Tag 882: Der vorenthaltene Booster und abgewälzte Verantwortung

One-Way-Masking funktioniert nicht über längere Zeit (z.B. am Arbeitsplatz, in Klassenräumen, bei längeren Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln) und bei schlechter Durchlüftung (CO2-Werte über 800ppm) sowie bei hoher Luftfeuchte (Hochsommer in unklimatisierten Verkehrsmitteln)

Es wird gerne auf andere Länder verwiesen, um zu suggerieren, dass sie auch alle die Maßnahmen fallen gelassen haben, etwas, das Mike Ryan (WHO) als Lemmingsyndrom bezeichnet hat. Ein genauerer Blick zeigt, dass Länder wie Spanien, Niederlande, Portugal, Italien, Montenegro, Griechenland, Deutschland, Nordmazedonien und teilweise Bulgarien weiterhin gänzlich oder bereichsweise eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln haben – sonst beschränkt sich die Maskenpflicht in allen Ländern auf medizinische Einrichtungen. Great-Barrington-Vertreter haben gewonnen: In ganz Europa wurde “focused protection” umgesetzt, die nicht funktioniert, wenn Angehörige und Kinder von “vulnerablen” Gruppen infiziert werden. Focused protection mit Maskenpflicht nur im Gesundheitswesen ist so, wie man barrierefreie Zugänge für gehbehinderte Menschen nur für Apotheken, Praxen und Spitäler baut, nicht aber im Stadion, im Restaurant oder Kino. Ohne Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln ist so, wie wenn ständig der Lift am Bahnsteig kaputt ist, das Personal fehlt, um die Hebebühne am Zug zu bedienen oder nur alte Straßenbahngarnituren fahren statt Niederflurbahnen. Gesellschaftliche Teilhabe wird ausgeschlossen. “Ein paar Schritte wirst halt gehen müssen” alias “Trag halt selbst Maske!”

Nur ist dieses One-Way-Masking längst nicht so effektiv über längere Zeit, wie wenn beide Maske tragen oder die Inzidenz eben dauerhaft so niedrig wäre, dass man ein gewisses Risiko einzugehen bereit ist. Ganz anders eben zur saisonalen Grippe, wo selbst hochvulnerable Personen ganz gut mit der Surveillance der Influenza fahren, und z.B. im Sommer mit kalkulierbaren Risiken auch Indoorveranstaltungen besuchen können. Was passiert, wenn man zu wenig für Inklusion tut? Die benachteiligten Menschen verschwinden aus dem sichtbaren Alltag. So bleiben die Schattenfamilien unsichtbar, die mit Hochrisiko meiden gesellschaftliche Anlässe weitgehend, und wer erstmal LongCOVID hat und die Wohnung nicht mehr verlassen kann, verschwindet ohnehin dauerhaft.

Skandal des Jahres: Der vorenthaltene Booster

Die Great-Barrington-Vertreter in den westlichen Staaten haben die Weichen mit OMICRON gestellt: Seitdem werden Kinder, Ältere und Immungeschwächte überfahren – und die gesunde Bevölkerung mit signifikanter Anzahl an LongCOVID-Fällen heimgesucht.

Wie viele vorsichtige Menschen bin ich seit Pandemiebeginn im ständigen Hadern mit mir selbst, wie viel Risiko ich eingehen soll und wie häufig ich auffrischen soll. Für die ersten beiden Impfungen gab es noch einen klaren Zeitplan, dann kam die unkontrollierte DELTA-Welle und ich zog die dritte Impfung um zwei Monate vor. Am 24. November 2021 dann die erste Meldung über OMICRON und die Erleichterung, mit 3x mRNA gut gegen DELTA geschützt zu sein, wich Frustration mit den ersten Meldungen von symptomatischen Durchbruchsinfektionen. Nur fünf Tage nach der Entdeckung von OMICRON kündigten Pfizer und Moderna gleichzeitig an, bereits an einem angepassten Impfstoff zu arbeiten. Damals hieß es, der Impfstoff könne innerhalb von 6 Wochen angepasst und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen ausgeliefert werden. In einem anderen Bericht heißt es sogar, dass beide Impfstoffhersteller seit Monaten an angepassten Impfstoffen für Virusvarianten arbeiten:

“Diese Studien haben gezeigt, dass Varianten-Impfstoffe gleich gut vertragen werden und ähnliche Symptome zeigen wie das Original-Vakzin gegen den Wildtyp,”

BioNTech-Chef Ugur Sahin, 23.12.21

Es wurde aber auch dazu gesagt, dass die bis dahin vorliegenden Studienergebnisse keine Grundlage wären, um den angepassten Impfstoff tatsächlich zu entwickeln.

