Tag 617: Wer trägt Schuld am 4. Lockdown?

Der ehemalige Kanzler und seine Minister haben das Ende der Pandemie zu früh ausgerufen, und wollten nicht von ihrem Narrativ abweichen: Narzissten können keine Fehler zugeben.

Ab Montag, 22. November 2021, kommt also der erwartete, aber viel zu spät ausgerufene Lockdown “light” nach Vorbild des “erfolgreichen” Lockdowns im Herbst 2020, der mit Unterbrechung durch das Weihnachtsgeschäft dann bis 8. Februar 2021 andauerte. Fakt ist: Wir HABEN bereits Triage, und die Not ist so groß, dass das nicht mehr verschleiert wird, sondern offen zugegeben wird. Es häufen sich Berichte mit älteren Menschen, die von Intensivstationen auf Palliativstationen (zum Sterben!) verlegt werden. Die Not ist also noch viel höher als im Vorjahr VOR dem Lockdown. Ebenso sind die Inzidenzen bei den Kindern am höchsten, dazu kommen etliche Impfdurchbrüche, auch bei Lehrern mit zweifacher AZ-Impfung. Und drittens – öffentlich weiterhin kein Thema – die Zahl der LongCOVID-Patienten steigt rasant.

“Es geht jetzt darum morgen und übermorgen das Richtige zu tun! Dinge die jemand in der Vergangenheit gesagt, falsch oder nicht getan hat, werden wir evaluieren und aufklären müssen – nur nicht heute: wir brauchen Vernunft und viel Energie um jetzt keine Fehler mehr zu machen.” (Hans Arsenovic, Grüne, 18.11.21, Tweet)

Offensichtlich werden dabei die selben Fehler wie bei allen anderen Lockdowns gemacht, manches sogar verschlimmert!

“Kommunikativ und strategisch Prävention als Strafe zu framen, gehört echt zu den dümmsten Geschehnissen der letzten knapp 2 Jahre” (@Kathrypsilon, Public Health, 18.11.21)

  • kein Lockdown für Schulen, sondern “Risikostufe 3”
  • Plexiglas als Alternative zur Maskenpflicht
  • keine Homeoffice-Pflicht
  • Ausgangsbeschränkungen, wodurch Treffen im Freien, die epidemiologisch eine geringere Gefahr darstellen als Hausparties wieder kriminalisiert werden
  • allgemein zu viele Ausnahmen, die polizeilich nicht kontrolliert werden können
  • fixes Enddatum des Lockdowns, egal wie die Inzidenz dann sein wird
  • Doppeltgeimpfte und Dreifachgeimpfte werden gleichgestellt (Incentive für Booster?)
  • => was wieder einmal fehlt: Aerosole, Masken, Kinder, Long COVID, was wichtig ist: Weihnachtsgeschäft, Wintersaison retten, Wirtschaftsaufschwung nicht zu lange abwürgen

Gefühlsmäßig wird der Lockdown noch weit ins nächste Jahr dauern, wenn man diese Fehler nicht beseitigt und endlich damit aufhört, wirksame Maßnahmen kategorisch auszuschließen und wissenschaftliche Erkenntnisse (Aerosol-Übertragung, Anteil LongCOVID, nachlassender Impfschutz) berücksichtigt.

Worin besteht die Hoffnung? Der psychologische Effekt durch die Bilder und Appelle aus den Spitälern, dass inzwischen viele in der Familie und Verwandtschaft betroffen sind, entweder durch COVID oder verschobene OPs. Alleine die Absage von Großveranstaltungen, Vereins- und Feuerwehrfestln, aber auch die geschlossene Gastronomie. Die “Community Transmission” geht zurück. Maskenpflicht im Unterricht sollte ebenfalls einen nennenswerten Effekt haben, wie man es im Ost-Lockdown bereits gesehen hat. Weiters kommt die dritte Impfung allmählich zum Tragen und zu Jahresbeginn auch zunehmend die jetzigen Erstimpfungen bzw. der Effekt der Zweitimpfung dann.

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Tag 52, 02. Mai 2020 – ein vorläufiger Schlussstrich

Keine Sorge, ich blogge weiter, aber nicht mehr täglich, sondern wieder unregelmäßiger, vielleicht mehrmals am Tag, dafür tagelang nicht. Aber nachdem die Folgen der Pandemie nicht so schnell vorübergehen würden, muss ich meine Ressourcen besser einteilen. Zudem hab ich die letzten Tage zunehmenden Unwillen gehabt, mir die medizinischen Podcasts reinzuhauen. Der Hickhack um vielversprechende Medikamenten-Studien, die später wieder zurückgenommen oder zerpflückt werden, zeigt auch, dass hier echte Expertise verlangt wird, deren Seriösität zu beurteilen. In Retroperspektive finde ich es trotzdem interessant, wie sich alles entwickelt wird. So ein Archiv ist da durchaus praktisch.

Österreich hat sich für mich leider entzaubert. Ich lebe hier seit September 2004. Nicht nur einmal dachte ich darüber nach, mich einbürgern zu lassen, fragte nach wegen den formalen Anforderungen, wäre bereit gewesen, die tausend Euro dafür zu zahlen, für ein so simples und doch so wichtiges Recht wie das Wahlrecht. Mir ist wohl bewusst, dass es in anderen Ländern nicht unbedingt besser ist als hier, aber ich lebe dort nicht und kann nur meine Erfahrungen, Empfindungen und Gefühle für mein Leben hier wiedergeben.

Vorab – ich hab nicht alle Themen abgedeckt in dieser kritischen Analyse. Das weitreichende Feld der Kommunikation von Maßnahmen, die fehlenden wissenschaftlichen Daten für Forscher und Analysten und die psychischen Folgen habe ich ausgeklammert bzw. nur teilweise angerissen.

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