Kinder & Jugendliche

Mit der Impfung der Erwachsenen wurde die Pandemie schnellstens für beendet erklärt und lästige Schutzmaßnahmen abgeschafft. Die Impfzulassung für die 5-11jährigen fiel in den Lockdown der DELTA-Welle bei fehlenden Schutzmaßnahmen in den Schulen und Kindergärten, die Impfzulassung für die 0-4jährigen in die Herbst-BA5-Welle alias “Eigenverantwirtung”.

Ich habe selbst keine Kinder, aber ich war auch einmal eines, und hey … einer meiner besten Freunde hat Kinder! Wir sind alle Teil der Pandemie, ob uns das gefällt oder nicht. Alle Altersgruppen. Ich könnte nun sagen, was kümmern mich die Kinder der anderen? Das wäre reichlich unempathisch und kurzsichtig. Es ist daher für mich selbstverständlich, Kinder auf meinem Blog nicht stiefmütterlich zu behandeln. Wenn man die Übertragungsdynamiken genauer betrachtet, sind Kinder der Schlüssel zu einer signifikanten Eindämmung der Infektionszahlen in allen Altersgruppen.

Inhaltsverzeichnis:

1 Kindergärten und Schulen als Virendrehscheibe

1.1 Übertragung

1.2 Schutzmaßnahmen

2 Erkrankungsverlauf

2.1 Schwere Akutverläufe und Sterblichkeit

2.2 Spätfolgen

2.2.1 MISC

2.2.2 LongCOVID

2.2.3 Immunschwäche und Sekundärinfektionen

2.3 Covid in der Schwangerschaft

3 Impfung

4 Psychosoziale Folgen

4.1 Pandemie

4.2 Geschlossene Bildungseinrichtungen

4.2.1 Dauer der Schulschließungen in den Pandemiejahren 2020 und 2021

4.2.2 Psychische Auswirkungen der geschlossenen Bildungseinrichtungen

5. Wege aus der Krise?

1. Kindergärten und Schulen als Virendrehscheibe

Epidemiologe Robert Zangerle: “Diese Daten stehen seit Monaten Hunderten Gesundheitsverantwortlichen in allen Bundesländer und Ministerien zur Verfügung.” (01.09.21, Tweet) – Leider werden öffentlich die Inzidenzen der Volksschüler (6-9) und Sekundarstufe (10-14) nicht differenziert

Vor der Pandemie gehörte es zum allgemeinen Grundwissen, dass gerade Eltern von kleinen Kindern ständig krank sind. Die Kinder holen sich die häufigen Infektionen im Kindergarten und in der Volksschule, aber auch Heranwachsende sind in schlecht belüfteten Schulräumen stundenlang auf engstem Raum mit ihren Mitschülern eingepfercht. Ideale Verbreitungsmöglichkeiten für alle Viren, die effektiv über die Luft übertragen werden. Warum sollte es bei SARS-CoV2 anders sein? Zumal das Virus gerne als Atemwegserreger bezeichnet wird. Das ist aber nicht richtig. SARS-CoV2 benutzt zwar wie respiratorische Viren die Atemwege als Eintrittspforte, schädigt dann aber die Gefäße im ganzen Körper. Das Virus verursacht Gefäßentzündungen und ist kein Schnupfenvirus. Ein Trojanisches Pferd also, das sich als gewöhnliches Erkältungsvirus tarnt und den Wirt in trügerischer Sicherheit wähnen lässt. Denn warum sollte man sich vor ein bisschen Schnupfen und Halsweh fürchten?

Warum sollte man die Rolle der Kinder verharmlosen? Dafür gibt es im wesentlichen zwei Gründe. Der erste unterlag einer gravierenden Fehlannahme aus der Epidemiologie:

Mythos: Herdenimmunität über Durchseuchung

Der schwedische Epidemiologe Anders Tegnell äußerte sich in einem Mailverkehr mit Kollegen folgendermaßen:

a point would speak for keeping the schools open to reach herd immunity faster“

Auch der wissenschaftliche Berater Paul Alexander von Ex-Präsident Donald Trump stieß in dieses Horn:

Infants, kids, teens, young people, young adults, middle aged with no conditions etc. have zero to little risk….so we use them to develop herd…we want them infected…“

Der Irrglaube war, dass Herdenimmunität schneller erreicht werden könnte, wenn man die Schulen offen lässt und Kinder absichtlich infiziert. Die Verfechter dieser Strategie wussten, dass Kinder und Jugendliche das Virus effektiv über Kindergärten und Schulen in andere Haushalte übertragen können. Um mit dieser Strategie bei Eltern keine Beunruhigung auszulösen, war aber eine weitere Bedingung notwendig: Zu behaupten, dass sie kein bis geringere Erkrankungsrisiken hätten. Auf individuelle Schicksale konnte bei einer Durchseuchung natürlich keine Rücksicht genommen werden. Wir wissen aber spätestens seit September 2020, dass auch bei vorher gesunden Kindern selbst nach symptomfreien Verläufen schwere Komplikationen auftreten können. Selbst wenn man das zum Beginn der Pandemie nicht wusste, hätte das Vorsorgeprinzip gelten sollen: Better safe than sorry! In anderen Ländern, auch bei uns zu Beginn, hat man so gehandelt: Schulen und Kindergärten blieben bis auf Notbetreuung geschlossen.

Heute wissen wir, dass Durchseuchung nicht zur Herdenimmunität führt. Es gibt keine dauerhafte Immunität gegen Infektion nach einer Infektion (oder Impfung). Kinder infizieren sich mehrfach mit SARS-Cov2 wie mit gewöhnlichen Coronaviren auch. Herdenimmunität nach Infektion existiert bei SARS-CoV2 nicht. Hätte man diesen Ansatz wie in Schweden verfolgt oder anfangs auch in Großbritannien, wären wir im ersten Pandemiejahr Spitzenreiter bei den Todesopfern gewesen.

Lobbyismus: Geschlossene Bildungseinrichtung gefährden Arbeitsfähigkeit der Eltern

Tegnell nannte später (Min 42:40) aber auch einen zweiten Grund, um Schulen offen zu halten – der sich bis heute als Hauptgrund etabliert hat, wenn man das möglichst ungestörte Funktionieren des Wirtschaftssystems über das der Gesundheit seiner Bevölkerung stellen will:

“If children don’t go to school their parents need to stay at home and we know of economic calculations that have been given to us that then about 20% of the workforce disappears from the Swedish work market”

Die Wirtschaft läuft nun mal nur dann, wenn die Eltern ihre Kinder nicht zuhause betreuen müssen, sondern in Kindergärten und Schulen schicken können – jedenfalls überall dort, wo kein Homeoffice möglich ist und die Kinder zu klein sind, um selbstständig Lerninhalte zu erarbeiten. In prekären Haushalten kommen noch beengte Verhältnisse und fehlende technische Ausrüstung hinzu.

Gerade Parteien mit großer Nähe zu Arbeitgebern, wie ÖVP und NEOS, wetterten vehement gegen Schulschließungen und verwiesen wiederholt auf die WissenschaftlerInnen, die für Herdenimmunität eintraten und das Erkrankungsrisiko der Kinder verharmlosten.

