Tag 584: Wie man mit Impfskeptikern im Freundes- und Familienkreis umgeht

Goldener Oktober

Übersetzung nach Renee Liang, Kinderärztin in Neuseeland (rot Ergänzungen von mir)

Man braucht kein extra Wissen über COVID, man muss kein Arzt oder Wissenschaftler sein. Es reicht aus, eine Person zu sein, die den Gesprächspartner kennt und sich um ihn kümmert. Es läuft im wesentlich auf Zugang suchen, Mitgefühl und Engagement hinaus – und das Wort „Schutz“ gehört zu den Dingen, die man braucht.

Diese Gespräche können jedoch kraftraubend sein, also sollte man sich nur engagieren, wenn man die Energie dafür hat – und wenn man sich genug für die Person interessiert, um sich auf sie einzulassen. Es ist in Ordnung, manchmal nicht die Energie dafür zu haben.

Hier sind die Schritte: Es sind nur wenige und sie sind recht einfach:

Stelle fest, ob die Person a) Lust hat, b) impfskeptisch oder c) völlig gegen Impfung ist.

Wenn sie die Impfung grundsätzlich wollen, dann schau, ob Du ihnen dabei helfen kannst, die Impfung zu bekommen, das heißt Fahrgelegenheit, Unterstützung während der Impfung, etc.

Wenn sie zögerlich sind (das ist die Mehrheit der Ungeimpften), nutze Deine Verbindung zu ihnen, um zu sehen, ob sie über ihre Gründe sprechen wollen. Vielleicht haben sie Angst, weil sie etwas gehört haben, vielleicht haben sie ein gesundheitliches Problem (z.B. Allergien) und befürchten, dass es dadurch noch schlimmer wird. Vielleicht sind sie in einer Facebook- oder Whatsapp-Gruppe, wo jemand Furcht und Desinformation schürt. Doch Du bist ihr Freund/Angehörige/r, und indem Du offene, nicht wertende Fragen stellst, mitfühlend bist und sie zum Reden bringst, kann Du ihnen dabei helfen, die Sache klarer zu sehen.

Wenn sie entschieden dagegen sind, baue keinen zusätzlichen Druck auf. Verbinde Dich über die anderen Dinge, die ihr beide liebt. Lass sie wissen, dass Du anderer Meinung bist, aber dass es nicht die anderen Gründe betrifft, weswegen Du sie liebst. Halte die Freundschaft offen für das nächste Mal, wo ihr redet.

Bei den Impfskeptikern kann man durch Interesse, Mitgefühl und Engagement zeigen Freunde noch von der Impfung überzeugen. Ein Gespräch alleine könnte dazu nicht ausreichen, aber es ist möglich. Hier kommt das magische Wort ‚Schutz‘ hinein: Jemand, der viel Zeit damit verbracht hat, sich in Ängsten und Fehlinformationen zu baden, kann in seinen Ansichten sehr festgefahren sein. Wenn man ihre Ansichten anzweifelt, führt dies zur kognitiven Dissonanz (die ihr Selbstgefühl bedroht), was ihren Widerstand wahrscheinlich intensiviert. Stelle also Desinformation und Ängste nicht direkt in Zweifel. Konzentrier Dich darauf, warum sie die Impfung wählen könnten: Schutz. Schutz für sie selbst, für ihre Kinder und Ältere. Schutz für die Gemeinschaft. Schutz für das Land und den Lebensweg, und für alles, was das Leben lebenswert macht.

Wenn Du jedoch spürst, dass sie die Desinformation noch nicht akzeptiert haben und lediglich nach mehr Wissen suchen, kannst Du ihnen helfen, auf genaue Informationen zuzugreifen – z.B. auf diese gut gemachte Covid19-Seite aus Neuseeland, die anders als in vielen europäischen Ländern auch das passende Motto dazu schreibt: „Unite against Covid19“ (Vereint gegen Covid19).

Weitere Beispiele:

Manche Impfskeptiker sind auch unschlüssig, weil ihre Nutzen-Risiken-Abschätzung auf falschen Ausgangsdaten beruht. Darum sollte man weiterhin intensiv über schwere unmittelbare Folgen der Covid19-Erkrankung (Atemnot, Sauerstoffmangel, irreparable Lungen-, Herz- und Gehirnschäden, Thrombosen) sowie Long COVID aufklären, deren Folgen jene der Impfung bei weitem, in Häufigkeit und Schwere überwiegen (mehr Infos hier im Blog).

Wenn sie durch ihre medizinische Vorgeschichte oder Reaktion auf frühere Impfungen beunruhigt sind, sollte man sie dazu ermutigen, das Gespräch mit ihrem Hausarzt zu suchen. Prüfe, ob Zugangsbarrieren zu überwinden sind. Nur sehr wenige Reaktionen bzw. Grunderkrankungen schließen eine Impfung aus, doch manche sollten die Impfung beim Hausarzt oder im Krankenhaus erhalten.

Sobald man Informationen oder Unterstützung bereitgestellt hat, sollte man nachhaken, wie sie sich jetzt fühlen. Brauchen sie noch mehr Hilfe? Wie denken sie jetzt darüber, sich und andere zu schützen? Es ist erstaunlich, aber oft reicht es, mit jemandem darüber reden zu können, um den Teufelskreislauf aus Angst und Fehlinformation zu brechen.

Du kannst den Unterschied machen!

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