Desinformation (PLURV)

(Beispiele anhand von Deutschland in Podcast Nr.82 mit Virologe Drosten, S. 5-11 | PLURV-Plakate zum Download )
  • Pseudo-Experten: unqualifizierte Personen oder Institutionen als Quelle relevanter Einwände präsentieren
  • Logik-Fehler: Argumentationen vorbringen, die sich bei genauer Betrachtung als unlogisch erweisen – zum Beispiel aus korrekten Informationen falsche Schlüsse ziehen
  • Unerfüllbare Erwartungen: Von der Wissenschaft Dinge verlangen, die sie gar nicht erfüllen kann – zum Beispiel durch das Fordern eines Grades von Gewissheit, der unerreichbar ist
  • Rosinen-Pickerei: Informationen bewusst lückenhaft auswählen, sodass sie bei isolierter Betrachtung die eigene Position zu stützen scheinen
  • Verschwörungsmythen: üble Machenschaften und geheime Bünde unterstellen, zum Beispiel, dass Einzelpersonen oder Gruppen absichtsvoll Beweise zum Klimawandel fälschen usw.

Weitere Mechanismen:

  • Schweigespirale von Noelle-Neumann: Bei kontroversen Themen neigen Menschen dazu, ihre eigene Meinung zu verschweigen, wenn sie denken, dass sie sich mit ihrer Meinung dem Isolationsdruck anderer aussetzen würden. Wer öffentliche Unterstützung spürt, neigt hingegen dazu, seine Meinung laut und deutlich zu äußern. Eine Minderheit kann so als Mehrheit erscheinen.
  • Wenn JournalistInnen Interviewfragen so stellen, dass sie der geglaubten Mehrheitsmeinung entspricht („Sollten Eltern noch vor der Impfzulassung vielleicht sogar gesunde Kinder impfen lassen?“), mit der Suggestivfrage versucht der Fragesteller unterschwellig Einfluss auf sein Gegenüber und seine Antwort zu nehmen. Bei Experteninterviews unangebracht.

Wie man relevante Experten erkennt

(von Bill Hanage, Assistenzprofessor Public Health)

  • Personen, die viel auf Twitter schreiben, haben nicht zwangsläufig die besten Argumente, sondern womöglich einfach am meisten Zeit.
  • Personen mit ausgefalleneren Qualifikationen haben nicht immer Recht und nicht jede laute Stimme mit begrenzter Erfahrung erzählt tapfer die Wahrheit
  • Zweifelhafte Ansagen wie „Oh, schau Dir diese komplizierte Sache an, die ich verstehe, aber Du nicht“ werden eingesetzt, um anzudeuten, dass man superclever ist, und verraten das Gegenteil
  • Jene, die sich gegen den wissenschaftlichen Konsens auflehnen, nur jeder denkt, dass Du falsch liegst, macht es aus Dir keinen Galileo!
  • Jene, die festhalten „Ich weiß es nicht“ oder „Ich lag falsch.“ (Drosten, Krammer, Michael Wagner, Elling) sind viel respektwürdiger als solche, die das nie tun (Weiss, Nowotny, Gartlehner, Schernhammer, Allerberger, Schmid, Redlberger-Fritz, Oswald Wagner, Hutter, Sprenger)
  • Für professionelle Wissenschaftler sind Publikationen viel wichtiger als Likes oder Retweets. Wenn jemand seine Ideen vor allem über Social Media vorantreibt und nicht durch wissenschaftliche Veröffentlichungen, ist das kein gutes Zeichen, noch sich den Segen auf Twitter abzuholen
  • Benehmen ist wichtig: Wenn jemand wiederholt grob zu jenen ist, die nicht mit ihm übereinstimmen, und vor allem wenn sie jene angreifen, die weniger Macht besitzen, ist das ein wirklich schlechtes Zeichen.
  • Mehr Aufmerksamkeit jenen schenken, die in einer respektiven Art und Weise mit ihren Kritikern diskutieren und ihre eigenen Sichtweisen überdenken. Jene, die sich verbeißen und auf ihrem Standpunkt beharren, sind nicht so glaubwürdig.

Grundlagen der Desinformation: PLURV – flood the zone with shit

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