Tag 140: Die vergessenen Kranken

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Quelle: Dashboard Gesundheitsministerium, Stand 29.07.2020

Angst haben sollte man nicht nur vor dem Tod, sondern vor den Komplikationen und Spätfolgen einer Covid19-Erkrankung. Im Ausland häufen sich die Berichte über schwerwiegende Folgen, obwohl zwei PCR-Tests in Folge längst negative Ergebnisse liefern und man in der Statistik offiziell als genesen aufscheint. In anderen Fällen verbleibt das Virus noch monatelang im Körper, wird aber von den Tests nicht immer in ausreichender Menge detektiert. So kommen die meisten vermeintlichen „Wiederansteckungen“ zustande. Die Post-Covid19-Symptome ähneln teilweise frappierend der unerforschten ME/CFS-Erkrankung, die vielfach mit einem dauerhaften Verlust an Lebensqualität einhergeht. In Österreich fehlt die Aufklärung über Komplikationen weitgehend – insbesondere, dass sie auch bei milden Verläufen in Heimquarantäne (nicht Spital!) auftreten können und damit auch sportliche und kerngesunde (junge) Menschen betroffen sein können. Anfang April wurde noch vor eine Welle mit 100 000 Toten gewarnt, aber vor den Folgen einer Erkrankung wird kaum hörbar gewarnt. Der sprunghafte Anstieg an Rhinoviren (Schnupfenviren), die sich ähnlich verbreiten wie SARS-CoV-2-Viren, deutet auf zunehmende Nachlässigkeit in der Bevölkerung beim Einhalten der Hygieneregeln hin. Was fehlt: Eine wissenschaftlich fundierte Aufklärungsoffensive. Virus ernstnehmen, selbst wenn die meisten Verläufe mild sind – aber Folgeschäden zeigen sich mitunter erst Monate oder Jahre später, wie bei der Spanischen Grippe auch.

Dann würden vielleicht auch die Alibi-Maßnahmen wie Fieber messen oder Mindestabstände in geschlossenen Räumen aufhören. Es mangelt zum Beispiel auch  an klar verständlichen Erklärungen, für wie lange man ansteckend ist und das Virus überhaupt nachgewiesen werden kann, dass ein einzelner PCR-Test wenig aussagekräftig ist, weil zu kurz nach der Ansteckung (innerhalb der Inkubationszeit) oder bereits zu spät nach der durchgemachten Infektion. Es wird nicht unterschieden zwischen „positiv getestet“ und „erkrankt“. Selbst beim leidigen Maskenthema fehlt eine offizielle und gut begründete Linie, ob man mit Masken nur andere schützen soll oder auch sich selbst. Wenn eine durch Masken verringerte Virenlast dazu führt, weniger schwer zu erkranken, ist jeder vermiedene langwierige Post-Covid19-Fall ein großer Erfolg, für den es sich zu kämpfen lohnt.

Eigentlich müsste man neben präsymptomatisch und asymptomatisch eine dritte Kategorie postsymptomatisch definieren, die in den offfiziellen Statistiken aufscheint. Dann würde sich genesen aufteilen in gesund und weiterhin krank, was eine unbequeme Wahrheit offenbaren würde, nämlich, dass die Zahl der echten Genesenen viel niedriger ist als jetzt von den offiziellen Statistiken suggeriert wird.

Aerosole Hauptübertragungsweg

Die Zurückhaltung der AGES beim Thema Aerosole geht wahrscheinlich auf eigene Untersuchungen zurück:

So geht etwa Daniela Schmid, die Leiterin der Abteilung Infektionsepidemiologie der Gesundheitsagentur Ages, davon aus, dass nur der Übertragungsweg über Tröpfchen von Bedeutung ist. Dass Ansteckungen gewissermaßen über die Luft passieren, über feinste Partikel, die das Virus in sich tragen, sogenannte Aerosole, hält sie für wenig wahrscheinlich. „Sonst wäre die Attackrate viel höher“, sagt sie.

Es gibt aus der Wissenschaft auch vorsichtigere Stimmen zu dieser Ansteckungsmöglichkeit, doch aus der ersten großen Untersuchung der Ages zu Clustern, also Infektionshäufungen, ist die Gefahr einer „Luft-Übertragung“ nicht herauszulesen. Es gab keine Cluster in einem Supermarkt, in einer Schule und in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Quelle: https://www.wienerzeitung.at/ (06.05.)

Mittlerweile werden Aerosole als Hauptübertragungsweg des Virus gesehen. Damit sollte man einige der aktuellen Verhaltensregeln und Konsequenzen der Behörden kritisch hinterfragen:

  • Gesichtsvisiere mit zu großen Abständen zwischen Abdeckung und Gesicht schützen nicht vor einer Ansteckung. Experten weisen wiederholt darauf hin, dass die Körpertemperatur Thermik erzeugt, wodurch die Aerosole aufsteigen und nicht zu Boden sinken.
  • Mindestabstände in geschlossenen Räumen reichen nicht aus, um eine Ansteckung zu verhindern: gilt vor allem in Schulen, Gastronomie, gemeinsame Räume in Unterkünften, beim Singen, in der Kirche, etc.
  • Frischluftzufuhr mit geöffneten Fenstern und Türen ist essentiell und kann durch Ventilatoren beschleunigt werden. Ventilatoren und Umluft alleine verteilen lediglich die Aerosole im Raum (bewirkt zwar eine Verdünnung der Aerosolwolke, aber verhindert Ansteckung nicht), HEPA-Filter reinigen die Raumluft, aber es bleibt zu hinterfragen, in welchem Abstand das geschieht.
  • Corona-App registriert nur direkte Kontakte, aber wähnt in trügerischer Sicherheit, wenn man sich etwa mit viel Abstand längere Zeit im gleichen Raum wie die infizierte Person aufgehalten hat. Abhilfe könnte schaffen, wenn man auch “Events“ eine ID zuweisen könnte, nicht nur den App-Nutzern.
  • Experten betrachten die Testung von Reiserückkehrern nicht als sinnvolle Maßnahme, vorwiegend aus Ressourcen- und Logistikgründen, aber auch, weil infizierte Personen in der Inkubationszeit nicht identifiziert werden können.

Was man gar nicht oft genug verbreiten kann: Einfache Schaubilder, wie effektiv Masken sind und was gemieden werden sollte:

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clustering