Tag 34: Maskenpflicht, Wald und Vitamin D

In der Theorie klingt es sinnvoll. Es macht Eindruck auf der Welt, wenn Österreich eine Maskenpflicht einführt. Alle Geschäfte und öffentliche Verkehrsmittel, was in Wien bedeutet, dass man im gesamten öffentlichen Raum (zu Fuß) eine Maske trägt. Die WHO war erst dagegen, aber jetzt mehren sich die Stimmen für ein generelles Tragen von Masken. Abgewandelt nach Kickl: Die WHO hat der Politik zu folgen und nicht die Politik der WHO! Wo kämen wir denn hin, wenn wir auf Experten hören würden?

Eine andere Beobachtung ist, dass Menschen mit den Masken die Abstände weniger einhalten. Die Maske bietet aber keinen Schutz vor dem Einatmen von Virenpartikeln, die andere ausatmen. Eine trügerische Sicherheit. Gefährlich wird es sogar, wenn der Normalbürger beim Einkaufen oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln eine FFP3-Maske trägt. Der Filter funktioniert nämlich nur in eine Richtung. Die eigene Ausatemluft wird ungefiltert stark beschleunigt abgegeben und verwirbelt 10fach im Raum, das gefährdet Andere. Besser FFP2, sagt der Mediziner (in diesem Fall Dr. Marc Hanefeld).

Wie sieht es nun in der Praxis aus?

Ab heute herrscht in Österreich Maskenpflicht in Öffis und Geschäften. Ich fuhr heute früh erst mit der U-Bahn. Die Stoffmaske gab ich kurz vor dem Betreten der U-Bahn-Station auf mein Gesicht. Augenblicklich beschlug meine Brille, also nachjustieren. Nach zehn Minuten betrat ich dann den Bäcker in Landstraße. CoffeeToGo heute nicht, weil wie soll man Kaffee trinken, wenn man die Maske aufhat? Ich vermied es, sofort zum Bahnsteig hinabzugehen, sondern trat kurz ins Freie und setzte die Maske ab, die durch die Atemluft bereits feucht war. Ich hatte sie erst knappe 15 Minuten aufgehabt. Kurz vor der Einfahrt des Zuges setzte ich die Maske wieder auf. Fahrtzeit zwanzig Minuten. Zu lang. Zwischendurch stieg eine ÖBB-Mitarbeiterin ein, die eine professionellere Maske aufhatte. Sie sah sich verstohlen um, setzte die Maske ab, trank aus einer Wasserflasche und setzte die Maske wieder auf. Ich überlegte mir unterdessen, wie ich mir mit Maske die Nase putzen sollte.. Schlimme Zeiten für Pollenallergiker. Mit genug Abstand zu den anderen Fahrgästen setzte ich die Maske wieder ab, sogleich war das Atmen leichter und es drang wieder frische Luft in die Lungen. Beim Aussteigen war es gar nicht so einfach, genug Abstand zu den anderen austeigenden Fahrgästen zu halten. Fazit: Für eine Benutzung von länger als 20 Minuten reicht eine Maske nicht aus – ich hab aber nur zwei, weil wegen dem Huschpfusch der Regierung und der explosiven Nachfrage nach Masken meine bestellten Masken erst später geliefert werden. Wenn man sich vorstellt, man müsste die Maske noch länger tragen, weil die Anfahrt länger ist, weil man anschließend einkauft und wieder zurückfährt, dann wird der Sinn einer Maske ad absurdum geführt. Dazwischen greift man dutzend Mal auf die Maske, ins Gesicht, um sie zurechtzurücken, während ich mich die letzten Woche schon daran gewöhnt hatte, mir nicht mehr ins Gesicht zu greifen. Sie dient nur als Spuckschutz vor anderen, womit grundsätzlich nichts dagegenspräche, seine eigenen Viren anzufassen. Die wichtigste Regel bleiben Abstand und Hände waschen bzw. desinfizieren. Es ist vermutlich auch gescheiter, die benutzte Maske außen an den Rucksack zu hängen, dass es gut belüftet trocknen kann, statt in ein Sackerl zu geben oder ins Hosentascherl.

