Tag 845: Bla (Arbeitstitel)

In New South Wales, Australien, wurde bei zwei Kindern Diptherie diagnostiziert, bis zu den 40er Jahren noch eine häufige Todesursache bei Kindern. Heute tritt sie vorwiegend in Ländern mit schwacher Durchimpfungsrate auf. Bei 5-10% der infizierten Menschen verläuft die Infektion tödlich.

In London wurden Polioviren im Abwasser gefunden, vermutlich aus dem Ausland eingeschleppt – das erstmalige Auftreten seit rund 40 Jahren. Polio galt seit 2003 als ausgerottet.

Mit Stand 02.Juli 2022 gab es 6178 bestätigte Fälle von Affenpocken, davon 5262 in Europa – alleine in den letzten zwei Wochen hat sich die Zahl der Fälle verdreifacht.

Weitgehend in Vergessenheit geraten ist, dass schwere Hepatitis bei immunkompetenten Kindern eine Folge einer zurückliegenden Covid19-Infektion sein kann.

Dazu kommen heute über 8000 neue SARS-CoV2-Fälle in Österreich durch BA.4/BA.5, welche BA.2 verdrängen. Dazu kommt die kürzlich entdeckte Virusvariante BA.2.75, die an acht Positionen im Spike-Protein mutiert ist (von der Anzahl her vergleichbar mit ALPHA und DELTA), ebenso in RBD und NTD, was sie insgesamt infektiöser und/oder immunflüchtiger macht, also in jedem Fall kontagiöser. In Indien verdrängt BA.2.75 bereits BA.4/BA.5 – hier baut sich also die Frühherbstwelle auf.

Wer nämlich meint, mit BA.4/BA.5 wäre Schluss, hat das 1. womöglich schon für DELTA und OMICRON vorhergesagt und lag damit falsch, und übersieht 2., dass BA.4/BA.5 „nur“ rund 20-30% der Gesamtbevölkerung infizieren – der Rest bleibt anfällig für Erst- oder Reinfektionen. Wer jetzt sagt, dass die Varianten eh mild wären und *mir* als immunkompetenter Person eh nichts schlimmes passieren kann, übersieht 1. das LongCOVID-Risiko und ist 2. ein egoistischer Volltrottel, denn jede Infektion gefährdet immungeschwächte Personen, bei denen aufgrund neuer Varianten immer weniger therapeutische Antikörper wirken oder Paxlovid wegen starker Wechselwirkungen nicht angewendet werden kann. Selbst wenn die Personen für Paxlovid geeignet wären, hat das Medikament starke Nebenwirkungen (z.B. Geschmacksverlust oder Parosmie) und es herrscht erschreckende Ahnungslosigkeit unter Hausärzten, die es verschreiben könnten und sollten, 3. haben erst 24% der Kinder unter 15 Jahren die erste Impfung erhalten. Wie wir heute wissen, ist akute Hepatitis bis hin zu Leberversagen eine mögliche Folge einer länger zurückliegenden C19-Infektion, ob und welche weiteren Folgen es haben kann, werden wir erst Jahre später wissen. Die Kinder mit jeder Welle zu infizieren, sodass sie schon aufgrund der zeitlichen Abstände zur letzten Infektion kein Fenster für eine Impfung bekommen, gepaart mit der massiven Desinformation zu Kindern, ist ein Verbrechen, sie haben den größten Verlust an gesunden Lebensjahren bzw. -jahrzehnten.

Wer meint, dass OMICRON mild wäre und wir jetzt damit leben müssen, dass es im Abstand von drei bis vier Monaten hohe Infektionswellen mit hunderttausenden Betroffenen gibt, der übersieht die damit einhergehende schwerwiegende Gesundheitskrise, die sich seit zwei Jahren schon abgezeichnet hat. Es herrscht ein akuter Mangel an Ärzten und Pflegekräften. Manche von ihnen hatten im letzten Jahr über 1000 Überstunden. Manche von ihnen hatten seit 1,5 Jahren keinen Urlaub mehr. Es gibt immer längere Wartezeiten für lebenswichtige Therapien. Infektiologe Greil im Interview mit Isabelle Daniel (Ö24):

„Wenn es nicht gelingt, die Gesellschaft zum Vernünftigen und zur Rücksichtnahme zu erzeugen, was ja keineswegs bedeutet, dass jeder ein asketisches Leben führen muss, sondern ein vernunftorientiertes Leben führen kann und soll, dann werden wir für viele andere Leistungen im Gesundheits- und Sozialsystem auch nicht die Solidarität aufbringen können, die notwendig ist, und es ist ein massiver Druck auf dem Gesundheitssystem, der im Moment da ist. Wenn wir daher gestatten zu sagen, dass es ein Problem nicht gibt, das es gibt, dann wird es sehr schwierig werden, dass für andere Fragen in der gleichen Weise nicht auch in Kauf nehmen zu müssen.“

