Öffentliches Ärgernis

fahrplannetz-2017

Liniennetzplan 2017 (nur O-Bus)

Naturgemäß ist es immer ein Absturz, wenn man von Wien in eine kleinere Stadt zieht. Jedoch ist es auch eine Bruchlandung, wenn man davor in Innsbruck gelebt hat. Salzburg hat mit 150 000 Einwohnern (2016) ganze 20.000 mehr als Innsbruck. Nach Wien, Graz und Linz ist es die viertgrößte Stadt Österreichs, jedoch die einzige Stadt ohne bestehende Straßenbahnlinie. Salzburg hatte sie nämlich, von 1909 bis 1940, sie wurde aber durch den Oberleitungsbus ersetzt. Jetzt rühmt sich die Stadt des fünftgrößten Oberleitungsbusnetz der westlichen Welt, allerdings ist ihr Zustand eher unbefriedigend, dafür, dass sie 87 Jahre Zeit hatten, eine vernünftige Infrastruktur zu schaffen.

Wie aus dem Plan ersichtlich, sind die Busstrecken weitgehend radial aufgebaut und starten vom Altstadtzentrum weg. Das hat den entscheidenden Nachteil, dass Querverbindungen fehlen.

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Liniennetzplan des O-Bus ohne Linie 9, Quelle: Wikipedia

Wer also vom Flughafen in den Süden will, muss erst stadteinwärts fahren, um dann wieder stadtauswärts zu fahren. Die Verbindungen an die Ränder der Stadt sind solange ok, wie man nicht umsteigen muss. Nicht dargestellt sind zudem die regionalen Albus-Linien (Autobus), die etwa nach Bad Reichenhall, Viehhausen oder nach Mondsee führen. Sie fahren allerdings auch seltener. Und das bringt mich zu den Nachteilen:

  • Die Buslinien haben (zu) viele Haltestellen und sind gerade innerstädtisch entsprechend relativ langsam.
  • Immer noch zu oft existiert keine eigene Busspur, sodass sie dem alltäglichen Stau in der Früh und am Nachmittag, teilweise aber auch untertags ausgesetzt sind.
  • Die Abfahrtzeiten auf den ausgehängten Fahrplänen sind allenfalls Empfehlungen. Verspätungen über 3-4 Minuten sind keine Seltenheit, sondern eher die Regel.
  • Bitter sind zu knappe Umstiegszeiten, wenn die Intervalle ohnehin groß sind, etwa zu den Randzeiten oder am Wochenende. Dann verpasst man nämlich den Anschlussbus und muss durchaus eine halbe Stunde warten.
  • Die Busse blockieren sich gegenseitig an den Haltestellen, was man etwa in Wien nur beim 13A und nach Straßenbahnblockaden kennt. Am Hanusch-Platz etwa oder am Hauptbahnhof warten manchmal gleich drei oder vier Busse auf die Abfertigung des vorausfahrenden. Was zum gleichen Problem wie ebenfalls in Wien führt, dass man es nicht mehr schafft, in den Bus weiter vorne umzusteigen.

In Summe scheint die Kapazitätsgrenze also erreicht. Und dafür zahlt man im Jahr derzeit noch 379€, mit der ersten Außenzone bereits 488€ und bis Freilassing (Grenze) bereits 601€. Zum Vergleich: In Wien (rund sechs Mal so groß) zahlt man 365€ inkl. U-Bahn, Straßenbahn und Vorortelinie.  FunFact am Rande: Im Vorverkauf (z.B. Trafiken) sind die Tickets günstiger als im Bus (logisch), aber auch via Handy!

Zur Nordwest-Südost-Traverse eignet sich lediglich die S-Bahn. Eine Direktverbindung zwischen Salzburg-Süd und Liefering (bzw. Freilassing) ist immerhin alle 30 min gegeben. Überhaupt sind die Bus- und Bahnverbindungen ins Umland durchaus ok, zumindest als Tourist.

Zwischen Lamprechtshausen und Salzburg existiert auch eine Lokalbahn, bei der es seit Jahren Überlegungen gibt, sie als unterirdische Stadtbahn in den Süden zu verlängern. Bisher (Stand März 2017) ist das Projekt aufgrund geologischer Hindernisse und dem Stursinn der Lokalpolitiker allerdings zum Scheitern verurteilt.  Weiters gäbe es die Möglichkeit, die 3,4 km lange Stieglbahn, die vom Aiglhof bis zur Brauerei in Maxglan führt, für den Personenverkehr zu nutzen, für den sie auch zugelassen ist.

Salzburg hatte durchaus attraktive Eisenbahnen, die heute touristisch mit Sicherheit gut zu vermarkten wären, darunter die …

Gaisbergbahn (Zahnradbahn)

Die Bahn wurde 1887 eröffnet und fuhr ab Bahnhof Parsch mit Halt bei der Judenbergalpe und Zistelalm bis zum Gipfel. 1928 wurde der Betrieb mit dem Bau der neuen Höhenstraße eingestellt.

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Teile der Trasse sind heute in einen Wanderweg umgewandelt, an dem sich noch Kilometersteine finden lassen, z.B. beim Hotel Cobenzl bei der Judenbergalm.

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Auch das ehemalige Stationsgebäude existiert dort noch.

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Salzkammergut-Lokalbahn, auch Ischler Bahn genannt

Sie verband von 1893 bis 1957 Bad Ischl und Salzburg als Schmalspurbahn mit 63 km Länge. Teile der Bahntrasse wurden heute zu einem Radweg umfunktioniert.

Weitere ehemalige Bahntrassen der „Roten Elektrischen“:

Salzburg –  Imbergstraße – Äußerer Stein – Nonntal – Hellbrunn – Anif – St. Leonard (1886-1953), von 1909 bis 1938 verlängert über den Hangenden Stein bis Berchtesgaden

Salzburg – Äußerer Stein – Parsch – Talstation der Gaisbergbahn

Zum Rad- und Autoverkehr dann in einem anderen Beitrag. In Summe jedenfalls hatte Salzburg das Potential für ein innovatives öffentliches Verkehrsnetz, dieses jedoch dem Individualverkehr geopfert.

Eine Übersicht über alle stillgelegten Eisenbahnstrecken in Österreich ist übrigens auf der Homepage von Johannes Strommer zu finden, danke an dieser Stelle für soviel Hingabe!

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