Tag 403: Österreichs PLURV-Vertreter haben Narrenfreiheit

Österreichs PLURV-Pseudoexperten am 18. September 2020 in einer gemeinsamen Presseaussendung: „Wir haben keine zweite Welle, sondern einen Labor-Tsunami.“ (Quelle: tips.at)

Wer sind die führenden Pseudo-Experten in Österreich, die mitverantwortlich dafür sind, dass heute die Schwelle von 10000 Coronatoten in Österreich überschritten wurde? Ja, die Übersterblichkeit fällt heuer wohl etwas geringer aus, weil die Influenzatoten aufgrund der ausgebliebenen Grippewelle wegfallen, doch ist die Altersverteilung bei den Coronatoten anders. Es betrifft auch viele Menschen, die mitten im Leben standen. Viele Gesunde. Und es lässt völlig außer Acht, dass LongCovid bei Corona um ein vielfaches häufiger und schwerwiegender ist als Langzeitfolgen bei Influenza. Geschätzte 20% aller Infizierten werden unter Langzeitfolgen leiden – bei über 500 000 „Genesenen“ eine horrend hohe Zahl an Patienten, nicht alle davon werden sich vollständig erholen.

In diesem Artikel möchte ich auf die fünf wichtigsten Schwurbel-Experten näher eingehen, die alle noch im Amt sind, die öffentlich nie in der nötigen Schärfe kritisiert wurden, die nie die nötigen kritischen Nachfragen durch Journalisten bekamen.

„Was denken sich eigentlich Journalistinnen, die eine Person wieder und wieder zu einem Thema interviewen, zu dem die Person schon seit über einem Jahr mit ihren Aussagen und Annahmen zu 100% falsch gelegen ist?“
(Kathryn Hoffmann, Health Service Research, 20. April 2021)

[1] Peter Niedermoser, klinischer Pathologe, Präsident der Oberösterreichischen Ärztekammer …. forderte Anfang September noch eine „Entdämonisierung“ von SARS-CoV2 und empfahl, dass Kinder unter 10 Jahren NICHT getestet werden, auch Jugendliche und Erwachsene würden im Regelfall NICHT getestet, außer der betreuende Hausarzt würde anders entscheiden. Kriterien für Testfall waren demnach Fieber, Erbrechen, Durchfall, Verlust von Geruchs- oder Geschmacksinns. Schnupfen zählte nicht dazu. Weiters wurde in dem Pamphlet behauptet, dass 95% aller der Infektionen asymptomatisch oder als grippaler Infekt verlaufen würden. Von LongCOVID war natürlich keine Rede. Am 9. April 2021 stellte er sich gegen Bundesärztekammerpräsident Szekeres und lehnte einen Lockdown für Oberösterreich ab.

Anzahl der mit COVID-19 Patienten belegten Intensivbetten in Oberösterreich, grau die Intensivbettenkapazität laut AGES-Dashboard („fiktive Betten“, denn die vermeintlich zusätzlichen Betten müssen dem Regelbetrieb entzogen werden). Zu normalen Zeiten sind 10% der Intensivbetten frei für Notfälle. Jetzt sind 33% alleine durch COVID belegt.

[2] Petra Apfalter, „Miss Labor-Tsunami“ , Bakteriologin …. durfte Anfang November neben Faßmann erneut ihr „wer viel testet, findet viel“ rechtfertigen und behaupten, dass Schulen ein sehr sicherer Ort wären. Die Gehirnwäsche scheint bei Faßmann gefruchtet zu haben, Mitte Februar rechfertigte er die steigenden Infektionszahlen bei Volksschulkindern mit

„Wir führen das nicht auf eine steigende Infektionshäufigkeit zurück, sondern auf eine vermehrte Testroutine“. „Gerade Volksschulkinder verstehen es von Woche zu Woche besser, die Probenentnahme durchzuführen und damit für valide Ergebnisse zu sorgen.“ (APA)

Die Inzidenzen unter 14 Jahren sind seit Mitte Februar regelrecht explodiert, liegen bis heute in einigen Bundesländern über 400. Am 06. Februar sagte Faßmann übrigens im „Profil“:

„Die Schulen sollten dann wieder geschlossen werden, wenn es zu einer „signifikanten Anzahl schulischer Outbreaks“ komme: „Dann muss ich sagen: unser Sicherheitsnetz war offenbar nicht dicht genug.“

Das steht natürlich im krassen Widerspruch zu seinem „Ostererlass“, wonach Abschlussklassen in der Ostregion vorzeitig wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren mussten nach den Osterferien. Trotz Triage-Situation in Wien und nach wie vor hoher Inzidenzen bei jüngeren Altersgruppen.

