Tag 977: Faktencheck ORF-Report “Die Schulschließungen waren ein Fehler”

Tyler Black ist Notfallpsychiater, Pharmakologe und Experte für Suizide. Derzeit ist der klinische Leiter von CAPE (Child and Adolescent Psychiatric Emergency) in British Columbia. Seine Auswertungen zeigen: Die Wahrscheinlichkeit für Suizide unter Kinder und Jugendlichen ist während der Schulmonate höher als in der schulfreien Zeitmehr dazu hier (22.08.22)

Am 15. November 2022 gab es im ORF-Report einen Beitrag (abrufbar noch bis 20.11.22) über die psychische Gesundheit junger Menschen. Darin fiel die irreführende Aussage von Gesundheitsminister Rauch, dass Schulschließungen aufgrund der Kollateralschäden ein Fehler gewesen wären. Die Aussage blieb ohne Nachfrage oder differenzierte Einordnung durch ExpertInnen stehen. Wann gab es Schulschließungen in Österreich? Wie lange haben sie gedauert? Welche Altersgruppen waren betroffen? Gibt es belastbare Daten zu Suizidversuchen in Österreich? Wie sah die Situation in jenen Ländern aus, wo es nie einen Lockdown gegeben hat, etwa in Schweden? Wie sah es in Ländern aus, wo es sehr lange und harte Lockdowns gegeben hat, wie in Neuseeland, Australien, aber auch Italien oder Spanien? Die Aussage ist daher nicht trivial, und eine kurze Einspielung dieser Art schlicht ungenügend, um daraus ein Fazit ziehen zu können.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Covidleugner, Gegner von Schulmaßnahmen und glühende Verfechter des “Schwedischen Weges” sahen sich bestätigt in ihrer verquerten Ansicht. Jetzt folgte die Bestätigung auch aus dem Gesundheitsministerium, aus der Regierung, also ganz offiziell. Und täglich grüßt das Murmeltier. Wenige Wochen vorher zitierte Lauterbach auf Twitter einen Zeitungsartikel der WELT, die aus dem Abschlussbericht der KITA-Studie das verkürzte Fazit zog, dass Kindergärten nie geschlossen hätten werden müssen. In meinem letzten Blogeintrag hab ich diese Aussage zerlegt – sinnerfassend lesen will gelernt sein.

An dieser Stelle möchte ich wieder einmal betonen, dass ich weder Arzt noch Sozialwissenschaftler bin. Ich bezeichne mich als Citizen Journalist, betreibe Recherchen und versuche Anreize zu geben, ebenfalls nachzubohren, gängige Narrative zu hinterfragen. In meiner naiven Vorstellung im ersten Pandemiejahr dachte ich, dass Journalisten meinen Blog als Ausgangsquelle für tiefgründigere Recherchen verwenden könnten, bzw. letztendlich selbst von der erdrückenden Beweislage internationaler Forschung überzeugt werden. Das ist leider nicht passiert. Daher bin ich immer noch aktiv.

Weil es hier um das Thema Depressionen und Suizidversuche geht und das Thema sehr belastend sein kann, wenn man sich selbst in einer emotional und psychisch instabilen Lebenssituation befindet, nachfolgend noch einmal die Kontaktdaten für Krisensituationen:

Wenn es Dir nicht gut geht und Du Suizid-Gedanken hast, rufe hier an:

  • 142 (Österreich, Erwachsene)
  • 147 (Österreich, Kinder und Jugendliche)
  • 143 (Schweiz, Erwachsene)
  • 147 (Schweiz, Kinder und Jugendliche)
  • 116 123 (Deutschland, Erwachsene)
  • 116 111 (Deutschland, Kinder und Jugendliche)
  • bzw. wende Dich an das Kriseninterventionszentrum Österreich bzw. Diakonie (beide auch Fremdsprachen)
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