Tag 467: Leerdenker an der Spitze der AGES

Eigentlich keine besonders neue Schlagzeile, denn ich hab in der Vergangenheit regelmäßig darüber gebloggt und getwittert. Es wollte nur kein Medium aufgreifen. Jetzt ist ein Interview mit Allerberger auf einer Leerdenkerplattform erschienen, geführt von einem Leerdenker. Schlagartig wird deutlich, dass meine monatelangen Recherchen mit Vermutungen über mögliche Verbindungen der AGES in die rechte Covidleugner-Szene ihre Berechtigung hatten. Die Enthüllungen würden für einen handfesten Skandal ausreichen. In einem Land, wo eine rechtsextreme Partei seit Jahrzehnten in allen Landesparlamenten, im Nationalrat, in der Regierung und in zahlreichen Aufsichtsrat- und Geschäftsführerpositionen sitzt, lockt das leider niemanden mehr hinterm Ofen vor.

Meine Vor-Recherchen zu dem Thema:

Ich hab seit meinem ersten Faktencheck im Herbst gehofft, dass das bezahlte Journalisten eines reichweitenstarken Mediums aufgreifen. Mir sind seitdem auf Twitter zahlreiche Journalisten gefolgt. Das mag für Bauchpinselei ausreichen, davon kaufen konnte ich mir aber nichts. Ich hatte auch gehofft, dass Organisationen wie FIPU, DÖW oder “Stoppt die Rechten” sich für die teils offen fremdenfeindlichen Aussagen, aber auch die ideologischen Hintergründe interessieren. Bis heute ist nichts passiert. Auf Twitter tummeln sich nur rund 4% von Österreichs Bevölkerung. Retweets haben Null Bedeutung für Realpolitik und Medienreichweite.

Ich hab im Laufe der letzten Monate so viel recherchiert, dass es immer mühsamer wird, das noch auf verträglicher Länge zu verbloggen. Daher versuch ich das jetzt ein wenig zu kondensieren, dass man die wichtigsten Fakten und Aussagen gebündelt hat.

Wichtige Personen und Organisationen

WHO

  • Es hat bis 30. April 2021 gedauert, bis die WHO offiziell Aerosol-Übertragung als Hauptübertragungsweg anerkannt hat. Bis dahin haben sie versucht Superspreading-Events mit Schmierinfektion zu erklären, siehe die Erläuterungen bei Fakt 3 in meinem Faktencheck am Tag 400.
  • Johan Giesecke, Vorgänger des schwedischen Chefepidemiologen Anders Tegnell, ist in der  Strategic and Technical Advisory Group for Infectious Hazards. Am 28. Mai 2020 behauptete er, dass eine unkontrollierte Durchseuchung zur Herdenimmunität in Schweden führen würde, falls es eine zweite Welle gäbe.
  • Carl Heneghan, Professor für evidenzbasierte Medizin an der Oxford-Universität, mit Verbindungen zu den Great-Barrington-Declaration-Gründern, wurde von der WHO dafür bezahlt, eine wissenschaftliche Publikation zu schreiben, die Aerosol-Übertragung widerlegen sollte. Das Paper fiel durch den Peer-Review.

ECDC

  • Vorsitzender des Audit Committee ist Johan Carlson, Vorgesetzter von Tegnell in Schweden – Carlson und Tegnell wurden von Johan Giesecke geholt (Quellen: 12 und 3)
  • Für Schweden ist Anders Tegnell Vertreter
  • Für Österreich Petra Apfalter und Franz Allerberger: Apfalter (“Frau Labortsunami”) ist Leiterin des Instituts für Mikrobiologie, Hygiene und Tropenmedizin in Linz; sie ist in der Expertengruppe „Arznei und Vernunft“, Projekt des Dachverbands der Österreichischen Sozialversicherung, Pharmaunternehmen, Österreichische Ärztekammer und Apothekerkammer; sie leitet das Diagnostiklabor Analyse BioLab, das u.a. auch Gurgeltests für gewöhnliche Coronaviren anbietet

