Tag 28: Rausgehen und Abstand halten

Quelle: Dr. John Campbell, der sich auf das folgende Paper beruft: https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2763852

Ich hab eine neue Routine gefunden, die darin besteht, die meist täglichen Updates von Prof. Hendrick Streeck und Dr. Christian Drosten (beides Virologen) sowie von Dr. John Campbell (Krankenschwester-Ausbilder, pensioniert) anzuhören und zusammenzufassen. Deren Erläuterungen und Bezüge auf wissenschaftliche Artikel widersprechen sich mitunter und das ist gut so. Ein bis vor wenigen Monaten unbekanntes Virus kann nicht ausschließlich unisono Aussagen hervorbringen, das wäre beunruhigend. Der Screenshot im Teaser stammt aus dem letzten Youtube-Update von Campbell.

Wie lange große Tröpfchen mit signifikanter Viruslast (und das ist noch ungeklärt, wie viel Virus es braucht, um einen Menschen zu infizieren) in der Luft bestehen bleiben können, hängt von den Umgebungsbedingungen ab: Temperatur, relative Luftfeuchte und Wind. Grundsätzlich gilt: Je mehr Frischluftzufuhr (große Raumluftumwälzer, geöffnete Fenster, outdoor), desto stärker verdünnt sich die Tröpfchenwolke. Je heißer und trockener, desto rascher verdunsten die Tröpfchen. Die Hoffnung besteht ja darin, dass es in der warmen Jahreszeit zu einer Verlangsamung der Ausbreitung kommt. Dem gegenüber gestellt wird oft, dass es auch in heißen Ländern zu einer Verbreitung kommt, aber ich frage mich, ob da nicht kulturelle und Platzgründe eine größere Rolle spielen, etwa in Spanien oder Lateinamerika mit generell engerem Kontakt zwischen den Menschen, oder in Afrika mit beengten Wohnverhältnissen und größeren Menschenansammlungen. Die aktuellen Wetterverhältnisse in Mitteleuropa, mit Temperaturen über 20 Grad und einer Luftfeuchte von teils unter 20%, in Wien mit lebhaftem Südostwind verbunden, würden ein gutes Freiluftlabor simulieren, um festzustellen, wie rasch die Viruslast in der Luft verdünnt wird, wenn jemand spricht, hustet oder niest.

Aus der obigen Abbildung lässt sich ableiten, dass der “Meter Abstand” in Österreich klar zu wenig ist, jedenfalls in geschlossenen Räumen (Laborbedingungen!). Zwei Meter sind Minimum. Ohne Maske. Alles, was darüber hinausgeht, lässt sich zum Glück durch Masken abfangen. Und man kann es nur zum hundertsten Mal betonen: Es geht darum, andere nicht mit seiner potentiell viralen Spucke anzustecken!

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Tag 26: Neue alte Erlässe, Maskenpflicht, Hochfahren ohne Reisefreiheit

Leute, es ist wirklich mühsam. Jeden Tag andere, oft widersprüchliche Informationen. Ich mag nimmer. Ignorieren geht auch nicht, weil sonst steht man vor dem Supermarkt und darf ohne Maske nicht hinein, obwohl die Maskenpflicht noch gar keine rechtliche Grundlage hat. Statt mal für ein paar Tage still zu halten, musste Kurz am Wochenende wieder große Interviews führen, um von einer verpflichtenden App zu sprechen, während das Rote Kreuz sagt, ihre App muss freiwillig bleiben. Sobotka ruderte zurück, die Grünen stellten klar, dass die App nicht verpflichtend sei. Gleichzeitig arbeitet die ÖVP an einer neuen App mit externer Überwachungssoftware und Bluetooth-Schlüsselanhängern Fußfesseln.

Über die psychosozialen Folgen spricht niemand – was passiert mit den Menschen, wenn sie tag und nacht das Handy bei sich haben müssen? Es könnte ja jederzeit eine Warnung kommen, dass man mit einem infizierten Menschen Kontakt hatte? Vor zwei Wochen hat der Kinderpsychiater Dr. Dierssen auf einen Blogtext von mir kommentiert, dass exzessives Vitalmonitoring (Überwachung der körperlichen Funktionen auf eine mögliche Infektion, z.b. Blutdruck, Fieber, Puls, etc…) kontraproduktiv sei, es würde zu erhöhter Anspannung und Ängsten führen. Was geschieht bei exzessiver Überwachung der Sozialkontakte eines Menschen? Ich habe aufgrund der bewiesenen Grundbösartigkeit der Regierung, vor allem des ÖVP-dominierten Anteils, ein Grundmisstrauen entwickelt.

