Tag 742: Faktencheck Gesundheitsminister Rauch im Ö1-Morgenjournal, 24.03.22

(Tiefes Seufzen)

Gesundheitsminister Anschober fiel in der ersten und zweiten Welle durch seinen berühmten Stehsatz „Die nächsten zwei Wochen werden entscheidend sein.“ auf. Er wurde in der Ära Allerberger und Schmid (beide AGES) falsch beraten und war dem stetigen Druck der ÖVP, aber auch dem esoterischen Flügel der Grünen ausgesetzt. Sein größter Fehler war, Sozial- und Gesundheitsministerium nicht zu trennen, und gleichzeitig personell deutlich aufzustocken. Der Oberste Sanitätsrat wurde erst ein Jahr nach Pandemiebeginn besetzt, bis dahin und darüber hinaus wurschtelt jedes Bundesland mit eigenen Expertenräten vor sich hin, ja sogar Bildungs- und Gesundheitsminister haben eigene Experten, obwohl das Virus ein- und dasselbe ist.

Gesundheitsminister Mückstein übernahm Anschobers Erbe in der dritten Welle (ALPHA), sein Stehzeit war „Meine Aufgabe als Gesundheitsminister ist es, erst dann einzugreifen, wenn die Intensivstationen überlastet sind.“ Von Beginn an trug er alle gemeinsam beschlossene Maßnahmen mit und ließ die Kinder außen vor. Für LongCOVID/MECFS hat er nichts mehr getan, erhöhten Forschungsbedarf abgelehnt. Zum Abschied unterzeichnete er die Verordnung für den „Freedoom Day“ und schied angeblich wegen den ununterbrochenen Bedrohungen durch militante Leerdenker aus. Tatsächlich wurde der interne ÖVP-Plan, Mückstein abzusägen, schon Wochen vorher durch einen FPÖ-Politiker geleakt.

Gesundheitsminister Rauch aus Vorarlberg übernahm inmitten hoher Fallzahlen und setzte gleich klare Akzente, dass er den Kuschelkurs mit der ÖVP fortsetzen würde. Er betonte die Wichtigkeit von Kompromissen, von den Landeshauptleuten mitgetragenen Entscheidungen und die Nachvollziehbarkeit gesetzter Maßnahmen. Kurzum – die Fortführung aller Fehler im Umgang mit der Pandemie, denn das mit BA.2 inzwischen hochansteckende und den Immunschutz umgehende Virus, das außerdem Kinder stärker betrifft als die vorherigen Varianten, verhandelt nicht und scheißt auf Kompromisse.

Nachfolgend ein Faktencheck von Rauch im Ö1-Morgenjournal. Normalerweise sollte ein Faktencheck als Truth Sandwich erfolgen. Da es sich aber um einen verantwortlichen Minister handelt, lasse ich die Aussagen in direkter Rede stehen – das wird später einmal die Gerichte beschäftigen.

Fakt: Die anhaltend hohen Zahlen bzw. mit Doppelwelle mit BA.2 wurde vorhergesagt. Auch GECKO hat empfohlen, erst zu lockern, wenn der Peak überschritten ist.

„Es haben sich die Prognosen geändert. Es wurde an sich angenommen, dass die Zahlen deutlich rascher sinken. Deshalb hat es die Öffnungsschritte gegeben am 5. März, die kamen zu früh aus heutiger Sicht eindeutig festgestellt.“

Wahr ist: Am 4. März hat die GECKO-Kommission in ihrem Bericht festgehalten, dass wir eine Plateaubildung zwischen der abflachenden BA.1-Welle (OMICRON) und der sich aufbauenden BA.2-Welle (offiziell nicht benannte neue Variante, die sich stark von OMICRON unterscheidet) haben.

Quelle: GECKO-Bericht, 04. März 2022

In keinem Szenario innerhalb des Konfidenzintervalls ist ein „deutlich rascheres“ Abfallen erkennbar. Selbst im optimistischsten Fall wären es immer noch über 10 000 Neuinfektionen im 7-Tages-Schnitt, und in diese Prognose waren die stattgefundenen weitreichend abgeschafften Schutzmaßnahmen nicht eingepreist. Natürlich würde jeder Hoppyepidemiologe mit ein bisschen Hausverstand erkennen, dass die Fallzahlen steigen, sobald sich mehr Menschen ohne Maske in Innenräumen treffen.