1.1 Übertragung

Zu Beginn der Pandemie hat man bereits früh festgestellt, dass Covid19 bei Kindern häufig symptomfrei verläuft. CT-Aufnahmen offenbarten jedoch Lungenveränderungen, die für eine Infektion charakteristisch sind. Wenn sich Kinder infizierten, gab es keinen Grund zu glauben, dass sie das Virus nicht übertragen werden (Branswell und Thielking, 27. Februar 2020).

Wir erinnern uns an unzählige Podcastfolgen mit Virologe Drosten, wo dieser geduldig erklärten, dass Kinder sich infizieren und andere übertragen können. Zwar gab es früh gewisse Alternativtheorien, um zu behaupten, dass Kinder keine (wesentliche) Rolle in der Pandemie spielen würden – etwa dass die Atemwege der Kinder kleiner wären und daher die Viruslast geringer, oder dass sie viel weniger ACE2-Rezeptoren hätten und daher weniger empfänglich für das Virus sein würden. Tatsächlich fand man mit Hilfe von Nasenrachenabstrichen heraus, dass auch Kinder hohe Viruslasten aufweisen können (Heald-Sargent et al., 30.07.20), und zwar selbst dann, wenn sie keine Symptome zeigen. Die Menge an ACE2-Rezeptoren alias Empfänglichkeit für das Virus hatte zudme keinen Einfluss auf, wie ansteckend sie sein konnten. (Yonker et al. 19.08.20). Die berühmte Princeton-Studie von Laxminarayan et al. (30.09.20) mit 85000 Kindern räumte mit einigen Mythen auf. Demnach konnten Kinder jeden Alters sich und andere anstecken. Der damalige AGES-Public-Health-Leiter Franz Allerberger wertete die Ergebnisse der Studie mit “Indische Lebensverhältnisse lassen sich doch nicht mit unseren vergleichen” (FALTER, 14.10.20) ab, ohne auf den Übertragungsweg einzugehen.

Heute wissen wir: Der Mensch glaubt nur das, was er sieht. Solange es keine Testpflicht gab, wurden nur jene getestet, die Symptome gezeigt haben. Je jünger das Kind, desto wahrscheinlicher eine symptomfreie Infektion und desto unwahrscheinlicher die Veranlassung zu einem zeitnahen Test. Daraus resultierte eine dramatische Untertestung von Kindern und Jugendlichen. Verharmloser zogen die geringere Zahl an positiven Tests bei Kindern und Jugendlichen als Beweis dafür heran, dass sie bei der Verbreitung des Virus nur eine untergeordnete Rolle spielen würden.

Edward Goldstein kam in seinem Preprint (23.12.22) zum Schluss, dass Kinder zwischen 10 und 19 Jahren bei der Verbreitung der OMICRON-Varianten die größte relative Rolle spielten, vor allem bei offenen Schulen, gefolgt von Kindern zwischen 0 und 9 Jahren und jungen Erwachsenen zwischen 20 und 29. Zhu et al. (2022) sah eine bessere Übertragung durch OMICRON bei Kindern verglichen mit früheren Virusvarianten.

Zahlreiche weitere Haushaltsstudien, aber auch Studien in Kindergärten und Schulen haben gezeigt, dass Kinder und Jugendliche selbstverständlich Teil des Infektionsgeschehens sind (Manica et al. 2022, Van Iersel et al. 2022). Antigentests übersehen zudem häufig positive Kinder – das war das Ergebnis der 3. Untersuchungsrunde der “Gurgelstudie” in österreichischen Schulen (25.03.21).

Und in Kindergärten? Die Ergebnisse der deutschen KITA-Studie wurden vielfach falsch interpretiert. Der Abschlussbericht hat gezeigt, dass Kindergartenkinder sehr wohl Kontaktpersonen anstecken können. Nur bei niedriger Hintergrundinzidenz tritt auch weniger Übertragung in Kindergärten auf, das hatten schon Hoehl et al. (2020) gezeigt. Würde in Kindergärten kein Infektionsgeschehen stattfinden, hätten KindergärtnerInnen nicht doppelt so häufig Covid19 wie andere Berufsgruppen.

1.2 Schutzmaßnahmen

Gurdasani et al. 06.03.21, Preprint – Wie können wir Schulen sicher öffnen?

Nachdem sich also herausgestellt hat, was nie angezweifelt hätte werden dürfen, dass Kinder erkranken und das Virus weitergeben können, ist der nächste Schritt zu überlegen, wie man dies verhindern, zumindest aber deutlich eindämmen kann. Natürlich helfen da dieselben Schutzmaßnahmen wie bei Erwachsenen auch: Impfungen, Tests, Maske tragen und saubere Luft in Innenräumen.

Der effektivste Schutz wäre eine dicht getragenene FFP2-Schutzmaske. Nun ist es aber nachvollziehbar, dass Säuglinge keine Maske tragen können. In asiatischen Ländern tragen selbst Zweijährige zumindest Stoffmasken. Kindgerechte FFP2-Masken zu finden ist generell eine Herausforderung. Im Jugendlichenalter wirds damit leichter. Es ist aber klar, dass das Maske tragen bei kleineren Kindern und Volksschülern nur begrenzte Schutzwirkung hat, weil die infektiösen Aerosole bei Stoffmasken durchdringen können und bei undicht getragenen FFP2-Masken oder OP-Masken durch Lecks zwischen Stoff und Haut nur unzureichende Schutzwirkung bieten.

Dass Schulschließungen, Distance Learning, Homeschooling wirksam sind, daran bestand schon im Juli 2020 kein Zweifel. Dass das wie generelle Lockdowns mit Ausgangsbeschränkungen nur ultima ratio sein darf, ist ebenfalls unumstritten. Lockdowns sind ein Zeichen für Versagen im Vorfeld, Infektionszahlen so niedrig zu halten, sodass erst keine schärferen Maßnahmen notwendig sind.

Der Schlüssel zu offenen Schulen bei gleichzeitig möglichst niedrigem Infektionsrisiko ist also die saubere Luft in Innenräumen. Wie kann man diese erreichen? Indem man entweder konstant über Durchlüftung Frischluft zuführt und die verbrauchte Luft verdünnt bzw. ersetzt, oder indem man infektiöse Aerosole aus dem Raum entfernt – mit Hilfe von modernen Lüftungsanlagen, die die kontaminierte Luft von Erregern befreien, oder mobilen Luftreinigern als befristete Lösung, bis die Lüftungsanlagen ausgetauscht bzw. eingebaut wurden. Ein indirektes Maß für verbrauchte Luft, genauer für ausgeatmete Luft, die infektiöse Aerosole enthalten kann, ist CO2 in parts per million (ppm). Frankreich hat nun als Obergrenze für verbrauchte Luft in Bildungseinrichtungen 800ppm verpflichtend beschlossen. Die Initiative Gesundes Österreich (IGÖ) fordert genau das seit ihrer Gründung 2021. Der Gedanke dahinter: Je niedriger der CO2-Gehalt gehalten werden kann, desto geringer das Übertragungsrisiko bei längerem Aufenthalt in geschlossenen Räumen.

