Tag 836: Lernen durch Schmerzen

Jubel bei Rechten nach dem von ÖVP und Grünen beschlossenen Aus für die Impfpflicht

Im letzten Beitrag hatte ich es ja schon angerissen – Gesundheitsminister Rauch ist angetreten, um die „Spaltung der Gesellschaft“ zu überwinden. In seinem persönlichen Blogtext vom 31. Jänner 2022 (6 Wochen vor seiner Angelobigung):

„Nach dem Ende des „Lockdowns für Ungeimpfte“ brauchen wir weitere Ventile, durch die der Druck entweichen kann… Ebenso wenig ist es einfach, den richtigen Zeitpunkt für die Aufhebung dieser Maßnahmen zu finden. Dieser sollte zumindest mit jenen Parlamentsparteien koordiniert werden, die der Einführung der Impfpflicht zugestimmt haben.“

Die Abschaffung der Impfpflicht am 23. Juni 2022 begründete er folgendermaßen:

„Die Impfpflicht hat die Gräben in der österr. Gesellschaft vertieft. Sie hat Menschen gg. die Impfung aufgebracht, die sonst vielleicht zu überzeugen gewesen wären. Diese Abwehrhaltung geht so weit, dass manche Menschen auch andere COVID-Schutzmaßnahmen nicht mehr mittragen. Jetzt ist es Zeit, die
Gräben wieder zuzuschütten. Mit der Abschaffung der Impfpflicht schaffen wir Klarheit nach einer langen Debatte. Wir werden gemeinsam alles daransetzen, um die Menschen von der Impfung zu überzeugen. Wir müssen informieren, ins Gespräch kommen, Ängste und Sorgen aus dem Weg räumen: Nur so kann es uns gelingen, möglichst viele Menschen zu einer Impfung zu motivieren.“
(Tweet)

Wie denn, wenn man BA.x als mild bezeichnet, obwohl es ….

  • nachweislich weitere LongCOVID-Fälle generiert und weiterhin Menschen deswegen schwer krank werden und daran versterben
  • Infektionen keine anhaltende Immunität erzeugen, egal welche Variante und Reinfektionen das Risiko für Folgeschäden erhöhen. nicht erniedrigen
  • Jede Welle mit mehreren hunderttausend Kranken die Infrastruktur, Betriebe und das Gesundheitswesen lahmlegt – speziell Ärzte und Pfleger in einer Dauerbelastung gefangen sind und ein Massenexodus an Gesundheitspersonal bereits eingesetzt hat, deswegen müssen erneut OPs und Vorsorgeuntersuchungen verschoben werden, hunderte Betten sind gesperrt

Die militanten Impfgegner hätte man auch mit Impfpflicht nicht erreicht, aber dafür hätte es ja ohnehin genug Ausnahmen im Gesetz gegeben, aber man hätte eine Menge Leute erreicht, die gezögert haben und die der „soziale Druck“ impfen zu gehen, dann mitgenommen hätte. Insbesondere im Gesundheitswesen und bei Erzieherberufen hätte es eine Impfpflicht geben müssen, wenn man den Anspruch „Vulnerable schützen“ ernstgemeint hätte.

Zu glauben, dass man Gräben überwindet und die Gesellschaft wieder zusammenbringt, indem man Covidleugnern alle Forderungen erfüllt, ist wie wenn man Russland ein Stück der Ukraine abtritt und glaubt, Russland würde sich damit zufriedengeben, den Gashahn wieder aufdrehen und wir würden danach glücklich und in Frieden leben können wie vorher.

Zusammenfassung von ‚alles falsch gemacht‘

  • Übertragungswege nie richtig erklärt, sondern stünde in jedem öffentlichen Innenraum ein CO2-Messgerät, mobile Luftreiniger und Lüftungsanlagen statt Handdesinfektionsmittel
  • Korrekte Trageweise von FFP2-Masken Fehlanzeige, keine Subventionierung für Hochrisikogruppen und deren Angehörigen, für die gut sitzende, auf die Gesichtsform passende Masken noch wichtiger sind
  • Mangelnde Aufklärung, was ein milder Verlauf ist, dass die Impfung *nur* Krankenhaus und Tod verhindert
  • Irreführende Darstellung zur Schutzwirkung gegen LongCOVID (verringertes Risiko, immer noch hoch)
  • Maskenpflicht in Schulen an Intensivstationbelastung gekoppelt [fatal: in BA.1/2-Welle waren v.a. Normalstationen überlastet, keine Schutzmaßnahmen in Kindergärten [1. Voraussetzung für Durchseuchung]
  • Mangelnde Aufklärung über Erkrankungsrisiko für Kinder, dadurch kaum Impfungen [2. Vorraussetzung für Durchseuchung]
  • Abschaffung der 3G-Regeln, Quarantäne für 3fach Geimpfte Kontaktpersonen, obwohl bekannt war, dass Geimpfte mit DELTA (verringert) und seit OMICRON wieder als Überträger am Infektionsgeschehen teilnehmen [3. Voraussetzung für Durchseuchung}
  • Genereller Fall der Maskenpflicht, verringertes Testangebot – nur bei Symptomen testen, dadurch hohe Dunkelziffer an asymptomatischen Überträgern [4. Voraussetzung für Durchseuchung]
  • Impfpflicht abschaffen, nach Regierung Spagat zwischen „Omicron ist mild“ und „Maske tragen aus Eigenverantwortung“ nicht schafft (Impfpflichtkommission als Feigenblatt: Kollaritsch, Schernhammer)
  • Abwassermonitoring reduzieren, um das Ausmaß der Coronawelle zu verschleiern, neue Zählweise im Spital „an/mit Corona“ als künstliche Trennung, um Schwellenwerte für Systemrisiko weiter zu erhöhen
  • Planung: Isolationspflicht abschaffen, indem BA.x als „weiterhin“ mild alias kein Systemrisiko deklariert wird, alias best case scenario im FuOp-Paper [5. Voraussetzung für Durchseuchung]
  • Austrian Corona Panel Project (ACPP) inmitten der Sommerwelle nicht weiter fördern, um zu verschleiern, dass Mehrheit der Bevölkerung Maskenpflicht (und andere Maßnahmen) befürwortet hätte

Wie sieht das „Leben mit Corona aus“?