AGES

  • Aufsichtsratvorsitzender der AGES ist FPÖ-Vizebürgermeister Kroismayr und Mitglied der Burschenschaft „Oberösterreicher Germanen Wien“, die dem Wiener Korporationsring (WKR) angehört
  • Geschäftsführer Kickinger wurde unter Gesundheitsministerin Beate-Hartinger Klein (FPÖ) ins Management bestellt, er ist ebenfalls Mitglied der Burschenschaft „Oberösterreicher Germanen Wien“
  • Franz Allerberger ist seit 2003 Leiter des Sektionsfeld für Öffentliche Gesundheit innerhalb der AGES, damalige Gesundheitsministerin war Maria Rauch-Kallat (ÖVP), der Staatssekretär fürs Gesundheitsministerium war Reinhard Waneck (FPÖ), 2006-2014 war er Mitglied der Kommission Infektionsepidemiologie des Robert-Koch-Instituts, seit 2014 Vorsitzender im Wissenschaftlichen Beirat für Public Health/Mikrobiologie, nach eigenen Aussagen bei einem Vortrag am 12. Februar 2020 auf der Uni Salzburg, ist er “ganz sicher kein Experte für das Coronavirus”, wurde aber “aus irgendeinem Grund von der WHO als Experte gelistet”

London School of Hygiene and Tropical Medicine

  • Chris Whitty, Berater von Boris Johnson und Herdenimmunitäts-Verfechter, beendete 1996 sein Studium und war bis 2008 Professor mit Vorlesungen über Pandemiebekämpfung, erst das Imperial College zeigte auf, dass Whittys Herdenimmunitätsansatz zu hunderttausend Toten geführt hätte, danach machte UK eine rasche Kehrtwende und ging in den Lockdown
  • Johan Giesecke war bis 1995 Senior Lecturer in London
  • Reinhild Strauss (Abteilungsleiterin für Public Health im Gesundheitsministerium, Krankenhaushygiene) machte ihr Diplom von 1995-1996 und war 1998-2000 am Schwedischen Institut für Infektionskrankheitenkontrolle
  • Pamela Rendi-Wagner, machte ihren Public Health-Abschluss 1996/1997
  • Anders Tegnell machte seinen Master 2000-2004
  • Daniela Schmid, Chefepidemiologin der AGES und Sprecherin der Corona-Kommission, absolvierte ihre Ausbildung 2001 bis 2003
  • Petra Apfalter machte 2001 ihr Diplom, 2017 wurde sie unter der damaligen Gesundheitsministerin Rendi-Wagner Vizepräsidentin im Obersten Sanitätsrat, Präsident wurde Sylvia Schwarz (Energetiker-Auftrag für KH Nord)

Die London School selbst ist nicht im Zielpunkt meiner Kritik, sondern die Berührungspunkte aller Beteiligten, die in der Pandemie als Great-Barrington-Sympathisanten aufgefallen sind. Rendi-Wagner stritt die Übertragbarkeit bei Kindern und in Schulen mehrfach ab und war damit auf Linie mit Tegnell, Schmid, Apfalter und Allerberger. Sie hat wiederholt in der Öffentlichkeit (Presseaufnahmen) ihre Maske gar nicht, falsch (unter der Nase) oder mit Ventil getragen. Bis zuletzt war Long COVID kein Thema, es ging immer nur darum, die Überlastung der Intensivstationen zu verhindern.

Allerberger hat bereits im Sommer 2020 Tegnell für einen Vortrag bei der AGES (“Lesson Learned”) eingeladen und den schwedischen Weg gelobt.

