Tag 879: Suche nach Antworten

Die österreichische Regierung hat alle Käsescheiben entfernt, um SARS-CoV2 effektiv einzudämmen. Handhygiene spielt eine untergeordnete Rolle, Impfstoffe sind ohne Aufklärungskampagnen wenig effektiv, wenn die Grundimmunisierung (drei Impfdosen) nicht mehr auf neue Varianten angepasst wird.

Aufgrund Routinekontrollen hatte ich die letzten Wochen aktiv das Gespräch mit Ärzten gesucht, und kam dabei auch auf die Aufhebung der Absonderungsregeln zu sprechen. Dabei war ich verwundert, dass diese sogar befürwortet wurden. Covid19 müsse eine normale Erkrankung werden, Quarantäne und Massentests seien auf Dauer für den Staat zu teuer. Für mich jedoch ist die Abschaffung jeglicher Schutzmaßnahmen ein unrühmlicher Bestandteil meines Genesungsfortschritts, nämlich die mangelnde Bereitschaft, sich nach einem langen Krankenstand anzustecken und erneut krank zu sein. Weiters habe ich einige Bekannte und Freunde in der „Hochrisikogruppe“, die trotz mehrfacher Impfung nur unzureichend neutralisierende Antikörper aufbauen können, oder nicht geimpft werden können. Wie geht es für sie weiter? Sollen sie sich dauerhaft isolieren fürs restliche Leben? Was ist das für eine Perspektive?

Ich möchte die getätigte Aussagen nachfolgend einem Faktencheck unterziehen – basierend auf dem neuesten Kenntnisstand.

Kosten-Nutzen-Rechnung: Dauerhaft viele Krankenstände und Zunahme an LongCOVID versus Quarantäne und Massentests

Behauptung: Quarantäne und Massentests wären auf Dauer für den Staat viel zu teuer und würden sich nicht mehr argumentieren lassen. LongCOVID würde einen kleineren Teil ausmachen im Verhältnis.

Gut. Hier muss man schon weiter ausholen und sich fragen, was eigentlich aus Public-Health-Sicht das langfristige Ziel sein soll:

Wir haben in den letzten drei Jahren nie darüber gesprochen, was die mittel- und langfristige Perspektive sein soll. Im Idealfall hätte man den Weg von Asien gewählt, der auf Eliminierung von SARS-CoV2 abgezielt hat. Dafür gibt es zahlreiche weitere Infektionskrankheiten, die auf der Eindämmungs- und Eliminierungsliste stehen. Es hat diese Versuche gegeben, nachdem die weltweiten Lockdowns in der ersten Welle recht erfolgreich waren. Es gab den wissenschaftlichen Konsens in der zweiten Welle – als Reaktion auf die Great-Barrington-Erklärung – eine Niedriginzidenzstrategie anzustreben (Alwan et al. 2020), es gab auch einen Konsens unter Wissenschaftlern, dies speziell für Europa anzustreben (Priesemann et al. 2020), doch dominierte ab der zweiten Welle der mächtige Einfluss der Great-Barrington-Vertreter, der bis in die WHO gereicht hat, um den Aerosol-Übertragungsweg zu diskreditieren. Oliu-Barton et al. (2021) stellten nach Ende der dritten Welle klar, dass eine Eliminationsstrategie langfristig die besten Ergebnisse für Gesundheit, Wirtschaft und zivile Freiheit darstellt.

Einschub Impfstoffentwicklung

Asien (China) wollte einen Impfstoff entwickeln, der auch die Infektion verhindert, nicht nur schwere Verläufe, und ist mit ersterem gescheitert. Der Westen wollte von Beginn nur schwere Verläufe und Tod verhindern, bis zum Auftreten von OMICRON generierten die Impfstoffe aber auch einen gewissen Schleimhautschutz (Mades et al. 2021, Sheikh-Mohamed et al. 2022). Gleichzeitig war mit dem Auftreten der ersten Varianten ab Jahresbeginn 2021 klar, dass Herdenimmunität durch die Impfung alleine nicht mehr erreichbar war (Moore et al. 2021), bzw. nichtpharmazeutische Eingriffe (Quarantäne, Masken, Testen, saubere Luft) und die Impfung der Kinder und Jugendlichen dazu benötigt wurde (Liu et al. 2021). Die westlichen Regierungen hatten jedoch früh angekündigt, dass die Impfung der Weg der aus der Pandemie sein würde und reagierten nicht auf die veränderte Ausgangslage bzw. die Entwicklung von Virusvarianten, die den Immunschutz umgehen. Das Narrativ von „Impfung beendet Pandemie“ musste aufrechterhalten werden, das sollte die Erfolgsstory werden, die Hoffnung auf ein „normales Leben“ zurückgeben würde und nebenbei die Wähler an die Regierungsparteien binden sollte. Ab da schlichen sich mehrere handwerkliche bzw. kommunikative Fehler ein. So wurde behauptet, dass jene, die eine Impfung wollen gemeinsam mit jenen, die sich (lieber) infizieren lassen, Herdenimmunität bilden und die Pandemie so beenden. Die Impfkampagne blieb daher im Sommer liegen, wobei es da auch schon um den Wahlkampf im Herbst in Oberösterreich ging. Die aufkommende DELTAWELLE im Sommer wurde völlig unterschätzt, während Israel bereits die dritte Impfung ausrollte. Die nationalen Impfgremien regierten viel zu spät mit der „Booster-Impfung“, die tatsächlich der Abschluss der Grundimmunisierung sein sollte. Die ersten Daten waren durchaus vielversprechend für einen länger anhaltenden Schutz durch die dritte Impfung – auch gegen DELTA (Gardner and Kilpatrick 2021).