Das schließt Übertragung auf kurzer Distanz aber nicht aus: Die Aerosolwolke ist am konzentriertesten nahe der Quelle (Wirt) und dünnt sich erst mit der Entfernung aus. Die potentiell infektiöse Luft muss erst einmal durch den Filter oder Reiniger zirkulieren, um ausgetauscht zu werden. Bis dahin hat sie aber etwa den Sitznachbarn im Klassenzimmer längst infiziert. Daher ist es bei hoher Inzidenz zusätzlich wichtig, im Unterricht Maske zu tragen, regelmäßig zu testen, die Zahl der Kinder pro Klasse auszudünnen und für eine möglichst hohe Durchimpfungsrate zu sorgen, da die Impfung befristet Übertragungen verhindert, zumindest aber die Viruslast reduziert. Je geringer die Viruslast, desto leichter werden Fehler verzeiht, etwa ein falschnegativer Antigentest, eine schlampig getragene Maske oder unzureichendes Lüftungsverhalten.

Im Kindergarten, wo das Maske tragen nur für die Lehrperson von Bedeutung ist, sind Frischluftzufuhr und regelmäßige Tests noch wichtiger. Zudem sollten die Kinder so viel Zeit wie möglich draußen verbringen. Regelmäßige Auffrischimpfungen sollten für die Erzieherperson Pflicht sein. Wer hier nicht im eigenen Sinn vernünftig handelt, kann ja das wirtschaftliche Argument bemühen: Kranke Erzieherinnen führen zu geschlossenen Kindergärten und zwingen zu Pflegefreistellungen bei den Eltern.

2. Erkrankungsverlauf

Ist Covid19 für Kinder harmloser als die Grippe oder RSV? Kinderarzt und Mitglied des Nationalen Impfgremiums Karl Zwiauer war im September 2021 noch der Meinung:  „Wir kennen keine Kinderkrankheit, die so belastend ist wie die Covid-Erkrankung.“

Es ist richtig, die Mehrzahl der Infektionen verläuft mit harmlosen Symptomen oder komplett symptomfrei. Das war allerdings auch bei Poliomyelitis der Fall, wo 72% der Infektionen asymptomatisch verlaufen sind. Bei 5-10% der symptomatischen Verläufe war das Zentralnervensystem beteiligt mit einer aseptischen Meningitis, nur bei 1% traf die gefürchtete paralytische Poliomyelitis auf, die “klassische Kinderlähmung”. In den 60ern startete eine große Impfaktion, seit 2002 gilt Europa als poliofrei.

Verglichen mit Influenza und Parainfluenza ist BA.2 jedenfalls neuropathogener und die oberen Atemwege waren stärker betroffen (Tso et al. 2022)

2.1 Schwere Akutverläufe und Sterblichkeit

In der Zeit vor OMICRON betrug die Kinderfallsterblichkeit durch schwere Akutverläufe 0-2%, 2% allerdings nur bei hospitalisierten Kindern (Nikolopoulou and Maltezou 2022). Die meisten Todesfälle betrafen die ersten 30 Tage nach der Infektion und vor allem Kinder mit spezifischen Vorerkrankungen (Bertran et al. 2022). Zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie aus Deutschland, allerdings traf das nicht bei dem Multientzündungssyndrom MISC/PIMS zu, das mehrheitlich Kinder ohne Vorerkrankungen betrifft. (Sorg et al. 2022).

Mit dem durch Immun Escape viel ansteckenderen OMICRON infizierten sich innerhalb weniger Monate viel mehr Kinder als in den ersten beiden Pandemiejahren. Hinzu kamen gleichzeitig aber auch viel weniger Schutzmaßnahmen.

Wang et al. (2022) verglichen die Infektionsraten bei Kleinkindern (0-4 Jahre) bei DELTA und OMICRON (BA.1). Bei OMICRON trafen weniger schwere Verläufe verglichen mit DELTA auf, allerdings war ein Fünftel aller toten Kinder in den USA auf die erste OMICRON-Welle zurückzuführen. In England sind während der ersten 12 Monate der Pandemie 61 0-18jährige an Covid19 gestorben. Japan ließ am 18. Dezember 2022 mit einer Meldung aufhorchen, dass während der Ausbreitung der OMICRON-Varianten mehrere zuvor gesunde Kinder und Jugendliche an Covid19 verstorben sind. Von 41 Toten hatten 15 keine Vorerkrankungen. 4 Kinder waren unter 1 Jahr alt.

Von den bekannten Atemwegsinfekten seit den 90er Jahren hat nur Covid19 mehr als 100 US-Kinder einem Monat getötet. Alleine während DELTA und OMICRON alleine kam das drei Mal vor. Covid19 ist viel gefährlicher als die saisonale Grippe. In den USA zählt Covid19 zu den führenden Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahre (Flaxman et al. 2022, Flaxman et al. 2023).

Warum aber gibt es mehr Todesfälle mit OMICRON, obwohl es weniger schwere Verläufe gibt? Statistik. Ein geringer Anteil von einer großen Anzahl ist immer noch eine große Anzahl.

Ein höheres Sterberisiko haben Kinder mit Immunschwäche (Abolhassani et al. 2022) und Downsyndrom (Clift et al. 2020). Das heißt im Umkehrschluss: Ohne Schutzmaßnahmen in Bildungseinrichtigungen schließt man kranke und behinderte Kinder vom Sozialleben aus. Bei Schulschließungen wird gerne mit psychischen Schäden durch mangelnde Sozialkontakte gesprochen. Wer denkt an die Kinder, die seit dem politischen Pandemieende dauerhaft von sozialen Aktivitäten ausgeschlossen wurden?

2.2 Spätfolgen

Zu den Spätfolgen bei Kindern zählen eine ganze Reihe von kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen. Zu den kurzfristigen Komplikationen zählt das Multientzündungssyndrom MISC, erstmals auftretende Autoimmunerkrankungen wie Asthma, Zöliakie, Diabetes sowie zumindest vorübergehende Immunschwäche nach der Infektion. Keine eindeutigen Schlussfolgerungen gibt es zur Komplikation schwere Hepatitis, wie sie erstmals 2022 während der OMICRON-Welle beobachtet wurde. Hinzu kommt das “klassische” LongCOVID mit Fatigue und kognitiven Einschränkungen, wenn auch seltener als bei Erwachsenen.

2.2.1 Multientzündungssyndrom MISC

CDC-Kriterien für die Diagnose von MISC: Kombination von Fieber, Entzündungsanzeichen, zumindest zwei beteiligte Organe und vorherige SARS-CoV2-Infektion werden für eine Diagnose benötigt (aus Nakra et al. 2020)

In vielen Fällen tritt MISC erst vier bis sechs Wochen nach der Infektion auf. Es handelt sich um eine Überaktivierung des Immunsystems. Im Gegensatz zu schweren Akutverläufen sind häufig auch gesunde Kinder betroffen. Am häufigsten werden die Kinder wegen Kreislaufproblemen intensivpflichtig (Radia et al. 2021). Herzerkrankungen sind häufig, etwa ein Fünftel hat akutes Nierenversagen (Dhar et al. 2022, systematic review). Die Behandlung erfolgt symptomatisch, über Infusionen oder kreislaufunterstützende Medikamente.

