Tag 617: Wer trägt Schuld am 4. Lockdown?

Der ehemalige Kanzler und seine Minister haben das Ende der Pandemie zu früh ausgerufen, und wollten nicht von ihrem Narrativ abweichen: Narzissten können keine Fehler zugeben.

Ab Montag, 22. November 2021, kommt also der erwartete, aber viel zu spät ausgerufene Lockdown „light“ nach Vorbild des „erfolgreichen“ Lockdowns im Herbst 2020, der mit Unterbrechung durch das Weihnachtsgeschäft dann bis 8. Februar 2021 andauerte. Fakt ist: Wir HABEN bereits Triage, und die Not ist so groß, dass das nicht mehr verschleiert wird, sondern offen zugegeben wird. Es häufen sich Berichte mit älteren Menschen, die von Intensivstationen auf Palliativstationen (zum Sterben!) verlegt werden. Die Not ist also noch viel höher als im Vorjahr VOR dem Lockdown. Ebenso sind die Inzidenzen bei den Kindern am höchsten, dazu kommen etliche Impfdurchbrüche, auch bei Lehrern mit zweifacher AZ-Impfung. Und drittens – öffentlich weiterhin kein Thema – die Zahl der LongCOVID-Patienten steigt rasant.

„Es geht jetzt darum morgen und übermorgen das Richtige zu tun! Dinge die jemand in der Vergangenheit gesagt, falsch oder nicht getan hat, werden wir evaluieren und aufklären müssen – nur nicht heute: wir brauchen Vernunft und viel Energie um jetzt keine Fehler mehr zu machen.“ (Hans Arsenovic, Grüne, 18.11.21, Tweet)

Offensichtlich werden dabei die selben Fehler wie bei allen anderen Lockdowns gemacht, manches sogar verschlimmert!

„Kommunikativ und strategisch Prävention als Strafe zu framen, gehört echt zu den dümmsten Geschehnissen der letzten knapp 2 Jahre“ (@Kathrypsilon, Public Health, 18.11.21)

  • kein Lockdown für Schulen, sondern „Risikostufe 3“
  • Plexiglas als Alternative zur Maskenpflicht
  • keine Homeoffice-Pflicht
  • Ausgangsbeschränkungen, wodurch Treffen im Freien, die epidemiologisch eine geringere Gefahr darstellen als Hausparties wieder kriminalisiert werden
  • allgemein zu viele Ausnahmen, die polizeilich nicht kontrolliert werden können
  • fixes Enddatum des Lockdowns, egal wie die Inzidenz dann sein wird
  • Doppeltgeimpfte und Dreifachgeimpfte werden gleichgestellt (Incentive für Booster?)
  • => was wieder einmal fehlt: Aerosole, Masken, Kinder, Long COVID, was wichtig ist: Weihnachtsgeschäft, Wintersaison retten, Wirtschaftsaufschwung nicht zu lange abwürgen

Gefühlsmäßig wird der Lockdown noch weit ins nächste Jahr dauern, wenn man diese Fehler nicht beseitigt und endlich damit aufhört, wirksame Maßnahmen kategorisch auszuschließen und wissenschaftliche Erkenntnisse (Aerosol-Übertragung, Anteil LongCOVID, nachlassender Impfschutz) berücksichtigt.

Worin besteht die Hoffnung? Der psychologische Effekt durch die Bilder und Appelle aus den Spitälern, dass inzwischen viele in der Familie und Verwandtschaft betroffen sind, entweder durch COVID oder verschobene OPs. Alleine die Absage von Großveranstaltungen, Vereins- und Feuerwehrfestln, aber auch die geschlossene Gastronomie. Die „Community Transmission“ geht zurück. Maskenpflicht im Unterricht sollte ebenfalls einen nennenswerten Effekt haben, wie man es im Ost-Lockdown bereits gesehen hat. Weiters kommt die dritte Impfung allmählich zum Tragen und zu Jahresbeginn auch zunehmend die jetzigen Erstimpfungen bzw. der Effekt der Zweitimpfung dann.

Wer hat uns in die jetzige Lage gebracht?