Und dann betrat OMICRON die Pandemiebühne, ein neuer Serotyp und erste Ausbrüche weltweit deuteten auf eine erhebliche Umgehung der Immunantwort hin, denn selbst kürzlich dreifach geimpfte Personen entwickelten deutliche Symptome, wiewohl sie meistens „mild“ blieben. Wir wussten zu dem Zeitpunkt jedoch nicht, was OMICRON hinsichtlich LongCOVID bedeuten würde. Was wir wussten, war dass auch asymptomatische oder milde Covid19-Verläufe bei den bisherigen Virustypen ausreichten, um LongCOVID zu produzieren. Spätestens mit den weltweiten Impfkampagnen und mehreren Wellen hätte man stärker die mangelnde Vergleichbarkeit zwischen den Ländern berücksichtigen müssen, also unterschiedliche Impfstoffe, Durchimpfungsraten je nach Altersgruppe und mehrere Infektionswellen, die auf demographisch unterschiedliche Länder trafen. Südafrika war nicht mit Europa vergleichbar – eine junge Bevölkerung, deren alte und immungeschwächte Gruppe durch die vorherigen Infektionswellen bereits dahingerafft wurde (hohe Übersterblichkeiten). Wir wissen heute, dass die ersten OMICRON-Varianten (BA.1 und BA.2) trotz verändertem Zelleintritt (Meng et al. 2022) und verringerter Pathogenität gegenüber DELTA (nicht aber ALPHA, Davies et al. 2022) weiterhin viele schwere Verläufe und Todesfälle verursachten, aber auch ähnlich viele LongCOVID-Fälle wie bei DELTA (Ayoubkhani and Bosworth 2022). Bei Kindern wurden aufgrund der Konzentration der Viruslast in den oberen Atemwegen mehr schwere Verläufe beobachtet als bei den vorherigen Varianten (Martin et al. 2022, Lefchak et al. 2022), andere Studien zeigen widersprüchliche Daten, aber aufgrund der höheren Übertragbarkeit insgesamt mehr Krankenhausaufenthalte (Wang et al. 2022).

Das hätte auch das Fazit der verantwortlichen Gesundheitsministerien sein sollen: Verringerte Schwere der Virusvariante wird ausgeglichen durch höhere Übertragbarkeit. Sie haben anders entschieden, obwohl mit selbst dreifach geimpfte Personen ähnlich ansteckend waren wie ungeimpfte Personen und – entscheidender Punkt – der Großteil der Kinder im Herbst 2021 noch ungeimpft war. Wir wissen, dass die Pandemie wesentlich durch Kinder und Jugendliche angetrieben wird, vornehmlich durch Kindergärten und Schulen ohne Schutzmaßnahmen. Ferien dämpfen die Übertragung und sorgen gemeinsam mit dem Aufenthalt im Freien zur wärmeren Jahreszeit für „saisonale Effekte“. Um wie viel geringer wohl die Infektionszahlen sein würden, wenn man die Sommerferien aufgeteilt in je zwei bis drei Wochen in den Herbst und Winter verschieben würde? Trotzdem entschied man sich bei der Einigung um die Impfpflicht gegen eine verpflichtende Kinderimpfung – und versäumte auch eine engagierte Aufklärungskampagne, etwa zu MISC und LongCOVID bei Kindern. Ebenso hätte man gerade in Klassen mit immungeschwächten oder behinderten Kindern das Argument der Herdenimmunität bringen können. Die Durchimpfungsrate bei Kindern und Jugendlichen ist bis heute schlecht – sie haben sich vielfach schon mehrfach infiziert und werden mangels anhaltender Immunität auch in unabsehbarer Zukunft neue Infektionswellen antreiben. Die Schuld daran haben nicht die Überträger, sondern die mit Verantwortung für Gesundheitsschutz bei den Behörden und in den Ministerien. Dort sitzen die Schreibtischtäter, die über das Schicksal von 8,8 Millionen Menschen entscheiden – die auch das Leben der Geimpften gefährden, wenn das Gesundheitssystem zusammenbricht und die Versorgung bei nichtcovidbedingten Anlässen nicht mehr sichergestellt werden kann, die aber auch die Bildung der Kinder gefährden, wenn aufgrund von Erziehermangel die Qualität im Bildungswesen weiter abnimmt.

Einschub Ende.