Die Regierung versäumt es leider, beruhigende Signale im Hinblick auf die geltenden Grundrechte auszusenden:

  • Zurechtweisung der Polizei, die Verhältnismäßigkeit zu wahren
  • Menschen, die Abstände nicht einhalten, nicht als “Gefährder” mit Terroristen gleichzusetzen
  • Contact-Tracing darf nicht über die Hintertür verpflichtend werden

Einschub Pressekonferenz

  • Ausgangsbeschränkungen bis 1. Mai verlängert.
  • Ab 14. April können Geschäfte unter 400 m2, Bau- und Gartengeschäft öffnen
  • ab 1. Mai alle anderen Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure öffnen.
  • ab 15. Mai sukzessive Restaurants und Hotels
  • Öffnung der Bundesgärten nach Ostern, mit Eingangskontrolle

Alles unter besonderen Sicherheitsauflagen.

  • Keine Veranstaltungen in ganz Österreich bis mindestens Ende Juni. Über Veranstaltungen im Sommer wird noch entschieden
  • Familienfeiern oder Ausflüge zu Ostern sind grundsätzlich untersagt. Schulen bleiben bis Mitte Mai geschlossen, die Matura wird stattfinden, Unis bleiben das ganze Semester zu.
  • Ab Ostermontag Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und in allen Geschäften. Kurz spricht vom öffentlichen Raum (gewichtiger Unterschied), aber Anschober hat bekräftigt, dass damit Öffis und Geschäfte gemeint sind.
  • Zuwachsrate bei den Infektionen derzeit unter 2%, seit einer Woche einstellig (falls die Tests stimmen)
  • Rücknahme des Oster-Erlasses, weil Ausgangsbeschränkungen weiterhin gelten
  • Zu Reisefreiheit kommen gesonderte Informationen, erst mit Impfstoff, d.h. mindestens vor Herbst nicht im Ausland, im Binnenland wohl sehr eingeschränkt

Wenn es heißt, wir sitzen alle im gleichen Boot, stimmt das eben nicht. Bei manchen hat das Boot kein Ruder mehr, bei manchen fehlt die Luft, bei anderen dringt schon Wasser durch den Rumpf.

Update, 20.20: 

Ich war dann das erste Mal einkaufen, ohne Handschuhe, mit Stofftasche. Leider muss man jetzt im den kleinen BILLA-Supermarkt ums Eck einen Einkaufswagen benutzen. Damit steht man sich nur im Weg, kann nicht ausweichen und muss enger aneinandervorbei als ohne Wagen. Es war ein Spießrutenlauf. An der Kassa hab ich bar bezahlt, weil ich Trinkgeld geben wollte. Ich rundete auf, sie bedankte sich herzlich. Ich hab den Einkaufswagen zurückgeschoben und draußen meine Hände desinfiziert mit dem wenigen Desinfektionsmittel, was ich noch habe. Ideal ist das alles nicht. Das haben sich wieder hirnrissige Experten ausgedacht, die nur in Mega-Supermärkten einkaufen gehen.

Allerdings ist das auch ein Grundproblem der Regierungsarbeit. Es fehlen die Grundlagen. In einem der ORF-Reportagen wurde von einem Fachmann für Kommunikation gesagt, dass die Bevölkerung eher Maßnahmen befolgt, wenn sie eine Grund dafür sehen, warum sie es tun sollen. Es gibt bis dahin keine Studien aus Österreich, wo erhoben wurde, wie die Infektionsketten aussehen, ob Oberflächen kontaminiert sind in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Supermärkten. Jetzt müssen in öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten Masken getragen werden. Anders in Deutschland, da wird aktiv und transparent geforscht. Da finden sich erhellende Aussagen, die im Widerspruch zu den österr. Maßnahmen und vor allem ihrer polizeilich harter Durchsetzung stehen:

“Wir haben Viren auf Gegenständen oder Türklinken gefunden. Auch einmal im Toilettenwasser, wenn jemand Durchfall hatte. Es ist uns aber in keinem Fall gelungen, daraus intakte Viren anzuzüchten.”

“[…] bisher seien keine Infektionen beim Friseur, beim Busfahren oder beim Einkaufen nachgewiesen worden.”

