Tag 704: Individuelle Risiken einer Pandemie

„Es wird nicht so sein, dass es jetzt nochmal durchläuft und dann sind wir wieder, wo wir waren, sondern die Welt ist etwas schlechter geworden, weltweit übrigens, wir sind noch am besten geschützt. Wir haben einen Virus, was ansteckender und gefährlicher als die Grippe ist, und die Idee, dass das jetzt immer harmloser wird, demnächst eine Erkältungskrankheit, das ist eine ganz gefährliche Legende, das mag in dreißig, vierzig Jahren so sein, aber nicht für die nächsten zehn Jahre.“

Gesundheitsminister und Epidemiologe Karl Lauterbach, 13.02.22

„Omicron ist keine Erkältung, und die derzeit kursierende Rhetorik, dieses Narrativ da draußen, ist gefährlich und tödlich. OMICRON und DELTA infizieren Individuen, bringen Menschen ins Krankenhaus, und wenn man hohe Fallzahlen hat, wird man eine Zunahme der Spitalsaufnahmen sehen. Dieses Virus, OMICRON, wird Risikogruppen erreichen. Es erreicht ältere Personengruppen und wir werden zunehmende Todeszahlen sehen. Die Andeutung, dass OMICRON bloß eine milde Infektion wäre, ist wirklich, wirklich gefährlich, und das möchte ich betonen, ohne die Öffentlichkeit in Angst zu versetzen.“

Maria van Kerkhove, WHO, 05.01.22

„Wir sind jetzt in einer Phase der Pandemie angelangt, in der Menschen mit oder ohne Vorerkrankungen, die sich nicht wiederholt mit einem unberechenbaren, neurotropen Virus anstecken wollen, herabgewürdigt und pathologisiert werden.“

@dederreda, 15.02.22

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Aufhebung aller Maßnahmen? Warum sollte man noch länger warten? In den letzten Tagen häufen sich Aussagen wie, dass sich vorsichtige Menschen verrannt hätten, dass mit nahe 70% Impfquote SARS-CoV2 zu einem Gesundheitsrisiko wie andere Krankheiten geworden sei, etwa wie die Influenza, und deswegen hätte man auch nicht so einen Bahö gemacht.

Wir sind alle erschöpft, wir wollen alle unser früheres Leben zurück, sofern wir eins gehabt haben. Nur interessiert sich das Virus nicht dafür, was wir wollen. Es kümmert sich weder um symbolische Tage, an denen alle Maßnahmen aufgehoben werden (sollen), noch um christliche Feiertage, an denen landesweit Familientreffen stattfinden. Die Pandemie läuft weiter, ob wir das wollen oder nicht.

Jetzt ist der falsche Zeitpunkt, um alle Vorsicht zu vergessen und zur „Normalität“ zurückzukehren – nicht vergessen, die Normalität hat uns weitere Wellen beschert, viel Leid und erst in die Lage gebracht, dass die entwickelten Impfstoffe an Wirksamkeit eingebüßt haben.

Ist der Umgang mit Influenza falsch?

Die Influenza wird immer wieder als Totschlagargument genannt, dass wir deswegen auch keine Maßnahmen gesetzt hätten. Das stimmt nicht. Ich erinnere mich noch an die Grippewelle im Winter 2019/2020 vor Ausbruch der Pandemie. Im Innsbrucker Land wurden einzelne Volksschulen geschlossen. Begründet hat man das so:

Die Gesundheit hat stets oberste Priorität. Deshalb haben wir uns zu dieser Maßnahme entschlossen.“

„Da Kinder seltener gegen Influenza geimpft sind, können sich die Viren rascher verbreiten und vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen und innerhalb der Familie – bei nicht-geimpften Personen – zu weiteren Ansteckungen führen.“

Vorbeugung besser als Nachsorge.“

Bei der Influenza hat man interessanterweise nie in Frage gestellt, dass Kinder infiziert werden und das Virus weitergeben können.