Anekdotisch verursacht BA.4/BA.5 eher heftige Verläufe auch bei 3fach Geimpften und geht vor allem stärker wieder auf Lunge, viel häufiger Geruchs- und Geschmacksverlust (siehe Analyse aus Frankreich). Die aktuellen Virusvarianten haben den evolutionären Spielraum noch nicht ausgeschöpft.

Leben mit Corona hätte bedeuten müssen, sich mit Schutzmaßnahmen an die veränderten Lebensbedingungen anzupassen, aus Corona zu lernen und vor allem zu sehen, wie effektiv man sich auch gegen andere Infektionserreger schützen kann. Stattdessen haben wir die Affenpocken laufen gelassen, die demnächst zur Pandemie ausgerufen werden, und in London sind erstmals seit 40 Jahren wieder Poliofälle aufgetreten – dort ist nur ein Drittel der Jugendlichen gegen Polio geimpft.

Survival of the fittest:

Wer sich an die Situation anpasst (Maske trägt, schlecht gelüftete Räume und Menschenmassen meidet), überlebt.

Wer die Situation ausblendet und ignoriert, wird es nicht schaffen – leider trifft das auch all jene, die sich nicht anpassen können, weil sie Kinder haben und für den Schutz der Kinder NICHTS getan wird.

In der grünen Rechtsesoterik ist jeder selbst für sein Schicksal verantwortlich.

Alexander Batthyány, wissenschaftliche Leitung am Viktor-Frankl-Institut Wien und Universitätsprofessor an der Forschungsabteilung für Theoretische Psychologie in Budapest, in einer direkten Ansprache an Rauch:

Die Gräben zu Madeleine Petrovic und die „Grünen gegen Impflicht“ haben Sie zugeschüttet & den Menschen, die mit gelbem Stern („ungeimpft“) herumlaufen, haben Sie die Hand gereicht. Aber das antiwissenschaftliche Narrativ von „wollen alle wegsperren“ …(Morgenjournal heute): sagen Sie so etwas, weil Sie den Identitären et al. noch einmal zeigen wollen, wie sehr Sie deren Meinung teilen puncto Maßnahmen? Ist das Opportunismus oder Ihre eigene Überzeugung? Das Problem ist nämlich, dass man als Beobachter/Wähler schlicht nicht mehr weiß, ob Sie nicht zu CoV letztlich mehr Positionen mit den Querdenker:innen (Petrovic, Sellner, Küssel) teilen als mit Forschung und Wissenschaft.

Die Signale, die Sie seit Wochen aussenden, nähren diese Vermutung. Daher diese Frage. Wissenschaft wird von Ihnen entweder ausgeblendet oder verächtlich gemacht oder als „Meinungs-Chaos“ oder „Wegsperren“ denunziert. Und Querdenken wird hofiert. Von den sozialen Kosten und dem politisch verusachten Elend der Risikopersonen oder tägl hinzukommenden Kranken und Long-CoV-Patienten nicht zu sprechen. Das hat eine moralische Dimension, die in diesem Zusammenhang aber erst in Folge Ihrer CoV-Einschätzung relevant ist. Danke.“

Signale zum Beispiel:

Der Fall der Maskenpflicht wurde just am 2.Tag der Konferenz „Science for Resilience“ in Wien verkündet, die durchaus zu fruchtbaren Austausch unter Wissenschaftlern, Betroffenen und interessierten Zuhörern geführt haben. Ein Höhepunkt war unter anderem der Kurzvortrag von Epidemiologin und Genetik-Statistikerin Deepti Gurdasani von der Queen Mary University of London, wo sie über gängige Mythen zu Kindern in der Pandemie aufklärte. An beiden Tagen war niemand von der Regierung anwesend. Wissenschaft hat – wie sich wieder einmal zeigt – einen denkbar niedrigen Stellenwert in Österreich, während fahrlässige Entscheidungen ohne Evidenz getroffen werden.

Anfang Juni 2022 fand dafür der 12. Österreichische Gesundheitswirtschaftskongress statt. Eröffnungsrede von Rauch, gefolgt von Impfstoffkoordinator Clemens Martin Auer, der von Anschober wegen massiver Kritik an intransparenten Beschaffungsvorgängen abberufen wurde und nun in der WHO sitzt.

Der allerallererste Themenblock: „Unser Gesundheitssystem: Analyse nach der Pandemie. Was nehmen wir mit?“ — u.a. mit Public Health Graz alias Martin Sprenger. Sprenger wurde damals im Februar 2021 von den NEOS für den Gesundheitsausschuss nominiert, wirkte in zahlreichen Covidleugnerfilmen mit und verbreitet schwurbeligen Unsinn.

Lernen geht nur durch Schmerzen

„Ich behaupte, würden die Zahlen explosionsartig steigen, dann wäre in der Bevölkerung auch wieder mehr Bereitschaft da und mehr Kraft da, um einen Lockdown mitzutragen, zumindest ist es bei uns so der Fall.“ (Ex-Kanzler Kurz, 25. Februar 2021, BILD-Zeitung)

Und mehr will ich heute gar nicht schreiben müssen, sonst vergess ich mich.

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