Viele rechneten mit der Verfügbarkeit des angepassten Impfstoffs für März 2022. Im Jänner 2022 wurde allerdings das Ziel Durchseuchung ausgegeben. OMICRON sei so ansteckend, dass wir überrollt werden würden. “OMICRON kommt wie eine Wand”, sagte damals Komplexitätsforscher Klimek. Eher ein Trapez, denn es ging nach BA.1 nicht rasch zurück, sondern mit BA.2 entstand eine Doppelwelle (von Molekularbiologe Elling korrekt prognostiziert). OMICRON replizierte verstärkt in den oberen Atemwegen mit größeren Tröpfchen, wäre dadurch auch effektiver einzudämmen gewesen (kommt nicht oft vor, aber ich finde gerade tatsächlich das Paper nicht mehr, wo ich das gelesen habe). Die EMA hatte seit Februar 2021 bereits einen Leitfaden für ein verkürztes Zulassungsverfahren für die Anpassung an Virusvarianten:

“Wenn der Mutter-Impfstoff bereits die Zulassung bekommen hat, muss der veränderte Wirkstoff nicht erneut das gesamte Verfahren durchlaufen. Eine klinische Testreihe über die Wirksamkeit mit einer geringen Zahl von Probanden sei ausreichend, heißt es.”

aus der Tagesschau-Meldung vom 23. Dezember 2021

Nun, wir kennen den Ausgang. Der angepasste Booster verzögerte sich weiter und verschwand aus der öffentlichen Diskussion schließlich völlig. OMICRON wäre ja so mild und die angebliche “Hybrid-Immunität” würde uns aus der Pandemie führen. Ich entschied mich bereits Anfang März 2022 – nur vier Monate nach der dritten Impfung – für eine halbe Moderna, da die Studiendaten bis dahin Moderna erneut als effektivsten Impfstoff gegen OMICRON ausgewiesen hatten. Dies auch im Hinblick auf den Mitte Februar angekündigten “Freedoom Day” 5. März 2022, ab dem die meisten Maßnahmen fallen sollten und nur noch von der “Vorbereitung auf den Herbst” gesprochen wurde. Am 9. März wurde die Impfpflicht ausgesetzt und am 23. Juni ganz abgeschafft.

Gestern erschien dann ein Bericht im SPIEGEL mit einigen neuen, deprimierenden Erkenntnissen zum Verbleib des Variantenboosters. Daraus geht hervor, dass bereits Ende März ein auf BA.1 angepasster OMICRON-Impfstoff verfügbar war. Bis zu 100 Millionen Dosen sind alleine bei Biontech eingelagert – nicht zugelassen, nicht verimpft. Die FDA drängt die Hersteller längst, einen Booster für BA.4/5 zu entwickeln. Klinische Studien dafür beginnen jetzt erst. Die EMA beharrt hingegen auf den BA.1-Booster und verlangt von den Herstellern Studiendaten für die Impfstoffanpassung, womit wieder ein bis zwei Monate verstreichen würden. Würden bis Oktober die BA.5-Boosterimpfstoffe geliefert werden, müsste man die Millionen BA.1-Booster aber wegwerfen. Warum hat man sie nicht schon im Frühling freigegeben? Und dann steht da diese Passage, die mir die Zornesröte aufsteigen lässt:

“Tatsächlich wäre diese Boosterversion wohl schon im Frühjahr im Eilverfahren zugelassen worden, hätte sich Omikron als gefährlicher herausgestellt. Nachdem die Intensivstationen aber nicht überlaufen waren, baten die Zulassungsbehörden in den USA und Europa die Hersteller, zunächst klinische Studien für verschiedene angepasste Impfstoffe durchzuführen. »Der Druck war raus«, sagt ein politischer Insider.”