“Schwedischer Weg”

  • Tegnell am 14. März 2020: “a point would speak for keeping the schools open to reach herd immunity faster”, am 22. April 2020 gab es einen Erfahrungsaustausch (Webinar) mit Brasilien – die Folgen in Brasilien sind bekannt (de fakto ein Genozid durch P.1)
  • Giesecke am 24.04.2020 auf der Salzburger Rechercheplattform “Addendum”: “Lockdown verschiebt Tote in die Zukunft
  • Giesecke in einem Kommentar am 05. Mai 2020: “and our most important task is not to stop spread, which is all but futile, but to concentrate on giving the unfortunate victims optimal care.” – in schwedischen Pflegeheimen ließ man COVID-Patienten alleine sterben, um Personal nicht anzustecken (Quelle)
  • GBD-Unterzeichner Ludvigsson behauptete in einem Paper im Mai 2020, auf das sich viele GBD-Sympathisanten beriefen, dass es keine großen Cluster in schwedischen Schulen gegeben habe (persönliche Kommunikation mit Tegnell), tatsächlich gab es aber mehrere
  • Der Gründer der Great-Barrington-Declaration (GBD), Martin Kulldorff, sendet Tegnell (in CC Giesecke) eine E-Mail, wo er ihm dafür dankt, das schwedische Herdenimmunitätsmodell in der ganzen Welt “verkauft” zu haben.
  • Tegnell am 12.01.21: “Long COVID ist kein Problem von Public Health, sondern der Gesundheitsversorgung” – Kanzler Kurz und Labormediziner Oswald Wagner, wiederholt bei Pressekonferenzen auftretend, benutzten eine ähnliche Formulierung: “COVID wird zum medizinischen Problem, wenn ältere/vulnerable Personen geimpft wurden”
  • Epidemiologe und Statistiker John Ionnanidis (Allerberger: “ein Grieche, aber er hat sein Handwerk gelernt”) kritisierte die Lockdowns in der ersten Welle als wissenschaftlich unbegründet (17.03.20), erzeugte eine schlecht gemachte Studie mit unrealistisch niedriger Infection-Fatality-Rate (IFR) von 0,27%, “Twitter Peer Review” einer neuen Studie von Ioannidis, dass Lockdowns nicht wirken würden (13.01.21) und ein kruder Kommentar über Verwendung von Rasse in der Medizin (25.01.21)

Typische Narrative von Great-Barrington-Befürwortern

  • „Flatten the curve”: Überlastung der Intensivstationen verhindern: Lockdown erst kurz vor Kollaps des Gesundheitssystems
  • „Wir müssen mit dem Virus leben“ (vor der Impfung)
  • „Alte/Vorerkrankte (alias Risikogruppen) schützen”
  • „Eigenverantwortung“
  • “Herdenimmunität durch natürliche Infektion”
  • Immunität durch Infektion wäre höher als durch die Impfung
  • Grenzen schließen wäre sinnlos
  • Lockdowns würden Tote in die Zukunft verschieben
  • Containment-Strategien wären nur durch “totalitäre Maßnahmen“ erzielbar
  • „Wirksamkeit von Masken und Schulschließungen wäre nicht belegt“
  • “einschließen”, “wegsperren”, “komplett isolieren”, “Leben verbieten”, “1 Jahr lang Lockdown”

Faktenchecks in Arbeit (bzw. vonnöten, ich bin keine Maschine)

“Highlights”:

„Es gibt nichts, was es nicht gibt, aber mengenmäßig ist es ein Problem der alten Menschen und aus dem Grund hat’s uns nur beschränkt betroffen.“

„Aber ändert nichts daran, aber eine Pandemie, wenn die Leute diese Seuche fürchten, hat eine gesellschaftspolitische Dimension, und wir sollten eigentlich stolz sein, dass unser Gesundheitssystem das aus meiner Sicht gut geschaukelt hat, gut bewältigt hat. Meine Latte an der Politik: Die haben im Prinzip nichts wirklich falsch gemacht.“

Wir sollten uns darauf vorbereiten, aber ich glaube Österreich war nicht so schlecht vorbereitet, also unterm Strich eher Erfolgsgeschichte.“

Ausländer werden nur an zwei Stellen erwähnt, wie immer bei Allerberger negativ behaftet als Sündenböcke für die Einschleppung gefährlicher Virusvarianten:

