Tag 107: Und nun …?

Während immer weniger Menschen Masken tragen, bestellte ich mir neue Masken (hier: von stoffguru.at, Wien 1150)

Vor kurzem sagte jemand: „Im Supermarkt brauchst Du keine Maske mehr.“ – Das sagt der Gesetzgeber, aber was sagt die Vernunft? Deswegen ist für mich vollkommen irrelevant, wo man Masken braucht und wo nicht, jedenfalls dort, wo bis vor kurzem noch die Maskenpflicht galt. Ich trage sie dann, wenn es eng mit vielen anderen Menschen wird.

Endlich spricht es jemand aus

Mitschuld am sorglosen Umgang der Bevölkerung ist aus Sicht von Kittel auch die Regierung, die stark auf Verbote und Strafen – weniger aber auf das Erreichen von Verständnis gesetzt habe. „Es wäre aus meiner Sicht besser gewesen, in einen viel stärkeren Dialog einzutreten und es als eine gemeinsame Sichtweise der Bevölkerung, die in Österreich lebt, zu entwickeln“, meinte der Wirtschaftssoziologe im Interview mit „Wien heute“. Das wäre nachhaltiger gewesen.

Quelle: https://wien.orf.at/stories/3054964/

Das Virus ist immer noch da und hat seine Eigenschaften nicht in der Hinsicht geändert, dass es nun weniger ansteckend wäre oder nur noch bei Symptomen übertragen wird. Weniger Abstand und keine Masken, diese Situation hatten wir zuletzt VOR dem Lockdown. Ebenso wurde bisher in vielen prekären Arbeitsstätten, die KEIN Homeoffice machen können, nicht prophylaktisch dafür gesorgt, Infektionsbedingungen zu verhindern. Erntehelfer, Fleischfabriken, etc… bleiben risikobehaftet. Solange Schulen offen sind, wird es Infektionen geben. Darauf hat Virologe Drosten kurz vor der Podcast-Sommerpause noch einmal explizit hingewiesen. Wir werden mit dem Virus in den Schulen leben müssen. Über sorglose Erwachsene wird es an die Kinder weitergegeben, die sich untereinander anstecken, und Kinder stecken wiederum Eltern an, die es dann in die Büros bringen und Kollegen anstecken. Das ist dann der Punkt, wo ich selbst beunruhigt bleibe, weil ich Kollegen nicht ewig aus dem Weg gehen kann.

Was ist nun mit Vitamin D?

Wir können versuchen, das Virus zu vermeiden, indem wir physische Kontakte einschränken, Abstand halten, Masken tragen. Kann man das Immunsystem irgendwie darauf vorbereiten? Weitgehend nein. Wer keine Kreuzimmunität durch gewöhnliche Erkältungsviren hat (dessen Bedeutung möglicherweise überschätzt wird), dessen Immunsystem kam noch nie in Kontakt mit dem neuen Virus. Auch ohne (bekannte!) Vorerkrankungen sind schwere Verläufe möglich. Auch bei milden oder komplett symptomfreien Verläufen sind Lungenschäden möglich. Was nicht vor einer Erkrankung bewahrt, ist sportliche Fitness – das gilt übrigens auch bei Influenzaviren. Es hilft höchstens dabei, rascher zu genesen, aber selbst bei Covid19 gibt es einzelne Fallberichte von jungen SportlerInnen, die noch wochenlang erschöpft sind und selbst bei leichtem Training rasch ermüden. In Summe heißt das, dass man sich nicht unangreifbar fühlen sollte, nur weil man einen gesunden Lebensstil pflegt und viel Bewegung macht.

Die Folgeschäden bei einem schweren Verlauf haben es in sich, davon berichtete Campbell zuletzt ausführlich. 20-30 Prozent der kritischen Patienten entwickeln eine Lungenfibrose, also Narbengewebe in der Lunge, dass sich nicht zurückbildet, sondern dauerhafte Lungenschäden verursachen kann. Einige Fallberichte deuten sogar daraufhin, dass Covid19 Diabetes Typ 1 auslösen kann (also die Zellen zerstört, die Insulin verarbeiten). Herzschäden sind bekannt (Herzinfarktgefahr) und neurologische Schäden. Daran ist Sauerstoffmangel schuld, der das Gehirn unterversorgt, andererseits verursacht er einen Prozess namens Demyelination wie sie bei Multipler Sklerose auftritt, außerdem sind sensomotorische Ausfälle, psychiatrische Störungen und das Absterben von Gehirnzellen bekannt. Bei wenigen Patienten kommt es auch nach Monaten noch zu schweren Symptomen wie schweren Durchfällen, chronischer Müdigkeit/Erschöpfung (CFS/ME). In Summe ist mit Covid19 nicht zu spaßen, deutlich schwerer als eine Grippe.

Laut Dr. John Campbell, der weiterhin täglich auf seinem Youtube-Kanal Paper zusammenfasst und mit Experten auf der ganzen Welt diskutiert, wäre Vitamin D Möglichkeit, einerseits die Immunantwort stärken (antiviral) und andererseits die Gefahr von Komplikationen wie chronische Entzündungsherde verringern. Weder in meiner deutschen noch in der internationalen Ärztetwittertimeline war Vitamin D bisher ein Thema. Andererseits weist Dr. Campbell seit Ende Jänner auf den möglichen Nutzen von Vitamin D und den belegten Vitamin-D-Mangel besonders in jener Ethnie hin, die am stärksten von schweren Verläufen betroffen ist (absteigend: Schwarze, Hispanos/Latinos, Asiaten, Weiße).

Seine Grafiken scheinen das zu untermauern:

Ich lass das mal so offen stehen. Mein eigener Vitamin-D-Mangel im Blut ist belegt, ich hab meine Supplementierung verdoppelt (die wöchentliche Dosis von 10000 IU nehme ich jetzt doppelt). Ich fühle mich dennoch nicht unbesiegbar, und das Abstand halten und Masken tragen gilt unabhängig vom eigenen Risiko, denn ich könnte unbemerkt infiziert sein und Menschen anstecken, deren Immunsystem beeinträchtigt ist. Ob Vitamin D mehr als eine Placebo-Rolle bei Covid19-Infektionen erfüllt, müssen Experten erklären.