Tag 36: Körperlich aktiv sein trotz #Bleibtdaheim

Mündung vom Wienfluss in den Donaukanal bei der Urania, Bild von heute morgen

War ganz erfrischend, mal einen anderen Rückweg genommen zu haben. Am Donaukanal entlang ist gut frequentiert und vor allem entlang der Ostautobahn ziemlich laut. Heute früh fuhr ich mit dem Kollegen über Kaiserebersdorf und am Gasometer vorbei zurück. Dort war ich vorher nie. Seit Beginn der Coronakrise bin ich noch nie soviel Rad gefahren in Wien, hab einige neue Teile der Stadt kennengelernt. Die nächste Gelegenheit hab ich am Freitag in acht Tagen, auch da werd ich wieder nach dem Nachtdienst diese Strecke fahren und noch dazu ein paar Bilder machen.

Sonst stand dieser Tag unter dem Motto frische Kräfte sammeln und Hoffnung leben.

Kahlenberg und Leopoldsberg begrenzen die Wiener Pforte im Westen.

Einziger Wermutstropfen auf der Hinfahrt war die exzessive Sichtung von Polizei. Vier Polizeiautos auf der Donauinsel und am Donauradweg, sowie vier Radpolizisten.

Heute mal zur Abwechslung kein Virenupdate, die Podcasts hör ich mir vielleicht später noch einmal an.

Wahrheit und Fiktion

Es gibt Modellsimulationen, aber bisher keine nachweisbaren Fälle von Ansteckungen im Supermarkt. 422 Supermarkt-Mitarbeiter wurden negativ getestet. Interessanterweise gibt es diese Zahl bisher nur auf einer inoffiziellen Seite, wurde aber öffentlich nie kommuniziert. Die AGES hielt in ihren offiziellen Infovideos die Gefahr einer Ansteckung im Supermarkt für sehr gering.

Es gibt Modellsimulationen, aber keine nachweisbaren Fälle von Ansteckungen im Freien, insbesondere beim Joggen oder Radfahren. Eine Info der WHO (Stand 29.03.) findet keine Belege für eine Übertragung durch Aerosole, mit Ausnahme bestimmter Settings wie Intubation, Bronchoskopie bzw. innerhalb geschlossener Räume.

Es gibt nicht einmal nachweisbare Fälle von Ansteckungen in öffentlichen Verkehrsmitteln, zumindest nicht über Kontaktinfektion. Die AGES hielt die Gefahr, sich über Haltestangen oder Türklinken anzustecken für gering. Maskenpflicht bei hohem Passagieraufkommen ist natürlich sinnvoll, also dann, wenn keine Abstände gehalten werden können. Das Gleiche gilt für den Supermarkt, WENN der Abstand nicht eingehalten werden kann, und für den statistisch unwahrscheinlichen Fall, dass jemand heftig niest oder hustet.

In allen Fällen gilt die Abstandsvermutung.

Dazu kommen fiktive Wunschträume, so die 15000 Tests pro Tag, die der Kanzler vor vier Wochen angekündigt hat. Geworden sind es dann 3000 und in Wahrheit waren es dann doch viel mehr, weil die Statistik nicht aktuell war. Seit ein paar Wochen werden auch flächendeckende Antikörpertests angekündigt. Die Bevölkerung erfährt aber weder bei den PCR-Tests auf die Virus-RNA noch bei den Antikörpertests die vorhandenen Unsicherheiten und Ungenauigkeiten. Wer sich genauer informieren will, muss die entsprechenden Podcasts aus Deutschland (Drosten und Streeck, apropos, wo sind die Frauen???) bzw. die viel gehaltvolleren Aussagen aus anderen Ländern (z.b. UK, USA) anhorchen. Die AGES-Webseite informiert in maximal 120 Sekunden-Videos. Das ist viel zu wenig, Literatur (z.b. Studien) wird keine angeführt.

Die Bevölkerung erfährt genau genommen gar nichts.

Der türkise Innenminister Nehammer bezeichnet pauschal alle als Gefährder, die den Mindestabstand nicht einhalten. Die Polizei straft Menschen, die alleine auf einer Parkbank sitzen. Dass die Situation für alle neu war, auch für die Polizisten, und dass keine entsprechenden Strafen für Verstöße gegen die Erlässe ausgearbeitet waren, lasse ich nicht gelten. Hier regiert der Hausverstand. Den darf man auch bei Polizisten voraussetzen.