Die reflexartige Antwort von vielen Geimpften lautet: Na die Ungeimpften, die Impfgegner sind Schuld an der vierten Welle. Das ist statistisch gesehen auch korrekt:

Je höher die Impfrate, desto niedriger im Schnitt die Inzidenz (einzelne Ausreißer), Quelle: Neuwirth

Die vierte Welle war eine Pandemie der Ungeimpften, bis die Inzidenzen in allen Altersgruppen so hoch wurden, dass die Zahl der Impfdurchbrüche zugenommen haben. Jetzt sind Low-Responder (Immunsupprimierte), Ältere (Immuneszenz) und die Allgemeinbevölkerung (nachlassender Impfschutz) wieder Teil des Infektionsgeschehens (Überträger), sandeln unabsichtlich Ungeimpfte (Kinder!) an und gefährden ältere und immunsupprimierte Menschen: Die vierte Welle ist im jetzigen Stadium eine Pandemie für alle.

Inzidenzen nach Altersgruppe seit Pandemiebeginn

Die erste Welle ging von 50jährigen Skitouristen aus („Elterngeneration“), ab der zweiten Welle immer zuerst von den jüngeren (unter 30) und dann über die Elterngeneration zu den Großeltern. In der vierten Welle sind die allerjüngsten mit Abstand am stärksten betroffen, weil die Schutzmaßnahmen in den Kindergärten und Schulen nicht ausreichen – und DELTA von der Ansteckung her in der Größenordnung von Masern zu finden ist.

Es ist daher zu einfach, die Schuld nur bei den Ungeimpften selbst zu suchen. Österreich ist ein enorm obrigkeitshöriges Volk quer durch alle Schichten. Eigenverantwortung funktioniert nicht, wenn alles auf Verordnungen und Regeln wartet. Sie halten sich peinlich genau daran, etwa Masken wirklich nur dort zu tragen, wo sie vorgeschrieben sind, aber nicht dort, wo sie vernünftig sind – in ALLEN Innenräumen. Eigenverantwortung funktioniert nur, wenn alle Zugang zu wissenschaftsbasierten Informationen haben, und diese auch verstehen und für sich nutzen können. Ich hab das in früheren Beiträgen schon angesprochen: Der Grundstein für die überschießenden weiteren Wellen wurde bereits in der ersten Welle gelegt: Strafen statt Aufklärung, und den sichtbaren Raum („im Freien“) kontrollieren und kriminalisieren, während die meisten Ansteckungen in Innenräumen passieren. In der ersten Welle waren die Bilder aus Italien, New York und Spanien furchteinflößend genug, dass die Bevölkerung die Maßnahmen mitgetragen hat. Die eigene Erfahrung hat aufgrund des wirksamen Lockdowns aber gefehlt (Präventionsparadoxon), während die Regierung ab dem Sommer die Pandemie für beendet erklären wollte und die gesundheitlichen Folgen dramatisch verharmlost hat. Ab dem zweiten Lockdown zogen daher „Regeln“ nicht mehr, sie standen im subjektiv empfundenen Widerspruch zu den vermeintlich viel geringeren Folgen einer Infektion.

Daher sehe ich die Schuldfrage am vierten Lockdown ein wenig differenzierter – mir fällt es daher auch schwer, jetzt Hass auf Ungeimpfte zu empfinden. Denn das ist genau, was vor allem die türkise Partei („Lockdown nur für Ungeimpfte“) und auch die FPÖ („Diktatur der Geimpften“) erreichen wollen und seit der Machtübernahme von Kurz und der türkisblauen Koalition erfolgreich getan haben: Die Bevölkerung spalten: Inländer gegen Ausländer (auch in der Pandemie: „Virus eingeschleppt“), Jung gegen Alt, Muslime als Terroristen und Flüchtlinge als Kriminelle, Arbeitsscheue gegen Leistungsträger, usw. Eine derartig polarisierte Gesellschaft wählt auch weiterhin extrem, die vergleichsweise gemäßigten Parteien (SPÖ, NEOS, Grüne) machen keinen Stich und langfristig bleibt die rechte Mehrheit im Parlament erhalten, wobei die türkise Partei mit der Absoluten liebäugelte.

Ich hab versucht, in folgendem Schaubild die Verantwortung zu differenzieren. Das ist nicht der Weisheit letzter Schluss und die Position der Verantwortlichkeit kann um ein oder zwei Plätze variieren:

Verantwortungskaskade: Ungeimpfte stehen weit unten. ÖsterreicherInnen verhalten sich sehr regelgetreu, auch wenn sie keinen Sinn ergeben, und suchen gleichzeitig nach Schlupflöchern, sinnvolle Regeln zu umgehen. Eigenverantwortung funktioniert nicht bei Desinformation. Die oberste Verantwortung hat die Regierung.

