen? Damit die Pandemiebewältigung für den Staat bequemer wäre?
  3. Kinder sind systematisch untertestet aus vielen Gründen, einerseits werden sie unter 10 Jahren automatisch als Kontaktperson II eingestuft und häufig nicht getestet, dann werden symptomatische Elternteile getestet, aber bis dann die Kinder getestet sind, sind sie häufig wieder PCR-negativ. Antigentests wie der jetzt in Schulen verwendete LEPU sind nicht validiert und weisen möglicherweise Defizite bei der Erkennung symptomfreier Infizierter auf.
  4. Bisher wurden 350 Kinder wegen Covid19 im Spital behandelt, 20 waren auf der Intensivstation. Mikrothrombosen werden auch bei symptomfreien oder milden Verläufen häufig beobachtet – im Einklang zu den Beobachtungen bei Erwachsenen. Multisystemische Entzündungen (MIS-C) sind eine weitere, mitunter schwerwiegende Spätfolge.
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Tag 319: Solche Beidln….

Mein Kraftplatz

Der Grad der Erschöpfung wächst grad direkt proportional zum Grad der Wut auf das Establishment. Man kann ja nicht einmal dagegen demonstrieren gehen, denn der halbherzige Lockdown führt dazu, dass sowohl die Lockdownverschärfer als auch die Lockdownlockerer die Absetzung der Regierung fordern. Sobald rechtsextreme Ideologen und Verschwörungsmythiker auftauchen, ist Ende Gelände. Da würde ich als anständiger Mensch sofort das Weite suchen. Über 200 000 unterschrieben ein Volksbegehren für Impffreiheit, dabei gibt es nicht einmal eine Impfpflicht, geschweige denn ein Impfrecht, außer für moralisch verkommene Bürgermeister. Oh ich kann derzeit gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte, und ich sollte eigentlich abnehmen. Der harte Lockdown dies, der harte Lockdown das, dabei HABEN wir gar keinen HARTEN Lockdown! Er ist BUTTERWEICH mit zig Ausnahmen, und am allerschlimmsten ist die Tiroler Adlerpartie. Sie tragen die führende Verantwortung für die Virenschleuder Ischgl, an deren Folgen immer noch tausende chronisch kranke Langzeit-Covid19-Patienten leiden. Sie und die Hinterbliebenen von den Todesopfern werden von Peter Kolba vertreten, dem Obmann des Verbraucherschutzvereins, der eine Amtshaftungsklage gegen die Republik Österreich vorbereitet.

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Tag 317: Locker flockig, aber fahrlässig

Auszeit mit einer Schneeschuhwanderung auf den Großen Otter (1358m) am Semmering, fernab von jedem Massenskitourismus

Es ist einfach so. Wer nüchtern-trocken hochwissenschaftliche Erklärungen anbietet, bei dem schlafen alle ein, brechen viele vorher ab, scheitern viele schon an den ganzen Fremdwörtern und geben auf. Es ist ein Klischee, das aber teilweise zutrifft, dass bundesdeutsche Wissenschaftler sich viel klarer ausdrücken als österreichische Wissenschaftler. Ob Mikrobiologe Michael Wagner oder Virologin Dorothee von Laer, auch andere befragte Experten mit bundesdeutschem Migrationshintergrund, ganz zu schweigen von Virologe Drosten oder Virologe Krammer [Österreicher im Ausland], fallen durch ihre klaren, direkten, manchmal schonungslosen Aussagen auf. Da wird nichts schwammig verklausuliert, oder durch einen kernigen Spruch zugespitzt oder abgeschwächt. Gegenüber stehen österreichische Mediziner und Wissenschaftler wie Wenisch, Allerberger oder Hutter, die schon optisch extrem lässig in Interviews herüber kommen und durch ihren Dialekt, den sie nicht einmal zu verbergen versuchen, eine Lockerheit hineinbringen, die dem Hochdeutschen grundsätzlich abgeht. Das ist mir in anderen Situationen ja auch durchaus sympathisch, das schafft „Volksnähe“, „das ist einer von uns“, das reißt die Leute mit und wenn er eine Wuchtel nach der anderen reißt, schlafen auch die Zuhörer nicht ein, sondern bleiben am Ball.

