Öffentliches Ärgernis

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Liniennetzplan 2017 (nur O-Bus)

Naturgemäß ist es immer ein Absturz, wenn man von Wien in eine kleinere Stadt zieht. Jedoch ist es auch eine Bruchlandung, wenn man davor in Innsbruck gelebt hat. Salzburg hat mit 150 000 Einwohnern (2016) ganze 20.000 mehr als Innsbruck. Nach Wien, Graz und Linz ist es die viertgrößte Stadt Österreichs, jedoch die einzige Stadt ohne bestehende Straßenbahnlinie. Salzburg hatte sie nämlich, von 1909 bis 1940, sie wurde aber durch den Oberleitungsbus ersetzt. Jetzt rühmt sich die Stadt des fünftgrößten Oberleitungsbusnetz der westlichen Welt, allerdings ist ihr Zustand eher unbefriedigend, dafür, dass sie 87 Jahre Zeit hatten, eine vernünftige Infrastruktur zu schaffen.

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Antike Spuren versus schmuckloser Dom

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Dom- und Residenzplatz flankieren die Kathedrale, deren Langhaus sich jeweils von seiner schmucklosen Seite mit schlicht eingezogenen Barockfenstern zeigt. Ursprünglich handelte es sich um eine dreischiffige romanische Basilika aus dem Jahr 774. Sie ist 1167 abgebrannt. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1628. Die Farbunterschiede rühren daher, dass die helle Frontseite aus Untersberger Marmor angefertigt wurde, das Langhaus hingegen aus Konglomerat (Sedimentgestein). Aus der romanischen Zeit sind nurmehr vier bronzefarbene Löwen aus dem 12. Jahrhundert erhalten, auf denen das 1321 entstandene Taufbecken ruht. Außerdem wird vermutet, dass der romanische Löwe vom Langenhof (Sigmund-Haffner-Gasse 16) vom ersten Dom stammt.

Vermutet wird gerne viel, wenn es um historische Überlieferungen geht. So auch bei den fälschlicherweise Katakomben genannten ehemaligen Versammlungsräume und Wohnstätten für Einsiedler-Mönche. Nicht nur bildet der Friedhof St. Peter einen krassen Kontrast zum prunkvollen Dom, sondern auch in der Helligkeit, weil er am Osthang des Mönchsbergs gelegen am Nachmittag bereits gänzlich im Schatten gelegen ist.

Auch beim Mönchsberg handelt es sich um Konglomerat, das aus Sedimenten entstanden ist, welche als Flussdelta ins Salzburger Becken abgelagert wurden. Hier befand sich ein eiszeitlicher See, dessen Tiefe man auf mindestens 65-100m schätzt, weil sonst der Georgenberg bei Kuchl nicht entstanden wäre. Die erste, in den Felsen gehauene Höhle beherbergt die 1178 eingeweihte Gertraudenkapelle:

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Zumindest von der Form der schmalen Rundbogenfenster wäre ein karolingischer Ursprung des Mauerwerks nicht auszuschließen.

Nicht minder eindrucksvoll die Maximuskapelle aus dem Jahr 1172

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Eremitorien von St. Peter

Auf diversen Seiten finden sich Vermutungen darüber, dass auch die „Katakomben“ aus der Spätantike bis frühchristlichen Zeit stammen, also um 700 wie der ganze Friedhof bzw. das Kloster St. Peter entstanden sind. Belege dafür liest man allerdings keine. Widerlegt ist die Legende des Martyriums eines Heiligen Maximus im Jahr 477, dem die Kapelle geweiht ist.

Die erste Klosterkirche wurde um 696 errichtet, die heutige Stiftskirche St. Peter zwischen 1125 und 1143. Vom ersten Bau erhalten ist der Kirchturm, dessen Grundmauern noch von der ersten Kirche stammen, um 1400 erhöht wurde und 1756 den barocken Zwiebelturm aufgesetzt bekam.

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Kirchturm von St. Peter

Er zeigt hinter dem barockisierten Eingangsportal Säulenkapitelle aus der karolingischen Zeit.

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Im Inneren ist noch das ursprüngliche romanische Eingangsportal zu sehen.

Zu den ältesten Bauteilen zählt außerdem die romanische Marienkapelle (Veitskapelle), 1130 geweiht und 1319 als erste gotische Kapelle im Raum Salzburg umgewandelt.

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Den romanischen Ursprung verraten die Rundbogenfenster, die romanischen Säulen und das Rundbogenfries.

Zuagreista

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Eine Stadt voller Widersprüche. Dörflicher Charakter neben Flughafen und großen Firmenniederlassungen.  Radanteil etwa 20%, Spitzenfeld in Österreich. Sinnvoll angelegte Öffi-Infrastruktur? Fehlanzeige. Verkehrsinfarkte auf den Ausfallstraßen. Und dann wieder freizeittechnisch ein Traum. Ganz im Gegensatz zum Wohnen, die Mieten sind unleistbar. Wöchentliche Einkaufsfahrten beim deutschen Nachbarn. Salzburg ist anders und nach Innsbruck (2004-2010) und Wien (2010-2017)  möchte ich hier über meine Erfahrungen als Neuankömmling schreiben, über skurrile, ärgerliche, komische und verbesserungswürdige Anlässe, aber auch über das, was abseits der Altstadttourismusmagneten sehens- und nachlesenswert ist. Mein Interesse gilt der Natur, der Architektur, der Geschichte, der Fotografie – da lässt sich schon einiges herausholen, was über die Mozartscheisshäusertouristenattraktionen hinausgeht. Intention dieses Blogs ist keine weitere Besudelung Salzburgs, das wurde literarisch von den Altmeistern schon ausgeschlachtet, sondern ein differenzierter Blick hier zu leben, nicht nur zu wohnen.