Tag 19: Maskenpflicht

Im Jahr 2017 hat Bundeskanzler Kurz wegen ein dutzend Burkaträgerinnen ein Vermummungsverbot ausgesprochen, im Jahr 2020 herrscht ab Mittwoch ein Vermummungsgebot alias Maskenpflicht – vorerst nur beim Einkaufen. Minuten vor der Pressekonferenz hat der Virologe im ORF noch die Sinnhaftigkeit von Masken in Frage gestellt. Sie würden vielleicht dazu beitragen, sich besser zu fühlen und würden „die ein oder andere Ansteckung“ verhindern. Ich verweise dazu gerne auf den Konsens, den die meisten Ärzte und Politiker inzwischen mittragen: Es handelt sich um Solidaritätsschutzmasken – man schützt andere vor den eigenen Virenpartikeln!

Die zweite Maßnahme:

„Gefährdete Personengruppen werden zusätzlich auch beruflich freigestellt oder müssen verpflichtend ins Home Office.“

Klingt für die Dauer der Epidemie gut, aber danach muss unbedingt dafür Sorge getragen werden, dass gefährdete Personengruppen am Arbeitsmarkt nicht schlechter gestellt werden, weil sie bei ansteckenden Virenerkrankungen ausfallen. Außerdem können auch Menschen ohne Vorerkrankungen schwer erkranken. Es gehört einfach ein Umdenken her, dass man beim Anflug einer Erkältung die Hygieneregeln einhält, Abstand hält und wenn die Symptome deutlicher werden, zu Hause bleibt. Ja, das nützt bei dem aktuellen Virus nichts, aber künftig dann.

Die Kommunikation der Regierung ist hochgradig widersprüchlich – erst ist sie gegen Masken, dann ruft sie Maskenpflicht aus, zu einem Zeitpunkt, wo nicht einmal klar ist, ob die Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Masken sichergestellt ist. Gleichzeitig straft die Polizei vor allem das, was sie sieht, also Menschen, die sich im Freien aufhalten. Dabei ist das Risiko, sich in geschlossenen Räumen anzustecken, 18fach höher als im Freien!

Einige Studien aus Asien, ich zitiere jetzt eine repräsentative, deuten darauf hin, dass der Hauptansteckungsweg „indoor crowding effect“ ist, wie Kirchen im Elsass oder Südkorea, die Après Skibar, oder auch der „Superspreader“ von Patient 1 im China, der seine Virenpartikel über vier Stunden lang im Bus verteilt hat und so noch Personen angesteckt hat, selbst als er schon ausgestiegen war. Die asiatischen Studien betonen auch, dass zu Beginn der Epidemie das „family spreading“ dominanter war als das „community spreading“, sprich, Familienbesuche sind effektiver in der Virusverbreitung als wenn sich Fremde begegnen. Das erscheint logisch, da sich Familienmitglieder tendenziell physisch näher kommen als Fremde.

„It was postulated that the indoor crowding effect is the main responsible of the high transmission rate of 2019-nCoV in Wuhan, China in the period January-February 2020.“

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.03.19.20039164v1

Aus dem gleichen Artikel:

„Bu et al. (2020): persistent warm and dry weather is conducive to the survival of the 2019-nCoV and postulated that temperature ranging 13-19 °C and humidity ranging 50-80% are suitable conditions for the survival and transmission of coronavirus.“

Andere Studien gehen in eine ähnliche Richtung, es gibt einen bestimmten Temperaturbereich („Frühlingswetter) und Feuchtebereich, wo sich das Virus wohl fühlt. Kühlere Witterungsverhältnisse verlängern die Stabilität des Virus, wärmere verkürzen sie.

Leider erfährt man von unserer Regierung nicht, was momentan der Hauptansteckungsweg ist. Sind es Büroarbeiter oder Spaziergänger? Sind es Gruppen von Radfahrern oder Hackler am Bau? Oder geschieht es im Supermarkt? Was ist mit Pflegepersonal, Ärzten, Zustellern? Es wäre wesentlich zu wissen, um die Maßnahmen zu verstehen. Die Maskenpflicht im Supermarkt deutet an, dass man sich Gedanken hat, aber transparent ist die Maßnahme nicht. Hat man es nachweisen können? Gibt es Studien darüber, wie lange Virenaerosole im Supermarkt bleiben? Ist die Schmierinfektion erhöht (gut, da bringen Masken wenig)?

Klar ist auch, dass die Fieberkontrollen an den Flughäfen nicht ausgereicht haben, nach dieser Studie hat man dabei knapp die Hälfte aller Infizierten übersehen.