Stellvertretend für die vielen Warnungen von echten Experten jene von Molekularbiologe Ulrich Elling, der bereits am 28. Jänner 2022 eine Doppelwelle durch OMICRON vorhergesagt hat.

Hinzu kommt noch ein weiteres Problem im Hinblick auf die Belastbarkeit des Gesundheitswesens und im weiteren Sinne auch der restlichen Infrastruktur: Durch die erzwungene Normalisierung des Freizeit- und Berufslebens steigt auch die Influenza-Aktivität deutlich an. Doppelinfektionen mit SARS-CoV2 wurden bereits nachgewiesen.

Fakt: Gesundheitsschutz über Prävention sollte dann erfolgen, bevor der Ernstfall eintritt und nicht danach.

„Es war notwendig zu reagieren deshalb, weil in den Spitälern das Pflegepersonal wirklich
am Anschlag war.“

Das ist der Fehler, den auch beide Vorgänger begangen haben: Maßnahmen erst zu setzen, wenn die Überlastung eingetreten ist. Würde man sie vorher setzen, würde keine Überlastung eintreten. Wäre das nicht weitsichtig im Hinblick auf den Erhalt des Gesundheitssystems?

Fakt: In allen Bundesländern steigt die Zahl der aufgenommen Patienten im Krankenhaus.

„Es war nicht das Problem mit den Intensivbetten, nicht die Normalbetten, aber es war das Problem und ist das Problem beim Personal. Es fallen extrem viele Pflegekräfte aus, in Spitälern, in Pflegeheimen.“

Normalbettenbelegung seit Pandemiebeginn/1. April 2020 – im Burgenland und Wien bereits Rekordzahlen, in Niederösterreich knapp davor, eingezeichnet die Eskalation des Systemrisikos Quelle: Alex Brosch

Die Überlastung der Normalbetten ist bereits eingetreten, was zu verschobenen, aber lebensnotwendigen Operationen, Behandlungen und Routineuntersuchungen führt. Dazu kommt gleichzeitig der Ausfall des Pflege- und Ärztepersonals, die aufgrund der hohen Fallzahlen, niedrigen Impfquoten bei Kindern und niedriger Boosterquote eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, sich auch außerhalb ihrer Arbeit anzustecken. Falsch ist das Festhalten am Narrativ, OMICRON würde so mild sein, dass weniger Patienten schwer erkranken.

Fakt: Am 12. März sagte Rauch im Ö1-Mittagjournal: „Es gibt jetzt keine Überlastung des Gesundheitssystems.“

„Ich hatte Freitagfrüh [18.03.22] eine Konferenz mit allen Spitalsdirektoren aus ganz
Österreich und die haben die Lage wirklich dramatisch geschildert.“

Innerhalb von sechs Tagen von keiner Überlastung zu dramatischer Lage? Es würde von Respekt gegenüber dem Gesundheitspersonal zeugen, wenn man reagiert, bevor eine dramatische Lage eintritt, und nicht zu warten, bis sie eingetreten ist, und dann erst Telefonate zu führen.

Fakt: Eine dramatische Überlastungssituation erfordert scharfe Gegenmaßnahmen, um die Verbesserung nicht unnötigerweise um Wochen hinauszuzögern.

„Nach zwei Jahren Pandemie ist dort einfach ein Grad an Erschöpfung eingekehrt, der es notwendig macht, zu reagieren, und die Leute dort verstehen auch nicht mehr, und das wurde so gesagt, dass sie den Preis für die Lockerungen zahlen. Und deshalb war es notwendig, die gelindestmögliche Maßnahme, das ist die Maskenpflicht einzuführen, und das hab ich getan.“

Gelindestmögliche Maßnahmen reichen aber nicht, vor allem nicht so, wie jetzt eingeführt, mit zu vielen Ausnahmen. Solange Zusammenkünfte ohne Maske stattfinden, wird es zu weiteren Ansteckungen kommen, egal ob die Anwesenden geimpft, genesen oder getestet („3G-Regel“) sind, weil der Immunschutz nicht vor Ansteckung und Weitergabe schützt, und die lange Gültigkeitszeit der Testergebnisse als auch die Abnahme/Auswertqualität problematisch sind.

Ö1: Weil Sie jetzt gerade die Situation in den Spitälern ansprechen. Eine Antwort darauf sind ja jetzt die neuen Quarantäneregeln, dass also Leute nach fünf Tagen Quarantäne, wenn sie sich selber wieder halbwegs fitfühlen, entscheiden können, gut, ich geh wieder arbeiten. Ist das die richtige Antwort, das richtige Signal an die Ärzte, an das Pflegepersonal?