Es ist die gleiche Argumentation, die seit Ende des ersten Lockdowns für verzögerte Maßnahmen und die Aufhebung aller Maßnahmen in der Pandemie herhalten müssen: Fokus Intensivstationen – wen interessiert da, dass … (ich wiederhole mich …)

  • Kinder unter 4 Jahren noch nicht geimpft werden können
  • Die Mehrheit der Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren in Österreich ungeimpft ist
  • Schwangere und ihre ungeborene Kinder besonders gefährdet sind
  • Immungeschwächte mit unzureichender Immunantwort weiterhin gefährdet sind, Paxlovid ist nicht für alle geeignet und von den monoklonalen Antikörpern wirkt nur noch Bebtelovimab effektiv gegen BA.5
  • Ältere den Impfschutz rasch wieder verlieren
  • Nur Infektionsvermeidung vor LongCOVID schützt
  • Hohe Inzidenzen weiter Mutationen fördern, die Immunschutz durch Impfung oder Infektion sowie Medikamente umgehen können

In Dänemark entschied man Ende November 2021 noch, die Impfung von Kindern zuzulassen, um Infektionsketten zu unterbinden. Inzwischen empfiehlt man die Impfung nicht mehr mit der Behauptung, dass schwere Verläufe so extrem selten vorkommen würden. Dänemark hat seit Aufhebung fast aller Maßnahmen seit Anfang Februar 2022 in den letzten 6 Monaten 40% aller Gesamttoten der Pandemie aufzuweisen.

In Österreich sind seit 1. Juni 547 Seelen an Covid19 verstorben, im Mückstein-Sommer waren es 148 im Vergleichszeitraum, im Anschober-Sommer 52. Alles richtig gemacht?

Ausgangslage hat sich verändert – aber anders, als Politiker denken

Ein Twitter-User im Jänner 2022 zur Begründung, weshalb er weiter aufpasst

Führende PolitikerInnen – tragischerweise aller Parteien – reden so oft davon, dass unsere Ausgangslage jetzt eine andere sein würde. Wir hätten jetzt die Impfung und eine Virusvariante, die viel mildere Verläufe machen würde. Ich hab diesen Mythos schon so oft zerlegt, bitte frühere Blogeinträge nachlesen – danke.

Der Punkt ist: Die Impfung WAR sehr gut, hatte eine hohe Wirksamkeit selbst gegen Infektion, aber sie ist veraltet, sie schützt nur wenige Wochen vor einer OMICRON-Infektion. Eine stattgefundene Infektion mit BA.x schützt leider nicht vor erneuter Infektion. Das galt vor OMICRON, seitdem sank der Schutz von 85% bei DELTA auf 19% bei OMICRON. Die Hyrid-Immunität schützt vor früheren Varianten, die aber nicht mehr im Umlauf sind, aber BA.1/BA.2-Infektion schützt selbst Geimpfte nicht vor BA.5, bei ungeimpften Kindern schützt keine vorhergehende Infektion vor erneute Infektion mit jedweder Variante. Herdenimmunität gibt es nicht und jede Infektion kann das Immunsystem schwächen (Anfälligkeit für andere Erkrankungen) bzw. Langzeitschäden erzeugen. Akkumulierte Reinfektionen sind kein Garant für immer mildere Verläufe, gerade bei vorerkrankten Menschen steigt das Risiko eher. Es gibt keine Herdenimmunität mit OMICRON. Wir erreichen damit keinen endemischen Zustand mit bewältigbaren Infektionswellen, nur bessere Impfstoffe in Kombination mit langfristigem Infektionsschutz (Stichwort saubere Luft – siehe Menüpunkt Prävention und Unterkapitel) können dieses Ziel erreichen. Wir dürfen nämlich nicht vergessen – und darauf legen PolitikerInnen gerne Wert – dass es nicht nur SARS-CoV2 gibt. Wie sollen wir Influenz, RSV-, Affenpocken-, Wellen und sämtliche nichtcovidbedingten medizinischen Anlässe bestmöglich versorgen können, wenn das Gesundheitswesen durch Covid19 und Folgeschäden unter Dauerbelastung steht?