Der österreichische Gesundheitsökonom Thomas Czypionka hat am Beginn des Jahres ebenfalls auf die Vorzüge, Kosten und Umsetzbarkeit einer Niedriginzidenzstrategie hingewiesen (Czypionka et al. 2022). Er stellt klar, dass es keine weise Entscheidung ist, hohe Inzidenzen zuzulassen – selbst mit Impfstoffen. Hohe Inzidenzen gefährden direkt die Gesundheit von beträchtlichen Teilen der Bevölkerung, vor allem den vulnerabelsten einschließlich finanziell Schwächeren und sozial Ausgrenzten. Dieser Schaden schließt sowohl Sterblichkeit als auch LongCOVID-Fälle ein. Zudem können viele Menschen aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden oder zeigen eine unzureichende Immunantwort. Zweitens hat eine hohe Inzidenz negative Auswirkung auf Arbeitskräfte. Ob diese nun durch staatliche Absonderung oder Krankenstand ausfallen, ist irrelevant – krank ist krank – die verbleibenden Arbeitskräfte werden durch die ständige Überbelastung in den Burnout getrieben. Hohe Inzidenz gepaart mit teilgeimpfter Bevölkerung ermöglicht weitere Mutationen, wie wir sie derzeit mit OMICRON sehen – die weniger über intrinsische Übertragbarkeit, als höheren Immun Escape zu Reinfektionen führen. Selbst wenn SARS-CoV2 milder werden würde (evolutionär unwahrscheinlich), wächst aufgrund des Wegfalls aller Maßnahmen der Druck auf das Gesundheitssystem durch die bestehenden Infektionskrankheiten (Influenza, RSV) und weitere Epidemien (Affenpocken), aber aufgrund der generellen Impfmüdigkeit auch zuvor in Schach gehaltene Infektionskrankheiten (Masern, Diphterie, Polio….).

Mit der Abschaffung der Isolation/Quarantäne soll gewährleistet sein, dass diese Arbeitskräfte nicht fehlen, tatsächlich ist der Anteil an vollständig symptomlosen Personen wahrscheinlich geringer als behauptet. Bei BA.2 lag er bei 40%, bei BA.5 liegt er anekdotisch niedriger – die meisten Infektionen verlaufen symptomatisch, nicht wenige mit 2-3 Wochen Krankenstand. Die Regierung hat in der Begründung der Aufhebung der Absonderung selbst zugegeben, dass es das effektivste Mittel gegen die Verbreitung von SARS-CoV2 sein würde, aber hier geht es letztendlich nicht um die Frage, was mehr kostet – Quarantäne oder Krankenstand, sondern wie man verhindern kann, dass sich so viele Menschen anstecken.

Mathematisches Modell für die kommenden 10 Jahre bei unterschiedlich nachlassendem Immunschutz, abhängig von der Entwicklung weiterer Varianten. Annahme: Eine Person steckt 8 weitere an und bleibt mindestens acht Tage infektiös. Bei einem Szenario wie der Influenzagrippe (blau) bekommen wir saisonale Wellen, bei schneller nachlassendem Immunschutz sind die saisonalen Effekte schwächer ausgeprägt. Derzeit liegen im roten Szenario mit jährlich nachlassendem Immunschutz und ständig um 2% infizierter Gesamtbevölkerung – im ganzen Jahr! Quelle: Trevor Bedford, Virologe

Die Frage muss man also anders angehen. Können wir uns dauerhaft so viele Krankenstände leisten? Nehmen wir an, 60% der Neuinfektionen bleiben symptomatisch und nicht arbeitsfähig bzw. kranke Kinder, die zuhause betreut werden müssen. Das sind auf Österreich bezogen ganzjährig rund 100000 Menschen, die ständig im Krankenstand oder Pflegefreistellung sind – und das sind nur akute Verläufe!

Der volkswirtschaftliche Impact von LongCOVID ist nicht so klein, wie behauptet. Das fängt bei Kindern an (Ärztenachrichtendienst, 02.08.22) und geht hin bis zum weltweiten Arbeitskräftemangel. Cutler (2022) rechnet die Kosten von LongCOVID in den USA vor: Wenn eine Million Arbeitskräfte wegen LongCOVID-Fällen entspricht das einem Verdienstausfall von mehr als 50 Milliarden Dollar jährlich. Dazu kommen die hohen medizinischen Kosten für Jahre oder Jahrzehnte an Behandlungen durch Spezialisten, Medikamente und Pflegebetreuung. Wenn die Behandlung von LongCOVID ähnlich wie bei MECFS ist, betragen die geschätzten Kosten rund 9000 Dollar pro Person pro Jahr. In Österreich gibt es einen gravierenden Mangel an Spezialisten und hohe Wartezeiten. Dabei verschlechtert sich aber häufig die Symptomatik, wenn etwa nicht ausreichend über Post Exertion Malaise und notwendiges Pacing (keine Überaktivierung) aufgeklärt wird. Die Rückkehr aus dem Home-Office wirkt sich dabei ebenfalls negativ aus.

Auch in Großbritannien wird zur Auswirkung von LongCOVID auf den Arbeitsmarkt geforscht (Waters and Wernham 2022). Bis Ende Mai 2022 hatten fast 3% der Bevölkerung LongCOVID, davon war ein Fünftel „stark beeinträchtigt“. Derzeit wird geschätzt, dass 10% der LongCOVID-Betroffenen arbeitsunfähig ist. In Summe fehlen 110 000 Arbeitskräfte durch Krankenstand.