„Das war auch die explizite Bitte aus den Einrichtungen, aus den Spitälern, aus den Alten- und Pflegeheimen, weil die einfach vor der Situation stehen jetzt, dass praktisch nach dem Motto „wer hat am wenigsten Überstunden“ die Dienste eingeteilt werden.“

Ö1: Aber die Personalvertreter, die sagen ganz was anderes.

Aus mehreren Gründen sind Personalvertreter ablehnend gegenüber dieser Regel: Nach fünf Tagen sind viele Infizierte noch infektiös, weswegen z.B. Taiwan die vom amerikanischen CDC am 30.12.2021 angekündigte Neuerung abgelehnt hat. Einige importierte OMICRON-Fälle waren noch bis zu 12 Tage nach dem ersten positiven Test infektiös. Infektiöse Mitarbeiter können Kollegen oder Patienten anstecken, zu beachten auch die Ansteckungsgefahr im Sozialraum oder Sanitäranlagen. Infizierte Mitarbeiter risikieren LongCOVID, wenn sie sich nicht schonen. Bei Symptomfreiheit werden mindestens zwei Wochen Ruhe empfohlen, bei Symptomen bis zu sechs Wochen kein Sport. Pflege ist harte körperliche Arbeit! Zudem besteht die Gefahr, dass weitere Arbeitnehmerrechte ausgehöhlt werden, wenn Personalmangel herrscht. Auf lange Zeit gesehen verschärft es den Personalmangel weiter.

Die effektivste Maßnahme ist Infektionsvermeidung, nicht -erhöhung: Vorübergehend Take-Away in der Gastronomie, keine Großveranstaltungen, Maskenpflicht auf Konzerten, Distance Learning in Schulen und durchgehende Maskenpflicht bei Präsenzunterricht, Outdoor-Kindergärten, um die warme Witterung auszunutzen.

Fakt: Der Ct-Wert gibt Auskunft darüber, wie viel infektiöses Virus vorhanden ist. Zwei Ct-Werte in Folge erlauben eine Aussage darüber, ob die Infektion im Abklingen oder im Aufbau ist. Erst nach 10-12 Tagen ist in den meisten Fällen kein replizierfähiges Virus mehr vorhanden. Nach Auskunft des medizinischen Krisenstabs in Wien können sich nur 10% der erkrankten Personen am 5. Tag freitesten, in den Tagen 6-9 sind es weitere 20%. Freitesten ist also bei 70% der erkrankten Personen erst ab dem 10. Tag möglich.

„Ich weiß das, aber es ist einfach die Situation so, dass viele Leute zuhause sitzen, die sind gesund, die haben keine Symptome, nur ihr Ct-Wert, das ist der Wert, ab dem man sich freitesten kann, passt nicht. Die wollen arbeiten gehen und die haben jetzt nicht die Möglichkeit dazu. Niemand muss arbeiten
gehen, wenn er krank ist. Das möchte ich betonen, aber es gibt die Möglichkeit, es zu tun, das entlastet massiv die Spitals- und Personalsituation.“

Der Ct-Wert ist nicht der Wert, ab dem man sich freitesten kann, sondern hat eine Spannweite, die aussagt, wie viel infektiöses Virus vorhanden ist. Wer infiziert ist und keine Symptome hat, hat trotzdem ein neurotropes, potentiell gefäßschädigendes Virus im Körper. Wer sich dann nicht schont, riskiert LongCOVID. Ob man auch symptomfrei bleibt, weiß man erst einige Wochen bis Monate nach dem Infektionszeitpunkt.

Zur Gefahr andere anzustecken hat der ORF in der ZiB2 vom 23.03.22 aus nicht nachvollziehbaren Gründen einen Diplom-Krankenpfleger gefunden, der als Epidemiologe betitelt wurde, der folgendes gesagt hat:

„Wenn jemand krank ist und hustet und niest, der überträgt, der verbreitet viele Viren. Wenn ich jetzt keine Symptome habe und nicht am Husten, am Niesen bin, bei normalen Gesprächen untereinander, wenn ich asymptomatisch bin, die Wahrscheinlichkeit, jemanden anzustecken, die ist sehr gering.“

Hans Hirschmann, LKH Feldkirch

Dass Aerosol-Übertragung auch bei normalen Gesprächen stattfindet, hat Asadi et al. (2019) bereits VOR der Pandemie publiziert. Zu asymptomatischen Übertragungen bei SARS-CoV2 gibt es eine Reihe von Publikationen, die erste Meldung kam bereits Ende Jänner 2020!

