Tag 665: Abandon ship!

„Maßnahmen“ nach dem heutigen GECKO-Gipfel, 06.01.22

„Erwarten Sie bitte nicht, dass wir nach Sitzungen in die Öffentlichkeit gehen und sagen, was wir beraten haben und zu welchen Schlussfolgerungen wir gekommen sind“

Generalmajor Rudolf Striedinger, Vorsitzender von GECKO

„Alle ziehen an einem Strang und arbeiten dafür, das Virus im Ausgleich zwischen Gesundheitsversorgung, Wirtschaft und Arbeitsplätzen in den Griff zu bekommen.“

ÖVP-Landeshauptfrau von NÖ, Mikl-Leitner gegenüber der Krone

Nach meinen vergangenen Übersichtsartikeln zu OMICRON am Tag 641, Tag 656 und Tag 660 ist klar, dass von den obigen Vorschlägen kein Einziger (!) OMICRON bremsen wird. Im Gegenteil – sobald Dreifachgeimpfte und zweifach geimpfte Kinder nicht mehr als Kontaktpersonen zählen, werden sie neben den Ungeimpften zu den Treibern der Pandemie. Sie verhalten sich regelkonform und tragen regelkonform aktiv zur Ausbreitung von OMICRON bei. 2G hilft Null gegen Ansteckung mit OMICRON, Maskenpflicht im Freien ist ungefähr so hilfreich wie Gehsteige medienwirksam desinfizieren. Wenn es auf Covidiotendemos gemünzt ist, dann werden sich gerade diejenigen nicht dranhalten – sie wissen ohnehin, dass sie dafür nicht bestraft werden. Es mag ein paar Infektionen auf einem Markt verhindern, aber die meisten Infektionen geschehen drinnen, nicht draußen, das gilt für alle Varianten.

Gesundheitsminister Mückstein präzisiert den Unfug: Beim Contact Tracing gibt es sogenannte Hochrisikokontakte bei über 15min und Abstand 2m – Aerosole werden auch nach 2 Jahren Pandemie gegen jede wissenschaftliche Fakten ignoriert.

Apropos Unfug:

billiger“ ist nicht das problem, es geht ja nicht ums sparen, sondern um die
sinnhaftigkeit. CO2-Messgeräte ändern halt an den Viren in der Luft gar nix. Um
ans regelmäßige lüften zu erinnern erfüllt z.b. eine eieruhr denselben zweck.“

Bildungssprecherin Hamann, Grüne Nationalratsabgeordnete

Darüber hinaus bleiben also die größten Ansteckungsherde offen: Schulen, Gastronomie, Indoor-Veranstaltungen – alles, was uns geholfen hätte, die Welle abzuflachen und Zeit zu gewinnen, um die dritte Impfung zu bekommen, bzw. bei den Kindern die erste, zweite Impfung.

Experten als Feigenblatt für fehlgeleitete politische Ziele?

Bei allen klaren Aussagen, die Rotkreuzkommandant Gerry Foitik sonst auf Twitter äußert, ist dieses Zitat eher verstörend:

Dazu mehrere gegenteilige Ansichten (aus den Antworten auf den Tweet)
  • Experten liefern die Grundlagen, damit die Politik überhaupt die richtigen Ziele definieren kann, aus denen schlüssige Strategien und Maßnahmen abgeleitet werden. Wir scheitern seit zwei Jahren bereits an der Zieldefinition.
  • In meiner Welt formuliert die Politik Ziele explizit und transparent. Experten sagen, ob und wie sie zu erreichen sind, und was die Folgen und Kosten sind. In dem kürzlich veröffentlichten CSH-Paper steht kein Wort von LongCOVID und dem langfristigen volkswirtschaftlichen Schaden, der damit entsteht. Relevante Experten werden nach Qualifikation ausgesucht und nicht, weil sie das sagen, was die Politik gerne hören will. ExpertInnen müssen widersprechen, wenn Ziele ethisch verwerflich sind und Fakten ignorieren. Zudem müssen solche Beschlüsse transparent für die Bevölkerung aufbereitet werden.
  • Politik informiert sich bei Experten über erwartbare Szenarien und realistische Szenarien/Strategien, aufgrund von öffentlich gemachten Wertabwägungen definiert sie Ziele, über deren Erreichbarkeit sie sich mit Experten berät. Expert*innen, die sich in der Vergangenheit als unzuverlässig mit Prognosen und Einschätzungen erwiesen haben, werden aus Beratungsgremien ausgeschlossen.

Um ehrlich zu sein, würde ich lieber in einer Expertokratie leben, wenn es denn relevante Experten wären und nicht Experten (und Politiker), die die Bevölkerung seit Monaten desinformieren, ohne dass sie von Journalisten gegrillt werden wie etwa von Marietta Slomka im ZDF-HeuteJournal.

Diese Expertokratie hätte sich möglicherweise auch das Lancet-Paper über NoCovid-Strategien von Czypionka et al. (2022) durchgelesen, und hätte festgestellt: Hoppla, LongCOVID wird ein riesiges Problem. Organschäden gibt es auch nach milden Verläufen – OMICRON verursacht wegen Immun Escape jetzt sehr, sehr viele milde Verläufe selbst bei Dreifachgeimpften. Wenn infizierte Menschen eine Woche mit hohem Fieber platt im Bett liegen und danach womöglich noch zwei, drei Wochen brauchen, um wieder richtig fit zu werden, dann sollte man das vermeiden – selbst wenn sie kein Fall fürs Krankenhaus werden. Aber da rede ich jetzt nur vom Eigenschutz immunkompetenter Personen, sprich den „gesunden Leistungsträgern der Gesellschaft“, die man jetzt vor den Zug werfen kann.

