Tag 196: Wo wir aktuell stehen – Update

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Einkehr ja, aber nur draußen und mit Abstand, Hoher Lindkogel (10.09.)

Meinen ersten Übersichtsartikel schrieb ich an Tag 56 der Pandemie (06. Mai 2020), seitdem kamen neue Erkenntnisse hinzu, andere Erkenntnisse sind geblieben oder wurden sogar durch Studien gefestigt. Eine zentrale Erkenntnis ist geblieben, die ich hier gerne wiederhole:

“the most successful global leaders in fighting coronavirus have communicated clearly, displayed empathy and always favored science over politics” (Christiane Amanpour, CNN – 05.05.20)

Wie schon Anfang Mai werden immer wieder Aussagen getroffen, dass die Wissenschaftler ständig ihre Meinung ändern würden und man Verständnis für die Regierung haben solle, dass sie sich nicht so schnell anpassen können. Ich werde jedoch aufzeigen, dass wir die Grundlagen für effektive Maßnahmen und die mangelnden Grundlagen für Schnellschüsse schon seit Monaten haben und für parteipolitisch motivierte Scharmützel unnötig viel Zeit verschwendet wurde. Wie im Mai bin ich auch über sechs Monate nach Beginn der Pandemie weiterhin der tiefen Überzeugung, dass die Ausbreitung des Virus viel besser unter Kontrolle gebracht werden könnte, wenn man den Menschen die wissenschaftlichen Grundlagen erklären würde statt nur Verordnungen, Verschärfung von Regeln und Androhung von Strafen oder einem zweiten Lockdown – von dem jeder weiß, dass er Österreich in die schlimmste Rezession ever befördern würde.

Update, 24.09.: Kleinere Korrekturen (Hinweis ME/CFS), Spekulationen, Wording; 20:09: Klarstellung zum Thema Kinder, 20:34 : Aerosole

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Tag 56: Wo wir aktuell stehen

Ich habe mich seit Ausbruch der Krise intensiv mit dem Virus beschäftigt und tue es immer noch. Der Informationsvorsprung in der Bevölkerung hat nicht nur Vorteile, aber er sorgt auch dafür, gewisse Risiken nüchtern betrachten zu können. Wie wahrscheinlich etwa eine Ansteckung in bestimmten Situationen ist, ob ich mich zu Tode fürchten muss. Es ist paradox. Obwohl ich Autist bin, verzettel ich mich nicht in Details, sondern betrachte immer das große Ganze. Etliche Wissenschaftler, auch Mediziner, auch Virologen, können das nicht. Sie sehen nur ihren eigenen Fachbereich und übersehen etwa derzeit, dass eine funktionierende Wirtschaft mehr bleibende Schäden verhindern kann als Covid19 verantwortet. Zu oft wird in diesen Tagen aber beides gegeneinander ausgespielt. Zu wenig wird die Politik verantwortlich gemacht, sondern der Botschafter, der unangenehme Fragen aufwirft. Ich bin ganz und gar nicht gegen die strengen Verordnungen, aber die begleitende Kommunikation der Regierung und die Rettungsmaßnahmen waren katastrophal. Da gibt es nichts zu beschönigen.

“the most successful global leaders in fighting coronavirus have communicated clearly, displayed empathy and always favored science over politics” (Christiane Amanpour, CNN – 05.05.20)

Im heutigen Text möchte ich der Frage nachgehen, was über das Virus bekannt ist. Das ist eine ganze Menge im Vergleich zu Anfang März. Wenn ich von anderen höre, “wir wissen so vieles noch nicht”, dann muss ich den Kopf schütteln. Die Regierung sagt es uns bloß nicht, sie behandelt uns lieber wie kleine Kinder und möchte bis ins kleinste Detail Regeln aufstellen statt zum selbst Denken anregen. Das ist kein Plädoyer für das schwedische Modell. Eigenverantwortung funktioniert in einem Land nicht, das seit der Monarchie gewohnt ist, von oben herab alles vorgesetzt zu bekommen. Doch die aufgestellten Verordnungen würden vielleicht effektiver und langfristiger umgesetzt, wenn man die Entscheidungsgrundlage wüsste und verstünde.

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