“Es gab keine Übertragung im Restaurant, der Taxifahrer hat sich nicht infiziert und niemand in öffentlichen Verkehrsmitteln. Und das, obwohl diese Frau hochinfektiös gewesen zu sein scheint.”

ZEIT ONLINE: Sie haben sich aber noch aus anderen Gründen gegen eine strikte Ausgangssperre ausgesprochen. Warum?

Streeck: Ein Grund ist, dass wir gerade alles tun, was schlecht für unser Immunsystem ist. Wir hängen zu Hause rum und gehen nicht raus in die Sonne. Nur zu viert im Park auf einer Decke zu sitzen, ist schon verboten. Aber auch da schauen wir nicht auf die Fakten. Sars-CoV-2 ist eine Tröpfcheninfektion und keine, die über die Luft übertragen wird. Wären es Masern und wir hätten alle keinen Immunschutz, dann würde auch ich dazu raten, öffentliche Verkehrsmittel zu meiden. Auch bei Pocken würde ich mich anders verhalten.”

Stattdessen ist es bei uns verpönt, mit Bargeld zu zahlen, obwohl es gegenwärtig keine Belege dafür gibt, dass man sich darüber einem erhöhten Risiko, sich zu infizieren, aussetzt (jedenfalls nichts, was man nicht durch gründliches Händewaschen und sich nicht ins Gesicht fassen, verhindern könnte).

Die sehr umfangreiche FAQ des Sozialministeriums klärt viele Fragen, nur eine Frage fehlt dezidiert:

Wann darf man wieder uneingeschränkt (mit Mundschutz) öffentliche Verkehrsmittel benutzen?

Das betrifft immerhin etliche Wiener ohne Auto bzw. Führerschein. Mich.

Update, 21.15

Virologe Streeck: Anstreckung über die Luft extrem unwahrscheinlich

Eine ähnliche Studie wie in Heinsberg läuft derzeit auch in Bergamo. Problem aller Medikamente ist derzeit, dass es keine gesicherten Studien gibt – zu hohes Risiko von Nebenwirkungen/keiner Wirkung. Thema Maskenpflicht: Einschnitte ins tägliche Leben für unbestimmte Zeit, Einschränkung des Gesichts versus Bewegenfreiheit, müssen Juristen, Psychologen, Soziologen beurteilen. Thema Virenverbreitung in der Luft: COVID19 ist Tröpfcheninfektion (kleine Tröpfchen Sekret werden durch spucken, niesen, husten, feuchte Aussprache werden durch die Luft übertragen). Spucke fällt sofort runter, halten sich nicht lange in der Luft. Je kleiner, desto länger halten sie sich in der Luft, aber je kleiner, desto weniger Virenpartikel sind darin, die ab einer bestimmten Menge nicht mehr ausreichen, um einen Menschen zu infizieren. Frage ist, wie nah muss man an einem Menschen sein, damit noch genug Virenpartikel in der Luft sind, um sich zu infizieren. Nahezu keine Gefahr ab Abstand von 1,5m-2m. Nicht wahrscheinlich, dass man sich im Raum mit anderen infizierten Personen infizieren kann, aber nicht ausgeschlossen, dass es passieren kann.

Virologe Drosten: Neue Argumente für Maskenschutz, keine Flächendesinfektion im Haushalt nötig

Generelle Maskenpflicht ad hoc ist komplex, rein logistisch, kulturell nicht verankert und eingeübt. Kaum wissenschaftliche Evidenz dafür, dass Selbstschutz durch einfache Masken funktioniert. Medizinische Masken erfordern medizinische Voruntersuchung, um sie tragen zu dürfen, z.b. Lungenfunktionstests. Einfache OP-Masken, die man sich selbst nähen kann. Es gibt Anfangsevidenzen für den Fremdschutz, aber: Jeder muss die Masken tragen. Zwei interessante Arbeiten:

Nature Medicine – was gibt eine infizierte Person von sich in der ausgeatmeten Luft? Patient hat einfachen Mund-Nasen-Schutz aufgesetzt bekommen, andere Gruppe ohne Maske. 17 Personen hatten normale Corona-Erkältungsviren (eher obere Atemwege), 43 hatten Influenza und 54 Rhinoviren (Schnupfen), alles junge und mittelalte Erwachsene. 30min lang wurde Absaugvorrichtung vor der Person aufgebaut, Atemluft und Hustenluft wird gesammelt und im Labor getestet. Große Tropfen sind Teil der Tröpfcheninfektion, fällt im Radius von 1,5-2m zu Boden. Aerosole (Partikelgröße unter 1-5 Mikrometer) trocknen aus, werden kleiner und schweben länger, das Virus trocknet aber auch irgendwann aus. [Bei der Studie mit 3 Std. Beständigkeit in der Luft spezielle Laborsituation] Ergebnisse eindeutig: 11 Patienten mit Coronaviren mit Maske wiesen keine Virenpartikel über die gesamten 30min auf, in der anderen Gruppe ohne Maske waren es 10 Patienten, mit nachweisbarem Virus.