Infektionssterblichkeit von Covid19 (Stand: Wildtyp) versus saisonale Influenza in den USA

Das Auftreten der saisonalen Grippeviren wird stichprobenartig überwacht durch das Sentinella-System (wenige ausgewählte niedergelassene Ärzte in Österreich) sowie von hospitalisierten Patienten und Meldelaboratorien. Für die Influenza existiert ein gesonderter Pandemieplan für Österreich. Dazu zählen auch Schulschließungen:

„Auf Basis des Epidemiegesetzes kann bereits eine Quarantänisierung von infizierten Personen, die Durchführung von Schutzmaßnahmen bei Gesundheitspersonal oder sonstigen bestimmten gefährdeten Personen (Impfungen, Chemoprophylaxe), Maßnahmen gegen das Zusammenströmen größerer
Menschenmengen, Verkehrsbeschränkungen, der Einsatz von speziellen „Epidemieärzten und -innen“ sowie die Schließung von Schulen und Kindergärten oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen veranlasst werden.“ (Seite 12)

„Die Information soll vor allem die Fakten über die Bedeutung der Krankheit, Angaben zur Verbreitung des Virus und das Ausmaß der Epidemie enthalten […]“ (Seite 34)

Was bei Influenza gilt, wird bei Covid19 klar missachtet – weder erfährt die Bevölkerung die Fakten über die Bedeutung der Krankheit [LongCOVID], Angaben zur Verbreitung des Virus [Covid is Airborne] noch über das Ausmaß der Epidemie [Kindergärten und Schulen bzw. über „Haushalt“ hinausgehende Ansteckungsquellen].

Um ehrlich zu sein, hätten mich nicht die Berichte auf Twitter von Internisten und Intensivärzten über junge Menschen mit schweren Verläufen nachdenklich gemacht, hätte ich mich nicht im Herbst 2020 das erste Mal gegen Influenza impfen lassen. Später kamen die Recherche über LongCOVID und die Berichte aus erster Hand von MECFS-Betroffenen hinzu. Seitdem nehme ich ohne zu zögern jede Impfung in Anspruch, die bereitgestellt wird. Auf der Rückfahrt von meiner Kur im Salzkammergut im Ende Jänner 2019 hatte ich noch gescherzt, dass ich im Regionalzug über Hallstatt die Wahl zwischen hustenden Einheimischen mit Influenza und hustenden Chinesen mit Covid19 gehabt hatte. Schon immer hatte es mich gestört, dass unser Wirtschaftssystem Menschen belohnt, sogar befördert, die sich krank zur Arbeit schleppen, während die vorsichtigen Menschen, die mit Symptomen lieber daheim bleiben, eine negative Mitarbeiternote erhalten. Nicht hilfreich ist zudem, dass in der öffentlichen Kommunikation grippale Infekte (influenzalike illness, ILI) und die echte Influenzagrippe nicht unterschieden werden.

Seit dem Herbst 2020 wurde die Influenzaschutzimpfung ins kostenlose Kinderimpfprogramm aufgenommen. Bis 2020 betrug die Durchimpfungsrate bei Influenza in Österreich unter 10%, im Europavergleich weit unterdurchschnittlich. Viele Expertinnen und Experten gingen noch im Herbst 2020 von einer Influenzawelle im Winter 2020/2021 aus. Tatsächlich konnte man mit den Covid19-Maßnahmen (Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht) zwei von vier Grippestämmen ausrotten. Die Influenzawelle fand de fakto nicht statt. Die gefürchtete Doppelbelastung des Gesundheitssystems bzw. Doppelinfektionen traten nicht ein.

Im Wissen darum, wie leicht sich die saisonale Influenzawelle durch einfache Maßnahmen wie Impfen gehen, Hygiene, Maskenpflicht und Lüften in Schach halten lässt, wäre das doch ein Modell für die Zukunft, eine intelligentere Normalität, die neben Covid19 auch die Kindersterblichkeit durch Influenza gering hält? Nebenbei reduziert man so auch andere gefährliche Infektionskrankheiten wie Masern und RSV – und reduziert als angenehmen Nebeneffekt die Krankenstände der Eltern.