Die Bank of England hat bereits am 9. Mai 2022 festgestellt, dass der Arbeitsmarkt um 440 000 Personen geschrumpft ist, der Großteil aufgrund von Langzeitkrankenständen. Die Impfung löst das Problem nicht vollständig – denn über 400 000 Personen entwickelten LongCOVID in der OMICRON-Welle, und da ist die große BA.2-Welle im März nicht eingerechnet. Neuere Daten zeigen, dass sich die Zahl der „wirtschaftlich inaktiven Briten“ verdoppelt hat.

Auch in der Schweiz findet man 3% LongCOVID-Betroffene, in Bayern bis zum ersten Quartal 3,1% – für Österreich entspräche das rund 145 000 Long-COVID-Betroffene, vielfach ohne Anlaufstellen – vielen droht der direkte Absturz in die Armut.

Um es kurz zu machen:

Absonderung verhindert weitere Infektionen und bei 10 Tagen Dauer ist es zugleich LongCOVID-Prävention, nicht infiziert arbeiten zu gehen. Einem behördlichen Absonderungsbescheid kann sich eine Firma nicht widersetzen. Wenn ein Mitarbeiter aber sagt, er sei krank, dann kann er in prekären Berufsgruppen ohne (schlagkräftige) Gewerkschaft zum Arbeiten gezwungen werden. Wenn er zu früh aus dem Krankenstand zurückkommt, riskiert er schwere Folgeschäden wie Herzmuskelentzündung und Schlaganfälle oder zig LongCOVID-Symptome. Das kann Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen. Die Kosten belasten die Bevölkerung mehrfach – nicht nur der Ausfall von Steuern, sondern auch die zusätzliche Belastung des Gesundheitssystems, zudem bindet es vielfach Angehörige, die aufhören müssen zu arbeiten oder nur eingeschränkt arbeiten können, um die Betroffenen zu betreuen/pflegen. Langfristig zu beachten ist der hohe Burnout-Faktor im Gesundheits- und Erziehungswesen, woraus allgemein schlechtere Betreuung resultiert. Auch das hält eine Gesellschaft nicht dauerhaft durch, wenn man an die Gleichzeitigkeit von Epidemien/Pandemien denkt. Schließlich kommt natürlich der unethische, inhumane Grundgedanke durch – der Tod von Menschen mit Immunschwäche aus allen Altersgruppen wird in Kauf genommen. Diese können sich nur durch völlige Exklusion aus der Gesellschaft schützen und können bei Aktivitäten, die nur ohne Maske möglich sind, nicht mehr teilnehmen – im Unterschied zur Influenza, wo es sehr wohl lange Niedriginzidenzphasen gibt und das individuelle Risiko gut eingeschätzt werden kann.

Saubere Luft als Investition für die Zukunft

Behauptung: Lüftungsanlagen wären zu teuer.

Österreich hat in Europa die vierthöchste Millionärsdichte mit 4,5%. 10% aller Österreicher besitzen 57% des privaten Gesamtvermögens. In Österreich leben fast 350 000 Millionäre, dennoch (oder gerade deswegen) haben wir weder Vermögens- noch Erbschaftssteuer. Pandemie, Energiekrise und Kosten des Klimanotstands lassen sich nicht mehr durch reine Umverteilung in der ärmeren Bevölkerungsschicht bewältigen. Die reiche Oberschicht muss genauso ihren Teil leisten – einflussreiche Lobbyisten haben alle Krisen und die mangelhafte Bewältigung immerhin mitverursacht.

Positionspapiere, Initiativen und umgesetzte Projekte für saubere Luft in Innenräumen gibt es verbreitet (siehe Initiative Gesundes Österreich). Langfristig denken!

Saubere Luft in Klassenräumen (und Lehrerzimmern) reduziert auch das Infektionsrisiko von anderen „Kinderkrankheiten“ (Influenza, RSV, Adenoviren, gewöhnliche Coronaviren). Im Sommer wird zudem noch die Pollenbelastung reduziert. Nebenbei fördert Frischluftzufuhr die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

Natürliche Durchlüftung, Masken und HEPA-Filter sind effektive Schutzmaßnahmen, um Aerosol-Übertragung zu verringern (Villers et al. 2022). Gute Lüftungsanlagen können die Neuinfektionen um 82% reduzieren (italienische Studie).

In Käsescheiben denken – Maßnahmen wirken kombiniert besser

Frage: Warum müssen Kinder mit 3x PCR-Testen die Woche immer noch Maske tragen? Warum dürfen sie trotz regelmäßigen Testen nicht in den Turnsaal?