In Österreich mussten in der Wildtyp-Zeit 350 Kinder hospitalisiert werden und 20 wegen MISC auf die Intensivstation. Seit OMICRON-Varianten dominieren sowie mit der Impfung tritt MISC deutlich seltener auf (Holm et al. 2022). Ähnlich wie den meisten Folgen einer COVID19-Erkrankung ist auch bei MISC eine der Hauptursachen die Bildung von Blutgerinnseln und Proteinreaktionen im Immunsystem (McCafferty et al. 2022).

2.2.2 LongCOVID

Als die Impfung für 5-11jährige Kinder im Herbst 2021 zugelassen wurde, kommentierte das Kinderarzt Peter Voitl auf der Pressekonferenz gemeinsam mit dem damaligen Gesundheitsminister Mückstein folgendermaßen:

Wir haben Zahlen, die von 6-10% der [mit Long COVID] betroffenen Kinder ausgehen.“ (25.11.21)

Hier ist eine Sammlung von 38 wissenschaftlichen Untersuchungen zu Covid19 und Langzeitfolgen bei Kindern und Jugendlichen. In Wien sind laut einer Medizinerin schon Kinder an LongCOVID verstorben (06.07.21).

Verschiedene Studien zeigen erhöhte Risiken für Folgeerkrankungen nach einer Covid19-Infektion, z.b. Roessler et al. (2022) oder Kompaniyets et al. (2022). Gestiegen ist vor allem das Risiko für akute Lungenembolie, Herzmuskelentzündung, venöse Thrombosen, Nierenversagen und Diabetes-Typ-1.

Beunruhigend sind auch pathogene Veränderungen selbst nach asymptomatischen oder leichten Verläufen, darunter ..

Zur Behandlung gibt es erste Ansätze, aber kein Allheilmittel. Es ist auch klar, dass ein Kind mit neuer Diabetes-1 lebenslang auf Medikamente und einen disziplinierten Lebensstil angewiesen ist.

Mögliche Behandlungen gibt es für chronische Magendarmsymptome bei Kindern mit LongCOVID mit Lactoferrin (Morello et al. 2022), sowie experimentiell bei Mikroblutgerinnseln mit hyperaktiven klebrigen Blutplättchen. Dies kann sehr kleine Blutgefüße blockieren, die Sauerstoff in Muskeln und Nerven produzieren, kann auch Fatigue (Sauerstoffmangel im Gewebe) und autonome Dysfunktion (small fiber neuropathy) erklären.

Voraussetzung ist aber eine Diagnostik mit fluoriszierender Mikroskopie.

2.2.3 Immunschwäche und Sekundärinfektionen

Dass eine vorangegangene Virusinfektion das Immunsystem vorübergehend schwächen kann, ist keine neue Erkenntnis. Zu Covid19 sind mehrere Studien erschienen, die gezeigt haben, dass es die Funktion der dendritischen Zellen, der unspezifischen Sensorzellen, die bei einem Erreger Alarm schlagen, ausschaltet oder zumindest beeinträchtigt (Winheim et al. 2021, Chang et al. 2022, Perez-Gomez et al. 2021).

Miura et al. (2022) zeigten explizit, dass dendritische Zellen und Lymphozyten in den Mandel zerstört werden, wo Streptokokken A (Scharlach) bei Kindern attackiert. Dendritische Zellen werden auch zur Immunabwehr bei RSV benötigt (Jung et al. 2020), was eine Zunahme an schweren Verläufen erklären kann. Zu einer befristeten Immunschwäche für einige Monate gibt es zahlreiche Studien, u.a. Phetsouphanh et al. (2022), Ryan et al. (2022), Govender et al. 2022.

Der finale Beweis dafür, dass die hohe Zahl an schweren Influenza, RSV- und bakteriellen Infektionen in ursächlichem Zusammenhang mit einem geschwächten Immunsystem bei Kindern (und Erwachsenen) steht, ist noch nicht erbracht. Zu bedenken ist allerdings eines: Wir reden hier nicht von einem Jahr Abstand zur letzten Infektion, sondern die Kinder sind ständig krank, infizieren sich im Abstand von Wochen oder Monaten, sodass das Immunsystem kaum Gelegenheit hat, sich zu erholen. Reinfektionen erhöhen das LongCOVID-Risiko (Marra et al. 2023, preprint), wer weiß, was noch alles.

Unklar bleibt, ob die im Frühling vermehrt berichteten schweren Hepatitisfälle auch ursächlich mit Covid19 zusammenhängen. Bei dem hohen Durchseuchungsgrad bei den Kindern gibt es kaum noch eine Kontrollgruppe ohne vorhergehende Infektion. In einer Untersuchung hatten sechs von acht Kindern eine Covid19-Infektion, sechs brauchten eine Lebertransplantation, das Adenovirus wurde bei keinem Kind in der Leber gefunden, sie wurden mit dem Virustatikum Cidofovir behandelt (Deep et al. 2022). Letzer Stand war, dass die Hepatitisfälle bei Kindern mit einem adenoähnlichen AAV2-Virus zusammenhängen sollen, davon sind aber nicht alle Fachleute überzeugt. Ein vom Titel her eventuell Licht ins Dunkel bringender Artikel ist leider hinter einer Paywall verborgen (Jong and Herzog 2022).

Der Leiter der Kinderklinik Innsbruck, Dr. Thomas Müller, rät Eltern jedenfalls, ihren Kindern in die Augen zu schauen:

Die weiße Augenhaut (das Augenweiß, Sklera), färbt sich relativ früh im Krankheitsverlauf gelb, weil der Gallenfarbstoff Bilirubin im Blut ansteigt. Dann sollte man ein Krankenhaus aufsuchen. Bei dunkleren Hauttypen sieht man die Gelbfärbung auf der Haut erst relativ spät. Bessern sich die weniger spezifischen Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen auch nach mehreren Tagen nicht, sollte man die Werte der Leberenzyme bestimmen. Heller Stuhl und dunkler Harn wären bereits relativ späte Symptome, bei Säuglingen und Kleinkindern wäre ein grauweißer Stihl ein Warnsignal.

2.3 Covid in der Schwangerschaft

Covid19 kann bereits in der Schwangerschaft gefährlich werden. Ein erster systematischer Review vorhandener Literatur erschien dazu bereits von Allotey et al. (01.09.20). Demnach traten Fieber, Husten, Atemnot und Gliederschmerzen seltener auf, dennoch war das Risiko für schwere Verläufe mit Intensivaufenthalt höher als bei nichtschwangeren Frauen. Schwangere Frauen mit Covid19 hatten ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten und zu sterben.

Trotzdem behauptete AGES-Public-Health-Chef Allerberger am 26.10.2020 beim Ö3-“Frühstück bei mir”-Interview, dass Schwangere kein erhöhtes Risiko hätten. “wir sehen regelmäßig riesige Probleme bei Schwangeren bei der Grippe, und das haben wir bei Covid nicht.”

Eine milde Infektion in der Schwangerschaft kann auch die Lungenentwicklung des Fötus soweit beeinträchtigen, dass das Lungenvolumen reduziert ist. (Stoecklein et al. 16.03.22), eine Infektion im Trimester steigert das Risiko von Frühgeburten (Fallach et al., 20.07.22), im Stuhl von Neugeborenen fand man Virenreste, wenn die Mütter mehrere Wochen vor der Geburt infiziert waren. Ein Neugeborenes starb an einer Autoimmunerkrankung (Jin et al., 19.08.22), auch eine Entzündung der Plazenta kurz vor der Geburt ist eine unterschätzte Komplikation einer Covid19-Erkrankung (Sichitiu et al., 04.11.22).