Das betrifft eben auch alle NichtCOVID-bedingten Krankheitsfälle. Und das wird gerne verdrängt, meistens von jenen, die gesund sind oder glauben, sie wären es. Chronisch kranke Menschen wissen schon lange, dass das Gesundheitssystem am Limit ist. MECFS/LongCOVID-Erkrankte werden abwechselnd vom AMS, PVA oder ÖGK schikaniert, durch Verweigerung von Pflegegeld und Hilfsmitteln, als arbeitsfähig geltend oder mit abgewiesenem Frühpensionsantrag. Einer der Gründe, natürlich neben dem drohenden massiven Verlust an Lebensqualität, Existenzangst und noch fehlenden wirksamen Medikamenten, weswegen ich auch ein 10%-iges Risiko von sichtbarem LongCOVID nicht eingehen will. Warum schreib ich sichtbar? Weil es eine hohe Dunkelziffer an „leichtem“ LongCOVID gibt, was entweder verleugnet („das ist das Alter/der Stress“) oder verdrängt wird, weil man ja funktionieren muss, weil man eine Familie zu ernähren hat, weil man bei einem längeren Krankenstand gekündigt würde.

Aber wie gesagt, es betrifft ja auch Routineuntersuchungen, geplante Eingriffe, die ständig verschoben werden müssen. Das kann jeden betreffen – was insbesondere auch gefährlich sein kann, wenn man erst vor kurzem eine Covid19-Infektion hatte. Ebenso dramatisch ist der Mangel an Blutkonserven, weswegen ebenfalls schon Operationen verschoben werden müssen. Zu glauben, man würde die Pandemie jetzt ohne jede Maßnahmen laufen lassen können, weil als Kriterien wieder nur die Anzahl der Intensivbettenbelegungen durch Covid19 gelten, und nicht die Gesamtzahl aller Bettenbelegungen im Kontext des verfügbaren ausgelaugten Personals, ist einfach ein gewaltiger Schuss in den Ofen.

Dazu kommen ein paar weitere Umstände, die alle Branchen betreffen, egal ob Bildungsberufe, wo sich ein drittes Pandemiejahr ohne Schutzmaßnahmen wahrscheinlich auch weniger Lehrerinnen und Lehrer antun werden wie im Gesundheitsbereich auch. Fachkräftemangel überall oder schierer Mangel an Arbeitskräften überhaupt wie im Tourismus- und Gastronomiebereich. Stark steigende Energie- und Produktionskosten beißen sich natürlich mit den notwendigen Lohnerhöhungen – eine Abwärtsspirale, die weitergeht ohne Gegenmaßnahmen. Weil…. auch dank des OMV-Versagens mit der Hauptdestillationsanlage, die wahrscheinlich bis Ende September außer Gefecht ist, kriegen wir schon im Sommer Probleme mit der Treibstoffversorgung. Dazu kommt jetzt die mangelnde Gaseinspeicherung für den Winter. Wer in einer Großstadt wohnt, ist momentan doppelt gestraft – mangels Alternativen zur Energieversorgung, wenn man kein eigenes Haus hat, und durch die hohen Infektionszahlen auf engem Raum ohne Schutzmaßnahmen. Wer verzichtet und aus der Not heraus asketisch lebt, ist hohem sozialen Druck ausgesetzt, gesellschaftlich teilzuhaben und sich unweigerlich zu infizieren. Doch derzeit verzichten viele nicht nur aus Vorsichtsgründen, sondern weil schlicht das Geld fehlt. Die explodierenden Kosten in allen Lebensbereichen, von Grundnahrungsmitteln über Benzinpreis bis horrende Nachzahlungen für Strom und Heizung sind bis zu Mittelstandsfamilien vorgedrungen. Die Regierung hat kein Konzept vorgelegt, um kurz- und mittelfristig dagegen zu halten. Das bisher Beschlossene reicht nicht. Einmalzahlungen schon gar nicht. So, und jetzt machen sich viele, viele Familien, aber auch Selbstständige und Alleinstehende große Sorgen, wie sie die nächsten Monate finanziell überleben sollen, wenn selbst die Sozialmärkte wegen der hohen Transport- und Mietkosten unter Druck kommen oder die gelieferten Lebensmittel nicht ausreichen. Wer von ihnen kann sich in dieser Notsituation leisten, wegen Covid mehrere Wochen flach zu liegen oder nicht mehr zur vollen Leistungsfähigkeit zurückzukommen? Eben.

Alles weitere, was ich eigentlich verbloggen wollte, dann im nächsten Beitrag. Das waren jetzt eher so Grundsatzüberlegungen, bei denen es mir zunehmend schwer fällt, mich noch unflegelhaft über die Regierung, Medien, Pseudoexperten und egoistische Mitmenschen zu äußern.

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