„...und Sie sehen, das dauert eine gute Woche, 14 Tage, dann tritt nach der ersten Impfung schon der Schutz ein, und der Bezirk Schwaz hat mit Abstand die niedrigste Rate, und die paar Fälle, die wir dort sehen, sind durch die Bank in Rumänien, Bulgarien, Serbien und dergleichen, weil dort natürlich auch nach wie vor Reisetätigkeit ist, weil viele in Schwaz, im Bezirk Schwaz auch Verwandte in Osteuropa haben, von dort eingeschleppt.“

Indien hat 1,4 Milliarden Einwohner. Ob wir jetzt eine Flugverbindung nach Schwechat haben, ja oder nein, das ist irrelevant. Selbstverständlich haben unsere Kollegen, die Sikh-Kommune, die derzeit in der Steiermark, ist von einem Ausbruch betroffen, natürlich schwappt das über.“

Das Transkript ist authentisch, das Satzbaumassaker ist real. Nicht alle Wörter habe ich verstanden, weil er stark genuschelt hat und sich auch mehrfach verhaspelte.

Die grundsätzliche Ausrichtung der AGES war klar: “Flatten the curve”, Great Barrington

Wenn eine Mutation tüchtiger ist, eine Variante bildet, die tüchtiger ist, ist es einfach die logische Selektion, das kann niemand aufhalten. Wir wollen natürlich mit „flatten the curve“ schauen, dass diese erhöhte Infektionsrate, die ist einfach infektiöser, aber sie vertreibt die anderen, und wir wollen eben, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet ist. Mehr ist gar nicht unser Ziel, wir glauben nicht, dass wir die Krankheiten per se verhindern kann, Tschuldigung, die Infektion per se verhindern kann.”

Robert Cibis, der hier auch die Fragen stellt, hat OVALmedia gegründet, das ein Sprachrohr für Leerdenker und Impfgegner ist. Er hat auch gemeinsam mit Impfgegner Bert Ehgartner den Film “Corona.Film” gedreht, der auf OVALmedia uraufgeführt wurde. Mitwirkende waren unter anderem Wolfgang Wodarg, Raphael Bonelli, Sucharit Bhakdi, John Ioannidis und Franz Allerberger.

Die FPÖ berief sich am 21. Juni 2021 in einer Presseaussendung auf das Interview mit Allerberger.

Ein paar Zitate aus dem Interview:

“Ohne PCR-Tests wäre Pandemie niemandem aufgefallen”

“Es hat viele Experten gegeben in Österreich, die der Ansicht waren, es wird Aerosol getrieben, also durch Aerosole übertragen. Aerosole wird’s ja auch übertragen, wenn wir reden, ein Meter Abstand, Viertelstunde, ideale Situation, um das Virus zu übertragen. Aber Aerosole in dem Sinn, dass jemand in der Kirche singt und 2000 Leute stecken sich an, weil sie am nächsten Tag immer noch die Viren in der Kirche haben, diese Sorge haben wir eigentlich nicht gehabt, weil wir einfach auch im Rahmen der Abklärung der Fälle gesehen haben, dass die Vorgaben der Chinesen, dass es wirklich 15min braucht, die müssen reden, die müssen engen Abstand haben, vor allem Innenräume, dass aus dieser unterschiedlichen Erfahrung natürlich andere Einschätzungen resultieren, kann ich gut verstehen. Es ist ein Unterschied, ob Sie jetzt ein Gewerkschaftler sind und Sie jetzt Sorge haben, dass die Gärtner im Volksgarten in Wien sich anstecken, wenn zu viele Leute hinkommen, und dann wird der Volksgarten gesperrt. Also aus fachlicher Sicht nicht nachvollziehbar, aber vom Betreiber her.”