Smith et al. (2023) haben in über 12 Ländern nachgewiesen, dass es ein klar erhöhtes Risiko von Covid in der Schwangerschaft gibt, insbesondere erhöhte Sterblichkeit der Mutter, schwere Verläufe, Gefahr von Lungenentzündung, Schwangerschaftsvergiftung, Embolien. Säuglinge von infizierten Müttern waren eher beamtungspflichtig oder untergewichtig oder zu früh geboren. Die Impfung schützt! (Prasad et al.2022), Maske tragen wichtig.

Kienast et al. (2023) von der MedUni Wien bestätigen in einme kleinen Sample (n = 38) die Ergebnisse mit Plazentaschädigung. Sie traten vor OMICRON-Varianten häufiger auf. Entwicklungsverzögerung bei Ungeborenen wurden in einem Viertel der Infizierten vor OMICRON beobachtet. Einschränkung: Studienteilnehmer bis Juli 2022 (neue Varianten BQ.1.1, BA.2.75 und XBB nicht abgedeckt).

3. Impfung

Die internationale Epidemiologenvereinigung ruft zu einer globalen Impfkampagne für Kinder auf. Die Impfungen schützen vor schweren Verläufen und verringern das LongCOVID-Risiko deutlich. Weder sie noch das amerikanische Center of Disase unterscheiden zwischen gesunden und vorerkrankten Kindern: Es profitiert jedes Kind von der Impfung (Pandey 2022).

Ende November 2021 wurde zuerst die Impfung für 5-11jährige zugelassen. Wien hat schon zwei Wochen vorher angesichts der DELTA-Welle die Off-Label-Impfung ermöglicht.

Mitte Oktober 2022 wurde von der EMA der Pfizer- und Moderna-Impfstoff auch für Kleinkinder ab 6 Monate zugelassen.

  • Studien ergaben, dass die Impfung in der Lage ist, das Multientzündungssyndrom MIS-C zu verhindern (Levy et al. 2021, Yousaf et al. 2022)
  • Selbst eine einmalige Impfung der 12-17jährigen war kurzzeitig in der Lage, das Infektionsrisiko zu senken (Molteni et al. 2022)
  • Eine Infektion alleine schützt gegen die OMICRON-Subvarianten nicht. Es braucht weiterhin die Impfung, um eine möglichst breite Immunantwort zu erzeugen (Sieber et al. 2022)
  • Von der Impfung der 5-11jährigen profitieren alle Altersgruppen (Borchering et al. 2022)

Wenn man sich allerdings anschaut, wie gut die Impfung angenommen bzw. beworben wurde, dann sind die Zahlen aus Österreich eher erschreckend:

Zahl der Erstimpfungen in Österreich pro Altersgruppe, Stand 06.01.2023, Quelle: orf.at/BMSGPK

Von den unter 15jährigen sind gerade mal je 21% der Mädchen und Buben geimpft, eine dritte Impfung haben je 6% bekommen.

Woran liegt es, dass Eltern ihre Kinder kaum impfen lassen? Dafür sind verschiedene Gründe denkbar:

  • Zu wenig Impfkampagnen und Impfungen nur durch Kinderärzte, die überlastet sind durch die ständigen Infektionswellen
  • Unverhältnismäßig viele Kinderärzte, die von der Impfung raten, weil sie esoterisch geprägt sind (Infektionen notwendig, um Immunsystem zu trainieren, was Bullshit ist)
  • Misstrauen in die Regierung, was die Sicherheit der Impfung betrifft (Schernhammer et al. 2022)
  • Verharmlosung der Infektion durch die Regierung (“für gesunde Kinder ungefährlich”)
  • Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums nur für vorerkrankte Kinder. Zwar ist es nicht verboten, seine gesunden Kinder impfen zu lassen, aber viele Eltern warten auf eine ausdrückliche Empfehlung.
  • Irrglaube, (wiederholte) Infektionen würden genügend Immunität verleihen, um Impfungen überflüssig zu machen
  • Schlechte Statistik-Kompetenz bei der Risikoabschätzung. Ist 1% Risiko viel oder wenig?

4. Psychosoziale Folgen

Bei psychischen Folgen der Pandemie denken Politiker, Journalisten und einfältige Wissenschaftler nur an Schulschließungen und Lockdowns. Es betrifft aber genauso Kinder, deren Angehörige schwer erkrankt sind, Langzeitfolgen davongetragen haben oder an Covid verstorben sind. Kinder, die dadurch zu Halb- oder Vollwaisen wurden. Es betrifft Kinder, deren Angehörige, etwa Geschwister, Vater oder Mutter chronisch krank oder behindert sind und ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Sie müssen sich seit drei Jahren bei allen sozialen Aktivitäten zurückhalten, nicht bei allen *vulnerablen* Menschen schlägt die Impfung auch an.

Bei psychischen Folgen sollte man aber auch an das mangelnde Vorbildverhalten der Erwachsenen denken, insbesondere der Politiker, die keinen Augenblick zu lang gewartet haben, um die Maßnahmen loszuwerden, sobald sie selbst geimpft waren. Es ging nie um den Schutz der Kinder, sondern immer nur um die Erwachsenen, die möglichst schnell wieder leben wollten wie vor der Pandemie.

4.1 Pandemie

Aus einer Studie aus Tirol von Wenter et al. 2022 über die psychische Gesundheit von Kindern in den ersten beiden Pandemiejahren: Selbst infiziert zu sein oder Angehörige zu haben, die infiziert wurden oder an Covid19 verstarben, spielt eine wesentliche Rolle für die psychische Gesundheit des Kindes (z.B.., Dönmez and Uçur, 2021Luijten et al., 2021). Manche Kinder verloren ihre Eltern oder Großeltern aufgrund von Covid19 (Hillis et al. 2021). In den USA verloren bis Februar 2022 über 200 000 Kinder unter 18 Jahren ein Elternteil bzw. Angehörigen. Mehr als Zweidrittel der Verluste betraf Kinder unter 13 Jahren.

Die verbreiteten Nachrichten über Todesfälle unter Älteren sorgten für Gedankenspiralen bei Kindern über Tod und Todesangst.

Vogel et al. (2021) fand heraus, dass im März 2020 knapp zwei Drittel der 9-19jährigen um sich selbst Angst hatten, 97% machten sich Sorgen über ihre Familie und 82% über ihre Freunde. In Schweden, wo es nie ein Lockdown gab, fand man ähnliche Ergebnisse.

“Kinder und Jugendliche mit niedriger elterlicher Bildung, beengten Wohnverhältnissen, Migrationshintergrund und psychischen Problemen der Eltern wiesen ein erhöhtes Risiko für Beeinträchtigungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und der psychischen Gesundheit während der COVID-19 Pandemie auf.”

Ravens-Sieberer et al. 2022

Pustake et al. (2023) zeigte, dass Covid19-Infektionen von Freunden und Angehörigen starke Auslöser für depressive Symptome und Angstsymptome bei Kindern sind.