Risiko der Kinder

„Keine der herkömmlichen und derzeit durch Impfungen bekämpfbaren Kindererkrankungen hat eine so große Krankheitslast wie sie SARS-CoV2-Infektion“.
„Wir können nicht Kinder mit Erwachsenen vergleichen und sagen, Kinder haben eh kein Problem. Wir müssen die Erkrankungen der Kinder mit anderen Kinderkrankheiten vergleichen.“
„Und wir kennen keine Kinderkrankheit, die so belastend ist, so viele Hospitalisationen, so viele schwere Fälle, so viele Intensivstationsaufenthalte verursacht wie die Covid-Erkrankung.“

Karl Zwiauer, Mitglied des Nationalen Impfgremiums und Kinderarzt, 17.09.21

In Deutschland sind im Jänner 2022 10% der insgesamt verstorbenen Kinder an Covid19 gestorben. Bei den 20-29jährigen betrug die Quote etwa 5%, bei den 30-39jährigen 7%. Bei den Kindern ist der relative Anteil der Coronatoten also deutlich höher als bei höheren Altersgruppen – das kann mit der höheren Impfrate bei den Älteren zu tun haben. Kinder sterben weiterhin sehr selten an Corona, aber sie sterben überhaupt sehr selten. Die Kindersterblichkeit beträgt allgemein unter 0,5% – die größte Errungenschaft der Neuzeit. Es ist daher immer richtig, eine Krankheit zu bekämpfen, die für 10% der Todesfälle verantwortlich ist.

Zum jetzigen Stand wurden unter 25% aller Kinder zwischen 0 und 15 Jahren erstgeimpft. Hier klafft also noch eine riesige Impflücke. Für die 0-4jährigen wurde noch gar keine Impfung zugelassen – alle Impfungen in dieser Altersgruppe erfolgten offlabel. Ausgerechnet diese Altersgruppe hat so gut wie keinen Schutz in den Kindergärten. Weder gibt es verpflichtende Tests, CO2-Messgeräte noch eine Impfpflicht für Erzieherinnen. Das gilt genauso für Volksschulen und höhere Schulstufen, wo nur sporadisch Schulklassen durchgeimpft sind mit großen regionalen Unterschieden.

Wie schon bei Influenza „eh nur a Gripp“ ist die wichtigste Ursache für die geringe Durchimpfungsrate bei Kindern die desinformierende Berichterstattung mit massivem False Balance. Die Lektüre meiner Zitatsammlung sollte genügen, dass noch bis Oktober 2021 der Nutzen der Kinderimpfung in Frage gestellt wurde – u.a. von Epidemiologe Gartlehner:

„Also bei den Kindern muss man sagen, bei gesunden Kindern ist das Risiko, dass sie schwer erkranken, sehr, sehr gering, kann vorkommen. Und das Abwägen der Risiken und des Nutzens bei den Kindern bei den Impfungen wird, es ist nicht schwieriger, das müssen dann wirklich die Eltern für sich selbst und mit ihren Kindern durchführen. […] der Nutzen bei Kindern eindeutig geringer ist als der Nutzen bei Erwachsenen, wenn man sich impfen lässt.“ (26.10.21, ZiB2)

Dazu muss man wissen, dass Gartlehner von Beginn wie so viele verantwortliche Akteure der Pandemie nur auf Hospitalisierung und Sterblichkeitsraten schaut. LongCOVID wird vollkommen ausgeblendet.

Ja, wir haben Februar 2022 und nicht mehr Februar 2020. Dafür kann man sich nicht mehr darauf verlassen, dass bei hohen Inzidenzen Schulen geschlossen werden oder ins Distance Learning wechseln müssen wie im ersten Pandemiejahr. Was bei Influenza gilt, wird jetzt negiert – obwohl SARS-CoV2 ansteckender und gefährlicher ist, und wesentlich mehr Langzeitfolgen hervorruft als Influenza.

Wie von Virologen bereits mehrfach in Studien festgestellt und von LehrerInnen anekdotisch bestätigt, sorgt eine DELTA-Infektion nicht für eine Immunität gegen OMICRON, und selbst bei OMICRON ist es möglich, sich mit dem Subtyp BA.2 erneut anzustecken. Anekdotisch – erneut Berichte von Lehrern auf Twitter – geht es vielen Schülern nach einer Reinfektion gesundheitlich schlechter als nach der Erstinfektion.

