Tag 237: Terror in Wien

Bin immer noch fassungslos. Das passierte bisher nur in anderen Städten, nie in Österreich. Wien, die sicherste Großstadt, die ich kenne. Jetzt haben Attentäter mit Sturmgewehren und Sprengstoffgürtel in der Innenstadt herumgeballert. Mindestens 2 Tote, über 10 Verletzte. Der mit dem Sprengstoffgürtel konnte zum Glück rechtzeitig gestoppt werden. Der andere läuft anscheinend noch frei herum. An Schlaf ist nicht zu denken. Ich wohne nur einen knappen Kilometer Luftlinie von einem der Anschlagsorte entfernt.

Der Zeitpunkt denkbar katastrophal. Unfassbar viele Menschen an einem milden Novemberabend unterwegs, letzter Tag vor dem „Lockdown light“ mit geöffneten Lokalen. Die jetzt mindestens einen Monat geschlossen bleiben (Lieferservice und Abholung aber erlaubt). Die Situation in den Spitälern ist eigentlich zu katastrophal, um das in der Form „auszunutzen“. Ich hatte es mir heute verkniffen. Ich hätte ein schlechtes Gewissen gehabt, im Gastgarten zu sitzen, während die Ärzte auf den Intensivstationen bereits organisieren müssen, dass sie noch freie Betten bekommen für jene, die sie dringend brauchen.

Vermutlich war das der Plan, denn ab heute wäre ab 20.00 eine Ausgangssperre in Kraft getreten, und der Anschlag, der kurz nach 20 Uhr begann, wäre ins Leere gelaufen. Es ist nicht nur fatal wegen den Opfern und den Traumatisierten, sondern dass etliche Menschen nach drinnen flüchten mussten, und mehrere Stunden ausharren mit Fremden, teilweise vermutlich ohne Masken. Genau das, was man in der jetzigen Situation dringend vermeiden sollte. Es ist auch fatal wegen befürchteter Racheakte und Anfeindungen gegenüber der muslimischen Bevölkerung.

Einer der Täter läuft noch frei herum. Morgen gibt es keine Schulpflicht. Daheim bleiben sollte man ohnehin wegen Covid. Auch das macht den Anschlag so perfide in dieser Situation, wo nur menschliche Nähe den größtmöglichen Trost bieten kann. Ich muss morgen zum Glück nicht arbeiten und mich belastet die Covid-Situation schon enorm genug. Das ist jetzt als Draufgabe schwer zu verkraften.

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