Der Kinder- und Jugendpsychologe Julian Schmitz sagt im Interview mit der “Berliner Zeitung”: „Auch schwedische Kinder waren psychisch belastet, fast ohne Maßnahmen“ (08.01.23)

Schattenfamilien: Über ein Leben in Selbstisolation

4.2 Geschlossene Bildungseinrichtungen

Lockdowns, Distance Learning, Maskenpflicht von März 2020 bis März 2022

4.2.1 Dauer der Schulschließungen in den Pandemiejahren 2020 und 2021

Anmerkung: Es gab keine Schulschließungen. Notbetreuung war in Österreich immer möglich. Distanzunterricht gab es durchgängig. Über die Qualität und Hilfe für schlechter gestellte Familien sollte man reden.

Wenn wir über die Folgen von geschlossenen Kindergärten und Schulen reden, sollte man wissen, über welche Zeiträume wir da reden. Es gab keine “jahrelangen” Lockdowns im Bildungsbereich.

Der 1. Lockdown dauerte vom 16. März 2020 bis 30. April 2020, der 2. Lockdown vom 03. November 2020 bis 07. Februar 2021 mit Unterbrechung durch Weihnachtshandel und Feiertage, der Ost-Lockdown vom 01. April 2021 bis 18. April 2021. Wir reden hier also von Zeiträumen von sechs Wochen, knapp drei Monaten im Winter und knapp drei Wochen in Ostösterreich.

Im ersten und zweiten Lockdown waren zwar alle Schulen geschlossen, es wurde aber eine “gruppenweise” Betreuung für Kindergärten und Schulen angeboten, einschließlich Volksschule, Neue Mittelschule und AHS-Unterstufe. Alle Schulstufen wurden mit der Einführung der (wenig sensitiven) Antigentests im Februar 2021 wiedereröffnet, nur in der Oberstufe gab es Wechselunterricht und gruppenweise Unterricht. In der Unterstufe war Stoffmaskenpflicht, in der Oberstufe FFP2. Im dritten Lockdown kehrte der Präsenzunterricht früher zurück als der Lockdown endete. Im vierten Lockdown im Herbst 2021 galt die Maskenpflicht erst nur auf den Gängen und wurde vorübergehend auf den Unterricht ausgedehnt. Seit Ende Februar 2022 galt sie nicht mehr im Unterricht, in der Volksschule schon Anfang Februar 2022.

Bis Jahresende 2020 gab es laut Bock-Schappelwein et al. (2021) Distance-Learning-Tage in …

  • Sonderschulen 38
  • Maturaklassen 51
  • Volks-, Mittelschule und AHS-unterstufte 53
  • Polytechnische Schule 63
  • Obere Sekundarstufe: 83
Bock-Schappelwein und Famira-Mühlberger, Ausmaß und Effekte von Schulschließungen. Österreich im internationalen Vergleich, 2021

Der zweite Lockdown brachte sehr lange Perioden mit Distance Learning, was maßgeblich auf den im Vergleich zum ersten Lockdwon schwachen zweiten Lockdown mit zahlreichen Ausnahmen zurückzuführen war. Kindergärten wurden nur in der Pandemie nur geschlossen, wenn Infektionsfälle aufgetreten sind, die Schließung dauerte 5-10 Tage je nach betrachtetem Zeitraum der Pandemie.

In Summe kann man festhalten, dass in allen Lockdownphasen eine Notbetreuung möglich war und meines Wissens auch genutzt wurde. Distance Learning betraf die höheren Schulstufen länger als die unteren, ebenso die Maskenpflicht. Am längsten galt die Maskenpflicht auf den Gängen, nicht aber im Unterricht.

Da es keine offiziellen Statistiken dazu gibt, wissen wir nicht, wie es sich mit den Fehltagen in Kindergarten und Schule durch Covid19-Infektion und Reinfektionen verhält.

4.2.2 Psychische Auswirkungen der geschlossenen Bildungseinrichtungen

Quelle: coronastress.ch, abgerufen am 22.01.23

Ich habe Schule nicht nur als Ort der Lebensfreude in Erinnerung. Stress durch Schularbeiten, Nachprüfungen, um die Klasse nicht wiederholen zu müssen, Mobbing durch Mitschüler, Konformationsdruck durch Kleidung und technische Gadgets, Reizüberflutung, sportliche Blamage. Wenn mich die Pandemie in der 8. Klasse bayrisches Gymnasium getroffen und zu monatelangem Distance Learning gezwungen hätte, wäre das für mein psychisches Wohlbefinden ein Segen gewesen. So werden das viele gemobbte und neurodiverse Kinder auch empfunden haben.

Gerade ältere Schüler haben die Phasen mit Distance Learning und Homeschooling zu mehr Selbständigkeit und Organisationsfähigkeit gezwungen. Das kann man nur als Benefit dieser Krisensituation sehen. Hingegen stießen Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss schnell an ihre Grenzen, wenn sie ihre Kinder quasi selbst unterrichten sollten. Zweiklassenbildung auch in den Lockdownzeiten.

Hansen et al. (2022) fand heraus, dass die Zahl der Suizide bei Präsenzinterricht in der Schule zunahm und bei Schulschließungen abnahm. Das widerspricht dem allgemeinen Narrativ, dass es durch Schulschließungen (alleine) zu mehr Suiziden gekommen wäre. Eine Schulleiterin einer Mittelschule schrieb auf ihrem Blog differenziert über die psychische Belastungen während der Pandemie:

“Es gibt Kinder, denen fehlt das Miteinander in den Klassen, weil sie ihre Freunde und ihre Klassengemeinschaft vermissen, aber genauso gibt es junge Leute, die heilfroh sind, endlich mal Ruhe zu haben, endlich mal nicht gehänselt oder gemobbt zu werden.”

Sie beklagte auch, dass man früher nichts von jenen gehört, die psychische Belastungen jetzt ausschließlich auf Kontaktbeschränkungen geschoben haben.

“Wir wissen schon seit Jahren, dass es viel zu wenig Behandlungsplätze gibt, dass es viel zu wenig Schulpsycholog:innen gibt, dass wir dringend Supportpersonal brauchen würden. Komischerweise hab ich in den letzten Jahren da immer nur ganz leise Stimmen gehört, vor allem auch von jenen, die sich derzeit so um die Psyche der Kinder sorgen.”

Über mangelnde Solidarität schrieb auch diese Mutter von zwei Kleinkindern in einem Kommentar der FAZ.

In einem umfangreichen Faktencheck analysierte ich bereits einen ORF-Reportbeitrag zum Thema Schulschließungen (15.11.22)

“Laut Zwischenergebnissen der Neuauflage der Studie zur Psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen der Donau Universität Krems lasse sich der Trend ablesen, dass sich die Situation trotz Aufhebung der Corona-Maßnahmen im Vergleich zum vergangenen Herbst weiter verschlechtert habe.”

“Jeder zweite Jugendliche depressiv, 02.05.22”

In der von Reithmaier genannten Studie von Kaltschik et al. (2022) über die Beurteilung der Langzeitgesundheit von Schülern in Österreich nach Covid19-Maßnahmen wurden 616 SchülerInnen im Alter von 14 bis 20 untersucht. Mädchen neigten eher zu Suizidgedanken als Buben. Die Smartphone-Benutzung ist in der Pandemie deutlich gestiegen, und verbunden mit Verschlechterung von Schulleistungen, gesundheitlichen Problemen, Schlafstörungen und psychischen Störungen. Frauen benutzen Smartphones häufiger als Männer, die sich eher körperlich betätigen und damit ihre psychische Gesundheit verbessern. Das könnte eine der Erklärungen sein, weshalb Frauen doppelt so häufig Suizidgedanken aufweisen. Selbst im dritten Pandemiejahr ohne Maßnahmen ist die mentale Gesundheit der Jugendlichen schwer beeinträchtigt, obwohl die meisten Beschränkungen im Frühling 2022 gefallen sind.