Ein Paradebeispiel für Mixed Messaging, was sich durch das ganze Interview zieht. Allerberger vermengt zutreffende Fakten (Ansteckungsgefahr im Freien gering) mit Faktenleugnung (bei einer Chorprobe in Mount Vernon, Washington, steckten sich 52 Menschen an, zwei starben). Aerosole bei Long-Range-Transmission werden unabhängig vom Abstand übertragen, auch deutlich kürzere Expositionsdauern (< 10 Minuten) wurden beobachtet, bei Delta reichen 3-4 Minuten, Quelle: Aerosolforscher Bodenschatz, Max-Planck-Institut, 20.06.21)

Das ist ein Auszug dessen, was ich bis Minute 49 nachgehört habe. Man braucht einen starken Magen, auch für die extrem tendenziösen Interviewfragen von Cibis. Es würde an sich reichen, die Mimik von Cibis und Allerberger zu verfolgen, der eine wirkt geistig abwesend ins Leere schauend, der andere blinzelt kaum mit starrem Blick und aufgerissenen Augen.

Zwischenfazit

Zwischenfazit deshalb, weil man nahezu jede einzelne Aussage kritisch einordnen sollte, und das sehr aufwändig ist. Schwurbler haben den Vorteil, dass sie sich nicht vorbereiten müssen. Sie schwurbeln einfach drauf los. Die Widerlegung mit Literatur und Statistik dauert seine Zeit.

Manche sagen jetzt, Allerberger wäre einfach ein alter Mann, der nicht zugeben will, dass er sich am Anfang geirrt habe. Manche sagen auch, Allerberger wäre früh abgemeldet gewesen in der Regierung und hätte nicht so die große Rolle gespielt. Zahlreiche Auftritte bei Pressekonferenzen zeigen aber, dass er wesentliche Maßnahmen mitbeeinflusst hat, ob die Abschaffung von Schnupfen als Covid-Symptom im Herbst (was vielfach Kinder mit leichten Symptomen betraf, die Schulen konnten dadurch länger offen bleiben ohne Quarantäne) oder die Anschaffung minderwertiger Nasenbohr-Antigentests für Volksschüler im Jänner, wo er in der Pressekonferenz und in Interviews eine höhere Sensitivität vorgab als sie in einer internen Studie nachgewiesen werden konnte. Er war und ist die Schnittstelle zum RKI, zum ECDC und behält den Überblick über die Variantensequenzierungen. Er ist mitverantwortlich für den Webauftritt der AGES und selbst in mehreren Videoausschnitten zu hören, wo er großteils PLURV verzapft.

Gerade durch seine große Vernetzung kann es nicht an Unwissenheit liegen, wie er auftritt. In einem zib2-Interview im August 2020 bei Armin Wolf traf er seine mutmaßlich einzige wahrgeheitsgemäße Aussage ohne rhetorische Stilmittel, indem er auf Long COVID verwies, vor allem auf organische Spätschäden, die Jahre anhalten könnten. Er wusste also sehr wohl Bescheid, was Long COVID anrichten konnte.

Diese Vorgehensweise an dieser Schlüsselposition bei der gesundheitlichen Bewältigung der Pandemie ist brandgefährlich: Es geht nicht nur um falsche Entscheidungen mit Todesfolge (z.B. verzögerte Lockdownmaßnahmen, Visiere als Ersatz für Masken, offene Schulen ohne Schutzmaßnahmen und Tests für Kinder), sondern auch um das Schüren von Misstrauen gegen die Entscheidungen der Regierung. Er behauptet mehrfach, die Maßnahmen wären politisch und gesellschaftlich nötig gewesen, aber nicht wissenschaftlich fundiert. Damit erzeugt er einen Widerspruch zwischen den ohnehin schon sehr löchrig vollzogenen Maßnahmen (man denke an Skitourismus im Lockdown) und der von ihm suggerierten mangelnden Notwendigkeit, weil das Virus ja gar nicht so schlimm gewesen wäre.

