Tag 988: Warum verfolgt China weiterhin Zero-Covid?

Links: akkumulierte Covid19-Fälle in absoluten Zahlen und Übersterblichkeit in Prozent in Österreich, rechts akkumulierte Todesfälle (absolut).

Obwohl wir eine Demokratie sind und laut Auskunft der Regierung “alle, die das wollen”, Zugang zu einer aktuellen Auffrischimpfung haben, und sich “Vulnerable schützen können”, steigt die Zahl der Todesfälle wöchentlich im zweistelligen Bereich weiter an. Seit der DELTA-Welle im Herbst 2021 hat Österreich eine konstant hohe Übersterblichkeit um 8%. Die meisten Toten gab es mit der zweiten Welle, denn der zweite Lockdown kam zu spät, aber auch mit den OMICRON-Subvarianten kamen mehrere tausend Tote hinzu, obwohl OMICRON doch viel milder sei, sagte man. China hatte seit dem ersten Ausbruch zu Pandemiebeginn erst einen weiteren Ausbruch knapp einer Million Neuinfizierten, mutmaßlich durch BA.2 im März 2022. Der aktuelle Ausbruch geht vermutlich auf die neuen Varianten zurück, genau wissen wir das nicht.

„Ein “Lockdown” dient dazu, die Kapazitäten in den Spitälern nicht zu sprengen. Aber er dient natürlich nicht dazu, die Ansteckungen komplett zu verhindern. Das wäre komplett totalitäres Denken. Es gibt schon auch noch andere
Interessen in einer Gesellschaft .“

Chefredakteur vom FALTER, 21. April 2021 auf Twitter (inzwischen gelöschte Tweets)

Diese Meinung teilte auch die “vorsichtigere” Wiener Stadtregierung (SPÖ):

“Da haben wir noch nie darüber geredet, aber in einer Pandemie geht es ja nicht darum zu verhindern, dass Pandemie ist.
Nein, Pandemie ist. Die entscheidende Frage in der Strategie ist daher nicht, wird es zu Ansteckungen kommen, die entscheidende Frage ist, wie viele gleichzeitig? So viele gleichzeitig, dass es systembelastend wird oder schaffen wir es, nach unten zu bringen? Das ist einer der wichtigen Benchmarks.”

Gesundheitsstadtrat Hacker im Ö1-Klartext vom 30. März 2022

Was sind diese Interessen? Wir sind den “schwedischen” Weg gegangen und alle haben mitgemacht: Regierung, Opposition, Sozialpartner, Gewerkschaften und die Bevölkerung. Auch die Wiener Stadtregierung war nur deshalb vermeintlich vernünftiger, weil die Wiener Spitäler durch die hohen Infektionszahlen unter Druck kamen. Daher muss Wien hier frühzeitig gegensteuern, um einen Kollaps zu vermeiden – nicht mehr und nicht weniger. Als die Maskenpflicht in den Supermärkten fiel, hat Wien mitgemacht – mit der Begründung, dass es dort kaum zu Ansteckungen kommen würde. Es blieb aber nicht einmal die Maskenpflicht für Kunden erhalten – dabei hätte schon das ein deutlich verbessertes Sicherheitsgefühl bei “Vulnerablen” erzeugt, die eine Infektion nun mal um jeden Preis vermeiden müssen, darunter auch immungeschwächte Personen, bei denen die Impfung nicht so gut wirkt.

Ich hab das lang und breit erläutert – und zwar mehrfach – was der Vorteil einer Niedriginzidenzstrategie gewesen wäre, egal ob man dafür das Label ZeroCovid, NoCovid, LowCovid oder Niedriginzidenzstrategie verwendet. Die Folgen unserer “wir müssen mit Covid leben” – Strategie sind u.a.