Petra Apfalter war seit der Pressekonferenz mit Faßmann nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen und gab auch kein Interview mehr. Sie sitzt jedoch weiterhin gemeinsam mit Allerberger im Advisory Forum des ECDC und ist in der Expertengruppe bei „Arznei und Vernunft“, Projekt des Dachverbands der Österreichischen Sozialversicherung, Pharmaunternehmen, Ö Ärztekammer und Ö. Apothekerkammer.

Häufig gestellte Fragen auf der Seite des Bildungsministeriums, ähnelt stark den Empfehlungen der OÖ-Ärztekammer sowie des ÖGKJ: Schnupfen und andere Symptome werden als unspezifisch beschrieben, symptomatische Kinder sollen nicht abgesondert werden, sondern weiterhin Bildungseinrichtungen besuchen.

[3] Franz Allerberger, Leiter der Humanmedizin (Public Health) der AGES…. Er und sein künftiger Nachfolger (ab 1. September 2021), Bernhard Benka, bekamen im Jänner 2020 die ersten Meldungen aus China zum Coronavirus. Allerberger verharmloste Corona als Grippe, sprach sich früh gegen Masken aus, wollte laut den Beraterprotokollen der Regierung Volksschulen und Kindergärten nicht schließen und vertritt in so ziemlich jedem Standpunkt zum wissenschaftlichen Kenntnisstand über das Virus das Gegenteil mit Hilfe klassischer PLURV-Desinformation.

Seit meinem Faktencheck Ende Oktober 2020 nach seinem berüchtigten Ö3-Interview mit Lifestyle-Journalistin Stöckl habe ich zwei halbwegs kritische Artikel im Standard über Allerberger und CO gelesen und der Versuch einer Konfrontation mit Falschaussagen im „ORF REPORT“. In Summe war das alles jedoch sehr mager, sehr diplomatisch formuliert und hat zu keinerlei Aufschrei geführt.

Geschäftsführer der AGES ist der deutschnationale Burschenschafter Thomas Kickinger (Oberösterreicher Germanen Wien), den Aufsichtsratsvorsitz hat Arthur Kroismayr, ebenfalls in dieser Burschenschaft, die vom DÖW als rechtsextrem eingestuft wird. Die AGES arbeitet seit Beginn der Pandemie „gegen“ die Bemühungen der Regierung, das Virus einzudämmen. Aus den Beraterprotokollen geht hervor, dass „Containment“ nie das Ziel war, sondern „Mitigation“ („flatten the curve“), also die Belastung des Gesundheitssystems vermieden werden sollte, nicht mehr und nicht weniger. Die Strategie der „Great Barrington“-Befürworter läuft aber auf ein völlig unkontrolliertes Durchlaufen der Pandemie wie in Brasilien hinaus – die rasch zu einem völligen Kollaps des Gesundheitssystems mit tausenden von Toten führen würde. Glück im Unglück ist, dass sich die AGES nicht in allen Standpunkten gegen die türkisgrüne Regierung durchsetzen konnte und kann, sodass zumindest viel mehr Symptomfreie getestet werden als es den Ideologen recht ist. Denn das Aufspüren prä- und asymptomatischer Infizierten ist der Schlüssel zur Eindämmung der Pandemie. Alle PLURV-Vertreter im obigen Bild und noch ein paar mehr lehnen Massentesten und insbesondere das Testen symptomfreier Mensche ab.

Als ich im Dezember 2020 den Vortrag von Allerberger an der Uni Salzburg vom Februar 2020 ausgrub, dachte ich, jetzt geht endlich etwas vorwärts. Jetzt können die Journalisten, aber auch Politiker nicht mehr leugnen, dass Allerberger nicht der Corona-Experte ist, wie er öffentlich dargestellt wird. Ich störte mich aber auch an der rassistischen und fremdenfeindlichen Wortwahl.