Ausgewählte Publikationen zu asymptomatischen und präsymptomatischen Übertragungen, mehr Literatur im Menüpunkt „Forschung zu Übertragungswegen“.

Aus diesem Grund ist es höchst fahrlässig und arbeitsrechtlich wahrscheinlich nicht zulässig, im infektiösen Zustand arbeiten zu gehen!


Ö1: Können Sie das gegenüber Patientinnen und Patienten, gegenüber Insassen in Pflegeheimen wirklich verantworten, dass da Leute, die möglicherweise noch infektiös sind, arbeiten?

„Dort sind besondere Schutzmaßnahmen auch noch angesagt und werden dort auch eingehalten. Und der Punkt ist einfach der, es gibt mehrere Länder, die machen das schon. Es gibt da in der Wissenschaft auch unterschiedliche Einschätzungen, die gab es auch in der GECKO, und wir haben das für vertretbar
gehalten, diese Regelung so zu machen, auch auf Bitten und auf Drängen der Alten- und Pflegeheimen, der Spitäler.“

Leider Null Transparenz, auf welche Länder er sich bezieht, wie die Situation dort ist, was die Folgen dieser Regelungen sind. Null Transparenz, wer in der GECKO unterschiedliche Einschätzungen vertritt. Das Bitten und Drängen kam letztendlich von den Arbeitgebern, nicht von den Personalvertretern. Die fordern bessere Arbeitsbedingungen, nicht erschöpft und krank zu arbeiten.

Ö1: Also das Risiko, auch für Patientinnen und Patienten muss man in Kauf nehmen?

„Es ist niemandem einem Risiko ausgesetzt. Das möchte ich betonen. Es sind alle sicher, die im Spital und in Alten- und Pflegeheimen sind, weil dort zusätzlich zu den Masken auch Schutzkittel, Schutzbrillen getragen werden, und die Schutzmaßnahmen extrem hoch sind. Die Standards bleiben dort so, dass die Menschen sicher sind.“

Laut TIPS Oberösterreich vom 23. März waren in 126 Alten- und Pflegeheimen 737 Beschäftigte und 742 Bewohner positiv auf COVID-19 getestet.

Fakt: Die meisten Ansteckungen finden in Klassenräumen, im Kindergarten, bei Großveranstaltungen, Konzerten und in der Gastronomie statt. Überall dort werden auch weiterhin keine Masken getragen, alternativ 3G-Regel ist nicht ausreichend. In der Gastronomie finden Ansteckungen am Platz statt, weil sich Aerosole stundenlang akkumulieren können, siehe den ersten OMICRON-Cluster in Norwegen, wo sich über 150 Personen infizierten, erst eine Studentenfeier, dann die Restaurantgäste, die nach der Feier im Gastraum dinnierten, und sich ebenfalls infizierten.


„Zunächst die Botschaft eine Einfache, es gibt die Maskenpflicht in Innenräumen. Und zusätzlich natürlich der Appell: „Liebe Leute, tragt Maske, wo immer ihr auf viele Menschen trefft.“ Das ist die Regelung, die wir jetzt gemacht haben, die praktikabel ist, die auch Rücksicht nimmt auf die Gegebenheiten, die wir haben.“

Eigenverantwortung funktioniert nicht, es braucht Verbindlichkeiten! Wenn Verbindlichkeiten unpraktikabel sind (Gastronomie), braucht es andere Regelungen. Warum gibt es eigentlich keine Appelle, die Gastronomie ins Freie zu verlagern, so oft wie möglich? Nicht einmal eine rekordlange Trockenperiode mit außergewöhnlich viel Sonnenschein wird genutzt. Es ist ein Jammer.

Fakt: So wenig wie möglich ist der falsche Ansatz in diesem Stadium der Pandemie.

„Und ich glaube, dass damit, was ich immer gesagt habe, der gelindestmögliche Eingriff stattfindet, weil ich es entlang der Devise versucht hab, auch zu organisieren: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“

Das reicht nicht aus, weil BA.1/BA.2 keine dauerhafte Immunität erzeugen. Die Welle zieht sich so bis in den Sommer hinein.