Studie aus Singapur, im Pre-Print, kleinere Studie, aber mit Covid19. Bei 2 Patienten mit viel Virus in den oberen Atemwegen konnte man Virenpartikel in der Raumluft nachweisen. Kleintröpfiger Bereich in trockener Raumluft – Tröpfchen stehen in der Raumluft, sind noch eine gewisse Zeit infektiös. außer in Räumen mit technischer Raumluftumwalzungen (viele Supermärkte haben das!) mit erheblicher Austauschrate. Bei Luftübertragung (“airborne virus”) hilft die einfache Schutzmaske nicht mehr. Nebenbeobachtung zu Singapur: Wischproben in 30 verschiedenen Krankenzimmern mit Covid19 von allen möglichen Oberflächen, viel deponierte RNA gefunden, z.b. Fußboden (gröbere Tröpfchen), alle Proben waren nur in der ersten Symptomwoche positiv, nicht mehr in der zweiten nicht mehr, keine nennenswerte Viruskonzentration mehr in der Raumluft. Patienten geben später in der Erkrankung weniger Virus von sich. Wichtig für die Vorstellung: Wann ist der Patient infektiös?

Ansteckung über Oberflächen selbst: etwa 10% funktionieren höchstens darüber. Maßnahmen in der Öffentlichkeit sind auf Tröpfchenübertragung ausgerichtet. Luftübertragung auch in den Studien unrealistisch, weil sich Luft im Raum auch bewegt.

Flächendesinfektion im Haushalt nicht nötig. Im Krankenhaus kann eher noch Kontaktinfektion (früher: Schmierinfektion) eine Rolle spielen. Ausfall von Geschmacks- und Geruchsinn, ganz bestimmte Art von Zellen in der Nase werden vom Virus betroffen. Iranische Wissenschaftler haben Umfrage gemacht mit 15000, davon hatten 10000 einen Ausfall/Beeinträchtigung des Geruchsinns, 76% hatte plötzlichen Ausfall. 75% hatten influenza-ähnliche Symptome, 83% hatten Geschmacksverlust – davon hatten 12% hatten ebenfalls Atemwegserkrankung, davon mussten 7,8% ins Spital, aber 48% im Haushalt, da hat 1 Familienmitglied auch Ausfall des Geruchsinns.

Bemerkenswert, solche großen Zahlen und plötzlichen (bemerkbaren) Ausfall des Geruchsinns zu sehen. Ratsam, sich selbst zu isolieren, wenn dies auftritt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Tag im Berchtesgadener Land

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Eigentlich war eine ganz andere Region geplant. Der Vorteil vom frühen Verschlafen ist die Anzahl der Alternativen. So nahm ich die Linie 260 Richtung Zell am See und stieg an der Haltestelle Baumgarten aus, wo sich auch ein Klettergarten befindet. Überweg gibt es keinen. Im gesamten Aufstieg entlang des Röthelbachs über die Obere Schlegelalm bis kurz vor der Bergstation von der Predigtstuhlbahn habe ich keine Menschenseele getroffen. Oben spielte es sich natürlich ab. Und das an einem Werktag. Wie es hier wohl am Wochenende aussehen mag? Continue reading

Auto- und Öffiwanderziele in Salzburg-Umgebung

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Blick vom Schwarzerberg bei Golling Richtung Salzachtal, links Untersberg, rechts Osterhorngruppe

Ohne Auto scheiden für mich etliche Ziele in der nahen Umgebung aus, allen voran die Kalkstöcke Hagengebirge, Tennengebirge, Göllmassiv und weite Teile der Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen, zumindest als Tagestour. Die Anreise mit Bus & Bahn ist umständlich oder überhaupt nicht machbar.