„Die serbischen Regalschlichterinnen, die im Sozialraum gemeinsam schlecht durchlüftet ganz hinten, kleiner Raum, das Mittagessen einnehmen, stecken sich natürlich untereinander an, weil sie sich unterhalten in der Muttersprache.“

„Wie ich meine Public-Health-Ausbildung bei John Hopkins [USA] gemacht hab, war ich ganz einmal frustriert, weil bei allen Beispielen nicht gerechnet wurde zwischen Äpfel und Birnen wie wir es in der Volksschule in Österreich lernen, sondern zwischen Schwarze und Weiße. Ich hab das nie ganz verstanden, denn die Schwarzen, die ich kenne, da hat praktisch jeder mal einen weißen Urgroßvater oder irgendwas Weißes drinnen.“

Wie kann jemand, der sich so abwertend gegenüber Ausländern und Flüchtlingen äußert, so eine hohe Position bekleiden? Da hätte man bereits im Umfeld der AGES recherchieren müssen. Der Standard-Journalist Thomas Mayer sah das Video, betitelte den sprachen Ausdruck mit NS-Konnotation aber als „seltsame Tirolerwitzchen“. Stattdessen wies er in mehreren Tweets mehrfach darauf hin, dass die Oppositon längst einen Untersuchungssschauss zur AGES und zum Gesundheitsministerium beantragen sollte. Passiert ist nichts.

Untersuchungsausschuss sollte u.a. dazu erfolgen (unvollständige Aufzahlung):

  • Desinformation über die AGES-FAQ, die zur Verharmlosung und unvorsichtigem Verhalten führt
  • Weigerung, Aerosole als Hauptübertragungsweg anzuerkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten, z.B. verpflichtende CO2-Monitore in Schulen, Arbeitsplätzen und im öffentlichen Raum (z.B. Amtsgebäude), bei Contact Tracing nicht berücksichtigt
  • Ablehnung von Masken und mangelnde Aufklärung, wie Masken korrekt getragen werden müssen, keine Masken in der Volksschule, keine Forderung nach FFP2-Maskenpflicht am Arbeitsplatz
  • Im Herbst strich Allerberger Schnupfen als Covid-Symptom (RKI: 25% aller Fälle), damit liefen viele Infektionen bei Kindern mit milden Symptomen unter dem Radar
  • Negierung der Rolle von Kinder/Jugendlichen, insbesondere in Kindergärten und Schulen trotz anderslautender Daten im AGES Policy Brief im Jänner, selektive Interpretation von Daten, mangelnde Aufklärungsquote im Sommer, Ignorieren von Studien im In- und Ausland
  • Nasenbohrtests im Jänner als hochsensitiv beworben, AGES-interne Studie ergab deutlich geringere Sensitivität, selbst Faßmann wusste davon nichts, kein Schnäuzen in der Anleitung, was Sensitivität erhöht hätte
  • Österreicher mit Migrationshintergrund spielen in der Risikokommunikation keine Rolle, außer als Sündenbock („Virus wieder hereingeschleppt im Sommer“), keine Daten zu sozioökonomischen Gründen, RKI macht dazu Studien, Allerberger/Schmid verwiesen auf NS-Vergangenheit und dass Datentransparenz schädlich sein könnte (sicher richtig, daher sollte das auch von Wissenschaft aufgearbeitet werden, nicht von Politikern instrumentalisiert)
  • Contact Tracing: lange zu unterbesetzt, Großraumbüro (Cluster Salzburg!), fixe Schwellenwerte, die wissenschaftlich nicht haltbar sind (2m/15min), zweifelhafte K1/K2-Regeln
  • Long COVID kommt bei AGES nicht vor, würde Durchseuchung zunichte machen. Argumentation läuft so: In Spitälern liegen Migranten, für authochtone Bevölkerung ist das Virus weitgehend harmlos.
  • Irreführende Darstellung der Intensivbetten, um unendliche Kapazität zu suggerieren (siehe Abbildung oben). Da Lockdown mit Zusammenbruch des Gesundheitssystems argumentiert wird, kann Lockdown ewig hinausgezögert werden. Immer genug Betten frei, befeuert Unmut der Bevölkerung gegen die Maßnahmen: „Krankheit harmlos, LongCovid existiert nicht, nur alte/vulnerable erkranken schwer und es gibt genug Betten.“
  • keine Aufklärung zu den Impfstoffen, wie sicher Immunität ist, richtiges Verhalten zwischen/nach den Teilimpfungen, Aufklärung zu AstraZeneca, Behauptung 30% wären schon immunisiert, dabei übertrug er die Ergebnisse der Antikörperstudie von Ischgl auf ganz Österreich

Allerberger trat zuletzt weniger in der Öffentlichkeit auf, ist aber bis Ende August noch Leiter der Public Health Sektion. Er sitzt mit Apfalter gemeinsam im Advisory Forum des ECDC und ist stv. Sprecher der Corona-Kommission für Daniela Schmid. Allerberger hat bis zuletzt Gesundheitsminister Anschober regelmäßig persönlich getestet.