Die im Stich gelassenen HausärztInnen und ExpertInnen

Interview mit Gesundheitsminister Rauch am 18. März 2022 im KURIER

Am 9. März wurde bei Rekordinfektionszahlen die Impfpflicht ausgesetzt und am 23. Juni gänzlich abgeschafft. Rauch betonte frühzeitig, damit Gräben zuschütten zu wollen. Impfkritische Menschen habe man anders erreichen wollen. Tatsächlich hätte man viele impfskeptische Menschen erreicht, die sich nur dank der Impfpflicht impfen lassen, um das Gesicht nicht zu verlieren bzw. den Job behalten zu können. Diese Menschen – keine unrettbar abgerutschten Covidleugner und Impfgegner – hat man leider verloren. Rauch gab vor, man solle “niedergelassene Ärzte gewinnen, für die Impfung zu werben”. Dazu gehörten auch Hausärztinnen wie Lisa-Maria Kellermayr, die man mit den wiederholten Todesdrohungen alleine gelassen hat. Rückblickend eine ausgesprochen zynische Aussage, denn der Staat hat sich mit der Abschaffung der Impfpflicht jeder Verantwortung entledigt und die Überzeugungsarbeit auf die niedergelassenen Ärzte abgewälzt, die sich dafür ständig Beschimpfungen und Bedrohungen anhören lassen mussten. Ohne Rückendeckung durch die Politik, die keine Schutzmaßnahmen mehr einführen wollte und OMICRON ständig faktenwidrig als mild dargestellt hat.

Nicht nur Hausärzte spürten die mangelnde Rückendeckung, sondern auch die meisten bekannten ExpertInnen. Regierungsberater wie Popper, Schernhammer, Mückstein (als Gesundheitsminister) haben zwar selbst immer wieder verharmlosende Interviews gegeben haben (siehe Zitatliste) und damit unbewusst militante Covidverharmloser ermutigt haben, immer aggressiver aufzutreten, etwa als am Tag der Entscheidung zur Abschaffung der Maskenpflicht ausgerechnet Schernhammer und Gartlehner interviewt wurden, die diese für die Politik rechtfertigten. Nicht vergleichbar mit Lisa-Maria Kellermayr, die immer eine klare Haltung zur Pandemiepolitik hatte und auch viele LongCOVID-Patienten betreut hat. Die Welt ist allerdings nicht schwarz und weiß: Die meisten ExpertInnen haben sich immer klar pro Impfung geäußert, aber weniger klar bis ablehnend zu Schutzmaßnahmen, speziell weil es nicht die Regierungslinie war und ist – wo die Impfung als einziger Ausweg der Pandemie dargestellt wird (nicht verpflichtende Impfung versus unpopuläre Schutzmaßnahmen). Daher haben wir die traurige Situation, Berater kritisieren zu müssen, obwohl sie für das, wo sie richtig liegen, bedroht werden. Eine Gratwanderung.

Um es unmissverständlich klarzustellen: Drohungen sind ausnahmslos abzulehnen.

“Die Politiker hätten sich besser vor uns Experten stellen müssen und sagen, dass wir weder für das Virus noch die Maßnahmen etwas können. Stattdessen wurde versucht, uns den schwarzen Peter zuzuschieben. Das war nicht fair.” (von Laer im PROFIL, 08.08.22)

Virologin Dorothee von Laer ist in meinen Augen ein besonders tragischer Fall. Im ersten Pandemiejahr imponierte sie mir durch klare, nüchterne Aussagen. Im Mai 2020 hielt sie Masken für sinnvoll und im Vergleich zum Lockdown für eine erträgliche Maßnahme, im Juni 2020 sagte sie, dass Après-Ski ohne Impfung nicht machbar sei. Im Februar 2021 warnte sie vor der BETA-Variante in Tirol und forderte die Politik zum Handeln auf. Sie hätte Tirol für einen Monat isoliert, um die Ausbreitung zu verhindern. Dafür musste sie viel wüste Beschimpfungen einstecken, konnte ihre Wohnung nur mit Perücke verlassen und ist zeitweise aus Tirol geflüchtet.

“Da dachte ich, dann muss sich eben jetzt jemand unbeliebt machen, und das war dann ich. Das ist auch die Funktion einer unabhängigen Wissenschaftlerin an der Universität.” (20.02.21, Presse am Sonntag)

“Ich glaube, dass die Wahl zum Experten in Österreich nicht immer an der Expertise liegt, sondern an der freundschaftlichen Verbundenheit. Und ich bin keine Tirolerin. Ich bin Deutsche, ich bin eine Frau
und ich gehe auch nicht Golf spielen. Ich bin Wissenschaftlerin und habe mich hier eher mit normalen Menschen als mit der politischen Schicht befasst. Und ich sage nur etwas, wenn ich muss. Ansonsten hab ich lieber meine Ruhe am Institut.”