Seit Pandemiebeginn hat sich zwar die Zahl der Jugendlichen mit Suizidversuchen verdreifacht, Paul Plener, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie im AKH, warnte aber davor, Korrelation mit Kausalität zu verwechseln.

Es sei schon so, dass es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Einsetzen der Corona-Pandemie und einer Mehrzahl an psychischen Belastungen gebe – dies wurde in internationale Studien gezeigt.

Die Frage, welche der getroffenen Maßnahmen oder welche Corona-assoziierten Ängste hier eine Rolle spielen, könne jedoch nicht beantwortet werden, weil es dafür keine Studien gebe. “Wir wissen nur, es gibt mehr psychische Belastungen, es gibt deutlich mehr Suizidversuche. Das ist ein europaweites Phänomen.”

Paul Plener, 26.07.22, Puls24

Ein Bericht des Sozialministeriums aus dem Jahr 2020 räumt jedoch ein, dass es in Österreich keine zuverlässigen Daten über Suizidversuche gebe, weil diese nicht erfasst werden könnten. Man beruft sich auf internationale Studien und überträgt die Zahlen auf Österreich. Am 18. August 2020 beantwortete der damalige Innenminister Karl Nehammer eine parlamentarische Anfrage zur Zahl von Suiziden und Suizidversuchen vor und während des ersten Lockdowns. Dort ist keine Häufung von Suizid/versuchen im Lockdown feststellbar. Eine internationale Studie mit über 70 WissenschafterInnen in 21 Ländern stellte sogar eine Abname der Suizide um 4% fest.

Die Koordinationsstelle SUPRA für Suizidprävention in Österreich spekulierte in einer Online-Fortbildung vom 15. März 2021 über die Hintergründe für diesen Rückgang und warnte vor der “Zeit nach der Pandemie”.

In einem STANDARD-Artikel vom 26. Mai 2021 über gestiegene Suizidzahlen in Gefängnissen wurde festgehalten, dass keine Fälle während der “Corona-Isolation” zu beachten waren.

Eine SORA-Studie vom März 2022 zeigt ebenfalls differenzierte Ergebnisse zu Suizidgedanken unter Jugendlichen:

“Besorgniserregend sei neben der hohen Zahl an Menschen mit Suizidgedanken an zumindest einzelnen Tagen auch der Umstand, dass rund 70 Prozent der Jungen unter Hoffnungslosigkeit, unkontrollierbaren Sorgen und Einsamkeit leiden. Ebenso viele machen sich Sorgen um ihre Zukunft, sie haben Angst, den Anschluss an das Leben nachhaltig verloren zu haben. Mehr als die Hälfte berichtete von schweren Konflikten zuhause. Neun von zehn Jugendlichen sahen ihre Bedürfnisse nicht ausreichend in den Covid-Maßnahmen berücksichtigt, interpretiert die Arbeiterkammer die Sora-Ergebnisse.” 

Eine weitere Studie (Danielsen et al. 2023) zeigte, dass bei jungen Erwachsenen (19-23) massive psychische Folgen wie Selbstverletzung, Suizidversuche und Ess-Störungen im Lockdown nicht zunahmen

5. Wege aus der Krise?

Wer meine Blogeinträge in der Pandemie von Beginn verfolgt hat, wird feststellen, dass ich über manche Irrtümer letztendlich auf einem relativ soliden Pfad angelangt bin, und zwar die konsequente Eindämmung und Vermeidung von Infektionen. Die zweite Welle war gut vorhergesagt und hat sich bereits im April 2020 abgezeichnet. Die Schulschließungen im ersten Lockdown waren kein Fehler, aber man hat versäumt, daraus zu lernen. Dabei erschien zu Schulbeginn 2020 noch ein Positionspapier zur Lüftung in Schul- und Unterrichtsräumen (08.09.20), wo Aerosole als Übertragungsweg anerkannt wurden. Offene Briefe an den Bildungsminister von Schulvertretern wurden ebenso ignoriert wie Kritik von Infektiologen an der Abschaffung der Maskenpflicht (Greil, 28.02.22). Der amtierende Bildungsminister Polaschek verwaltet genauso Mückstein-Nachfolger Gesundheitsminister Rauch den Missstand und tut nichts, außer die Wissenschaft verächtlich zu machen.

„Ich denke, es ist immer leicht, natürlich Expertinnen und Experten zu finden,
die es dann für zu vorsichtig, oder für eine zu weitgehende Entscheidung halten,
aber wenn wir immer nur die Meinungen derjenigen folgen, die eine Maßnahme als
zu weitgehend betrachten, dann würden wir wahrscheinlich noch immer in einem
vollen Lockdown sitzen, und wir würden nicht miteinander sitzen, sondern wir
würden jeder in einem Raum sitzen und noch dazu alleine in einem Raum Maske
tragen.“
(Polaschek in der Pressestunde am 20.03.22)

In meinen Augen wäre der zweite und alle nachfolgenden Lockdowns verhinderbar gewesen, wenn man die Grundzüge epidemiologischer Maßnahmen konsequent umgesetzt und nach aktuellem Wissenstand angepasst hätte:

  • Ausbau von Testangebot, Kontaktnachverfolgung, Isolation und Quarantäne
  • Maskenpflicht in geschlossenen Räumen für alle Altersgruppen ab 6 Jahren, für ältere Kinder angepasste FFP2-Masken, die zudem gratis verteilt werden
  • Umsetzung der Vorgaben zu sauberer Atemluft in Innenräumen (Lüftungsanlagen, Frischluftzufuhr, Luftreiniger) und deren Überwachung durch CO2-Messungen
  • International einheitliche Vorgaben zu Testpflicht, routinemäßiger Einsatz von Coronaspürhunden an Flughäfen und großen Bahnhöfen (und warum nicht stichprobenhaft auch in Schulen?)
  • Im weiteren Verlauf aktuelle Impfung nach einheitlichen Vorgaben oder Attestbefreiung als Voraussetzung für Einreise (so wie in anderen Ländern der Erde auch)

Ich verwahre gegen mich polarisierte Forderungen nach Schule auf/Schule zu. Vor allem kann man rückblickend nicht leichtfertig von einem Fehler sprechen. Was wäre denn vor der Impfung die Alternative zu Lockdowns gewesen bei 1% Infektionssterblichkeit? Es hätte über 80 000 Tote gegeben. Es ist genauso falsch, Kinder gegen Kinder auszuspielen, psychische Gesundheit/soziale Teilhabe gegen das Recht auf Gesundheitsschutz. Die gut situierte Mittel- und Oberschicht gibt in der Debatte seit dem Sommer 2020 den Ton an, die Schulen um jeden Preis offen halten wollten. Tatsächlich hing es stark vom jeweiligen Schuldirektor und einflussreichen Eltern ab, ob mehr oder weniger für Infektionsschutz getan wurde. Ich weiß von Schulen, wo auch ohne offizielle Vorgabe das ganze Schuljahr im Unterricht Maske getragen wurden und die Fenster ständig offen waren. Es war Privileg für die Einen und Glück für die anderen, sein Kind so geschützt zu wissen. Viele hatten dieses Glück aber nicht. Darum braucht es einheitliche Vorgaben.