„The blame lies far less with individual scientists who were wrong than with an administration that sought out fringe viewpoints that echoed its own wishes, and elevated these above the overwhelming consensus of the public health community.” (Carl T. Bergstrom)

Die Minderheit an Coronaleugnern wird dank kräftiger medialer Unterstützung über false balancing als ebenbürtig oder gar überlegen zur Mehrheitsmeinung von seriösen Experten aufgebläht. Daher hatte NoCovid nie eine Chance in Österreich, im Gegensatz zu Deutschlands NiedrigInzidenz-Strategie (für eine gewisse Zeit) gab es in Österreich nicht einmal eine öffentliche Debatte darüber. Es wurde vermieden, NoCovid-Vertreter zu Interviews einzuladen oder sonst eine Möglichkeit zu geben, ihre Sichtweise zu äußern. Artikel über NoCovid in “Heute” oder “Krone” wurden einseitig negativ dargestellt mit typischen Great-Barrington-Formulierungen “wegsperren”, “extrem harter Lockdown”, ohne das Ziel dieser Strategie zu verdeutlichen:

Weniger Fälle, weniger Kranke, weniger Tote, weniger Langzeitkranke, weniger Virusmutationen, schnellere Öffnungen, anhaltende Öffnungen, weniger betroffene psychische Gesundheit, vor allem der Kinder, bessere wirtschaftliche Resultate.

Wir reden ständig darüber, wie demokratieschädlich das Verhalten von ÖVP (Regierung) und FPÖ (Opposition) für Österreich ist und haben dabei übersehen, dass ausgerechnet die AGES, die dem grünen Gesundheitsminister unterstellt ist, ebenfalls demokratieschädliches Verhalten an den Tag legt, in dem selbst die wenigen guten Maßnahmen der Regierung als “politisch notwendig, aber wissenschaftlich unbegründet” diffamiert werden. Die AGES sabotiert die Pandemiebewältigung von innen heraus, während die Regierung aktiv zur Verbreitung von COVID beiträgt.

Wie gut würden hier heute dastehen, wenn wir die Lektionen aus der ersten Welle angewendet hätten:

  • Testen, Nachverfolgen, Isolieren, Quarantäne ausbauen.
  • Lolli- und Gurgel-PCR flächendeckend gratis
  • Testen aller Altersgruppen, einschließlich in Kindergärten und Volksschulen
  • Ausweitung von Abwassermonitoring und Coronaspürhunden (Vorbild Finnland)
  • CO2-Messungen in öffentlichen Räumen und Klassenzimmern, Luftreiniger und HEPA-Filter
  • Beibehaltung der Masken statt Visiere und rascher Umstieg auf FFP2-Masken, sobald der Mangel beseitigt war.
  • Verpflichtendes Homeoffice
  • keine Ausnahmen für britische Skilehrer im Winterhalbjahr
  • Ermutigung zu Outdooraktivitäten ohne Kriminalisierung von Jugendlichen, die sich in Parks treffen
  • Fokus auf Outdoor-Gastronomie und Förderung von Betrieben, die Schutzmaßnahmen übererfüllen
  • Antigentests nur bei Symptomen, um Positive herauszufischen, nicht um symptomlos negativ Getestete Zutritt zu irgendwas zu gewähren und falsche Sicherheit vorzugaukeln

Alleine diese Umsetzung an Maßnahmen – ohne Lockdown – hätte – das ist meine feste Überzeugung nach eineinhalb Jahren Pandemie – schon zu einer wesentlich flacheren Welle im Herbst beigetragen und die rasche Ausbreitung von Alpha (B.1.1.7) verhindert oder stark verzögert. Jedes am Ende vor Tod oder Langzeitfolgen gerettete Menschenleben bis zur Impfstoffgabe zählt.

Either you set this goal [elimination] and you don’t achieve it, but in the process, you certainly are reducing the number of lives lost. The alternative is to set a lesser goal and then still misfire.”
(Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland)

Diese Sichtweise erwarte ich mir von Verantwortlichen für Öffentliche Gesundheit, nichts anderes.

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