Ob die Masken etwas bringen oder nicht, wissen wir nicht. Letztendlich zählt wohl das Vorsorgeprinzip. Faktum ist, dass wir aus China und Italien wissen, dass sich viele Rettungskräfte und Gesundheitsberufe durch die falsche Verwendung der Schutzausrüstung infiziert haben. Gesundheits- und Sozialberufe in Österreich sind vielleicht inzwischen gut eingeschult, für normale Bürger könnte das Infektionsrisiko bei falscher Handhabung der Maske aber größer sein als das Infektionsrisiko ohne Maske.

Martin Sprenger, 14.04.2020, Addendum

Die psychosoziale Wirkung der Masken ist viel einschneidender als der gesundheitliche Nutzen. Wohin man blickt, sieht man Zombies. Ohne Gesichter, ohne Ausdruck, den Kopf gesenkt, schweigend, als wären sie alle schuldig. Als wäre die Pest oder Pocken ausgebrochen und alle hochansteckend. Eine schweigende Masse, die sich nicht mehr als Gruppe definieren darf. Versammlungsfreiheit gilt nicht mehr bis zur Impfstoffentwicklung. Abweichende Meinungen werden vom Kanzler nicht geduldet, da ist dann von juristischen Spitzfindigkeiten die Rede oder von falschen Experten. Und nachdem ihm die eigenen Experten zu oft uneinig waren, hörte er lieber auf Experten aus dem Ausland – ohne je konkret zu werden. Dieses Kanzlerverhalten ist nicht neu, er hat es in der Ibizakoalition bis ins kleinste Detail inszeniert, seine Verachtung vom Parlament, der Justiz und dem Willen des Volkes (siehe Volksbegehren). Die Politik der Angst erlaubt es ihm, quasi per Dekret zu regieren, es ginge ja nur darum, Österreich zu schützen. Dafür erhält er in Meinungsumfragen über 75 Prozent Zustimmung. Es ist unfassbar, wie leicht die österreichische Bevölkerung manipulierbar ist. Der Übergang in ein autoritäres System ist fließend. Die derzeitige Politik geschieht übrigens unter Duldung eines grünen Koalitionspartners und eines grünen Bundespräsidenten.

Natur ist heilsam

Der Ansicht ist auch Martin Sprenger, Public-Health-Experte und inzwischen ehemaliges Mitglied des Expertenstabs des Gesundheitsministerium:

Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass es bei Einhaltung von einem Meter Abstand zu irgendwelchen Infektionen im Freien kommt. Darum halte ich auch alle Einschränkungen der Bewegung im Freien, das Schließen von Parks und Wandergebieten für falsch und nicht nachvollziehbar.

Ich hab auch einen Artikel von Zeynep Tufekci erwähnt, der in die gleiche Kerbe schlägt, so wie derzeit generell englischsprachige Artikel viel gehaltvoller, seriös recherchierter und erfrischend andere Meinungen einbringen als der Einheitsbrei der Message Control in Österreich. Tufekci bezieht sich u.a. auf die Erkenntnisse aus der Spanischen Grippe.

Und von gestern ein Washington Post-Artikel, wo ein Harvard Immunologe dasselbe sagt.

In dem Zusammenhang ist es für mich nach wie vor nicht nachvollziehbar, wie sinnvoll strikte Heimquarantänen sind, zumindest für Betroffene, die zu Fuß in einen Park oder in den Wald gehen können, und erst Recht für Risikogruppen und Ältere. Ich hab die letzten Tage genug darüber geschrieben.

Welche Rolle spielt Vitamin D?

Ein anderer Faktor sind Sonnenlicht und die Rolle von Vitamin D. Dr. John Campbell erwähnt dies immer wieder bei seinen Tageszusammenfassungen zur weltweiten Entwicklung von Covid19,zuletzt gestern am 13. April.