  • Massive Engpässe in den Spitälern durch Personalmangel: 800 Spitalsbetten sind alleine in Wien gesperrt. Betten ohne Personal sind nicht mehr als Möbel. Lungenfacharzt Valipour, Klinik Floridsdorf: “Man braucht sich nach den letzten 3 Jahren nicht wundern, wenn jetzt einige dem Spital den Rücken zukehren. Jeder Motor der zu lange im roten Bereich fährt hat irgendwann ein Problem. Wir betreuen nach wie vor COVID-19 Patient*innen und Influenza steht vor der Tür! Gehts impfen!” (24.11.22, Tweet)
  • Seit Monaten überlastete Kinderkliniken, dramatischer Mangel an Medikamenten auch für Infekte, was die teils schwereren Verläufe bei Kindern miterklären kann
  • Über 20000 Tote in 3 Jahren, die kommen nicht mehr zurück.
  • Mehrere hunderttausend LongCOVID-Kranke, die vom “Versorgungspfad” und Krankenkasse/Pensionsversicherung im Stich gelassen und ihr Recht vielfach erstreiten müssen – was ihre Erkrankung meistens verschlechtert durch den Stress
  • Kürzere Lebenserwartung, und viele Arbeitsunfähige durch LongCOVID (Trujillo et al. 2022)
  • Rückschritt bei Impfkampagnen gegen andere Infektionskrankheiten wie Masern, Polio und Influenza. Die wachsende Zahl der Impfgegner bringt weitere Kollateralschäden.

“We’ve tried “learning to live with the virus” for 1 year. We are now living with many viruses, kids & adults are getting sick en masse, & we have no functioning healthcare. The only “learning” has been that politicians (& many people) really don’t care about any of the above.”

Epidemiologin Olga Basso (Italien, 26.11.22)

Das sind nur ein paar der Folgen, wenn man “andere Interessen” höher gewichtet als den Gesundheitsschutz der Bevölkerung, unter Public Health zusammengefasst.

“Niemals in der Geschichte der Öffentlichen Gesundheit hat irgendwer vorgeschlagen, dass wir die gesamte Bevölkerung mit einem Krankheitserreger infizieren, mit dem wir keine Langzeiterfahrung haben, als eine Strategie zur Pandemiebewältigung” (Epidemiologe und Arzt Robert Morris)

In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen, warum China die “anderen Interessen” immer noch geringer gewichtet als das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

China ist eine Diktatur

China ist mit 1,4 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde. Die regierende Kommunistische Partei vollstreckt eine totalitäre Diktatur mit schweren Menschenrechtsverletzungen. Erst seit Ende des Maoismus 1978 wurde China zur wirtschaftlichen und technologischen Großmacht. Parteiführer Xi Jinping ist seit 2012 an der Macht, seitdem gibt es wieder Rückschritt bei der sozialen und wirtschaftlichen Freiheit. Die hohe Bevölkerungszahl ist sehr ungleich im Land verteilt. Über 90% der Gesamtbevölkerung lebt im östlichen Teil des Staatsgebiets. Dazu kommen die sogenannten Wanderarbeiter, die vom Land in die Stadt wandern, das sind noch einmal 275 Millionen Menschen mit zeitlich befristeter Meldebescheinigung. Die Urbanisierungsrate lag 2020 bei rund 60% der Gesamtbevölkerung. In 15 Megastädten leben über 260 Millionen Menschen.

Es gibt keinen Grund, hier irgendetwas an der Diktatur zu beschönigen. Kritik am Regime ist völlig berechtigt, auch an den wochenlangen, teils sogar monatelangen Lockdowns. Für China gilt das Gleiche wie für den Westen:

“Lockdown is always indicative of failure to manage the pandemic In Israel, managing the pandemic based on the capacity of the healthcare system was the one major mistake from which all else followed. Define a capacity and you will reach it, at record levels and high death toll.”