Sein letzter Auftritt war im Gesundheitsausschuss des Parlaments am 22. Februar 2021, nominiert wurde er von der FPÖ.

[4] Martin Sprenger, Public-Health Experte….fiel zu Beginn der Pandemie schon mit Sympathie für den schwedischen Weg auf. Hielt es für einen Fehler, die Bundesgärten zu schließen (d’accord). Er betonte später die Kollateralschäden durch das Herunterfahren in der ersten Welle. Auch das korrekt – es wurde zu wenig darauf geachtet, Normalpatienten nicht auszuschließen. Das Präventionsparadoxon verhinderte eine Überlastung der Spitäler. Im Laufe des Sommers jedoch zunehmende Verharmlosung. Sprenger wird regelmäßiger Gast bei Servus.TV, zitiert wiederholt Pseudo-Experten, die PLURV verbreiten.

„Ab Oktober werde die Anzahl der Personen mit viralen Infekten zunehmen, im Jänner/Februar einen Höhepunkt erreichen und im März/April wieder abnehmen – „so wie in jeder Saison“. Ein Teil davon werde heuer das Coronavirus ausmachen. …aber eines ist sicher, zu einer Überforderung der Krankenversorgung wird es mit hundertprozentiger Sicherheit nicht kommen.“ (ORF, https://orf.at/stories/3178426/, Ö1-Journal – 22. August 2020)

Am 04. Jänner verlinkt Sprenger auf seiner Facebook-Seite einen Artikel mit Mikrobiologin Lass-Flörl in der Tiroler Tageszeitung. Dieser wird wenig später offline genommen. Sie hatte dort behauptet:

„Jüngste Publikationen zeigen, dass der asymptomatische Träger keine Infektionen weitergibt.“

Das ist natürlich Unsinn. Studien zeigen eine Weitergabe zwischen 17 und 30%, dazu kommen weitere 35% präsymptomatische Übertragungen. Lass-Flörl gehörte bereits im Mai 2020 zu den Gegnern der Maskenpflicht.

Im September 2020 gab es ein gemeinsames Webinar beim Primärversorgungskongress in Graz mit Sprenger und Allerberger. Dabei fielen von Allerberger weitere fremdenfeindliche und rassistische Aussagen.

Beim Gesundheitsausschuss vom 22. Februar 2021 wurde Sprenger von den NEOS nominiert.

[5] Günter Weiss, Infektiologe ….Interessenskonflikt, berät das Land Tirol (Platter). Anfang April hielt er die strenge Quarantäne vom Arlberg noch richtig, auch wenn er noch am 24. Jänner sagte, dass Covid19 von der Todesrate vergleichbar mit Influenza wäre, aber deutlich weniger ansteckend (Tiroler Tageszeitung). Bei einem Fernsehbericht, wo er mit den ersten Patienten gezeigt wurde, trug er laut einer Zuseherin keine Maske (leider nachträglich nicht mehr auffindbarer Bericht). Anfang Mai sprach sich Weiss gemeinsam mit Lass-Flörl für eine weitgehende Abschaffung der Maskenpflicht aus, mit Ausnahme des Gesundheitswesens. Die Maskenpflicht wurde Mitte Juni dann weitgehend aufgehoben.

Ende September plädierte Weiss in einer APA-Aussendung dafür, mehr Normalität zu wagen und von überschießenden Ängsten wegzukommen. Da befanden wir uns schon mitten im aufsteigenden Ast der zweiten Welle, die durch die Schulöffnungen ohne ausreichend Maßnahmen Anfang September befeuert wurde. In einer Stellungnahme der ÖGIT behaupteten Weiss und Thalhammer am 04. Oktober, dass die Übertragung durch Tröpfcheninfektion stattfindet und behaupteten, dass Stichproben bei gesunden Personen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für falschpositive Testergebnisse hätten. Damals gab es nur PCR-Tests, die eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit für falschpositive Ergebnisse aufweisen. Gesund bezog sich auf symptomfrei – in der Ideologie der Great-Barrington-Befürworter ist man nur krank mit Symptomen – allerdings ignoriert das sowohl präsymptomatische Fälle als auch LongCovid.