Fakt: Die Maßnahmen der Regierung lassen nicht erkennen, dass es einen Lerneffekt gegeben hat.

„Und was wir auch gelernt haben: Das Virus hat sich in einer dramatischen Geschwindigkeit verändert, wir müssen auch die Instrumente anpassen. Wir sind nicht mehr in der ersten Welle von vor zwei Jahren, wo wir noch nicht wussten wie sich die Dinge jetzt verhalten. Jetzt wissen wir das besser, jetzt können wir feiner justieren, und das haben wir getan.“

Fein justieren kann man dann, wenn die Zahlen niedrig sind, nicht bei 300 000 Neuinfektionen pro Woche! Zum Lernen gab es reichlich Gelegenheit die vergangenen zwei Jahre, nur genutzt hat man das nicht, weil man bis heute lieber auf WissenschaftlerInnen hört, die das sagen, was man hören will, und nicht das, was Realität ist. Daten statt Datum.

Wenn die Regierung gelernt hätte, wüssten sie seit Sommer 2020, dass die Maskenpflicht durchgehend beibehalten hätte werden müssen. Dass Trenn- und Plexiglaswände kein Ersatz für Maskenpflicht sind. Sie hätten spätestens im Sommer 2021 gesehen, dass DELTA vermehrt zu Durchbruchsinfektionen führt und eine zweifache Impfung nicht mehr ausreicht. Damit war die 2/3G-Regel nicht mehr ausreichend. OMICRON hat den Schutz vor Ansteckung deutlich gesenkt. Seit DELTA stieg die Viruslast innerhalb von 24 Stunden schon so rasch an, dass die Gültigkeitszeiträume der Antigen- und PCR-Tests deutlich hätten verkürzt werden müssen. Das hätte natürlich einen viel rechtzeitigeren Ausbau der PCR-Kapazitäten erfordert und einheitliche Laborstandards, die bis heute fehlen, weil – so die böswillige Unterstellung – falschnegative Testergebnisse eher im Sinne der ÖVP-Länder sind und es nicht um die ernsthafte Eindämmung der Infektionszahlen geht. Man hätte auch nicht zum fünften, sechsten Mal warten dürfen, bis die Spitäler überlastet sind, sondern präventiv handeln, und dem Gesundheitspersonal damit Wertschätzung entgegenbringen, durch weniger Patienten und deutlich steigende Löhne, nicht nur Einmalzahlungen, die ewig verzögert werden.

Fakt: Die halbherzigen Lösungen, teilweise sogar Lockerungen, werden nur sukzessive einen Rückgang bewirken.

„Ich verhandle sowieso nicht mit dem Virus, das ist ein Spiel mit dem Feuer, das tue ich ganz sicher nicht. Meine Aufgabe als Gesundheitsminister ist es, auf die Gesundheit der Österreicher und Österreicherinnen Rücksicht zu nehmen. Das habe ich mit dieser Reaktion getan.“

Die Gefahr besteht darüber hinaus auch für die ankommenden Ukraine-Flüchtlinge, von denen nur etwas mehr als ein Drittel die zweite Impfung erhalten hat. Der Großteil ist also ungeimpft bzw. hat in Österreich jetzt maximal die erste Teilimpfung erhalten, die noch wenig Schutz vor Hospitalisierung bietet. Ich weiß, das will niemand hören. Sie sind vor dem Bombenhagel geflohen und im Westen sicher, die meisten sind schwer traumatisiert, auch viele Kinder. Gleichzeitig sind sie derzeit fast überall im Westen einer akuten gesundheitlichen Gefährdung ausgesetzt. Muss man schwer traumatisierte Menschen auch noch zusätzlich einem schweren gesundheitlichen Risiko aussetzen? Ich finde nicht. Krieg und Pandemie herrschen gleichzeitig. Man kann leider nicht sagen, kommt erstmal zur Ruhe in den nächsten Wochen, dann kümmern wir uns um die Pandemie. Ich hoffe, es ist jedem klar, der mit Flüchtlingen zu tun hat, dass er dabei penibel auf Schutzmaßnahmen achtet.

Fakt: Die Maskenpflicht wurde negativ besetzt, das sollte dringend geändert werden.