Antwort: Testen alleine verhindert keine Ansteckungen. Anekdotisch haben manche teilprivate Schulen in Wien strengere Regeln angelegt (ohne negativen PCR-Test kein Schulbesuch möglich) und hatten Maskenpflicht auch im Unterricht. Erfolg: Keine oder einstellige Infektionszahlen jeweils während den Herbstwellen. Generelle Maskenpflicht VERHINDERT, dass Cluster entstehen, durch die Kinder abgesondert werden müssen und Elternteile aus der Arbeit abgezogen werden. Im Turnsaal werden durch sportliche Aktivität vermehrt Aerosole erzeugt und erhöhen das Infektionsrisiko durch Aerosolakkumulation (Ausnahme: gut belüftete Hallen), siehe Mutsch et al. (2022). Outdoor-Sport war daher immer vorzuziehen, war lange Zeit aber ebenso verboten (Trainingsverbot am Fußballplatz) – unverständlich angesichts immer erlaubten Skifahrens. Zudem herrschte in der Zeit regelmäßiger PCR-Tests leider keine Niedriginzidenzphase, sodass man auf Masken tragen hätte verzichten können. In Zeiten hoher Inzidenzen müssen zwingend mehrere Käsescheiben eingesetzt werden, da eine hohe Hintergrundinzidenz auch in Kindergärten und Schulen die Infektionszahlen steigen lässt (Johnson et al. 2020, Hoehl et al. 2020).

Grippe wie Corona behandeln, nicht umgekehrt

Behauptung: LongCOVID-Folgen wären erst in 10 Jahren abschätzbar/ sichtbar. Grippe hätte auch Langzeitfolgen wie Herzschäden. Es gibt 2000 Todesfälle pro Jahr, unter 10% der ÖsterreicherInnen lassen sich regelmäßig impfen.

Wir reden aber nicht von 2000 Todesfällen im Jahr, sondern von 20000 Toten in 2,5 Jahren Pandemie und 19000 Toten Übersterblichkeit!

„LongInfluenza“ ist bekannt und ein potentielle Ursache für MECFS. (Magnus et al. 2015, Lars Fischer 2018, Islam et al. 2020, Choutka et al. 2022).

Muss man das einfach hinnehmen? Warum gibt es keine energischeren Impf- und Aufklärungskampagnen für Influenza? Warum sind Auffrischimpfungen nicht generell kostenlos, und nicht nur in Zusammenhang mit betrieblicher Vorsorge, wenn angeboten? Warum lässt sich nicht dauerhaft zur saisonalen Spitze von Influenza und influenzaähnlichen Krankheiten (ILIs) eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln durchsetzen, um die Verbreitung von Influenza zu verhindern? Die kann immerhin aufgrund der kurzen Inkubationszeit effektiv eingedämmt werden, wie die letzten zwei Pandemiewinter zeigten, als zwei von vier Influenza-Stränge ausgerottet wurden (Dhanasekaran et al. 2022). SARS-CoV2 hat eine drei Mal höhere Sterblichkeitsrate als Influenza nach Hospitalisierung (Mackenzie et al. 2022), die Sterblichkeit nach Infektion ist im Folgejahr 3x höher (Uusküla et al. 2022). In den USA ist Covid19 die führende Todesursache bei Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre (Flaxman et al. 2022). Auch Kinderarzt und Mitglied des Nationalen Impfgremiums, Karl Zwiauer, spricht davon, dass keine Kinderkrankheit so belastend wäre wie Covid19.

Mit den neuen Isolationsregeln wird positiv getesteten Personen mit Symptomen nicht nur die Möglichkeit gegeben, zu arbeiten, nein sie stehen auch unter Zugzwang je nach Arbeitgeber, mit Symptomen zu arbeiten – so wie das vor der Pandemie schon mit grippalen Infekten der Fall war. Auf diese Weise kann man sich Herzmuskelentzündung und einen dauerhaften Herzschrittmacher einfangen, bei SARS-CoV2 sind drei Monate nach einem milden Akutverlauf mehr als 60 Symptome beschrieben (Subramanian et al. 2022), frühere Studien sprechen sieben Monate nach der Akutinfektion sogar von mehr als 200 Symptomen (Davis et al. 2022). Im ersten Pandemiejahr haben viele Arbeitnehmer noch die Möglichkeit geschätzt, ohne Druck durch den Arbeitgeber zuhause zu bleiben – sowohl durch Homeoffice-Regelung als auch durch behördlich angeordnete Quarantäne/Isolation. Nun werden die alten präpandemischen Fehler wiederholt und wir werden zusätzlich zu vermeidbaren Influenzafällen mit Langzeitfolgen auch dauerhaft viele Covid19-Fälle mit signifikanten Langzeitfolgen produzieren. Weder für MECFS-Betroffene durch Influenza und andere Infekte noch durch Covid19 gibt es ausreichend Anlaufstellen, geschweige denn finanzielle Absicherung und Behandlungsmöglichkeiten.

Jetzt ist der falsche Zeitpunkt für Pandemieende

Behauptung: Der Zeitpunkt ist immer schlecht, es ist nicht ewig hinauszögerbar, der Übergang ist immer schwierig. Es muss eine normale Erkrankung werden. Wir werden mit der Impfung immer hinterhinken. Derzeit wird das Virus schwächer.

Das Virus bleibt gefährlich, wie die OMICRON-Welle in Hong Kong gezeigt hat, wenn sie auf eine ungeimpfte Bevölkerungskohorte trifft. Der Eindruck, dass OMICRON milder werden würde, geht einzig auf die steigende Bevölkerungsimmunität gegen schwere Akutverläufe und Todesfälle durch Impfung und/oder Infektion zurück. Für immungeschwächte Personen und ungeimpfte Kinder bleiben alle BA.x-Varianten gefährlich, zumal aktuell nur noch ein therapeutisch eingesetzter monoklonaler Antikörper gegen die vorherrschende BA.5-Variante wirksam ist (Hentzien et al. 2022). BA.5 geht wie DELTA wieder stärker auf die Lunge und verursacht mehr schwere Verläufe als vorherige BA.x-Varianten (Hansen et al. 2022, Kislaya et al. 2022). Frankreich berichtete schon Mitte Juni von wieder vermehrtem Geruchs- und Geschmacksverlust als bei BA.1 und längerer Dauer von Symptomen, in Bayern waren Ende Juli mehr Covid19-Patienten im Krankenhaus als bei DELTA.