Demnach weisen 42 Prozent der US-Bevölkerung einen Vitamin-D-Mangel auf, in der schwarzen Bevölkerung sind es sogar 82 Prozent und bei den Hispanos sind es 70% (Quelle: https://www.healthline.com/nutrition/vitamin-d2-vs-d3)  Grund dafür ist, dass die stark pigmentierte Haut das UV-Licht absorbiert, dadurch ist die Synthese von Vitamin D deutlich herabgesetzt. Tatsächlich sind Schwarze und Hispanos überdurchschnittlich stark von schweren Verlaufsformen und Tod betroffen. Medienberichte führen dies aber ausschließlich auf sozioökonomische Gründe (verringertes Einkommen) zurück.

Später erwähnt Campbell nochmals einen möglichen Einfluss von Vitamin D in Zusammenhang mit der vergleichsweise flachen Epidemiewelle in Australien:

australien

Stand, 14.04.2020, Quelle: health.gov.au

Die viel kritisierten „Beach Parties“ hätten offenbar nicht zu einem dramatischen Anstieg geführt. Australien sei überhaupt ein sehr sonniges Land, verglichen mit UK oder anderen europäischen Ländern, und dort sei derzeit noch Spätsommer. Den Zusammenhang zwischen Vitamin D und Immunität hat Campbell am 09. März erläutert. Demnach lässt sich ein Mangel mit einem gehäuften Auftreten schwerer Verlaufsformen von Virenerkrankungen verbinden. Vitamin-D-Zufuhr verringert das Risiko, sich mit Atemwegsinfektionen anzustecken.

dashboard

Anzahl der Infektionen weltweit, Stand, 14.04.2020, 08 UTC – Quelle: WHO Dashboard

Die Häufung auf der Nordhalbkugel ist augenscheinlich und könnte man mit den Jahreszeiten in Verbindung bringen. Auch Hendrick Streeck, der mittlerweile umstrittene Virologe der Heinsberg-Studie, erwähnte im letzten Podcast im BR in einem Satz, dass der Einfluss der wärmeren Jahreszeit eine Rolle spielen könnte, „man müsse nur auf die Südhalbkugel schauen“.

In Summe ist für mich als studierten Wissenschaftler (nicht Mediziner) aber fragwürdig, ob man einfach so direkte kausale Zusammenhänge ziehen kann. Die Südhalbkugel hat deutlich weniger Flugverkehr und importierte Fälle verglichen mit der Nordhalbkugel. Abseits von Indien und Australien sind die Staaten häufig viel ärmer und haben wesentlich weniger Tests zur Verfügung. Die Dunkelziffer könnte sehr hoch sein. Bester Indikator dafür ist die Todesrate unter der Annahme, dass das Virus überall die gleiche Letalität aufweist. Wenn die registrierten Todesfälle im Vergleich zu den registrierten Infektionen überproportional hoch sind, würde das auf eine hohe Dunkelziffer hinweisen. Tatsächlich weist Afrika insgesamt niedrigere Todeszahlen auf als man vermuten würde. Allerdings ist unsicher, wie aktuell diese Daten sind aufgrund unterentwickelter Gesundheitssysteme. Überbevölkerung und Lebensweise (dicht gedrängt, mehrere Generationen, kulturelle Unterschiede zu Mitteleuropa) würden die Ausbreitung des Virus begünstigen, vor allem in der ärmeren Bevölkerungsschicht (Lager, Slums, etc..). Campbell verweist darauf, dass UK weniger von Sonnenlicht begünstigt sei, allerdings … was ist mit Spanien und Italien? Sonnige Länder, aber enorm viele Infektionsfälle. Dafür mehrere Generationen im gleichen Haus lebend, während die viel weniger betroffenen Staaten Deutschland und Österreich eher Prototypen für Ein-Generationen-Haushalte sind.

Gegenwärtig gibt es noch keine Studien bezüglich Vitamin-D und Covid19 (Stand, 13.04.).

Zum Abschluss noch der Verweis auf ein weiteres gehaltvolles Interview mit Martin Sprenger, der eine Menge an wichtigen, offenen Fragen anspricht, die fehlende Begleitforschung und vor allem die fehlende transparente Datengrundlage in Österreich.