Hier eine Auswahl an Zielen, die ich ohne Auto schwer oder gar nicht innerhalb eines Tages erreichen kann:

  • Hochstaufen und Hinterstaufen, Parkplätze bei der Niederalm (Listwirt), Jochberg, sowie nordseitig Adlgaß, Öffifahrer: lange Zustiege ab Piding, Bad Reichenhall-Bf/Kirchberg, Weißbach/Alpenstraße
  • Hagengebirge, Anstieg zum Tristkopf (2110m), Bluntautal
  • Tennengebirge, Zustieg vom Pass Lueg
  • Trattberg, Parkplatz Hintertrattbergalm
  • Schlenken/Schmittenstein, Parkplatz Zillreith
  • Einberg (1688m), Parkplatz Wegscheid (Mautstraße zur Postalm)
  • Gaißau im Sommer
  • Postalm generell (schlechte Busanbindung)
  • Schafberg, (umständliche Erreichbarkeit St. Wolfgang und Unterach/Attersee)
  • Hochplettspitze (Unterach/Attersee schlecht mit Bus erreichbar)
  • Sonntagshorn/Loferer Alm/Loferer Steinberge – Bus taleinwärts zu spät und talauswärts zu früh (= zu kurzes Zeitfenster)
  • Annaberg/Lammertal – lange Anreise mit Bus

Und hier eine Auswahl an Zielen, die ich seit 2017 öffentlich angefahren bin:

  • Hochglocker bei Schwarzach-St.Veit, Abstieg nach St. Johann/Pongau
  • Högl über Hammerau
  • Sausteigen über Maishofen, Abstieg nach Saalfelden
  • Katringebirge ab Strobl, Abstieg nach Bad Ischl
  • Kneifelspitze und Almbachklamm, Abstieg Berchtesgaden
  • Fibling ab Hof, Abstieg Fuschl am See
  • Toter Mann & Götschen ab Hintersee bei Ramsau, Abstieg Bischofswiesen
  • Untersberg ab Glanegg, Abstieg Marktschellenberg
  • Teisenbergüberschreitung von Hammer nach Piding
  • Ristfeuchthorn ab Schneizelreuth, Abstieg Thumsee
  • Hochkönig via Arthurhaus
  • Schwalbenwand ab Saalfelden, Abstieg Zell am See
  • Kolomansberg & Irrsberg ab Mondsee, Abstieg Straßwalchen
  • Schwarzerberg ab Unterscheffau, Abstieg Golling
  • Roßbrand via Radstadt
  • Überschreitung Alpenberg ab Kammer-Schörfling nach Pinsdorf
  • Ostpreußenhütte ab Pfarrwerfen (Schneeschuhe)
  • Schwarzenegg ab Hüttau (Schneeschuhe)
  • Breitenberg ab Abersee (Schneeschuhe)
  • Haunsberg ab Pabing
  • Lidaunberg ab Hof, Abstieg Fuschl am See
  • Almkogelrunde ab St. Gilgen
  • Müllnerhorn ab Bad Reichenhall-Kirchberg
  • Gamskogel ab Kufstein
  • Faistenauer Schafberg ab Hintersee, Abstieg Zwölferhorn (Gondel)
  • Tannberg & Buchberg ab Neumarkt-Köstendorf, Abstieg Mattsee
  • Auernig via Mallnitz-Obervellach
  • Großes Hundhorn ab St. Martin bei Lofer, Abstieg Hintersee/Ramsau

sowie 42 Gaisberg-Besteigungen auf unterschiedlichen Varianten.

Wie man sieht, ist doch einiges möglich, wenn man das Kartenwerk und die verfügbaren öffentlichen Anbindungen anschaut und sich Gedanken macht.

Mehr Ideen und Anregungen gibt es beim Alpenverein Salzburg sowie in meinem Tourenbuch.

Öffi-Touren im Spätwinter

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Öffi-Tour nach Schwarzach-St.Veit Bf., auf den Hochglocker (1590m) mit Blick in die Glocknergruppe, 9.4.2017

Meine Übersiedlung nach Salzburg ist jetzt genau 1 Jahr und 10 Tage her. Wenn ich hier nicht meinen Lebensunterhalt verdienen würde, wäre ich schon längst wieder nach Wien zurückgegangen.

 

Gibt es irgendetwas, das mich trotz Salzburg am Leben erhält?