Regierung

Die Endverantwortung trägt die Regierung, sie beschließt die Gesetze und Maßnahmen, sie wurde gewählt, um dem Volk zu dienen und nicht der eigenen Tasche. Die türkise Partei hat nur das Minimum ihrer Aufmerksamkeit und Finanzmittel in die Pandemie gesteckt (Impfstoffdeckelung, Impfkampagne, etc.), dafür ein Maximum in den Staatsumbau (siehe Tag 448 bzw. Tag 576). Sie hat sich nur für die Impfwilligen interessiert und sah die Aufgabe des Staats danach für erfüllt an:

„Sobald wir jedem, der das möchte, eine Impfung angeboten haben, hat der Staat seine Aufgabe erfüllt. Dann heißt es wieder zurück zur Normalität, zur Freiheit, zu einem normalen Leben.“ (21. Mai 2021, Medientermin)

„Es wird sicherlich eine weitere Welle von steigenden Ansteckungszahlen geben, weil das Virus stark saisonal ist, aber wer geimpft ist, ist auch vor der Delta-Variante geschützt.“ (17. Juni 2021, Instagram-Interview für HEUTE)

„Dieses „medizinische Problem“ betreffe jeden, der aus freiem Willen nicht geimpft sei. Es werde nicht mehr auf der Beziehungsebene zwischen dem Einzelnen und dem interventionistischen Staatverhandelt, sondern auf der Ebene der Eigenverantwortung, „zwischen dem Betroffenen und dem jeweiligen Arzt“. „Der Staat hat die letzten eineinhalb Jahre massiv in das Leben jedes Einzelnen eingegriffen, der muss sich jetzt wieder auf seine Kernaufgaben zurückziehen“ (10. Juli 2021, Kleine Zeitung)

Die getroffenen Aussagen waren mehrfach falsch: DELTA sorgt für Impfdurchbrüche und jeder freiwillig Ungeimpfte, der schwerkrank wird, nimmt einem Geimpften einen Platz im Spital weg. Zudem ist es kein freier Wille, wenn man nicht alle Fakten kennt und unter dem Einfluss von Verschwörungsmythen steht.

Es ist aber nicht nur die türkise Partei verantwortlich, sondern auch die Grünen, die alle Beschlüsse mitgetragen haben, einschließlich dem vereinbarten Ziel, „die Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht zu überfordern. Triagen sollten nicht eingesetzt werden. Das sei als Hauptziel definiert worden.“ (ehemaliger Gesundheitsminister Anschober, 10.12.20, Pressekonferenz).

Der neue Gesundheitsminister Mückstein führte vom Amtsantritt an diese Doktrin fort:

„Lockdowns gehören dann gemacht, wenn Intensivbetten voll sind und wenn Leute sterben. Das glaube ich auch immer noch. Da habe ich meine Meinung nicht geändert.“ (20. April 2021, ZiB2)

„Ich habe von Anfang an gesagt, dass es meine wesentliche Aufgabe ist als
Gesundheitsminister, unsere Intensivstationen zu schützen und dieses
Versprechen werde ich einhalten.“
(05. November 2021, Pressekonferenz)

Kontaktbeschränkungen erst dann einzuführen, wenn die Intensivstationen kollabieren, hinken natürlich der Inzidenz hinterher (rund 1% der Infizierten werden intensivpflichtig) und übersehen auch die Notlage auf den Normalstationen, wo jetzt vor allem Impfdurchbrüche landen und nicht-COVID-bedingte Erkrankungen und Unfälle.

Die AGES hat auf die Kritik von ÖGARI-Präsident Hasibeder reagiert und aus „tagesaktuell freie Betten“ „weitere Betten, teilweise inklusive Notkapazität“ gemacht, was den Schwachsinn nicht verbessert hat leider, denn es gibt keine freien Betten! (AGES Dashboard, abgerufen am 20.11.21, 11.00 Uhr)

Zu klären ist, ob sich – wie Haslauer zugab, der sich noch vor Tagen auf die AGES-Statistik bezog – die Regierung wirklich auf diese fiktiven Zusatzbetten verlassen hat, die nicht existieren, weil es kein Personal dafür gibt.