Infektion alleine erzeugt sehr große Bandbreiten an Immunität, nur die Impfung erzeugt einheitlich hohe Immunitätslevel (Parker et al., 2022)

Die Inzidenzen sind zu hoch, um mit Covid19 zu leben

Ich beschäftige mich jetzt seit zwei Jahren intensiv mit dem Thema. Natürlich kenne ich die Sichtweise zur Genüge, dass man mit Covid19 leben müsse wie mit anderen Krankheiten. Dass das Leben nun mal lebensgefährlich wäre und wir nicht ewig Maßnahmen aufrechterhalten können. Natürlich kommen immer wieder mal Zweifel, ob ich mich verrannt habe, dass ich zu viel über relativ seltene Langzeitfolgen lese, die nach drei Impfungen bei immunkompetenten Menschen extrem unwahrscheinlich sind, dass ich mich zu sehr fürchte und Panik schiebe. Gleichzeitig brauch ich nur in mein Umfeld schauen. Das besteht aus immunkompetenten Menschen, die trotz dreifacher Impfung von OMICRON heftig hergebeutelt werden, das besteht aber auch aus immunsupprimierten Menschen, die auch nach der vierten, fünften Impfung nicht genug Antikörper aufgebaut haben. Soll ich jetzt zu denen sagen: „Dich hätte auch die Influenza umbringen können, daher kann man jetzt alle Maßnahmen aufheben.“ – anders gesagt für „Du wärst sowieso gestorben.“ Dabei schützen die Maßnahmen gegen Covid19 eben auch vor Influenza und anderen Infekten, die „vulnerable“ Gruppen gefährden. Eine Menge noninvasiver Maßnahmen könnte generell mehr Bevölkerungsschutz erzeugen, ohne individuelle Freiheiten einschränken zu müssen.

Es ist einfach zu früh für Lockerungen – auch nach zwei Jahren Pandemie und Frustration. Die Hoffnung, das Gröbste überstanden zu haben mit 75% Bevölkerungsimmunität, bestand noch beim Wildtyp. Aber wir müssen anerkennen, dass diese Schwellenwerte nicht mehr seit dem Auftreten der Varianten gelten, schon gar nicht mit OMICRON. Solange man keine Impfstoffe entwickelt hat, die auch die Übertragbarkeit länger unterbinden, wird man zusätzliche Maßnahmen setzen müssen. Long COVID ist eine reale Gefahr.

Im März 2020 haben wir den Lockdown gemacht, um zu verhindern, dass vor allem ältere und vulnerable Personengruppen in großer Zahl schwer erkranken und das Gesundheitssystem überlasten. Kinder sollten ihre Großeltern nicht besuchen, um sie nicht zu gefährden. Ab dem Zeitpunkt der Impfung älterer Personen hat man beschlossen, die Infektion bei den Kindern durchlaufen zu lassen – statt zu warten, bis die Impfdosis für Kinder angepasst wurde.

„Man muss eher mit nichtpharmazeutischen Maßnahmen versuchen, die Infektionsgefahr so gering wie möglich zu halten, und die Wochen bis zur Zulassung abwarten. So viel Geduld muss man aufbringen“

Herwig Kollaritsch, NIG, zur Off-Label-Impfung der 5-11jährigen, 18.09.21

So viel Geduld wollte keiner zeigen. Jetzt sagen gesunde Eltern, die ihre Kinder längst geimpft haben: „Die Impfwilligen hatten ihre Chance gehabt. Wir können keine Rücksicht mehr nehmen.“

Familien mit vulnerablen Kindern oder Eltern werden im Stich gelassen – Reportage von Colette M. Schmidt im „Standard“ zu Schattenfamilien (15.02.22) – das betrifft aber nicht nur Familien, sondern auch vulnerable Menschen, die alleinstehend sind. Es betrifft Familien mit Kleinkindern, von denen ein Elternteil an Krebs erkrankt ist und trotz Impfung keine Antikörper entwickelt hat. Es betrifft Transplantierte und Kinder mit Herzfehler oder unterentwickelter Lunge. Es betrifft Angehörige die ihre schwerkranken Eltern pflegen und sich vorsehen müssen, sie nicht anzustecken. Fällt die Maskenpflicht im öffentlichen Raum, werden Gratistests abgeschafft, steigt auch für die pflegenden Personen das Infektionsrisiko und die Gefahr, Covid auf vulnerable Personen zu übertragen.