Mitte November vollzog Weiss eine geistige Kehrtwende, nachdem die Intensivstationen überlastet wurden und forderte eine rasche Reduktion der Zahlen. Gleichzeitig sprach er sich in der zib2 dezidiert gegen Schulschließungen aus, „weil sich gezeigt hat, dass die Schulen eigentlich nichts zum Infektionsgeschehen beitragen.“ Ende November sah er in einer Pressekonferenz mit Anschober das System bis an die Grenzen belastet, und

„es wird dringend Entlastung gebraucht vor der Influenzawelle.“

Die Influenzawelle kam aber nie. Nachdem die zweite Welle trotz verfrühten Lockerungen Anfang Dezember Ende Jänner langsam abebbte, fing er wieder an zu verharmlosen und gab zahlreiche Interviews. In der „Kleinen Zeitung“ hielt er am 29. Jänner 2021 die ZeroCovid-Strategie für „realitätsfernes Wunschdenken von Theoretikern“.

Am 4. Februar 2021 wurde Weiss erneut in die zib2 eingeladen, wo er sich gegen eine Verlängerung des Lockdowns aussprach. Die vorgestellten Lockerungen der Bundesregierung ab 8. Februar hielt er für sehr gut und sehr vernünftig.

„Eine Isolation von Tirol bringt so oder so nichts, weil die Mutanten werden sich so oder so ausbreiten“

Heute wissen wir, dass die sich ausbreitende Südafrikavariante B.1.351 sowie die optimierte B.1.17-Variante mit der zusätzlichen E4848K-Mutation imstande sind, für gehäufte Infektionen auch bei geimpften Personen zu sagen. Diese können andere auch infizieren, was insbesondere in Settings eine Gefahr darstellt, wo Risikopatienten anzutreffend sind, etwa in Altenheimen oder im Spital, wenn weder Pflegepersonal noch Insassen vollständig durchgeimpft wurden.

In einem Interview mit dem Außerferner Regionalfernsehen sprach sich Weiss am 10. Februar erneut gegen Lockdown oder Totalquarantäne aus, um die Ausbreitung der Mutanten zu verhindern. Ebenso sprach er von einer Rückkehr zu einer gewissen Normalität, wenn Risikogruppen geimpft wären. Das stand im Widerspruch zu seinen Aussagen über LongCovid und schweren Verläufen auch bei gesunden Menschen.

„Es ist keine harmlose Erkrankung, sondern eine Erkrankung, die es durchaus in sich hat.“

Dieses Interview mag von der Reichweite unbedeutend sein, sie unterstreicht aber den Vorsatz in seinen öffentlichen Aussagen. Er weiß sehr wohl, wie gefährlich die Krankheit ist, fordert aber trotzdem keine Eindämmung, sondern Lockerungen in die dritte Welle hinein.

Weiss bleibt trotz seiner – für echte Experten – umstrittenen Aussagen gefragter Interview-Partner. Im Kurier-Interview am 21. Februar hofft er, dass „mit ein bisschen mehr Normalität diejenigen, die man verloren hat, weil sie das nicht mehr mitmachen können oder wollen, wieder ins Boot holt und gewisse Regeln wieder eingehalten werden.“

Am 24. Februar, schon wieder im Kurier, sprach er sich für rasches Testen symptomatischer Fälle aus. Am 15. April plädierte Weiss in einer APA-Aussendung erneut für Lockerungen vor allem im Westen, aber auch „vereinzelt“ in Wien oder Niederösterreich, „um aus dieser Abwärtsspirale, die Lockdowns und Pandemie bei den Menschen hervorrufen, herauszukommen.

Weitere Auffälligkeiten in seiner Kommunikation und Nähe zu Platters Wunschvorstellungen sind hier dokumentiert.

Kommentar

Das sind jetzt nur fünf der Pseudo-Experten, die ich hier vorgestellt habe. Ich habe über noch viel mehr berichtet. Österreichs Journalisten betiteln sie weiterhin demütig als renommierte Experten. Das ist sowas wie ein Adelstitel. Götter in weiß, die man nicht zu kritisieren hat als einfaches Fußvolk.

Wie kann so etwas sein? Warum haben sie Narrenfreiheit und dürfen den größten Blödsinn verzapfen und beim nächsten Interview ist alles wieder vergessen? Zum Thema Journalismus werd ich bald noch einen weiteren Artikel verfassen, aber so viel sei gesagt – der Wissenschaftsjournalismus in Österreich hat ein erbärmliches Niveau. Er wird untergebracht ins bisherige Korsett an Themen und TV-Programm. Was wir bräuchten, wenn die Spitäler kollabieren und LongCovid immer mehr in den Vordergrund rückt, wären Sondersendungen rund um die Uhr, erweiterte Nachrichtensendungen. Expertenrunden im Fernsehen, nicht nur Politiker. Und wirklich gut vorbereitete Journalisten, wenn sie (Pseudo-) Experten einladen. Die deren Aussagen sofort gegenchecken können.

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