Eine rezente Tiroler Antikörperstudie bei Blutspenden konnte nachweisen, dass bei Geimpften der Antikörper-Spiegel im Schnitt etwa 16 Mal höher sei. Eine noch unveröffentlichte Antikörperstudie aus Genf zeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung zwar schon infiziert war, aber weniger als die Hälfte neutralisierende Antikörper gegen OMICRON-Varianten aufweist.

Ich kann es nur mit Nachdruck betonen: Selbst mit relativ weniger schweren Verläufen, sorgt eine ansteckendere Virusvariante in absoluten Zahlen gesehen für mehr schwere Verläufe. Zudem muss man berücksichtigen, dass in einer Hochinzidenzphase auch Gesundheitspersonal kaum Chancen hat, sich zu schützen und auf das verbleibende Personal dauerhaft hoher Arbeitsdruck lastet. Wie schon vor zwei Jahren gewarnt wurde, dass der unverändert hohe Infektions- und Arbeitsdruck auf Gesundheitspersonal dazu führen wird, dass dieses in Scharen davonläuft, sei es aus Burnout, Frühpensionierung oder Invalidität durch LongCOVID. Ein immer weniger leistungsfähiges Gesundheitssystem trifft aber auf wachsende Aufgaben, mit SARS-CoV2 auf hohem endemischen Niveau, mit Influenza, mit Affenpocken und mit all dem, von dem wir noch nicht wissen, was auf uns zukommt.

Warum hätte es sich gelohnt zu warten, statt schon im Sommer 2021 die Pandemie für beendet zu erklären?

Eine parlamentarische Anfrage ans Bildungsministerium hat offengelegt, dass bereits im April 2021 eine Studie mit dem Titel „Gemeinsam zurück zur Normalität“ geplant wurde, Auftragnehmer war die GÖG. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine zugelassene Impfung für Kinder und Jugendliche. Auch im Herbst wollte man sie in den Schulen nicht schützen, im Gegenteil. Die GÖG erhielt den Auftrag auszurechnen, wie viele Neuinfektionen im Sommer und Herbst 2021 zugelassen werden konnten, bis die Spitäler kollabieren würden. Sie errechneten eine Obergrenze von 10000 Neuinfektionen, unter Berücksichtigung, dass junge Menschen seltener ins Krankenhaus kamen, also in dieser Altersgruppe mehr Infektionen zugelassen werden konnten. Mit anderen Worten: Die Durchseuchung der Kinder und Jugendlichen war eingeplant, um den Erwachsenen möglichst schnell eine „Rückkehr in die Normalität“ zu erleben. Heute sind 78% der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren immer noch ungeimpft! Ohne eine hohe Durchimpfungsrate in dieser Altersgruppe wird man die Pandemie nie in Griff bekommen, auch das Risiko für Folgeschäden wird für Kinder hoch bleiben (Kompaniyets et al. 2022), wiederholte Reinfektionen verlaufen eben nicht milder, wie anekdotisch von zahlreichen LehrerInnen berichtet wird, denen zum Teil noch eher als den Eltern auffällt, wenn sich Konzentrationsschwächen und Wortfindungsstörungen bemerkbar machen.

Der neueste CDC-Bericht zeigt klar, dass Kinder deutlich höhere Risiken für schwerwiegende Komplikationen nach einer Covid19-Infektion haben. Infektionsschutz ist essentiell, um die Kindersterblichkeit zu reduzieren.

Warum gibt es nur auf oder zu? Ich toleriere die Realität, dass das Virus nicht mehr eliminierbar ist, aber ich sehe nicht ein, deswegen alle Schutzmaßnahmen aufzugeben. Jede individuelle Person, die die nächste (oder erste) Infektion vermeiden kann, bis sie die nächste (bei Kindern erste) Auffrischimpfung erhalten hat, bedeutet ein Gewinn an gesunden Lebensjahren, bei Kindern ganz besonders, die von der Gesamtbevölkerung am meisten zu verlieren haben. Hier geht es nicht nur um unbeschwerte Kindheiten. Ich hatte auch keine und bin trotzdem Gott sei Dank Teil der Gesellschaft. Viele Zuwanderer vom Balkan oder aus anderen Krisenregionen hatten keine schöne Kindheit, trotzdem schätzen und lieben wir sie als Freunde und Kollegen, trotzdem führen viele von ihnen heute ein erfülltes Leben. Was sollen jene sagen, die ihre Kindheit wegen ständiger Krankenhausaufenthalte verpasst haben? Die Summe der Schulschließungen umfasst in Wahrheit wenige Wochen in den ersten beiden Jahren, aber wesentlich mehr Abwesenheit gab es durch echte Krankenstände und Absonderung von Infizierten. Und ich sag mal eines – das ist auch richtig so und bei Influenza freut sich das eine Kind in der Klasse mit Immunschwäche genauso, wenn die anderen Kinder für sie alle impfen gehen, oder ihr zuliebe Maske tragen. Das stärkt die Solidarität in der Klasse, in der Gemeinschaft, das ist eine positive Lebenserfahrung, ein Gewinn für alle.