Thomas-Bernhard. Nein, Spaß bei Seite. Die umliegenden Berge. Auch wenn ich durch meine eigenen bergsteigerischen Fähigkeiten in die Schranken verwiesen werde, d.h., anspruchsvolle Touren sind mangels Freizeitpartner kaum möglich bzw. möchte ich dieses Risiko nicht eingehen. Anspruchsvoll kann auch heißen: Bei Schlechtwetter, wovon es im Kalkalpenbereich leider reichlich gibt. Continue reading

Offener Appell an die Stadtregierung

Liebe schwarz-grüne, insbesondere grüne, Stadtregierung von Salzburg,
als ich vor einem Jahr aus beruflichen Gründen von Wien nach Salzburg übersiedelte, war mir nicht bewusst, vom Öffi-Paradies in die Steinzeit zurückzugehen. Ich hörte zwar schon hinter vorgehaltener Hand, wie umständlich und benutzerunfreundlich der öffentliche Verkehr in Salzburg sei, habe es mir aber nicht so schlimm vorgestellt. Die erste Salzburgerin, die ich noch vor der Übersiedlung kennenlernte, war Anfang 60 und hatte sich erst eben ein Auto gekauft, “weil sie dann mobiler sei”. Schon da war mir klar, dass in Salzburg etwas gewaltig schiefrennt. Sicherlich ist ein Teil des Stauproblems der Tourismus aus dem Nachbarland, aber vieles wird hausgemacht sein.

Wenn ich dann lese, dass es eine Kilometerleistung bei den O-Bussen gibt, und an einer Stelle gekürzt werden muss, um an anderer verlängern zu können, fasse ich mir ungläubig an den Kopf. Salzburg ist mir bisher nicht als unfassbar arme Stadt ohne kulturelle Zugpferde vorgekommen, auch die viel zu hohe Anzahl an Zweitwohnungen spricht eine andere Sprache.

Von allgemein ärgerlichen Aspekten, hier zu wohnen, etwa, dass sämtliche, größere Bergsportgeschäfte oder auch Buchhandlungen (Morawa, Thalia) an den Stadtrand in teilweise verwaiste Einkaufszentren ausgelagert wurden, die nicht alle öffentlich gut erreichbar sind, möchte ich mich hier schwerpunktmäßig den Mängeln im öffentlichen Verkehr widmen.
Umwelt- und Klimaschutz ist natürlich speziell im Salzburger Land ein heikles Thema, wenn man sich anschaut, wie viele Berge durch Skigebiete verschandelt wurden und in schneearmen Wintern die Schneekanonen Tag und Nacht laufen, damit sich die sozioökonomisch benachteiligte Familien den teuren Schipass nicht mehr leisten können. Aber russische und britische Schitouristen wird man behalten, keine Sorge. Heikel ist es auch im historischen Bewusstsein, wenn man sieht, was mit den Lokalbahnen und Zahnradbahnen im Laufe des 20. Jahrhunderts geschehen ist. Bestrebungen eines Wiederaufbaus sind bisher halbherzig, so bleibt es bei überfüllten Bussen Richtung Bad Ischl und starkem Autoverkehr zum Gaisberg. Salzburg ist sowohl in Richtung Innsbruck als auch Linz beim Fernverkehr hinten nach, das Deutsche Eck kostet Zeit und verhindert mangels zusätzlichen Gleisen, dass Nah- und Fernverkehr friedlich koexistieren können. Die private Westbahn schafft den Halbstundentakt nach Osten, die staatliche ÖBB nicht. Mehr als ein Halbstundentakt bei der S-Bahn ist auch in Salzburg-Stadt nicht verwirklicht, mit den ungünstigen Abfahrtszeiten der beiden Railjets am Hauptbahnhof ist das ärgerlich.
Tirol hat eine Gesamtfläche von 12600 km², das Jahresticket-Land inklusive Innsbruck kostet 490 €, im nur 7100 km² großen Salzburg kostet es inklusive Salzburg-Stadt hingegen stolze 1540 €.  Eine Menge Geld für die vielen Nichtzweitwohnungsbesitzer, die aufgrund der Zweitwohnungsbesitzer überteuerte Mieten und unverschämte Maklerprovisionen bezahlen müssen. Das öffentliche Netz in Salzburg ist eine Zumutung, wenn man aus Überzeugung, Armut, Krankheit oder anderen Gründen kein Auto besitzt oder benutzen kann.