Wie von zahlreichen relevanten Experten schon im Vorjahr kritisiert (vgl. Tag 241 – Faktencheck Anschober), sind die Intensivbetten die falsche Ziel- und Steuerungsgröße. Sie übersehen außerdem die noch viel größere Anzahl an Post- und LongCOVID-Patienten, die noch Monate bis Jahre erhöhten medizinischen Bedarf haben und bei Chronifizierung bzw. Übergang zum unheilbaren MECFS ebenfalls als „schwerer Verlauf“ gezählt werden müssen.

Das, was die Regierung aber mit Stimmen der Grünen beschlossen hat, ist noch viel, viel schlimmer:

Sie haben nicht nur berechnen lassen, wie hoch die Infektionszahlen sein dürfen, bis die Intensivkapazitäten erschöpft sind, sondern auch die Maßnahmen in den Schulen an die Intensivkapazitäten gekoppelt, sprich, sie nahmen die Durchseuchung der Kinder bewusst in Kauf.

„Es ist absolut inakzeptabel, dass man es hinnimmt, dass die Pandemie durch Schulen & Kindergärten rauscht.“ (Patientenanwältin Sigrid Pilz, 19. September 2021, ZiB2)

„Das heißt, wenn Kinder erkranken und sie können schwer erkranken, können auch wenige Wochen auch dieses MIS-C bekommen und können Long COVID bekommen. Das kann möglicherweise 60 oder 70 Jahre Krankheit bedeuten.“ (Sigrid Pilz am 17. November 2021, ZiB2)

Infektiologe Greil:

„Es ist klar, dass eine solche Erkrankung vor allem im jugendlichen Alter, wenn sie nur mit einer Minderung von Leistungsfähigkeit beispielsweise in der Schule verbunden ist, mit einem langen Krankenstand verbunden ist, zu einem Ausfall eines ganzen Schuljahrs und Freundesverlust führen kann, das dazu führen kann, dass die Tätigkeiten in der Familie, die Alltags- und die Freizeittätigkeiten mit der Familie nicht mehr stattfinden können und es zu einer zunehmenden Ausgrenzung kommt. Und das kann natürlich auch schwere langfristige Nebenwirkungen für die berufliche Tätigkeit und Entwicklung haben, und auch wirklich schweren volkswirtschaftlichen Schaden auslösen.“ (Ö24, 01. Juni 2021)

Die Regierung hat in der grundlegenden Krisenkommunikation versagt, widerspricht sich vor laufender Kamera, setzt Maßnahmen nicht durchgehend wie Maskenpflicht und noch schlimmer, kommuniziert die äußerst effektiven Masken als Bestrafung. Empfehlungen für Homeoffice statt Pflicht, wohlwissend, dass nicht jeder Arbeitgeber das ermöglichen WILL, selbst wenn er könnte.

Was in den Schulen gemacht wird, lässt sich wohl auf den Einfluss der Berater auf Faßmann zurückführen. Er könnte sich natürlich anders entscheiden, aber schon unter türkisblau hat er Rückschritte im Bildungswesen gebracht (Deutschklassen, Rückkehr zu Noten). Die Geisteshaltung spielt also eine wesentliche Rolle. Impfskeptiker und Esoteriker Strolz berät Faßmann in „strategischen“ Fragen, zudem sollen nach vertraulichen Quellen Petra *Labor-Tsunami* Apfalter und Reinhold Kerbl von der ÖGKJ, der beim COVID verharmlosenden Film mit Schwaiger und Proll mitwirkte, Faßmann beraten.

Das würde zahlreiche hanebüchende Entscheidungen erklären, angefangen von den wenig sensitiven Nasenbohrtests zu Jahresbeginn über die Praxis, positive Antigentests so oft mit Antigentests nachzutesten, bis sie negativ ausfallen. Schwach positive PCR-Tests bei „alles spült“ werden als negativ gewertet, obwohl sie häufig den Beginn (!) einer Infektion anzeigen und nicht das Ende (vgl. Michael Wagner). Bei Kindergärten gibt es gar keine Schutzmaßnahmen, Lolli-Antigen haben noch eine geringere Sensitivität als Nasenbohrtests. Bei Volksschulen gibt es keine Maskenpflicht, bei den höheren Schulstufen nicht im Unterricht, wo die Übertragung stattfindet (im Lockdown soll sich das ändern….). Erst ab x Schülern muss die ganze Klasse in Quarantäne, Kontaktpersonen sind nur unmittelbare Sitznachbarn, als ob Aerosole nicht existieren würden. In Summe kann man dieses Maßnahmenpaket getrost als Alibimaßnahmen bezeichnen, die die Durchseuchung der Kinder allenfalls verzögern.