Die Impfstoffentwicklung steht nicht still, aber die Anpassung dauert. Wir hinken deswegen hinterher, weil wir nicht eindämmen und neue Varianten erzeugen, diese aber auch sich ausbreiten lassen. Würde man konsequenter eindämmen, könnte man Zeit gewinnen, bis angepasste Impfstoffe da sind. Es würde bis dahin zwar immer noch schwere Verläufe geben, aber mehr Zeit, um angepasste Impfstoffe zu verteilen. Ebenso könnte man Operation Warpspeed auf nasale Impfstoffe ausweiten, die den Schleimhautschutz verbessern – das würde das Infektionsrisiko deutlich senken.

Wer falsch kommuniziert, darf sich nicht über mangelnde Bereitschaft wundern

Behauptung: Die Bereitschaft ist nicht mehr da. Es gibt immer mehr Maskenverweigerer.

Obrigkeitshörigkeit und mangelnde Bereitschaft, sich und andere vor Infektionen zu schützen schließen einander leider nicht aus.

Wir wissen, dass die Bevölkerung auch Regeln befolgt, deren medizinisch-virologischer Nutzen bei SARS-CoV2 begrenzt oder unbelegt ist. Das fing an mit exzessiver Handhygiene, die bis heute existiert (Mückstein: „Jeder Desinfektionsspender ist ein Akt der Nächstenliebe“), geht über Plexiglasbarrieren, Desinfektion von Kugelschreibern bei der Hotelrezeption, während man mit der maskenlosen Mitarbeiterin interagiert, die exakten Meter-Abstände zwischen den Tischen im Lokalraum, das Absetzen von Masken beim Sprechen und Aufsetzen beim Schweigen, das Absetzen am Sitzplatz und Aufsetzen beim Aufstehen. Das Auf/Absetzen von Masken an der Stadtgrenze, das Abnehmen im Unterricht und Restaurant am Sitzplatz, das Absetzen von Masken, sobald man alleine ist, der 48 Std. alte Antigentest als Freibrief fürs unvorsichtig sein, der negative Antigentest bei Symptomen, der als „nicht infiziert“ interpretiert wird.

Die Bevölkerung ist bereit, viel Unsinn mitzutragen, weil er vorgeschrieben ist, und nicht darüber hinauszugehen, die Maske also auch dort zu tragen, wo sie NICHT vorgeschrieben ist. Gleichzeitig verweigern sehr viele die Maske oder tragen sie schlampig. Warum?

Weil die Regierung inkonsistent kommuniziert:

  • Das Virus wäre für gesunde (inkompetente) Menschen harmlos
  • Schwere Verläufe würden nur vulnerable/alte Menschen bekommen.
  • Kinder würden nicht schwer erkranken
  • Reinfektionen verlaufen milder
  • Im Fall einer Infektion würde es Medikamente geben, die zu 100% wirken
  • Die Impfung würde LongCOVID zu 100% verhindern
  • OMICRON sei mild, egal welche Untervariante
  • Infektion auf Impfung würde die beste Immunität erzeugen
  • Auffrischungimpfung wäre nur für ältere und vulnerable Menschen notwendig

Wenn das derzeitige Virus als mild geframed wird – selbst wenn Bekannte LongCOVID entwickeln („der MUSS Vorerkrankungen gehabt haben!“), wenn die „Hybrid-Immunität“ erwünscht ist, auch weil angepasste Impfstoffe nicht rechtzeitig kommen, warum soll ich dann weiter Maske tragen?

Wenn Kinder- und Hausärzte und ApothekerInnen sagen, Maske verschiebt Infektion in die Zukunft, Infektionen würden das Immunsystem trainieren. Man würde andere Infektionserkrankungen dann nachholen durch das lange Maske tragen – warum soll ich mir ins eigene Fleisch schneiden?

Narrativ der Regierung zugespitzt: Infektion ist völlig ok, Virus ist überall, jeder wird sich infizieren, ergib Dich Deinem Schicksal. Gleichzeitig: Du kannst ja selbst Maske tragen, um dich zu schützen. Warum sollte ich das tun, wenns eh harmlos ist?

Und deswegen sehen wir in Österreich eine schlecht bis falsch informierte Bevölkerung, die mehrheitlich Regeln befolgt, und gleichzeitig jedes Schlupfloch ausnutzt, sich (und damit andere) nicht zu schützen, und damit falsch agiert, obwohl sie sagt „ich hab mich an alle Vorgaben gehalten“.

Forderungen der Querdenker erfüllen macht sie stärker, nicht schwächer

Behauptung: Die Aufhebung der Maßnahmen war notwendig, um Aggressionen rausnehmen.

