Tag 636: Omicron sucks

Ich werd ja selten persönlich hier, nur zu den Anfängen meines Tagebuchs habe ich viel persönliches gebloggt, um die in allen Lebensbereichen veränderte Gesamtsituation besser bewältigen zu können. Heute muss ich doch die Gelegenheit nutzen, um etwas Frust abzuladen. Ich verfolge die Pandemie intensiv mit und habe gute Quellen, um immer am neuesten Stand zu sein. Segen, dass man nicht überrascht werden kann, Fluch, wenn sich Dinge nicht so entwickeln wie erhofft und man weiß, dass es wieder nichts werden wird. So wie mit meinen Urlaubsplänen. Entgegen meines autistischen Naturells habe ich mich bisher in der Pandemie relativ schnell anpassungsfähig gezeigt und durch das erlernte Wissen auch keine Sekunde gezögert, als es hieß, dass zwei Impfungen nicht ausreichen würden, sondern man drei Impfungen braucht, um die Grundimmunisierung abzuschließen – so wie bei anderen Infektionskrankheiten auch. Als klar wurde, dass drei Impfungen gegen DELTA einen sehr guten Schutz bieten würden, hatte ich wieder Zuversicht gewonnen. Speziell nach dem Frust im Oktober, als ich treudoof das Klimaticket kaufte und Woche für Woche klarer wurde, dass die Regierung es dieses Mal aus politischen Gründen eskalieren würde, und diesen verdammten Lockdown einfach nicht verhängen wollte. Mit Infektionszahlen von beinahe 20000 Neuinfektionen am Tag war an längere Ausflüge mit den Öffis nicht zu denken, schon gar nicht ins Epizentrum der Pandemie in Salzburg und Oberösterreich – trotz FFP3-Maske, die ich seit dem Sommer konsequent trage. Aber was macht man dann dort, wenn lauter Deppate herumrennen?

Die Hoffnung war, dass mit an Fahrt aufnehmendem Impftempo, Impfpflicht am Horizont und Bergamo-Effekt die Situation im neuen Jahr etwas besser sein würde. Der Horizont jedes Faultiers ist allerdings größer als der Lernhorizont unserer Regierung, und sie begeht auch mit der Erfahrung von vier Wellen und zwei dominanten Varianten wieder und wieder die gleichen Fehler: Öffnungen unbedingt am versprochenen Termin, Indoorgastronomie ohne Testpflicht öffnen, kein überzeugendes Konzept für die Schulen und sturem Festhalten an der 2G-Regel, die schon gegen DELTA Schiffbruch erlitten hat und gegen OMICRON einen Lercherlschas nutzen wird. Derzeit sieht es so aus, dass OMICRON ansteckender als Masern ist und die Immunantwort so deutlich reduziert, dass die Drittimpfung gegen OMICRON nur noch gut wirkt wie eine Zweifachimpfung gegen DELTA. Das heißt, gegen schwere Verläufe und Tod guter Schutz, aber der vorsichtige Optimismus, mit dem Drittimpfung auch den Schutz gegen (symptomatische) Infektion zu eneuern, ist im Keim erstickt worden. Man kann sich trotz Drittimpfung infizieren und erkranken. Die ungelöste Frage bleibt wieder einmal das leidige Long COVID – für mich der Hauptgrund, trotzdem vorsichtig zu sein, als ich erst zwei Impfungen intus hatte. Mit zwei Mal Moderna und sieben Monate später Pfizer fühlte ich mich *ziemlich* sicher gegen DELTA. Diese Sicherheit hat OMICRON jetzt genommen.

Ich weiß, dass es naiv war, aber die bürokratischen Strukturen mahlen leider viel langsamer als sie mit der neuen Zeit gehen. Wenn man seine Urlaubswünsche bis Mitte Oktober abgeben muss, weil der Urlaubsplan dann bis Ende April stehen soll und schon vorab gesagt wird, dass man wahrscheinlich keinen Urlaub mehr bekommt, wenn seine Wünsche nicht rechtzeitig bekanntgibt, dann erzeugt das einen gewissen Druck. In normalen Zeiten musste ich noch keinen Urlaub zurückziehen. Seit Pandemiebeginn habe ich schon mehrfach Urlaubstage an Lockdown-Phasen verbraten, ohne dass ich Urlaub machen konnte oder ausreisen wegen Quarantänepflicht. Dieses Mal hatte ich geführte Schneeschuhwanderungen vom Alpenverein im Februar und März gebucht – mehrere Tage mit Übernachtung. Einfach, weil ich das seit neun Jahren am liebsten mache, weil man damit Gleichgesinnte kennenlernt, in Gegenden kommt, wo ich ohne Auto nicht hinkomme, und einen versierten Guide hätte, der immer abwechslungsreiche Touren geführt hat. Seit der Pandemie ist das nicht mehr möglich, außer wenige Wochen in den Sommermonaten, wo ich normalerweise den Familien den Vortritt lasse(n muss) und keinen Urlaub mache. Zumal der Sommer eigentlich nicht meine Lieblingsjahreszeit ist, weil ich mit Hitze nicht gut zurechtkomme und die Gewitteranfälligkeit Touren riskanter macht.