Kern meiner Kritik ist, dass man Polizei und Blockwarte aus der Bevölkerung vor allem auf das loslässt, was man sieht, was aber nicht der Hauptansteckungsweg ist: Wenn sich Menschen aus welchen Gründen auch immer im Freien aufhalten. Die Polizei kontrolliert dabei auch einzelne Personen und verlangt Identitätsnachweise oder Begründungen, sie scheucht Passanten auf, die auf Parkbänken verweilen. Laut Social Media-Team der Polizei gibt es dafür keine rechtliche Grundlage, unangenehm und einschüchternd bleibt es allemal.

Die Situation der Strafen ist vergleichbar mit dem Verbot von Handy am Steuer, was auch für Radfahrer gilt. Radfahrer sind leichter zu kontrollieren, Autofahrer kommen eher davon, obwohl das Auto eher zur Tötungsmaschine wird als das Rad (wer beim Radfahren telefoniert, gefährdet eher sich selbst).

Meine Kritik soll die Maßnahmen nicht relativieren, aber man muss wegkommen vom Eindruck, dass Bewegung im Freien jetzt schädlich ist und Menschenleben kostet. Für alle Menschen ist Bewegung sinnvoll, ebenso Frischluft, ebenso der Aufenthalt in der Natur – SOFERN DER ABSTAND EINGEHALTET WIRD! Das Virus verbreitet sich nicht per se über Spaziergänger oder Radfahrer, sondern wenn ein Infizierter zu nahe kommt! Manche fragen sich jetzt, warum man täglich viel mehr Spaziergänger und Radfahrer sieht als vorher. Das sind die Menschen, die vorher in den Bundesgärten waren, die jetzt geschlossen sind und sich in den noch vorhandenen Grünflächen drängen. Das sind Leistungssportler, die auf Sportplätzen oder in den Hallen trainiert haben, in den Schwimmbädern, im Fitnesscenter. Das sind Leute, die dank Homeoffice und gesparten Anfahrtswegen jetzt überhaupt die Zeit haben, öfter hinauszugehen. Und es sind Menschen, die sich vorher am Weg zum Büro schon bewegt haben, die tausenden Schritte, die man zurücklegt zwischen den Öffis und zuhause, die diese Basisbewegung jetzt nicht mehr haben. Und zum Schluss sind es auch Menschen in viel zu engen Wohnungen, die es nicht mehr aushalten, es sind Menschen, die alleine leben und hinaus müssen. Es gibt zig Gründe nach draußen zu gehen. Das ist kein Grund, um mit dem Finger auf sie zu zeigen und ihre Persönlichkeitsrechte zu verletzen, in dem man Fotos auf Facebook oder Twitter stellt und nach der Polizei schreit.

20.45 Alles sehr undurchdacht.

Der Handel wurde anscheinend überrumpelt mit der Maskenpflicht ab übermorgen.

Angestellte werden außerdem dazu verpflichtet, Handschuhe zu tragen. Einlass in Geschäftslokale gibt es in Zukunft nur noch für Einzelpersonen. In Zukunft soll es eine festgelegte Anzahl von Kunden pro Quadratmeter geben, darüber hinaus dürfen weitere Personen erst hinein, wenn andere die Geschäftslokale verlassen. Die Kunden müssen Einkaufswagen benützen, um den Sicherheitsabstand sicherzustellen.

[…]

Die Masken sollen, so bis dahin ausreichend vorhanden, ab Mittwoch bei den Handelsketten ausgeteilt werden und müssen aufgesetzt werden, sagte Kurz am Montagvormittag. Andernfalls werde man nicht in den Supermarkt gelassen. Der Schutz soll gratis ausgegeben werden.

Die Masken gehen dann in das Eigentum der Kunden über und können weiterverwendet werden. Ob die Produkte wiederverwendbar sind, hänge von deren Beschaffenheit ab. Manche sind nur drei, vier Stunden verwendbar, andere waschbar bzw. zur Desinfektion geeignet.

Kunden können aber auch selbst einen Schutz mitbringen. Die Supermärkte sind jedoch verpflichtet, diesen Schutz anzubieten, sobald die Lieferkapazitäten sichergestellt sind. Zur Frage, ab wann die Maskenpflicht auch per Verordnung verpflichtend geregelt wird, hieß es, man werde in den nächsten Tagen genau beobachten, ab wann eine solche Verpflichtung der Handelsunternehmen von diesen auch „sinnvoll umsetzbar“ ist. Ziel sei eine einheitliche Regelung für alle in der Branche. Soweit möglich sollte eine Schutzmaske überall angelegt werden, wo Menschen zusammenkommen.

[…]

Dennoch wird es in Österreich nun flächendeckend eingeführt. Es wird auch zulässig sein, selbst produzierte Masken zu tragen. „Je weniger geniest und gehustet wird, desto weniger ist die Gefahr – hier hilft jede Form der Mundbedeckung“, so Kurz.

Quelle: https://orf.at/stories/3159979/

Leider klingt das alles sehr unausgegoren. Das gibt ein Chaos und wahrscheinlich lange Wartezeiten vor den Supermärkten.