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Tag 312: Abnutzungserscheinungen

Kaarlhütte (1314m) am Kreuzschober, Mürzsteger Alpen

Es gab also am vergangenen Sonntagvormittag die Pressekonferenz mit Kurz, wo er die Verlängerung des Lockdowns verkündet hatte. Zu den Hintergründen hat der Chefredakteur des Gratisblatts „HEUTE“ Christian Nusser einen spannenden Text geschrieben. Ich tu mir schon seit April nicht mehr freiwillig eine Pressekonferenz an, sondern war stattdessen schneeschuhwandern im herrlichsten Pulverschnee. Die relevanten Infos las ich später in den Medien. Ohne tageweise Auszeiten geht es auch für mich nicht. Speziell nach dem konzentrierten Schwachsinn seit Jahresbeginn, wo noch einmal etliche Scheinexperten und lernresistente Politiker ihren Senf dazugeben mussten.

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Tag 309: Vor der Lockdown-Verlängerung

aus dem „Standard“-Forum

Ich bin noch eher skeptisch, ob jetzt das große Umdenken kommt in der Regierung. Gestern fanden erste Beratungen der Regierungen statt, heute, Samstagvormittag, eine Expertenrunde, von denen vier vor die Presse traten, erfreulicherweise ohne einen Politiker daneben. Das ist neu. Ihre Aussagen waren recht deutlich, wenn auch teilweise realitätsfern. Verpflichtendes Homeoffice, um die Kinder zuhause betreuen zu können – das bringen nicht alle unter einen Hut, sei es wegen beengter Räume, wegen dem Job selbst, wegen einem Mangel an Computer/Laptops/Tablets. Da hätte man sich an Uruguay orientieren können, einem erfolgreichen Südamerikastaat, der allen Schülern gratis Tablets anschaffte. Aber wir sind hier in Österreich, wir haben fest damit gerechnet, dass keine zweite Welle im Herbst kommt, sonst hätte man im Sommer alles vorbereiten können.

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Tag 302: Verdammt dazu, Fehler zu wiederholen

„Es ist das erklärte Ziel der österreichischen Bundesregierung, dass dieser Lockdown bei dem Termin endet, den wir angekündigt haben.“

Gesundheitsminister Anschober, Pressekonferenz, 08. Jänner 2021

Es wird Zeit, den Fakten ins Auge zu schauen: Wir haben keinen Lockdown. Das Leben hat sich weitgehend normalisiert wie vor dem zweiten Lockdown, mit Ausnahme von Freizeit- und Kulturbetrieben, Geschäften und Lokalen. Die Schulen sind zwar offiziell geschlossen, inoffiziell findet aber Betreuung statt, zum Teil in Form von Unterricht. Skigebiete mit Gondelaufstiegshilfen sind offen. Wer vor die Tür geht, wird kaum Auswirkungen der Ausgangsregeln sehen, denn man darf nicht raus, außer man möchte. In den öffentlichen Verkehrsmitteln ist viel Betrieb, vor allem werktags sind zu den Rush Hours die Sitzplätze meist besetzt. Das heißt, die Empfehlung zum Homeoffice sehen viele Arbeitgeber nicht verpflichtend. Das war im März und April noch anders. Als Teil der kritischen Infrastruktur bin ich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und hab daher seit Beginn der Pandemie ein gutes Bild über die Nutzungsfrequenz zu den Randzeiten.

Sonst verhalten sich erfreulicherweise mehr Leute vernünftig als vorher. Ältere Bekannte, die COVID lange Zeit verharmlost haben, ärgern sich nun über jene, die die offenen Skigebiete tatsächlich ausnutzen, obwohl sie selbst begeisterte Skifahrer sind. Dann setzt man halt mal eine Saison aus, kein Drama. Das große Problem ist die Unglaubwürdigkeit in der Gewichtung der Maßnahmen. Lockdown mit offenen Skigebieten ist kein Lockdown. Gleichzeitig erleben wir eine absurde Abschiebung der Verantwortung der Bevölkerung. Im Dezember wurden das Skifahren unter anderem von Wintertourismusministerin Köstinger heftig beworben. Jetzt tun Teile der Bevölkerung genau das, was die Liftbetreiber und für „berufliche Zwecke“ geöffneten Hotels erhofft haben. Im Frühjahr waren es die Parks und Donauinsel, im Sommer der Donaukanal und Badestrand, im Winter die Menschenmengen auf den Rodelpisten und vor den Gondeln, für die Boulevardpresse das gefundene Fressen. Bei den Maßnahmen generell setzt die Regierung auf stupides Befolgen, nichts anderes tun die Menschen, die jetzt Ski fahren gehen, so stupide das optisch aussieht und so sehr man kurzzeitig das Ansteckungsrisiko erhöht, aber sie tun nur das, was erlaubt ist. Das passt manchen jetzt auch wieder nicht. Statt die Liftbetreiber und die Gemeinden zur Verantwortung zu ziehen, wird der Bock zum Gärtner gemacht.