Genetiker Segal am Weizmann-Institut, Israel (20.10.20, Tweet)

Nun haben wir aber zwei Gründe für einen Lockdown. Im Westen das mehrfache Versagen, die Infektionszahlen niedrig zu halten, und so eine Überlastung der Spitäler zu verhindern, in China Versäumnisse bei anderen Schutzmaßnahmen und die schlechte Durchimpfungsrate bei älteren Menschen. Man kann die Situation Chinas nicht auf ein Land wie Deutschland oder Österreich umlegen. Bei der hohen Bevölkerungsdichte in China wäre ein Ausbruch in kürzester Zeit außer Kontrolle, die Zahl der Opfer katastrophal hoch. China bleibt also wegen den Versäumnissen beim Lockdown. Natürlich gibt es in dieser Ausführung eines totalitären Regimes dann Kollateralschäden: Monatelang eingesperrt, von der Familie getrennt, Wanderarbeiter ohne Arbeitserlaubnis, psychischer Kollaps aufgrund der Einsamkeit – kein Vergleich mit europäischen Verhältnissen.

Versäumnisse in China als Wegbereiter für Lockdowns

Mangelnde Durchimpfungsrate

In China haben bis März 2022 nur rund 56% der Bevölkerung eine dritte Impfdosis erhalten, von den über 80jährigen sogar nur rund 20% und gut 40% waren noch ungeimpft (Quelle: The Economist, 19.04.22)

China hat bei älteren Menschen offenbar ein Glaubwürdigkeitsproblem. Hier fehlenden Impfkampagnen oder es regiert das Misstrauen. Natürlich kann auch das Präventionsparadoxon eine Rolle spielen – dank ZeroCovid gab es bisher verhältnismäßig wenig Todesfälle. Es ist wie bei uns: Wo man die Gefahr nicht sieht, leugnet man ihre Existenz.

Impfwirksamkeit gegen schwere bzw. tödliche Verläufe von Pfizer und SinoVac in Prozent je Altersgruppe, Einschränkung: Daten von April 2022, vor Anpassung des Pfizer-Impfstoffs auf OMICRON, Quelle: Economist-Artikel oben

Hier kommt die Krux: China wollte aufgrund seines demographischen Faktors einen Impfstoff entwickeln, der auch die Übertragung verhindert. Das ist nicht gelungen. CoronaVac von Sinovac Biotech ist ein Totimpfstoff – die Impfwirksamkeit war nach der ersten Impfung im Vergleich zu Pfizer sehr variabel, aber im Schnitt schlechter als bei den mRNA-Impfstoffen. Nach zwei Impfdosen war aiw bei den Ältesten am niedrigsten. Erst nach drei Impfdosen war sie so hoch wie bei mRNA. Gerade da ist die Impfquote in China aber am schlechtesten. Im Fall eines größeren Covid19-Ausbruchs würden also enorm viele ältere Menschen in China sterben (Cai et al. 2022).

Die chinesische DIY-Herstellerin Naomi Wu, im Internet eine Berühmtheit, begründet das Festhalten an der ZeroCovid-Strategie so:

“Wir haben bereits eine große demographische Krise, weil von Leuten meines Alters und älter, die unter der Ein-Kind-Politik groß geworden sind, erwartet wird, dass unsere alt gewordenen Eltern unterstützt werden – das ist das einzige soziale Sicherheitsnetz für viele alternde Chinesen – ihr Einzelkind. Selbst ein geringer Anstieg von Todesfällen und Behinderung im arbeitsfähigen Alter würde zu massiven sozialen Verwerfungen führen, da alternde Eltern nach Sündenböcken schauen würden und finanzielle Erleichterungen mindestes Jahrzehnt von der Umsetzung entfernt sind. Ich hab es Euch gesagt und tue das wieder und wieder. Es gibt einen Gesellschaftsvertrag: Jedes mal, wenn Chinesen empfinden, dass dieser Vertrag verletzt wurde, sehen wir lokale Aufstände, weil diese Missachtung gewöhnlich lokal beschränkt ist. Wenn der Gesellschaftsvertrag auf nationaler Ebene gebrochen wird, wird es einen nationalen Erdrutsch geben – und das nicht zum Besseren. Die Arbeiter werden nicht tatenlos zusehen, wenn ihre Eltern sterben – sie gehen zurück in ihre Provinz. Kein Arbeiter wird arbeiten, wenn seine Eltern starben, weil ihnen Hilfe in einem überlasteten Spital verweigert wurde. Alles, was Du konsumierst, kommt von China. Eure Regale werden leer sein. Nein, Du kannst Dich nicht innerhalb eines oder sogar fünf Jahren mit etwas ausrüsten, was wir nicht länger senden können. Du bringst nicht genug Arbeiter auf, schon gar nicht im Niedriglohnsektor. Es wäre eine Katastrophe für China und für Dich. Und das ist nicht wegen Xi’s “Gesicht” oder dem Parteikongress oder dem “Mandate of Heaven”. Es würde stattfinden, weil der soziale Erdrutsch von Durchseuchung in China zu Mangel und Not weltweit führen würde. Medizinische Ausrüstung, Landwirtschaft, Medikamente – alles basiert auf chinesischen Fertigungsteilen.”