„Aufgrund der vielen Testungen habe man in den Schulen – trotz Pandemie – einen kontrollierten Ort geschaffen.“ (Bildungsminister Heinz Faßmann, 20. November 2021, KRONE )

“ […] dass also tatsächlich die Schule als Ort eines sehr kontrollierten und geregelten Umgangs mit den Kindern und mit den Jugendlichen dafür geeignet ist, ein Teil der Lösung aus dem Weg heraus aus dieser Pandemie zu gehen.“ (Infektiologin Apfalter am 02. November 2020, gemeinsame Pressekonferenz mit Faßmann)

Die Inzidenzen bei Schulkindern sind schon lange explodiert, betragen österreichweit über 2000 bei den 5-14jährigen. Von Kontrolle kann keine Rede sein, denn wie oben erläutert, können Kinder schwer erkranken und auch versterben, sie können Long COVID bekommen und sie tragen das Virus in die Familien und zu den nicht mehr so gut geschützten Großeltern.

Entschuldigungen, die keine sind

Es tut mir leid, diesen einschneidenden Schritt zu setzen“, sagte er in Richtung Geimpfte und meinte damit all diejenigen, „die alles richtig gemacht haben, die sich geimpft haben, die Maske tragen, die auf Distanz achten und die zur Auffrischung gegangen sind“. Das sei eine „Zumutung“. Und er gab sich auch selbstkritisch: „Es ist klar, dass kein Krisenmanagement fehlerfrei ist.“ (Schallenberg in der ZiB2, 19.11.21)

Schallenberg gab schon in der Pressekonferenz am Vormittag der FPÖ und anderen Gruppierungen, die die Ungeimpften unterstützten, die Schuld, statt seiner eigenen versäumten Impfkampagne, oder dem Umstand, dass wegen der Oberösterreich-Wahl und dem Korruptionsskandal die Pandemieaufgaben liegengeblieben sind. Oder die ÖVP in Oberösterreich mit der FPÖ erneut eine gemeinsame Landesregierung gebildet hat. Ebenso hält er das Narrativ aufrecht, dass für Geimpfte alles vorbei gewesen wäre, was aufgrund der nötigen dritten Teilimpfung nicht stimmt, und ob diese die letzte Impfung gewesen sein wird, wissen wir jetzt noch nicht. Viele Geimpfte haben sich leider auch so verhalten, als ob die Pandemie für sie vorbei wäre. Das geht ohne Maßnahmen auch mit Impfpflicht so weiter, wenn man die Impfung nicht als Schutz für sich und vor Weitergabe an andere betrachtet, sondern nur als Eintrittsticket für Nachtclub und Gastronomie. Entschuldigt für die Toten, die Kollateralschäden, die verschobenen Krebs-OPs und die LongCOVID-Betroffenen hat er sich nicht. Der Lockdown kam jetzt schnell, nachdem auch die Touristiker einen gefordert haben, rechtzeitige Maßnahmen kamen aber nicht, wie von Experten seit Monaten gefordert, die auch mit der niedrigen Impfquote eine riesige DELTA-Welle gesehen haben.

Mückstein: „Leider sind wir auch als Bundesregierung hinter unseren Ansprüchen zurückgeblieben. Ich möchte mich dafür entschuldigen.“ (Mückstein, Pressekonferenz am 19.11.21)

Sein Anspruch war sehr niedrig, die Intensivbetten schützen, mehr nicht. Sein Anspruch als Gesundheitsminister und Arzt sollte sein, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. In einer Pandemie ist das in erster Linie die körperliche Unversehrtheit gegen ein gefäßschädigendes und neurotropes Virus. Gegen temporäre psychische Belastung kann man Resilienz entwickeln und mit Therapie gegensteuern, körperliche Langzeitschäden und Verlust von Angehörigen wiegen ungleich schwerer. Letzendlich auch volkswirtschaftlich, schlaue Ökonomen haben das längst erkannt. Der einzige Weg zu diesem Anspruch ist NoCOVID, weil er alle Interessen berücksichtigt – auch langfristig.

