Tag 74: Vermeide die drei C’s!

Der Gottesdienst in Frankfurt, das Restaurant in Ostfriesland. Nach den Lockerungen treten die „Cluster-Ausbrüche“ erstmals dort auf, worauf Erfahrungen aus aller Welt schon länger hindeuteten. Singen ist besonders effektiv, um hohe Mengen an Virenpartikeln auszuscheiden und zu inhalieren, weil dabei tief ein- und ausgeatmet wird. Hinzu könnte ein Faktor kommen, der auch in Paketzentren oder Schlachthöfen eine spezifische Rolle spielt: Kalte Umgebungen, denn in Gotteshäusern ist es aufgrund der dicken Gemäuer häufig empfindlich kühler als draußen. Bei kalter Umgebungsluft bleibt das Virus aber länger stabil und kann leichter von Wirt zu Wirt springen. Auch die begünstigte Verbreitung in Restaurants, insbesondere in Innenräumen mit schlechter Durchlüftung und vielen Menschen, die sich längere Zeit auf engstem Raum aufhalten, ist schon einige Wochen bekannt. Genauer gesagt Monate, wenn man die positive Entwicklung von Japan in die Erkenntnisse einbezieht, die ohne Lockdown die Kurve flach halten konnten.

Experts are also credited with creating an easy-to-understand message of avoiding what are called the “Three C’s” — closed spaces, crowded spaces and close-contact settings — rather than keeping away from others entirely.

“Social distancing may work, but it doesn’t really help to continue normal social life,” said Hokkaido University’s Suzuki. “The ‘Three C’s’ are a much more pragmatic approach and very effective, while having a similar effect.”

Die drei Cs

Statt sich generell von allen anderen fernzuhalten, schuf man eine leicht verständliche Botschaft, was zu vermeiden sei:

  1. Innenräume (closed spaces) mit schlechter Durchlüftung
  2. Menschenmengen (crowded spaces) und beengte Räume
  3. Situationen mit engem Kontakt (close-contact settings) wie Gespräche und Lautäußerung innerhalb der Armlänge des anderen

Franz Wiesbauer, österreichischer Arzt mit Spezialgebiet Epidemologie, fügt noch ein viertes C hinzu:

4. Essen und Trinken (consuming foods and beverages)

Auf Nachfrage führt er aus: Es wird wahrscheinlich viel Aerosol und Tröpfchen produziert, wenn jemand isst und spricht, welche eingeatmet oder anderweitig aufgenommen werden können. Unklar, zu welchem Prozentanteil dies über Einatmen und Kontakt/Schmierinfektion geschieht.

In Zusammenhang mit den drei Cs wird von einem japanischen Zellbiologen erwähnt, dass die japanische Regierung die Bevölkerung ermutigt, nach draußen zu gehen, also das Gegenteil zu dem, was in New York City der Fall war, ebenso in zahlreichen europäischen Großstädten – etwas, worüber ich schon am 08. April (Tag 28) ausführlich geschrieben habe.

Für alle C’s gilt außerdem:

Mit zunehmender Länge, der man den Virenpartikeln ausgesetzt ist, erhöht sich das Infektionsrisiko. Ein kurzes Gespräch ist unkritischer als eine Viertelstunde und mehr, in der man sich gegenüber oder nebeneinander sitzt. Eine kurze Busfahrt mit wenigen Fahrgästen ist unkritischer als eine längere Busfahrt mit vielen Fahrgästen oder hohem Durchsatz. Masken verrringern das Risiko generell, besonders aber, wenn i) Infizierte Symptome zeigen und Husten oder Niesen müssen, und ii) in Situationen, in denen gesprochen wird. Egal, ob im direkten Gespräch oder in der Umgebung (Klassiker: Telefonate in den öffentlichen Verkehrsmitteln).

Was die Übertragung in Badegewässern betrifft, beruhigt Dr. Campbell im letzten Video (23.05.):

Das Virus konnte zwar im Stuhl und Urin sowie im Abwasser nachgewiesen werden, doch würde es rasch verdünnt in Meereswasser, speziell Salzwasser, aber auch in Süßwasser und Flüssen aufgrund des hohen Wasservolumens. Aber auch in Schwimmbädern besteht keine Gefahr:

Low concentrations of chlorine will kill the virus quickly.

Die Frage ist eher, wie gut ist die Luft über dem Wasser ventiliert, etwa in Innenbädern, ebenso Sanitäranlagen und Umkleidekabinen.

Soweit das Fachliche heute. Politisch ist Österreich (nicht nur derzeit) zum Scheißen. Privat … ich halte mich an die drei Cs und gehe maximal in einen Gastgarten, vermeide aber weiterhin Restaurant-Innenräume. Wenn jeder so handeln würde, könnte man Infektionen weiter vermeiden, aber die Umsätze der Wirtshäuser bleiben natürlich lausig. Spätestens ab Herbst kommt das große Wehklagen. Mir schwant, dass das große Wirtshaussterben nicht aufzuhalten sein wird. Nur wenige können bis weit ins 2021er Jahr hinein durchhalten. Es ist einfach zu gefährlich. Das heißt aber auch, dass sich viele Gastwirte eine neue Lebensgrundlage suchen müssen oder zumindest ihr Geschäftsmodell umstellen. So wie viele schwer betroffene Branchen auch, vielleicht trifft es am Ende mich auch noch.

Den Besuch vom Retzer Weinkeller spar ich mir auf die Zeit nach dem Impfstoff auf, denn ein kaltes langen Tunnelsystem mit schlechter Durchlüftung selbst in Kleingruppen ist mir schon zu riskant. Ebenso Tropfsteinhöhlen, wären eine wunderbare Abwechslung im Hochsommer, aber die Kälte streckt die Stabilität des Virus. Die Abstandsregeln auf Sesselliften sind eher wieder unnötige Bürokratie, wird das Virus doch alleine schon durch den Fahrtwind dispersiert. Kirchen schau ich mir lieber nur von außen an bzw. schau höchstens kurz zur Tür hinein. Im Hochsommer wirds ein bisserl zach werden, weil gerade die kühlen Innenräume riskant sind, wenn sich weitere Menschen drin aufhalten. Vorerst beruhigt mich aber mein Blick auf die Wettermodelle: Bis Anfang Juni kommt das, was der Meteorologe Wachstumswetter nennt, meist zwischen 17 und 25 Grad, immer wieder Niederschläge, nicht kalt, aber auch nicht heiß. Ideales Gastgartenwetter, von der Schauerneigung abgesehen.

Aber lieber werd ich nass als krank.