Und wann überlasten die Spitäler? Richtig – bei einem unkontrollierten Ausbruch, der sich in den am dichtesten bevölkerten Regionen rasch ausbreitet. Im Gegensatz zu den Europäern und Nordamerikanern scheint in China nicht das Denken vorzuherrschen, was Sachverständigenrat Klaus Stöhr von Deutschland offen ausspricht:

“Letztlich betrifft eine Atemwegspandemie wie Corona hauptsächlich die Vulnerablen – also diejenigen, die näher am Ende stehen als andere.”

NZZ, 13.07.22

“Er hatte ohnehin Vorerkrankungen. Meine Oma wäre sonst an Influenza gestorben. Mein Onkel war sowieso schon alt.”

Das ist eugenisches Denken, wenn man den Wert des Lebens daran bemisst, ob jemand Vorerkrankungen hat/alt ist oder nicht. Wir erinnern uns an den Aufschrei der Empörung, als ein bayrischer CSU-Politiker bei 80jährigen künstliche Hüftgelenke in Frage stellte. Das war vor knapp 20 Jahren. Heute ist diese Denkweise Pandemiepolitik im gesamten Westen. Also offenbar denken die Chinesen nicht so, und im lockdownfreien Japan ist die Zahl der Toten viel geringer als in Europa, obwohl die Bevölkerung dort viel älter ist als bei uns.

Keine effektiven Schutzmaßnahmen

Dieser Punkt wundert mich ehrlich gesagt am meisten. Naomi Wu schrieb nämlich bereits am 27. April 2022 auf Twitter:

“I do not see any exit plan for Shanghai until in-building/community transmission is addressed scientifically, and there does not seem to be any signs of that happening. UR-UVGI in stairways, hallways, and common areas, better masks, roof fans. Nothing. Just fences.”

China flutet immer wieder medienwirksam die Straßen und Gehsteige mit Tonnen von Desinfektionsmitteln, obwohl SARS-CoV2 über virusbeladene Aerosole übertragen wird. Die Aerosolübertragung als Hauptübertragungsweg wurde bereits 2020 in zahlreichen Studien bewiesen. Trotzdem verhält sich China hier so lernresistent wie der Westen – keine ultraviolette Strahlung zur Virusreduktion (UR-UVGI), keine Deckenventilatoren, um Frischluftzufuhr zu erhöhen, keine FFP2-Masken, obwohl sie tonnenweise in westliche Staaten exportiert werden. Stattdessen setzt China auf OP-Masken – wie teilweise auch Deutschland, obwohl sie seitlich nicht dicht abschließen und einen geringeren Infektionsschutz aufweisen (siehe auch hier).

Stattdessen Zäune vor den Haustüren der Bewohner, die wortwörtliche Ausgangssperren haben bei Lockdown-Verhängung.