„Es ist nur die Frage, wo die Beratung herkommt. Und die Beratung ist eben nicht immer gekoppelt an Sachkenntnis. Das ist vielleicht überall auf der Welt so. Aber Leute, die in diesem Feld so tief drin sind, die gibt es in Österreich kaum. Österreich hat auf dem Gebiet nicht die beste Expertise.“ (20.02.21, WELT)

So deutliche Kritik am Establishment in Österreich las man davor und danach nicht mehr. In Österreich gilt man damit schnell als Nestbeschmutzer. Oder wie mir eine prominente Expertin mir auf eine ausführliche Sachkritik auf ein Interview via E-Mail einmal mit einem Einzeiler antwortete: “Vielen Dank, dass Sie das Leben in unserem schönen Land Österreich so wertschätzen.”

Die Isolation von Tirol ist nicht gekommen. Es gab Ausreisebeschränkungen mit Antigentests und die erfolgreiche Ringimpfung mit vorgezogenen (!) Pfizer-Impfdosen rund um den Bezirk Schwaz, dem Epizentrum des BETA-Ausbruchs.

Seit der Causa Tirol ist mein Eindruck, dass sich von Laer deutlich vorsichtiger äußert, und selbst häufger mit Aussagen auffällt, über deren Inhalt Diskussionsbedarf besteht.

Sie wolle die Situation nicht verharmlosen, so die Virologin Dorothee von Laer, aber ein Großteil der Risikopersonen sei bereits geimpft. Man könne also eine höhere Inzidenz als vergangenen Herbst tolerieren, da auch nicht zu erwarten sei, dass die Krankenhäuser und Intensivstationen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen werden.” (07.08.21, Vorarlberg LIVE)

Mitte September 2021 glaubte sie, dass ein Zuwachs von 10% immunisierten Österreichern ausreichen würde, “damit wir die Pandemie wie in England oder Dänemark für beendet erklären können”. Wir wissen heute, in Uk wiederholt die Spitäler kollabierten, in Dänemark Maßnahmen wieder eingeführt werden mussten, nachdem die Infektionszahlen in den Schulen explodierten, und in beiden Ländern die Übersterblichkeit deutlich angestiegen ist (dazu zwei Millionen LongCOVID-Betroffene in UK).

Im Mai 2022 wiederholte sie diese Aussage mit “höheren Infektionszahlen tolerieren” – und befand sich damit auf Regierungslinie. Hat sie das wirklich selbst geglaubt? Ich hab sie anders eingeschätzt. Möglich, dass das ständige Bedrohungsszenario zu verharmlosenden Äußerungen verleiten ließ, um nicht wieder in der Schusslinie zu stehen. Als unabhängige Wissenschaftlerin war sie im Gegensatz zu manchen Kollegen nicht darauf angewiesen, parteinahe Geldgeber mit deutlicher Kritik an den Maßnahmen verschrecken.

Mit mehr Rückendeckung durch die Politik und Wertschätzung ihrer Arbeit als unabhängige Wissenschaftlerin hätte sich von Laer womöglich weiterhin sehr kritisch geäußert? Wir wissen nicht, welchen Einfluss die persönliche Bedrohungslage auf den Inhalt öffentlichre Äußerungen hat – außer, dass sich wie im PROFIL-Bericht oben geschildert, immer mehr Wissenschaftler zurückziehen und nurmehr selten Interviews geben. Auch auf Twitter setzt derzeit ein Massenexodus an Ärzten und Wissenschaftlern ein, die durch den Plattformbetreiber nicht genug vor Drohungen und Beleidigungen geschützt werden.

Eine fatale Entwicklung, die eine lautstarke, militante Minderheit belohnt, und durch die Politik, aber auch False-Balance-Journalismus gestützt wird. Selbstreflexion ist wie so oft Mangelware. Journalisten, die selbst zur False-Balance beigetragen haben, inszenieren sich jetzt ebenso als Opfer des zerstörten Diskurses und blockieren “negative Energien” und “Polemiker” weg, darunter eben auch alle Menschen, die eine Infektion vermeiden müssen oder wollen und dafür eintreten.

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