Die Diskussion um die Aufhebung der Quarantäne/Isolation begann bereits im Spätwinter 2022 durch Wortspenden von Nowotny, Gartlehner und anderen. Die Impfpflicht wurde erst ausgesetzt, dann abgeschafft. Impfgegner jubelten, Covidleugner sahen sich bestätigt, dass Covid19 harmlos war, sonst hätte hätte man die Impfpflicht beibehalten. Am 8. Juni 2022 wurde das Epidemiegesetz so geändert, dass Absonderung durch „Verkehrsbeschränkungen“ ersetzt werden kann, wenn es weiter bei OMICRON-Varianten bleiben sollte. Am 27. Juni gab die Ärztin Lisa-Maria Kellermayr bekannt, die Praxis nach anhaltenden Drohungen vorübergehend schließen zu müssen, am 13. Juli kündigte sie an, dass sie nicht mehr aufsperren kann. Eine Woche später werden die Pläne der Regierung bekannt, die Isolationspflicht abzuschaffen, am 26. Juli wird die Verordnung unterzeichnet, am 29. Juli wird Kellermayr tot in ihrer Praxis aufgefunden. Am 1. August gilt die neue Verordnung. Infizierte dürfen sich frei bewegen, niemand kontrolliert, ob sie sich an die Maskenpflicht halten. Contact Tracing wird eingestellt, der Krisenstab verkleinert, die weitere Reduktion der Gratis-PCR-Test ist im Gespräch.

Eine andere Geschichte: Die Pandemie soll für Geimpfte vorbei sein. Im Sommer 2021 passiert nichts. Im September 2021 sind Wahlen in Oberösterreich. Die Impfgegnerpartei MFG tritt an und droht, allen etablierten Parteien, die für die Impfung werben, Stimmen abzunehmen. Niemand will sich an einer Impfkampagne beteiligen oder neue Maßnahmen fordern, obwohl die Infektionszahlen in der DELTA-Welle rasch steigen. Obwohl die anderen Parteien schweigen, schafft es die MFG auf Anhieb in den Landtag, kassiert sechs Millionen Euro für Anti-Impf-Propaganda und zieht nicht nur im Februar 2022 in Tiroler Gemeinden ein, sondern im März 2022 mit 6 Mandaten auch in die Ärztekammer Wien. Wer prominent und öffentlich für die Impfung warb, wie zahlreiche Impfärztinnen und Impfärzte, der Gesundheitsminister Mückstein und Wissenschaftler wie Hutter oder von Laer, sah sich wiederholten Morddrohungen ausgesetzt – und wurde von der Regierung im Stich gelassen. Auffrischimpfungen wurden zur Privatsache erklärt, über den richtigen Zeitpunkt wurde dafür nicht aufgeklärt. Die Abschaffung aller Maßnahmen seit dem Jahreswechsel hat coronaverharmlosende Parteien und Gruppen nicht ruhiggestellt – im Gegenteil. Die FPÖ legt in Umfragen wieder zu, die MFG ist stabil über der 4%-Hürde, und wer sich jetzt mit Maske draußen bewegt, wird teilweise angepöbelt und für positiv gehalten. Auf den Gedanken, dass sich jemand immer noch schützen will, kommen die wenigsten. Covidleugner verbergen ihren Egoismus nicht und betreten ohne Maske selbst dann öffentliche Räume, wenn sie noch vorgeschrieben ist (z.B. Öffis). Sie wissen, dass man ihnen nichts anhaben kann.

Rechtsextremismusexperten wissen aber auch, dass die rechte Szene die Pandemie nur instrumentalisiert, um sich gegen die Regierung aufzulehnen und den demokratischen Diskurs zu zerstören. Selbst mit einer als zu Ende deklarierten Pandemie, verschwinden sie nicht von der Bildfläche. Wie man jetzt sieht, springen sie zum nächsten Thema, der Energiekrise und den damit verbundenen sozialen Verwerfungen. Das nützt aufgrund der Regierungsuntätigkeit und der Planlosigkeit der SPÖ wieder vor allem den Rechten.

Nein, das ist kein gutes Argument, gegen alle wissenschaftliche und medizinische Ratschläge Maßnahmen aufzuheben, die sich langfristig für die gesamte Gesellschaft auszahlen. Es ist vor allem unverständlich, wie man das als Arzt befürworten kann, immerhin schneidet man sich ins eigene Schlaf. Die Spitälern haben dauerhaft immer weniger Kapazitäten, es bleibt immer mehr an niedergelassenen Ärzten hängen, die aufgrund der Pensionierungswelle und dem unattraktiven Kassenarztberuf ebenfalls unter Personalmangel leiden. Wie soll sich das alles auf Dauer ausgehen? Warum hat man sich nicht die Sorgen und Ängste der bedrohten Ärzte und Wissenschaftler gehört? Was ist das für eine Strategie, auf die Täter zuzugehen, nicht auf die Opfer? Das wäre so, wie wenn man Frauen verbieten würde, nackte Haut zu zeigen, weil das Täter zu Sexualverbrechen animieren könnte. Im vorauseilenden Gehorsam wurden die „Gräben zugeschüttet“, indem man die Forderungen der grölenden Minderheit erfüllt hat. Die Drohungen sind geblieben, die Opfer wurden alleine gelassen.

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