Kinder bzw. deren Eltern oder Geschwister mit Vorerkrankungen/Behinderungen/Immunschwäche haben genauso das Recht auf soziale Teilhabe.

CO2-Messungen müssen verpflichtend werden

Ein erster Schritt wäre, CO2-Messungen in Bildungsräumen als Maß für den Anteil an verbrauchter Atemluft endlich verpflichtend zu machen, wie es Frankreich gerade vormacht und Belgien seit dem Herbst 2021 schon eingeführt hat. Im KURIER erschien bereits am 12. Oktober 2021 ein Artikel, weshalb CO2-Messgeräte so effektiv wären – leider hinter einer Paywall verborgen. Laut dem Bericht wurden Anfang Oktober 2021 vom Land Niederösterreich 10 000 CO2-Messgeräte angeschafft, die noch im Oktober 2021 ausgeliefert werden sollten. Im Oktober 2022 tauchten günstige CO2-Geräte *zufällig* vom gleichen Typ wie die vom Land gekauften wieder auf Willhaben auf. In Wien bissen sich engagierte Eltern an den Behörden die Zähne aus, als sie CO2-Messgeräte im Kindergarten oder in Schulräumen auf eigener Initiative hin aufstellen wollten. Will man hier die “dicke Luft”, die die Kinder täglich einatmen, etwa vertuschen?

Maske tragen als Zeichen von Rücksichtnahme und Selbstschutz normalisieren

Ein Dorn im Auge vieler Eltern sind die Masken. Dabei dürfte es sich aber großteils um Projektion halten. Wenn die Eltern die Maske vehement ablehnen, überträgt sich das häufig auf die eigenen Kinder. Noch im zweiten Lockdown war eine AKH-Ärztin überzeugt, dass Kinder lieber Maske tragen als geschlossene Schulen wollen. “Die Maske ist nicht das, was Kinder irritiert”, schrieb damals auch die Süddeutsche Zeitung.

“Normalise mask wearing. We need to create a mask-wearing culture so it becomes something everyone does, says Leversha. In Japan for example, people wear masks every winter to reduce the transmission of viruses and that’s considered culturally normal. At Newmarket School in Auckland, everyone wears masks at school regardless of their age, because that’s the school culture.”

Abby Beswick für das Henry Magazine in Neuseeland, 09.06.22

Wer sich fürchtet, dass die Kinder durch die Masken emotionale Defizite bei der nonverbalen Kommunikation erleiden, sollte ihnen besser keine Sonnenbrillen aufsetzen, denn eine Ruba und Pollak (23.12.20) fanden heraus, dass Masken bei der Emotionserkennung etwa so störend sind wie Sonnenbrillen (kaum). Carbon et al. (19.08.21) stellten fest, dass bestimmte Emotionen ohne Maske sogar leichter zu erkennen waren (Fröhlichkeit), andere schwieriger (z.B. Abscheu mit Traurigkeit verwechselt).

Gegen esoterische Mythen wie Immunschuld auftreten

Das ist der Kern des derzeitigen schier aussichtslosen Unterfangens. Wir haben gelernt, dass die Durchseuchung der Kinder je nach Pandemiestudium unterschiedlich begründet wurde:

  • um Herdenimmunität zu erreichen
  • um die Wirtschaft am Laufen zu halten
  • um eine vermeintliche “Immunschuld” zu begleichen

Bis zum August 2021 gab es den Begriff Immunschuld noch gar nicht. Es handelt sich um einen Kunstbegriff aus der rechten Esoterik, der Steiner’schen Antroposophie-Lehre. Wer sich regelmäßig infiziert, würde sein Immunsystem trainieren und letztendlich gestärkt aus seiner Krankheit hervorgehen. Der strategische Ex-Berater von Ex-Bildungsminister Faßmann, NEOS-Mitglied Mat Strolz dachte genauso:

“Wenn Kinder eine Krankheit durchmachen, sind sie anschließend oft in einer Art nächster Entwicklungsetappe angekommen. Kinderärzte nennen das “Entwicklungskrankheiten” (STANDARD, 03.04.22)

Nein, seriöse Kinderärzte möchten, dass Kinder gesund bleiben, deswegen impfen sie auch gegen vermeidbare Krankheiten. Denn Kinder, die die Krankheit nicht überstehen, sterben oder bleiben länger oder dauerhaft krank.

Es gibt kein Nachholbedarf an Infektionen! Und schon gar nicht sollte man sich bewusst dem Risiko einer Infektion aussetzen, wenn mehrere Virusinfektionswellen gleichzeitig stattfinden und Arzneimangel, überlastete niedergelassene Ärzte und überfüllte Kinderambulanzen zusammenkommen.

Das Immunsystem ist von Geburt an vielen Erregern ausgesetzt und ständig mit Bakterien, Pilzen, Parasiten, Zellresten und Fremdkörpern konfrontiert. Es hat immer etwas zu tun und braucht kein Training mit gefährlichen Infektionskrankheiten, die Folgeschäden verursachen können. Das beste Update für das Immunsystem ist die Impfung – wenn vorhanden, daher wird gerade auch eine Impfung gegen RS-Viren klinisch erprobt. Die Jahre vor der Pandemie wechselten pro Virensaison immer wieder die einzelnen Stämme (Influenza A/B, RSV A/B), es besteht kaum Kreuzimmunität von einem Stamm zum nächsten. Influenza ist jedes Jahr für viele neu. Schweden erlebt trotz fehlender Lockdowns und Maskentragepflicht in der Wintersaison 22/23 die dritte starke RSV-Welle in Folge.

Das Interview mit Virologe Drosten am 27.12.22 wurde leider von allen Medien auf die Schlagzeile “Pandemie vorbei” verkürzt, viel wichtiger war aber sein Absatz zur Immunschädigung bei Kindern durch Covid19-Infektionen:

“Derzeit bekommen Immunologen Befunde, die suggerieren, dass diese Alterung des Immunsystems bei Kindern nach Coronainfektion viel fortgeschrittener ist, als man es erwarten würde. Man kann sich nun zugespitzt fragen, ob ein ungeimpftes Kind nach Infektion vielleicht mit 30 das Immunsystem eines 80-Jährigen haben wird. Die Durchseuchung der Kinder wäre dann ein riesiger Fehler gewesen. Das wäre ein extremes Szenario, das man aber mit erwägen muss. Allerdings haben wir keine Infektionskrankheit so gut erforscht wie Sars-Cov-2. Gut möglich, dass es sich bei anderen Infektionen auch so verhält und das
Phänomen nach zwei, drei Jahren verschwindet, weil gerade junge Kinder noch naive Immunzellen nachproduzieren können. Wir wissen all dies noch nicht. Ich hatte aus Vorsicht immer für die Impfung und den Infektionsschutz von Kindern plädiert.”
(TAGESSPIEGEL)