Kritik im Einzelnen:

* Das betrifft etwa die Anbindung zum Europark am Wochenende, wenn in Österreichs größtes Einkaufszentrum nur alle halbe Stunde ein Bus fährt, oder auch zum Flughafen. Eine einzige frühere Busverbindung und man käme rechtzeitig in die Arbeit oder zum Gate für den ersten Flug.

* Das betrifft sämtliche Umstiegsverbindungen, weil die Umstiegszeiten oft zu knapp sind und der chronische Zeitverlust durch Stau nicht eingerechnet ist.

* Das betrifft die zu kurzen Haltestellen, wo entweder keine zwei Busse hintereinander passen oder der vordere Bus schlicht nicht wartet, sodass man umsteigen kann. In Wien ist das kein Problem, in Salzburg wartet man leicht wieder 15min auf den nächsten Bus. Für Pensionisten oder Touristen ist das vielleicht nicht tragisch, für die arbeitende Bevölkerung ist das schlicht nicht zeitgemäß.

* Das betrifft insbesondere den Hauptbahnhof, wo dringend zusätzliche Ausstiegsstellen zu errichten sind, sodass man nicht im Bus warten muss, bis die vorausfahrenden Busse an der Haltestelle abgefahren sind.

* Viele Haltestellen an Kreuzungen sind aufgrund der autofahrerfreundlichen Ampelregelungen nicht rechtzeitig erreichbar und der Bus fährt vor der Nase weg, z.b. LKH/West oder Maxglaner Hauptstraße/Schwedenstraße (1 -> 27).

* Insbesondere am Wochenende abends bestehen zu wenig Busverbindungen Richtung Maxglan vom Hauptbahnhof weg. Wenige Minuten Verspätung des Zuges bedeuten bis zu 20min Wartezeit. Eine 10 Euro teure Taxifahrt für 2,5 km kann wohl kaum ein adäquater Ersatz sein – von der Unübersichtlichkeit am Taxistand, in welches Taxi man einsteigen darf, abgesehen.

* Mehr Linien, die dafür weniger Haltestellen bedienen, würden ein kürzeres Durchkommen mit weniger Staupotential ermöglichen. Ich will als Nichtautofahrer keine Stadtbesichtigung, sondern zügig ankommen. Die Albusse sind hierfür zwar praktischer, aber die Intervalle zu gering.
* In der Ferienzeit werden die ohnehin der Größe der Stadt nicht angemessenen Intervalle oft empfindlich ausgedünnt, obwohl dann mehr Touristen unterwegs sind, speziell im Sommer. Und natürlich gibt es auch in der Ferienzeit genügend Menschen, die arbeiten müssen, damit andere in Urlaub gehen können.
* Die Bezahlung der Tickets beim Fahrer gehört abgeschafft. Es braucht deutlich mehr Automaten an den Haltestellen, aber auch in den Bussen. Es kann nicht sein, dass zusätzlich zum Stau auch noch der Zeitverlust durch den Bezahlvorgang hinzukommt. Das gilt auch für die Busse Richtung Bad Ischl oder Berchtesgaden, die mobile Bezahlmöglichkeit an den Bussteigen sollte noch öfter angeboten werden.
* Um den immensen Verkehr am Gaisberg zu reduzieren, würde sich außerdem anbieten, die ganze Strecke des 151er in die Kernzone einzurechnen. Denn für eine vierköpfige Familie ist ein Ausflug zur Gaisbergspitze mit knapp 30€ schon ein Batzen Geld. Der Bus könnte dann stündlich fahren und der Massenverkehr würde deutlich zurückgehen – es ist ohnehin ein Wunder, dass auf der kurvenreichen Strecke nicht mehr passiert. Für die ohnehin kaum vorhandene Tierwelt am Gaisberg wäre weniger Individualverkehr auch ein Segen.

Auch bei Barrierefreiheit und Sicherheit für Fußgänger gibt es Verbesserungsmöglichkeiten:

 

* Hier und da sind mir fehlende Überwege aufgefallen, sei es bei der Flughafendirektion, Haltestelle des 2er Kröbenfeldstraße, oder am Hellbrunner Zoo, wo es bei der Haltestelle weder Zebrastreifen noch Bedarfsampel gibt, obwohl hier zwischen den Ortschaften meist deutlich über 50 gefahren wird. Offenbar geht man davon aus, dass sowieso jeder mit dem Auto zum Zoo fährt.