China könnte also von anderen asiatischen Staaten lernen und mehr Maßnahmen einsetzen, die auf die Übertragung über die Luft abzielen statt alleine auf Kontaktbeschränkungen zu setzen. Der einzige Unterschied zum Westen ist, dass China weiterhin Infektionen und damit viele Tote und Langzeitkranke verhindern will, der Westen diese aber hinnimmt, obwohl er keine langfristig hilfreichen Schutzmaßnahmen einsetzen will. Dieselben einflussreichen Agiteure, die uns jahrelang eingeredet haben, dass wir Infektionen nicht eindämmen können, behaupten jetzt, dass die Eindämmungsmaßnahmen Infektionsverläufe schwerer machen würden. Hausärztin Karner-Zuser aus St. Pölten wird – stellvertretend für viele Medienberichte dieser Art in letzter Zeit – zitiert mit “Das Immunsystem war die letzten zwei Jahre einfach kaum gefordert.” Sie spricht auf Immunschuld an – ein widerlegtes Konzept, das erst im Sommer 2021 in einem wissenschaftlichen Meinungsartikel aufkam. Doch das Immunsystem ist kein Muskel, der trainiert werden muss. Unser Ziel sollte Gesundheit sein, nicht Immunität durch Infektion.

Was passiert jetzt in China?

Ein paar hundert Demonstranten sind bezogen auf 1,4 Milliarden Menschen wenige. Dennoch wird es als die größte Krise für Jinping seit seiner Machtübernahme gesehen. Es gibt keinen schnellen Ausweg aus der jetzigen Lockdown-Strategie. Die langfristige Abmachung der Kommunistischen Partei waren privater Wohlstand und gewisse persönliche Freiheiten in der Berufswahl, Konsum und Leben generell, im Austausch für öffentliche Loyalität zum Regime. Die Lockdown-Strategie hat diese Abmachung gebrochen, indem das Privatleben der Chinesen schwer eingeschränkt wurde. Wenn sich eine Infektionswelle abzeichnet, ist die Bevölkerung besorgt, dass neuerliche Lockdowns drohen, die etwa auch Familien trennen können. China ist sehr effizient darin, Spitäler und Quarantänezentren aus dem Boden zu stampfen, aber es zeigt den Leuten auch, was ihnen bevorstehen könnte. Aufgrund der niedrigen Durchimpfungsraten sieht es nach Lockdowns ohne Ende aus, was immer mehr Leute auf die Straßen treibt.

In Südkorea gab es mit BA.2 einen großen Covid19-Ausbruch. Mit Stand 27. November 2022 sind jedoch rund 80% der Bevölkerung in Südkorea ein drittes Mal geimpft. Das alleine kann jedoch nicht erklären, warum die Zahl der Toten immer noch deutlich niedriger ist als in westlichen Staaten. Sie haben aus früheren Pandemien gelernt – MERS und SARS1 – und sich entsprechend vorbereitet. Hong Kong hat gezeigt, wozu es führt, wenn die ältesten nicht geimpft sind – die Todeszahlen schossen enorm nach oben. Jinping weigerte sich, westliche mRNA-Impfstoffe zu importieren, teils aus Nationalstolz und Vorsicht vor neuen Technologien, aber auch wegen Abhängigkeit von ausländischen Medikamenten. Allerdings scheint das größere Problem die Impfwilligkeit zu sein – und nun auch die Anpassung an neue Virusvarianten.

China wird also vermutlich an den Lockdowns festhalten müssen und die Proteste gewaltsam niederschlagen, sonst kommt eine Gesundheitskatastrophe, die die Kollateralschäden aus den ewigen Lockdowns bei weitem übertrifft. Die Spitäler sind in kürzester Zeit überlastet, viele würden ihre Arbeit niederlegen oder krank zuhause bleiben müssen. Die Zahl der Langzeitkranken würde in die dutzenden Millionen gehen und die Arbeitskraft langfristig schwächen. Die Wirtschaftskrise wäre bei weitem schlimmer als durch phasenweise Lockdowns, und würde auch den Westen erfassen. Ich finde es sehr scheinheilig vom Westen, jetzt hämisch über Chinas Proteste und steigende Fallzahlen zu berichten. Wir haben uns selbst von der Billigproduktion in China abgehängig gemacht, die Medikamentenproduktion dorthin ausgelagert. Importe aus einem totalitären Regime, Olympia scheinen keinen Aufschrei wert zu sein, aber wehe unsere Wirtschaft stottert, weil China immer noch Covid19-Ausbrüche verhindern will. Im Sommer stotterte dort übrigens noch viel mehr aufgrund einer nie dagewesenen Hitzewelle und Dürre, deren Folgen bis heute andauern.