Wir wollten das eigentlich nicht mehr machen, weil ich verstehe natürlich auch die Leute, die sagen, ich hab jetzt keine Lust mehr Maske zu tragen, aber die Infektionszahlen haben es notwendig gemacht zu reagieren. Das hab ich getan und habe ich durchgesetzt.“

Sie hätten spätestens im Herbst erneut die Maskenpflicht einführen müssen. Sie wird dauerhaft bleiben, solange keine neue Generation an Impfstoffen (Schleimhautschutz, nasale Impfstoffe) gefunden wurden und Medikamente nicht flächendeckend für jeden Bürger zur Verfügung stehen. Rauch hat selbst auf seinem Blog eine gewisse Abneigung gegenüber Masken anklingen lassen. Wenn der Gesundheitsminister selbst, wie seine Vorgänger, widerwillig Maske trägt, falsch trägt, abnimmt zum Husten, oder abnimmt, sobald er spricht, wie soll er dann ein Vorbild sein für die Bevölkerung? Die Maske ist Eigen- und Fremdschutz zugleich, das sollte so kommuniziert werden. Sie schützt nebenbei vor anderen Viren (Influenzawelle!), vor allem bei Kindern, die in der Schule alles mögliche aufschnappen, und auch vor Pollen. In Asien ist das Maskentragen bei Infektionswellen selbstverständlich.


Ö1: Warum gilt die Maskenpflicht nicht in den Schulen?

Rauch: „In den Schulen, es ist eine geteilte Zuständigkeit. Da ist der Kollege
Polaschek zuständig.“


Ö1: Der hat aber auf Sie verwiesen am Sonntag [Pressestunde].

Rauch: „Das ist so geregelt, das ist ganz klar seine Zuständigkeit, das verordnet er. Das ist auch verordnet bis zum Schulschluss. Das ist seine Aufgabe das zu regeln. Wir werden, ich hab mit ihm gesprochen, für Herbst ein einheitliches System auf den Weg bringen. Das ist nicht einzusehen, das verstehe ich auch
wieder, dass es in Schulen und in der normalen Arbeitswelt unterschiedliche Regelungen gibt. Da muss man eine konsistente Regelung herbekommen, die überhaupt gilt …“

Was um Himmels willen wollen sie ständig mit dem Herbst? Die Welle ist JETZT da. Inzidenzen von über 6000 bei Kindern sind anscheinend egal, dabei fördert gerade das die massiven Personausfälle in allen Bereichen. Kinder zählen offenbar nicht zu den Österreichern und Österreicherinnen, deren Gesundheit zu schützen er als Aufgabe ansieht. Dazu passt auch die abstruse Ankündigung, dass Kinder unter 10 Jahren keine Gratisschnelltests erhalten sollen und die Schultests ab Ostern gekürzt werden sollen.

Wir erinnern uns, von etlichen Kinderärzten und angeblichen Public-Health-Experten wurde lange Zeit das Narrativ verbreitet, dass sich Kinder unter 10 Jahren nicht anstecken und andere infizieren können.

Polaschek wiederum bezieht sich auf die neuen Regeln des Gesundheitsministern, wonach man in Lokalen nur Masken tragen müsse, bis man am Sitzplatz angekommen sei.

„Aber wenn man am Sitzplatz ist, trägt man dort auch keine Maske.“

Eine unsinnige Maßnahme wird also mit einer weiteren begründet. Als ob man Klassenraum und Wirtshaus miteinander vergleichen könne. So schieben sie sich seit zwei Jahren gegenseitig die Verantwortung zu, auf der Strecke bleiben hunderttausende Kinder und Jugendliche, großteils ungeimpft, teils schon mehrfach infiziert.


„Wir werden sicher nicht im Herbst, beim Auftreten dann vielleicht einer neuen Infektionswelle, was ich nicht hoffe, mit derart komplizierten, auch Entscheidungsstrukturen und Instrumentarien agieren können. Das werden die Leute nicht mehr mitmachen.“

Vielleicht ist gut, Drosten, Lauterbach, WHO, etc. warnen alle davor. Und es ist auch nachvollziehbar warum:

  • nachlassende Immunität in der Gesamtbevölkerung
  • geringe Boosterquote (53%), die bis Herbst kaum ansteigt
  • 25% Ungeimpfte, die durch DELTA/OMICRON keinen dauerhaften Immunschutz aufgebaut haben
  • über 75% ungeimpfte Kinder, damit bleibt die zentrale Virendrehscheibe Schule/Kindergarten erhalten
  • mitunter neue Varianten, die noch effektiver den Immunschutz umgehen

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