* Die Grünphasen für Fußgänger sind außerdem viel zu kurz. Denken Sie bitte auch gehbehinderte Menschen – sowohl bei Bedarfsampeln als auch etwa beim Übergang Mozartsteg – Ferdinand-Hanusch-Platz oder bei der Staatsbrücke am Rathausplatz.

* Der Hauptbahnhof ist ein sehr trostloser Ort mit wenig Sitzmöglichkeiten und latent vorhandenem Unsicherheitsgefühl zu späten Uhrzeiten. Praterstern in Salzburg. Die Vorschläge dagegen sind konzeptlos und verlagern das Problem nur. Verbote sind keine Angebote an Menschen, die ohnehin stigmatisiert und ausgegrenzt werden.

Schlusspunkt:

 

Ich nutze natürlich trotz aller Missstände das Rad und die Öffis, bezahle brav die völlig überzogenen Preise für die Zeitkarten, aber sehe ehrlich gesagt für die Zukunft schwarz, wenn nicht in effizientere und zeitnah realisierbare Verkehrsprojekte investiert wird, die sich ja auch langfristig auszahlen. Sehr bedauerlich, dass die Salzkammergutbahn nicht mehr vorhanden ist, sie wäre für Pendler ideal und würde die Busse Richtung Bad Ischl vor allem im Sommer deutlich entlasten. Realistisch gesehen bietet sich kurzfristig nur an, die Fördermittel für die Kilometerleistung der Busse zu erhöhen, damit das Angebot und die Intervalle ausgebaut werden können. Damit einhergehen sollte eine deutliche Reduzierung der Preise für Einzel- und Zeitkarten. Inwiefern das zu erheblichen Einbußen mit den Touristen führt, sei dahingestellt, ein großer Anteil scheinen ohnehin nur die ungeliebten Tagesgäste mit den angekarrten Bussen darzustellen. Für die nicht ganz so wohlhabende Bevölkerung wäre es ein Segen, wenn die Fahrtkosten erschwinglich wären. Für vom Stau gepeinigte Autofahrer wäre es eine kostengünstige Alternative. Eine U-Bahn oder unterirdische Stadtbahn halte ich persönlich für keine gute Alternative, da sie nur einen Bruchteil der nötigen Strecken abdeckt, extrem teuer und aufwändig ist und U-Bahnen erwiesenermaßen längere Strecken zu Fuß zu den Stationen bedeuten. Straßenbahnen halte ich da für deutlich sinnvoller, breit genug sind die Hauptstraßen dafür allemal. Damit können deutlich mehr Fahrgäste transportiert werden, die Wege zu den Haltestellen sind erheblich kürzer als unterirdisch. Es muss allen Beteiligten klar sein, dass die Übergangszeit das Staupotential verschärfen wird, bis tatsächlich ein Umdenken einsetzt und das Auto endlich stehengelassen wird.

Mit freundlichen Grüßen,

ein Zugereister (vorher Wien und Innsbruck)

Das Auto, die Heilige Kuh

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Großer Barmstein fotografiert vom Kleinen Barmstein bei Hallein

Ich bemühe mich wirklich und beweise immer wieder aufs Neue, dass man im näheren und weiteren Umkreis von Salzburg-Stadt ganz tolle Wandertouren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln machen kann. Die Freude über die Realisierbarkeit wird jedoch über die offensichtliche Wurschtigkeit getrübt, mit der man im Grenzgebiet Salzburg- Oberbayern mit Fußgängern und Wanderern umgeht. Continue reading

Öffentliches Ärgernis

fahrplannetz-2017

Liniennetzplan 2017 (nur O-Bus)

Naturgemäß ist es immer ein Absturz, wenn man von Wien in eine kleinere Stadt zieht. Jedoch ist es auch eine Bruchlandung, wenn man davor in Innsbruck gelebt hat. Salzburg hat mit 150 000 Einwohnern (2016) ganze 20.000 mehr als Innsbruck. Nach Wien, Graz und Linz ist es die viertgrößte Stadt Österreichs, jedoch die einzige Stadt ohne bestehende Straßenbahnlinie. Salzburg hatte sie nämlich, von 1909 bis 1940, sie wurde aber durch den Oberleitungsbus ersetzt. Jetzt rühmt sich die Stadt des fünftgrößten Oberleitungsbusnetz der westlichen Welt, allerdings ist ihr Zustand eher unbefriedigend, dafür, dass sie 87 Jahre Zeit hatten, eine vernünftige Infrastruktur zu schaffen.

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