Der eigentliche Skandal ist aber, dass die Geschehnisse um Ischgl weiterhin kleingeredet werden. Die Gewinne der Skigebiete waren wichtiger als Menschenleben. 57% aller Infektionen in Österreich fanden in Ischgl ihren Ursprung. Europaweit hat sich das Virus von Ischgl aus verbreitet. Als am 13. März die ersten Maßnahmen und die Quarantäne für den Arlberg verkündet wurden, liefen am 15. März in Obertauern noch die Skilifte. Und trotz Quarantäne hieß es ganz offiziell von den Behörden und der Politik, dass in- und ausländische Touristen ausreisen sollen. Das führt eine Quarantäne ad absurdum! Die Ausreise verlief chaotisch und haben wahrscheinlich zu hunderten, wenn nicht tausenden weiteren Ansteckungen geführt. Dummerweise verbreitet sich das Virus großteils ohne Symptome (ohne Krankheitsgefühl) bzw. am stärksten bis zu drei Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome. Wenn jemand dann erstmal Symptome zeigt und infektiös ist (bis zu acht Tage danach), ist es eh relativ leicht, sich zu isolieren.

Und dann sind die Menschen, die sich draußen bewegen, die spazieren, die Sonne im Park tanken, die alle sind plötzlich GEFÄHRDER. Der grüne Wurmfortsatz schweigt wegen dem zu erhaltenden Frieden in der Koalition. Der Eindruck wird ja nicht einmal abgeschwächt. Die Wichtigkeit, generell gesund zu bleiben nämlich so, dass man möglichst nicht wegen anderen Gründen außer Corona zum Arzt oder ins Spital muss, wird nur darauf beschränkt, keine Risikosportarten zu betreiben. Die ständige Bevormundung mit zig neuen, wissenschaftlich unhaltbaren Abstandsregeln setzt den Gebrauch des Hausverstands außer Kraft.

Viele Bürger denken gar nicht mehr selbst nach, sondern glauben alles, was vorgesetzt wird. Als sei die Regierung die Kirche. „Achso? Das hab ich gar nicht gewusst! Das höre ich zum ersten Mal!“ hörte ich die letzten Tage öfters, wenn ich erzählte, was ich aus den zahlreichen Podcasts und der Lektüre meiner wissenschaftlich-medizinischen Timeline gelernt habe. Ich denke, es ist kein ungeheurer Affront zu sagen, dass es auf Dauer ungesund ist, so oft wie möglich daheim zu bleiben. Das mag gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus schützen, aber leider nicht vor Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Thrombosen, Übergewicht (!), etc.

A propos Risikogruppen. Da hat man bisher auch nichts Konkretes gehört. Ich nehme einmal exemplarisch die Definition vom Vereinigten Königreich, die immerhin eine fünfstellige Anzahl von Toten zu beklagen haben:

Quelle: https://www.nhs.uk/conditions/coronavirus-covid-19/advice-for-people-at-high-risk/

Da zählen Lungenerkrankungen dazu wie Asthma, COPD (starke Raucher!), Bronchitis, Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen, Nervenerkrankungen, Diabetes, geschwächtes Immunsystem durch AIDS, Chemotherapie, Medikamente sowie starkes Übergewicht. In einem früheren Beitrag von Dr. John Campbell konnte ein klarer Zusammenhang zwischen Body Mass Index und Intensivpatienten nachgewiesen werden. Die wenigsten Fälle gab es bei Untergewicht.

Übergewichtige und Raucher befinden sich wahrscheinlich nicht auf dem von Experten festgelegten Kriterienkatalog für Risikogruppen in Österreich. Der soll lediglich die besonders schweren Fälle erfassen, die schweren Diabetiker, die schwer immunsupprimierten Betroffenen. Kritik an der Identifizierung über verschriebene Medikamente gibt es genug.

Natürlich lässt sich leicht Kritik üben, wenn man daheim sitzt und sich entspannt zurücklehnen kann, doch ist Österreich keine Insel im Elfenbeimturm. Fast alle Länder sitzen in derselben Scheiße. Man könnte meinen, dass man hierzulande nicht zu gravierend anderen Einschätzungen kommt. Stattdessen wird der Hämekübel über andere Länder ausgekippt (wir sind viel besser dran als alle anderen), und dabei stehen wir nach eigenen Angaben am Anfang der Pandemie. Wir können noch gar nicht wissen, ob wir alles soviel besser machen!

Fachliche Kritik am drakonischen Lockdown gibt es übrigens auch schon, ohne zu verharmlosen. Die Kollateralschäden werden bisher zu wenig in der Öffentlichkeit thematisiert. Der österreichische Journalismus ist ein ziemlicher Totalausfall. Dass ich heute in meinem – vermutlich nicht mehr sehr lange – abonniertem FALTER unter „7 Sachen, die sie noch nicht wussten“ die einseitig und unkritisch zitierte belgische Studie über die neuen Abstandsregeln lesen musste, war nur das I-Tüpfelchen. Mein Mitleid über ausbleibende Presseförderung hält sich in Grenzen.

Ich mag den Tag aber nicht im Rant beenden. Heute war seelische Erholung angesagt. Danke der edlen Spenderin.