Denn all jene mit geschwächtem oder nicht vorhandenem Impfschutz lässt man mit den oben aufgeführten Maßnahmen über die Klinge springen. Sie sind nichts wert. Sozialdarwinismus. Eugenik. Wie man es auch nennt – es ist ethisch verwerflich und nicht richtig. Wir sollten aus unserer Geschichte gelernt haben, um so etwas nie wieder zuzulassen. Und wenn ich so manche Kommentare im näheren Umfeld höre, „dann soll ich aufhören, mich verrückt zu machen“. Ja, vielleicht hab ich Glück und mich erwischt es nicht so schlimm. Und vielleicht hält das Glück noch ein paar Monate an, wenn sich die Spitäler wieder füllen und vor allem die Normalbetten knapp werden, und man in dieser Zeit besser keinen Unfall oder akute Erkrankung hat, denn die Spitäler liegen dann voller infizierter Menschen mit infizierten Personal, das immer weniger wird.

Es fühlt sich wie eine Niederlage an. Heute morgen hab ich darüber nachgedacht, warum ich seit zwei Jahren so intensiv am Ball bleibe. Es ist natürlich nur Spekulation, aber wäre ich in einem der ZeroCovid-Länder, hätte ich den Aufwand nicht nötig gehabt. Wer wissenschaftsbasierte Politik betreibt und menschlich korrekte Ziele definiert, nämlich die Gesundheit der Menschen in den Vordergrund stellt, der zwingt mich nicht dazu, intensiv Fakten und Daten zu sammeln, um die Bevölkerung über das informieren zu müssen, wo bei uns Politik, Medien und Wissenschaftsvertreter versagen. Mein diagnostizierter Autismus spielt da eben doch eine gewichtige Rolle, nicht nur bei der Beharrlichkeit, dran zu bleiben über so einen langen Zeitraum, sondern auch, weil ich plötzliche Veränderungen und Unvorhersehbarkeiten verabscheue. Nun leben wir in Zeiten ständiger Veränderungen und die Regierung bietet weder ruhiges Fahrwasser, einen sicheren Hafen noch ein langfristiges Ziel, zu dem wir uns entwickeln wollen. Im Gegenteil, sie bringt maximale Unruhe in mein Leben, in unser aller Leben, und das verunsichert extrem. Um mein Leben so gut es geht planbarer und gleichzeitig sicher zu gestalten, beschäftige ich mich so ausdauernd damit – so kann mich zumindest die Gefahr, die vom Virus ausgeht, nicht mehr überraschen – nur immer wieder die Skrupellosigkeit der Politiker, aber auch der Gesellschaft insgesamt.

Mit der Entscheidung, es jetzt durchlaufen zu lassen, ein paar Alibimaßnahmen zu beschließen, um die obrigkeitshörige Bevölkerung zufriedenzustellen, die wieder sagen kann „Sie haben was getan!“ und „Wenn sie das verordnen, muss es wohl was bringen. Sie haben ja ihre Experten!“ sind die fast zwei Jahre Engagement …umsonst möchte ich nicht sagen, aber die Hoffnung war, dass *sie* es irgendwann einsehen, dass eine Hochinzidenzstrategie der falsche Weg ist, weil sie die Pandemie ewig aufrechterhält.

Die Impfgegner haben gewonnen, wenn jetzt aufgrund OMICRON die Impfpflicht abgesagt wird, die Verharmloser haben gewonnen, sie sehen sich im Recht, wenn Dreifachgeimpfte jetzt Narrenfreiheit genießen dürfen, obwohl sich mit OMICRON die Spielregeln der Pandemie geändert haben.

Die GreatBarrington-Reptiloiden haben gewonnen, denn Wirtschaft zuerst sticht die Gesundheit ihrer Arbeitnehmer aus. Kürzere Quarantäne, keine Kontaktpersonen, potentiell infiziert arbeiten gehen, offene Schulen, das soll die Wirtschaft am Laufen halten, während das Virus durchrauscht und all jene findet, die aus den schon oft genannten Gründen eine schlechtere Prognose für einen schweren Verlauf haben. Selbst wenn ich es also durchstehe, mich infiziere und hier ein paar Wochen am Blog aussetze, weil ich wegen Fatique und Konzentrationsproblemen keinen längeren Text mehr zustandebringe, so bin ich kein egoistischer Alleinunterhalter auf dem Planeten, sondern sorge mich um meine Mitmenschen, um die Krebskranken, Transplantierten, Rheumakranken, all jene mit „Vorerkrankungen“ – und dann ist es verdammt nochmal meine Pflicht, diese nicht durch rücksichtsloses Verhalten zu gefährden – SELBST WENN DIESES DURCH VERORDNUNGEN GEDECKT IST.

Nachtrag:

Anekdote aus dem Religionsunterricht, 8. Klasse Gymnasium (Bayern): Thema Todesstrafe. Abstimmung dafür oder dagegen in der Klasse. Ergebnis: Zwei, drei waren voll dafür, die Mehrheit unter bestimmten Voraussetzungen, und nur zwei voll dagegen – ich und der Religionslehrer. Genau daran muss ich denken, wenn ich höre, dass Omicron nur ein Schnupfen wäre (was nicht stimmt) und was schon dabei wäre, wenn sich jetzt alle infizieren – weil die körperlich Schwächeren in unserer Gesellschaft dabei schwer erkranken oder versterben können, weil kleine und größere Kinder, die nicht geimpft werden können oder noch nicht geimpft sind, schwer erkranken, selten auch versterben können. Ich müsste das nur einmal sagen, da gibt es keinen Diskussionsspielraum. So wie man nicht ein bisschen Todesstrafe vertreten kann.

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