Tag 159: Der unsichtbare Gast

testingdelays

Quelle: SACK Cartoon

Seit dem Lockdown in Österreich sind nun fünf Monate vergangen. Die Grundlagen stehen längst fest: Wir wissen, wie das Virus verbreitet wird und wie man sich davor schützen kann. Wir wissen mit ein wenig Verzögerung über mögliche Spätfolgen Bescheid und dass Immunität großteils auch bei mildem Verlauf gegeben ist. Genauso absehbar ist, dass wir vorsichtig bleiben müssen, bis ein signifikanter Anteil der mobilen Weltbevölkerung gegen das Virus geimpft wurde. Am Beispiel Neuseeland (Stand, 17.08.) sieht man derzeit eindrucksvoll, dass es nicht ausreicht, monatelang vorbildlich zu handeln und dann die Vorsicht schleifen zu lassen. Solange das Virus weltweit zirkuliert, kann es jederzeit zurückkommen. Die Auszeichnung „coronafreies Land“ ist nicht für die Ewigkeit in Stein gemeißelt. Um ehrlich zu sein: Die Krisenpolitik hierzulande ist unerträglich. Die schwerste Krise der Welt in hundert Jahren ist der falsche Anlass, um auf dem Rücken der Bevölkerung populistische Lobbypolitik zu betreiben. Ich verstehe aber auch große Teile der Bevölkerung nicht, die extrem obrigkeitshörig agiert und anscheinend unfähig ist, selbst zu denken.

Billige Schnelltests könnten die Pandemie rascher eindämmen als bisherige PCR-Tests

Der obige Cartoon beschreibt gut eines von vielen Dilemmas, die mit der Ansteckungsgefahr zusammenhängen. In der Zeit bis zum negativen Testergebnis bestehen unzählige weitere Situationen, sich anzustecken. Ein PCR-Test ist lediglich eine Momentaufnahme. Dabei wird derzeit unter Experten diskutiert, ob wirklich hochsensitive Tests benötigt werden. Billige Schnelltests, die man alleine, zuhause und täglich durchführen könnte, könnten die Pandemie rascher beenden als ein Impfstoff. Der Trick dabei: Schnelltests erfassen eher hochinfektiöse Betroffene und das sind gerade jene, die am ansteckendsten sind und das Virus am stärksten verbreiten. Es wäre dann nicht mehr nötig, sich in Drive-In oder Walk-In-Schlangen anzustellen. Genauso wenig müsste man 120 Euro und mehr für private Tests bezahlen. Die übersehenen Infektionen wären verschmerzbar, denn mit steigender Viruslast würden auch diese bei täglichen Tests am Folgetag oder spätestens am übernächsten Tag erfasst. Ein weiterer Vorteil von Tests zuhause wäre, dass niemand gezwungen wäre, öffentlich quer durch die Stadt zum nächsten Labor zu fahren. Die Sache hat zwei Pferdefüße. Zum Einen den Anspruch der Wissenschaft, möglichst exakt und fehlerfrei zu sein, denn Schnelltests wären eben nicht 100% zuverlässig. Das sind PCR-Tests aber auch nicht, weil es eben auf den Zeitpunkt ankommt, wenn die Viruslast nicht hoch genug ist oder nicht mehr in den oberen Atemwegen nachweisbar ist und ob der Rachenabstrich gründlich genug ausgeführt wurde. Wie verhängnisvoll es ist, zuzuwarten, bis eine Maßnahme endgültig abgesichert wurde, zeigt das verspätete Handeln der WHO bezüglich Masken empfehlen, aber auch die Vorbehalte zur Ansicht, dass Aerosolinfektion der treibende Faktor der Pandemie sind. Zum Anderen zeigt die österreichische Regierung bisher kein Bestreben, die Pandemie schnell einzudämmen, sondern es lebt sich ganz gut mit der Angst und der Unsicherheit einer perspektivlosen Zukunft.

Anwendungsgebiete für derartige Schnelltests gäbe es genügend, nämlich jene Orte, wo die Verbreitung besonders effektiv ist: In Schulen, in Betrieben, aber auch für Reisende, bevor sie wegfahren oder zurückkommen. So könnte z.b. der Flugverkehr gewährleistet bleiben, ohne am Flughafen selbst mühsam testen zu müssen.

Die Grundlagen sind klar

  • Abstand halten
  • Masken tragen
  • Hände waschen (bzw. desinfizieren)
  • Für effiziente Durchlüftung sorgen (Innenräume)

Es wäre so einfach, würde das konsequent durchgehalten. In den letzten Wochen gab es immer wieder Zeitungsmeldungen von positiv getesteten Betroffenen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gereist sind oder sich auf Berghütten aufgehalten haben. Leute, die sich in den fraglichen Zeiträumen in deren Nähe aufgehalten haben, sollten ihren Gesundheitszustand beachten. Aber was hat man erwartet? Ist es wirklich undenkbar, dass bisher kein Infizierter mit dem Zug gefahren ist oder auf einer Hütte übernachtet hat? Darum ist das Masken tragen ja so wichtig. Weil wir es bei fremden Menschen schlicht nicht wissen, ob er infiziert ist. Wir sollten daher nicht nur unseren Gesundheitszustand verstärkt beachten, nachdem es Aufrufe dazu gegeben hat, sondern jederzeit, bis ein Impfstoff verabreicht wurde oder Antikörper nachgewiesen werden konnten – und zwar insbesondere dann, wenn wir uns mit fremden Menschen längere Zeit gemeinsam in einem Raum aufgehalten haben. Es ist lästig und beunruhigt natürlich ständig, aber sobald wir erhöhte Risiken eingehen, also weder Abstand gehalten noch Masken getragen haben und uns in einem geschlossenen Raum mit schlechter Durchlüftung befanden, müssen wir wachsam sein. Drosten hat vorgeschlagen, ein Kontakt-Tagebuch, alternativ zur Corona-App, zu führen. Das muss nicht zwingend alle Namen auflisten, speziell, wenn es sich um fremde Personen handelt, aber darin sollte zumindest erfasst sein, wo man sich aufgehalten hat. Im Supermarkt, in den Öffis, im Shoppingcenter, bei einer Feier, etc – und ob man dabei Maske getragen hat, ein Ereignis-Tagebuch also.