In Summe geht es sich auf Dauer nicht aus, wenn man der Bevölkerung privat und in ihrer Freizeit ständig Vorschriften macht und sie dann anpatzt, wenn sie das tun, was erlaubt ist. Gleichzeitig herrscht weiterhin ein lascher Infektionschutz in der Arbeit, keine Verpflichtung zum Homeoffice und der Schutz der Schulen steht immer noch in den Sternen. Obwohl ich mich die meiste Zeit sehr diszipliniert verhalte und Masken auch dann trug, als sie noch nicht verpflichtend waren, und obwohl ich keine prekäre Jobsituation habe, fühle ich mich bisweilen wie ein moderner Sklavenarbeiter. Du sollst keinen Spaß haben, sondern hackeln. Das frustriert insbesondere dann, wenn jene, die sich undiszipliniert verhalten, im wesentlichen dazu beitragen, dass die zweite Welle nun schon ewig dauert und so schnell kein Ende finden wird.

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Tag 295: Wettlauf der Dummheit mit dem Virus

Ausblick aus dem Zimmer im Kurhotel mit starkem Schneefall, 19. Jänner 2020

Vor einem Jahr nahm das Unheil seinen Lauf.

On the evening of [30 Dec 2019], an „urgent notice on the treatment of pneumonia of unknown cause“ was issued, which was widely distributed on the Internet by the red-headed document of the Medical Administration and Medical Administration of Wuhan Municipal Health Committee.

ProMED, International Society for Infectious Diseases, 30.12.19, 23:59:00

Ein Jahr später hält das Virus die Welt in Atem, oder besser gesagt außer Atem, über 1.8 Millionen Menschen sind bisher an SARS-CoV2 gestorben. Geschätzte mehrere Millionen erholen sich von einem schweren Verlauf oder Long Covid. In Österreich haben wir darüber keine Statistik, sondern nur „genesen“ oder „tot“.

Die heimische Politik hat immer noch nichts gelernt aus dem Versagen der letzten Monate. Im Gegenteil. Kritik perlt an der Teflonregierung, die alles richtig gemacht hat, ab, gerne mit dem Verweis aufs Ausland, dass alle die gleichen Probleme haben würden, was nicht stimmt, aber der Durchschnittsösterreicher, der keine ausländischen Nachrichten sieht oder versteht, glaubt diese Ausrede.

Die Strategieänderung der Regierung, zuerst auf (gescheiterte) Massentestungen zu setzen und dann auf freiliges „Freitesten“ aus dem Lockdown erinnert mich an den Cluster im Weißen Haus. Die begleitende Kommunikation ist wie immer eine Katastrophe und zeigt grundlegende Mängel im wissenschaftlichen Verständnis auf. Dazu später mehr.

Während der Pandemie ist vor der (nächsten) Pandemie. Wir sind völlig unvorbereitet auf die neuen Virusvarianten aus Südafrika und Großbritannien, die rasch die derzeitig dominante Variante verdrängen und deutlich ansteckender sind. Vor einigen Wochen habe ich mich gefragt, wie gut wir auf die nächste Pandemie mit einem neuartigen Virus vorbereitet sein könnten, doch jetzt waren die Mutationen schneller. Schlecht sind wir vorbereitet, weil uns grundlegende Maßnahmen zur Eindämmung fehlen, wenn wir Aerosole als Übertragungsweg ignorieren, und weil wir immer noch glauben, weiche Lockdowns würden ausreichen, den wirtschaftlichen Schaden gering zu halten.

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