Woran ist ZeroCovid im Westen gescheitert?

„The entire pandemic response has been shaped around accommodating the distress intolerance of privileged people.“

Hannah Davis, eine LongCOVID-Forscherin und selbst Betroffene, 07.05.22

*

“The blame lies far less with individual scientists who were wrong than with an administration that sought out fringe viewpoints that echoed its own wishes, and elevated these above the overwhelming consensus of the public health community.”

Carl T. Bergstrom, Biologieprofessor, 17.12.20

*

“Some lessons from around the world: the most successful global leaders in fighting coronavirus have communicated clearly, displayed empathy, and always favored science over politics.”

Christiane Amanpour, CNN, 05.05.2020

*

“It is very hard to tell people what they need to hear based on facts. Not what they want to hear based on emotion.”

Devi Sridhar, Public-Health-Professor, Universität Edinburgh, 22.11.2020

Ich weiß, ich bringe diese Zitate in jedem zweiten Blogtext, aber sie treffen den Punkt eben am besten.

Nur ein Auszug aus Österreich:

  • Die Regierung war nach dem ersten erfolgreichen Lockdown im Frühling 2020 sehr beliebt, das konnte die Opposition nicht auf sich sitzen lassen, also wollte man das Virus als politischen Gegner kleinreden. Wo keine Gefahr, da sind Maßnahmen überzogen
  • Die Wahlen in Wien 2020 haben den zweiten Lockdown verzögert.
  • Parteipolitische Motive haben den Lockdown in Tirol wegen BETA verhindert und lediglich Kompromisse für einen Ost-Lockdown schließen lassen.
  • Die Wahlen in Oberösterreich 2021 haben die Impfkampagne sterben lassen und den vierten Lockdown verzögert.
  • Der Ausspruch “Für Geimpfte ist die Pandemie vorbei” hat den Lockdown einschließlich Geimpfter verzögert.
  • Der Aufstieg der MFG und der Impfgegner innerhalb der Grünen haben die Impfpflicht sterben lassen, der Druck der Wirtschaft und Gewerkschaft (!) auch die Masken- und Testpflicht, zum Schluss die Isolationspflicht
  • Statt PCR-Testangebote flächendeckend auszurollen, wie im Herbst 2021 begonnen, hat man sie ab Frühling 2022 wieder eingestampft.
  • Schutzmaßnahmen in Kindergärten und Schulen wie CO2-Messgeräte, Luftfilter, mobile Luftreiniger gelten als unverhältnismäßig teuer, obwohl sie einen Kollateralnutzen gegen andere Infektionskrankheiten haben, die ebenfalls mit ständigen Krankenständen einhergehen.
  • Die Impfraten bei Kindern sind besonders niedrig aufgrund der Immune-Debt-Hypothese und Falschinformationen durch falsche Berater, Medien und politische Äußerungen.

“In einer aufgeklärten Gesellschaft mit entsprechendem Bewusstsein (Health Literacy) bräuchte es gar keine Pflicht. Schnupfende und hustende Menschen würden von sich aus eine Maske tragen. Selbst eine Pflicht in bestimmten Bereichen wäre kein großes Opfer” (Arschang Valipour, 27.11.22, Tweet) – z.B. in Mexiko.

Wie man sieht, halten uns vor allem politische Gründe ab, die Infektionszahlen einzudämmen -und nicht der Umstand, dass wir keine Insel sind oder keine Diktatur. Psychische Belastungen werden durch Schutzmaßnahmen UND durch Pandemiedynamik beeinflusst. Infektionsschutz und soziale Teilhabe dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden (Aknin et al. 2022),

Ausführlichere Analysen zum Scheitern der Pandemiepolitik in Österreich im Blogarchiv.

Update, 29.12.22:

Ich hab mich geirrt und versucht Chinas Weg mit Logik zu erklären. Jetzt machen sie das Gegenteil von all dem. ZeroCovid war richtig, die Methode aber nicht. Die Folgen sind wie erwartet: Bericht aus der Financial Times (19.12.22)

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