Auf die anderen Punkte in der Pyramide gehe ich jetzt nur kurz ein, weil es sonst zu lang wird, ich werde aber darauf zurückkommen, und bei den nächsten Blogtexten jeweils einen Aspekt herausgreifen.

Opposition: FPÖ muss man kein weiteres Wort verlieren, NEOS… leider voll auf Great Barrington und Kinderdurchseuchung. Arbeitsplätze und Schulen müssen möglichst maßnahmenfrei bleiben, SPÖ … in Wien gut, aber auch hier kein klares Statement zu Kindern, die Kinderimpfung kommt für viele Kinder zu spät, Bundes-SPÖ…. zu populistisch, erinnert an Virologe Nowotny, der sich auch immer wie das Fähnchen im Wind dreht

„Andere Interessen“: Das Totschlagargument gegen NoCOVID. Meistens geht es von der Wirtschaft aus, die möglichst lange ohne Maßnahmen auskommen will, dadurch aber weitere Lockdowns provoziert, aber auch die vermeintlichen Interessen der Kinder, meistens nicht von den Kindern selbst artikuliert, sondern von der ÖGKJ, von Kinderärzten und Great-Barrington-Ärzten/Wissenschaftlern. Für Mobbing in den Schulen hat sich vorher niemand interessiert, oder dass sozial und körperlich benachteiligte Kinder keine Chancengleichheit haben.

Medienberichterstattung: Leider hat sich da seit letztem Jahr nichts geändert. PLURV und False Balance sind an der Tagesordnung. Obwohl Virologe Nowotny seit Mai 2020 haarsträubende Prognosen zur Pandemie traf, wird er immer wieder interviewt. Ebenso Gartlehner oder Schernhammer. Bei vielen Talksendungen mindestens ein Schwurbler. Oft kein Widerspruch durch Moderatorinnen oder Journalisten bei Interviews. Relevante Experten wie Greil oder Wagner werden ins Nachtprogramm abgeschoben, ausgedehnte Redezeiten finden sie nur bei Puls24 oder Ö24. Gegen NoCOVID gab es wiederholt eine Schmutzkampagne.

Scheinberater: Dazu zählen nicht nur jene, welche Landeshauptleute und Bundesregierung falsch beraten, indem sie ihnen das erzählen, was sie hören wollen, sondern auch jene, die sich ständig über ihr Fachgebiet hinaus äußern („Epistemic Trespassing“), kategorische Aussagen treffen (z.B. Wenisch: „Antikörpertests sind sinnlos“, „Remdesivir ist der Gamechanger“, Weiss: „Lockdowns bringen nichts.“, Schernhammer: Pandemie in 2-3 Monaten vorbei, usw.), die sie später zurückziehen müssten (aber selten tun bis auf Wenisch kürzlich) oder aktiv Desinformation betreiben. Sie haben wie die Ärztekammer OÖ auch Einfluss auf die niedergelassenen Ärzte, die dann den Patienten schlimmstenfalls von der Impfung abraten oder erzählen, dass Kinder nicht ansteckend sein oder schwer erkranken können.

Rechte/Esoteriker: Österreich hat ein Problem mit seiner Vergangenheitsbewältigung. Das kann man mal so grundsätzlich feststellen. Rechte Meinungen sind seit jeher salonfähig. Koalitionen mit der FPÖ genauso. Sie sitzen in fast jeder Gemeinde, Bezirk, Bundesland. Ein Geschäftsführer sowie der Aufsichtsratschef der AGES sind Mitglieder der Burschenschaft „Oberösterreicher Germanen Wien“, die ziemlich weit rechts steht. Jetzt führt man also eine Impfpflicht ein, was nicht eine kleine Minderheit betrifft, sondern potentiell 20% FPÖ-Wählerschaft, die seit Ende des Nationalsozialismus selbstverständlicher Teil der Gesellschaft war, nun aber nicht mehr sein soll. Das schafft zwangsläufig Konflikte. Wo sich Rechte und (auch grüne, linke, nicht nur) Esoterik treffen, ist der gemeinsame Glaube an den starken, gesunden Körper als unverwüstliches Bollwerk gegen Krankheit. Man müsse nur seine natürlichen Abwehrkräfte steigern, dann kann einem als gesunder (junger) Mensch nichts passieren. Ein tragischer Irrglaube. Die Dreiklassenmedizin in Österreich hat Schwurbelmedizin groß gemacht. Homöopathie, Schüssler Salze, Bachblüten, Granderwasser – im weitesten Sinn auch Red Bull. Als sich vor ein paar Monaten Einzelunternehmer, darunter auch viele Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Yoga und Shiatsu und dergleichen, als Schwurbler deklarierten, wurde klar, dass das Problem riesig ist, und dass ein nennenswerter Teil der Bevölkerung unter falschem Einfluss steht.