Und zuzugeben, diese Anpassung fällt mir noch ziemlich schwer, zu akzeptieren, dass auf absehbare Zeit meine Lieblingsjahreszeit Herbst und Winter tabu für Urlaub ist, dass es keine gemeinsame Touren mit Übernachtung geben kann, egal, ob die Hütten offen haben oder nicht. Die Verantwortlichen im Alpenverein sind reine Schreibtischtäter – sie warten immer auf Befehl von oben, und sei eine Regel noch so unsinnig, sie wird für ihre Veranstaltungen, Touren und Hüttenbewirtung übernommen. Das gibt mir nicht die Planungssicherheit, die ich bräuchte, um ein Unternehmen trotzdem durchführen zu können. Würde etwa auf den Touren von vorneherein 2G+ gelten, also ein zeitnaher PCR-Test vor Antritt, dann wäre es trotz aller Varianten *vergleichsweise* sicher, oder nur Drittgeimpfte und Genesene + zwei Impfungen + PCR-Test – also einfach mehr Sicherheit einfordern, egal, was der Gesetzgeber vorgibt. Beim Thema Raucherstube haben die Wirte oft mit Hausrecht argumentieren, die Luft zu verpesten, aber wenn es einmal um Sicherheit für ihre Kunden geht, dann zählt das Hausrecht plötzlich nicht mehr. Und weil die Regierung strunzdumm ist und nie Maßnahmen setzen wird, die dem tatsächlichen Risiko angemessen sind, kann ich nichts planen – oder muss eher damit rechnen, dass ich stornieren muss. Und das frustriert verdammt nochmal. Und das verstehen nicht alle, die nicht so tief in der Materie wie ich drin sind, und nicht das gesunde Misstrauen in Plexiglas- und FFP2-Pflicht bis zum Sitzplatz im Gasthaus- Maßnahmen der Regierung haben. Nein, die Regierung denkt sich eben nichts dabei, das ist ja das Problem!!

Dazu kommt gerade der Frust aus dem ersten Lockdown. Die Benachteiligung ohne Zweitwohnsitz oder Verwandtschaft in Österreich, wo man zur Not hin *fliehen* könnte, wenn es schon nicht mit Urlaub klappt. Die Benachteiligung ohne Auto mit einem nutzlosen Klimaticket, wenn Hotels nicht offen haben oder aus den genannten Gründen der Aufenthalt zu gefährlich ist, spätestens jetzt mit OMICRON, das sich so leicht in den Hotelfluren und Frühstücksräumen verbreitet wie Windpocken. Und mit der Familie sieben Stunden Zugfahrt entfernt in Bayern, wo man nicht mal eben spontan hinfährt. Jetzt heißt es wieder zittern, wie lange es dauern wird, bis Österreich oder Deutschland zum Virusvariantengebiet erklärt wird und man Quarantäne antreten muss bei An- oder Rückreise. Dann ist schnell Ende mit Urlaub nehmen können, denn ich kann nun mal nicht spontan ein paar Tage anhängen, um die Quarantäne abzusitzen. All das hatte ich gehofft, endgültig hinter mir lassen zu können mit der Dritten Impfung.

Das Häuschen am Land werd ich auch nicht so schnell bauen, nachdem Holz und Stahl um 100% bzw. 200% teurer geworden sind, dazu allgemeine Rohstoffknappheit und steil steigende Energiekosten. Also bin gefrustet, enttäuscht, wütend auf die Regierung, die es in der Hand gehabt hätte, den Übergang in die OMICRON-Saison weniger holprig zu gestalten, mit ein paar Monaten längere Verschnaufpause, nicht zuletzt für Ärzte, Pfleger und all jene, die direkt oder indirekt unter der Pandemie leiden. So richtig zum Ausschnaufen kommt man nicht, und was fehlt, ist die Perspektive.

Es ist schlimm genug, dass OMICRON uns vor schier unlösbare Probleme stellt, aber dass wir das mit der amtierenden Gurkentruppe weiter durchstehen müssen, das ist kaum fassbar. Schon alleine, dass bei der heutigen Pressekonferenz neben Günther Platter die Epidemiologin Schernhammer saß, die am 14. August 2021 in der PRESSE noch sagte, dass die Gefahr eines erneuten Lockdowns gleich null wäre, weil die Überlastung der Intensivkapazitäten sehr unwahrscheinlich sei, und am 17. Oktober 2021, dass die Pandemie in 2,3 Monaten hinter uns wäre. Platter wird auch von Günter Weiss beraten: „Ich war noch nie ein Fan von Lockdowns. Der erste hatte vielleicht seine Berechtigung, weil man noch nicht wusste, was auf uns zukommt. Bei den anderen sehe ich das nicht. Wir sollten versuchen, die Situation ohne Lockdown in den Griff zu kommen.“ (11.11.21, TT).

Am 10. Februar 2021 sprach Infektiologe Weiss im Außerferner Regionalfernsehen Klartext: „Es ist keine harmlose Erkrankung, sondern eine Erkrankung, die es durchaus in sich hat.“ Er sprach dabei auch Long COVID bzw. schwere Verläufe bei gesunden Menschen an. Weiss wirkte auch als Autor an der S1-Leitlinie zu LongCOVID mit, die Anfang Dezember veröffentlicht wurde. Seine Motive, trotz diesen Wissens eine Durchseuchung der Bevölkerung in Kauf nehmen zu wollen, sind unklar – vielleicht möchte er eine möglichst große Teilnehmerzahl für seine LongCOVID-Studien?

Ja, das frustet, diese ins Gesicht geschleuderte Ignoranz und Arroganz, und dass man die gleichen Gurkenberater wieder und wieder im Fernsehen sieht und in Zeitungen liest, ohne dass sie kritisch hinterfragt werden. Natürlich mach ich weiter, aber die Situation suckt ohne Ende, und die Vorstellung, dass wir uns wieder wie vor dem ersten Lockdown verhalten müssten, was das Übertragungsrisiko betrifft, das deprimiert ohne Ende. Das kann man mal so offen aussprechen, ohne trotzig wie kleine Kinder zu reagieren, die sich dann tatsächlich nicht an Regeln halten oder unvorsichtig verhalten.

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