Mit einer anderen Ausgangslage könnten wir lockern. Dazu brauchen wir aber möglichst lückenloses Contact Tracing, eine österreichweit niederschwellige Teststrategie und eine einheitliche Maskenpflicht, die nicht abgeschafft wird, obwohl sich keiner dafür ausspricht.

Stellungnahme Gesundheitsministerium für das Ö1-Mittagjournal zur Lockerung der Maskenpflicht in den Schulen, 15.02.22

„Die Maßnahmen wurden innerhalb der Bundesregierung abgestimmt. Eine explizite Empfehlung der Expertinnen und Experten des Gesundheitsministeriums diesbezüglich liegt nicht vor.“

Zudem bräuchte es z.B. tägliche Inzidenzberichte auf Gemeindeebene, sodass gerade vulnerable Personengruppen besser einschätzen können, wie hoch die Gefahr im direkten Umfeld ist, auf infizierte Kontakte zu treffen. Diese Genauigkeit haben manche Bundesländer, aber nicht alle.

Nicht zuletzt ist die Abwägung, wann man seine Vorsicht aufgibt, auch abhängig von der individuellen Lebenssituation:

Junge Leistungssportler haben viel zu verlieren, die Berufsgrundlage, wenn sie chronisch an LongCOVID erkranken. Immunsupprimierte Menschen müssen sich gar nicht rechtfertigen, weshalb sie weiterhin vorsichtig sein wollen. Hinzu kommt eine neue Gruppe der Vulnerablen: LongCOVID-Patienten – manche haben trotz zwei- oder dreifacher Impfung immer noch anhaltende Symptome, manchen geht es nach Reinfektion wieder schlechter, manchen durch die zweite oder dritte Impfung. Auch LongCOVID-Patienten oder ehemals Hospitalisierte, die nun zur Risikogruppe zählen, wollen eine erneute Infektion lieber vermeiden.

Ich schreibe selten über meine aktuelle Situation: Ich war nach der dritten Impfung zuversichtlich, dass sie gegen DELTA effektiv wäre und ich wieder mehr Risiken hätte eingehen können. Sonst hätte ich keine geführten Schneeschuhwandertage gebucht. Nur einen Monat nach der Urlaubsplanung kam OMICRON und zerstörte alle Pläne. OMICRON umgeht den Impfschutz soweit, dass man selbst wenige Monate nach dem Booster schwere COVID-Symptome entwickeln kann, und die Erkrankung länger als „ein paar Tage Schnupfen“ sein kann. Ja, solche Verläufe beunruhigen mich. Schreiben und Wandern sind mein Leben – ich möchte auf beides nicht verzichten müssen, weil ich kognitiv und körperlich durch COVID nicht mehr in der Lage wäre, und beim Beginn der Symptome nicht weiß, ob es nur ein paar Tage, ein paar Wochen oder Monate Pause werden. Deswegen möchte ich OMICRON lieber vermeiden und wenigstens die Chance auf einen variantenspezifischen Booster oder eine herkömmliche vierte Impfung haben, aber im vernünftigen Abstand zur dritten Impfung, ohne das Immunsystem zu verwirren/überlasten.

In Summe: Vertagen wir doch bitte den „Freedooms Day“ – Masken tun keinem weh. Lieber testen und weitere Infektionen verhindern als lange Krankenstände produzieren. Und für geschlossene Räume sollten die Lüftungsmaßnahmen endlich umgesetzt werden, die seit bald zwei Jahren gefordert werden. In Schulen sollte es möglich sein, vorübergehend ins Distance Learning zu wechseln – auch das tut weniger weh als Kinder in Quarantäne oder krank, die den Schulunterricht gänzlich verpassen. Man könnte und sollte warten, bis die Impfung für 0-4jährige zugelassen wurde. Impfungen der Kinder schützen auch die Gesamtbevölkerung, die vulnerablen Gruppen, die nicht oder kaum von der Impfung profitieren.

Die beste Impfkampagne für Kinder ist aber unglaubwürdig, wenn die verantwortlichen Politiker nicht öffentlich eingestehen, Covid bei Kindern verharmlost zu haben. Sonst passt das nicht zusammen, wenn sie plötzlich das Gegenteil reden. Das gilt übrigens auch für Pseudoexperten – aber Fehlerkultur existiert in Österreich nicht, allzu viel sollte man da nicht erwarten.

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