„Dieses „medizinische Problem“ betreffe jeden, der aus freiem Willen nicht geimpft sei.“ sagte Kurz (siehe oben), diesen freien Willen muss man leider stark anzweifeln wie bei allen sektenhaften Ideologien.

Social-Media-Gruppen: Wesentliches Kommunikationsmittel für Rechte und Schwurbler und generell alle, die Zweifel und Desinformation sähen. Darüber verbreiten sich Verschwörungsmythen zu den Impfungen, zu angeblichen Langzeitfolgen, nicht überprüfbaren Anekdoten ebens wie zu PCR-Tests, Masken oder dem Grund, warum radikale Covidleugner jetzt ernsthaft Spitäler stürmen wollen, weil sie nicht glauben können, dass wirklich Covidinfizierte auf den Intensivbetten liegen.

Die Folge dieser Megabeeinflussung durch „andere Interessen“, tendenziöse Berichterstattung, Scheinberater, rechte Gruppen und Politiker sowie Schwurbler sind „Ungeimpfte aus freiem Willen“, neben denen, die sprachliche Probleme haben, durch die gleichen Problemgruppen aus dem Herkunftsland beeinflusst werden oder – ja, die gibt es auch, einfach Egoisten sind.

In der Gesamtbevölkerung fehlt die Wissenschafts- und Medienkompetenz, Experten von Scheinexperten zu unterscheiden, richtig von falsch, trotz Verordnung dennoch Maske zu tragen, Aerosol-Übertragung zu berücksichtigen, zu wissen, dass 3G keine 100% Sicherheit bietet, wenn nicht kontrolliert wird oder gefälschte Zertifikate zirkulieren, und Geimpfte genauso Überträger sein können, wenn auch kürzer als Ungeimpfte. Alles zu glauben, was im Boulevard steht, aber leider auch, was der ORF sendet oder im FALTER steht. Zu glauben, als Geimpfter könnte man an großen Familienfeiern oder Vereinsfestln teilnehmen, indoor, und keiner würde sich infizieren. Zu glauben, die Impfung macht aus jedem Durchbruch maximal einen Schnupfen. Milder Verlauf heißt nur nicht Krankenhaus, kann aber wochenlang niederknüppeln.

Zum Abschluss: Warum machen wir jetzt Lockdown?

1. Überlastung mit Normal/Intensivpatienten stoppen

2. Contact Tracing wieder in funktionierende Bahnen lenken (als ob es das jemals war)

3. PCR-Kapazitäten entlasten (EMS-System überlastet)

4. Kontrollen bewältigbar machen

5. Zahl an späteren LongCOVID-Patienten senken [leider nicht Ziel der Regierung]

6. Kinder schützen, direkt (zuhause lassen können, leider nicht mehr) und indirekt (Hintergrundinzidenz senken)

7. Kollateralschäden minimieren (geringere Mobilität, weniger Freizeitunfälle, weniger Schwerbetrunkene)

8. Chronisch Schwerkranke schützen (siehe 1)

9. PflegerInnen/Ärzte:innen schützen

10. Gesellschaft schützen.

11. Zeit nutzen, um rund um die Uhr, Tag/Nacht, 7 Tage die Woche zu Impfen und Boostern, auch Apotheker, pensionierte Ärzte, etc. 12. Zeit nutzen, um sich eine mittelfristige Strategie zu überlegen, die Pandemie dauerhaft zu kontrollieren auf niedrigem Inzidenzniveau (Impfpflicht ab Februar? Sanktionen, PCR-Tests kostenpflichtig)

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